Sikes Filmblog

23.10.2009 um 14:55 Uhr

Die Päpstin

von: Sike

Was ist das nur mit Sönke Wortmann? Seine Filme sind so, so...ja, beliebig. Der einzige, der mir wirklich gut gefallen hat von ihm war "Kleine Haie". Und das ist jetzt sage und schreibe 17 Jahre her. Der blöde bewegte Mann hat in mir nix bewegt. Das Sommermärchen zog seine Faszination nicht aus Wortmanns Geschick oder so, sondern allein aus der Stimmung im Land und im Kader. Ein Selbstläufer.

Jetzt hat er also die Päpstin von Donna W. Cross verfilmt. Wie so viele andere habe ich das Buch damals gelesen. ich mochte es sehr gerne. So gerne, dass ich nach Jahren so einige Details noch im Kopf hatte (dieser Vater brennt sich einem mit seinen Hasstiraden ja auch ins Hirn). Der Trailer sah ganz gut aus und ich war froh, dass Franka Potente durch Johanna Wokalek ersetzt wurde, die zweifellos die talentierte Schauspielerin ist. Hier agiert sie allerdings sehr spröde. Wie so ziemilch jeder andere Darsteller auch. David Wenham (Ja, Faramir aus Herr der Ringe, wieder in Rüstung und demselben Wallehaar) bleibt blass, John Candy spielt ziemlich übertrieben, also daneben und die anderen Akteure pendeln zwischen Overacting (Alexander Held als Kaiser Lothar, der immer nur steif seinen Kopf zur Seite neigt, was total unnatürlich wirkt, aber ganz offensichtlich kaiserliche Würde darstellen soll) und Langeweie. Wortmann hat seine Schaupieler nicht richtig geführt. Das war für mich mitunter ärgerlich, weil so etwas gerade bei einem Kostümfilm schnell ins Auge gehen kann. Das wirkt oft unsagbar peinlich.

Dann hat der Film Überlänge, die ich als quälend empfand. Vertane Chance einen eindringlichen, spannenden Film zu machen. Das Ende wirkte dann auch vollends hilflos. Zack. Tot. Tschüss. Dass der Kniff eines Erzählers herangezogen wurde, fand ich auch missglückt. Gähn, Märchenstunde.

Setzen Wortmann! Keine Sechs, aber eine Vier Minus Minus!

23.10.2009 um 14:38 Uhr

Männerherzen

Männer sind...und Frauen ja auch....Das wusste schon Loriot. Der Mann an sich hat es aber auch schwer. Irgendwo zwischen Weichei und Macho sucht er seinen Platz, seine Rolle als Bild von einem Mann.

Simon Verhoeven zeigt in seiner Komödie exemplarisch sechs Typen seiner Geschelchtsgenossen:

Günter (Christian Ulmen): der Beamte, linkisch, bei dem es mit den Frauen nicht klappt

Jerome (Til Schweiger): der Macho, der lernen muss, was im Leben wirklich zählt

Bruce (Justus von Dohnanyi): der Schlagersänger, der mit seinen Liedern die Welt verändern will

Philipp (Maxim Mehmet): der junge Chaot, der noch seinen Weg sucht und unerwartet Vater wird

Niklas (Florian David Fitz): der Erfolgreiche, bei ihm läuft's zu glatt, er bekommt Torschlusspanik

Roland (Wotan Wilke Möhring): der Kaputte, der alles verliert und keine Hilfe annehmen kann

 

Gerade die Rolle des Roland gibt der Komödie dramatische Momente, wodurch sie mehr Tiefe erhält. Rolands Geschichte berührt und bewegt. Jede gute Komödie braucht einen Konterpart (siehe 4 Hochzeiten und 1 Todesfall oder Tatsächlich Liebe). Die einzelnen Erzählstränge sind gut miteinander verwoben, auch wenn das Treffen im Fitnessstudio sehr nach Klischee riecht und die Männergespräche in der Sauna arg bemüht daherkommen. Das Ensemble spielt munter, auch die Frauen (Nadja Uhl, Jana Pallaske). Nadja Uhl hat so eine herrliche "Normale-Strähnen-Zottelfrisur", das war schön "normal".

Unbedingt sitzenbleiben und den Abspann schauen. Der Musikclip von Bruce Berger "Alle Kinder dieser Erde" ist einfach zu schön. (Wie er Mettwurst verteilt - göttlich)

Ein Film über Männer und ihr Kampf im urbanen Alltag. Männerherzen sind keine Mördergruben. Männer sind auch nur Menschen. Sie sind...und Frauen ja auch...

 

Nachtrag: Was allerdings unglaublich nervte, war das aggressive Product Placement. Durex! Red Bull! Meine Güte, habe ich so aufdringlich schon lange nicht mehr gesehen. PFUI!!!!!

