Das geheimnisvolle Blog ins zauberhafte Nichts

28.07.2007 um 18:32 Uhr

Die Waldmeisterlimonadenaffaire

von: Solus

Musik: Angelo Badalamenti - Freshly squeezed

Ich durfte neulich einer oberflächlich gesehen recht amüsanten Szene beiwohnen. Ein Freund von mir hatte mich gebeten, ihm bei einer Windows-Installation samt Einrichtung beizustehen, und wie wir dann später am Tisch saßen, Bratnudeln aßen und Waldmeisterlimonade tranken, kam plötzlich seine Mutter herein, blickte auf den Tisch und fragte empört: "Habt Ihr etwa die Waldmeisterlimonade vom Vater getrunken ?!".
Es folgte ein Dialog, der ganz leicht an einen Loriot-Sketch erinnerte. Ich kann nun leider nicht mehr alles wortgetreu wiedergeben, was für die Erschließung der Komik nötig wäre, aber es folgte auf jeden Fall zuerst noch einmal eine erneute Empörung, daß der Sohn es tatsächlich gewagt hatte, sich an der Waldmeisterlimonadenflasche des Vaters zu vergreifen, sie hinter dem Rücken seines Erzeugers garstigerweise zu schänden, indem er sich ihres Inhaltes bemächtigt hatte, und er kann sich ja vorstellen, wie sein werter Herr reagieren wird, wenn er davon erfährt. Der leicht irritierte Sohn versuchte die alberne Szene zu beenden, in dem er sagte, daß da wahrscheinlich noch eine zweite Flasche irgendwo wäre. Ob er sich sicher sei, war daraufhin die Frage, gefolgt von der erneuten Feststellung, daß wir uns tatsächlich an Vaters Waldmeisterlimonade vergangen hatten. Dem Sohn fiel aber nun endlich das rettende Argument ein - die Flasche war ja schon halb leer gewesen, als er sie aus dem Kühlschrank genommen hatte. Der Vater mußte also selbst auch schon vom Saft der Galium Odoratum getrunken haben. Die Mutter inspizierte schnell die inzwischen leere Flasche des ambrosiahaften Kohlensäuregetränks, wohl um irgendwie die Wahrheit dieser Aussage festzustellen, und verließ dann wieder etwas beruhigter das Zimmer. Als ich daraufhin den ertappten Brausedieb fragte "Dein Vater ist wohl sehr Waldmeister-affin ?", lachte er und antwortete "Nein, überhaupt nicht. Das ist gerade alles totaler Quatsch gewesen ! Das ist dem doch völlig egal."

Da wundert man sich natürlich, was die Mutter mit diesem Auftritt bezwecken wollte, denn selbst wenn sich mein durstiger Freund denn tatsächlich an einer heiliggesprochenen Limonadenflasche des Vaters vergriffen hätte, diskutiert man doch vor dem Besuch nicht über so etwas großartig herum. Er meinte dann später, als wir noch einmal bei diesem Thema waren, daß seine Mutter wohl damit Aufmerksamkeit erhaschen und so mit mir kommunizieren wollte, aber das halte ich für eine falsche Einschätzung, denn wir hatten ja vorher kurz schon miteinander geredet, bevor sie von ihrem Sohn aus dem Zimmer geworfen wurde. Und das wird dann wohl eher der springende Punkt gewesen sein - mein guter Freund hatte nämlich seine Mutter in meinem Beisein nicht sehr nett behandelt. Als sie bei unserer Ankunft fragte, was sein neuer Computer gekostet hätte, antwortete er kurz und knapp "Geld !". Natürlich hatte die Mutter in diesem Moment die Frage nicht zufällig gestellt, denn sicherlich war die Frage schon vorher einmal gefallen, zusammen mit einer ähnlichen Antwort, und in meinem Besein, so hatte die Mutter wahrscheinlich gehofft, würde ihr Sohn den Anstand bewahren und so das Geheimnis lüften müssen. Hat er letztendlich auch, aber eben ohne Anstand. Und als die Mutter später ins Zimmer hereinkam, mit mir kurz geredet hatte und dann noch stehen blieb, wedelte ihr Sohn mit der Hand und meinte schroff "Brauchst Dich jetzt hier nicht weiter hinzustellen. Gibt noch nichts zu sehen !". Da ist es natürlich verständlich, daß die Mutter den Drang verspürte, mir zu zeigen, daß sich ihr Sohn doch nicht alles erlauben könnte, und so wurde daraus wiederum die Waldmeisterlimonadenaffaire geboren. Dabei tat sie das, was sie schon früher einmal in meinem Beisein getan hat - mit dem Vater drohen, der wohl früher die eigentlich einzige Respektsperson im Haus war und deshalb in Streitgesprächen immer von der Mutter in Form einer Drohung vorgeschickt wird. Ich weiß noch, wie mein guter Freund vor Jahren einmal sein Zimmer etwas umgeräumt hatte, und im Zuge dessen einer seiner Schränke blockiert war. Natürlich kann es der Mutter egal sein, wie ihr Sohn sein Zimmer einräumt und ob er noch Zugang zu allen Möbelstücken besitzt, aber als sie das neue Raumdesign sah, drohte sie auch gleich wieder,  daß wenn sein Vater das heute Abend sehen würde, er darüber sehr verärgert wäre. Dabei wirkt der Vater alles andere als cholerisch. Zumindest weiß er, daß man seinen Sohn lieber in Ruhe läßt, wenn Besuch da ist, denn sonst kann das auch mal ganz schnell zu einer eher unvorteilhaften Szene führen.
In der Beziehung kann ich mich wirklich glücklich schätzen, und das ist die Erkenntnis an diesem Tage gewesen, daß bei mir beide Elternteile das wissen und auch darauf achten, die Interaktion mit meinem Besuch auf einem möglichst niedrigen Niveau zu halten. Das sind so Dinge, die man erst zu schätzen weiß, wenn man einmal in den Abgrund geschaut hat.

