***Serenas Augenblicke***

09.07.2011 um 21:21 Uhr

Das Kind...

*

Das Kind sieht

den staubigen Weg vor sich

bedeckt mit Steinchen

Es sind Steinchenansammlungen

hier und da

in faszinierender Unregelmäßigkeit

wie Sternenhaufen

oder Sternbilder

deren Namen es nicht kennt

Das Kind weiß nichts und denkt nichts

Es sieht nur, es nimmt wahr

Es sieht den Leiterwagen

auf dem Weg fahren

einen feinen Staubschleier

hinter sich herziehend, holpernd

und die Steinchensternenhaufen sprengend

sie neu ordnend

Es sieht die Speichen sich drehen

Es riecht das Öl

der geschmierten Naben

Es sieht das Metall

und das Holz der Räder

Es sieht und spürt jede

Berührung mit dem Boden

Sieht und spürt diese

faszinierende Bewegung

der kleinen kleinen Fläche

des Rades auf dem Boden

Immer eine andere kleine Stelle

Oder immer dieselbe?

Ist es überhaupt eine Bewegung?

Ist es nicht einfach eine

fortwährende Berührung?

Wie ein Liebkosen?

Ist es nicht Liebe?

Die Liebe in den Dingen der Welt...

Das Kind fragt nicht

und denkt nicht

Stattdessen treffen sich Sehen und Spüren

in seinem kleinen Herzen

Es sieht und spürt

Frieden und Einheit

ohne Worte dafür zu haben oder zu brauchen

Es nimmt wahr und ist verschmolzen

mit allem was es sieht

Es ist ganz und gar

in den Dingen

und ganz und gar

bei sich.

 *

09.07.2011 um 11:15 Uhr

Reise ins Jetzt...

*

Sie reiste

mit geschlossenen Augen

und sie schloss alles ein:

den Körper

das Atmen

und die Geräusche

des Windes

der Züge

der Menschen

das Vogelgezwitscher

Sie schloss alles ein:

all die Gerüche

den Duft von Kaffee

und von Rosen

und den ihrer Haut

Sie öffnete die Augen

und schloss alles ein,

was ihre Augen erzählten:

Das Blau des Himmels

seine Weite

das Tanzen der

Birkenblätter im Wind

ihr Aufleuchten im Sonnenlicht

die Menschen auf der Straße

die Autos und Fahrräder

die Hunde und die Kinder

Sie schloss alles in sich ein

die Erde, den Himmel,

den Kosmos

bis da nichts mehr anderes war

bis alles sie selbst war.

 

(mit tiefstem Dank an Osho für diese wunderbare Meditation)

*

 

01.07.2011 um 11:20 Uhr

Im Tal des Nichts...

*

Zwischen Ausatem

und Einatem

Schwebend

im Tal des Nichts

Ohne Ausblick

ohne Wissen

wundervoll hoffnungslos

Das nächste Einatmen

ungewiss.

Frei.

*

19.06.2011 um 19:00 Uhr

Die Brücke...

*

Letzte Woche lag ich auf einer Bank in den Weinbergen, an einem Ort, wo wir oft sind. Und da erschien eine Art Traum. Plötzlich stand J. vor mir und sagte grinsend: "Na, du!" Ich schaute ihn verdutzt an. "Jjjjjj! Wo kommst duuuu denn her?" "Naja", sagte er, immer noch mit seinem typischen Grinsen, das immer verlegen wirkte, aber eigentlich eher schelmisch war, "ich wusste auf einmal, dass du hier bist, nachdem ich gesprungen bin, und dann zog es mich ganz automatisch hierher!" "Gesprungen??", fragte ich und verstand gar nichts mehr. "Ja. Ich dachte, du weißt das jetzt schon. Ich bin vorhin von der Reichenberger Brücke gesprungen." Ich glotzte ihn mit weit geöffneten Augen an. "Wie kannst du dann jetzt hier sein????" "Das ist die falsche Frage", sagte er und räusperte sich. "Du müsstest dich eher fragen, wieso du mich sehen und hören kannst... denn alle anderen können mich nicht mehr sehen und hören. Ich habs ausprobiert." Ich verstand endlich. Ich verstand nur nicht, wie es geschehen war. Ich war unbemerkt gestorben. Während er absichtlich von dieser Brücke gesprungen war. Wir hatten immer einen besonderen Draht zu einander. Vielleicht war das der Grund, uns nun hier zu treffen. "Sag mal", sagte er, als er merkte, dass ich verstanden hatte, "ich dachte immer, da würde man von jemandem begrüßt oder abgeholt oder so... ". "Ja, so hatte ich das auch gelesen. Vielleicht sind die grade anderweitig beschäftigt", sagte ich und schaute mich um. Er lachte laut, so laut, dass es durch die ganze Atmosphäre schallte und die Schallwellen uns in Bewegung setzten, Richtung Himmel.

