Gedichte,
Kurzgeschichten,
Momentaufnahmen

21.02.2007 um 16:49 Uhr

Ein kleiner Auszug

von: AngelInChains   Kategorie: Kurzgeschichten

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cn P

27.01.2007 um 02:03 Uhr

Zwei Hirngespinste (27.1.07)

von: AngelInChains   Kategorie: Kurzgeschichten

"Sie schloss die Augen. Der Wind, der ihr Gesicht und ihr Haar striff, fuehlte sich angenehm frisch an, an diesem warmen Fruehlingstag. Die Sonne schien grell. Einige Voegel zwitscherten und dazwischen vernahm sie das Geraeusch, das Klimpern, das einzelne Windboen in den hin und her schwingenden Metallketten verursachten, die die Ruine absperrten. Sie sah die eingestuerzten Waende vor sich. Darueber die hohe Betonkonstruktion, mostroes, monumental. Sie sah hinauf. Wie klein kam sie sich darunter vor. Das Geraeusch des Windes verunsicherte sie ein wenig. Sie glaubte, die Betonkloetze ueber ihr wuerden im Sturm schwingen. Sie wurde unruhig. Wenn diese tonnenschweren Platten auf sie stuerzen wuerden... Dieses Gebilde... Das schon ueber 50 Jahre dort stand. Der Grund, auf dem ihr Gewicht lag... Wie viele Menschen waren hier schon umgekommen? Sie konnte ihr leises Fluestern unter ihren Fuessen hoeren. Schnell kehrte sie diesem Ort ihren Ruecken." 

Wirklich auf diese Weise erlebt.

~*~

"Ploetzlich hatte eine tiefe innere Leere sie ergriffen. Sie glaubte, erzittern zu muessen, doch ihr Leib zeigte keine Reaktion auf das Schrecken, das ihren gesamten Koerper vereinnahmte. Sie seufzte nicht, als sie das Buch schloss. Sie lehnte sich zurueck, ergriff die Waffe auf ihrem Schreibtisch, und erschoss sich."

Zum Glueck noch nicht erlebt.

~*~

cn P

16.01.2007 um 01:43 Uhr

An Hoffmanns Grab

von: AngelInChains   Kategorie: Kurzgeschichten

Waehrend der Wind zart die herbstfarbenen Blaetter striff, und die noch warme Mittagssonne hinunter auf die Mauern des Friedhofs und auf die alten Graeber und Gruften herab schien, schritt ich unter dem dichten Geaest der knorrigen Eichen hinueber zu Hoffmanns Grab. Der Weg war noch vom letzten Gewitter und damit einher gegangenen starken Regenfaellen durchnaesst, moderig-matschig, und meine Schritte klangen demnach, wie auf sumpfigem Grund ueblich, stapfend und schwer. Hoffmanns Grab lag fruehlingshaft vor mir, einige Blumen bluehten aus dem Grund, andere standen abgeschnitten, abgetoetet, in dunkelgruenen, in den Boden gesteckten Vasen. Die Inschrift im Stein war beschaedigt, der gravierte Teil durch den Lauf der Zeit verwittert, die golden-metallenen Lettern, die den Namen bildeten, die oberflaechlich angebracht waren, waren auch nicht mehr vollstaendig. 

Ich legte einige Hyazinthenblueten auf die steinerne Platte, etwas entfernt von den anderen Blumen. Ploetzlich hoerte ich eine Stimme hinter mir: "So so, jemand stoert sich an meiner Kaelte?" - Ich sah mich um. Ein altertuemlich gekleideter, noch relativ junger, Mann, schritt auf mich zu. Eine Schoenheit war er nicht und er wirkte so merkwuerdig starr. "Herr Amadeus?!", fragte ich unglaeubig. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. "Ja, der bin ich", antwortete der Fremde jedoch, "und mit wem habe ich es zutun?"

~*~

Es geht um den Berliner Schriftsteller Hoffmann, der sich selbst den Vornamen Amadeus gab und sich auch sehr geehrt vorkam, wenn man ihn so benannte; Er ist in Berlin begraben, jedoch befinden sich auf dem Grabstein KEINE Metalllettern, sondern nur eine schlichte, geschwaerzte Gravur - Das weiss ich, ich wollte mir aber ein wenig kuenstlerische Freiheit erlauben; Hyazinthen gelten gemeinhin in der "Blumensprache" als Symbol fuer die Sehnsucht nach einer Person, die aus deren (Eigentlich charakterlicher) Kaelte resultiert; E.T.A. Hoffmann starb nach einer laengeren Krankheit, in der sich sein gesamter Koerper verkrampfte, dadurch evtl die Starre ;) Soweit die Anmerkungen zu der leichten Abwandlung meines neulichen Traums... Ob ich mehr dazu schreiben werde? Ich weiss es nicht.

cn P

18.12.2006 um 17:03 Uhr

"Wer braucht eine Vergangenheit, wenn er keine Zukunft hat?"

von: AngelInChains   Kategorie: Kurzgeschichten

Auszuege aus meinem letzten Werk. Wer getriggert werden koennte, liest bitte NICHT weiter! 

