***Serenas Augenblicke***

03.02.2010 um 21:34 Uhr

Vernäht und zugeflixt... und wo seiter... :))

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

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Tudelnopf - Nudeltopf
Tumenblopf - Blumentopf
Bummigall - Gummiball
Lopftappen - Topflappen
Kaushlingel - Hausklingel
Kindwanal - Windkanal
Späusemeck -Mäusespeck
Nutterfapf - Futternapf
Doppelstockbett - Boppelstockdett
Wücherburm - Bücherwurm
Laschentampe-Taschenlampe

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Und ein paar vette Nersprecher:

Ich lasse Sie stockbrieflich verfolgen!

Manchmal schlafe ich abends so sehr, dass ich nicht einfrieren kann.

Es ist genull nau Uhr!

Wolker bis heitig

Männer können immer noch trinken, wenn sie was gefahren haben.

pfleglich miteinander untergehen

Da muss ich mit meiner Frau nochmal drüber schlafen.

Vernäht und zugeflixt

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25.01.2010 um 10:26 Uhr

Zeihen... und Verzeihen...

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

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Gerade lief mir das Wort "zeihen" über den Weg... in Mechthilds Buch, das aus dem 13. Jahrhundert stammt. Da klingelte es im Hinterkopf, wenn auch erst recht leise... meine Oma hat dieses Wort noch benutzt, aber nicht sehr häufig... es war wohl auch in ihrer Generation schon recht selten. Jemandem etwas zeihen = ihm etwas vorwerfen. Zum Beispiel: "Ich zeihe dich deiner Vergesslichkeit." Oder heißt es: "Ich zeihe Dir deine Vergesslichkeit" ? Ich muss nochmal nachsehen...  Ich hab es auch im Forum der bedrohten Wörter gefunden... wobei man ja eigentlich schon sagen kann, dass es ausgestorben ist, nicht mehr nur bedroht. Schade eigentlich... aber die Zeit geht eben weiter und Sprache bewegt sich...

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Eben habe ich noch in einem Artikel über "Verzeihen" nachgelesen... Zeihen bedeutete ursprünglich einfach nur "sagen". Das Wort verzeihen ist also die negative Form davon und bedeutete im 9. Jahrhundert soviel wie "jemandem etwas versagen, abschlagen, vorenthalten, verweigern". Diese Bedeutung hielt sich bis zum 16. Jahrhundert. Ab dem 12. Jahrhundert bildete sich parallel die Bedetung "sich einer Sache versagen, sich lossagen, sich entziehen, verlassen, verlieren, verzichten". Ab dem 13. Jahrhundert gab es dann auch schon die heute noch geltende Bedeutung... das Wort "verzeihen" ersetzte das bis dahin gebräuchliche "vergeben". Für die ursprüngliche Bedeutung von "verzeihen" wurde ab dann das Wort "verzichten" verwendet.

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16.12.2009 um 11:30 Uhr

Der englische Gruß...

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

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Das ist der Gruß des Engels, der Maria die Botschaft bringt, dass sie auserwählt sei, den Menschensohn zur Welt zu bringen: "Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir". Englisch kommt in diesem Ausdruck von "Engel" und hat nichts mit der englischen Sprache zu tun.

Aus diesem "Engelsgruß'" wurde dann - so genau weiß man es zwar nicht, aber es ist naheliegend - das "Grüß Gott", das in Süddeutschland und Österreich auch heute noch verwendet wird. Auch bei uns in Franken, obwohl ich schon merke, dass es weniger wird. Früher gab es überhaupt keinen anderen Gruß. Heute sagen auch Leute, die älter sind als ich, inzwischen "Hallo" oder "Tag".

Ich finde "Grüß Gott" einen wunderschönen Gruß, den ich mir nie abgewöhnt habe, obwohl er in meiner Generation zumindest in dieser Region schon in Richtung "unmodern" geht. Namaste ist ein Gruß, der quasi denselben Inhalt hat, der in Indien gang und gäbe ist. Man beachtet durch diesen Gruß die Göttlichkeit des anderen Menschen bzw. wünscht ihm Gottes Segen.

In vielen anderen Ländern gibt es ebenfalls solche Grüße. In den Teilen Irlands, wo gälisch gesprochen wird, sagt man "Dia duit", das heißt "Gott mit dir". Wie ich gelesen habe, sagt man in Kroatien, Bosnien und Slowenien "Gelobt sei Jesus"... was mich an einige alte bayerische Filme erinnert hat, wo man sich so begrüßte: "Gelobt sei Jesus Christus", und die Antwort: "in Ewigkeit Amen". Im arabischen Raum sagt man "Salamaleikum" und als Antwort "Walekumsalam", was heißt: "Friede sei mit dir" und "Auch mit dir sei Friede".

Aber sogar das gottlos und weltlich erscheinende "Guten Tag" geht auf einen göttlichen Gruß zurück, nämlich: "Gott gebe dir einen guten Tag"... wovon eben nur noch die letzten beiden Worte übrigblieben.

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16.12.2009 um 00:45 Uhr

Eine Frage...

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

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...habe ich an Euch. Erinnert Ihr Euch an Wörter, die Eure Eltern bzw. Großeltern verwendet haben und die jetzt veraltet sind oder die man überhaupt nicht mehr verwendet? Ich sammle solche Wörter für das Lexikon der bedrohten Wörter. Ich habe mich an einiges erinnert, was meine Oma noch sagte, aber meine Eltern schon nicht mehr, und für uns klang es schon irgendwie seltsam... aber doch vertraut, weil wir es ja von ihr immer noch hörten.

Zum Beispiel "dauern" - "es dauert mich". Das bedeutet, etwas oder jemand tut einem leid, und es drückt gleichzeitig aus, dass man selber keine Schuld oder Verantwortung an dem trägt, was einen "dauert". Ganz im Gegensatz zu "reuen". Wenn man sagt "es reut mich", dann handelt es sich um etwas, das man selber zu verantworten hat.

Oder etwas "irrt" oder "geniert". Wenn meine Oma zum Beispiel einen Gegenstand irgendwo hingelegt hatte und sie befürchtete, er könnte dort stören, dann fragte sie: "Irrt das?" oder auch: "Geniert das?"

Dann fiel mir natürlich noch ihr berühmtes "Helfgott" ein, das sie statt "Gesundheit" sagte, wenn jemand hustete oder nieste. Jetzt habe ich gelesen, dass man das ursprünglich deshalb sagte, weil angeblich beim Niesen die Seele kurzzeitig den Körper verlassen würde und dann für den Teufel greifbar sei. Aber ob sie das wusste und es so meinte, das weiß ich nicht.

