Ver-lieben
Meine erste Begegnung mit Nachbar hatte mit meiner ersten Begegnung mit Telefonfreund ungefähr so viel gemeinsam wie das Dschungelcamp mit einem gut durchdachten Sonntagabend Tatort. Ich sage es mal so.
An dem Abend, als ich Nachbar kennenlernte war ich sowohl geschminkt als auch gut vorbereitet. Ich wollte einen Mann kennenlernen. Und war weder peinlich, noch hungrig, noch stand ich unter Schock. Ich wusste ziemlich genau was ich tat. Ich sage es mal so.
Ich befand mich mit Freunden in einer Bar. Wir tranken Gin-Tonic und unterhielten uns. Ich schaute nach rechts und nach links und lächelte und lachte – egal, ob meine Freunde was lustiges erzählten oder nicht. War mir schnuppe. Ich wollte ja einen Mann kennenlernen. Wenn man einen Mann kennenlernen will, ist eine positive Ausstrahlung von enormer Wichtigkeit. Da darf man nichts dem Zufall überlassen. Ich lachte wie blöd und dachte „Wie blöd“. Denn dummerweise befanden sich rechts und links neben mir keine Männer, die ich kennenlernen wollte. Mein Nachbar stand nämlich hinter mir. Konnte ich ja nicht wissen.
Der erste Zufall an diesem Abend war, dass ich mich irgendwann umdrehte. Und dann sah ich ihn. Der zweite Zufall an diesem Abend war, dass ich plötzlich überhaupt gar nicht mehr vorbereitet war. „Na“ sagte mein Nachbar. „Na“, sagte ich. Er grinste, ich grinste auch. In diesem Moment wusste ich weder wie er heißt, geschweige denn, dass er mein Nachbar ist. Es machte sich einfach nur ein unglaublich einzigartiges Gefühl in mir breit. Ich verliebte mich. In diesem Moment. Einfach so.
Und ich dachte. "Das ist das Beste was mir jetzt passieren kann.".
Nur fünf Tage vorher hatte ich mich in meinen Telefonfreund verliebt.
