Solo zu zweit

26.02.2009 um 21:03 Uhr

Tu.so.als.ob

Zum Glück kenne ich die meisten großen Liebesfilme auswendig. Und habe noch dazu in den letzten Jahren mehr als eine Telenovela aufmerksam verfolgt. In Liebesdingen kenne ich mich einfach gut aus. Ich weiß, dass kurz vor dem großen Happy End immer noch etwas dazwischen kommen muss. Zwei potentielle Liebende kriegen sich nicht einfach mal gerade so, zehn Minuten, bevor der Film zu Ende ist. Ne, die kriegen sich erst in allerallerletzter Minute. Wäre ja sonst auch langweilig. Zum Glück schockt mich außerdem bei Männern eh nix mehr. Ich denke, diesen Tatsachen ist es zu verdanken, dass ich Telefonfreunds Anruf EINEN Tag vor seinem angekündigten Besuch ziemlich gut verkraftet habe. Telefonfreund rief nämlich an, um mir mitzuteilen, dass er morgen leider doch nicht kommen könne.

Ihm war was dazwischen gekommen. Ich war was überrascht, weil ich nicht weinen musste. Wofür hat man denn auch Telefonfreunde? Um mit ihnen zu telefonieren. Würde man sich mit ihnen treffen, dann bräuchte man ja kein Telefon mehr. Und das Telefon vor Freund könnte man sowieso streichen. 

Zum Glück bin ich inzwischen eine ziemlich erfolgreiche ich.tu.so.als.ob- Spielerin. Kennt jemand von Euch ich.tu.so.als.ob? Das ist total lustig, allerdings muss man geübt sein.  

Es geht ungefähr so:

Telefonfreund sagt: „Ich hoffe, Du bist nicht enttäuscht, weil es mit dem Treffen nun doch nicht klappt?“

Ich tue so, als ob ich nicht enttäuscht wäre. „Ne, quatsch, ich kann das total gut verstehen.“

Telefonfreund sagt: „Wir holen das nach.  Ich komme Dich ganz bald besuchen.“

Ich tue so, als ob es mir völlig schnuppe wäre, ob er bald kommt oder nicht. „Jaja, keine Eile lass erstmal Frühling werden.“

Ich.tu.so.als.ob ist ne ganz feine Sache. Perfektioniert hat man das Spiel allerdings erst dann, wenn man selbst an den Schwachsinn glaubt, den man dem Mitspieler erzählt. Und davon bin ich leider noch weit entfernt.

16.02.2009 um 23:06 Uhr

Spar.Schwein

Ich habe immer noch absolut gar keine Ahnung, ob Telefonfreund in ein paar Tagen hier aufzuschlagen gedenkt oder eben nicht.  Er hat sein Versprechen nicht gehalten. Er hat einfach nicht angerufen.  Ich könnte das einfachste auf der Welt tun. Ich könnte Telefonfreunds Nummer wählen, hallo sagen und ihn dann einfach mal fragen, ob er kommt oder eben nicht. Grundsätzlich wäre das ja nicht schwierig. Grundsätzlich habe ich seine Nummer schon so oft gewählt.  

Grundsätzlich geht das aber in diesem Falle nicht. Telefonfreund muss sich bei mir melden! Das hat er versprochen. Bislang hat Telefonfreund seine Versprechen immer gehalten. Also warte ich ab. Während ich warte, schütte ich einfach mal mein Sparschwein aus und zähle meine Münzen  … und zähle und zähle und zähle und lege mein Erspartes halt zur Abwechslung einfach auch mal als wunderschöne Herzen auf dem Fußboden aus. Das wollte ich eh schon immer mal tun.

Ich könnte auch zu Nachbar gehen. Aber da war ich gestern schon. Allerdings könnte ich heute mitsamt meinem Sparschwein bei ihm auftauchen und Nachbar über meine Finanzen in Kenntnis setzen! Bestimmt würde Nachbar sich freuen.Weil ich so reich bin.

Grundsätzlich alles besser als  Telefonfreunds Nummer zu wählen.

13.02.2009 um 19:41 Uhr

Hell-Sehen

Man braucht ja nun wirklich keine hellseherischen Fähigkeiten, um so manch eine Entscheidung voraussagen zu können. Man braucht eigentlich bloß Donnerstagabend den Fernseher einzuschalten. Da ziehen eintausendeinhundert Mädels ihrem Traum als Supermodel entgegen. Ich war bislang eigentlich schon davon ausgegangen, dass man einen äußerst steinigen Weg zurücklegen muss, um es bis zum Supermodel zu schaffen. Von wegen steiniger Weg. Denkste. Gestern haben sie die Rolltreppe genommen. Alle eintausendeinhundert Kandidatinnen sind ihrem Traum quasi entgegen gerollt!

