***Serenas Augenblicke***

26.01.2010 um 11:31 Uhr

Vom Guten im Menschen... von der Trauer... vom Ideal

von: Seren_a   Kategorie: Seelische Inventur

*

In dem Beitrag übers Verzeihen weiter unten haben aloneone und Schlafblume beide im Kommentar gesagt, dass der Mensch eigentlich vom Grund her gut ist. Das glaube ich auch. Und eine Bestätigung dafür ist ja auch schon diese Feststellung, obwohl man Menschen erlebt, die sich sehr schlecht und verletzend verhalten. Dass man trotzdem sagt, sie sind im Grunde gut, das kommt ja selber aus dem Guten im Menschen.

Genau das Thema hatten der Wassermann und ich gestern auch. Irgendwie kamen wir auf unsere Eltern. Wir haben beide im Elternhaus einiges erlebt und zu ertragen gehabt, was uns heute noch beeinflusst, Schmerzvolles. In irgendeinem psychologischen Buch las ich mal, man solle Dinge extrem übertreiben, um sie neu und vielleicht realistischer, jedenfalls emotionsfreier betrachten zu können. Meistens muss man dann lachen und das erleichtert. Das tat ich indem ich sagte, dass unsere Eltern sich nicht vorgenommen hätten, ein Kind zu bekommen um es dann so zu quälen, dass es das sein Leben lang nicht mehr vergisst. Da mussten wir bei allem Ernst dessen, was früher war, doch lachen. Nein. Sie haben es gut gemeint und haben uns nicht absichtlich geschadet. Vieles haben sie gar nicht gemerkt... dass durch eine starke Empfindsamkeit Dinge viel stärker auf uns wirkten als auf unsere Geschwister... zum Beispiel.

Ich kann verzeihen und habe es getan. Ich verstehe vieles, wiederum aus der Vergangenheit meiner Eltern heraus... die selber viel Enttäuschung erlebten, als sie Kinder waren... Ich weiß, dass sie nie etwas Übles wollten, im Gegenteil. Das Verzeihen fällt mir nicht schwer. Obwohl ich mit den Auswirkungen des Erlebten immer noch zu tun habe... aber in einem größeren Zusammenhang sehe ich das auch als etwas Positives...

Jetzt, heute, finde ich viel mehr Dinge, die ich mir selber verzeihen sollte und auch möchte... die mir leidtun, die ich bereue, bedaure. Dass ich es hier und da und dort nicht geschafft habe, einfach gut zu sein... Dass ich eben eine Zeitlang nicht verzeihen konnte, wütend war... Dass ich mich mit gewissen Reaktionen sogar rächte. Und dass manche solche Reaktionen unbewusst hervorkamen, Menschen gegenüber, die nichts mit dem früher Erlebten zu tun hatten. Das tut mir besonders leid.

Mr. Train will das kaum zulassen und sagt immer, von einem Kind oder jungen Menschen kann man das nicht erwarten, dieses: "hätte ich doch besser gehandelt", und auch nicht von einem älteren Menschen nach all solchen Verletzungen. Mag sein. Ich erwarte auch nichts. Ich erkenne das schon an, diese Schwächen, die sich daraus ergeben haben. Ich bin sogar überzeugt, dass sie letztendlich zu Stärken führen können - irgendwann einmal. Aber ich finde schon, dass es mir auch einfach leidtun darf. Das wirkt nicht negativ auf mich. Es ist wie eine kleine Wehmut... ein paar Tränen der Trauer. Ich bewahre damit einfach ein Ideal in mir, das mich zwar nicht knechten soll, aber das bestehen bleiben darf... und soll.

*


Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.