"Langsam inhalierte er den weissen Rauch, spuerte gar, wie er durch seine schmerzende Lunge zirkulierte. Es war nicht schade um seinen jungen Koerper, dachte er sich. Was zaehlte, war nur der Moment. Er suchte die Ruhe, als er dort am Strassenrand stand, an einen Laternenmast gelehnt, und ins Dunkel hinaus sah. ER zitterte. Er roch immernoch das billige Rasierwasser, vernahmt immernoch den keuchenden Atem, hoerte das erniedrigende Lachen. Sein Herz schlug schneller. Wo war er gelandet? Wie konnte all dies nur geschehen? Nichts wuenschte er sich sehnlicher, als von hier fort zu kommen, von diesem Ort, an dem er sich beschmutzt, missbraucht und unendlich einsam fuehlte.

(...)

Mit seinem zarten Koerper wirkte er wie eine Porzellanpuppe: Zerbrechlich und erst darum wunderschoen. Er war ein Lustobjekt fuer all jene, die Befriedigung darin fanden, einen unschuldigen Menschen zu zerstoeren, ihm sein Innerstes zu nehmen und ihn dann verstuemmelt zurueck zu lassen. So oft war es schon geschehen, dass man ihn zusammengeschlagen hatte, dass sein gesamter Koerper brannte, dass alles schmerzte. Man hatte ihm die Augen blau geschlagen, seine Arme und Beine waren uebersaeht mit Bluterguessen und Narben. Und alle Versuche, sich zu verteidigen, erwiesen sich als wirkungslos. Er lag auf dem Boden, weinend, im eigenen Blut sterbend liegen gelassen - Wie auch jetzt. All diese Erinnerungen, die ihn auch jede Nacht in seinen Alptraeumen ueberkamen, konnte er kaum mehr ertragen. Es war auch schon hier geschehen, an diesem Ort, wo er nun die Nacht verbringen sollte, in diesem Gebaeude, in diesem Raum.

(...)

Er konnte keine Traenen mehr vergiessen, seine Seele war tot. Selbst die Erinnerungen waren langsam verblasst. Wer braucht schon eine Vergangenheit, wenn er keine Zukunft hat?"

19.04.2006 um 16:11 Uhr

Mors Vincit Semper (19.4.2006)

von: AngelInChains   Kategorie: Kurzgeschichten

She, a beautiful innocent soul of not even 16 years of age, closing her chamber’s desk, went over to the 4-armed chandelier and lightened it. Then she sat down at her bed’s edge, silently sighing, for it was the evening before her marriage with a pure-hearted, handsome – no! Even the handsomest merchant of her village. Although her parents had chosen him, it would be a marriage of love, not only one for the purpose of uniting two of the most wealthy families of the county. She remembered the first time they met: What a wonderful evening, full of a certain kind of magic – But suddenly the rush of a storm she heard, it clashed at the windows which sprang wide open and the curtains began to fly. In front of her stood a bleak being, staring at her palish face.

“Good evening, Mylady!”, the shadow spoke, and her innocent heart shivered in fear. The words came from the dark nothingness of the shadow’s face, completely invisible under his cloak. She wanted to escape, but a strange might forced her to stay. “You, Mylady, are made for me! Leave your fiancé, or I will take both of you with me into the torrid abysses of Hades. Believe me, you will either obey or both of you will have so suffer the greatest pain none human’s soul could imagine. Leave him and follow your master!” With these words he threw a dagger onto the floor which made a terrible noise, and then he disappeared as sudden as he had come.

The dagger lay right before her feet. She trembled with horror and no single word she could speak. Death had vanished and left her back scattered. No more than a wreck she was, as from far-away heights she still was able to hear a howling voice, the sound of cruel laughter. He had disappeared, she knew, but she sensed that soon he would be returning.

He left her in a misery. Coldness surrounded her heart and soon she was not able even to cry anymore. She was paralyzed, paralyzed by this unending fear. What should she do? Never would she kill her fiancé, never herself. No demon would force her into the greatest sin, the sin of murdering. She felt lost. Death was in love with her. – Why her? Why none of the billions of other maidens? But she was chosen. Now she had to carry this burden.