07.07.2007 um 18:33 Uhr

Geht gar nicht !

von: Solus

Musik: Blumfeld - Tics

Was überhaupt nicht geht, ist von einer Schnitte oder einem Brötchen abbeißen und das erst einmal irgendwo hinlegen, um später davon wieder abzubeißen. Ich fand es schrecklich, wenn das früher Mitschüler mit ihrem Pausenbrot gemacht haben - schnell mal abbeißen und dann wieder in die Brotdose, für die nächste Pause. In dem Moment, in dem man das angebissene Nahrungsmittel ablegt, wird es meiner Meinung nach zu Abfall. Kann man nicht mehr essen, so mit dem Abdruck von Zähnen darauf und den Bakterien aus dem Mund, die sich dann auf der Oberfläche des Nahrungsmittels befinden. Das passiert natürlich auch schon, wenn man die Nahrung in der Hand behält, sodaß wahrscheinlich nur die Perspektive, daß man die Biss-Spuren von Nahem nicht so deutlich erkennt, es mir ermöglicht, überhaupt etwas ohne Besteck essen zu können. Ich schaue mir das meistens lieber auch gar nicht so genau an.
Was übrigens auch überhaupt nicht geht, ist aus anderer Menschen Gläsern trinken oder deren Besteck benutzen. Ich habe glaube ich schon mit sechs, sieben Jahren angefangen, nicht mehr von Mamas oder Papas Glas zu nippen, oder etwas von deren Gabel in den Mund zu stecken. Es ist einfach widerlich, mit seiner Lippe ein Glas zu berühren und plötzlich daran Fremdspeichel zu schmecken, oder gar zu riechen. Und beim Besteck; ich finde es ja schon schlimm genug, wenn das Messer oder die Gabel nach altem Spülwasser riecht - Wasser, in dem sich alte Essensreste befanden. Entsprechend ist das natürlich der hygienische Supergau, wenn ich weiß, daß das Besteck schon im Mund eines anderen Menschen steckte.
Was eigentlich auch überhaupt nicht geht, ist eine Badewanne, die man mit anderen Menschen teilen muß. Selbst wenn diese anderen Menschen sehr reinlich sind, hatten sie ja doch Körperkontakt mit dem Kunststoffbottich, ja hinterließen wahrscheinlich irgendwo ein paar ihrer Körperhaare, vielleicht sogar ihrer Schamhaare. Mit so etwas will man doch nicht in Berührung kommen ! Aber da ich nun mal leider bei meinen Erzeugern wohne, bleibt mir dummerweise nichts anderes übrig, als die Badewanne mit einen Eltern zu teilen. Natürlich spüle ich sie aber vor jeder Nutzung ordentlich aus. Erst mit einem starken, kalten Strahl, um tote Makropartikel zu entfernen, dann mit kochend-heißem Wasser, um möglichen Keimen den frühzeitigen Exodus zu bereiten.
Was weiterhin überhaupt nicht geht...