Vorgestern ließ T. auf genau dieser besagten Brücke aus dem Traum die Hände von Lenkrad los. Doch es sollte nicht sein. Sein Wagen stieß an die Seite, kam ins Schleudern, aber nicht sehr. Er griff ohne zu denken ganz automatisch wieder das Steuer und fuhr weiter. T. sucht nach dem Sinn des Lebens und kann ihn nicht finden. Das nannte er als Grund, nicht mehr leben zu wollen.

Was ist Sinn? Was ist das, das wir so dringend meinen zu brauchen?

*

10.06.2011 um 10:39 Uhr

Die Finsternis...

*

Im Anfang

war

die Finsternis.

Ihr Name

war

Gott.

In völligem Frieden,

absichtslos,

grundlos,

WAR sie einfach.

Bis irgendwann

ein Blitz

sich ereignete.

Der Engel

der Erkenntnis

war geboren.

Sein Name

ist

bekannt.

Durch ihn

kamen und gingen 

Welten

und in ihnen

Menschen

und ihre

unzähligen Geschichten.

Jeder jemals

gedachte Gedanke,

schön oder grausam,

wurde gewaltsam,

durch Verlangen,

verwirklicht und erfahren.

Das war

die

Hölle.

Die Hölle

dauert fort

bis der letzte Mensch

das letzte erkennt,

was erkannt werden kann.

Den Wahnsinn

all dessen.

Und er die verrückte

Angst

vor der

Dunkelheit verliert,

aus welcher er

hervorging.

Und er furchtlos

in sie

zurückkehrt.

Das nennt

man

Himmel.

*

02.06.2011 um 12:07 Uhr

Happy Birthday...

*

Felix ist zusammen mit einigen Menschen auf einem hohen, kurzen, fast quadratischen Schiff auf dem Fluss unterwegs. Ich bin auf einem langen Schiff hinter ihm, welches ihn einholt und dann rechts von ihm ist. Links von ihm taucht ein ebenfalls langes Schiff auf. Und dann kommt noch von vorne und hinten jeweils eines. Felix ist also eingekreist. Die Schiffe schalten alle die Motoren ab, und plötzlich singen alle Leute auf den vier Schiffen "Happy Birthday to you" für Felix, denn es ist sein Geburtstag. Das ganze ist im Traum passiert und etwas verfrüht. Erst am 12. Juli ist es soweit... ;)

*

02.06.2011 um 12:00 Uhr

Es geht mir gut...

*

Er hält die Waffe auf mich gerichtet. Ich füge mich seinem Willen nicht. Er ist irritiert. Tritt zurück, dreht sich um, rennt weg. Ich bin etwas aufgeregt, doch es geht mir gut.

Er hält die Waffe auf mich gerichtet. Ich füge mich seinem Willen nicht. Er schießt. Dann tritt er zurück, dreht sich um, rennt weg. Ich sehe wohin er rennt, beobachte seinen Weg. Beobachte seine Verzweiflung. Er tut mir leid, doch es ist mir nicht möglich, ihm zu helfen oder ihn zu trösten. Außer diesem kleinen Bedauern geht es mir so gut wie noch nie.

*

 

22.05.2011 um 00:10 Uhr

Märchen...

*

"Ich bin"

* ist *

 : ein Märchen :

*

09.05.2011 um 10:50 Uhr

Ohne ein Wort

*

Ich schweige

Ich sage

Ich liebe Dich

ohne ein Wort.

Dann sehe ich Dich

erst wirklich,

ohne ein Wort.

Dann zeige ich mich

erst wirklich,

ohne ein Wort.

Ich sage nichts

Sag Du auch nichts,

Geliebter

Unsere Worte

weichen doch nur aus

und treffen nie den Punkt

Können nicht greifen

und nicht fassen

was da ist.

Lass uns die Liebe

FEIERN

ohne ein Wort.

