***Serenas Augenblicke***

07.02.2010 um 14:07 Uhr

Vor der Schöpfung war Gott nicht Gott...

*

Meister Eckhart - Eckhart von Hochheim - 1260-1328. Er war in der Kirche in Deutschland und Frankreich ein "hohes Tier". Doch sein Denken ging der Kirche irgendwann zu weit. Es wurde ein Verfahren gegen ihn wegen einiger seiner Schriften eingeleitet. Man warf ihm vor, er wolle mehr wissen als nötig und habe sich vom Teufel verführen lassen. Während das Verfahren läuft, stirbt Eckhart. Daraufhin wird es eingestellt. Es wird verbreitet, Eckhart habe sich vor seinem Tod doch noch dem Papst unterworfen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass er sich von seinen Schriften distanziert hat.

Sehr verständlich ist es, dass die damalige Kirche etwas verurteilte, womit sie wahrscheinlich nach ihrer Denkweise sogar heute noch Probleme haben könnte oder vielleicht auch hat, vorausgesetzt sie beschäftigt sich überhaupt mit Eckharts Schriften. Denn Meister Eckharts Gedanken waren und sind - gemessen am Welt- und Gottesbild der Kirche - wirklich revolutionär.


Einige Erkenntnisse von Meister Eckhart: 

Gott steht am Anfang der Schöpfung, vorher gibt es keinen Gott. Die Schöpfung ist die Ursache Gottes. Davor ist Gott nicht Gott sondern das, was er ist, genau wie jede Kreatur. Dort ist das, was später Gott und Kreatur ist, Eins.

Den Eigenwillen wirklich aufzugeben bedeutet, auch das Streben danach, Gottes Willen zu tun, abzulegen.

Nach Gott zu streben heißt nicht, "die Straße zu fliehen" und "die Kirche zu suchen", sondern Gott in allem zu finden. Gott ist nichts und daher alles. Eine Ausnahme kann es hier nicht geben.

Wer gelassen bleibt, egal wo er ist, ob mit Menschen oder ohne, ob auf der Straße oder im Kloster, ist wirklich gelassen und in Gott. Wer Bedingungen braucht und Gott nur hier und nicht dort sieht, der nicht.

*

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSchlafblume schreibt am 07.02.2010 um 14:24 Uhr:Ich glaube, die Kirche hat das irgendwie als Gotteslästerung empfunden. Aber wenn man es genau liest, find ich nicht, dass das welche ist. Er hat seine Religion nur objektiv betrachtet, ohne große Lobpreisungen an Gott, wie es die meisten Kirchenanhänger so machen.
  2. zitierenSeren_a schreibt am 08.02.2010 um 01:26 Uhr:Ja, sie hielten das für Gotteslästerung. Ich kann das schon verstehen... er war mit seinen Gedanken einfach viel weiter voraus.... und wer, wie die Kirche, etwas sehr festhält, hat ja meistens Angst, es zu verlieren. Aber es gibt dadurch gar nichts zu verlieren, nur zu gewinnen. Ich empfinde das, was er schreibt, wie ein weiteres Verbindungsstück zur östlichen Spiritualität, und das finde ich großartig.

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.