Das geheimnisvolle Blog ins zauberhafte Nichts

26.02.2006 um 09:21 Uhr

Wir haben 100 Leute gefragt...

von: Solus

Musik: Blumfeld - Pro Familia

Schon gehört ? Das Familienduell geht wieder auf Sendung. Damit nicht nur Familien mitspielen können, heißt das Ganze jetzt "5 gegen 5". Irgendwie ist das schade, denn gerade dann hatte doch die Sendung immer den größten Unterhaltungswert, wenn eine Familie an den Start ging, die auf Grund mangelnder Familienmitglieder als fünften Mitspieler ihren senilen Opa mitgebracht hatten. Der stand immer ganz hinten, damit er weder mit dem Moderator reden, noch ins Einzelduell mußte. Natürlich machte er sich trotzdem lächerlich - gleich am Anfang, wenn sich alle Familienmitglieder vorstellen mußten. "Ich bin der Hans und...ähh..." Aber da gab es bei Werner Schulze-Erdel keine Gnade, wenn jemand seinen Satz versemmelte, wurde das auch so gesendet. Armer Opa Hans ! Und daß er wirklich zu gar nichts mehr nütze ist, bewies er spätestens beim Gegenangriff, wenn sein Vorschlag für den Teamleiter "Weiß nicht." oder "Äh Äh Äh..." hieß.

Durch die Änderung im Konzept wird es so etwas nun nicht mehr geben. Aber es kommt im Grunde noch schlimmer, denn auch der Moderator ist neu. Niemand Geringeres, und einen noch Geringeren gibt es vielleicht auch gar nicht, als Oliver Petszokat wird die Neuauflage "moderieren". Nur sowas will doch keiner sehen ! Der Typ kann gar nichts. Ein Quizmoderator von heute muß frech und witzig sein, sympathisch und dynamisch. Zur Not reicht es auch, wenn er nur Eins dieser Attribute sein eigen nennt, aber selbst das trifft auf "Oli P." nicht zu. Da wäre jeder schon längst vergessene Ex-GIGA-Moderator eine bessere Wahl gewesen. Aber doch nicht Petszokat. Pfui Teufel aber auch !

Um die Katastrophe komplett zu machen, läuft die Sendung im übrigen nicht mehr auf RTL, sondern auf RTL2. Das bedeutet natürlich, daß im Drei-Minuten-Takt die Nummer eingeblendet wird, unter der man das 5Gegen5-Handyspiel erwerben kann. Auch die Fragen werden etwas anders sein, z.B. "Wir haben 100 Leute gefragt: Nennen Sie ihren Lieblingsbewohner der aktuellen BigBrother-Staffel...", und vor der Auflösung wird natürlich erst einmal die Sendung durch Werbung unterbrochen. Gut, das wäre bei RTL genauso, das eigentlich Nervige ist bei RTL2 ja auch eher die Eigenwerbung. Zu Technomusik von DJ Krawuttke wird da ganz euphorisch die zehnundachzigste Wiederholung von "Starship Troopers" angepriesen. Früher besaß RTL2 wenigstens noch die Rechte an einem zweiten Film; "Interview mit einem Vampir", aber der läuft seit diesem Jahr auf Vox. Also nur noch "Starship Troopers"-Werbung, und das dreimal pro Sendung, Tag für Tag. Da wird selbst der größte Familienduell-Fan früher oder später das Handtuch werfen. Oder den Fernseher aus dem Fenster. So oder so hat "5 Gegen 5" daher leider keine Zukunft, was ich sehr schade finde, denn das Familienduell war damals neben Glücksrad, Geh auf's Ganze, Der Preiss ist heiß, RuckZuck, Hot oder Top, 5mal5 und BubeDameHörig meine Lieblings-Gameshow. Aber die Zeiten sind nun mal leider vorbei. Das mußte Kabel1 lernen und nun auch RTL2.

22.02.2006 um 23:58 Uhr

The Joy of Painting

von: Solus

Musik: David Bowie - Thursdays Child

Zum Donnerstag ein Bild von mir mit dem Namen "Donnerstag", Anfang 2004 zusammengeschmiert. Das Bild kann >hier< betrachtet werden.

21.02.2006 um 10:07 Uhr

Privates... Abenteuer im Arbeitsamt

von: Solus

Ich war heute beim Arbeitsamt. Das ist insofern toll, daß ich das schon seit der ersten Januarwoche vorhatte, mir jedoch immer die Lust dazu fehlte. Aber irgendwann mußte ich da nun doch mal hin, denn in einem Monat bin ich extra...exmatrikuka...also fliege ich von der Uni, und dann wird mir die Krankenkasse meine augedehnten Arztbesuche verweigern, wenn ich nicht als arbeitslos gemeldet bin. Dazu kommen natürlich auch noch meine Eltern, die doch schon ziemlich herumgrummeln, weil ich mich bei ihnen durchfresse, ohne eine Leistung dafür zu erbringen; sei es denn nur in Form von Hartz IV. Also stieg ich heute in die Straßenbahn, fuhr bis zur entsprechenden Haltestelle, lief dann fröhlich die Straße entlang in Richtung Arbeitsamt, und als ich vor einem Schild stand, auf dem das Wort "Chemnitz" durchgestrichen war, wußte ich, daß ich doch eine Haltestelle früher rausgemußt hätte. Also wieder zurück und schließlich dann in das Amt hinein. Vor der Tür standen übrigens zwei fleißige Morgenpostverkäufer - die wissen, wo sie ihr Klientel finden.

