Pusteblume... oder eine andere Galaxie?
Ja, und dann gibt es ja noch den schönen Buchstaben - bl -. Diesen Laut gibt es m Deutschen nicht. Am Anfang bemühte sich Tatjana noch, uns diesen Laut zu beizubringen... doch relativ erfolglos. Dieser Laut war so ziemlich die einzige Sache, von der sie zugab, dass sie für uns schwierig sei, weil es diesen Laut weder im Deutschen noch im Englischen und auch in den romanischen Sprachen nicht gibt. Sie sagte ihn uns vor, wir hörten ihn, probierten... aber er wollte uns einfach nicht so über die Lippe kommen, wie wir ihn bei Tatjana hörten. Sie gab tatsächlich auf und beließ es dabei, dass wir statt dieses unausprechlichen Lautes einfach - i - sprachen... In Wirklichkeit ist vor dem Klang des - i - noch etwas anderes... ähnlich wie ein ü auf der Flucht oder so... etwas, was ein wenig wie ü klingt, aber nicht greifbar ist. Man muss dabei den Unterkiefer etwas nach vorne schieben...
Letztes Mal nun war es soweit, dass es mich störte, dass wir immer einfach nur i sagten... und ich bat Tatjana, uns den Laut noch einige Male vorzusprechen. Sie tat es geduldig. Wir sprachen nach... und ... auf einmal machte es * PLING * ... und es ging! Huch, was für eine Freude! Immer noch gelingt es nicht jedesmal, aber doch immer öfters. Was lernen wir wieder einmal daraus: Geduld. Es kommt dann irgendwann von ganz alleine....
Der Glücksdrache räkelt sich in der Sonne...
Gute Nachbarschaft
Tanzendes Licht
Das Alte geht, das Neue kommt...
Und hier das Suchbild! Findet jemand etwas... oder jemanden? :-)
Glück ist Talent für das Schicksal
Novalis
Diese Frau, Edith Hunkeler (am vergangenen Montag bei Beckmann zu Gast), gehört zu denen, die "Talent für das Schicksal" haben. Nach einem Unfall war sie gelähmt. Dann machte sie Sport und war sehr erfolgreich im Rollstuhl-Marathon. An einem 10. September hatte sie einen weiteren Unfall und konnte nicht an den Olympischen Spielen in Sidney teilnehmen - eine schmerzliche Enttäuschung. Ein paar Jahre später - wieder an einem 10. September - fuhr sie bei einem Wettbewerb mit ihrem Rollstuhl mit hohem Tempo in einen Laternenpfahl. Ihr Oberschenkel war völlig zertrümmert, und die Ärzte sagten ihr, sie würde nie mehr in einem Renn-Rollstuhl sitzen können. Diesmal sagte sie entschieden: Nein! Das konnte sie nicht akzeptieren. Sie kämpfte und siegte... und ist zurück im Rollstuhlsport.
"Ich mache das, was ich kann!"
http://www.edith.ch/public/media/pdf_de/SI15_01.pdf
Es gibt unzählige Fotografien von Nijinskij, und man findet kaum zwei Bilder, die sich ähneln. Manchmal ist es frappierend, welch unterschiedliche Gesichter er hat... natürlich als Tänzer, aber ebenso in "zivil", und auch von nicht weit auseinanderliegenden Zeiten. Und die vielen Gemälde, die es von ihm gibt, zeigen die vielen Nijinskijs, die es in den Augen der anderen gab und gibt. Nicht einer davon ist er wirklich.
Nijinskij war auf der Suche nach sich selbst, und seine Tagebücher zeigen, wie tief und ernsthaft er das tat. Während er den anderen ihre Illusionen ließ, sogar mit ihnen spielte, akzeptierte er vor sich selbst keine einzige. Er wusste nicht, wer er war und akzeptierte keine einzige Rolle als seine Identität. Er ging weiter und weiter, schälte Schicht um Schicht ab, und am Ende stand das, was als einzige Wahrheit bestehen bleiben konnte: "Ich bin Gott."
