Gedichte,
Kurzgeschichten,
Momentaufnahmen

06.01.2005 um 19:33 Uhr

Poesie des Himmels

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Ich hatte schon am Vormittag die ineinander verschlungenen Gewitter- und Schoenwetterwolken beobachtet, wie sie relativ schnell ueber den Winterhimmel zogen, im seit Tagen vorherrschenden Sturm. Der Himmel schimmerte von hellblau bis dunkelgrau, Schaefchenwolken in von weiss bis schwarz zogen vorueber und die kahlen Baeume schaukelten im Wind. Nun schien alles ein wenig seltsam und Erinnerung ueberkam mich. Es war zuerst ein wenig kalt gewesen, dann jedoch machte sich eine bekannte Waerme breit. Der Himmel schien nicht wie Winter, die Wolken waren nun alle samt grau, die Sonne ging bereits unter und tauchte den Horizont in ein kraeftiges Orange. Gelb erstreckte sich seine Gischt ins helle Blau, die Luft war frisch, Sehnsucht machte sich mit den Stroemungen von kuehlem Hauch breit. April 2003, den 1. Genau so fuehlte ich mich, wie, als ich an jenem Tag meine Wohnung des Nachmittags verliess, doch damals war ich anders gekleidet gewesen, ein wenig weniger, doch, an sich, war dies ein grosser Unterschied? Ich fuehlte mich, als sei ich noch etwa 2 Jahre juenger, eine gewisse, nun vollkommen unbegruendete, Nervositaet machte sich breit. Leichte Aufregung, wie, bevor ich ihn getroffen haben sollte. Doch heute ging ich in die umgekehrte Richtung. Oefters schloss ich die Augen, hoerte nur auf die Toene der Natur, konzentrierte mich auf das Streicheln des Windhauchs, die Waerme der vergehenden Sonne. Wenn ich sie wieder oeffnete, brannte der Horizont... Nein, eigentlich war es bloss ein sanftes Glimmen. Kein seltsames Farbenspiel, wie in den letzten Wochen so oft, keine Varitaet, nur Orange, Gelb, Weiss, Blau und ein kleines wenig Grau. Dennoch malerisch, die orange gluehenden Wolkenraender. Die Gebilde hatten sich langsam ein wenig verzerrt, vergroessert, doch noch immer trennten grosse Stuecke von Himmelblau die grauen Teppiche. Ich spuerte gewissermassen Glueck, eine seltsame Zufriedenheit, trotz Kopfschmerz, trotz dem so viel schief gegangen war, doch fuer kurze Momente war dies alles vergessen. Ich lief weiter, die Schmerzen drangen alle in den Hintergrund, da war nur noch die Waerme, eine Art frischer, kurzer, Verliebtheit, Erinnerung und Melancholie. Ich dachte ueber das nach, was ich heute bereits gesagt hatte. Ja, ich lebe romantisch und Melancholie ist eines meiner gewohntesten Gefuehle. Und ich leide nicht an ihr - Ich habe sie zu lieben gelernt. Ein seltsames Gefuehl hatte die Beherrschung ueber mich gewonnen und ich sagte mir, ich sei nur eine Kuenstlerin auf der Buehne der Welt. Mein Werk wird immer weiter vollendet, mit jedem Atemzug, ich arbeite dran, suche, ohne Zwang allerdings, die Perfektion. Vielleicht werde ich scheitern, so sagte ich mir, doch erst muesse ich wagen, sonst sei alles bereits verloren. So machte ich selbstverstaendlich weiter und diese Kunst wurde zu Lebenssinn und zur Selbstverstaendlichkeit wie das Atmen. Auch die woertliche Kunst, der ich zugeneigt bin, ist eine Selbstverstaendlichkeit geworden. Ich hoffte, durch sie noch einmal leben zu koennen, von ihr leben zu koennen, von dem, was mir etwas bedeutet. Doch wird dies wohl kaum geschehen, fast sicher nicht, niemals. Und die Melancholie trug mich langsam nach Hause.


Einloggen zum Kommentieren:

Hinweis: viele Funktionen von blogigo (z.B. Einträge kommentieren) stehen Dir erst nach einer kostenlosen und unverbindlichen Registrierung zur Verfügung. Hier kannst Du Dich in Sekundenschnelle registrieren.