Weite des Geistes
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Im Sommer 2002, Potsdam, Holländerviertel. Meine Eltern waren aus Franken zu Besuch, wir zeigten ihnen die Stadt, bummelten in Geschäften herum, landeten auch in einem Eso-Geschäft, das mich wegen seiner Räucherstäbchen magisch anzog. Es gibt Räucherstäbchen mit speziellen Düften, die eine Verbindung zu bestimmten Seinszuständen herstellen können sollen... Ich stöberte herum... schnupperte, las die Aufschriften, schnupperte, las, murmelte die Worte vor mich hin... eine Sorte fand ich besonders wohlriechend und ich las laut vor: "für die Erweiterung des Geistes". Mein Vater, der - wie Männer so sind - nicht etwa sich umschaute, sondern wartend neben uns stand, immerhin sehr geduldig und ganz gut gelaunt - hörte das und meinte nur trocken: "Na, dann brauchst du das ja nicht." Ich schaute ihn kurz an, zuerst irritiert... tat dann so als hätte er nichts gesagt, doch etwas war wie "eingerastet". Ewas war wieder an seinem Platz, wo es hingehörte, an dem Platz, von dem es irgendwann vor langem herausgeschleudert worden war. Dieser Satz veränderte im Inneren plötzlich alles... er reanimierte in mir die lange ruiniert geglaubte tiefe Seelenverbindung zu ihm wieder. Äußerlich veränderte sich nichts weiter. Wir waren immer höflich zu einander, doch distanziert... das hatten wir uns so angewöhnt, nachdem unsere traute Zweisamkeit, die wir hatten, als ich ein ganz kleines Kind war, durch Hass und Neid der anderen zerstört worden war. Die Distanziertheit und das scheinbar oberflächlich-höfliche Verhältnis blieb auch jetzt noch... und weiterhin bis zu seinem Tod. Doch durch diesen Satz, der in der oberflächlichen Beziehung unserer Persönlichkeiten völlig unpassend war, quasi wie ein Stilbruch, war klar, dass die Verbindung immer noch bestand. Er katapultierte uns beide innerlich zurück in die Zeit der Vertrautheit und des völligen Verstehens.
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