Review: Radiohead - In Rainbows
Musik: Radiohead - I might be wrong
Eigentlich kaum verwunderlich, gleichzeitig aber auch etwas erschreckend, daß schon am Erscheinungstag des neuen Radiohead-Albums "In Rainbows" sofort im Netz die ersten Reviews zu finden waren. Spätestens zwei Tage später hatten sich alle großen und kleinen Musikmagazine ihre Meinung gebildet und sie auch online kundgetan. Man will natürlich aktuell sein, das ist nicht überraschend, nur wenn man einmal bedenkt, daß es von dem Album keine vorher erschienene Presse-Version gab, zeigt das im Grunde überdeutlich, wieviel Zeit sich so ein Musikredakteur heutzutage für ein Album-Review nimmt, nämlich zu wenig. Das wiederum ist ebenfalls gar nicht so überraschend, aber irgendwie hat man sich ja doch jedes Mal beim Lesen eines CD-Reviews insgeheim vorgestellt, daß der Redakteur sich über Tage hinweg mit dem Werk beschäftigt hat, oder ?
Nun, ich habe mir immerhin 12 Tage Zeit für "in Rainbows" genommen, was zwar sicherlich auch nicht ausreichend ist, denn Radiohead-Alben benötigen ja noch einmal besonders viel Zeit, bis man sie einschätzen kann, aber ich will es trotzdem einmal versuchen. Und auch wenn "In Rainbows" nicht so heterogen ausgefallen ist, wie das Vorgängeralbum, werde ich zwecks Übersichtlichkeit meine Einschätzung auf eine Einzelkritik der zehn neuen Lieder aufbauen. Beginnen wir also ohne weitere Verzögerung mit...
15 Step
Radiohead haben ja letztes Jahr bis auf "Faust Arp" sämtliche neuen Lieder des Albums während ihrer Tour mehrfach live gespielt, sodaß ich also schon ungefähr wußte, was mich erwartet. Als ich "15 Step" damals zum ersten Mal als Liveversion hörte, keimten in mir eher zwiespältige Gefühle auf. Einerseits wirkte der Song frisch und anders, und könnte dem musikalischen Spektrum der Band einen weiteren Farbton verleihen, auf der anderen Seite funktionierte er aber einfach nicht. Dem Anfang fehlte es an Substanz und generell klang das alles etwa zu eintönig. Das hatten auch Radiohead gemerkt, denn 15 Step veränderte sich während der Tour. Nicht viel, aber man merkte zumindest, daß sie daran arbeiten. So war ich mit dem Klick auf die Playtaste des Winamps vorallem erst einmal gespannt, ob die Studioversion endlich funktionieren würde. Und tatsächlich, sie tut es. Das Geflecht aus Schlagzeug und hektischen, übersteuerten Beats trägt den Song, diverse atmosphärische Klänge sorgen für die nötige Abwechslung. Außerdem hat man von der gruseligen Idee, Kindergeräuche in das Lied einzubauen, nahezu vollständig abgesehen. In einem Artikel auf der Homepage einer britischen Musikschule war nämlich vor ein paar Monaten zu lesen, daß Radiohead zu Gast waren und zusammen mit kleinen Kindern Aufnahmen gemacht haben. Dazu gab es auch Fotos, die vorallem klatschende Kinder zeigten, womit auch klar war, welches Lied die Plagen verschandeln würden. Im Endprodukt ist davon aber nur noch zweimal kurz ein von den Kindern gerufenes "Yeah!" zu hören. Für die Eltern der kleinen Bestien, die extra das Album kaufen, weil IHR KIND darauf zu hören ist, sicherlich enttäuschend, für den Rest der Menschheit eine Wohltat.
Bodysnatchers
Radiohead rockt. Das tun sie ja im Gegensatz zu früher kaum noch, sodaß wenn sich doch ein Rocksong auf ein Album verirrt, erst einmal der Generalverdacht besteht, er würde hauptsächlich existieren, um die Fans der ersten Stunde glücklich zu machen. Das kann auch tatsächlich der Fall sein (Go to sleep), aber meistens steckt dann doch noch mehr dahinter (2+2=5). Und glückerweise kann man auch das energetische Bodysnatchers dazuzählen. Vom Sound her nichts Neues, und Thoms Stimme wurde schlecht abgemischt, aber ansonsten durchaus gelungen.
