Das geheimnisvolle Blog ins zauberhafte Nichts

23.10.2007 um 09:34 Uhr

Review: Radiohead - In Rainbows

von: Solus

Musik: Radiohead - I might be wrong

Eigentlich kaum verwunderlich, gleichzeitig aber auch etwas erschreckend, daß schon am Erscheinungstag des neuen Radiohead-Albums "In Rainbows" sofort im Netz die ersten Reviews zu finden waren. Spätestens zwei Tage später hatten sich alle großen und kleinen Musikmagazine ihre Meinung gebildet und sie auch online kundgetan. Man will natürlich aktuell sein, das ist nicht überraschend, nur wenn man einmal bedenkt, daß es von dem Album keine vorher erschienene Presse-Version gab, zeigt das im Grunde überdeutlich, wieviel Zeit sich so ein Musikredakteur heutzutage für ein Album-Review nimmt, nämlich zu wenig. Das wiederum ist ebenfalls gar nicht so überraschend, aber irgendwie hat man sich ja doch jedes Mal beim Lesen eines CD-Reviews insgeheim vorgestellt, daß der Redakteur sich über Tage hinweg mit dem Werk beschäftigt hat, oder ?
Nun, ich habe mir immerhin 12 Tage Zeit für "in Rainbows" genommen, was zwar sicherlich auch nicht ausreichend ist, denn Radiohead-Alben benötigen ja noch einmal besonders viel Zeit, bis man sie einschätzen kann, aber ich will es trotzdem einmal versuchen. Und auch wenn "In Rainbows" nicht so heterogen ausgefallen ist, wie das Vorgängeralbum, werde ich zwecks Übersichtlichkeit meine Einschätzung auf eine Einzelkritik der zehn neuen Lieder aufbauen. Beginnen wir also ohne weitere Verzögerung mit...

15 Step
Radiohead haben ja letztes Jahr bis auf "Faust Arp" sämtliche neuen Lieder des Albums während ihrer Tour mehrfach live gespielt, sodaß ich also schon ungefähr wußte, was mich erwartet. Als ich "15 Step" damals zum ersten Mal als Liveversion hörte, keimten in mir eher zwiespältige Gefühle auf. Einerseits wirkte der Song frisch und anders, und könnte dem musikalischen Spektrum der Band einen weiteren Farbton verleihen, auf der anderen Seite funktionierte er aber einfach nicht. Dem Anfang fehlte es an Substanz und generell klang das alles etwa zu eintönig. Das hatten auch Radiohead gemerkt, denn 15 Step veränderte sich während der Tour. Nicht viel, aber man merkte zumindest, daß sie daran arbeiten. So war ich mit dem Klick auf die Playtaste des Winamps vorallem erst einmal gespannt, ob die Studioversion endlich funktionieren würde. Und tatsächlich, sie tut es. Das Geflecht aus Schlagzeug und hektischen, übersteuerten Beats trägt den Song, diverse atmosphärische Klänge sorgen für die nötige Abwechslung. Außerdem hat man von der gruseligen Idee, Kindergeräuche in das Lied einzubauen, nahezu vollständig abgesehen. In einem Artikel auf der Homepage einer britischen Musikschule war nämlich vor ein paar Monaten zu lesen, daß Radiohead zu Gast waren und zusammen mit kleinen Kindern Aufnahmen gemacht haben. Dazu gab es auch Fotos, die vorallem klatschende Kinder zeigten, womit auch klar war, welches Lied die Plagen verschandeln würden. Im Endprodukt ist davon aber nur noch zweimal kurz ein von den Kindern gerufenes "Yeah!" zu hören. Für die Eltern der kleinen Bestien, die extra das Album kaufen, weil IHR KIND darauf zu hören ist, sicherlich enttäuschend, für den Rest der Menschheit eine Wohltat.

Bodysnatchers
Radiohead rockt. Das tun sie ja im Gegensatz zu früher kaum noch, sodaß wenn sich doch ein Rocksong auf ein Album verirrt, erst einmal der Generalverdacht besteht, er würde hauptsächlich existieren, um die Fans der ersten Stunde glücklich zu machen. Das kann auch tatsächlich der Fall sein (Go to sleep), aber meistens steckt dann doch noch mehr dahinter (2+2=5). Und glückerweise kann man auch das energetische Bodysnatchers dazuzählen. Vom Sound her nichts Neues, und Thoms Stimme wurde schlecht abgemischt, aber ansonsten durchaus gelungen.