*

02.05.2011 um 12:04 Uhr

Ja...

*

Ja.

Nach dem Ja kam die Welt,

die feindlich schien und der ich mich

mit einem Nein verschloss.

Doch dann.

Ich übte ohne zu wissen, dass ich übe.

Ich ließ den Wind durch mich hindurch.

Ich öffnete mich der Sonne, liebte ihre Hitze.

Gab mich dem Meer hin, ließ es mich hinaus und zurückbringen.

Es hätte mich auch draußen lassen können. Gut so.

Ich bedeckte meinen Körper mit Asche

Und schmiegte mich tief in die Erde.

Ich küsste die Steine und hielt sie fest in meiner Hand

bis es keinen Unterschied mehr gab zwischen Hand und Stein.

Ich ließ den Regen mich durchdringen bis ich selber Regen war

und grub mich in den Sand.

Ich begrüßte den Schmerz, der durch mein Ja ein Freund wurde.

Auch das Unvermögen, den Stolz, das Wichtigsein und das Niemandsein.

Ich ließ alles herein in mich

und dann auch DICH.

Und das ist das Größte von allem davor.

Ich erlaube mir, in dir verloren zu gehen.

Ich verliere mich und finde das

was nicht beschrieben werden kann.

Sich Hingeben birgt eine so kraftvolle Weichheit.

Es ist wie ein süßes Poltern im Bauch.

Es ist ein ewiges, unverrückbares, großes JA.

Alle Neins waren und sind immer nur ein Spiel.

Am Anfang steht das Ja, und am Ende steht das

Ja.

*

01.05.2011 um 19:11 Uhr

Das Kind...

*

Das Kind hört vom Sterben

Es versteht noch nicht

Und lädt das Wort ein in sich

In seinen kleinen Körper

Der so offen ist wie das Leben

Denn er ist das Leben

Und das Wort breitet sich aus

Im kindlichen Körper

Besucht alle Winkel

Durchdringt alle Zellen

Und nach seiner Reise

Kehrt das Wort zurück

Und das Kind versteht.

Es versteht das Wunder.

Oh!, macht das Kind. Oh!

Oh! ! ! ! Oh!  Oooooh !

Ich darf ganz viel Leben erleben!

Und dann darf ich auch

Das Sterben erleben!

Oh, wie spannend das ist!

Das ist ja ein Abenteuer!

Und das Kind lacht

Und freut sich

Wie nur Kinder

sich freuen können.

*

 

30.04.2011 um 10:36 Uhr

Ausgeliefert...

*

Wie ein Wirbelsturm

fegtest du um mich

umhülltest mich

bis ich dein Zentrum war

 

Gewaltig warst du

wie die Natur

unwiderstehlich

unkontrollierbar

wunderschön

 

Von nun an

warst du meine Umgebung

mein Lebensraum

mein Garten

mein Herr und mein Gott

mein Alles.

 

Du hieltest mich

in deinen Händen

Küsstest mich

mit deinen Augen

und trankst von mir

Nie hat dich ein Wasser

so genährt wie ich

 

Doch weshalb

öffnetest du deine Hände?

Formlos floss ich weg

ins Niemandsland.

Fand mich in Feindeshand.

Verlassen.

Ungerettet.

Ausgeliefert.

 

 

(an A.,

in einer vergangenen Gegenwart,

1981)

 *

29.04.2011 um 12:16 Uhr

Wenn die Welt brennt...

*

Der Körper brennt

Die Welt brennt

Da ist jemand

der das Brennen sieht

und selbst nicht brennt

Da ist jemand

der das Leiden sieht

und selbst nicht leidet

Da ist jemand

der angstlos

ganz alleine übrig bleibt.

Jemand,

der ichlos ist.

Jemand,

der alles ist.

*

 

19.04.2011 um 12:50 Uhr

Schon wieder Dieter Bohlen...