Also, ich bin gespannt, ob Euch etwas einfällt und freue mich, wenn Ihr es hier mitteilt. :)

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09.12.2009 um 11:39 Uhr

Para veredis - stark und scheu...

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

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...ist der ursprüngliche lateinische Begriff, aus dem sich "Pferd" bildete. Im Lateinischen bin ich leider nicht so firm, aber das "veredis" hat wahrscheinlich mit "scheu" zu tun und "para" mit "stark", was ja beides Eigenschaften des Pferdes sind. Das im Aussterben begriffene Wort Ross kommt vom althochdeutschen "hros". "Pferd" ist eigentlich ein Fremdwort... ;)

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08.12.2009 um 23:09 Uhr

Marktplatz...

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

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...bedeutete das frühere Wort für Acker. Es war der Platz, auf dem mit Vieh gehandelt wurde.

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07.12.2009 um 12:00 Uhr

Nomen est Omen...

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

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Namensdeutungen haben mich schon immer interessiert. Ich habe darüber viel gelesen, auch viel selber erspürt. Es fiel mir schon häufger auf, dass Menschen mit demselben Vornamen etwas Gemeinsames in ihrer Art haben. Natürlich ist der erste Vorname nur ein Teil... es gibt viele andere, weitere Namen, Geburtsdaten, außerdem der Ort, wo man lebt, die Menschen der Umgebung. Trotzdem ist es, finde ich, recht deutlich... so eine gewisse ähnliche Mentalität ist da, oder es ist dieselbe Färbung der inneren Energie... Es sind nicht einfach bestimmte Eigenschaften, nicht etwas so konkret Greifbares. Auf der Seite Nomen est Omen habe ich zum ersten Mal Deutungen gefunden, die meines Erachtens richtig tief gehen und deren Basis stimmig ist. Die Deutung meines ersten Vornamens ist derartig zutreffend, dass ich ein bisschen nach Luft geschnappt habe... zumal mir dieser Name so gar nicht lieb ist, aber so viel in sich birgt. Als ich dann die Deutung für *Felix* las, musste ich laut loslachen. Das trifft sogar bei einem Hund zu... jedenfalls bei dem unsrigen! Die Unterstreichungen sind von mir... das ist unser Felix... ;)*

Felix
 

Felix kommt aus dem Lateinischen und bedeutet glücklich, Glück bringend, fruchtbar. (Er ist ja Vater von zwei Würfen,  von insgesamt 12 Hundekindern, immerhin... ;))  Felix ist angeblich ein römischer Beiname, der einen Wunsch in sich birgt. Weg und Ziel sollte Felix nicht verwechseln. Die Versuchung aber liegt nahe. Doch es könnte ein Weilchen dauern, bis der Wunsch nach Glück erfüllt ist. Meist ist das mit Arbeit und Geduld verbunden. Besonders die Geduld muss Felix lernen. Denn meist geht es ihm nicht fix genug. Durch Umstellung der Buchstaben erkennen wir, dass das Wort fix in seinem Namen enthalten ist. Fix steht jedoch nicht nur für schnell, sondern auch für fixieren. (!!!) Felix braucht gute Fixpunkte, um fest verankert starten zu können. (Die Fixpunkte müssen Herrchen und Frauchen geben.) Anfangs- und Endbuchstabe bestimmen den Rahmen von Felix. Der Name beginnt mit einem F. Das F steht für frisch, frei und fröhlich. Das muss Felix in der Regel nicht mehr lernen. (neeee! :)) Diese Qualität ist ihm in die Wiege gelegt. Felix endet mit einem X. Das X steht für Abgrenzung, so wie ein Gartenzaun aus vielen X besteht. Abgrenzung und klare Entscheidung gilt es für Felix zu lernen. Felix braucht bei allem, was er tut, eine gute Positionierung!

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29.07.2009 um 01:34 Uhr

Die Welt ist schlecht

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

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27.05.2008 um 23:09 Uhr

Eine sonderbare Insel...

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

 von Semen Altov

Danke

Das war eine sonderbare Insel. Auf der Insel lebten sonderbare Menschen. Unter ihnen waren sonderbare Beziehungen. Auf der Insel gab es alles, was die Seele begehrt. Übrigens soviel, dass für alle alles ausreichte. Deshalb hatte niemand auf der Insel Geld. Und wozu braucht man Geld, wenn es alles gibt? Bitte! Hört man nur von Morgen bis Abend: «danke», «bitte»… Können Sie sich das vorstellen?

Es tritt ein Mensch heran, der keine Bananen hat, zu einem anderen, der Bananen hat, und sagt:

"Seien Sie bitte so nett! Ich brauche fünf Bananen, von den besseren, wenn es geht."

Der Zweite antwortet:

"Ich habe keine schlechten. Wer braucht die schlechten? Hier haben Sie zehn Bananen. Essen Sie zum Wohl!"

"Wunderbare Bananen! Vielen Dank!"

"Was heißt: «vielen Dank»?"

"Sie haben mir zehn Bananen statt fünf gegeben, und so sage ich «vielen Dank»!"

"Fürchten Sie Gott! Ihnen hat man statt fünf zehn Bananen gegeben. Da kommt man mit einem «danke» nicht davon."

"Ein ehrliches «danke» reicht völlig aus."

"Für zehn Bananen ein «danke»?"

"Ja, wie viele «danke» wollen Sie denn dafür?"

"Dreißig!"

"Haben Sie ein Gewissen? Für zehn Bananen dreißig «danke»?!"

"Bei mir gibt es ein Dutzend Bananen für dreißig «danke»! Wenn Sie nicht wollen, brauchen Sie sie nicht zu nehmen!"

"Zwanzig!"

"Dreißig! Und feilschen Sie nicht. Die Bananen sind eins zu eins! Gestern hat man sie für fünfunddreißig «danke» genommen, und ich gebe sie Ihnen für dreißig, ausschließlich aus Zuneigung zu Ihnen."

"Gut! Um Ihnen etwas Nettes zu tun! Ich gebe Ihnen dreißig «danke», und Sie dafür vierzig «bitte»."

"Wie viel?! Meine Liebe, Ihr Gemüt ist erhitzt! Also wirklich, ich werde gezwungen sein, unter Schmerz die Bananen zurückzunehmen."