24.09.2009 um 11:00 Uhr

Pixar: ich liebe euch! "Oben"

von: Sike   Stichwörter: Pixar

Als damals mit "Toy Story" der erste komplett am Computer animierte Trickfilm aus dem Hause Pixar angekündigt wurde, verschränkte ich die Arme, dachte an "Dschungelbuch", "Robin Hood" und den "König der Löwen". Das wollte ich nicht. Nein, der fiese blöde Computer, das konnte doch nichts werden, kommt doch nur Mist bei rum. Dachte ich. Ich habe mir Toy Story angesehen und bin seitdem glühende Verehrerin von ALLEM, was aus dem Hause Pixar kommt. Nobelpreis für den genialen Haufen verschrobener Kreativer, die einen immer wieder mit unglaublich schönen und lustigen Filmen begeistern. "Oben" hat mich mal wieder im Sturm erobert. Das war nach "Rataouille" auch nötig, fing doch meine Liebe an nachzulassen.

"Oben" ist einfach so wunderschön. Die Geschichte um den Rentner Carl Fredericksen, der nach dem Tod seiner Frau Elli ihr den lebenslang vergeblichen Wunsch nach einer Reise zu den Paradiesfällen in Südamerika erfüllen möchte, ist so warmherzig, abenteurreich und lustig, das man den Film am liebsten zweimal hintereinander sehen möchte.

Besonderer Verdienst hierbei kommt dem kleinen Russell zu. Dieser kleine hibbelige, pummelige und überaus eifrige Pfadfinder ist so süß. Da kann man gar nicht anders, als ihn sofort prima finden. Wie gesagt, der Film trifft ins Herz. An mehreren Stellen muss man denn auch tief schlucken und schluchzen. Allein die Eröffnungssequenz, in der kaum gesprochen, aber fast ein ganzes Leben erzählt wird, ist überaus berührend. Schon hier rollen erste Tränchen. Gleich darauf darf aber zur Erleichterung laut gelacht werden. "Oben" ist unglaublich lustig. Niemals albern, temporeich und Kino, wie es Spaß macht. Spaß und Ernst beieinander.

Ich liebe Pixar auch für seine Tradition der Vorfilme. "Cloudy" fügt sich dann vom Tenor auch perfekt in die Themen "Freundschaft, Liebe, Loyalität" (Hey, ist ein Familienfilm) ein.

Klasse!

24.09.2009 um 10:46 Uhr

Die Frau des Zeitreisenden

Ich habe mir den Wälzer noch bis kurz vor Kinostart einverleibt. Das war schon oftmals nicht so angenehm, weil das Buch so umfangreich ist. Da wird mal locker über 70 Seiten Weihnachten gefeiert. Das zieht sich. Ich kann auch gar nicht wirklich in die Lobeshymnen einstimmen, die verkaufsträchtig auf dem Buchrücken stehen. Ich fand in der geschichte weder eine besondere Liebesgeschichte, noch soviel Berührendes und Fesselndes, dass ich es schneller gelesen hätte als getan. Hab das nach einiger Zeit fast widerwillig gelesen ("Ich krieg das auch, doch das schaffe ich").

Ich habe es mir vor einigen Wochen gekauft, weil ich den Trailer ganz nett fand. Es klang bizarr und tragisch. Erica Bana und RachelMcAdams sind ja auch nicht die schlechteste Wahl. 

Es war aber überaus langweilig. Es wollte nicht so recht klappen. Die Figuren waren mir nie nahe. Henrys Schicksal als unfreiwillig Reisender (ein Gen-Defekt zwingt ihn dazu) durch die Zeiten war mir nicht dramatisch genug dargestellt. Dabei hätte das doch echt Potential. Aber nein, es wurde alles so runtergenudelt, das ich mich dabei erwischt habe zu denken, was ich am nächsten Tag alles machen muss, und dem Film nicht mehr so richtig folgte. Es lag nicht daran, dass ich das Buch schon gelesen hatte. Ich gebe Filmen unabhängig vo ihrer literarischen Grundlage eigentlich immer eine faire Chance. 

Bana und McAdams wirkten aber auch so ambitionslos. Hatte der deutsche Regisseur Robert Schwentke (Flight Plan) seine Darsteller und vor allem das Script nicht im Griff? Da fehlt Zug, Leidenschaft und das zündende Etwas.

Chance vertan. Langweilig.

08.09.2009 um 14:43 Uhr

Nazi-Klopperei: Inglorious Basterds

von: Sike

Endlich gesehen. Viel hat man in den letzten Tagen von diesem Film gehört und ich habe sehr versucht meine Ohren zu verschließen. Zwei Worte drangen aber dennoch immer wieder an mein Ohr: Christoph Waltz. Nachdem ich den Film gesehen habe, muss ich sagen, der Name fällt zurecht. Ist der Mann darin gut!