*

Gestern nacht hatte ich einen Traum, in dem schon wieder Dieter Bohlen vorkam. Das ist jetzt das dritte mal, allerdings in größeren Abständen. Einmal war er Psychologe in Berlin, das nächste mal weiß ich nicht mehr und gestern nacht war er Manager bei McDonalds. Los ging es so, dass ich im Nachthemd und Hausschuhen in die Schule ging, und auf dem Weg dachte ich noch, dass ich vielleicht umkehren und mir etwas Gescheites anziehen sollte. Doch ich war schon an der Schule angekommen. Ich ging hinein und da fiel mir ein, dass ich in der Schule ja einen Schrank mit Klamotten hatte. Ich öffnete ihn und darin kamen alle möglichen bestickten Jeans und bunten Shirts zum Vorschein. Ich war froh, nahm eine Jeans und einen Pulli und ging zur großen Umkleide, die recht voll war. Ich fand ein freies Plätzchen und zog mich an. Währenddessen verließen viele die Umkleide, doch einige blieben noch. Und dann kam Dieter Bohlen herein, eben als Manager von McDonalds, und sagte, jemand hätte ihm geraten, Thunfisch in das Burger-Programm aufzunehmen, und er wollte wissen, was wir davon halten würden. Was die Antwort war, weiß ich aber nicht mehr...

*

19.04.2011 um 10:36 Uhr

Ich versorge dich...

*

Ich versorge dich mit mir

Mit meinem Herzen

Mit meinen Worten

Mit meinem Schweigen

Mit Lasagne und Kuchen

Mit meiner Anwesenheit

und meinem Wegsein

Mit meinem Lachen

und mit meinen Blicken

Mit meiner Lust und Hingabe

Mit meinem Atem

und meiner Haut

Mit allem was ich habe

und allem was ich bin

versorge ich dich.

*

14.04.2011 um 10:49 Uhr

Die Haare...

*

Die beiden Flüsse flossen weiter zusammen und an einer Stelle war es besonders interessant. Aus einer Untiefe heraus sprudelte es. Luftblasen kamen nach oben und das Wasser, das mit Kraft auf einen Stein im Flussbett traf, spritzte immer wieder wie geschüttelter Sekt hoch. Es war genüsslich.

Die eine schaute die andere an, und nein, das Beeindrduckende waren nicht ihre langen roten Haare, auf die sie jeder bewundernd ansprach, sondern es war der Gesichtsausdruck... dieses Lächeln und dieses Schöne und ganz Eigene, das in ihren Augen zu sehen war. Die rote Gopi mochte ihre wunderschönen Haare selbst auch, aber es machte sie manchmal traurig und manchmal böse, wenn sie den Eindruck hatte, dass jeder nur auf Haare sah. Sie fand sich ohne sie nicht schön. Aber das stimmte ja eben nicht. Da war jemand, dem vor lauter Strahlen der Augen die Haare gar nicht aufgefallen waren...

*

09.04.2011 um 22:56 Uhr

Die Touristin...

*

Sie hatte ihren Fotoapparat um den Hals hängen. Die Sonnenbrille auf dem Kopf hielt die langen offenen Haare etwas in Zaum. So schlenderte sie an der Flusspromenade entlang und beobachtete die Tauben, die in großen unregelmäßigen Kreisen über den Fluss und die Dächer der Stadt zischten.

„Sind Sie als Touristin hier?“ Der junge Mann, der plötzlich neben ihr aufgetaucht war, lächelte sie offen an. Sie blieb stehen, sah ihn an und überlegte kurz, ob sie ihm konventionell oder wahrheitsgemäß antworten sollte. Sie entschied sich für die Wahrheit.

„Ja. Genau weiß ich es nicht, aber ich bin so etwa 50 bis 80 Jahre hier, um mich etwas umzusehen. Dann bin ich schon wieder weg!“

Sein freundliches Lächeln wich einem erstaunten und einen Augenblick später einem amüsierten. „Oh“, machte er. „Wie wäre es dann mit einer Führung? Ich kenne mich hier ganz gut aus.“

Sie war entzückt über die Antwort und willigte ein. „Gerne. Ich bin gespannt, wie Sie mir diesen eigenartigen Ort präsentieren werden!“

*

06.04.2011 um 18:52 Uhr

Ein Kosmos von Traurigkeit...

*

Ein Kosmos von Traurigkeit...

Der Ozean der vergossenen Tränen

war wie eine Pfütze

Unmöglich all die Traurigkeit

damit wegzuweinen...

Als der Tränen-Ozean entleert war

kamen ein paar armselige tapfere Worte 

zu Hilfe... wie kleine Helden kamen sie

und sagten: "Wir sind dir zu Diensten!"

 

Und anstatt der Tränen flossen jetzt die Worte.

Auch sie konnten nichts an der Traurigkeit ändern,

aber sie gaben ihre eine wunderschöne Farbe.