Nude
Endlich ist es als Studioversion auf einem Album angekommen ! Nude, auch als "Big Ideas" bekannt, wird von Radiohead seit knapp 10 Jahren hin und wieder live gespielt und hat entsprechend den Status einer Legende. Als mir Radiohead vor zwei oder drei Jahren einmal in einem Traum begegneten, sagte ich ihnen, daß sie dieses Lied doch endlich einmal veröffentlichen sollen, und tatsächlich haben sie auf mich gehört.

Natürlich kann nun die finale Version den Erwartungen aber nicht ganz standhalten. Die Albumversion ist soweit in Ordnung, wenn man mal von der nicht ganz so clever gelösten Überblendung vom Zuckerwatte-Intro zur kühlen Bassline absieht. Es ist eben nur...wenn man die gottgleiche Liveversion kennt und liebt, die Radiohead am 2.4.98 in San Francisco aufgeführt haben , fällt die Studioversion dagegen ziemlich ab. Es fehlt die Hammond-Orgel, die dem Stück einen etwas rauen, aber auch hymnenhaften Charakter verlieh. Es fehlt auch die zusätzliche Textstelle; "She kisses you with tongues and pulls you to the bed...". In dem Moment packt einem das Lied doch erst ans Gemächt. Doch das wurde nun alles weggelassen, stattdessen heult Thom Yorke die Melodie und wird dabei von schmalzigen Geigen unterstützt. Man könnte sogar fast sagen, "Nude" wurde entmannt, glattpoliert und in verdorbenen Honig versenkt ! Und wenn ich mir das recht überlege, muß ich darum eigentlich sogar meine eben getroffene Aussage zurückziehen. Die Albumversion ist nicht in Ordnung ! Das Lied war vor zehn Jahren schon perfekt und jetzt hat man einfach alles kaputt gemacht.
Wehe, auf dem nächsten Album ist eine Studioversion von "True Love Waits" !

Weird Fishes - Arpeggi

Der nächste Schock. Was haben Radiohead denn aus diesem Lied gemacht ?
Bei seiner Uraufführung 2005 hieß es noch ausschließlich "Arpeggi" und bestand nur aus Steichern, Glockenspiel und den namensgebenden Arpeggien eines Synthesizers mit Arpeggiator-Feature. Für die Unwissenden; "Arpeggiator" ist eine Funktion bei Hard- und Software-Synthesizern. Man gibt einfach ein paar wenige Parameter an, wie die Note, die Tonart oder auch den Bereich, also z.B. den G-Dur-Dreiklang, und schon spielt der Arpeggiator jene Töne, immer wieder und wieder, rauf, runter, oder beides - wie man es möchte. Und wenn man dazu dann noch hin und wieder den Akkord wechselt, ergeben sich so schon fast ganze Lieder.
Nun produzieren ja mit dieser Arpeggiator-Funktion auch DJ Dolphin, Heinz Trance und wie die ganzen Gestalten aus den Technosampler-Werbungen alle heißen ihre Alben, und hätten Radiohead auf die gleiche Weise einen Song gemacht, wären die Album-Reviews gespickt mit entsprechenden Kritiken und Vergleichen. Keine große Komponierkunst, das kann doch jeder, etc. etc...also muß irgendwann einer der Jungs die Idee gehabt haben, das Problem zu umgehen, indem sie einfach die Arpeggien ganz klassisch mit einem richtigen Instrument spielen. Und das ist nun genau das, was man auf dem Album wiederfindet - ein Klangteppich bestehend aus Gitarrengeklimper, der von einem recht trocken abgemischten Schlagzeug in ein vollständiges Lied verwandelt wird, das, wenn man sich nach mehrmaligen Hören mit all dem erst einmal angefreundet hat, dann doch durchaus zu Gefallen weiß. Das Lied ist also sozusagen ein "Grower", wie wir coolen Radiohead-Fans sagen, aber ein kleines Fragezeichen bleibt letztendlich doch, ob Weird Fishes nicht noch viel mächtiger sein würde, wenn die Instrumentierung weniger weltlich, sprich elektronischer ausgefallen wäre.