Dhiagilew sah in ihm einen Tänzer, der die Kassen füllte, einen jungen Gefährten für stille Stunden und einen Begleiter und Schüler auf seinen Kunstreisen. Nijinskij erfüllt diese Rolle.
Romola sah in ihm einen Ehemann und Vater, der ihr zu Ansehen verhalf, und er erfüllte diese Rolle. Nicht, dass sie ihn nicht liebte, wie manche sagen. Sie liebte ihn, wie sie es konnte. Er hätte sie nicht geheiratet, wenn sie das nicht in die Hand genommen hätte, denn er wusste nicht, wie man heiratet. So wie er gar nichts von dem wusste, was man in der Welt normalerweise tut.
Die Zuschauer sahen in ihm einen "Gott des Tanzes", der auf der Bühne zaubern konnte, wenn er zu einem Sprung ansetzte und noch in der Luft hinter der Bühne verschwand, ohne dass man ihn auf den Boden aufsetzen hörte... Auf die Frage, wie er das mache, lachte er und sagte, er würde einfach in der Luft eine kleine Pause machen. Tatsächlich kann man das als Tänzer üben und lernen. Doch niemand gab sich diesem Training so voll und ganz hin wie er.
Andere Zuschauer empörten sich darüber, dass er sich herausnahm, den Faun als wirklichen Faun auf der Bühne zu präsentieren... einem lustvollen Fruchtbarkeitsgott, der beim Gedanken an die Nymphen einfach nur an Sex denkt und dies auch zeigt. Sie verwechselten Nijinskij mit dem Faun. Er selbst tat das nicht.
Er erfüllte die Rolle des Vaters ebenfalls, und nicht einfach äußerlich, sondern von ganzem Herzen. Er tat alles mit ganzem Herzen. Wie er mit Kyra, seiner kleinen Tochter, spielte und sich stundenlang mit ihr beschäftigte, und wie sehr die kleine Kyra seine Liebe erwiderte, das rührt das Herz zutiefst an.
Er fühlte sich zu Tolstois Idealen hingezogen und wollte als Bauer ein einfaches Leben in Russland leben. Diese Rolle wollte ihm weder die eitle Dame Romola noch der Ballett-Chef Dhiagilew gewähren, und so erfüllte er sie nicht.
Auf seiner Suche nach sich selbst wurde er in den Augen der anderen "seltsam" und irgendwann "verrückt". Und dies war seine letzte Rolle, die er bis zur Perfektion spielte und solange, bis er die Bühne des Lebens verließ. Seine Tagebuchnotizen zeigen, wie sehr er sich seiner Rolle bewusst war. Und er wusste: auch dies war er nicht.
Es gab keine Rolle, die er war, weil er einfach das Leben und die Liebe selbst war. Die Liebe fließt, sie sagt zu nichts Nein, ebenso wie er. Aus Alltagssicht heraus ist sie unbeholfen, taugt nicht fürs Geschäft, hat nichts gegen Geld, kann aber auch nicht damit umgehen, genau wie er... doch egal, was sie tut, egal, wo sie ist, sie IST immer ganz und gar GEGENWÄRTIG, wie er. Deswegen liebten ihn alle, die ihn trafen, ohne dass er jemals um jemandes Liebe warb.
*
*
Gottfried, in den letzten Kriegstagen bei Wien gefallen,
wochenlang warteten Tilly und seine fünf Kinder auf seine Rückkehr.
3.5.42, Russland
Laßt uns tanzen und singen Im Sonnenmonat Mai Viel bunte Blumen bringen Aus Busch und Wiese herbei.(Scherenschnitt, Mädchen und Junge, die Blumen pflücken)
Meine liebe Tilly!