Als aufmerksame Zuschauerin der Staffeln eins, zwei und drei kann man natürlich innerhalb der ersten viertel Stunde von Staffel vier bereits grob einschätzen, welche Kandidatinnen ins Modelhaus einziehen werden. Für alle anderen ist der Traum, Deutschlands nächstes Supermodel zu werden, ja dann auch leider erstmal geplatzt.

Als aufmerksame Zuschauerin weiß man innerhalb der ersten viertel Stunde auf jeden Fall, dass eine ganz bestimmte Kandidatin es bis ins Modelhaus  schaffen wird: Nicht, weil sie herausragend viel schöner ist als die andern eintausendneunundneunzig Mädels. Ne, mit dem Aussehen hat das wenig zu tun. Sie kommt hauptsächlich deshalb weiter, weil sie einen an der Waffel  hat. Weil sie so nen richtig schönen Schatten hat. Bestenfalls leidet sie unter Verfolgungswahn. In der steckt Konfliktpotential. Das wollen die Leute sehen. Das war immer so und das wird auch noch lange Zeit so bleiben. Völlig vorhersehbar.

Ich bin da übrigens nicht allein mit meiner Meinung. Mein Nachbar sieht das genauso. Der wusste gestern auch schon nach zwanzig Minuten, wer weiterkommt und wer nicht. Was die Supermodels betrifft, sind Nachbar und ich uns von Staffel eins bis heute immer einig gewesen. Während Telefonfreund immer noch VIELLEICHT nächste Woche kommt, ist Nachbar einfach da. Gestern war ich bei Nachbar. Aber manchmal reicht auch ganz einfach das Licht in seinem Wohnzimmer aus, um mir das Gefühl zu vermitteln, dass er da ist. Das ist seit langer Zeit so und das wird hoffentlich auch noch eine Weile so bleiben.

11.02.2009 um 20:32 Uhr

Ja oder nein?

Vielleicht kommt Telefonfreund in anderthalb Wochen. Vielleicht hat er vorgestern gesagt. Er ist sich nämlich noch nicht so ganz sicher. Vielleicht ist so ungefähr das Schlimmste was er mir antun kann. Nicht, weil vielleicht heißt, dass er vielleicht NICHT kommt. Sondern weil vielleicht heißt, dass ich nicht weiß, OB er kommt oder OB er NICHT kommt.  Wenn ich garantiert wüsste, dass er kommt, dann könnte ich langsam damit anfangen, mich innerlich auf seinen Besuch vorzubereiten. Wenn ich garantiert wüsste, dass er nicht kommt, dann müsste ich gerade überhaupt gar nicht darüber nachdenken, wie es wohl wäre, wenn er denn kommen würde.  Vielleicht ist scheiße! Logisch.

Ich frage mich echt, warum Telefonfreund seit sechs Wochen einen Besuch ankündigt, der eventuell sowieso nicht stattfinden wird! Das ist doch total unlogisch!

Telefonat mit Freund vor zwei Tagen:

Telefonfreund: „Hatte ich Dir eigentlich gesagt, dass ich übernächstes Wochenende eventuell in der Stadt bin?“

Lilly: „Hm ja, hattest Du mal erWÄHNT.“  (Er  erwähnte es gerade zum mindestens fünften Mal)

Telefonfreund: „Ah, okay, ich war mir nicht mehr so ganz sicher. Also, ob ich es Dir gesagt hatte oder nicht.“

Lilly: „Doch, doch, das hattest Du.“ (Ist der Dauerbesoffen? Leide ich an Halluzination oder er an Amnesie?)

Telefonfreund: „Es ist ja noch nicht ganz sicher, ob ich komme.“

Lilly: „Okay.“ (Okay???)

Telefonfreund: „Ja, es könnte einfach etwas stressig werden, weil ich morgens hin und abends auch noch zurückfahren müsste.

Lilly: „Achso, ja, das ist natürlich anstrengend.“  (…könnte er aber schon mal in Kauf nehmen)

Telefonfreund: „Weil ich halt eben morgens hin und abends auch noch zurückfahren müsste.“

Lilly: „Verstehe“ (Will der bei mir übernachten?) „Kannst Du ja spontan entscheiden. Also, ob Du kommst.“

Telefonfreund: „Mache ich. Ich sag Dir einfach die Tage Bescheid.“

Lilly: „Klar.“ (Könntest Du Dich nicht vielleicht einfach JETZT entscheiden?)