All I Need
Ein polarisierendes Stück Liedgut. Die einen verfluchen es, oder beschimpfen es gar mit "das klingt wie U2", andere finden "All I Need" richtig toll. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich genau dazwischen. Das Lied ist schon in Ordnung, ja, aber es klingt eben alles auch irgendwie angestaubt. Wäre "All I Need" vor ein paar Jahren erschienen, Radiohead hätten einen Klassiker mehr, den sie auf ihren Konzerten spielen könnten. So aber ist man als Fan inzwischen vielleicht nicht Bessere, aber andere Musik gewöhnt. Es ist eben auch immer alles eine Frage des richtigen Zeitpunkts. "Exit Music" würde wahrscheinlich auf die selben geteilten Reaktionen treffen, käme es jetzt erst auf die Welt.

Faust Arp
Wurde als einziger Song auf dem Album noch nie live gespielt und stellt somit das Überraschungsei auf dem Album dar. Und überrascht ist man tatsächlich, denn wir haben es mit einem nur 2 Minuten langem, einfach gehaltenem Stück zu tun. Gitarre, Steicher, Thom Yorke. Mehr will es nicht sein, mehr braucht es auch nicht. Nett.

Reckoner
Seit 2001 geistert ein Lied namens "Reckoner" auf den Konzerten herum. Das wurde nun scheinbar entgültig begraben, denn das "Rechoner" auf dem Album klingt anders und hat einen komplett anderen Text. Aus einem lauten Rocksong wurde ein lauter Popsong. Thoms Gesang klingt wunderbar traurig, das gesamte Lied ist in einem Hauch von "I will" gehüllt. Trotzdem stellt es für mich nicht die ganz große Offenbarung dar. Irgendetwas fehlt. Das gewisse Etwas wahrscheinlich.

House Of Cards
Optimisten werden sagen, daß der Song ziemlich entspannt ist, Pessimisten hingegen finden ihn schlichtweg schnarchig. Im Grunde wäre alles auch nur halb so schlimm, wenn das Lied nur nicht so lang sein würde. Aber weil Radiohead eine sadistische Seite besitzen, die sie auf jedem Album an irgendeiner Stelle ausleben müssen, stellt "House of Cards" nun sogar den längsten Track auf dem Album dar. Na Vielen Dank.

Jigsaw Falling Into Place
Hieß ursprünglich "Open Pick" und kann sich ebenfalls zu den Gewinnern zählen, die mit dem Sprung auf das Album nun besser klingen, als vor einem Jahr. Mir persönlich fehlt zu dem Lied aber dennoch der nötige Zugang. Es ist...nett, um schon wieder ganz bewußt dieses Adjektiv zu benutzen. Es ist aber auch nichts, was eine andere Band nicht auch hinbekommen hätte. Radiohead haben ihre persönliche Note zu wenig herausgearbeitet. Darüber muß man sich auch nicht unbedingt beschweren, aber man kann.

Videotape
Zum Schluß des Albums noch ein letzter, kleiner Schock, der in die gleiche Richtung geht wie die erste Reaktion auf "Weird Fishes". Von "Videotape" hatte man eigentlich auch erwartet, daß es ganz großes Kino werden würde, doch stattdessen liefern Radiohead nun gerade Mal ein Homevideo ab. Das Klavier klingt unspektakulär, Thoms Stimme ist erneut sehr trocken abgemischt. Dazu setzen bald noch merkwürdige Drum-Spielereien ein und lassen, wenn man das Lied vorher schon kannte, unweigerlich die Frage aufkommen, was Radiohead denn mit dem wunderschönen "Videotape" veranstaltet hat. Aber auch hier gilt wie bei "Weird Fishes", daß man seine Erwartungen beiseite schieben und den Song mehrmals anhören muß, bis man ihn mag, denn so unüberlegt ist diese Version nämlich gar nicht. Radiohead haben ganz bewußt den Song wieder auf den Boden zurückgeholt, um die Wirkung einer auf Magnetband gebannten Realität nicht mit der Live-Realität gleichzusetzen. Würde man ein Lied über eine Hochzeit singen, dann müßte das ja auch größer klingen, als wenn man ein Lied über ein Videoband singt, auf dem die Hochzeit aufgenommen wurde. Und die Drums stellen natürlich das rhythmische Stolpern der Kassette im Videorekorder dar. Da hatten Radiohead doch noch ein paar kluge Gedanken und lassen so "In Rainbows" zwar nicht mit einem Knall, aber in Würde enden.