Ein freundlicher, junger Typ begrüßte mich, und fragte, wohin ich den wöllte. Ich erzählte ihm meine gesamte Lebensgeschichte, bis er irgendwann meinte, ich soll doch einfach mal zum Empfang gehen. Das tat ich, und berichtete dann eben der älteren Empfangsfrau von meinem traurigen Leben. Als ich beim dem Thema "Schluß mit Studium" angelangt war, erwachte sie aus ihrem Schlaf und versuchte mich nachdringlich zu überreden, doch lieber etwas anderes weiterzustudieren. Sie packte mich am Kragen und wollte mich zur Studienberatung schleppen, aber ich konnte sie dann doch überreden, daß ich erst einmal, zumindest ganz unverbindlich, ein allgemeines Beratungsgespräch versuchen werde. So wurde ich in einen Wartebereich geschickt, in dem ich aber überraschenderweise nicht sehr lange warten mußte, bis mich eine andere Frau in ihr Zimmer lotste. Im Grunde war das eigentlich gar nicht ihr Zimmer, sondern das Zimmer mehrerer Mitarbeiter. Ihr Arbeitsbereich war sporatisch abgegrenzt, sodaß die Privatssphäre gewahrt blieb, ihr aber andere Leute sofort zu Hilfe eilen konnten, wäre ich ihr an die Gurgel gesprungen. Sowas kommt mit dem immer weiter sinkenden Lebensstandard unserer Arbeitslosen sicherlich von Jahr zu Jahr häufiger vor, sodaß man den Raum sehr weitsichtig eingerichtet hat. Gute Leute, die Arbeitsamtraumdesigner.

Aber zurück zu meiner spannenden Alltagsgeschichte. Ich saß also der Frau gegenüber, und die nahm erst einmal meine Daten auf. Zwischendurch kam ein Mitarbeiter herein und sagte "Ich bin wieder da. Donnerstag, Freitag." woraufhin die Frau in einem übertriebenen Tonfall zwischen Überraschung und Empörung "Nee ?! Ich ja auch !" sagte und "Na uns kann es ja nur recht sein." hinzufügte. Der Mann verschwand und die Frau tippte weiter meine Daten ein. Dann drückte sie mir ein dickes Buch in die Hand, in der alle Jobs der Welt aufgelistet sind, und verwies mich an einen Spezialisten, den ich nächste Woche Donnerstag um 10 Uhr besuchen soll. Das ist natürlich ein Problem mit dieser Zeit, denn eine halbe Stunde vorher gehe ich ja normalerweise ins Bett. Ich kann jetzt entweder versuchen, bis Donnerstag einen Mainstream-Schlafzyklus zu erreichen, oder aber ich bleibe einfach noch länger wach. Letzteres ist wahrscheinlich einfacher. Na mal schauen.

Um meine herzschlagsteigernde Erzählung zu einem Ende zu bringen, sei noch erwähnt, daß mich die Frau nach ihrer Datenaufnahme in einen großen Raum mit dutzenden Terminals brachte, an denen man sich über Arbeitsstellen informieren konnte. Im Grunde wußte ich gar nicht, was ich da sollte, aber ich ließ mir zumindest mal von einer dicken, blonden Frau zeigen, wie man an so einem Terminal einen Test machen kann, was für Jobs denn für mich in Frage kämen. Als ich mich so durch diese Jobideen scrollte, fiel mir ein Vorschlag besonders auf und ich mußte lachen, denn es handelte sich dabei um den Arbeitswunsch, den ich als kleines Kind hatte. Im Grunde waren es damals zwei Karrieren, die mir vorschwebten. Die eine davon war Springbrunnenbauer, und die andere, die da natürlich anders formuliert aber inhaltlich gleich vom Terminal angezeigt wurde, war...Leuchtreklamenbauer. Ich glaube, das sollte ich werden. Ich möchte die Metropolen unseres Landes mit bunten Schriftzügen erhellen. Die Nacht soll voller Farben sein ! Ja, Solus wird Leuchtreklamenbauer, bzw. Leuchtreklamendesigner - meine Visionen realisieren können andere. Das werde ich dem Typen wohl übernächsten Donnerstag gleich als Erstes sagen. "Guten Tag, machen sie sich keine weiteren Gedanken, ich möchte Leuchtreklamendesigner werden !" Der wird sich sicherlich freuen, wenn mal einer kommt, der eine konkrete Berufs-Idee hat.

17.02.2006 um 07:58 Uhr

Gott ist verdammt zornig.

von: Solus

Musik: Jimi Tenor - Year of apocalypse

Ich bin kein gläubiger Mensch, religiös schon gar nicht, aber nachdem ich nun die Wahrheit erkannt habe, blieb mir nichts anderes übrig, als gestern sofort in die nächste Kirche zu rennen, um mich taufen zu lassen. Danach machte ich mich sogleich auf die Suche nach einem Verein für christliche Jugendliche, was gar nicht so einfach war, denn bei allen, die ich fand, sahen die weiblichen Mitglieder derartig häßlich aus, das glaubt man gar nicht. Daß christliche Mädchen nur wenig auf ihr Äußeres achten, weiß ja jeder. Die lassen ihr gesamtes Gesicht mit Hautunreinheiten zuwuchern, klemmen sich doofe Haarspangen ins ungepflege Haar und ziehen sich dermaßend langweilig an, daß man bei Sichtkontakt automatisch gähnen muß. Ja, ich weiß, man soll nicht verallgemeinern, aber bis jetzt waren alle Christinnen, die ich traf, genau so. Die sind auch meistens geistig zurückgeblieben, also jetzt nicht im Sinne von dumm, aber eben für ihr Alter immer sehr naiv und kindlich. Und dazu sind sie immer so dermaßend freundlich und nett, daß man kotzen könnte... Aber ich schweife zu sehr ab, ich hatte jedenfalls irgendwann einen christlichen Verein für Jugendliche gefunden, indem zumindest ein Mädchen halbwegs...also sagen wir mal sie sieht optisch neutral aus. Es ist zwar etwas seltsam, daß man mit 19 noch eine Zahnspange hat, und das riesige Holfkreuz, was sie an einer Kette immer umhängen hat, wirkt auch etwas albern, aber naja, wenn der Zeitpunkt der Zeitpunkte gekommen ist, wird sie es schon für mich tun. Ich will jedenfalls nicht als Jungfrau sterben. Und damit wären wir beim eigentlichen Thema, denn ich habe herausgefunden, daß wahrscheinlich das Ende der Welt kurz bevorsteht. Niemand geringeres als Gott bestraft uns für unsere Sünden, und weil er es ja bekanntlich theatralisch mag, tut er das nicht sofort, sondern kündigt seinen Weltuntergang erst einmal an - nämlich in Form der Vogelgrippe !

