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...ist mein Vater gestorben. Es war nichts, woran ich vorher ständig gedacht hätte. Es fiel mir mehr beiläufig ein. Er ist fort, wirklich fort, da ist nichts mehr von ihm hier. Ich weiß nicht was ich fühle. Vielleicht gar nichts. Es war so ein Horror, die Umstände und alles. Die Ärzte, unaufrichtig. Und wir irgendwie auch. Man kann durchaus schlauer sein als ein Arzt, wenn man auf seinen Bauch hört. Man braucht da keine Schuld abzuschieben. Es war eben so. Es hätte anders sein können. Er starb an dem, worunter ich (wir) in meiner Kindheit und Jugend Jahre lang gelitten hatten, womit er uns (sich selbst auch) gequält hatte, am Alkohol. Obwohl er schon viele Jahre keinen solchen Missbrauch mit Alkohol mehr trieb wie früher, als ich klein war. Aber er trank ihn immer noch regelmäßig, und gern, und mehr als er sollte. Nicht so, dass er besoffen war, aber duselig. Ich kenne den Zustand. Und sein Körper war geschädigt, der konnte und wollte nicht mehr. Es war bereits die zweite Bauchspeicheldrüsenentzündung. Was für ein beschissenes Horror-Wort das ist. Viele Alkis sterben daran. Die Schmerzen, mit denen er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, waren derartig, dass er sagte, er hätte noch niemals im Leben solche schlimmen Schmerzen erlebt. Und er war kein Jammerer, er hielt lieber aus und sagte nichts. Aber es muss grauenhaft gewesen sein. Naja, die Schmerzen wurden sofort weggemacht im Krankenhaus. Aber diese vermaledeite Drüse produzierte Säfte, die in den ganzen Bauch flossen und ihn verätzten oder so... weiß nicht mehr genau, wie die sich ausdrückten. Hätte sie ihre Tätigkeit aufgegeben, wäre es besser gewesen. Tat sie aber nicht, und man konnte das Ding nicht stoppen. Der Bauchraum wurde wieder und wieder ausgespült. Mein Vater entfernte sich unterdessen immer weiter und weiter. Von allem. Auch von seinem gewöhnlichen Aussehen. Ich erkannte ihn bald gar nicht mehr als meinen Vater und fragte mich, ob sie mich zu einem fremden Mann ins Zimmer schickten. Bevor er in die endgültige Bewusstlosigkeit sank drückte er mir die Hand und sagte: "Ich schaffe das." Die linke Hand. Ja, er hat das geschafft. Danach starben meine beste alte Freundin Frau S., mein bester liebster Hund Tim, und dann meine Mutter. Ich hatte genug von der Sterberei um mich her. Und ich hätte den Psych mit den Apfelbäumchen am liebsten gepfählt, als er sagte: "Sie werden noch an vielen Gräbern stehen." Mag das so sein oder nicht, er hätte besser seinen dummen Mund gehalten... er hat nicht gespürt wie es mir ging und dass ich so einen Quatsch gerade nicht brauchte. Diese drei Jahre waren schwierig, sehr... Jetzt fühle ich mich dem ganzen etwas entrückt... ich weiß auch nicht... Ich weiß, dass mein Vater und die anderen alle an ihrem Ort sind, wo es gut ist. Und ich führe ein anderes Leben. Ich habe schon viele verschiedene Leben geführt. Das meiner Kindheit war auch ein eigenes, ein schlimmes. Jetzt ist es nochmal sehr anders, jetzt fühle ich mich weiter weg von allen vergangenen Leben, in einem völlig neuen, wo ich alleine stehe. Im Moment fühlt sich das in Ordnung an, aber der nächste Moment kann mir den Boden unter den Füßen wegreißen. So ist das Leben. Es kümmert sich nicht um persönliche Befindlichkeiten. Es geht einfach immer weiter. Ob eine Ameise von ihrem Staat weggerissen wird, weil sie sich unvorsichtigerweise auf mein Bein setzt und von mir weggetragen wird, was sie nicht üerlebt, das ist für das Leben nicht sehr wichtig. ... Tim ist schon weiter weggerückt als ich möchte. Ich hätte ihn gerne noch näher gehabt... zwar bleibt die Erinnerung, aber auch sie rückt immer weiter fort, wird undeutlicher... der Abstand wird immer größer. Man kann nichts machen. Man kann nur alles geschehen lassen. Man ist Leben und Tod ausgeliefert.
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