Deinen lieben Brief vom 28.4. habe ich heute mit Freuden erhalten, herzlichen Dank dafür. Heute war schönes Wetter, wir machten einen richtigen Maiausflug weit von der Stadt hinaus durch andere Dörfer. Wir waren 8 Mann, hatten die Harmonika dabei. Wir gingen singend und spielend durch die Dörfer, so richtig wie junge Lausbuben. Aber wenn ich Dir schreibe, daß 50 Kinder nicht gereicht haben, die uns hinten nach sind, dann kannst Du Dir vorstellen, wie das aussah. Nahezu wie ein Maskenzug, und wenn wir wieder in die Stadt zurück kamen haben wir uns beinahe blamiert, die wollten nicht weichen; wenn ich schimpfte und sagte: „Itsen do domu“, „Avoja Matka smutin“, das heißt: „Geht nach Hause, eure Mutter ist sonst traurig“, sagten sie: „Nie prawta, schiefko jeno“, das heißt: „Es ist nicht wahr und ganz egal“ und lachten uns aus. Wir hatten tatsächlich unsere größte Freude mit diesen Kasperli. Es waren lauter solche wie Emil und Irene und noch kleiner. Ein paar Kameraden machten Purzelbäume und tanzten auf der Wiese; hättest sehen sollen wie die Kleinen gelacht haben. Sogar die großen Leute, die Spaziergänger, haben uns nachgeschaut. Warum sollte man sich nicht freuen und sich auf diese Weise lustig machen. Siehst Du, liebe Tilly, so haben wir den ersten so richtig warmen Frühlingstag begangen. Ich wollt bloß Du hättest es gesehen und Emil wär dabei gewesen. Und jetzt bin ich müde, es ist 8 Uhr, jetzt bin ich in Gedanken bei Dir, bei Euch. Obiges Bildchen habe ich gestern abend von 10-12 Uhr gezeichnet, das hat Arbeit gemacht. Ist es nicht schön geworden?
Grüße und Küsse
für Dich und die Kinder,
Dein Gottfried, euer Papa
Auf Wiedersehn!
Tilly hat nie mehr geheiratet. Sie sagte, einen besseren würde sie nicht
mehr finden und sie würde einen anderen immer mit ihm vergleichen.
19.7.42, Russland
(Kalligraphie und gemalte Blumen)
Meine liebe Tilly,
das mit dem Gesuch wegen Versetzung der kinderreichen Väter ins Reich, das hat keinen Zweck, denn das gilt nur für solche, die bei der kämpfenden Truppe sind. Heute Sonntag haben wir eine Sonntagmorgenfeierstunde gemacht mit Harmonika u. 3 Geigen und stimmungsgerechte Lieder gespielt und gesungen, die einen so recht an Sonntag erinnern. Nachmittag waren wir im Soldatenheim zum Kaffeetrinken, da gibt’s Kaffee u. 8 Stück Plätzchen zum Preis von 50 Pfennigen. Nun sitz ich hier beim Schreiben und bin in Gedanken bei euch und Dir zu Hause. Du magst jetzt gerade Deine Arbeit mit den Kindern haben, bis Du sie zu Bett bringst. Wirst Du vielleicht auch gerade zu Hause sitzen und einen Brief an mich schreiben? Und Deine Gedanken sind vielleicht auch bei mir? So wünschte ich unverhofft am Abend Dich überraschen zu können, und Dir sagen zu können, ich bin auf Urlaub gekommen. Würdest Du Dich da bestimmt sehr freuen. O wäre es schon so weit, wäre ich jetzt in Würzburg, ich würde keine Mühe scheuen und den Weg zu Fuß mit Sack und Pack machen, um plötzlich vor Dir zu stehen oder Dich gar aus dem Bett heraus wecken. Vielleicht kommts doch bald. Damit schließe ich und sende Dir tausend herzliche Grüße und Küsse,
Dein Gottfried, euer Papa,
Auf Wiedersehn!
Domian hat ja einen Roman geschrieben. In einem Interview sagte er, er glaube,
ein völlig zufriedener, glücklicher Mensch habe wohl nicht den Drang, zu schreiben.
