*
Heutzutage ist Alkoholismus als eine Krankheit anerkannt, zumindest offiziell und wissenschaftlich. Es gibt aber auch heute noch Menschen, die sich über diese Menschen stellen und sagen, sie seien nur "charakterschwach" und müssten sich nur "am Riemen reißen", wie vor 70 Jahren und mehr.
Was heute von Ärzten anerkannt ist, war bereits das Ergebnis der Beobachtungen der AA in den 60er Jahren: nämlich der Unterschied zwischen einem Alkoholiker und einem Menschen, der regelmäßig Alkoholik trinkt, auch ab und zu betrunken ist, der aber kein Alkoholiker ist. Derjenige, der Alkoholiker ist, hat eine angeborene Allergie gegen Alkohol. Die ersten Kontakte mit Alkohol mögen noch harmlos erscheinen, aber die Krankheit ist dann schon ausgebrochen und führt früher oder später zu völligem Kontrollverlust über das eigene Leben, zu völliger Gleichgültigkeit gegenüber allem, was einem lieb und teuer ist, gleichzeitig zu übergroßen Gewissensbissen deswegen, doch ohne etwas ändern zu können, und letztendlich führt sie, wenn man nichts dagegen tut, zum Tod. Es ist eine tödliche Krankheit.
Es gibt soweit ich weiß keine Untersuchungen, die diese Allergie nachweisen können. Ob man Alkoholiker ist oder nicht, muss man tatsächlich selber wissen. Es entscheidet sich letztendlich daran, wie sehr man darunter leidet - und das ist sehr subjektiv. Selbst wenn jemand offensichtlich in der Gosse gelandet ist, kann man ihm nicht sagen, er sei Alkoholiker, wenn er es nicht selber einsieht. Nur er allein kann es ändern, nur er allein entscheidet, ob sein Leben noch lebenswert ist oder nicht, und ob er etwas gegen die Krankheit unternimmt oder nicht.
Ich habe mir diese Frage auch gestellt und kann sie bis heute nicht definitiv beantworten. Ich weiß nur, dass ich Alkohol nie genossen sondern immer benutzt habe. Und dass ich es oft bereute. Warum soll man ständig wiederholen, was man bereut... also hörte ich auf, und konnte das ohne Therapie und ohne AA, ganz alleine. Vielleicht bin ich ein Grenzfall. Jedenfalls geht es mir ohne besser, denn ein normales Verhältnis habe ich zum Alkohol einfach schon durch den Alkoholmissbrauch meines Vaters nicht.
Viele AA sagen, es sei ein Segen, diese Krankheit und keine andere zu haben, denn man müsse nur etwas weglassen und könne auf diese Weise gesund werden. Keine Operationen sind notwendig, keine Medikamente, keine Übungen irgendwelcher Art. ... Wobei dieses "nur" natürlich schwer wiegt und ein großer Kampf sein kann.
*