Dem aufmerksamen Leser werden nun nach dem Studium meiner Einzelkritiken vielleicht zwei Dinge aufgefallen sein.
Erst einmal hatte ich zu den Liedern zwischen "Weird Fishes" und "Videotape" nicht sonderlich viel zu sagen. Das Wort "nett" fiel ein paar Mal, oder ich nörgelte etwas herum - aber das war es dann. Und das liegt daran, daß die Stücke auch gar nicht so viel hergeben. Mich erinnert das Album sehr an die "Amnesiac", das ebenfalls keine musikalischen Monolithen aufwies, die einmal aufgerichtet über allem stehen und die man schon aus der Ferne sieht. Und wöllte man jemanden ein Lied von Radiohead vorspielen, um Interesse bei ihm für diese Band zu wecken, man würde weder zu besagter "Amnesiac", noch zu "In Rainbows" greifen. Nur während man 2001 noch viele Überraschungen geboten bekam und die Songs auch einen etwas experimentellen Charakter besaßen, somit also viel interessanter waren, kommt das neue Album äußerst konventionell daher. Es beginnt großartig, es endet großartig, aber dazwischen fehlt es an Wahnsinn, Innovation oder zumindest an Qualität auf höchsten Niveau. Radiohead müssen ja nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, nur möchte ich auch kein Album haben, das stellenweise schon fast nach einer B-Seiten-Sammlung klingt. (Was andererseits natürlich in Ordnung ist, wenn alle Lieder so schön wie "How I made my millions" wären).
Der zweite große Kritikpunkt, der sich durch mein Review zieht, ist die Abmischung des Albums. Vorallem wenn man es über Kopfhörer anhört, klingt "In Rainbows" teilweise so, als wäre es in irgendeinem kleinen Hinterhofstudio produziert. Vielleicht liegt es daran, daß einige oder gar alle Tracks binaural aufgenommen wurden, die Alben davor hatten jedenfalls mehr Volumen, wie auch eine bessere Instrument-Aufteilung. Vorallem das Schlagzeug ist stellenweise zu mittig positioniert und klingt viel zu trocken. Eventuell ist das auch alles gewollt, um eine privatere Atmosphäre zu schaffen. Intimität statt Konzernhalle. Radiohead sitzen bei mir in der Küche und spielen nur für mich allein. Kann man machen, aber nur wenn die Lieder, die man dann spielt, auch wirklich etwas hergeben. Wobei wahrscheinlich selbst Idioteque niemandem mehr kalte Schauer über den Rücken jagt, wenn man es auf binaural-aufgenommenen Kochtöpfen performt.

Fazit: Trotz meiner überkritischen Herumnörgelei finde ich "In Rainbows" nicht so schlecht, wie es jetzt vielleicht scheint. Es ist nur eben frustrierend, wenn man an vielen Stellen fühlt, daß alles noch viel besser hätte sein können und noch viel mehr drin gewesen wäre, als nur ein nettes Album.
Im Dezember erscheint dann übrigens die Special-Edition auf CD, sodaß zumindest noch eine kleine Hoffnung besteht, daß das Album, welches bis jetzt ja nur in häßlicher 160kbpsMP3-Qualität erhältlich ist, so dann doch noch etwas besser klingt, und da sich auf der dazugehörigen BonusCD ganze 8 weitere Stücke befinden, habe ich die Hoffnung, daß damit alle Songs, die Radiohead in den letzten vier Jahren geschrieben haben, damit unter das Volk gebracht sind, sodaß die Jungs unbelastet die nächste, hoffentlich bessere Schaffensperiode anbrechen können.