"Es tut mir ehrlich leid, dass das so gekommen ist. Ich, mit Ihrer Erlaubnis, nehme besser für drei nicht sehr große «danke» eine Ananas um die Ecke. Ich hoffe, dass ich Sie damit nicht beleidige?"

"Was für Unsinn! Um Gotteswillen! Nur, wenn es Ihnen keine Mühe macht, ersticken Sie an dieser Ananas. Bitte!"

"Danke! Und ich wünsche aus ganzer Seele, glauben Sie mir, aus ganzem Herzen, dass Ihre wunderbaren Bananen in Ihrem wundervollen Hals stecken bleiben. Dasselbe möchte ich Ihrem Vater und Ihrer Mutter wünschen. Und Ihrer ganzen Verwandtschaft."

"Ich bedanke mich. Sie haben so rührend an alle gedacht. Gebe Gott, dass die Ananas Ihren Kindern schlecht bekommt!"

"Danke!"

"Bitte…"

So eine sonderbare Insel! Überall hört man nur: «danke», «bitte»…

11.05.2008 um 13:16 Uhr

Die russische Seele

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

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Die russische Seele

von Emilia Jermoshina

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Ich bin total russisch. - Russisch in meiner Schaffenskraft, Mentalität, Offenheit, Feinfühligkeit, meiner Bereitschaft, dem Gast das Letzte zu geben, in meiner Fähigkeit, die bildliche Gestaltung, die Kraft russischer Lyrik und Musik zu erfassen, im Singen der alten schwermütigen Romanzen. Russisch in meiner Irrationalität, manchmal im "Nichtvernünftigsein".

All das zusammengenommen, heißt "russische unerforschte Seele", die ich dank meiner "Wurzeln", dank ständiger seelischer und geistiger Arbeit habe bewahren können. Man bezeichnet die russische Seele im Westen manchmal als wehmütige Seele. Wehmütig ist sie nicht. Eher leidenschaftlich, mitfühlend, geduldig, stolz. Die russische Seele ist verurteilt, stets zu leiden, weil man aus Russen Versuchskaninchen für Sozialexperimente gemacht hat. Einen Vers der russischen Dichterin Sinaida Mirkina habe ich ins Deutsche übertragen, er trifft den Kern:

*


Geplagte russische Seele!
Sogar bei Nacht musst du oft
ängstlich sein.
Trotzdem - verlieren heißt ihr:
Wiederkehren
Aus weiter Ferne zu sich heim.
Oh, diese stillen Rückgewinne!
Die Blätter fallen, Flimmerlicht...
Und all die Brüche, die Verluste
Machen sie stärker, mehr ist sie
nicht.

*

 Moskau
*


Falls Sie, liebe Leser, bei der Begegnung mit dem russischen Menschen das oben Beschriebene nicht entdecken, dann müssen Sie wissen: Vor ihnen steht eine Ausnahme.

*** *** ***

Und dazu noch ein Text von Rose Roth:


Duscha garit - Die Seele brennt! Es waren die ersten zaghaften Worte, die ich in der fremden Sprache sagen konnte. Begriffen habe ich die russische Seele bis heute nicht. Wo steckt ihr Geheimnis?

Steigt man morgens in Russland in eine Metro, schaut man in grimmige Gesichter. Männer, die nach Bier und Wodka riechen, Frauen mit hängenden Mundwinkeln. Kein seelenvoller Blick weit und breit. Ich suche diese Seele, die wir Nichtrussen für etwas Außergewöhnliches halten. Eine Stunde stehe ich in langer Schlange am Fahrkartenschalter. Endlich, nur noch eine Frau vor mir. Da knallt die Bahnbeamtin ohne Vorwarnung das Schild "Mittagspause" an ihr Fenster. Ich bin erbost, die übrigen Wartenden zucken bloß mit den Schultern und reihen sich geduldig in die nächste Warteschlange ein. War das die russische Seele?

Dann fahre ich zu Emilia. Ein kaum zu beschreibender Kontrast. Die Wiedersehensfreude drückt sie in 1000 Fragen nach meinem Wohlergehen aus. Ich weiß, ihre Sorgen um mein Befinden sind ernst gemeint. Sie nimmt alle Mühen auf sich, mir den Besuch so schön wie möglich zu gestalten. Ich kann bei ihr meinen Kummer loswerden, ihr mein Glück schildern. Sie ist immer ganz Ohr, versteht, rät, ein liebevoller Mensch. Ist das die russische Seele? Ich werde weiter versuchen, dieses Wunder zu enträtseln.

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10.05.2008 um 23:28 Uhr

Kasachische Traurigkeit...

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

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Woran man denkt, wem und wessen man seine Aufmerksamkeit schenkt, das zieht man an... und es wird physisch/materiell/irdisch betrachtet real...  egal ob angenehm oder unangenehm. Vorsicht ist also immer angebracht mit allem, dem man die Aufmerksamkeit schenkt. Heute gabs bei mir ein sehr angenehmes und sehr promptes Beispiel dafür. Heute morgen lud mein Mann ein russisches Vokabel-Übungsprogramm für mich herunter... und da sprachen wir ein wenig über meinen Kurs und ich sagte, dass ich mir für die vier Monate Sommerpause, bevor der nächste Kurs Ende September beginnt, russische Freunde wünsche, die mir helfen, mehr zu lernen. Und dann sprachen wir über russische Namen und ich sagte, dass mein russischer Lieblingsname Juri ist.  

Drei Stunden später war ich mit den Hunden am Main unterwegs. An einer Stelle parkte ein Auto – das kommt ab und zu vor, es sind meistens Angler – aus dem drei junge Männer und zwei kleine Jungs stiegen. Einer der jungen Männer rief gleich Felix zu sich und streichelte ihn... Zack war ich im Gespräch mit drei Kasachen. Während die anderen beiden Männer ihre Angeln zusammenbastelten und die beiden Jungs Nikita und Daniel mit Felix am Wasser spielten, saß ich dann mit dem ersten am Ufer und wir unterhielten uns. Er fragte mich nach meinem Namen... und ich hätte ihn eigentlich nicht erst fragen müssen, es war irgendwie klar: Er hieß natürlich Juri!

 

Nun sind die drei zwar von weiter her und es ist daher nicht möglich, sich öfter mit ihnen und ihren Familien zu treffen... schade eigentlich, aber ein Zeichen war es allemal. Ich nehme es einfach als Bestätigung oder kleinen Vorboten der Erfüllung meines Wunsches... so nach dem Motto: „Ja warte nur, er erfüllt sich bald, das ist ein Vorgeschmack.“ Das hat Spaß gemacht und ich hab mich richtig gefreut.