She did not dare to reveal her fate to anyone. In the mid of this night, only hours after the severe encounter, she bundled her most essential goods. Tears in her eyes, again, she closed the wooden door behind her. The dagger she left on the spot where it had hit the ground. She did not look back. Still, memories were so painful to her vulnerable soul! In this stormy night she crossed meadows and hills, rivers and forests, until she by chance found a deserted cabin. There she hid – Why should anyone search her here, at this dreary place? That Death is omniscient she never wanted to believe. So she stayed there – and truly! She did not see the bleak figure again. Still she felt that forlorn at this lonely scene, therefore soon she tried to get into touch with her fiancé again.

Her messages reached him and soon they met and spoke about what happened within the passed weeks. They had declared her dead – What good news in the merchant’s lament that they were mistaken and she still alive! That he could still touch her, still speak her, still see and still hold her. The reunion was merry, their hearts entwined in joy and relief. Days passed and one evening and old woman knocked at the hut’s door.

Was she a savior or another infernal creature? “Good woman”, the girl spoke, “Who do you search for at this lonely place?” The old woman introduced herself. A wise mother she was, chosen to bring charity to the innocent. “My little girl”, she said, “I know about what you fear. I hear and see all. Don’t shudder! I am here to save you.” The maiden and her fiancé listened calmly. The old woman explained everything to them, ambitious to fulfill her mission. So they found trust in her – “Here, my girl! Take this rose!”, the old mother spoke while she handed the delicate flower to the girl, “This is the blossom of hope, it warns you if evil is approaching. Look at it and it will serve as a mirror to the fates of you and your love.” The girl touched the rose and it started to gleam ruby in her hands. “Remember – If you notice something strange at this flower, your fiancé is in danger!” The maiden nodded and the old woman left them friendly and with a smile. The couple stood there, puzzled and insecure. In the weeks full of fear and tears it had become difficult to find faith. But to the girl she seemed as a hope, this old, strange, but merciful woman. Finally, after weeks, for the first time she felt secure again.

The secret encounters between the lovers continued and the girl never had to see the frightening, horrifying face of Death again, the bleakness she thought she would never forget. But one evening, the fear inside her grew – It grew so painfully! She cried out in despair, in sorrow, in tension, in agony – She felt as if she was breaking! Why was her fiancé not there, there at her side? Why was he gone, the 9th hour had already passed! They wanted to meet at the 7th. Suddenly the girl turned in fear to the rose – It was bleeding! It bled and she cried and she screamed out in terror! The rose’s leaves fell, its color grew darker. Before the girl’s eyes the blossom blackened and last crystals of blood dropped at the ground, hit the withered dark-brown leaves. “The rose is dead and so it my love!”, the maiden screamed, “Death has stolen him – Stolen him from me! The Reaper’s the victor and I shall be its trophy!” She broke down to the ground and cried. Under the desk lay a dagger… The maiden stabbed herself. All hope was lost. Her white dress turned to red, her eyes closed, her breath ceased for ever.

Then – all of a sudden – Her fiancé entered the room! In terrible fear he ran to his maiden’s dead body. He lifted her, he wanted to hear her heart beating – But none he could hear. He hugged her, he shook her, but there was no way to save her, she had already passed… Finally he fell and cried, as his maiden did before. “Why had she done this? Why did it happen?” The merchant’s vision turned to the rose – He saw it rotten and bleeding. “What delusion! What Satan’s deed!” He smashed the rose at the ground. But he felt guilt, too, since it was him who came to late to the date, it was him, who got lost in the forest. What a fool he was! He saw a dagger in the girl’s stiffened hand. There was no other way out of his grief. He took it and ended his life…

As he lay dying, suddenly a sinister voice appeared from above. Nobody could be seen – It was Death’s voice. The young man, struggling with his fate, slowly bleeding to the end, suffered even more, misguided, intrigued, laughed at. “My boy”, Death spoke, “Don’t trust man so easily! It was you who happened to be my most useful servant – With your failure I gained control over my maiden’s life. With your deeds, I also disposed you.” The merchant felt his senses fading. “Knave, listen to me! You are the destroyer of your own fate! You pulled your maiden into her deepest misery! You are convicted guilty!” And the last thing he felt, after darkness and coldness had surrounded him, was the cruel, deep laughter of Death.