09.10.2007 um 09:31 Uhr

Peanut butter

von: Solus

Musik: Tschaikowski - Nussknacker Suite Hauptthema

Erdnussbutter - das unbekannte Wesen.
Zumindest für mich, denn bisher sah ich diesen geheimnisvollen Brotaufstrich nur von Weitem und stets befand sich eine Glasscheibe zwischen uns, denn wenn man Erdnussbutter irgendwo erspäht, dann doch im Fernsehen, wenn gerade eine amerikanische Serie läuft. Meist sind es übergewichtige Sitcom-Darsteller, die mit der Familie am Frühstückstisch sitzen und sich fleißig das Hülsenfruchtstreichfett auf die Schnitten schmieren, oder auch einfach mal so mit der puren Hand ins Butterglas greifen, um sich dann einen großen Patzen davon in den Mund zu stecken. In meinen kühnsten Fantasien konnte ich mir nie ausmalen, wie toll das doch schmecken muß, diese ambrosiaeske Masse purer geschmacklicher Freude, die für unzählige amerikanische Großfamilien das Hauptnahrungsmittel darstellt. Als ich dann noch "Claire" aus der amerikanischen Fernsehproduktion "Lost" sah, wie sie seufzend am Strand saß, sehnsüchtig auf das Meer hinausblickte und bedeutungsschwanger zu der Erkenntnis kam "Ich bin zwar mit dem Flugzeug auf einer mysteriösen Insel abgestürzt und werde seitdem von mutierten Eisbären, cholerischen Rauchmonstern und psychopathischen Fremden bedroht, aber was mich wirklich richtig ärgert ist, daß es hier keine Erdnussbutter auf der Insel gibt !", habe ich seitdem den Entschluß gefasst, daß bevor ich ins Gras beiße, ich erst einmal noch in ein Erdnußbutterbrötchen beißen werde.

Heute war es nun endlich soweit. Ein kleines Gläschen güldener Freude wartete darauf, von mir gekostet zu werden. Endlich würde ich zu dem kleinen Kreis von Europäern gehören, deren Lippen schon einmal jenes Kultnahrungsmittel aus Übersee berührt haben. Also entzweite ich ein Brötchen, strich behutsam die Erdnussbutter darauf und biss dann hinein, in das zubereitete Mahl. Und schon entbrannte in mir eine einzige Frage  - Was ist denn das für ein Dreck ?!

Also erst einmal fand ich es schon überraschend, daß Erdnussbutter derartig nach Erdnüssen schmeckt. Hätte man vielleicht auch schon eher drauf kommen können, aber ich meine, Apfelsaft schmeckt doch auch nicht nach Äpfeln, und Bierwurst nicht nach Bier, da muß Erdnussbutter doch nicht zwangsläufig einen penetranten Nussgeschmack besitzen. Den hat man doch schon nach zwei Bissen satt ! Aber was noch schlimmer ist, das Zeug hat die Konsistenz von Schuhcreme. Da bleibt einem nicht nur sprichwörtlich die Spucke weg, wenn sich diese zähe Masse im Mund verteilt. Was für eine Enttäuschung ! Dagegen ist selbst Nudossi eine geschmackliche Offenbarung.

Letztendlich ist damit das Fazit meinerseits eindeutig: Erdnussbutter ist eine Ausgeburt der Hölle, die auf die Erde gesandt wurde, um kulinarischen Terror zu verbreiten. Aber zumindest verstehe ich nun endlich, warum in den Sitcoms immer künstliche Lacher eingespielt werden, wenn jemand diesen unsäglichen Brotaufstrich isst. Bei der Darstellung einer Person, die ernsthaft und frohgelaunt Erdnussbutter verspeist, kann es sich schließlich nur um einen Scherz handeln.

04.10.2007 um 04:32 Uhr

Die groooooße Youtubevideoparade

von: Solus

Was ich schon lange einmal tun wollte, ist auf ein paar youtube-Videos hinweisen. Aber keine Angst, weder werde ich hier das einäugige, "I will survive"-singende Alien oder den besoffenen, burgermampfenden David Hasselhoff präsentieren, sondern wirklich tolle Videos, die hoffentlich noch nicht bekannt sind.