 

Unabhängig davon war da noch etwas anderes, das der Erwähnung wert ist, denn es hat mich stark berührt. Erst einmal die Tatsache, wie selbstverständlich wir miteinander umgingen... nicht als Fremde, sondern einfach als Menschen, sehr natürlich. Ganz selbstverständlich luden sie mich mehr oder weniger an "ihr" Ufer ein... es war als hätte man sich schon lange gekannt. Natürlich bot Juri mir gleich alles an, was sie dabei hatten... das war allerdings leider nur Bier, Wodka und Zigaretten... alles nichts für mich. Mit Deutschen ist irgendwie alles immer komplizierter... man ist sich viel stärker und viel länger „fremd“ und einfach distanzierter. Wenn Deutsche am Ufer ein Plätzchen ergattert haben, wollen sie da meist nicht gestört sein, und es fiele mir niemals ein, an dasselbe Stück Ufer zu gehen... es sei denn wir hätten beide Hunde und die würden spielen oder so. Durch die Hunde kann es anders sein, aber sonst ist es oft irgendwie „eckiger“.

 

Zum anderen berührte mich sehr, was mir Juri über Kasachstan erzählte (wenn ich „Juri“ sage habe ich ein warmes Gefühl im Bauch... es hat aber nichts mit der Person dieses Juri zu tun... es ist bestimmt eine alte Erinnerung – vielleicht auch Dr. Schiwago J... ein Film den ich so oft gesehen habe, dass ich die Dialoge schon auswendig kann). Die kasachische Sprache wurde ja in der Sowjetzeit unterdrückt, was dahin führte, dass Juris Generation (Mitte 20) kasachisch weder spricht noch versteht. Nun weht seit einigen Jahren wieder ein anderer Wind, und jetzt ist kasachisch wieder Amtssprache, was große Probleme macht, weil nur noch die Alten kasachisch können, jedoch gewohnt sind, nur russisch zu sprechen. Das heißt, die jungen Kasachen wachsen mit russisch als Muttersprache auf und lernen ihre eigentliche Muttersprache, kasachisch, in der Schule wie eine Fremdsprache.

 

Ich glaube, dies alles hat in diesen Menschen eine tiefe Traurigkeit hinterlassen. Ich spürte neben der spontanen Sympathie und Vertrautheit zwischen uns, etwas sehr Trauriges und Unfröhliches. Das ging auf mich über, und ich trug es eine Weile mit mir, als ich mich verabschiedet hatte... Ich fragte mich, weshalb ich auf einmal so traurig war... bis mir klar wurde, dass es nicht meine Trauer war, sondern dass ich es von Juri und seinen Freunden mitgenommen hatte. Es gibt zwischen Russland und den ehemaligen Sowjetländern noch so viele Wunden, die noch lange nicht verheilt sind. Ich wünsche von ganzem Herzen Heilung für sie alle.

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30.04.2008 um 20:53 Uhr

Aus meinem Russisch-Kurs-Tagebuch - Teil 7

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

Ja, und dann gibt es ja noch den schönen Buchstaben - bl -. Diesen Laut gibt es m Deutschen nicht. Am Anfang bemühte sich Tatjana noch, uns diesen Laut zu beizubringen... doch relativ erfolglos. Dieser Laut war so ziemlich die einzige Sache, von der sie zugab, dass sie für uns schwierig sei, weil es diesen Laut weder im Deutschen noch im Englischen und auch in den romanischen Sprachen nicht gibt. Sie sagte ihn uns vor, wir hörten ihn, probierten... aber er wollte uns einfach nicht so über die Lippe kommen, wie wir ihn bei Tatjana hörten. Sie gab tatsächlich auf und beließ es dabei, dass wir statt dieses unausprechlichen Lautes einfach - i - sprachen... In Wirklichkeit ist vor dem Klang des - i - noch etwas anderes... ähnlich wie ein ü auf der Flucht oder so... etwas, was ein wenig wie ü klingt, aber nicht greifbar ist. Man muss dabei den Unterkiefer etwas nach vorne schieben...

Letztes Mal nun war es soweit, dass es mich störte, dass wir immer einfach nur i sagten... und ich bat Tatjana, uns den Laut noch einige Male vorzusprechen. Sie tat es geduldig. Wir sprachen nach... und ... auf einmal machte es * PLING * ... und es ging! Huch, was für eine Freude! Immer noch gelingt es nicht jedesmal, aber doch immer öfters. Was lernen wir wieder einmal daraus: Geduld. Es kommt dann irgendwann von ganz alleine....

26.04.2008 um 02:32 Uhr

Aus meinem Russisch-Kurs-Tagebuch - Teil 6

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

15. April 2008

Tatjana war heute anfangs sehr ernst. Ich dachte: Vielleicht hat sie Kopfschmerzen? Letztes Mal erzählte sie, wenn sie Kopfschmerzen habe sei das beste Heilmittel dagegen die Gruppe von Kindern, die sie unterrichtet... nein, nicht wir... : - ) Es stellte sich heraus, dass sie sehr traurig ist, weil von sieben Teilnehmern an unserem Kurs drei weggefallen sind. Dabei ist sieben schon recht wenig. Letztes Mal hatte sie uns vom Beginn ihrer Tätigkeit bei der VHS in Deutschland erzählt. Man habe ihr gleich gesagt, dass bei Sprachkursen der höchste „Schwund“ sei... sie könne damit rechnen, dass von 13 oder 14 Teilnehmern vielleicht drei oder vier übrigbleiben, die bis zum Schluss kommen und weiterhin Interesse haben. Sie war entsetzt und rief empört: „Aber neeeeiiiiiin! Ich bin doch nicht so eine schlechte Lehrerin!“ Aber das hat damit nichts zu tun... bei uns ist das eben so. In Russland heißt die VHS „Volks-Universität“ und hat einen viel höheren Stellenwert, wird sehr viel ernster genommen von Lehrern wie Schülern. Ja, das macht sie traurig... sie liebt ihre Sprache so sehr und wünscht sich, sie so vielen Menschen wie möglich so gut wie möglich nahe zu bringen.