Nude
Endlich ist es als Studioversion auf einem Album angekommen ! Nude, auch als "Big Ideas" bekannt, wird von Radiohead seit knapp 10 Jahren hin und wieder live gespielt und hat entsprechend den Status einer Legende. Als mir Radiohead vor zwei oder drei Jahren einmal in einem Traum begegneten, sagte ich ihnen, daß sie dieses Lied doch endlich einmal veröffentlichen sollen, und tatsächlich haben sie auf mich gehört.
Natürlich kann nun die finale Version den Erwartungen aber nicht ganz standhalten. Die Albumversion ist soweit in Ordnung, wenn man mal von der nicht ganz so clever gelösten Überblendung vom Zuckerwatte-Intro zur kühlen Bassline absieht. Es ist eben nur...wenn man die gottgleiche Liveversion kennt und liebt, die Radiohead am 2.4.98 in San Francisco aufgeführt haben , fällt die Studioversion dagegen ziemlich ab. Es fehlt die Hammond-Orgel, die dem Stück einen etwas rauen, aber auch hymnenhaften Charakter verlieh. Es fehlt auch die zusätzliche Textstelle; "She kisses you with tongues and pulls you to the bed...". In dem Moment packt einem das Lied doch erst ans Gemächt. Doch das wurde nun alles weggelassen, stattdessen heult Thom Yorke die Melodie und wird dabei von schmalzigen Geigen unterstützt. Man könnte sogar fast sagen, "Nude" wurde entmannt, glattpoliert und in verdorbenen Honig versenkt ! Und wenn ich mir das recht überlege, muß ich darum eigentlich sogar meine eben getroffene Aussage zurückziehen. Die Albumversion ist nicht in Ordnung ! Das Lied war vor zehn Jahren schon perfekt und jetzt hat man einfach alles kaputt gemacht.
Wehe, auf dem nächsten Album ist eine Studioversion von "True Love Waits" !
Weird Fishes - Arpeggi
Der nächste Schock. Was haben Radiohead denn aus diesem Lied gemacht ?
Bei seiner Uraufführung 2005 hieß es noch ausschließlich "Arpeggi" und bestand nur aus Steichern, Glockenspiel und den namensgebenden Arpeggien eines Synthesizers mit Arpeggiator-Feature. Für die Unwissenden; "Arpeggiator" ist eine Funktion bei Hard- und Software-Synthesizern. Man gibt einfach ein paar wenige Parameter an, wie die Note, die Tonart oder auch den Bereich, also z.B. den G-Dur-Dreiklang, und schon spielt der Arpeggiator jene Töne, immer wieder und wieder, rauf, runter, oder beides - wie man es möchte. Und wenn man dazu dann noch hin und wieder den Akkord wechselt, ergeben sich so schon fast ganze Lieder.
Nun produzieren ja mit dieser Arpeggiator-Funktion auch DJ Dolphin, Heinz Trance und wie die ganzen Gestalten aus den Technosampler-Werbungen alle heißen ihre Alben, und hätten Radiohead auf die gleiche Weise einen Song gemacht, wären die Album-Reviews gespickt mit entsprechenden Kritiken und Vergleichen. Keine große Komponierkunst, das kann doch jeder, etc. etc...also muß irgendwann einer der Jungs die Idee gehabt haben, das Problem zu umgehen, indem sie einfach die Arpeggien ganz klassisch mit einem richtigen Instrument spielen. Und das ist nun genau das, was man auf dem Album wiederfindet - ein Klangteppich bestehend aus Gitarrengeklimper, der von einem recht trocken abgemischten Schlagzeug in ein vollständiges Lied verwandelt wird, das, wenn man sich nach mehrmaligen Hören mit all dem erst einmal angefreundet hat, dann doch durchaus zu Gefallen weiß. Das Lied ist also sozusagen ein "Grower", wie wir coolen Radiohead-Fans sagen, aber ein kleines Fragezeichen bleibt letztendlich doch, ob Weird Fishes nicht noch viel mächtiger sein würde, wenn die Instrumentierung weniger weltlich, sprich elektronischer ausgefallen wäre.