Ich glaube, er hat Recht... Schreiben bedeutet Sachen zu verarbeiten und über Bord
zu schmeißen, die belasten, und Schreiben bedeutet auch zu suchen. Vielleicht sucht
man dadurch den glücklichen Menschen in sich... und findet ihn dann, wenn man
den Stift (die Tastatur) weggelegt hat und keine Wörter mehr braucht...
Noch sind die kleinen Blüten geschlossen... nicht mehr lange, und man riecht den wunderbaren Flieder schon von weitem... *vorfreu*
"Gemütlich"...
Bei 20 Grad nimmt sich Schnecki Hitzefrei und gräbt sich in die feuchte Erde ein...
Startnummer 8... gleich geht's los... (was auch immer - ein Border Collie hat immer ne Idee)
15. April 2008
Tatjana war heute anfangs sehr ernst. Ich dachte: Vielleicht hat sie Kopfschmerzen? Letztes Mal erzählte sie, wenn sie Kopfschmerzen habe sei das beste Heilmittel dagegen die Gruppe von Kindern, die sie unterrichtet... nein, nicht wir... : - ) Es stellte sich heraus, dass sie sehr traurig ist, weil von sieben Teilnehmern an unserem Kurs drei weggefallen sind. Dabei ist sieben schon recht wenig. Letztes Mal hatte sie uns vom Beginn ihrer Tätigkeit bei der VHS in Deutschland erzählt. Man habe ihr gleich gesagt, dass bei Sprachkursen der höchste „Schwund“ sei... sie könne damit rechnen, dass von 13 oder 14 Teilnehmern vielleicht drei oder vier übrigbleiben, die bis zum Schluss kommen und weiterhin Interesse haben. Sie war entsetzt und rief empört: „Aber neeeeiiiiiin! Ich bin doch nicht so eine schlechte Lehrerin!“ Aber das hat damit nichts zu tun... bei uns ist das eben so. In Russland heißt die VHS „Volks-Universität“ und hat einen viel höheren Stellenwert, wird sehr viel ernster genommen von Lehrern wie Schülern. Ja, das macht sie traurig... sie liebt ihre Sprache so sehr und wünscht sich, sie so vielen Menschen wie möglich so gut wie möglich nahe zu bringen.
Als der Unterricht dann lief, war sie wieder in ihrem Element und glücklich. Als es um das Verb „отдихать“ ging – ausruhen, z.B.: „Babuschka ruht sich auf dem Sofa aus“ - erklärt Tatjana, dass dieses Verb wörtlich übersetzt „aufatmen“ oder „ausatmen“ bedeutet. Hach! Das ist es, was so wunderbar ist! Die wörtlichen Übersetzungen – sie sagen so viel aus über die russischen Menschen, verraten, wie sie fühlen, was ihnen wichtig ist.
Wir kamen auf das russische Wort für „Tier“ zu sprechen... „Животное“... es hat denselben Wortstamm wie die russischen Verben für „leben“ – „ergehen“ (wie geht es Dir?) – „wohnen“ und heißt tatsächlich „Leben“. Und auch das Wort „Bauch“ gehört zum Wortstamm „Leben“. Was den Schluss nahe legt: In Russland lebt man aus dem Bauch heraus, man spürt das Leben im Bauch, nicht im Kopf, wie (wahrscheinlich) bei uns. Ich sagte, dass parallel dazu das lateinische Wort für „Tier“ „animal“ lautet, dieses wiederum bedeutet „Seele“. Das ist so interessant! Es zeigt, dass in den früheren Kulturen Tiere eine weit höhere oder besser: tiefere Bedeutung für die Menschen hatten als heute. Und in diesem russischen Sprachgebrauch ist ganz deutlich vertikales Denken zu erkennen. Er folgt (immer wieder) nicht der Logik und der Kategorisierung gleicher Dinge, sondern erkennt die Qualität der verschiedenen Erscheinungen des Lebens. Man erkennt aus dem Bauch heraus, was zusammengehört. Das ist auch astrologisches Denken. Vielleicht fühle ich mich deshalb von dieser Sprache so angezogen.