Als der Unterricht dann lief, war sie wieder in ihrem Element und glücklich. Als es um das Verb „отдихать“ ging – ausruhen, z.B.: „Babuschka ruht sich auf dem Sofa aus“ - erklärt Tatjana, dass dieses Verb wörtlich übersetzt „aufatmen“ oder „ausatmen“ bedeutet. Hach! Das ist es, was so wunderbar ist! Die wörtlichen Übersetzungen – sie sagen so viel aus über die russischen Menschen, verraten, wie sie fühlen, was ihnen wichtig ist.

Wir kamen auf das russische Wort für „Tier“ zu sprechen... „Животное“... es hat denselben Wortstamm wie die russischen Verben für „leben“ – „ergehen“ (wie geht es Dir?) – „wohnen“ und heißt tatsächlich „Leben“. Und auch das Wort „Bauch“ gehört zum Wortstamm „Leben“. Was den Schluss nahe legt: In Russland lebt man aus dem Bauch heraus, man spürt das Leben im Bauch, nicht im Kopf, wie (wahrscheinlich) bei uns. Ich sagte, dass parallel dazu das lateinische Wort für „Tier“ „animal“ lautet, dieses wiederum bedeutet „Seele“. Das ist so interessant! Es zeigt, dass in den früheren Kulturen Tiere eine weit höhere oder besser: tiefere Bedeutung für die Menschen hatten als heute. Und in diesem russischen Sprachgebrauch ist ganz deutlich vertikales Denken zu erkennen. Er folgt (immer wieder) nicht der Logik und der Kategorisierung gleicher Dinge, sondern erkennt die Qualität der verschiedenen Erscheinungen des Lebens. Man erkennt aus dem Bauch heraus, was zusammengehört. Das ist auch astrologisches Denken. Vielleicht fühle ich mich deshalb von dieser Sprache so angezogen.

Noch ein schönes Beispiel dafür ist das Wort „Dorf“, das von dem Wort für „Baum“ abgeleitet ist. Weil die Häuser in Dörfern aus dem Holz der Bäume gemacht wurden, die da standen. Ganz einfach. So sind die Dinge: einfach, solange man sie nicht schwierig macht.

Die zwei Stunden vergingen heute wie im Fluge und es machte solchen Spaß. Wir wiederholten vieles und wir fragten vieles... bei meinen Spaziergängen in den Weinbergen - wenn meine Hunde beim Mäusesuchen sind und keine Zeit für mich haben -, führe ich immer kleine russische Gespräche mit einem imaginären Russen oder einer Russin (je nachdem, wie ich gelaunt bin, haha)... und dann fehlen immer irgendwelche Wörter, die man dringend bräuchte. Wörterbücher sind nur bedingt von Nutzen, da vieles doch wieder anders gesagt wird als es im Buch steht. Typisch russisch? Да !!

 

24.04.2008 um 01:24 Uhr

Russische Raben...

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

 

Ворон к ворону летит,
Ворон ворону кричит:
«Ворон, где б нам отобедать?
Как бы нам о том проведать?»

Ворон ворону в ответ:
«Знаю, будет нам обед;
В чистом поле под ракитой
Богатырь лежит убитый.

Кем убит и отчего,
Знает сокол лишь его,
Да кобылка вороная,
Да хозяйка молодая».

Сокол в рощу улетел,
На кобылку недруг сел,
А хозяйка ждет мило´го,
Не убитого, живого.

 

*

 

Fliegt zum Raben Rabe,
Spricht zum Raben Rabe:
Werden wir heut satt, Rabe?
Zeige deine Sehergabe!

Antwort gibt dem Raben Rabe:
Kenne unsre Mittagslabe;
Unterm Weidenstrauch, im Feld,
Liegt ein totgeschlagner Held.

Wer erschlug ihn, und warum?
Nur sein Falke kennt den Grund:
Rabenschwarz ist seine Stute,
Seine Frau von jungem Blute.

In den Hain der Falk' entschwand,
's Pferdchen folgt des Gegners Hand,
Und die Frau erwartet eben
Schon den Liebsten, der am Leben.

*

Alexander Sergejewitsch Puschkin

 

21.04.2008 um 22:50 Uhr

Aus meinem Russisch-Kurs-Tagebuch - Teil 5

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

11. März 2008

Privjet! (Hallo!)

Heute hat's irgendwie Klick gemacht, ein kleines Quantensprüngchen in eine neue Dimension, die der eigenständigen Bildung von Sätzen! Wow. Tatjana sagte, im anderen Kurs sei sie noch nicht so weit... als sie uns gesehen hätte, hätte sie gleich gedacht, hier könne sie schneller vorgehen... was sie bisher auch getan hat!! Sie ist geschickt in ihrer Art zu motivieren... und es ist ja egal wie weit die im anderen Kurs wirklich sind... 

Wir haben heute ein bisschen Verben beugen gelernt... alles nicht schwierig. Was die Verben betrifft hat man es im Russischen nicht schwer. Im Deutschen dagegen... man kann die armen Deutsch Lernenden aus dem Ausland wirklich nur bedauern... Tatjana schilderte, wie sie in ihrer Wohnung herumspazierte, saubermachte und dabei 128 deutsche Verben und ihre gebeugten Formen auswendig lernte... während sie immer wieder den Kopf schüttelte über die Frage, was z.B. die drei Wörter "bleiben - blieb - geblieben" denn bitteschön gemeinsam haben...! Aber da musste sie eben durch. Im Russischen bekommen die Verben ein paar Endungen verpasst, das ist alles... Die richtig schweren Sachen werden wir gar nicht durchnehmen, denn unser Kurs ist ja für Touristen und Geschäftsreisende konzipiert. Weibliche Substantive bekommen bei den verschiedensten Fällen nur ein "u" angehängt und fertig ist der Lack.

Ja sischu na stulje i risuju maja sabaku.

"Ich sitze auf dem Stuhl und male meinen Hund." Is doch schon mal was! 

Apropos Hunde. Diese sind in Russland immer weiblich... ... Naja, das Wort jedenfalls. Es gibt gar kein Wort für "Rüde" ... oder vielleicht gibt es eins, aber das ist dann so ungewöhnlich und nur theoretisch vorhanden, dass es Tatjana gar nicht einfiel.... alle Hunde sind Hündinnen, und nur wenn man es extra sagt oder den Namen des Hundes erwähnt, weiß man, ob es eine
Hündin oder ein Rüde ist. Naja, bei uns war das früher umgekehrt auch so. Jedes bellende Tier war bei uns auf dem Dorf ein "Hünd", egal ob Männlein oder Weiblein. Und "der Hund" bekam auch Junge... :-) ... Dass wir heutzutage von Hündinnen oder Rüden sprechen, ist eine Entwicklung der vergangenen 20 Jahre...

