Solo zu zweit

23.07.2009 um 20:43 Uhr

Gelöschte.Liebe

Mal überlegt, dass Freunds und meine Beziehung zu circa 78 Prozent aus stundenlangen Telefongesprächen bestand, dürfte er mir im Alltag eigentlich nicht fehlen.  Tut er auch nicht. Ich bin ja viel zu wütend.

Dennoch treffe ich irgendwie drastische Maßnahmen, um über ihn hinwegzukommen.  Ich lasse nichts aus, um mich abzulenken. Ich lasse nicht aus, um den verdammten Gedanken wegzuschieben, dass Freund vielleicht heute anrufen könnte. 

Meine Lieblings-CD liegt irgendwo auf der Mülldeponie, weil sie mich an ihn erinnern könnte. Die Klamotten, die ich am Tag unserer Trennung getragen habe, stecken inzwischen im Altkleidercontainer. Ich war seit Wochen nicht mehr in der Pizzeria ums Eck, weil wir uns da kennengelernt haben. Die Aussicht auf die Lieblingspizza würde beim Anblick der geflickten Theke (siehe 22.01.09) nichts wert sein. Ich gehe aus und flirte mit anderen Männern. In meinem Umfeld erinnert nichts mehr an Freund. Freund ist gelöscht und trotzdem da.

Es  setzen sich aber auch  ungeahnte Energien in mir frei. Ich frühstücke nicht mehr  zwischen Kleiderschrank und Badezimmer, sondern in aller Ruhe am Küchentisch – und stehe dafür eine Stunde früher auf.  Ich habe plötzlich eine ungewöhnliche Leidenschaft für sportliche Betätigung entwickelt.  Seit der Trennung war ich nicht ein einziges Mal shoppen!  Dafür habe ich einen Urlaub gebucht, den ich allein antreten werde.  Ich war noch NIE allein im Urlaub. Morgen gucke ich womöglich keine Liebesschnulzen mehr, sondern interessiere mich für Fußball.

Hachja, wenn Freund das alles wüsste…

16.07.2009 um 22:39 Uhr

Sommer.frische

Wenn man nicht nur verlassen wird, sondern noch dazu seinen besten Telefonfreund verliert, sind extreme Maßnahmen notwendig, um den Verlust zu  verkraften.

Da geht es dann nicht mehr um reine Sentimentalitäten, da geht es um Gewohnheiten. Da geht es darum, dass man nicht mehr einfach so zum Telefon greifen kann, um der vertrauten Person in der Leitung irgendwelche mehr oder weniger existentiellen Dinge aus dem Alltag zu erzählen. Da geht es darum, dass man plötzlich lieber sein ganzes Handy-Telefonbuch durchruft, als diese eine Nummer zu wählen. Eine Nummer, für die man nicht mal ein Telefonbuch benötigen würde, weil man sie ohnehin auswendig kennt.  

Und da geht es auch darum, dass das Telefon zu gewohnten Zeiten einfach nicht klingelt – und wenn es klingelt, dann ist das zwar schön nett, aber halt einfach nicht dasselbe, weil man schon am Klingeln erkennt, dass es sich bei dem Anrufer nicht um Telefonfreund handelt.  

Man muss ja auch bescheuert sein, um sich ein und denselben Mann zum Befreundet-UND Verliebtsein auszusuchen. Das passiert mir nicht mehr. Entweder Platon oder Amor.  Das ist eine Erkenntnis. 

Vor ein paar Tagen habe ich meinen nächsten Urlaub gebucht. Der wird ganz sicher nicht an einer Autobahnraststätte enden -  denn den trete ich im Flieger an. Das ist eine Maßnahme.

15.07.2009 um 22:34 Uhr

Abschied

Verlassen zu werden ist ja nun mal eine sehr unschöne Sache. Am schlimmsten aber ist es, in einem Moment verlassen zu werden, in dem man selbst mit allem rechnet, nur nicht mit einer Trennung. Das habe ich begriffen.  Nach einer plötzlichen Trennung vermischt sich Liebeskummer mit Schock.  Den Schock habe ich überwunden, den Liebeskummer auch fürs erste hinter mir gelassen. Das Leben geht weiter – auch ohne Telefonfreund. Anstelle von Gefühlen steht jetzt Wut  und Enttäuschung– aber auch das wird verfliegen. Und schließlich wird die Erinnerung an gemeinsame Zeiten das sein, was bleibt.