06.04.2006 um 15:49 Uhr

Unschuld (6.4.2006)

von: AngelInChains   Kategorie: Kurzgeschichten

Es geschah an einem grauen Herbstmorgen, dass sie sie zum Waisenhaus brachten. Ein kleines Mädchen, keine sechs Jahre alt, mit blassem Gesicht, gräulichem Haar und einem weißen bestickten Kleid aus Leinen. Die Nonne, die sie bei der Hand hielt und zum Schlafsaal bringen sollte, traf auf Schwester Klara: „Ein armes kleines Kind. Sie wurde im Haus ihrer Großeltern gefunden, wo sie nach dem tragischen Unfalltod ihrer Eltern gelebt hatte. Als sie gefunden wurde, saß sie zwischen den Leichnamen ihrer Großeltern, vollkommen verstört. Sie wird hier im Waisenhaus bleiben, bis wir ihre verbliebene Verwandtschaft ausfindig gemacht haben.“ Beide Gestalten liefen vorbei. Schwester Klara sah den langen, dunklen Gang hinunter. So viele Kinder sah sie schon diesen Weg entlang laufen: Jüngere und ältere, arme und reiche, und alle hatten eine Sache gemein – Eine traurige Vergangenheit und eine ungewisse Zukunft.

Einige Tage vergingen und die Tante des kleinen Mädchens war gefunden worden. Eines Morgens kam sie, um es abzuholen. Sie trug ein dunkelrotes Kleid aus purer Seide, ein sehr edler Anblick. Sie war nicht arm, das sah man ihr an, aber kein Reichtum kann einen Menschen ewig beschützen. Nur eine Nacht später wurde die Tante des kleinen Mädchens tot im Garten ihres Anwesens aufgefunden. Sie wurde erdolcht, so schien es, zwar war das Blut auf ihrem roten Kleid kaum wahrzunehmen, doch eine riesige Wunde klaffte in ihrer Brust. Das kleine Mädchen stand neben der Toten und weinte. Die Polizei begann bald mit Ermittlungen und das kleine Mädchen wurde erneut ins Waisenhaus gebracht.

„Was für ein armes kleines Ding. Nun starben schon fünf ihrer Familie – Es ist wie verhext!“ Schwester Klara nickte. Was für ein armes Mädchen! Wieso musste ihr Gott solch eine Last aufbürden? Wieso solch ein grausames Schicksal? Die Sonne sank und der Abend ergoss sich über das Waisenhaus. Das kleine Mädchen wurde ins Bett gebracht. Schwester Klara seufzte. Solch ein unschuldiges Wesen! Sie sah so traurig und verletzt aus, mit ihren blassen Wangen und ihrem einfachen weißen Kleid! Plötzlich begann Schwester Klaras Herz, zu rasen – Angst ergriff ihren gesamten Geist – „Es muss dem armen Mädchen etwas zugestoßen sein!“ Sie rannte den Flur hinab zu jener Tür, durch die die Nonne und das Mädchen verschwunden waren und blickte hinein in den Saal.

Dort standen sie. Das Mädchen lachte und berührte der Nonne Stirn. Diese sank plötzlich nieder – tot! Schwester Klaras Augen weiteten sich voll Angst, doch sie konnte nicht mehr fliehen. Wie gelähmt stand sie da und das kleine Mädchen schritt auf sie zu. Sie sank nieder. Mors vincit omnia.

20.03.2006 um 16:51 Uhr

The Masque of the Red Death (20.3.2006)

von: AngelInChains   Kategorie: Kurzgeschichten

I cannot remember when and where it happened, it was a long time ago in a far-away country, where a pestilence called the “Red Death” terrorized the people. Everyone infected by it, it is said, has to die a slow and painful death, breaking down and bleeding and finally ceasing to breathe. Every hour new victims were found and the whole population lived in fear.

Only the prince Prospero lived a careless live. He had to fear none for hiding in his castle, served by hundreds of people. There was no danger and he feasted every day while outside the people were dying.

Also that certain day Prospero reveled. In the evening, as on every evening, he locked himself up in a chamber, where no one was allowed to disturb him. In this chamber there stood a clock of ebony at the western wall, black as the night sky at midnight. Every hour the clock made a monotonous, enormous sound and all the servants in the castle listened to it in fear. They did not know why they had such a fearful feeling, but this sound turned everyone nervous.

And the clock stroke again! And a scream echoed between the castle walls! It came from the chamber of the prince. The guards opened the huge wooden door. The chamber was almost entirely dark, there were only a few rays of moonlight shining onto the floor, where there lied the body of the prince, all covered with blood.

He was still alive, and with a voice growing weaker and weaker every second he spoke: “The Red Death! I saw him!” And suddenly a gleam of light fell on the ebony clock and the reflection in the glass, only for a moment, showed a bleak face with a masque, a masque as red as blood: It was the Masque of Death.