Telefonfreund: „Tschüss“.

10.02.2009 um 20:26 Uhr

Verzweiflungs-Tat

Natürlich lerne auch ich manchmal aus meinen Fehlern. Und in zwei Männer gleichzeitig  verliebt sein, das ist definitiv ein Fehler. Das geht nicht gut!

Diese Erkenntnis kam mir recht schnell - ungefähr drei Stunden nachdem Nachbar mich verlassen hatte. Ich heulte hinter verschlossenen Fensterläden und  fragte mich auf einmal, warum mir diese Trennung so weh tat. Eigentlich war ich doch eh in Telefonfreund verliebt. Eigentlich war Nachbar doch nur eine Notlösung gewesen. Der war doch eine Verzweiflungstat! Kino, Essen, Spaziergänge – darauf hatte ich mich doch nur eingelassen, weil Telefonfreund weit weg war. Meine Beziehung zu Nachbar, das war doch ein innerer Racheakt.

Telefonfreund hatte eine Beziehung, also wollte ich auch eine. Telefonfreund hatte eine Frau, die besser zu ihm passte als ich. Warum konnte ich keinen Mann haben, der besser zu mir passte als Telefonfreund? Und Nachbar HATTE  besser gepasst: Immerhin gab es zwischen uns die ein oder andere Gemeinsamkeit: Wir wohnten im selben Viertel und wir waren beide solo als wir uns kennenlernten und überhaupt - wir beide liebten … Sushi. Diese Gemeinsamkeiten waren doch mehr wert als die ein, zwei kleinen Streitereien zwischen uns. (Nachbar:„Du bist die die dümmste Tussi, die mir je begegnet ist." Lilly: „Und Du bist ein schwanzgesteuertes Arschloch.")

Streitereien? Mit Telefonfreund hatte ich mich noch nie gestritten. Warum auch? Telefonfreund war ja immer lieb zu mir. Telefonfreund roch mein Parfum in 450 Kilometer Entfernung, Telefonfreund hatte mich nach meinem Hockerunglück vor  den Pizzabäckern gerettet. Mit Telefonfreund konnte ich reden. Der hatte sich immer geduldig meiner Alltagssorgen angenommen und mir wertvolle und ehrliche Tipps gegeben. Telefonfreund hatte mir immer geholfen. Telefonfreund hatte halt eben nur … eine Freundin. Aber dafür konnte er doch nichts!

An diesem Abend, hinter verschlossenen Fensterläden, griff ich automatisch zum Telefon und wählte Freunds Nummer. Ich erzählte ihm von meiner Beziehung zu Nachbar. Ganz automatisch. Telefonfreund hörte zu und schwieg. Und dann fragte ich: „Telefonfreund, was kann ich tun, um Nachbar zurückzugewinnen?“

An diesem Abend - zum allerallerersten Mal seit meinem Hockerunglück- konnte Telefonfreund mir nicht helfen. Er sagte: „Lilly, ich glaube, in diesem Fall bin ich leider ganz ehrlich der falsche Ansprechpartner.“

09.02.2009 um 19:58 Uhr

Kapitel 1317

Manchmal, in schwachen Momenten, schleicht sich mir ein ganz grausamer Gedanke ein:  Ich rechne mir ja irgendwie schon auch reelle Chancen ein, eines Tages mein Beziehungsglück zu finden. Nur wenn es weiterhin so läuft wie momentan, ist Lisa Plenzke bis dahin dreifache Großmutter. Es ist ja nicht übertrieben. Es sind ja reine Fakten.  In Sturm der Liebe bemüht sich inzwischen bereits die vierte Heldin in Folge um die Gunst ihres Traummanns. Ihre drei Vorgängerinnen sind allesamt bereits überglücklich von dannen gezogen. Mit Ehering am Finger natürlich. Als ich mich in Telefonfreund verliebte, war noch das erste Aschenputtel fleißig am baggern. 

Ein ganz grausamer Gedanke. Denn überhaupt:  Der Trick jeder Telenovela liegt ja darin begründet, die Geschichte so lange wie möglich in die Länge zu ziehen. Wenn sich Verliebt in Berlin schon zog wie Kaugummi, wie sieht es denn dann bitte mit meinem Liebesleben aus? Da bin ich inzwischen bei Kapitel eintausendreihundertsiebzehn (1317) angelangt, mindestens.

