Vorsicht, Farbe!
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Kürzlich ein Gespräch mit dem Doc... Er meinte man müsse eben damit leben, dass diese Welt ist wie sie ist, mit allen Misständen, aller Gewalt, allem Leid. Er ist sicher ein vernünftiger Mann und wahrscheinlich werden vernünftige Menschen ihm beipflichten. Aber ich kann das nicht. Ich kann mich nicht abfinden.
Unsere sogenannte Zivilisation... Wodurch unterscheidet sich der moderne Mensch, der "zivilsiert" ist, vom Steinzeitmenschen? Was ist an Mobbing weniger aggressiv als an einem Schlag mit der Keule? Wir haben eine feinere Ausstattung und hübschere Umgangsformen von außen besehen, aber sonst hat sich nicht viel verändert. Die Keulenschläge kommen nun auf andere Weise. Das Recht des Stärkeren herrscht nach wie vor.
Die Kinder, sagte der Doc, an denen könnte man sich doch erfreuen, sie seien so frisch und direkt und frei. Ja, frage ich ihn, aber wer macht denn dann diese Erwachsenen aus ihnen, die das nicht mehr sind? Das sind ja wir, nicht? Warum lassen wir sie nicht wie sie sind, fördern sie darin? Warum zerstören wir denn das in ihnen, was wir bewundern, was uns freut? Er schwieg.
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In Tiergeschichten ging es kürzlich um "Erziehung"... Und ich merkte wieder, wie mir übel wird bei dem Wort. Darin steckt "ziehen"... an jemandem herumziehen... jemanden irgendwo reinziehen, reinpressen... in eine Schablone... vielleicht eine mit etwas Spielraum nach allen Richtungen, aber es bleibt eine Schablone... die so geformt ist, dass man eben nicht unangenehm auffällt und gesellschaftlich zufriedenstellend funktioniert, bezogen auf Menschen.
Früher habe ich das übliche Bild von "Erziehung" übernommen, was meine Hunde betrifft... doch mit der Zeit alle Bücher weggelegt und auch alle Empfehlungen von "erfahrenen" Hundeleuten... und hab begonnen, mit meinen Hunden zu kommunizieren. Ich suche bis jetzt immer noch ein anderes Wort für Erziehung... vielleicht sollte es sogar ersatzlos fallen. Denn will ich das, was mit Erziehung gemeint ist? Nein. Meine Hunde sollen niemanden gefährden, weder andere noch sich selbst. Das alleine ist aber kein Ziel, sondern ergibt sich von ganz alleine, wenn ich mit ihnen kommuniziere, wenn ich sie - so seltsam es bei Hunden klingen mag, aber es ist zutreffend! - wenn ich sie zum "mitdenken" anrege.
Interessant, wie oft Menschen über Dinge staunen, die unsere Hunde tun, die wir ihnen nie extra beigebracht haben... oder die wir ganz nebenbei im Spiel einfach nur "ausprobiert" haben. Wenn ich Felix bitte, mir zu "helfen", kommt er zu mir gerannt und weiß, dass er etwas für mich tun soll. Er liebt das. Meinen Geldbeutel suchen, oder einmal kurz bellen, um das Herrchen zu rufen, das irgendwo im Haus unterwegs ist oder mir die Socken bringen oder was auch immer... Die Leute fragen oft, wie wir ihm das beigebracht haben. Sie wollen eine Technik haben, die sie auch anwenden können. Aber wir haben keine Technik... wir haben diese Dinge nicht "geübt" oder "einstudiert"... Sie ergeben sich von selber, sie sind für unsere Hunde einfach ein schönes Spiel. Sie ergeben sich im Umgang miteinander, den wir alle genießen.
Und kann das nicht bei Kindern auch so sein? So ähnlich? Ich glaube schon. Im Blog "Gute Nachrichten" hab ich von einem TV-Bericht erzählt, in der ein "normales" Gymnasium mit der Planschule in Jena verglichen wird, die mindestens genauso erfolgreich ist, was die Abschlüsse betrifft. Es ist zum Weinen, wie die Kinder in dem Durchschnitts-Gymnasium man muss schon sagen gequält werden. Sie haben so viel Stress, dass sie Angst haben, krank zu werden, weil sie sonst den Stoff kaum mehr aufholen können. Während die Kinder in der Jenaer Schule spielerisch lernen. Der Junge in dem Fernsehbeitrag, der vorher an einer "normalen" Schule war, sagte, er habe sich vorher immer so sehr anstrengen müssen, und jetzt in dieser Schule müsse er sich gar nicht anstrengen und wüsste hinterher trotzdem alles.
Krishnamurti spricht auch von diesem Gegensatz. "Erziehung" nennt er ziemlich hart "Abrichten", im Gegensatz dazu spricht er von "Betreuung"... Er sagt:
"Eine wirkliche Betreuung würde darin bestehen, sich wie um einen Baum oder eine Pflanze zu bemühen, die man bewässert, deren Bedürfnisse man studiert; man sorgt für den besten Boden und kümmert sich um sie mit aller Umsicht und Zartheit. Aber wenn Sie Ihre Kinder für die Gesellschaft abrichten, bereiten Sie sie dafür vor, getötet zu werden."
Je nachdem, in welchem Land man lebt, in direktem oder im übertragenen Sinne.
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