Gedichte,
Kurzgeschichten,
Momentaufnahmen

27.01.2007 um 02:03 Uhr

Zwei Hirngespinste (27.1.07)

von: AngelInChains   Kategorie: Kurzgeschichten

"Sie schloss die Augen. Der Wind, der ihr Gesicht und ihr Haar striff, fuehlte sich angenehm frisch an, an diesem warmen Fruehlingstag. Die Sonne schien grell. Einige Voegel zwitscherten und dazwischen vernahm sie das Geraeusch, das Klimpern, das einzelne Windboen in den hin und her schwingenden Metallketten verursachten, die die Ruine absperrten. Sie sah die eingestuerzten Waende vor sich. Darueber die hohe Betonkonstruktion, mostroes, monumental. Sie sah hinauf. Wie klein kam sie sich darunter vor. Das Geraeusch des Windes verunsicherte sie ein wenig. Sie glaubte, die Betonkloetze ueber ihr wuerden im Sturm schwingen. Sie wurde unruhig. Wenn diese tonnenschweren Platten auf sie stuerzen wuerden... Dieses Gebilde... Das schon ueber 50 Jahre dort stand. Der Grund, auf dem ihr Gewicht lag... Wie viele Menschen waren hier schon umgekommen? Sie konnte ihr leises Fluestern unter ihren Fuessen hoeren. Schnell kehrte sie diesem Ort ihren Ruecken." 

Wirklich auf diese Weise erlebt.

~*~

"Ploetzlich hatte eine tiefe innere Leere sie ergriffen. Sie glaubte, erzittern zu muessen, doch ihr Leib zeigte keine Reaktion auf das Schrecken, das ihren gesamten Koerper vereinnahmte. Sie seufzte nicht, als sie das Buch schloss. Sie lehnte sich zurueck, ergriff die Waffe auf ihrem Schreibtisch, und erschoss sich."

Zum Glueck noch nicht erlebt.

~*~

cn P

25.01.2007 um 01:34 Uhr

Gedanken zur Vergaenglichkeit (25.1.07)

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Bald war die blutige Glut erloschen, schwarze Nebel hatten sich ueber die purpurroten Seidenbaender gelegt, die ueber das Firmament ausgebreitet waren. Vergaenglichkeit machte sich in der engen unwissenden Menschenbrust breit, ein Seufzen, ein hastiger Atemzug, ein erstaunter Blick. 

Vanitas! Wieso musste alles Schoene vergehen? Wieso musste das, was eben noch bluehte, schon wieder zu Staub zerfallen?

Das Herz des unschuldigen Menschenkindes schnuerte sich zu. Wieso war es so schwer, zu verlieren, wo doch jeder Verlust auch die Entstehung einer neuen Schoenheit bedeutete? Doch es faellt dem Wesen des Menschen nicht leicht, dies zu begreifen. Der Geist mag es begreifen, Wissenschaftler schreiben von Kreislaeufen, von Logik, von gleichwertigen Energien, doch die Seele - Sie versteht oder verkraftet so vieles nicht.

Im Anblick des Zerfalls dessen, was soeben noch existierte, beginnt das menschliche Kind, in Traenen auszubrechen. Es kann sich nicht dagegen wehren. Wie grausam doch die Natur ist. Die -schoene- Natur.

Ein Bild zerfliesst, das naechste entsteht. 

cn P 

16.01.2007 um 01:43 Uhr

An Hoffmanns Grab

von: AngelInChains   Kategorie: Kurzgeschichten

Waehrend der Wind zart die herbstfarbenen Blaetter striff, und die noch warme Mittagssonne hinunter auf die Mauern des Friedhofs und auf die alten Graeber und Gruften herab schien, schritt ich unter dem dichten Geaest der knorrigen Eichen hinueber zu Hoffmanns Grab. Der Weg war noch vom letzten Gewitter und damit einher gegangenen starken Regenfaellen durchnaesst, moderig-matschig, und meine Schritte klangen demnach, wie auf sumpfigem Grund ueblich, stapfend und schwer. Hoffmanns Grab lag fruehlingshaft vor mir, einige Blumen bluehten aus dem Grund, andere standen abgeschnitten, abgetoetet, in dunkelgruenen, in den Boden gesteckten Vasen. Die Inschrift im Stein war beschaedigt, der gravierte Teil durch den Lauf der Zeit verwittert, die golden-metallenen Lettern, die den Namen bildeten, die oberflaechlich angebracht waren, waren auch nicht mehr vollstaendig. 