Ich kann es jedem nur raten: Vergleicht Euer Leben niemals mit einer Telenovela. Ich tue es auch echt nur in ganz kritischen Situationen. Und gerade befinde ich mich in genau so einer. Denn hatte ich es schon erwähnt? Mein Telefonfreund kommt in zwei Wochen. Das heißt, VIELLEICHT kommt mein Telefonfreund in zwei Wochen. 

08.02.2009 um 20:30 Uhr

Wolke vierzehn

Sich innerhalb von fünf Tagen in zwei Männer verlieben. Das kann ja nicht gut gehen. Ein paar wunderbare Wochen lange schwebte ich auf Wolke sieben und diesen Zustand mal zwei genommen auf Wolke vierzehn. Gibt’s die überhaut? Wenn ich nicht gerade mit Nachbar spazieren oder essen oder ins Kino ging,  telefonierte ich nächtelang annähernd platonisch mit Freund. Ich fühlte mich gut.

Ich konnte Telefonfreund seine Beziehung gönnen, denn ich hatte ja jetzt auch eine. Eine großartige Beziehung wie im Fernsehen: Mit einem Mann, der mit mir spazieren ging, mich zum Essen ausführte und mir am späten Abend über die Straße hinweg zurief „Schlaf schön“. An solchen Abenden stand Nachbar an seinem Fenster, ich stand an meinem Fenster, wir winkten uns stürmisch zu und beteuerten und dabei abwechselnd so laut es ging, über die Straße hinweg und durch die Nacht, wie toll wir uns gegenseitig fanden.   Einmal wäre ich vor lauter Leidenschaft fast aus dem Fenster gefallen.  Aber das ist eine andere Geschichte.

Besser konnte ich es nicht treffen. Ich war glücklich. Bis zu dem Abend, an dem Nachbar und ich uns erneut stritten und beschlossen, nicht mehr gemeinsam spazieren, essen oder ins Kino zu gehen. Ende der Harmonie. Das Aus einer kurzen, aber ausfüllenden Beziehung.  An diesem Abend winkten Nachbar und ich uns nicht gegenseitig zu. Bei Nachbar blieb es dunkel. Ich klappte meine Fensterläden zu und weinte. Ich war völlig fertig und rief… Telefonfreund an, um ihm mein Liebesleid zu klagen. In dieser schwierigen Situation brauchte ich platonischen Rat.

Ziemlich beknackte Idee. Im Nachhinein. Denn Telefonfreund wusste bis zu diesem verzweifelten Anruf meinerseits überhaupt gar nicht, dass in meinem Leben ein Mann namens Nachbar vorkommt.  

05.02.2009 um 21:21 Uhr

Ohne mich!

Liebestechnisch ist mein Leben irgendwie immer ein bisschen drüber. Und das ist nicht einfach.

Telefonfreund und Nachbar sind ja das beste Beispiel: Während andere Leute Wochen benötigen, um sich EIN MAL gründlich zu verlieben, reichten bei mir fünf Tage aus, um mein Herz gleich zwei Mal so richtig schön an gleich ZWEI Männer zu verschenken. Doppelt gemoppelt hält besser.

Während vernünftige Seelen wahrscheinlich noch darüber nachgedacht hätten, ob der ERSTE Mann ihrer Träume küssen kann, küsste ich schon den zweiten Mann meiner Träume. Während andere, vernünftige Menschen, in solchen schwierigen Liebesangelegenheiten immerhin die Qual der Wahl haben (die Chance, dass sich wenigstens einer von zwei Traummännern unsterblich zurückverliebt, ist ja relativ hoch) herrschte bei mir kurze Zeit später absolute Flaute.

Plötzlich musste ich mich mit einem Nachbarn herumschlagen, der dringend eine Frau suchte, die besser zu ihm passte als ich. Plötzlich musste ich mich mit einem Telefonfreund herumschlagen, der nicht mal mehr suchen musste, weil er bereits eine Freundin hatte, die offensichtlich besser zu ihm passte als ich.

Super hingekriegt, Lilly. Frustrierender geht ja kaum. Ich beschloss, beide Traummänner aus meinem Leben zu streichen. Sollte der eine sich glücklich neu verlieben und der andere glücklich verliebt bleiben. Ich gönnte es ihnen. Aber ohne mich! Der Moment, in dem ich mir das schwor, liegt Jahre zurück.