Überlegen wir doch mal, was für Vögel bis jetzt tot aufgefunden worden. Da hätten wir Schwäne, einen Habicht und eine Gans. Und für was stehen diese Vögel ? Richtig, der Schwan steht für Schönheit, für Stolz. Ein Habicht stürzt sich bekanntlich gierig auf seine Beute, und die Gans läßt sich leicht mästen, weil sie verfressen ist. Sie ist der Völlerei verfallen.

Stolz, Gier, Völlerei - das sind drei der sieben Todsünden des katholischen Glaubens. Gott nutzt diese Symbolik als Countdown, und was passiert, wenn die siebende Vogelart gestorben ist, können wir uns alle denken.

Wahrscheinlich wird in den nächsten Tagen noch ein toter Kuckuck gefunden werden, der aus Faulheit seine Eier nicht selbst ausbrütet. Auch ein Specht könnte sterben, der so gern zornig gegen die Bäume schlägt. Ebenso ein Storch, Überbringer der Babys, die ja das Produkt von Wollust sind, und sicherlich wird auch eine Elster sterben, die aus purem Neid heraus den Menschen immer ihre Schmuckstücke entwendet.

Wenn das passiert ist, wird Gott die Menschheit samt Erde zerstören, und dann möchte ich vor dem jüngsten Gericht eine gute Figur machen. Da ist es doch gut, daß ich jetzt getauft bin und betend und christenrockhörend zusammen mit meinen Glaubenskumpels sterben werde. Vorher schiebe ich natürlich noch schnell eine Nummer mit der neutral-aussehenden Zahnspangenträgerin. Die hat sicherlich auch noch nicht, und wenn draußen alles in Flammen und glühender Lava versinkt, wird die wohl sicherlich auch noch schnell mal wissen wollen, wie das so ist.

Wie Ihr seht, bin ich also für den Weltuntergang prima gerüstet, und Ihr ?

16.02.2006 um 08:06 Uhr

Sprach der Rabe nimmermehr

von: Solus

Musik: Nelly Furtado - I'm like a bird

Was für ein schlechtes Omen für Deutschland, gleich zu Jahresbeginn. Der Schwan, das Symbol für Reichtum und Macht, für Schönheit und ein langes Leben, im Traume auch als Hinweis auf gute geschäftliche Angelegenheiten, nun liegt er tot auf deutschem Boden. Mit dem Land geht es dieses Jahr richtig bergab, ganz klar.

Natürlich haben sich die Medien sofort auf das Thema gestürzt und einen neuen Vogelgrippe-Hype ausgelöst. Jeder möchte seine Zuschauer über die tückischen Nukleinsäuren informieren und aufklären. Das ist auch dringend notwendig, denn während die Ersten gestern früh anstatt mit Würfelzucker ihren Kaffee mit Tamiflu gesüßt haben, stürmten andere die örtlichen Marktplätze, um den dicken Mann am Hähnchengrill zu steinigen. Angeblich rannten sogar am Abend hunderte Zuschauer panisch aus einer Oper, als die Balletttänzerin den "Sterbenden Schwan" darbieten wollte. Alles übertriebene Reaktionen, die Vogelgrippe ist doch vollkommen harmlos für uns Menschen; kein Grund, nicht auch weiterhin das leckere Geflügelfleisch zu verzehren - das ist zumindest der Grundton, der durch die Medien geht.
Trotzdem sollte man, zumindest laut ZDF, sich nach dem Zubereiten des Fleisches gründlich die Hände waschen, die Verpackung sorgfällig in den Mülleimer verstauen und das Fleisch unbedingt gut durchbraten. Kann zwar eigentlich nichts passieren, aber sollte doch jemand sterben, haben wir keine Schuld... Und die Haustiere - die sind natürlich auch sicher. Gut, wenn Waldi beim Gassigehen plötzlich mit einem toten Federtier im Maul angerannt kommt, am besten schleunigst das Weite suchen. Aber sonst muß man sich keine Sorgen machen. Alles im grünen Bereich... Vogelscheiße auf dem Auto ? Ungefährlich ! Braucht man sich keine Gedanken machen. Zwar könnten darin tatsächlich die Viren enthalten sein, aber das sind viel zu wenige. Die können nichts Böses anstellen, dennoch vielleicht die Scheiße nicht gerade mit dem Finger wegkratzen...

Irgendwie wird man bei so einer "Aufklärung" doch etwas skeptisch, oder ? Wenn die Medien von möglichen furchtbaren Katastrophen mit Millionen Toten erzählen, kann man sich ja immer sicher sein, daß rein gar nichts passiert. Beginnen sie aber plötzlich mit "wenn" und "dennoch" ihre Aussagen zu relativieren, stimmt irgendetwas ganz und gar nicht. Also ist es vielleicht ja doch besser, etwas vorsichtiger zu sein. Nehmt Euch doch am besten diesen kleinen Reim zu Herzen, den ich spotan erdichtet habe und exklusiv hier präsentieren möchte:

Vor toten Vögeln und Vogeldreck, laufe am besten sofort weg !

13.02.2006 um 07:51 Uhr

Und da hieß es einmal, ich hätte nichts zu erzählen...

von: Solus

Musik: Mussorgsky - Das Große Tor von Kiew

Kaum zu glauben, aber wahr: Das ist der fünfzigste Eintrag. Keiner hätte gedacht, daß dieses Blog so lange halten würde und daß ich soviel zu schreiben hätte. Nagut, da ist bis jetzt schon ziemlich viel Müll dabeigewesen, aber irgendeinen Grund muß es ja geben, daß sich ein potentieller Leser dazu entscheidet, hier nicht mehr vorbeizuschauen. Soll ja auch ein elitäres Blog bleiben.

