Die Stille war üppig...
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Ich sah einen Mann sitzen, im leeren Gasthaus. Durch die Putzenfenster schien warm das Licht der Nachmittagssonne herein. Ein breiter Sonnenstreifen lag vor ihm auf dem Tisch... darin sacht-wirbelnd winzige Staubteilchen... Die Tische und Stühle aus Holz, standen da, "standen in ihrem Wesen"...ganz selbstbewusst irgendwie. Die Uhr tickte hörbar... tick tick tick tick tick... kein tack... alles derselbe Ton... auch sie war ganz überzeugt von ihrem Sein und ihrem Tun. Die Stille war üppig und geschmeidig weich, wie Butter. Vor dem Mann auf dem Tisch stand ein Glas Bier. Noch fast voll. Die ganze Szene wirkte, als sei es lange her, dass er es berührt und daraus einen Schluck genommen hatte. Es war ebenso stark präsent wie alles andere in meinem Blickfeld... der Mann und alle Dinge, die da waren, waren trotz der fast völligen Unbeweglichkeit so voller Lebendigkeit. Jedes Ding war ein vollkommenes Teil einer großartigen Komposition.
Alles war wie es war. Kein Wünschen, Wollen , Zerren, Ziehen oder Begehren. Alles war vollständig das, was es war. Bewusst. So kommt es mir heute vor, wo ich alles wieder genau vor mir sehe. Denn damals nahm ich das zwar auf, aber nur um... ... Moment...
Ich war 25 Jahre alt, als ich zufällig an den Rand dieser Szene trat... ohne Teil von ihr zu werden, nur als Beobachterin. Ich sah sie damals als eine ganz andere Person als heute. Ich habe mir diese Szene selbst weitergereicht... habe sie einer älteren Version meiner selbst - der heutigen - übergeben, denn damals begriff ich nichts, wusste aber intuitiv, dass es da etwas zu begreifen gab, und wertzuschätzen. Aber das konnte ich damals noch nicht.
Mein 25jähriges Ich wunderte sich maßlos über diesen Mann. Wie es ihm möglich war, einfach so dazusitzen, ohne etwas zu tun, ohne zu sprechen, ohne Musik zu hören oder sonst irgend etwas. Fast stumm, nur mit einem durch ein kurzes dunkles Brummen untermalten knappen Kopfnicken erwiderte er den Gruß der Eintretenden... den Kopf leicht in deren Richtung gedreht. Dann saß er wie vorher. Still. Ohne zu schauen, ohne zu beobachten... selbst das wäre zuviel gesagt gewesen, obwohl seine Augen nicht geschlossen waren. Solange wir da waren - ohne seine Ruhe im mindesten zu stören - beobachtete ich ihn immer wieder... und begriff es nicht.
In mir drängte alles zum Tun um jeden Preis, zum Kommunizieren... alles war drängend und begehrend... Und er saß einfach da. Unfassbar damals. Und heute eine der eindrücklichsten und schönsten Erinnerungen... bedeutender als so manche anderen, die großartiger schienen.
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