In der Pizzeria ums Eck zwei Ramazotti intus hatte ich den
Mann meines Lebens nicht vermutet. Hätte ich geahnt, dass ich dort auf ihn treffe,
dann wäre ich wohl nicht ungeschminkt aus dem Haus gegangen. Ich hätte mir was Schönes angezogen anstatt
wie der letzte Penner auf einem Barhocker an der Theke zu sitzen und auf meine
Pizza zu warten. Nein, ich hatte den
Mann meines Lebens definitiv nicht erwartet. Erst recht nicht, nachdem ich mitsamt
dem Hocker umgefallen war und hilflos auf dem Boden lag. In diesem Moment dachte ich ganz sicher ein Mal nicht an meinen
eventuellen nächsten Freund, an Liebe oder Heiraten. Ich weiß noch genau was
ich dachte: „Hoffentlich, hat keiner mitgekriegt, dass ich gerade mit dem
Hocker umgefallen bin!“
Und dann stand
er vor mir. Freund. Und er lächelte und ich lächelte. Im wahrsten Sinne des
Wortes fiel ich ihm vor die Füße. Aber in diesem Moment war es da – trotz aller Peinlichkeit, trotz der
Tatsache, dass neben mir Tomatenreste und auf mir ein Hocker lag – dieses Gefühl,
dass alles richtig ist und die Dinge in Ordnung kommen werden.
Bedauerlicherweise ist es das nicht. Jahre später stecken wir in der größten Krise,
die wir jemals hatten. Denn bedauerlicherweise hatte Freund an dem Punkt, an
dem endlich alles gut war, plötzlich keine Lust auf Ordnung. Stattdessen hat
er mich an einer Autobahnraststätte abserviert.
Letztes Wochenende hat er geschrieben. Es geht ihm nicht gut. Hach ja. Er denkt oft an mich. Hach ja. Er
fühlt sich manchmal einsam. Hach ja. Aber er kann das Geschehene nicht
rückgängig machen. Ach ne!