Nichtsdestotrotz darf ich nun verkünden, daß mit dem fünfzigsten Eintrag, so hat es mein Masterplan zumindest vorgesehen, das Blog eine Transformation durchwandert, eine wundervolle Metamorphose, eine Verwandlung unglaublicher Natur. So darf ich hier und jetzt verkünden, daß mein geheimnisvolles Blog ins zauberhafte Nichts ab sofort ein Multimedia-Blog ist. Ich erschaffe ja nicht nur brilliante Texte, sondern auch andere wundervolle Dinge, z.B. zeichne ich Bilder. Gut, die erstelle ich allesamt am Computer und handwerklich sind sie vielleicht etwas simpel, aber auch sie sind die Kinder meines einzigartigen Geistes. Und so möchte ich sie natürlich jenen Menschen nicht vorenthalten, die diesen virtuellen Ort aufsuchen, um sich der blendenden Schönheit meines Schaffens zu stellen.

Los geht es also mit meinem Kunstwerk namens "Hannibal", Ende 2003 erschaffen. Das Bild kann >hier< betrachtet werden.

13.02.2006 um 07:12 Uhr

Mein kleiner, warmer Freund

von: Solus

Musik: Black Heart Procession - Guess I'll forget you

Vor genau einem Monat habe ich das letzte Mal mit jemanden geredet, also jetzt von meinen Eltern und vereinzelten, seichtem ICQ-Blabla mal abgesehen, geredet mit jemandem, den man kennt und mag, in einem Raum. Nachdem letztes Jahr ein guter Freund aus der Stadt geflüchtet ist, hatte ich die leichte Befürchtung, mir könnte der verminderte, soziale Kontakt auf das Gemüt schlagen. Ist aber gar nicht so, nicht mal, nachdem sich der andere gute Freund so lange hat nicht blicken lassen. Das Fernsehen lügt also, man braucht gar nicht so dringend Freunde.

Das heißt...einen Freund habe ich ja doch noch, und der ist immer bei mir. Er heißt "Honeywell" und wenn ich an seinem Rad drehe, bläst er heiße Luft ins Zimmer. Ja, so ein Schnellheizer ist der beste Freund, den man während so eines Winters haben kann. Der bringt das Zimmer zusammen mit der Heizung innerhalb weniger Minuten von 15 auf 21 Grad. Toll, oder ? Das sind 6 Grad !

10.02.2006 um 09:43 Uhr

Ganz ruhig bleiben ! Ganz ruhig !

von: Solus

Musik: Bohren und der Club of Gore - irgendeines dieser stinklangweiligen Lieder von denen

Da hat man schon so ein schönes Blog und dann weiß man nicht, was man hineinschreiben soll. Irgendwie gibt es nichts zu erzählen. Ich meine, diverse private Belanglosigkeiten interessiert ja sowieso niemand, und das Weltgeschehen gibt in diesen Tagen auch nicht viel her, als daß ich dazu etwas sagen könnte, was nicht schon irgendjemand anderes gesagt hätte. Vielleicht aber eine generelle Feststellung: Zur Zeit regen sich alle mehr auf, als es nötig wäre.
Die Islamisten seien da natürlich zuerst genannt. Natürlich sind die Karikaturen nur ein Mittel zum Zweck gewesen, daß die nun demonstrierenden Islamisten mal ihrer ganzen angestauten Wut Luft machen können. Muß auch mal sein, ist nichts dagegen zu sagen, außer vielleicht daß die Totesopfer nicht sein müssen. Man kann das ja auch friedlich machen. Ich laß in einem anderem Blog etwas über Aggressionsabbau, indem man seine Wut auf ein Ersatzobjekt reflektiert. Das wäre doch eine Idee. Wir schicken ein paar Tausend Dummys da runter. Die werden aufgestellt, bekommen ein Smørrebrød in die Hand, und dann lassen wir die Demonstranten auf sie los. Die schlagen so lange auf die Puppen ein, bis die ganze Wut weg ist. Ist das geschehen, heißt es noch das Image unserer Nachbarn wieder aufbessern. In der Praxis heißt das: Kostenlose Olsenbande-DVDs für alle ! Mit dem Flugzeug abwerfen. Wer einmal einen Film mit den drei kultigen Ganoven gesehen hat, kann gar nicht anders als Dänemark zu lieben.
Aber zurück zum eigentlichen Thema; die Leute regen sich mehr auf, als nötig ist. Die Islamisten regen sich zuviel auf, wir Deutschen aber auch. Zum Beispiel über Münteferings Geistesblitz, die Rente auf 67 hochzuschrauben. Schon wird sich aufgeregt, daß das doch Mist ist, solange zu arbeiten, oder entsprechend nun 2 Jahre Länger Sozialhilfe beziehen zu müssen. Aber Leute, wer wird denn schon 67 ?! Wer mit 30 noch keinen tötlichen Autounfall hatte, mit 40 nicht Selbstmord begangen hat oder mit 50 an keinem Herzinfarkt gestorben ist, den holt spätestens mit 60 der Krebs. 67 zu werden ist doch utopisch, also sollen die Politiker doch ruhig am Renteneintrittsalter schrauben. 70 ? 75 ? Sagen wir 80 ! Da sparen wir Milliarden. *zwinker zwinker* Wenn es uns die Weltbank solange vom Hals hält, bis die globale Wirtschaft zusammenbricht und dann sowieso alles egal ist, kann das uns doch nur recht sein. Also Daumen hoch, Münte, das hast Du geschickt eingefädelt.
Aja, mir fällt noch ein Aufreger ein: Germanys Next Top Model. Da regen sich nun alle auf, daß auf Grund dieser Show die 16jährigen Mädels alle dazu animiert werden, auf ihre Figur zu achten. Wie schrecklich ! Mensch Leute, auf der einen Seite regt Ihr Euch auf, daß die Jugend immer fetter wird, und wenn dann mal jemand kommt und etwas dagegen tut, ist es auch wieder nicht recht ! Dabei ist das doch völlig indiskutabel. Wer mag denn schon dicke Mädchen ? Niemand ! Meine Schulzeit ist ja noch nicht so lange her, deshalb kann ich aus eigener Erfahrung sagen, daß keine, aber auch wirklich keine der dicken Mädchen auch nur mal ansatzweise einen Freund hatte. Natürlich gab es da noch mehr Gründe, aber die Figur ist auf jeden Fall sehr wichtig. Ich selbst mag auch nur dünne Mädchen, richtig schön dünn sollen sie sein, am besten mit Brüstchen, die sich nach innen wölben. Das gefällt mir; wohl auch weil mich solche Mädchen am wenigsten an meine Mutter erinnern. Jedenfalls sollte man sich nicht über Heidis Modelshow aufregen. Über Heidi Klum selbst natürlich schon, aber nicht über die Sendung. Okay ?

