Tu.so.als.ob
Zum Glück kenne ich die meisten großen Liebesfilme auswendig. Und habe noch dazu in den letzten Jahren mehr als eine Telenovela aufmerksam verfolgt. In Liebesdingen kenne ich mich einfach gut aus. Ich weiß, dass kurz vor dem großen Happy End immer noch etwas dazwischen kommen muss. Zwei potentielle Liebende kriegen sich nicht einfach mal gerade so, zehn Minuten, bevor der Film zu Ende ist. Ne, die kriegen sich erst in allerallerletzter Minute. Wäre ja sonst auch langweilig. Zum Glück schockt mich außerdem bei Männern eh nix mehr. Ich denke, diesen Tatsachen ist es zu verdanken, dass ich Telefonfreunds Anruf EINEN Tag vor seinem angekündigten Besuch ziemlich gut verkraftet habe. Telefonfreund rief nämlich an, um mir mitzuteilen, dass er morgen leider doch nicht kommen könne.
Ihm war was dazwischen gekommen. Ich war was überrascht, weil ich nicht weinen musste. Wofür hat man denn auch Telefonfreunde? Um mit ihnen zu telefonieren. Würde man sich mit ihnen treffen, dann bräuchte man ja kein Telefon mehr. Und das Telefon vor Freund könnte man sowieso streichen.
Zum Glück bin ich inzwischen eine ziemlich erfolgreiche ich.tu.so.als.ob- Spielerin. Kennt jemand von Euch ich.tu.so.als.ob? Das ist total lustig, allerdings muss man geübt sein.
Es geht ungefähr so:
Telefonfreund sagt: „Ich hoffe, Du bist nicht enttäuscht, weil es mit dem Treffen nun doch nicht klappt?“
Ich tue so, als ob ich nicht enttäuscht wäre. „Ne, quatsch, ich kann das total gut verstehen.“
Telefonfreund sagt: „Wir holen das nach. Ich komme Dich ganz bald besuchen.“
Ich tue so, als ob es mir völlig schnuppe wäre, ob er bald kommt oder nicht. „Jaja, keine Eile lass erstmal Frühling werden.“
Ich.tu.so.als.ob ist ne ganz feine Sache. Perfektioniert hat man das Spiel allerdings erst dann, wenn man selbst an den Schwachsinn glaubt, den man dem Mitspieler erzählt. Und davon bin ich leider noch weit entfernt.
