Das höchste Glück im Leben - eine neue Mischbatterie.
Ja, wenn die nämlich kaputt ist, kommt das gesamte Leben
in der Küche zum Erliegen. Nichts geht mehr. Nicht mal
gespült kann mehr werden, wenn man keinen Geschirrspüler
hat, wie schrecklich. Man wird sauer, weil alles voller
dreckiger Sachen steht und der Handwerker erst am nächsten
Tag kommt. Wie jetzt? Um was geht's im Leben?? Um eine
Mischbatterie, die funktioniert? Echt? Das "höchste" Glück...
ist natürlich stark übertrieben... oder? Unser Leben hängt von
Mischbatterien ab. Und von Handwerkern, die hoffentlich
bald kommen. Nein, wir sind nicht sauer, weil die Sachen
schmutzig herumstehen, sondern weil wir die Abhängigkeit spüren,
eine im Angesicht dessen, was und wer wir wirklich sind,
geradezu lächerliche und doch ganz reale und präsente
Abhängigkeit... die einhergeht mit der Version des Lebens,
die wir gewählt haben. Es ist unsere Wahl gewesen. Oder nicht?
+++
Es gibt
noch ein anderes Leben,
ein weiteres von unzähligen.
Der Wind ging heute in den Weinbergen sehr stark. Wir gingen auf dem obersten Weg, dort ist neben den Reben unterhalb des Waldes, der die Hügel krönt, eine schöne Wiese... Mäusewiese für die Hunde, Meditationswiese für Frauchen... eine Multifunktionswiese... es ist warm, ich sitze im vertrockneten Gras, lege mich hin und schaue in den Himmel... ein Bussard kreist über mir... ich winke ihm. ... Ramtha, der unbedingt zum Wind werden wollte und es auch wurde weil sein Wunsch ungeteilt war -, bläst mir heftig um die Ohren... das ist schön, denn wir sind per Du.... und ich halte mich an den Rat eines Seelenfreundes und atme kosmisches Feuer... einatmen und herauswehen lassen... ich singe laut das Shiva-Mantra, so laut, weil Ramtha solchen Lärm macht... er trägt die Töne in den Wald und die Vögel denken sich: "Was ist denn das?"... aber sie überlegen nicht lange und chanten mit... und die Stare stehen dabei wie immer im Mittelpunkt... deswegen heißen sie ja auch so.
Als ich da so saß
spürte ich mich Einssein
mit dem Wind und dem Wald
und der Erde, auf der ich saß...
und lebte ein Leben ohne Mischbatterie
und ohne alles...
ohne Haus, ohne Möbel, ohne Kleider...
Mit einem Körper, der nur dazu da ist,
den Wind auf der bloßen Haut zu spüren,
die Bäume zu umarmen,
zu atmen und zu singen...
den Bussard zu grüßen
und den Schwarm von Staren
durch die Luft zischen zu hören...
Und warum kehre ich dann zurück?
Weshalb kehre ich immer und immer wieder zurück in die Welt der Mischbatterien?