Also fangen wir direkt an mit einem jungen Mädchen, das die Welt darum bittet, ihre Lieblingsband "Tokio Hotel" in Ruhe zu lassen...
Ha, ein kleiner Scherz, wirklich beginnen möchte ich mit "Musik 2000". Dabei handelt es sich um einen Zusammenschnitt aus der brittischen Comedysendung "Look around you", die in ihrer ersten Staffel die mehr oder weniger wissenschaftlichen Lehrvideos aus den 80ern parodierte, und in ihrer zweiten Staffel nun auf das klassischere Fernsehen direkt abzielt. So werden wir Zeuge eines professionellen Wettbewerbs, der ermitteln soll, welche Musik denn im Jahr 2000 gehört werden wird.
-> Musik 2000 , Spielzeit 10min.

Weil wir gerade beim Thema Musik sind, geht es gleich weiter mit "A Boy like Tom". Der legendär-peinliche Auftritt von Tom Cruise bei Oprah Winfrey ist natürlich wirklich schon ein verdammt alter Internetvideohut, aber ein findiger Videokünstler hat sich nun daran gemacht, den Auftritt in eine wahnwitzige Videocollage zu verwandeln und die mit Patrick Wolfs "A Boy like me" zu unterlegen. Sollte auch für diejenigen, die mit der Musik nichts anfangen können, recht unterhaltsam sein, zumal nicht nur Tom Cruise, sondern auch all die bescheuerten jungen Frauen im Publikum mit ihren strahlenden Gesichtern in den Fokus gerückt werden.
-> A boy like Tom , Spielzeit 3.50min.

Das hier ist vielleicht wirklich schon jedem bekannt, aber falls nicht, könnte es ja auf die eine oder andere Katzenbesitzerin inspirierend wirken...

Aber werden wir nun wieder etwas ernster und widmen uns Mark Twain. Über seine Person wurde Mitte der Achtziger ein netter Knetgummi-Kinderfilm hergestellt, der eine für Kinder wahrscheinlich etwas zu gruselige Szene enthält, die Mark Twains Roman "The Mysterious Stranger" zusammenfasst. Der letzte Satz geht leider etwas unter, darum hier noch einmal komplett: ""It is true, that which I have revealed to you; there is no God, no universe, no human race, no earthly life, no heaven, no hell. It is all a dream -- a grotesque and foolish dream. Nothing exists but you. And you are but a thought -- a vagrant thought, a useless thought, a homeless thought, wandering forlorn among the empty eternities!"
-> The Mysterious Stranger , Spielzeit 5min.

Als nächstes hätte ich noch eine Folge von "Sprockets", eine alte Sketchreihe mit Mike Myers aus Saturday Night Life. Zusammen mit Gaststar Kyle MacLachlan (Twin Peaks, Dune) begibt er sich auf die Suche nach "Germany's most disturbing home videos". Soll wohl alles eine Parodie auf die deutsche Kunstszene der Achtziger sein und ist eigentlich auch weniger witzig, als mehr skuril. Aber kann man ja trotzdem mal gucken, also...
-> Sprockets , Spielzeit 8.48min.

Erfreuen wir uns zum Schluß noch am Intro der alten Kinderserie "Kidd Video", die ich früher immer Sonnabend Vormittag auf RTL geschaut habe, obwohl ich sie langweilig fand. Aber man hat damals eben jeden Scheiß geguckt. Es gab ja sonst nichts...
-> Kidd Video , Spielzeit erfreuliche 1.28min.

02.10.2007 um 09:03 Uhr

"Your ears should be burning"

von: Solus

Musik: Radiohead - Nude (live)

Die Nachricht schlug gestern ein wie eine Bombe - das neue Radiohead-Album ist ab dem 10.Oktober erhältlich. Das ist natürlich erst einmal bombig für den Radioheadfan ansich, wartet der doch schon seit mindestens 2003 auf das siebende Studioalbum. Das eigentlich Bombige an der Bombennachricht betrifft aber alle Musikbegeisterten, denn Radiohead gehen mit ihrem Album neue Wege...

Den meisten wird sicherlich sofort das Releasedatum aufgefallen sein - während man auf ein Album heutzutage schon mal ein halbes Jahr nach dessen Ankündigung warten muß, um es endlich hören zu können, wird "In Rainbows", so heißt das neue Album, schon in 10 Tagen erscheinen. Und zwar als Download im Radioheadschen Eigenvertrieb, und dieser Download kostet...soviel man will. Der Kunde ist zum ersten Mal tatsächlich König und darf selbst bestimmen, wieviel er für den Download zahlt - das können z.B. 19,99 Pfund, oder aber tatsächlich 0,00 Pfund. Auf Anfrage wurde es inzwischen noch einmal bestätigt, wer für das neue Album nichts zahlen möchte, zahlt eben nix !