Nun sind erstmal 2 Wochen Ferien, Osterferien und wir können das Gelernte vertiefen. Wir müssen uns vertraut machen mit männlichen und weiblichen Wörtern und Ausnahmen sowie mit etwa 20 Verben und deren Beugung. Genug zu tun.

Dass ich u.a. eine "piriwotschiza" (eine Übersetzerin) bin, das kam heute bei der Vorstellung so herrlich flüssig aus meinem Mund, dass Tatjana das extra lobend erwähnte... Und da verriet ich, dass ich mir einen Zettel mit diesem Wort und mit dem Wort für Lehrer- pribadawatjel - den beiden Monsterwörtern vom letzten Mal geschrieben und vorne ins Auto gelegt und bei jeder roten Ampel geübt hatte. In Würzburg hat man bei dem Vorgehen gute Chancen, viel zu lernen, weil grundsätzlich alle Ampeln erstmal Rot sind....

Also auf in die Ferien...

3. April 2008

Am Montag ging es also nach zwei Wochen Ferien weiter... zwei Wochen... sooo viel Zeit, zu lernen... aber die viele Zeit geht ziemlich schnell vorbei, wenn man es von einen Tag auf den nächsten verschiebt. Naja, die letzten drei Tage haben gereicht, alles einigermaßen zu aktualisieren.

Tatjana war äußerlich aus Russland wieder zurückgekommen, doch innerlich noch nicht so richtig... sie sagte, es sei nach 14 Tagen nur Russisch so ungewohnt, wieder deutsch zu sprechen... und müde war sie von der Heimreise.

Egal, der Unterricht ging gewohnt flott weiter. Dieses mal gab sie am Ende der zwei Stunden zu, dass es viel sei und sie uns viele Blätter gegeben habe... "aber das macht nichts! Sie können das!". 

Nun wird es echt wirklich interessant. Langsam kommt man dahin zu begreifen, dass man wirklich dabei ist, Russisch zu lernen... und dass man tatsächlich verstanden wird... unglaublich. Die russische Aussprache liegt mir, ich spreche es sehr gerne und das spornt natürlich an, doch etwas schneller zu lernen.

Ja gawarju pa-russki otschin charascho!

Naja, das ist vorläufig noch ein Traum, aber vielleicht wird er ja einmal wahr.

Faszinierend sind die Verniedlichungen im Russischen. Es gibt so viele verschiedene Verniedlichungsformen von Vornamen. Auf dem Markt wird man auch bei bester Aussprache als Deutsche/r erkannt, wenn man Kartoffeln kauft und nicht etwa Kartöffelchen, oder Möhren statt Möhrchen, ... und nicht die Sonne strahlt, sondern das Sönnchen, was auch ein liebevoller Kosename unter Liebenden ist... das Kätzchen jagt das Mäuschen, und das Schwälbchen gibt es überhaupt nur als Schwälbchen, Schwalben hat es nie gegeben...

Bei Vornamen scheint es so, dass eine Verniedlichungsform noch einmal verniedlicht wird und eventuell nochmal und wenn man dann doch sauer ist auf Maschenka, dann schaltet man einen Gang zurück auf Mascha (Verniedlichung von Maria) und fügt ein k dazu: Maschka, das ist dann ernst. Maschka war böse... wie herrlich! Maria jedenfalls wird sie nie genannt... so steht es nur im Pass. Und auch wenn wir nach Russland kommen sollten... unsere Namen werden nicht bleiben, wenn wir Russen kennenlernen, warnt uns Tatjana...

Im Internet fand ich ein paar interessante Infos darüber, was in Russland über Deutsche und Deutschland bekannt ist, recht oberflächlich, trotzdem interessant. Man hält Deutsche für reich, sparsam und pünktlich... Man kennt deutsche Fußballer besser als deutsche Politiker. Man kennt und liebt die deutsche Gruppe Scorpions und  außerdem die Gruppe Rammstein, die deutsch singen... die Gruppe ist in Russland bekannter als bei uns, obwohl die Russen kein Wort von dem verstehen, was sie singen...

Tja, spannend... und spannend geht es weiter... es gibt viel zu lernen und zu lesen diese Woche, die sich schon wieder dem Ende zuneigt.

Paka!

20.04.2008 um 20:44 Uhr

Aus meinem Russisch-Kurs-Tagebuch - Teil 4

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

29. Februar 2008

Tatjana wollte am Montag wissen, weshalb wir Russisch lernen wollen... ich hätte dazu Romane erzählen können, hab halt irgendeine Kurzfassung genommen... ... Dostojewskij kam natürlich zur Sprache und Nijinski und die russischen Wölfe... Übrigens, wenn man bei GoogleEarth Nijinski eingibt, dann saust man direkt nach St. Petersburg, und dort wird das Haus angezeigt, in dem er lebte... cool.

Ich sagte auch, dass ich gerne St. Petersburg sehen möchte, und auch M
oskau... Sie sagte, sie könne Moskau zur Zeit nicht empfehlen... es kommen so viele Besucher und die Straßen sind schlecht... aber St. Petersburg... obwohl es nicht ihre Stadt ist, wie sie sagte, glänzten ihre Augen... das sei eine ganz besondere Stadt, es sei eine besondere Energie da... als sie nach ein paar Tagen wieder nach Hause fuhr, sei es ihr besser gegangen als vorher, richtig energiegeladen.

Nun hab ich meinen Musik-Kurs sausen lassen, weil ich gemerkt habe,
das wird nichts mit Russisch zusammen... Irgendwie hatte ich mich selber ein wenig überschätzt oder das Russische unterschätzt... irgendwie dachte ich, es wäre total leicht für mich, weil ich es so gerne mag...  aber es ist nicht so einfach und kostet Zeit... die kyrillische Schrift und die Aussprache... man muss sich richtig Zeit dafür nehmen.

Ich hab mich an Gustav Gründgens erinnert... als Kind wurde in der Schule gefragt, wer Violine spielen könne... er meldete sich und ging voller Überzeugung nach vorne, obwohl er gar nicht spielen konnte. Er sagte später, er habe "das Gefühl gehabt", es zu können... Und so hab ich auch das Gefühl gehabt, Russisch zu können... tsts... Naja, wird schon. Inzwischen kann ich mich jedenfalls schon vorstellen und Gute Gesundheit wünschen und sowas...