Also bleibt in den nächsten Wochen mal etwas ruhiger ! Tut es dem Wetter gleich und bleibt -cool-.

(ich entschuldige mich hiermit aufrichtig für diesen miesen Schluß, aber ich will jetzt ins Bett...)

06.02.2006 um 01:14 Uhr

Es ist Krieg, und alle schauen zu

von: Solus

Musik: Radiohead - You and whose army

Habt Ihr Angst vor dem Iran-Krieg ? Der soll ja bald losgehen. Zumindest laß ich neulich im Videotext von RTL auf Seite 120, daß der Iran sein ABC-Waffenarsenal aufrüstet. Das hat mich überrascht. Während sich die halbe Welt davor ängstigt, daß das Land der Arier demnächst Atomwaffen haben könnte, weiß RTL schon mehr. Der Iran hat nicht nur Atomwaffen, nein auch biologische und chemische Waffen nennt er sein eigen, deren Anzahl auch noch erhöht wurde. Natürlich ist das Quark, aber warum schreibt RTL sowas ? Vielleicht ist der Artikel ja aus reinem Wunschdenken heraus entstanden, denn bei einem Krieg könnte der Sender das Programm unterbrechen und den Kloeppel vor die Kamera schieben - das bringt ordentlich Quote. Wobei, es könnte da durchaus eine kleine Hürde geben...

Was viele nicht wissen, Peter Kloeppel wird ja von RTL in einer kryostatischen Kammer gehalten. Da liegt er drin und schläft, bis auf der Welt irgendetwas Schlimmes passiert. Eine künstliche Intelligenz überwacht nämlich ständig den Newsticker und analysiert alle Nachrichten darauf, wieviele Menschen gerade gestorben sind, wo und wer das war, und natürlich ob das Ganze auch möglichst spektakulär von statten gegangen ist. Daraus berechnet die K.I. den Kloeppelfaktor, und wenn der nicht mindestens 10 beträgt, darf der RTL-Anchorman weiterschlafen. In der Praxis sieht das so aus: Nehmen wir an, der Papst stirbt, dann muß Kloeppel raus, ganz klar. Wichtige Person, der Vatikan sieht in den Nachrichten gut aus - Kloeppelfaktor 20. Oder wenn mindestens 10 Deutsche bei etwas sterben, das in den Nachrichten interessant aussieht - eine eingestürzte Eislaufhalle zum Beispiel - Kloeppelfaktor 25. Naturkatastrophen sind ebenfalls sehr gut, außer sie treten in Ländern auf, die man nicht mag. Also als im Dezember 2003 das schlimme Erdbeben im Iran wütete, bei dem 41.000 Menschen starben, da wurde der Kloeppel natürlich nicht extra aufgetaut. Das war höchstens Kloeppelfaktor 3, mehr nicht. Der asiatische Raum ist im Grunde zwar auch recht uninteressant, aber die Asienflut 2004 mit ihren 300.000 Toten und den verwüsteten Urlaubsgebieten, die man so schön abfilmen konnte, hatte natürlich dann doch einen hohen Kloeppelfaktor. Doch wie gesagt, die Zahl der Toten ist nicht immer ausschlaggebend; Peter Kloeppel hat zum Beispiel noch nie das laufende Programm unterbrochen, um darauf hinzuweisen, daß in Afrika im letzten Jahr wieder 2.300.000 Menschen an Aids gestorben sind. Aber zurück zum Iran; da stellt sich weiterhin die Frage, was für einen Kloeppelfaktor der Irankrieg hätte. Deshalb müssen wir uns das Szenario mal genauer betrachten.