Ich legte einige Hyazinthenblueten auf die steinerne Platte, etwas entfernt von den anderen Blumen. Ploetzlich hoerte ich eine Stimme hinter mir: "So so, jemand stoert sich an meiner Kaelte?" - Ich sah mich um. Ein altertuemlich gekleideter, noch relativ junger, Mann, schritt auf mich zu. Eine Schoenheit war er nicht und er wirkte so merkwuerdig starr. "Herr Amadeus?!", fragte ich unglaeubig. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. "Ja, der bin ich", antwortete der Fremde jedoch, "und mit wem habe ich es zutun?"

~*~

Es geht um den Berliner Schriftsteller Hoffmann, der sich selbst den Vornamen Amadeus gab und sich auch sehr geehrt vorkam, wenn man ihn so benannte; Er ist in Berlin begraben, jedoch befinden sich auf dem Grabstein KEINE Metalllettern, sondern nur eine schlichte, geschwaerzte Gravur - Das weiss ich, ich wollte mir aber ein wenig kuenstlerische Freiheit erlauben; Hyazinthen gelten gemeinhin in der "Blumensprache" als Symbol fuer die Sehnsucht nach einer Person, die aus deren (Eigentlich charakterlicher) Kaelte resultiert; E.T.A. Hoffmann starb nach einer laengeren Krankheit, in der sich sein gesamter Koerper verkrampfte, dadurch evtl die Starre ;) Soweit die Anmerkungen zu der leichten Abwandlung meines neulichen Traums... Ob ich mehr dazu schreiben werde? Ich weiss es nicht.

cn P

12.01.2007 um 15:56 Uhr

Narren (12.1.07)

Manchmal woellt ich Narren schimpfen
Euch alle, die ihr vor mir steht
Tief bis zum Hals in Nebelsuempfen
Und nichts mehr von der Wahrheit seht
 

Was nicht in eure Lehren fuegt
Sich, sondern frei sei Leben waehlt
Was nicht sein ganzes Dasein luegt
Wird von euch schnell zum Wahn gezaehlt

Doch sollt als Suender buessen ich
Ich lacht euch eitel aus
Von Menschen, die nur blenden sich
Geht keine Wahrheit aus

(Ueberarbeitungsvorschlaege sind immer gerne gesehen)

cn P

12.01.2007 um 01:09 Uhr

Mitternachtsgedanken (11.1.07)

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Als ich heute Abend am Wegesrand stand und ins Dunkel blickte, die kuehle Nachtluft einatmete, bemerkte ich, wie unendlich tiefblau der Himmel ueber mir lag, nicht so, wie in manchen Sommernaechten, wie ein dichtes Tuch aus Samt, sondern offen, endlos erscheinend, ohne dass man sich irgendeine Grenze haette vorstellen koennen. Ploetzlich erfuellte nur ein Gefuehl meine Seele: Was bringt die Sorge, was bringt das Leid - Heute blute ich, aber es wird weiter gehen. Der Lauf der Zeit wird meinen Koerper weiter tragen, wie auf einem tosenden Meer, immer weiter ins Blau, fortgetrieben vom Ufer... Dinge werden unergruendlich, werden unendlich, und selbst, wenn ich einmal sterbe - Was braechte mir Angst? Was braechte Sorge? Vielleicht muss ich leiden, muss ich sterben... Aber der Kreislauf wird nie unterbrochen werden. Und auch, wenn dieser Gedanke unlogisch erscheint, wenn man ein diesseitiges Leben betrachtet: Irgendwie gab mir diese Idee fuer einige Minuten das Gefuehl, ich braeuchte nichts und niemanden mehr zu hassen oder zu fuerchten.

cn P

08.01.2007 um 17:10 Uhr

Décadence - d'amour et des morts (7.1.07)

von: AngelInChains   Kategorie: Lyrik: Liebe

Kalt brennt dein weißer Marmorleib
Auf meiner Lippen Glut
Und deine Augen strahlen weit
In gold'ner Sternenflut
 

Was kümmert mich der Lauf der Welt
Wir sind lebendig jetzt und hier
Und wenn um uns das All zerfällt
Ich fürchte nicht den Tod mit dir

Es ist ein Gift, was sie zart nährt
Durch das die dunkle Rose blüht
Nach der sich unser Sein verzehrt
Bis es am Ende grell verglüht

Die Hoffnung ist ein and'res Maß
Als die Lust, die in uns steigt
Im herz-geformten Spiegelglas
Das alles sieht, doch ewig schweigt