Da saftra! (Bis morgen)

 

 4. März 2008

Sdrasstwuitje miteinander... (bleibt alle gesund!)

schon wieder rauchende Köpfe... Tatjana legt ein Tempo vor, das atemberaubend ist... und immer redet sie uns ein, dass wir das alle gut können und es "gar keine Schwierigkeit" ist.

Nächstes Mal sollen wir uns schon ohne Unterlagen unterhalten können, sagen wer wir sind, fragen wies geht, sagen wo wir wohnen, dass wir Deutsche und nicht etwa Russen sind, haha... und fragen, wo der andere wohnt und welcher Nationalität er ist. Außerdem das Geschlecht zuordnen, viele Gegenstände und Berufe benennen, fragen wie etwas auf Russisch heißt oder umgekehrt auf Deutsch...

Stolperstein bei den Wörtern ist LEHRER... ich schwöre, ich werde dieses Wort diese Woche chanten wie das Gayatri Mantra... so viel wie heute darüber gestolpert wurde, das geht auf keine Kuhhaut. Das Wort heißt: Pripadawatjel... sollte nicht so schwer sein, aber da wir keine Umschrift verwenden dürfen, sieht der Brocken für uns immer wieder so aus: Преподавателъ - es heißt wörtlich übersetzt übrigens: der Gebende.

Wenn man sagt: Ich habe eine Frage, sagt man wörtlich übersetzt: Eine Frage ist bei mir. Und da wir das jetzt wissen, dürfen wir das auch nicht mehr auf Deutsch sagen... Tatjana ist sooo nett und sooo streng...

Ach ja, wir müssen außerdem auch noch bis zum nächsten Mal Vatersnamen bilden können, für Männer- und für Frauennamen. Das ist nicht so arg schwer... Mein Vatersname ist Pawlowna. Das "n" ist wichtig, das zeigt, dass es der Vatersname ist und nicht etwa der Familienname. Wenn ich als Vornamen außerdem meinen Patennamen verwenden würde, hätte ich einen richtigen russischen Namen: Anna Pawlowna... klingt doch gut... damit könnte ich glatt nach Russland auswandern... 

 

19.04.2008 um 00:50 Uhr

Aus meinem Russisch-Kurs-Tagebuch - Teil 3

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

23. Februar 2008

Феликс -
das heißt: Felix - da es kein x gibt: Feliks... 
(bin gerade am kyrillisch-büffeln... muss bis Montag sitzen...  )
Зерена (Serena)

 

 

25. Februar 2008

Boah, aus meinem Kopf kringeln sich grade die Rauchwolken! Komme grade vom Russisch-Kurs heim...!

Dass man die kyrillischen Buchstaben gelernt hat und sie schön von einander unterscheiden kann, heißt noch lange nicht, dass man auch lesen kann... z.B. ein Wort wie "Здравствуйте" flüssig lesen kann... Oweia... also stottern wir herum, bis wir es doch herauskriegen: "Sdrasstwujtje"... das nur mal so, wir sollen nicht umschreiben, sondern immer direkt lesen... *stöhn* - Das heißt übrigens: "Bleib gesund!" und ist ein Befehl, und es wird von den Russen oft anstatt "Guten Tag" gesagt.

Vier Blätter hat uns Tatjana gegeben. Bis nächstes Mal sollen wir fragen können "Wer" bzw. "Was ist das?" Und die entsprechende Antwort geben können. Außerdem die ganze Vorstellungsgeschichte "Wie heißen Sie?" usw. ... Wäre ja alles nicht so schlimm, wenn man besser lesen könnte. Der kleine Kurs ist kein Spaß, den man mal so einfach nebenher macht... jetzt muss jeden Tag russisch gelesen werden, sonst wird das nichts.

Apropos "wer" und "was"... Das ist wieder interessant und spannend. Nach "Wer" fragt man auch bei einem Tier. Also: "Wer ist das?" "Das ist die Amsel." Und sogar auch: "Wer ist das?" - "Das ist die Ameise." Und theoretisch würde man "wer" (nicht "was") auch bei einer Amöbe oder einem Geißeltierchen verwenden, bei allem nämlich, was BESEELT ist. Auf russisch heißt es nicht "belebt - unbelebt" sondern "beseelt - unbeseelt"... Tiere und Menschen sind beseelt, also fragt man "wer". Nach Gegenständen und Pflanzen fragt man mit "was". Pflanzen gelten als nicht beseelt. Als wir fragen, weshalb, zieht Tatjana unwissend die Schultern hoch und breitet die Arme aus. Sie kommt jedoch keinen Moment darauf, dass das eventuell unlogisch oder unrichtig sein könnte. In der Gewissheit, dass es so richtig sein muss, wenn es im Russischen so gesagt wird, erwidert sie: "Dann haben Pflanzen wahrscheinlich keine Seele."

Mit "wer" fragt man auch nach dem Beruf. "Wer sind Sie?" Das heißt also: "Was sind Sie von Beruf?" Weiters sind auf den Seiten viele Gegenstände und Berufsbezeichnungen aufgezählt... und ein kleiner Dialog, in dem nach der Nationalität gefragt wird, außerdem eine kleine Liste mit Ländernamen... alles soll bis zum nächsten Mal gelesen und verstanden werden und wir sollen uns gegenseitig vorstellen können. *qualm* Alle stöhnen... "Das ist aber viiiiel!"

Tatjana dagegen meint: "Nein nein, das ist nicht viel. Das denken Sie nur!" Und lächelt ganz unschuldig... doch sie hat es nicht humoristisch gemeint, sondern ganz ernst.


18.04.2008 um 14:11 Uhr

Aus meinem Russisch-Kurs-Tagebuch - Teil 2

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

20. Februar 2008

 Wir gingen viele Wörter durch, die entweder aus dem Deutschen kommen, wie "Butterbrot"... *lach*... oder auch im Deutschen verwendet werden, wie Telefon oder Taxi (auf Russisch "Taksi" geschrieben)... und kamen auch zu dem Wort "Problem"... Die Russen haben dafür kein eigenes Wort. Was nicht heißt, sie hätten keine Probleme, aber sie betrachten sie  anders. Wenn zum Beispiel jemand in der weiteren Familie ein "Problem" hat, sagt Tatjana, dann kommt es nicht vor, dass man sagt: "Hey, das ist dein Problem!"... Es ist auotmatisch "unser" Problem, alle fühlen sich mitbetroffen und verantwortlich dafür, dass es allen anderen gut geht. Und dann gibt es natürlich "Probleme", die in Russland keine sind... z.B. das ewige Warten in einer Warteschlange, und wenn man dran ist, macht die Frau hinter dem Schalter Mittagspause - da wird nicht geflucht und gezetert, man stellt sich einfach bei der nächsten Schlange an... inzwischen ist es schon so, dass mein Mann und ich bei Anfällen von Ungeduld gegenseitig sagen: "Hey, sei mal ein bisschen russisch!"... 