 

Und dies hier sind die kleinen Helden,

die des nachts zu Besuch kamen

und auf das wartende Blatt flossen:

 *

*

Ich weine um das Vergängliche.

Ich weine um die Nutzlosigkeit.

Um das, was war und nicht mehr ist

und nie mehr sein wird.

Ich beweine das menschliche Denken

das aus dem Augenblick Geschichten wirkt,

liebevolle, schreckliche, gute, böse, immer packend.

Geschichten, die lange währen

und doch zu Ende gehen...

Man kann nicht gewinnen mit diesem Denken

nur verlieren und dann weinen, endlos weinen.

Ich ahne den großen Schritt, nein SPRUNG,

der nötig ist, um darüber hinauszukommen

und das Leiden zu beenden...

Den Fluss der Tränen in Freudentränen zu verwandeln.

Das enorme Leid zu überwinden,

das aus dem Denken kommt,

wenn es mehr tut als es kann und soll.

Wenn es sich einmischt in Liebe

und Schönheit und Leben an sich.

Sei wie der Wind.

Sei wie ein Kind.

Oder ein Tier.

Oder ein Baum.

Sei wie ein Stein.

Oder ein Stern.

Sei einfach so.

Wie ein Mensch.

Wie du bist.

Das ist es.

Einfach.

*

 

04.04.2011 um 13:32 Uhr

Wunschbäume...

*

Als es keine Wissenschaft und Technik gab, um die Wünsche der Menschen zu erfüllen, gab es einfach Kalpa Vrikshas - Wunschbäume. Sie waren überall im Land verteilt und wann immer jemand etwas brauchte, ging er zu einem Kalpa Vriksha und bat ihn darum. Doch dann war den Menschen das zu einfach...

 *

 

*

*

03.04.2011 um 14:11 Uhr

Es gab nichts Schöneres im Kosmos...

*

Sie betrat den Raum und war einfach was sie war. Kein Gedanke diktierte ihr, wer sie sein sollte. Sie war leer und bereit und präsent. Sie war einfach Leben, das sich ereignete. Ja, sie war einfach ein Ereignis.

Da stand diese andere Frau mit roten langen Haaren, die sie zwei Jahre zuvor zum ersten Mal und seither nicht mehr gesehen hatte. Die erste Begegnung war schüchtern und doch sofort liebend... und sie trauten sich nicht, gemeinsam zu schweigen. Jedoch zu sprechen gab es nichts. Auch jetzt – wie damals – waren nur die Blicke von Bedeutung, doch jetzt war da kein Schüchternsein mehr.

Es waren Blicke des Wissens und des Jas durch das Geplapper der anderen, dritten Frau hindurch. Jenes Geplapper war gehaltlos und unnötig, und dennoch so hilfreich, weil es die Blicke der beiden Frauen ohne Worte ermöglichte.

So berührten sich die beiden Frauen mit ihren Blicken auf warme, sanfte Weise. Da war ein grundloses Freuen, ein Freuen über das Leben, das sich selber wahrnahm, in so schöner Form. Das Freuen war wie ein drittes Wesen, das transparent zwischen den beiden stand und sie verband und fast wie eine physische Berührung war.

Eigentlich waren die zwei Frauen wie zwei Flüsse, die jetzt und hier ineinander flossen. Ohne weiteres. Ohne Worte. Einfach weil es natürlich war. Ein Naturgesetz. Unvermeidlich.

Die erste Frau richtete nun ihre volle Aufmerksamkeit auf die dritte, die plappernd vor ihr geflüchtet war. Sie sah, dass sie kein Fluss war, sondern ein zwitschernder Vogel auf einem Baum am Ufer der beiden Flüsse. Während von den beiden anwesenden Männern der eine der Baum war, auf welchem sich der zwitschernde Vogel niedergelassen hatte, während der andere das Flussbett beider Flüsse war, die zusammenflossen.

In dem Moment, als die erste Frau die dritte - den zwitschernden Vogel -.ansprach, war die Harmonie dieses Bildes perfekt. Die Flucht war ungeschehen gemacht. Alles war nun fließend leicht, miteinander verbunden, und hatte Sinn. Große Schönheit lag in der Harmonie dieser kleinen Landschaft, welche diese fünf Menschen gemeinsam bildeten. In diesem Moment gab es nichts Schöneres im Kosmos.

*