Überhaupt muss ich sagen, ist die deutsche Besetzung ist fast durchweg fantastisch. Die kaufen Brad Pitt als Nazi-Jäger Aldo Raine glatt den Scheid ab. 

Gleich dem klassischen antiken Drama, erzählt Tarantino seinen Film in 5 Akten:

1. Es war einmal...im von Nazis besetztn Deutschland

Ein Beginn wie im Märchen. Offenbart sich dann als pervertierte Version einer grimmschen Volksweise. Allein diese unglaubliche lange Eröffnungsszene gehört zum besten, was ich im Kino seit langer Zeit gesehen habe. Diese schleichende Bedrohung, die wächst und wächst und sich in Gemetzel entlädt und Waltz als Hans Landa als charismatischen Psychopathenmanifestiert ist großartig. Stark geschrieben von Tarantino und superb von Waltz umgesetzt.

2. Inglorous Basterds

Brad Pitt alias Also Raine erscheint und fordert seine Nazi-Skalps. Da wir hier bei Tarantino sind, bekommt er sie auch und wie, das dürfen wir uns ansehen.

3. Eine Deutsche Nacht in Paris

Landa meuchelt eine jüdische Familie, die Tochter Shoshanna kann allerdings entkommen. Unter falschem Namen leitet sie in Paris ein Kino. Der ruhmreiche Soldat Frederick Zoller (Daniel Brühl) verliebt sich in sie. Zoller hat im Kriegseinsatz Heldentaten vollbracht, die Goebbels (Sylvster Groth) hat verfilmen lassen. Die Premiere soll nun in Shoshannas Kino stattfinden.

4. Operation Kino

In diesem Kino finden sich dann auch die anderen Geschichtsströnge des Filmes zusammen. Die Nazijäger um Aldo Raine planen ein Attentat auf die deutsche Führungsriege. Zur Premiere ist nämlich auch Adolf Hitler (Martin Wuttke) himself vor Ort. Mit der deutschen Schauspieldiva Bridget von Hammersmarck (Gott, ist die schlecht: Diane Krüger) will mit Raines Schregen (Gedeon Burkhardt oder, auch schlecht: Til Schweiger)ein Komplott ausarbeiten. Zu ihnen gesellt sich noch Lt. Archie Hicox (für mich eine Entdeckung: Michael Fassbender), gesandt von Winston Chruchill (Rod Steiger).Das Komplott fliegt allerdings auf, die Gruppe wird von SS-Sturmbrandführer Hellstrom (toll: August Diehl) enttarnt und eliminiert. Nur Bridget von Hammersmarck kann entkommen.

5.  Die Rache des Riesengesichtes

Unabhängig von den Inglorious Basterds plant Shoshanna mit ihrem Freund Marcel das Kino in Brand zu stecken, um  sich zu rächen und dem krieg ein Ende zu setzen. Es schlägt hier erneut eine große Stunde für Hans Landa. Er entdeckt die Basterds und nimmt Also Raine fest, um pber ihn im Falle des Kriegsendes für sich und seine Zukunft zu verhandeln. Shoshannas Plan geht auf und auch einige Basterds können ihre Aufgabe ausführen. Heißt: großes Gemetzel.

 

Trotz einer Länge von 154 Minuten ist der Film keine Sekunde zu lang. Ich fand es schön, wie die einzelnen Stränge immer wieder zusammengefühtr werden. Das muss man Tarantino echt lassen. Das kann der. Der Humor kam auch nicht zu kurz. Brad Pitts Italienisch-Kenntnisse...*muahahaha* Überhaupt hat er wohl ziemlichen Spaß bei der Sache gehabt, was der für einen tumben Gesichtsausdruck die ganze Zeit hat. Spitze. Dennoch muss ich die deutsche Crew einfach mehr loben. August Diehl war so böse, da lief es mir kalt den Rücken hinunter. Daniel Brühl darf den sensiblen selbstzweifelnden Held geben, sodass ich erst gähnen wollte. Aber netterweise gab es auch für ihn einen netten Twist im Drehbuch. Ha! Fand ich klasse.

Tarantinos Filmleidenschaft ist auch hier wieder ansteckend.

Seine Namensfindungen haben mir auch gefallen. Bridget von Hammermarck = Florian von Donnersmarck. Aldo Raine = Aldo Ray.

Ble B. in einer Cameo-Rolle hatte einen ulkigen Aha-Effekt. Das Göring und Borman kurz auftauchen und Pfeile, wie in einem Comic auf sie zeigen, hat mich amüsiert. So enthebt Tarantino seinen Film vor der Versuchung auch nur vo irgendjemandem als Geschichtsstunde wahrgenommen zu werden. Es ist Kino. Und zwar sehr gutes