So ein Krieg ansich ist ja für die Zuschauer erstmal nur interessant, wenn das eigene Land oder zumindest die Amerikaner involviert sind. Davon kann im Falle des Iran-Kriegs natürlich ausgegangen werden, und daß auch ein paar deutsche Soldaten in die Wüste geschickt werden, ist ebenfalls fast sicher. (+5) Kloeppelfaktor 5. Betrachtet werden muß natürlich aber auch der Schauplatz und der Feind. Ersteres scheint auf den ersten Blick eine gewisse Problematik mit sich zu bringen. Die Hälfte des Irans ist Wüste, der Rest ist Weideland und ein bißchen Wald. Das will sich natürlich keiner im Fernsehen anschauen. Wenigstens gibt es drei größere Hafenstädte, die vielleicht optisch etwas hermachen. So ein Panzer und dazu im Hintergrund der Persische Golf, das kann man senden. In welcher Verfassung Teheran oder die anderen größeren Städte sind, kann ich nicht einschätzen, aber ein paar Gebäude, die man kaputtschießt und dabei filmt, werden sich schon finden. Der Trick mit dem grünen Filter läßt das dann sowieso noch etwas abenteuerlicher aussehen. (+2) Kloeppelfaktor 7. Noch problematischer sieht es aber mit dem Feind aus. Das iranische Regime hat nicht sehr viele Leichen im Keller, es mißhandelt und versklavt ja noch nicht mal seine Bevölkerung, also zumindest nach dem nahöstlichen Standard nicht, Medienzensur und grausame Verbrecherverstümmelungen gibt es natürlich schon. (+1) Kloeppelfaktor 8. Aber das reicht nicht, deshalb werden sich die Medien auf einen Buhmann einschießen müssen - die Hassfigur, der böse Gegenspieler, der Endgegner, das Arschloch vom Dienst. Mahmud Ahmadinedschad ist natürlich kein Saddam Hussein, aber er gibt sich immerhin Mühe, zumindest verbal ordentlich auszuteilen. Seine Bombendrohungen sind natürlich perfekt, um ihn nicht zu mögen, aber wenn man etwas nachforscht weiß man recht schnell, daß die iranischen Atome samt Bombe natürlich nicht bis nach Deutschland reichen werden. Aber er hat ja noch mehr gesagt, z.B. daß Israel nach Deutschland verlegt werden sollte. Das ist doch ein schöner Aufreger, da hat man doch sofort Hass auf den Typen...wobei er die Idee ja eigentlich von Michael Moore geklaut hat, der das in seinem Buch "Downsize this" ebenfalls forderte und dafür nicht den Krieg erklärt bekam.
Dazu kommt noch ein anderes mediales Problem: Ahmadinedschad hat im Falle eines Krieges gar nichts zu melden. Oberbefehlshaber über die Armee ist nämlich der Ajatollah Seyyed Ali Chamenei. In wie weit sich da der Präsident noch einmischen kann, weiß ich nicht, nur eventuell könnte dann mit Kriegsbeginn die Gegenspielerrolle plötzlich wechseln und die Fernsehzuschauer wären verwirrt. Daher nur... (+1) Kloeppelfaktor 9.

Tja, knapp an der 10 vorbeigeschrammt, die nötig wäre, um Peter Kloeppel aus seiner Kammer zu holen. Aber da kann man eben nichts machen. Da wird sich die USA wohl oder übel ein anderes Ziel suchen müssen. Laut Insiderinformationen sieht das ja die Hälfte des Pentagons genauso, die lieber China angreifen würden, bevor es eine zu starke Großmacht wird. Das wäre natürlich etwas; Kommunisten, Atombomben, schöne Landschaften - Kloeppelfaktor 20, mindestens !

04.02.2006 um 00:02 Uhr

Der Steinriese und ich

von: Solus

Musik: Edvard Grieg - In der Halle des Bergkönigs

Nach meiner Herumheulerei, wegen Angst im Keller und so, könnte möglicherweise der Eindruck entstanden sein, ich wäre ein Weichei. Das ist natürlich Quatsch, ich bin eigentlich ein ganz harter Kerl. Wollte ich nur so nebenbei mal gesagt haben. Im Grunde ist es mir ja auch völlig egal, was andere über mich denken. Lassen wir das am besten und kommen zu einem völlig anderen Thema...

Eventuell habe ich es bereits erwähnt - einmal im Monat fahre ich nach Italien, genauer gesagt zum Matterhorn. Ich bin ja leidenschaftlicher Bergsteiger, aber da es zu teuer ist, mehrmals im Jahr in den Himayala zu fliegen, begnüge ich mich eben mit kleineren Bergen, die in der Nähe sind. Von Chemnitz bis Aosta sind es natürlich trotzdem ein paar Kilometer, aber dank meines rassanten Fahrstils bin ich eigentlich doch recht schnell dort. Mein Karate-Trainer sagt zwar immer "In der Ruhe liegt die Kraft", aber das gilt sicherlich nicht für das Autofahren.
Gestern war es jedenfalls wieder soweit. Gegen neun Uhr am Morgen erreichte ich die Hauptstadt des Aostatals und wurde wie immer von den dort lebenden Kindern begrüßt, die fröhlich winkend neben dem Auto die Straße entlang rannten und "Il re di Monte Cervino è nella città" riefen, was so viel heißt wie "Der König des Matterhorns ist in der Stadt". Auch die alten Italiener, die auf dem Marktplatz standen, um mit den Verkäuferinnen flirten zu können, winkten mir fröhlich zu.  - Übrigens, ganz nebenbei gesagt, an den alten Leuten in Italien sollten sich unsere Rentner mal ein Vorbild nehmen. Da sieht man keinen in weißen Socken und Sandalen, mit einem Gartenzwerg unter dem Arm, den sie für ihren Garten gekauft haben. Nein, italienische Rentner altern in Würde. Deren Kinder müssen sich nicht für sie schämen.
Aber wieder zurück zum eigentlichen Thema. Als ich am Markt vorbei fuhr, fiel mir etwas Interessantes auf. Der Zirkus war in der Stadt, und um sich scheinbar ein paar Euro nebenbei zu verdienen, hatten sie auf dem Platz einen kleinen Boxring aufgebaut, in dem mutige, junge Männer die Chance bekamen, gegen ein Känguru zu boxen. Da dachte ich mir so, daß das doch die perfekte Aufwärmübung für mein heutiges Vorhaben war und parkte sogleich das Auto am Marktplatz. Ich signalisierte dem Tierbesitzer meine Kampfbereitschaft. Gerade mal 5 Euro kostete mich der Kampf, und würde ich gewinnen, bekäme ich sogar 100 Euro als Siegespreis. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen und betrat hoch motiviert den Boxring. Als der Gong ertönte, stürmte das Känguru, wahrscheinlich genau darauf trainiert, sofort auf mich zu und verpasste mir mit seiner Pfote einen Schlag ins Gesicht. Den zweiten Schlag konnte ich jedoch geschickt ausweichen und nutzte die Gelegenheit, um dem Beuteltier eine harte Linke zu verpassen. Daraufhin wurde es richtig wütend und brügelte energisch auf mich ein. Ich mußte einige Treffer einstecken, bis ich endlich aus der Ecke, in die es mich gedrängt hatte, fliehen konnte. Als sich mein pelziger Gegner neu aufstellen wollte, um mich wieder schlagen zu können, stellte ich mich einfach auf seine langen Füße und schlug mehrfach auf seinen Kopf ein, der dabei wie ein Punching Ball hin und her wippte. Als ich merkte, daß ich das Tier weichgeschlagen hatte, stieg ich wieder von seinen Füßen herunter, holte weit aus und verpasste ihm mit aller Kraft einen weiteren Schlag. Das Känguru flog nach hinten und fiel dann regungslos zu Boden. Ich hatte es tatsächlich k.o. geschlagen. Das Publikum jubelte und zählte. "Uno, Due, Tre..."  Noch einmal versuchte sich das Känguru aufzurichten, blieb aber dann doch erschöpft liegen. "...Nove, Dieci !" Die Menge schrie und klatschte. Ich verbeugte mich, winkte meinen Fans zu und ging danach fröhlich zum Besitzer des Tieres, um mir meine 100 Euro auszahlen zu lassen. Der war darüber natürlich gar nicht glücklich und drückte mir mit einer bitterbösen Miene das Geld in die Hand. Noch einmal winkte ich den Leuten zu, stieg dann ins Auto und setzte meine Reise fort.