Noch ein schönes Beispiel dafür ist das Wort „Dorf“, das von dem Wort für „Baum“ abgeleitet ist. Weil die Häuser in Dörfern aus dem Holz der Bäume gemacht wurden, die da standen. Ganz einfach. So sind die Dinge: einfach, solange man sie nicht schwierig macht.
Die zwei Stunden vergingen heute wie im Fluge und es machte solchen Spaß. Wir wiederholten vieles und wir fragten vieles... bei meinen Spaziergängen in den Weinbergen - wenn meine Hunde beim Mäusesuchen sind und keine Zeit für mich haben -, führe ich immer kleine russische Gespräche mit einem imaginären Russen oder einer Russin (je nachdem, wie ich gelaunt bin, haha)... und dann fehlen immer irgendwelche Wörter, die man dringend bräuchte. Wörterbücher sind nur bedingt von Nutzen, da vieles doch wieder anders gesagt wird als es im Buch steht. Typisch russisch? Да !!
Ворон к ворону летит,
Ворон ворону кричит:
«Ворон, где б нам отобедать?
Как бы нам о том проведать?»
Ворон ворону в ответ:
«Знаю, будет нам обед;
В чистом поле под ракитой
Богатырь лежит убитый.
Кем убит и отчего,
Знает сокол лишь его,
Да кобылка вороная,
Да хозяйка молодая».
Сокол в рощу улетел,
На кобылку недруг сел,
А хозяйка ждет мило´го,
Не убитого, живого.
*
*
Fliegt zum Raben Rabe,
Spricht zum Raben Rabe:
Werden wir heut satt, Rabe?
Zeige deine Sehergabe!
Antwort gibt dem Raben Rabe:
Kenne unsre Mittagslabe;
Unterm Weidenstrauch, im Feld,
Liegt ein totgeschlagner Held.
Wer erschlug ihn, und warum?
Nur sein Falke kennt den Grund:
Rabenschwarz ist seine Stute,
Seine Frau von jungem Blute.
In den Hain der Falk' entschwand,
's Pferdchen folgt des Gegners Hand,
Und die Frau erwartet eben
Schon den Liebsten, der am Leben.
*
Alexander Sergejewitsch Puschkin
*.
ZWEI AUGEN HAT DIE SEEL'
EINS BLICKT IN DIE ZEIT
DAS ANDRE IN DIE EWIGKEIT.
Angelus Silesius
11. März 2008
Privjet! (Hallo!)
Heute hat's irgendwie Klick gemacht, ein kleines Quantensprüngchen in eine neue Dimension, die der eigenständigen Bildung von Sätzen! Wow. Tatjana sagte, im anderen Kurs sei sie noch nicht so weit... als sie uns gesehen hätte, hätte sie gleich gedacht, hier könne sie schneller vorgehen... was sie bisher auch getan hat!! Sie ist geschickt in ihrer Art zu motivieren... und es ist ja egal wie weit die im anderen Kurs wirklich sind...
Wir haben heute ein bisschen Verben beugen gelernt... alles nicht schwierig. Was die Verben betrifft hat man es im Russischen nicht schwer. Im Deutschen dagegen... man kann die armen Deutsch Lernenden aus dem Ausland wirklich nur bedauern... Tatjana schilderte, wie sie in ihrer Wohnung herumspazierte, saubermachte und dabei 128 deutsche Verben und ihre gebeugten Formen auswendig lernte... während sie immer wieder den Kopf schüttelte über die Frage, was z.B. die drei Wörter "bleiben - blieb - geblieben" denn bitteschön gemeinsam haben...! Aber da musste sie eben durch. Im Russischen bekommen die Verben ein paar Endungen verpasst, das ist alles... Die richtig schweren Sachen werden wir gar nicht durchnehmen, denn unser Kurs ist ja für Touristen und Geschäftsreisende konzipiert. Weibliche Substantive bekommen bei den verschiedensten Fällen nur ein "u" angehängt und fertig ist der Lack.