All I Need
Ein polarisierendes Stück Liedgut. Die einen verfluchen es, oder beschimpfen es gar mit "das klingt wie U2", andere finden "All I Need" richtig toll. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich genau dazwischen. Das Lied ist schon in Ordnung, ja, aber es klingt eben alles auch irgendwie angestaubt. Wäre "All I Need" vor ein paar Jahren erschienen, Radiohead hätten einen Klassiker mehr, den sie auf ihren Konzerten spielen könnten. So aber ist man als Fan inzwischen vielleicht nicht Bessere, aber andere Musik gewöhnt. Es ist eben auch immer alles eine Frage des richtigen Zeitpunkts. "Exit Music" würde wahrscheinlich auf die selben geteilten Reaktionen treffen, käme es jetzt erst auf die Welt.
Faust Arp
Wurde als einziger Song auf dem Album noch nie live gespielt und stellt somit das Überraschungsei auf dem Album dar. Und überrascht ist man tatsächlich, denn wir haben es mit einem nur 2 Minuten langem, einfach gehaltenem Stück zu tun. Gitarre, Steicher, Thom Yorke. Mehr will es nicht sein, mehr braucht es auch nicht. Nett.
Reckoner
Seit 2001 geistert ein Lied namens "Reckoner" auf den Konzerten herum. Das wurde nun scheinbar entgültig begraben, denn das "Rechoner" auf dem Album klingt anders und hat einen komplett anderen Text. Aus einem lauten Rocksong wurde ein lauter Popsong. Thoms Gesang klingt wunderbar traurig, das gesamte Lied ist in einem Hauch von "I will" gehüllt. Trotzdem stellt es für mich nicht die ganz große Offenbarung dar. Irgendetwas fehlt. Das gewisse Etwas wahrscheinlich.
House Of Cards
Optimisten werden sagen, daß der Song ziemlich entspannt ist, Pessimisten hingegen finden ihn schlichtweg schnarchig. Im Grunde wäre alles auch nur halb so schlimm, wenn das Lied nur nicht so lang sein würde. Aber weil Radiohead eine sadistische Seite besitzen, die sie auf jedem Album an irgendeiner Stelle ausleben müssen, stellt "House of Cards" nun sogar den längsten Track auf dem Album dar. Na Vielen Dank.
Jigsaw Falling Into Place
Hieß ursprünglich "Open Pick" und kann sich ebenfalls zu den Gewinnern zählen, die mit dem Sprung auf das Album nun besser klingen, als vor einem Jahr. Mir persönlich fehlt zu dem Lied aber dennoch der nötige Zugang. Es ist...nett, um schon wieder ganz bewußt dieses Adjektiv zu benutzen. Es ist aber auch nichts, was eine andere Band nicht auch hinbekommen hätte. Radiohead haben ihre persönliche Note zu wenig herausgearbeitet. Darüber muß man sich auch nicht unbedingt beschweren, aber man kann.
Videotape
Zum Schluß des Albums noch ein letzter, kleiner Schock, der in die gleiche Richtung geht wie die erste Reaktion auf "Weird Fishes". Von "Videotape" hatte man eigentlich auch erwartet, daß es ganz großes Kino werden würde, doch stattdessen liefern Radiohead nun gerade Mal ein Homevideo ab. Das Klavier klingt unspektakulär, Thoms Stimme ist erneut sehr trocken abgemischt. Dazu setzen bald noch merkwürdige Drum-Spielereien ein und lassen, wenn man das Lied vorher schon kannte, unweigerlich die Frage aufkommen, was Radiohead denn mit dem wunderschönen "Videotape" veranstaltet hat. Aber auch hier gilt wie bei "Weird Fishes", daß man seine Erwartungen beiseite schieben und den Song mehrmals anhören muß, bis man ihn mag, denn so unüberlegt ist diese Version nämlich gar nicht. Radiohead haben ganz bewußt den Song wieder auf den Boden zurückgeholt, um die Wirkung einer auf Magnetband gebannten Realität nicht mit der Live-Realität gleichzusetzen. Würde man ein Lied über eine Hochzeit singen, dann müßte das ja auch größer klingen, als wenn man ein Lied über ein Videoband singt, auf dem die Hochzeit aufgenommen wurde. Und die Drums stellen natürlich das rhythmische Stolpern der Kassette im Videorekorder dar. Da hatten Radiohead doch noch ein paar kluge Gedanken und lassen so "In Rainbows" zwar nicht mit einem Knall, aber in Würde enden.
