Die Hilflosigkeit spüren...
*
Ein ziemlicher wütender Mann war da im Satsang. In Borneo wird der Wald gerodet, die Lebensgrundlage der Menschen kaputtgemacht... in Südamerika Flüsse mit Chemikalien verseucht... und es wird alles immer schlimmer statt besser... und dann sagen diese spirituellen Leute immer, dass man positiv denken soll... und sie wollen da nicht hinschauen... aber deswegen ist es doch trotzdem da, das kann man doch nicht ignorieren! Er redete sich fast in Rage, vergaß fast, dass er eigentlich eine Frage stellen wollte... stellte auch keine... warf das alles nur wütend und herausfordernd in den Raum.
Samarpan wartete bis er sich ausgekotzt hatte. Dann meinte er: "Ich sage dir, wie ich mit diesen Dingen umgehe. Ich überprüfe ob etwas meine Angelegenheit ist. Ob etwas meine Angelegenheit ist messe ich daran, ob ich Macht bzw. Kontrolle darüber habe. In diesem Fall habe ich diese nicht." "Aber man muss doch etwas tun! Wie soll man damit denn umgehen?", sagte der Mann immer noch sehr aufgeregt. "Das einzige was du tun kannst ist, deine Gefühle zu spüren. Spüre die Hilflosigkeit und schließe Frieden mit ihr. Manchmal kann man im Außen mit Spenden oder mit eigener Hilfe Unterstützung geben. Wenn das möglich ist und man den Impuls hat, dann ist es gut, dem zu folgen. Aber wenn nicht... mach das, spüre die Hilflosigkeit..." Und so ging es noch etwas weiter.
Die Hilflosigkeit spüren und Frieden mit ihr schließen. Das hat mich gepackt. Das muss ich auch tun mit so einigen Dingen in meinem Leben, ob es nun aktuelle sind oder welche aus der Vergangenheit. Mr. Train sagte mehrmals bezüglich der Dinge aus meiner Kindheit, wenn ich beklagte, dass ich mich nicht gewehrt hatte: "Hätten Sie das wirklich ändern können? Hatten Sie die Macht?" Nein, hatte ich nicht. Obwohl mir manchmal der Verstand einreden will... wenn ich nur etwas tougher gewesen wäre oder so oder so, dann... Aber das sind einfach Lügen. Ich will mit meiner Hilflosigkeit Frieden schließen. Es fällt nicht leicht. Wie es auch dem Mann da nicht leicht fiel... und bestimmt kann er es nicht so schnell, aber er hat es trotzdem mit nach Hause genommen... und es wirkt in ihm... genau wie in mir.
*