Inzwischen ist Nachbar immer noch auf der Suche nach der Frau, die besser zu ihm passt als ich. Telefonfreund hat sich vor kurzem getrennt: Von der Frau, die offensichtlich besser zu ihm passte als ich.

Woher ich das weiß? Weil sie es mir erzählt haben. Hauptsache: Ohne mich!

Liebestechnisch ist mein Leben irgendwie immer ein bisschen drüber.

03.02.2009 um 19:18 Uhr

Für und wider

Auf dem Nachhauseweg fiel mir ein, dass ich eigentlich gar nicht in der Situation war, Liebe auf den ersten Blick einfach so mal gerade ohne genauere Prüfung  „Auf nimmer Wiedersehen“ zu sagen. Denn erstens war ich solo und zweitens hatte ich mich fünf Tage zuvor unglücklich in einen anderen Mann verliebt. Was hilft bei Liebeskummer am besten?  Eine neue Liebe. Weiß ja jeder.  

 Also machte ich, während ich so durch die Nacht lief, eine innerliche Pro und Contra  Liste. Auf der Pro - Seite (ich gebe Nachbar noch eine Chance) standen drei ziemlich eindeutig für ihn sprechende Punkte:

Im Gegensatz zu Telefonfreund war Nachbar solo.

Im Gegensatz zu Telefonfreund war Nachbar nicht weit weg.

Im Gegensatz zu Telefonfreund war Nachbar Liebe auf den ersten Blick.

Am selben Abend noch schrieb ich Nachbar eine SMS und entschuldigte mich. Nachbar rief an und entschuldigte sich.

Wir verbrachten schöne und ganz großartige Tage und Nächte zusammen. Ich werde es nie vergessen. Bis wir uns erneut stritten.  Ich dachte, ich würde Nachbar keine Chance mehr geben. Nie mehr. Nachbar  wollte so schnell es geht eine neue Frau kennenlernen. Eine, die besser zu ihm passt als ich. In einem Punkt waren wir uns einig: Wir wollten uns nie wieder sehen.

Fatalerweise wussten Nachbar und ich zum Zeitpunkt dieser, unserer zweiten ernsthaften Streiterei bereits, dass wir uns gegenüber wohnen.

02.02.2009 um 20:33 Uhr

Der Anfang vom Ende

Grob geschätzt hatten Nachbar und ich innerhalb von zehn Minuten herausgefunden, dass wir füreinander bestimmt sind.

„Willste noch n Drink?“

„Ja,  gerne. Ein Gin-Tonic wär toll.”

„Okay, ich geh mal Bier holen“.

Ich dachte, Nachbar sei schwerhörig. Ich mochte kein Bier, aber Männer, die nicht so ganz perfekt sind. Nachbar mag Frauen, die perfekt sind … und gerne Bier trinken. Wir tranken also Bier und stellten fest, dass wir genügend Gemeinsamkeiten hatten, um reinen Gewissens mal so richtig schön rumknutschen zu können: Wir waren beide solo. Zum Beispiel. Und wir wohnten im selben Viertel. Schicksal.

„Das ist doch schon mal was“, sagte Nachbar.

Ich mag Männer, die Tatsachen ohne große Umschweife auf den Punkt bringen.

„Ich finde Dich süß“, sagte Nachbar. Wir waren uns vollkommen einig. Mein Nachbar und ich –  beide solo - und irgendwie auf einer Wellenlänge, dachte ich.

Nachbar und ich knutschen. Während wir uns zum ersten Mal küssten, stritten wir  -  auch das zum ersten Mal. Ich fand plötzlich, dass er ein schwanzgesteuertes Arschloch ist. Nachbar betitelte mich die dümmste Tussi, die er jemals im Leben kennenlernen musste. Er bereute, mir ein Bier ausgegeben zu haben.Ich wollte doch gar kein Bier. Ich wollte ein Gin-Tonic! Ich entschied, dass ich lieber solo bleibe. Liebe auf den ersten Blick hin oder  her. Ein schwerhöriger Schwanzgesteuerter! Geht gar nicht. Nachbar entschied, dass er lieber solo bleibt. Warum genau? Das hat er mir nie verraten. Er fand mich blöd und ich ihn.

Ich ging.

Dummerweise hatten wir kurz vor dieser, unserer aller-allerersten Streiterei noch Telefonnummern ausgetauscht.

Und das war - Schicksal. Oder der Anfang vom Ende.