02.07.2007 um 11:40 Uhr

Innovation am Arsch der Welt

von: Solus

Musik: Damien Rice - Cold Wasser

Neuer Monat, neuer Blogeintrag. Und es gibt sogar eine ganz tolle Neuigkeit: Chemnitz ist um eine Sehenswürdigkeit reicher ! Neben dem majestätischen Hochhaus "Hotel Mercure", dem gigantischen Karl-Marx-Kopf und dem beeindruckenden Versteinerten Wald dürfen sich die zahlreichen Besucher unserer gemütlichen Stadt ab sofort am Anblick eines hochmodernen Bauwerkes ergötzen; dem ersten oberirdischen Kurzzeit-Großkältespeicher Europas !
Und was besonders toll ist, dieses Ding befindet sich nur wenige Meter von meinem Haus entfernt. Kann ich mir den ganzen Tag anschauen, dieses weiße Türmchen, und in der Nacht ebenfalls, denn man hat es sich nicht nehmen lassen, den Speicher zu beleuchten und Eigenwerbung darauf zu projizieren.


Russland meldete schon Interesse an, den Slogan abzukaufen, um ihre Kriegsfähigkeit zu bewerben. Die Stadtwerke wären von einem Verkauf auch gar nicht abgeneigt, wo sie doch schon ihren letzten Spruch "Wir machen alle kalt !" 2003 für viel Geld an die Amerikaner verkauft haben.

Was dieses Ding eigentlich bringt ? Nun, ganz einfach - es kühlt in der Nacht 3.5 Mio Liter Wasser mit Hilfe überschüssiger Wärme des nahegelegenen Heizkraftwerkes, um dieses Wasser dann tagsüber, wenn die Kälte für das städtische Museum oder diverse Fleischtheken im Supermarkt benötigt wird, zur Verfügung zu stellen. Wie man mit Wärme kühlen kann, weiß ich dabei jetzt auch nicht so genau - wahrscheinlich mit Hilfe einer Vorzeichenänderung. Der Hauptnutzung dieser Installation liegt im übrigen aber wohl doch eher in der Analyse des Verfahrens, um in naher Zukunft viel größere, effizientere, oberirdische Kurzzeit-Großkältespeicher zu bauen. Der Supercomputer, der diese Daten auswertet, wird übrigens komplett mit dem gespeicherten Wasser gekühlt, was zu der hochphilosophischen Frage führt, was denn zuerst da war: Das Wasser, welches den Computer kühlt, oder der Computer, der das Wasser beim Kühlen beobachtet. Wahrscheinlich Ersteres.

Ich überlege jetzt natürlich schon, ob ich nicht den neu entstandenen Standortvorteil meines Zimmers auf wirtschaftliche Weise nutzen könnte. Es wäre ja zum Beispiel möglich, Eintritt zu verlangen, damit die Touristen von meinem Zimmer aus den oberirdischen Kurzzeit-Großkältespeicher anschauen können. Natürlich gäbe es dann auch Münzfernrohre an meinem Fenster, sowie stündliche Vorträge von mir, in denen ich die Funktionsweise des Speichers erläutere. Meine Mutter könnte auch in das Geschäft einsteigen und in der Küche eine kleine Kantine aufmachen, um überteuerte, warme Würstchen zu verkaufen, und mein Vater dürfte aus leeren Joghurtbechern kleine Miniatur-Großkältespeicher basteln, die er dann im Wohnzimmer als Andenken verkauft. Das eingenommene Geld würde ich natürlich sparen, bis ich genug zusammenhabe, um von meinem Zimmer aus eine gläserne Brücke zu errichten, die bis über den Speicher reicht. Echte Kältespeicherfans zahlen sicherlich Höchstsummen, um mal direkt über einem echten Großkältespeicher stehen zu können.
Aber ich warte natürlich erst einmal ab, ob sich der oberirdische Kurzzeit-Großkältespeicher überhaupt bewährt. Nicht, daß sie das Ding in einem Jahr wieder abbauen und ich dann auf meinen ganzen Joghurtbechern sitzenbleibe. Wäre jedenfalls nicht das erste Gebäude in Chemnitz, bei dem man sich verplant hätte.


Seit über einer Woche steht dieses Bierzelt schon vor dem Großkältespeicher. Es wird gefeiert, als hätte man das achte Weltwunder erschaffen. Seltsamerweise wurde in den letzten Tagen kein neuer Gerstensaft angeliefert - da fragt man sich schon, ob im Speicher wirklich nur Wasser gelagert wird.