Die Wunden säubern...
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Mit dem Anders-sein-als-die-anderen klarkommen, es annehmen, wie man ist, auch wenn man dadurch vielleicht aneckt, nicht so leicht verstanden wird... darum ging es heute mit Mr. Train. Wobei er immer darauf hinweist - zu Recht! - dass "die anderen" oft auch nicht so toll klarkommen, wie es aussieht. Oft ist es so, dass sie etwas vorspielen, oder sich dieser Dinge einfach nicht so bewusst sind. Also wer sind "die anderen" überhaupt? Vielleicht nur ein Phantom?
Außerdem darum, wie man mit Wunden umgeht, die man nicht selbst verschuldet hat... also aus der Kindheit zum Beispiel. Er sagt, man soll die Wunde säubern... und das setzt er gleich mit einer Therapie wie dem Brain-spotting, die er verwendet. Und wenn die Wunde sauber ist, heilt sie dann von ganz alleine. Therapie heilt nicht, sondern bereitet auf die Heilung vor, macht sie möglich. Heilung selbst geschieht dann von selbst. Er sagte das auf meine Gedanken, dass wir mit der ganzen Psychologie vielleicht viel zu sehr um uns kreisen. Er gab mir zu einem Teil recht... Das Ziel soll sein, nicht dauernd um sich selbst zu kreisen. Doch solange eine schmerzende Wunde da ist, muss man sich um diese kümmern.
Mein Gefühl, nicht nur nicht zu irgendeiner Gruppe von Menschen dazuzugehören, von klein auf, sondern auch überhaupt auf der Welt völlig am falschen Platz zu sein... interessierte ihn. Als ich sagte, ich kann dazu nur Gefühle äußern, kein Wissen und keine konkreten Gedanken... und dass ich mich irgendwie, diffus, durch den Körper überaus begrenzt und dadurch auch manchmal richtiggehend gedemütigt fühlte... ließ ihn aufhorchen. Er wurde richtig hellwach... fast als hätte er vorher nur gedöst, so war der Unterschied - was natürlich nicht so ist, er war vorher auch sehr aufmerksam gewesen. Jetzt griff er zu seinem Block und machte sich Notizen.
Ich sollte es genauer beschreiben. Also ich habe ein Gefühl, in Wahrheit mehr sehen zu können als nur mit diesen zwei kleinen Augen... zum mindesten auch alles hinter mir, aber auch noch wesentlich weiter. Und mich ohne Begrenzung bewegen zu können, ohne Einschränkung, und in jeder Geschwindigkeit - gedankenschnell sozusagen. Ich weiß, dass es andere Zustände gibt, ein Leben von anderer Art als unter diesen irdischen Bedingungen... und darum trauere ich immer wieder.
Er rezitierte ein Lied, das, wie er sagte, seine Mutter ihm oft gesagt und ihm sozusagen "mitgegeben" habe... vielleicht weil sie merkte, dass er ähnliche Gedanken oder Gefühle hatte. Er nannte nur die erste Strophe des Liedes, ich kopiere es im Ganzen. Wobei ich mich weniger als Gast fühle als vielmehr als jemand, der sich verirrt hat.
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Wir sind nur Gast auf Erden
und wandern ohne Ruh
mit mancherlei Beschwerden
der ewigen H e i m a t zu.
Die Wege sind verlassen,
und oft sind wir allein.
In diesen grauen Gassen
will niemand bei uns sein.
Nur einer gibt Geleite,
das ist der liebe Christ;
er wandert treu zur Seite,
wenn alles uns vergisst.
Gar manche Wege führen
aus dieser Welt hinaus.
O, dass wir nicht verlieren,
den Weg zum Vaterhaus.
Und sind wir einmal müde,
dann stell ein Licht uns aus,
o Gott, in deiner Güte,
dann finden wir nach Haus.*