Wenig später kam ich an meinem Ziel an; ein kleiner Bauernhof am Fuße des Matterhorns. Ich hatte dort vor drei Jahren einmal einen Wolf erlegt, im Grunde war er mir eigentlich eher zufällig ins Messer gelaufen, aber der Besitzer des Bauernhofes war darüber sehr froh gewesen, weil ihm der Wolf einige Schafe gerissen hatte. So durfte ich seitdem auf seinem Anwesen mein Auto abstellen, wo es vor garstigen Autodieben sicher ist.
Nun begann der Aufstieg. Natürlich besteige ich das Matterhorn immer über den Furggengrat (Schwierigkeitsstufe SS). Ich möchte dennoch allen Hobbybergsteigern dazu raten, den Berg lieber über den Hörnligrat zu besteigen, da inzwischen doch schon rund 400 Bergsteiger den Tod fanden, weil sie den Berg unterschätzt haben. Auch ich bin mir der Gefahr bewußt, wenn ich die ersten Seilhalterungen ins Massiv schlage, aber die Sucht nach dem Nervenkitzel ist einfach zu groß, als daß ich mich mit einer einfachen Route begnügen könnte.
Die nächsten Stunden waren im Grunde recht monoton. Ständig nach Halt suchend, kletterte ich langsam die steilen Felswände hinauf, immer höher und höher. Ab und zu hielt ich für einen kurzen Moment inne, blickte in das weit entfernte Tal hinunter oder atmete tief die frische Bergluft ein. Lang waren meine Pausen aber nicht, denn mein Rucksack war ziemlich schwer und es trieb mich natürlich auch immer weiter nach oben. Ich wußte, mit jeder neuen Stufe, die ich in den Fels schlug, kam ich dem Gipfel ein kleines Stückchen näher.
Nach 6 bis 7 Stunden erreichte ich schließlich das höchste Plateau, von dort aus war es nicht mehr weit bis zur Spitze des 4478 Meter hohen Berges. Ich verzichtete jedoch diesmal darauf, sie zu erklimmen und nahm mir stattdessen Zeit für etwas, was ich dort oben sehr gern tue. Ich zog mich splitternackt aus, nahm Anlauf und sprang kopfüber in den kleinen Gebirgsteich, der auf diesem Plateau seit Jahrtausenden tapfer jeder Kälte trotzt. Das heißt, diesmal ließ der Trotz doch sehr zu wünschen übrig, denn die Decke des Sees war schlichtweg zugefroren, sodaß ich mir eine schöne Platzwunde am Kopf zuzog. Aber einen echten Mann kann das natürlich nicht erschüttern. Ich griff zu meinem Eispickel und hackte den kleinen Teich so gut es ging auf, sodaß ich doch nicht auf meinen Badespaß verzichten mußte. Das Wasser war natürlich eisig kalt, aber wenn man ständig in Bewegung bleibt, stört das nicht weiter. Nach einer Stunde war aber dann doch erst einmal Schluß mit meiner Schwimmsession. Mein Magen knurrte inzwischen, sodaß ich mich anzog und damit begann, mir etwas Essbares zu suchen. Nachdem ich vor ein paar Monaten einmal meinen Proviant vergessen hatte und daraufhin eine Bergziege erlegen mußte, ist die Nahrungssuche neben dem Gebirgsteichbaden zu einer festen Tradition von mir geworden. Diesmal mußte ich mich aber mit zwei Murmeltieren begnügen, die ich in einer Felsspalte aufspürte. Eines aß ich roh, für das andere suchte ich mir ein paar Äste zusammen und machte mir ein kleines Lagerfeuer.
Als die Sonne am Abend langsam unterging, wurde es Zeit für meinen Abstieg, bzw. Abflug, denn was ich da in meinem schweren Rucksack mit auf den Berg geschleppt hatte, war mein brandneuer Flächenfallschirm. Ich schaute mich noch einmal um, ob sich all meine Werkzeuge wieder im Rucksack befanden, dann packte ich das Fallschirmpaket aus, schnallte es mir um und griff nach der Leine. Da ich das noch nie gemacht hatte, laß ich noch einmal schnell die Bedienungsanleitung durch. Anlauf - Springen - Leine ziehen - Fallschirm nach links oder rechts steuern, eigentlich ganz einfach. Also nahm ich weit Anlauf, atmete noch einmal tief durch und rannte dann schreiend auf den Abgrund zu. Ich sprang, zog an der Leine und wurde sofort nach oben gerissen. Dabei hatte ich mich scheinbar gedreht, denn plötzlich sah ich mit Schrecken, daß ich genau auf die Felswand zu segelte. So stark, wie ich nur konnte, zog ich an der linken Steuerleine und drehte geradeso noch ab. Nun konnte ich den Flug endlich genießen. Während die Sonne als mattglühender Feuerball langsam in den Horizont eintauchte, flog ich sanft ins Tal hinab. Der Wind bließ mir schwach ins Gesicht.  Ich war überrascht, wie präzise sich der Gleitfallschirm steuern ließ. So schaffte ich es doch tatsächlich genau in der Mitte des Bauernhofs zu landen, wo ich mein Auto abgestellt hatte. Nach meiner sicheren Landung wickelte ich den Fallschirm zusammen und verstaute ihn mitsamt meinen anderen Sachen im Kofferraum. Gerade, als ich zur Autotür gehen wollte, schlug vor meinen Füßen plötzlich ein Messer in den Boden ein. Ich blickte erschrocken nach oben und sah einen Mann, der mit zwei weiteren Messern jonglierte. "Gibe mier die einhundret Euro wiedeeer !" sprach der Fremde in gebrochenem Deutsch. Es mußte einer der Zirkusleute sein, wahrscheinlich ein Messerwerfer, der mir das Geld abnehmen wollte, was ich am Morgen gewonnen hatte. "Ich habe das Känguru ohne Tricks besiegt !" sagte ich trotzig. - "Gibe mir das Geeeld, sonste Du Messeeer ihm Bauch !" Der Mann sah so aus, als würde er seine Drohung tatsächlich ernst meinen. Aber so schnell gab ich nicht auf. "Also gut, Du bekommst das Geld wieder." sagte ich und griff in meine Jackentasche, um die Brieftasche herauszuholen. Diese ließ ich jedoch absichtlich fallen, und als ich mich bückte, um sie aufzuheben, griff ich stattdessen nach dem Messer, das noch immer im Boden steckte, und warf es in Richtung des Räubers. Es landete mit der Spitze genau in seinem linken Bein. Während er schreiend und fluchend zu Boden ging, nutzte ich die Gelegenheit und flüchtete ins Auto, startete den Motor und fuhr rückwärts an dem Messerwerfer vorbei. Als ich wendete, um das Grundstück endlich verlassen zu können, hörte ich den Verletzten rufen. "ICHE KRIEGE DISCH NOOOOCH!" schrie er mir hinterher, dann war ich aber schon auf der Landstraße und fuhr eilig in Richtung Aosta, um von dort ohne Verzögung nach hause zu fahren.