Tatjana warnte uns: Wenn Ihr einen Russen fragt, wie es ihm geht, dann nehmt Euch Zeit... denn er wird Euch wirklich ganz genau sagen, wie es ihm geht. Und meistens wird er oder sie damit beginnen, zu sagen, dass es ihr/ihm "schleeecht" geht - blocha -, sagt sie, liebevoll lächelnd. Und umgekehrt erwartet er eine ebensolche ehrliche Antwort und geht mit ehrlichem Gefühl darauf ein....

***

23. Februar 2008 

Tatjana ist positiv und weiß zu motivieren. Es gibt im Russischen 33 Buchstaben. Ja, das ist viel... aber früher war es noch viel schlimmer, da gab es 43 Buchstaben! Das sind schon zehn weniger... Einige Buchstaben drücken einfach aus, ob ein Laut stimmhaft oder stimmlos gesprochen wird... eine Sache, die im Russischen weit wichtiger zu sein scheint als im Deutschen.

Als Tatjana die unterschiedlichen Laute, die harten und die weichen, nacheinander ausspricht und wir sie einzeln nachsprechen sollen, fühle ich mich ganz unsicher und glaube nicht, dass das so richtig ist... die etwas verhaltenen Blicke der anderen sagen mir, dass es ihnen nicht viel anders geht... Doch Tatjana ist zufrieden und sagt in vollkommen überzeugter Sicherheit: "Sie haben damit überhaupt keine Schwierigkeit. Sie können das." Na gut, wenn sie das sagt...

Der Kurs ist nicht dazu, tief in die Grammatik zu gehen, sondern schnell sprechen zu lernen. Doch ein paar Dinge erklärt sie uns zum besseren Verständnis der Sprache an sich. Sie sagt, dass man im Russischen oftmals mit weniger Wörtern auskommt als im Deutschen und nimmt den Beispielsatz: "Das ist ein Tisch." Sie schreibt ihn auf die Tafel. Dann streicht sie erst das "ist" durch und sagt: "Das brauchen wir nicht."... und dann auch noch das "ein"... "das brauchen wir auch nicht"... Es reicht zu sagen: "Dies Tisch." mit einer kleinen Geste zum Tisch hin. Natürlich gibt es das Wort "ist" im Russischen... "aber das brauchen wir für andere Dinge".

Artikel? Gibt es nicht. Es reichen ein paar Endungen. So gesehen ist Deutsch doch viel schwieriger als Russisch, stöhnt sie...

An einem Punkt ist sie rigoros und völlig kompromisslos. Transliteration in die lateinische Schrift gibt es nicht! Wir müssen bis Montag die kyrillische Schrift lernen und kyrillisch lesen können. Fertig aus. Keine Diskussion.

(ohoh... ich muss noch lernen, fällt mir grade ein...  )

17.04.2008 um 22:24 Uhr

Aus meinem Russisch-Kurs-Tagebuch - Teil 1

von: Seren_a   Kategorie: Sprachliches

19. Februar 2008 

Nun war heute der erste von 11 Abenden Russisch für Anfänger. Und es zeichnet sich jetzt schon ab, dass da weit mehr geschieht, als die Vermittlung einer Sprache, deswegen fange ich gleich heute hier an, um zu berichten. Als ich nämlich nach Hause kam merkte ich, dass ich eine ganze Menge erfahren hatte, was gar nichts mit Russisch zu tun hatte.

Tatjana Dimitrijewna ist eine sehr schöne Frau, schwarzhaarig, Anfang 50, dezent geschminkt, mit leicht asiatischen Augen nd einer zutiefst herzlichen Art. Die Abende dauern eigentlich eineinhalb Stunden. Aber sie macht zwei Stunden, um uns möglichst viel beibringen zu können in der für eine solche Sprache und eine solche Kultur so kurz bemessenen Zeit. Sie ist Russin und hat Zeit. Sie sagt, wenn wir sie einmal unter der Woche sprechen wollten, sollten wir nicht emailen, weil sie ihren langsamen PC nur einmal die Woche anschaltet... aber wir könnten jeden Abend ab 21:30 Uhr anrufen... tagsüber sei sie weg... um diese Zeit sei sie dann zuhause und müde und da könnte man sie dann alles mögliche fragen. Wie bitte? Nach Feierabend... wenn sie müde ist? Wenn wir geneigt sind, den Hörer nebenhin zu legen, um nicht gestört zu werden... ?! Ja, so ist das. Russen sehen die Welt in vielem recht anders. Wenn einer ihrer Schüler zwischen 5 und 84 Jahren sie sprechen will, dann ist das für sie keine Arbeit, sondern eine Freude. Sie liebt die Menschen wie sie ihre Sprache liebt. Sie liebt ihre Sprache sehr, so sehr, dass sie rot wird, als sie darüber spricht, und verlegen lacht wie ein verliebter Teenager.

Wir erfahren amüsiert, dass wir bereits Russisch sprechen können: "Butterbrot" ist tatsächlich ein russisches Wort. Die Russen haben es adoptiert und verwenden es für jede Art von Brot, ob mit Butter oder ohne, ob mit Wurst oder Käse belegt oder nicht, ob Brot oder Brötchen... alles heißt "Butterbrot". Dass der Zusatz Butter bedeutet, dass auf dem Brot Butter sein muss, interessiert in Russland niemanden. So kleinlich können doch nur Deutsche sein... 

Andere adoptierte Wörter sind zum Beispiel "Rucksack" oder "Kurort" oder auch "Halstuch"... wobei die Russen aber die Angewohnheit haben, das H als G zu sprechen. Sie sagen "Galstuch" und meinen Krawatte... und sie sagen auch "Gamburg" statt "Hamburg" und "Gannover" statt "Hannover"...

Ich liebe solche Dinge, die man nur erfährt, wenn man die Menschen kennenlernt. Diese kleinen Dinge würzen das Leben, ich könnte stundenlang darüber hören und lesen und schreiben. 

Fortsetzung folgt.