Ja sischu na stulje i risuju maja sabaku.
"Ich sitze auf dem Stuhl und male meinen Hund." Is doch schon mal was!
Apropos Hunde. Diese sind in Russland immer weiblich... ... Naja, das Wort jedenfalls. Es gibt gar kein Wort für "Rüde" ... oder vielleicht gibt es eins, aber das ist dann so ungewöhnlich und nur theoretisch vorhanden, dass es Tatjana gar nicht einfiel.... alle Hunde sind Hündinnen, und nur wenn man es extra sagt oder den Namen des Hundes erwähnt, weiß man, ob es eine
Hündin oder ein Rüde ist. Naja, bei uns war das früher umgekehrt auch so. Jedes bellende Tier war bei uns auf dem Dorf ein "Hünd", egal ob Männlein oder Weiblein. Und "der Hund" bekam auch Junge... :-) ... Dass wir heutzutage von Hündinnen oder Rüden sprechen, ist eine Entwicklung der vergangenen 20 Jahre...
Nun sind erstmal 2 Wochen Ferien, Osterferien und wir können das Gelernte vertiefen. Wir müssen uns vertraut machen mit männlichen und weiblichen Wörtern und Ausnahmen sowie mit etwa 20 Verben und deren Beugung. Genug zu tun.
Dass ich u.a. eine "piriwotschiza" (eine Übersetzerin) bin, das kam heute bei der Vorstellung so herrlich flüssig aus meinem Mund, dass Tatjana das extra lobend erwähnte... Und da verriet ich, dass ich mir einen Zettel mit diesem Wort und mit dem Wort für Lehrer- pribadawatjel - den beiden Monsterwörtern vom letzten Mal geschrieben und vorne ins Auto gelegt und bei jeder roten Ampel geübt hatte. In Würzburg hat man bei dem Vorgehen gute Chancen, viel zu lernen, weil grundsätzlich alle Ampeln erstmal Rot sind....
Also auf in die Ferien...
3. April 2008
Am Montag ging es also nach zwei Wochen Ferien weiter... zwei Wochen... sooo viel Zeit, zu lernen... aber die viele Zeit geht ziemlich schnell vorbei, wenn man es von einen Tag auf den nächsten verschiebt. Naja, die letzten drei Tage haben gereicht, alles einigermaßen zu aktualisieren.
Tatjana war äußerlich aus Russland wieder zurückgekommen, doch innerlich noch nicht so richtig... sie sagte, es sei nach 14 Tagen nur Russisch so ungewohnt, wieder deutsch zu sprechen... und müde war sie von der Heimreise.
Egal, der Unterricht ging gewohnt flott weiter. Dieses mal gab sie am Ende der zwei Stunden zu, dass es viel sei und sie uns viele Blätter gegeben habe... "aber das macht nichts! Sie können das!".
Nun wird es echt wirklich interessant. Langsam kommt man dahin zu begreifen, dass man wirklich dabei ist, Russisch zu lernen... und dass man tatsächlich verstanden wird... unglaublich. Die russische Aussprache liegt mir, ich spreche es sehr gerne und das spornt natürlich an, doch etwas schneller zu lernen.
Ja gawarju pa-russki otschin charascho!
Naja, das ist vorläufig noch ein Traum, aber vielleicht wird er ja einmal wahr.
Faszinierend sind die Verniedlichungen im Russischen. Es gibt so viele verschiedene Verniedlichungsformen von Vornamen. Auf dem Markt wird man auch bei bester Aussprache als Deutsche/r erkannt, wenn man Kartoffeln kauft und nicht etwa Kartöffelchen, oder Möhren statt Möhrchen, ... und nicht die Sonne strahlt, sondern das Sönnchen, was auch ein liebevoller Kosename unter Liebenden ist... das Kätzchen jagt das Mäuschen, und das Schwälbchen gibt es überhaupt nur als Schwälbchen, Schwalben hat es nie gegeben...
