Gedichte,
Kurzgeschichten,
Momentaufnahmen

01.02.2007 um 01:39 Uhr

Nur ein Moment am 19. September 2000

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Ich oeffnete langsam die Augen. Schwer drueckte sich mein Koerper auf den steinigen Untergrund. Ich muss auf dem Ruecken gelegen haben, denn das erste, was ich sah, war ein hellblauer Himmel mit weissen Schaefchenwolken und grelles, sommerliches Sonnenlicht. Ich lebte noch? Muehsam versuchte ich, mich zu erheben. Da stand ich und blickte an mir herab. Blut, ueberall Blut. Aber ich lebte doch noch, trotz allem? 

cn P

01.02.2007 um 01:03 Uhr

Briefe ueber Vergangenes, Verborgenes und Verstoerendes (1.2.07)

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

An A.:

Wieso weinst du nun, wo ich meine Hand, die ich dir ueber Jahre reichte, zurueck zog, nachdem du sie niemals ergriffst - sondern schmaehtest, in falschem Stolz? Was erwartest du - Dass ich sie dir weiter, bis an mein Lebensende, entgegen strecke, und mich laecherlich mache, meine Ressourcen verschwende? Die Hand wird von anderen Menschen benoetigt, von solchen, die sie zu schaetzen wissen. Nun hast du, und es ist ja nicht so, dass ich dich nie zuvor warnte, deine Chance verloren. Damit musst du leben, wie ich damit leben muss, nun wieder "Einzelkind" zu sein. Ich werde, sicher wird es auch bei dir so sein, wieder neue Menschen finden, vielleicht auch wieder solche, mit denen ich wirklich viel teilen kann. Aber das hier wird mit Sicherheit nichts mehr, liebe A.

~*~

An M.:

Spuerst du das Sehnen, das im Nebel deines Herzens umher wandert, ziellos, wie ein Wanderer, der sich in der dunklen Nacht verirrte? Fuehlst du, wie diese Gedanken an deiner Seele saugen, wie ein naiver Mensch an der Aura einen grossen Geistes - Wie die Kraft, irgendeine Kraft, an deinem Atem zehrt, deine Brust wie ein Bleigewicht gen Boden drueckt? Ich frage mich - Sollten wir nachgeben und uns unserem Schicksal fuegen? Oder muessen wir den Gang der vielen Buesser gehen, die ihre Sehnsucht unterdruecken, und weiter so leben - so tun, als sei das hier zu leben?

~*~

An P.:

Das Leiden ist - nicht nur des Menschen, auch alles Lebens Basis - Wer nun widerspricht, hat noch nicht die Augen geoeffnet: Haetten wir keinen Schmerz, haetten wir nichts, von dem unsere Freuden sich abhoben. Wir benoetigen, ob wir wollen, oder nicht, zwangslaeufig Unglueck, um Glueck zu spueren, Schmerz, um Wohlsein zu fuehlen, Hunger, um zu verstehen, was es heisst, satt zu sein. Ich weiss, dies erscheint im Moment wenig troestlich. Aber an irgendetwas muss man sich klammern, um am Leben zu bleiben. Man kann zumindest versuchen, sich selbst einen kleinen Strohhalm zu schaffen. Wenn man mehr schon nicht tun kann.

~*~

An W.:

Woellte ich laut, im Wahn, besessen, schreien: "Lass uns einigen Menschen ihr Leben versauen!" - Kaeme mir als zweites nur der, traurig-logische Gedanke: Dazu genuegte es wohl bei vielen schon, ihnen zwei Tage ihren Fernseher zu entziehen. Schon haetten viele alles verloren.

~*~

cn P