Um mal aus einem Artikel von greenplastic.com einen nicht näher genannten amerikanischen Produzenten zu zitieren: "Radiohead ist die beste Band der Welt; wenn Du für die Musik der besten Band der Welt zahlen kannst, was Du willst, warum solltest Du 13$ oder 0,99$ für Musik eines weniger talentierten Künstlers bezahlen ? Sobald Du einmal diese Tür geöffnet hast und Musik legal verschenkst, bin ich mir nicht sicher, ob es noch einen Weg davon zurück gibt." Der Autor dieses Satzes denkt da natürlich auf in einem etwas zu lokalem Level. In Deutschland z.B. ist Radiohead ja nur ein Geheimtipp. Entsprechend interessiert es vorerst auch niemanden, ob sie ihre Musik verschenken. Und wahrscheinlich gibt es auch von vielen Seiten Einspruch, daß sie wirklich die beste Band der Welt sind. Im Grunde sind sie natürlich die legitimen Beatles-Nachfolger, nur ist die globale Musiklandschaft inzwischen sehr viel größer als damals und der Mainstream-Musikgeschmack hat sich in mehrere Untermainstreams gespaltet. Es ist gar nicht mehr möglich, eine Band oder einen Künstler über den Rest zu stellen und zum König zu erklären, weil dieser König nicht seine Funktion für jeden Konsumenten erfüllen könnte. Selbst so eine universelle Band wie Radiohead kann das nicht, und so wird wahrscheinlich, sollte diese Preispolitik etwas in Bewegung setzen, es eher die Produzenten beeinflussen, anstatt die Konsumenten. Soll heißen, der Musikliebhaber wird nicht zu dem Entschluß kommen, kein oder nur wenige Geld mehr für das neue Album seines Lieblingskünstlers auszugeben, weil andere gezeigt haben, daß das möglich ist, sondern es könnte eher andere erfolgreiche Musikgrößen dazu animieren, es Radiohead gleichzutun. Ein David Bowie z.B., der nicht nur musikalisch, sondern auch wirtschaftlich immer visionär agiert hat, wird sich sicherlich gestern in den Hintern gebissen haben, nicht zuerst den Schritt gegangen zu sein, und könnte, wenn er denn mal wieder ein neues Album produziert, dann nachziehen. Aber auch der Rest, von den alteingesessen U2, bis hin zu Coldplay, die sowieso immer wieder gern mal Radiohead kopieren, könnten viele Musikschaffende in den kommenden Jahren in den Eigenvertrieb wechseln und ihren Fans dann ein Nahezu-Gratis-Album spendieren. Diese Art von Einfluß besitzt Radiohead nämlich tatsächlich,  und daraus könnte dann doch der gesamte Musikmarkt auf den Kopf gestellt werden.

Bis dahin wird es sicherlich wohl noch etwas dauern, aber wenn es einmal soweit sein sollte, wird Radiohead als einer der Auslöser dafür in den Geschichtsbüchern landen. Die großen Revolutionäre, die ganz frech die kapitalistische Musikindustrie stürzten. Eventuell wird dann aber auch verschwiegen, daß die Jungs trotzdem dafür gesorgt haben, daß sie ein paar Mark dazuverdienen, denn neben dem Download, für den man ja natürlich auch den üblichen Betrag bezahlen kann, wenn man will, gibt es auch noch eine Sonderedition zu kaufen - besteht aus dem Album, einer zweiten CD mit 8 weiteren neuen Liedern, das Ganze extra noch einmal auf Vinyl, sowie als Download, plus Artwork, Photo- und Textbuch. Kostet zusammen stattliche 40 Pfund und ist dann doch erst Anfang Dezember erhältlich. Selbst die visionärsten Revolutionäre haben eben zu hause ein Frau sitzen, die ziemlich stinkig werden kann, wenn Abends nicht die Brötchen auf dem Tisch liegen...