Bei Vornamen scheint es so, dass eine Verniedlichungsform noch einmal verniedlicht wird und eventuell nochmal und wenn man dann doch sauer ist auf Maschenka, dann schaltet man einen Gang zurück auf Mascha (Verniedlichung von Maria) und fügt ein k dazu: Maschka, das ist dann ernst. Maschka war böse... wie herrlich! Maria jedenfalls wird sie nie genannt... so steht es nur im Pass. Und auch wenn wir nach Russland kommen sollten... unsere Namen werden nicht bleiben, wenn wir Russen kennenlernen, warnt uns Tatjana...
Im Internet fand ich ein paar interessante Infos darüber, was in Russland über Deutsche und Deutschland bekannt ist, recht oberflächlich, trotzdem interessant. Man hält Deutsche für reich, sparsam und pünktlich... Man kennt deutsche Fußballer besser als deutsche Politiker. Man kennt und liebt die deutsche Gruppe Scorpions und außerdem die Gruppe Rammstein, die deutsch singen... die Gruppe ist in Russland bekannter als bei uns, obwohl die Russen kein Wort von dem verstehen, was sie singen...
Tja, spannend... und spannend geht es weiter... es gibt viel zu lernen und zu lesen diese Woche, die sich schon wieder dem Ende zuneigt.
Paka!
29. Februar 2008
Tatjana wollte am Montag wissen, weshalb wir Russisch lernen wollen... ich hätte dazu Romane erzählen können, hab halt irgendeine Kurzfassung genommen... ... Dostojewskij kam natürlich zur Sprache und Nijinski und die russischen Wölfe... Übrigens, wenn man bei GoogleEarth Nijinski eingibt, dann saust man direkt nach St. Petersburg, und dort wird das Haus angezeigt, in dem er lebte... cool.
Ich sagte auch, dass ich gerne St. Petersburg sehen möchte, und auch Moskau... Sie sagte, sie könne Moskau zur Zeit nicht empfehlen... es kommen so viele Besucher und die Straßen sind schlecht... aber St. Petersburg... obwohl es nicht ihre Stadt ist, wie sie sagte, glänzten ihre Augen... das sei eine ganz besondere Stadt, es sei eine besondere Energie da... als sie nach ein paar Tagen wieder nach Hause fuhr, sei es ihr besser gegangen als vorher, richtig energiegeladen.
Nun hab ich meinen Musik-Kurs sausen lassen, weil ich gemerkt habe, das wird nichts mit Russisch zusammen... Irgendwie hatte ich mich selber ein wenig überschätzt oder das Russische unterschätzt... irgendwie dachte ich, es wäre total leicht für mich, weil ich es so gerne mag... aber es ist nicht so einfach und kostet Zeit... die kyrillische Schrift und die Aussprache... man muss sich richtig Zeit dafür nehmen.
Ich hab mich an Gustav Gründgens erinnert... als Kind wurde in der Schule gefragt, wer Violine spielen könne... er meldete sich und ging voller Überzeugung nach vorne, obwohl er gar nicht spielen konnte. Er sagte später, er habe "das Gefühl gehabt", es zu können... Und so hab ich auch das Gefühl gehabt, Russisch zu können... tsts... Naja, wird schon. Inzwischen kann ich mich jedenfalls schon vorstellen und Gute Gesundheit wünschen und sowas...
Da saftra! (Bis morgen)
4. März 2008
Sdrasstwuitje miteinander... (bleibt alle gesund!)
...und die Möglichkeiten sind
unfassbar in ihrer Zahl, ihrer
Ausdehnung und ihrer Form.
Wir haben freie Wahl und sind
nur begrenzt durch unsere
Scheuklappen.