Bis auf das Ende war das jedenfalls ein sehr schöner Tag gestern gewesen. Solltet Ihr auch mal versuchen. Ist aber nichts für Weicheier...

01.02.2006 um 05:02 Uhr

Haben Sie Neuigkeiten für uns ?

von: Solus

Musik: Erdmöbel - Leben ist trivial

Als Inhaber eines kostenlosen GMX-Accounts hat man es schon nicht leicht. Fast täglich spammt einem diese Firma den Postkasten mit ihrem völlig uninteressanten Werbungen und Newslettern voll, und als ob das noch nicht reichen würde, machen sich die Verantwortlichen zweimal im Jahr den Spaß, mich daran zu erinnern, wie öde mein Leben doch ist. Da klickt man nichts ahnend auf das kleine Briefchen mit den blauen Pfeilen, freut sich, weil angezeigt wird, daß tatsächlich jemand eine Mail verfasst hat, und dann ist sie nur von GMX selbst, mit diesem so gehassten Betreff. "Haben Sie Neuigkeiten für uns?". Hmm...lasst mich überlegen..."Nein !". Es ist die gleiche Antwort wie vor einem halben Jahr, und vor einem ganzen Jahr, und vor ein einhalb Jahr und vor zwei Jahren... Mein Leben ist langweilig, das weiß ich selbst. Da brauche ich nicht noch EMails von GMX, die mir das zweimal im Jahr wieder vor Augen führen ! Und dann noch dieser Text, wenn man die Mail öffnet; ich zitiere: "Haben sich Ihre Interessen verändert? Vielleicht waren Sie vor kurzem noch auf der Suche nach Kontaktanzeigen, interessieren sich heute aber viel mehr für Babynahrung. Oder Sie waren vor ein paar Monaten auf Jobsuche, brauchen jetzt aber dringend Infos rund um Geldanlage und Altersvorsorge. Oder wie sieht es mit Ihrer Adresse aus - ist sie noch aktuell oder sind Sie inzwischen umgezogen?" Ja, das alles. Ich habe mich vor genau einem halben Jahr dazu entschieden, meine beiden Hobbys, nämlich "mit Hilfe moderner Medien die Zeit totschlagen" und "an mir herumspielen", spontan abzulegen und gebe mich jetzt stattdessen dem Segelsport hin. Dazu mußte ich natürlich umziehen, nach Hamburg, wo ich bei meiner neuen Arbeitsstelle im Teilchenbeschleuniger eine hübsche Professorin kennengelernt und geschwängert habe. Bei der ganzen Hektik hätte ich doch fast vergessen, GMX darüber in Kenntnis zu setzen. In den nächsten sechs Monaten werde ich dann übrigens Berufsbergsteiger in Österreich, und danach geht es dann als briefmarkensammelnder Geheimagent ab in den Irak... Na sagt mal Ihr Herren GMX, wie stellt Ihr Euch eigentlich das typische Leben Eurer Kunden vor ?! Ihr müßt doch einen an der Waffel haben ! UND EURE SCHEIß MAIL KANN MAN NOCH NICHT MAL IGNORIEREN, WEIL IHR SIE JEDEN TAG AUF'S NEUE SCHICKT, BIS MAN ENDLICH AUF EURE SEITE GEHT UND BESTÄTIGT, DAß REIN GAR NICHTS PASSIERT IST ! JA LÄUFT DENN NOCH ALLES RUND BEI EUCH ???