Gedichte,
Kurzgeschichten,
Momentaufnahmen

23.11.2006 um 02:13 Uhr

Zur Nacht (22.11.2006)

von: AngelInChains   Kategorie: Lyrik: Mystik

From bloodstained silk
To solemn darkness
The deep blue ocean
Breathes in algid solitude

She's wandering
Through serpent fields
Of blackened ivy
Loudlessly

Dark, gleaming eyes
Hostility
An Elven's tear
Not more

Sheds, beneath the silent moon
The withered ground of ashes

~*~

Das Seidenkleid, von Blut befleckt
Verfaerbt zu dunkler Pracht
Benetzt vom Duft des Ozeans
Tuerkiser Hauch der Nacht

So wandert sie
Durch Efeuwaelder
Giftig, krank
Und schweigt

Bis dunkles Dasein sie verschreckt
Und sich ihr's Boese zeigt
Ein Traenlein faellt, nicht mehr

Benaesst den kalten Stein
Ueber den ein Schatten wacht
Im Aschegrund, im Mondenschein

~*~

cn P

22.06.2006 um 14:23 Uhr

Engel aus Stein (11.6.2006)

von: AngelInChains   Kategorie: Lyrik: Mystik

Wenn leblosem Marmor ein Genius erwacht
Erhebt sich ein Engel aus eiskalter Nacht
Wenn im Neumondschwarz blau die Blume der Hoffnung erblueht
Und wenn ihre Seele lodert und glueht
Dann wird ein Fluestern laut

Es schwebt ueber Graebern ein Schatten umher
Giesst mit suessem Blut ein tiefes Meer
Aus Scherben, verlorenen Traeumen und Pein
Und tief schneidet sich jede Scherbe ihm ein
Bis dass der Morgen graut

Der Himmel wird lichter, von Nebel befreit
Die Steine, und nichts bleibt als Einsamkeit:

"Die Gruft meine Zuflucht
 Meine Heimat die Nacht
 Meine Traenen versteinert
 Ist die Wandlung vollbracht"

09.03.2006 um 12:15 Uhr

Abendhimmel (8.3.2006)

von: AngelInChains   Kategorie: Lyrik: Mystik

Still liegt der Abend, kein Windeshauch
Verwischt die graeulichen Schatten
Die vom Horizont entsteigen wie Rauch
Wie aus der Asche gewachsen

Kein Laut erklingt, der Himmel fliesst rot
Wie der Meere kristallene Flut
Vom Abend benetzt wie von Schweigen der Tod
Die leuchtende, ewige Glut

23.03.2005 um 00:04 Uhr

Daphne (22.3.2005)

von: AngelInChains   Kategorie: Lyrik: Mystik

Daphne, schlaf weiter den Schlaf der Geheiligten
In Morpheus' Armen bist du sicher vor dem Tod
Wenn in deinem Leib die Nachtigall singt
Und es zerbricht der Zweig der Hoffnung
Das Mondlicht bescheint deine silbernen Blaetter
Und im lauen Wind der Nacht die Knospen

Daphne, verzage nicht, wenn auch dein Laub ergraut
Dein Schicksal ist von der Sehnsucht besiegelt
Die Borke deines Leibes wird niemals verfallen
Und keine Traene des Juenglings wird sie je schaelen
Wenn er weinend an deinem Fusse kniet
Und Schatten sich werfen, auf sein Gesicht

Daphne, traeume weiter den endlosen Traum
Von Freiheit, Glueck, und der grenzlosen Liebe
Du wirst die Erfuellung niemals erhalten
Wieviel Tau aus deinem Gesichte auch fliesst
Verwurzelt bist du in dem Boden der Selbstsucht
Der Fluch deines Vaters, er ist nicht zu brechen

~*~

(Angelehnt an die griechische Sage der Jungfrau Daphne, die von einem Juengling im Liebeswahn verfolgt wird, und von ihrem Vater, um der Vergewaltigung zu entgehen, in einen Baum verwandelt wird. Insofern veraendert, als dass hier der Vater versucht, die bestehende, gegenseitige Liebe zu verhindern, in dem er seine Tochter verwandelt, um sie fuer die Ewigkeit fuer sich selbst zu behalten.)

cn P

09.03.2005 um 23:42 Uhr

~*~

von: AngelInChains   Kategorie: Lyrik: Mystik

Ein leises Saeuseln erklang wie von weit entfernten Wipfeln der Tannen, in denen der Wind die Nadeln zum Schaukeln brachte, und ein Spiel von graeulichen Schatten zeichnete sich auf dem steinernen Boden ab. Ploetzlich, und da erwachte ich von meinem glimmenden Traum, ein Hauch auf weisser Haut, ein Atemzug, den niemand erwartete. Ich schreckte auf und da stand sie vor mir... Eine zarte Juenglingsgestalt mit goldblonden Locken. Ein zoegerndes Laecheln auf dem Gesicht, dort stand er, in einer silbernen Wolke von Grabesnebel, die purpurnen Lippen formten Worte, die niemand zu verstehen vermochte. Ich blickte in seine tiefgruenen, funkelnden Augen. Der Anblick... Ein helles Leuchten der Verwunderung. Ich senkte mein Haupt, fragend, was man von mir forderte. Kein Laut ertoente, als er zu mir sprach... Meine Seele alleinig sagte mir, es war Zeit, die Grenzen des vergaenglichen Wandelns zu brechen, die Reise zu enden, deren Wege endlos geschiehen hatten. Ich schritt ihm entgegen, er blickte mich stumm an. Meine Hand reichte ich ihm, und er zog mich sacht in erstarrend kalte Umarmung... Und sein Kuss, als Eiseshauch meine samtene Wange bedeckte, ich schloss meine Augen, fiel in seine knoechernen Arme... Spuerte alle Schwere von mir weichen, ein Schweben unter meinen Fuessen, er trug mich in mondlichtleere Hoehe, ich sah uns die Grenzen alles Lebenden passieren... Seidig spuerte ich seine nun gluehend warmen Lippen noch auf meinem Antlitz, die Haende, die seinen Leib umfassten, verloren ihre Kraft... Und ich stuerzte... Ich stuerzte und verlor meine Liebe in das, was soeben mich noch tragen sollte in eine Existenz, die Vergaenglichkeit und Sterben nicht kannte... Und ich fiel. Und falle noch heute.