11. März 2008
Privjet! (Hallo!)
Heute hat's irgendwie Klick gemacht, ein kleines Quantensprüngchen in eine neue Dimension, die der eigenständigen Bildung von Sätzen! Wow. Tatjana sagte, im anderen Kurs sei sie noch nicht so weit... als sie uns gesehen hätte, hätte sie gleich gedacht, hier könne sie schneller vorgehen... was sie bisher auch getan hat!! Sie ist geschickt in ihrer Art zu motivieren... und es ist ja egal wie weit die im anderen Kurs wirklich sind...
Wir haben heute ein bisschen Verben beugen gelernt... alles nicht schwierig. Was die Verben betrifft hat man es im Russischen nicht schwer. Im Deutschen dagegen... man kann die armen Deutsch Lernenden aus dem Ausland wirklich nur bedauern... Tatjana schilderte, wie sie in ihrer Wohnung herumspazierte, saubermachte und dabei 128 deutsche Verben und ihre gebeugten Formen auswendig lernte... während sie immer wieder den Kopf schüttelte über die Frage, was z.B. die drei Wörter "bleiben - blieb - geblieben" denn bitteschön gemeinsam haben...! Aber da musste sie eben durch. Im Russischen bekommen die Verben ein paar Endungen verpasst, das ist alles... Die richtig schweren Sachen werden wir gar nicht durchnehmen, denn unser Kurs ist ja für Touristen und Geschäftsreisende konzipiert. Weibliche Substantive bekommen bei den verschiedensten Fällen nur ein "u" angehängt und fertig ist der Lack.
Ja sischu na stulje i risuju maja sabaku.
"Ich sitze auf dem Stuhl und male meinen Hund." Is doch schon mal was!
Apropos Hunde. Diese sind in Russland immer weiblich... ... Naja, das Wort jedenfalls. Es gibt gar kein Wort für "Rüde" ... oder vielleicht gibt es eins, aber das ist dann so ungewöhnlich und nur theoretisch vorhanden, dass es Tatjana gar nicht einfiel.... alle Hunde sind Hündinnen, und nur wenn man es extra sagt oder den Namen des Hundes erwähnt, weiß man, ob es eine
Hündin oder ein Rüde ist. Naja, bei uns war das früher umgekehrt auch so. Jedes bellende Tier war bei uns auf dem Dorf ein "Hünd", egal ob Männlein oder Weiblein. Und "der Hund" bekam auch Junge... :-) ... Dass wir heutzutage von Hündinnen oder Rüden sprechen, ist eine Entwicklung der vergangenen 20 Jahre...
Nun sind erstmal 2 Wochen Ferien, Osterferien und wir können das Gelernte vertiefen. Wir müssen uns vertraut machen mit männlichen und weiblichen Wörtern und Ausnahmen sowie mit etwa 20 Verben und deren Beugung. Genug zu tun.
Dass ich u.a. eine "piriwotschiza" (eine Übersetzerin) bin, das kam heute bei der Vorstellung so herrlich flüssig aus meinem Mund, dass Tatjana das extra lobend erwähnte... Und da verriet ich, dass ich mir einen Zettel mit diesem Wort und mit dem Wort für Lehrer- pribadawatjel - den beiden Monsterwörtern vom letzten Mal geschrieben und vorne ins Auto gelegt und bei jeder roten Ampel geübt hatte. In Würzburg hat man bei dem Vorgehen gute Chancen, viel zu lernen, weil grundsätzlich alle Ampeln erstmal Rot sind....
Also auf in die Ferien...
3. April 2008
Am Montag ging es also nach zwei Wochen Ferien weiter... zwei Wochen... sooo viel Zeit, zu lernen... aber die viele Zeit geht ziemlich schnell vorbei, wenn man es von einen Tag auf den nächsten verschiebt. Naja, die letzten drei Tage haben gereicht, alles einigermaßen zu aktualisieren.
Tatjana war äußerlich aus Russland wieder zurückgekommen, doch innerlich noch nicht so richtig... sie sagte, es sei nach 14 Tagen nur Russisch so ungewohnt, wieder deutsch zu sprechen... und müde war sie von der Heimreise.
Egal, der Unterricht ging gewohnt flott weiter. Dieses mal gab sie am Ende der zwei Stunden zu, dass es viel sei und sie uns viele Blätter gegeben habe... "aber das macht nichts! Sie können das!".
Nun wird es echt wirklich interessant. Langsam kommt man dahin zu begreifen, dass man wirklich dabei ist, Russisch zu lernen... und dass man tatsächlich verstanden wird... unglaublich. Die russische Aussprache liegt mir, ich spreche es sehr gerne und das spornt natürlich an, doch etwas schneller zu lernen.
Ja gawarju pa-russki otschin charascho!
Naja, das ist vorläufig noch ein Traum, aber vielleicht wird er ja einmal wahr.
Faszinierend sind die Verniedlichungen im Russischen. Es gibt so viele verschiedene Verniedlichungsformen von Vornamen. Auf dem Markt wird man auch bei bester Aussprache als Deutsche/r erkannt, wenn man Kartoffeln kauft und nicht etwa Kartöffelchen, oder Möhren statt Möhrchen, ... und nicht die Sonne strahlt, sondern das Sönnchen, was auch ein liebevoller Kosename unter Liebenden ist... das Kätzchen jagt das Mäuschen, und das Schwälbchen gibt es überhaupt nur als Schwälbchen, Schwalben hat es nie gegeben...
Bei Vornamen scheint es so, dass eine Verniedlichungsform noch einmal verniedlicht wird und eventuell nochmal und wenn man dann doch sauer ist auf Maschenka, dann schaltet man einen Gang zurück auf Mascha (Verniedlichung von Maria) und fügt ein k dazu: Maschka, das ist dann ernst. Maschka war böse... wie herrlich! Maria jedenfalls wird sie nie genannt... so steht es nur im Pass. Und auch wenn wir nach Russland kommen sollten... unsere Namen werden nicht bleiben, wenn wir Russen kennenlernen, warnt uns Tatjana...
Im Internet fand ich ein paar interessante Infos darüber, was in Russland über Deutsche und Deutschland bekannt ist, recht oberflächlich, trotzdem interessant. Man hält Deutsche für reich, sparsam und pünktlich... Man kennt deutsche Fußballer besser als deutsche Politiker. Man kennt und liebt die deutsche Gruppe Scorpions und außerdem die Gruppe Rammstein, die deutsch singen... die Gruppe ist in Russland bekannter als bei uns, obwohl die Russen kein Wort von dem verstehen, was sie singen...
Tja, spannend... und spannend geht es weiter... es gibt viel zu lernen und zu lesen diese Woche, die sich schon wieder dem Ende zuneigt.
Paka!