Dem aufmerksamen Leser werden nun nach dem Studium meiner Einzelkritiken vielleicht zwei Dinge aufgefallen sein.
Erst einmal hatte ich zu den Liedern zwischen "Weird Fishes" und "Videotape" nicht sonderlich viel zu sagen. Das Wort "nett" fiel ein paar Mal, oder ich nörgelte etwas herum - aber das war es dann. Und das liegt daran, daß die Stücke auch gar nicht so viel hergeben. Mich erinnert das Album sehr an die "Amnesiac", das ebenfalls keine musikalischen Monolithen aufwies, die einmal aufgerichtet über allem stehen und die man schon aus der Ferne sieht. Und wöllte man jemanden ein Lied von Radiohead vorspielen, um Interesse bei ihm für diese Band zu wecken, man würde weder zu besagter "Amnesiac", noch zu "In Rainbows" greifen. Nur während man 2001 noch viele Überraschungen geboten bekam und die Songs auch einen etwas experimentellen Charakter besaßen, somit also viel interessanter waren, kommt das neue Album äußerst konventionell daher. Es beginnt großartig, es endet großartig, aber dazwischen fehlt es an Wahnsinn, Innovation oder zumindest an Qualität auf höchsten Niveau. Radiohead müssen ja nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, nur möchte ich auch kein Album haben, das stellenweise schon fast nach einer B-Seiten-Sammlung klingt. (Was andererseits natürlich in Ordnung ist, wenn alle Lieder so schön wie "How I made my millions" wären).
Der zweite große Kritikpunkt, der sich durch mein Review zieht, ist die Abmischung des Albums. Vorallem wenn man es über Kopfhörer anhört, klingt "In Rainbows" teilweise so, als wäre es in irgendeinem kleinen Hinterhofstudio produziert. Vielleicht liegt es daran, daß einige oder gar alle Tracks binaural aufgenommen wurden, die Alben davor hatten jedenfalls mehr Volumen, wie auch eine bessere Instrument-Aufteilung. Vorallem das Schlagzeug ist stellenweise zu mittig positioniert und klingt viel zu trocken. Eventuell ist das auch alles gewollt, um eine privatere Atmosphäre zu schaffen. Intimität statt Konzernhalle. Radiohead sitzen bei mir in der Küche und spielen nur für mich allein. Kann man machen, aber nur wenn die Lieder, die man dann spielt, auch wirklich etwas hergeben. Wobei wahrscheinlich selbst Idioteque niemandem mehr kalte Schauer über den Rücken jagt, wenn man es auf binaural-aufgenommenen Kochtöpfen performt.
Fazit: Trotz meiner überkritischen Herumnörgelei finde ich "In Rainbows" nicht so schlecht, wie es jetzt vielleicht scheint. Es ist nur eben frustrierend, wenn man an vielen Stellen fühlt, daß alles noch viel besser hätte sein können und noch viel mehr drin gewesen wäre, als nur ein nettes Album.
Im Dezember erscheint dann übrigens die Special-Edition auf CD, sodaß zumindest noch eine kleine Hoffnung besteht, daß das Album, welches bis jetzt ja nur in häßlicher 160kbpsMP3-Qualität erhältlich ist, so dann doch noch etwas besser klingt, und da sich auf der dazugehörigen BonusCD ganze 8 weitere Stücke befinden, habe ich die Hoffnung, daß damit alle Songs, die Radiohead in den letzten vier Jahren geschrieben haben, damit unter das Volk gebracht sind, sodaß die Jungs unbelastet die nächste, hoffentlich bessere Schaffensperiode anbrechen können.

Und dass das eine Lied nach U2 klingen würde, als ich damals (wurde erst zum Radiohead-extrem-Hörer mit der kidA), manchmal bei Freunden saß, war ich teilweise total verwundert, dass auf einmal aus deren Anlage sowas wie U2 zu hören war, dabei hassten die doch diese Band...
Was das handfeste Album anbelangt, habe ich Hoffnungen, dass es nicht wirklich dieses Vermögen kosten wird. Denn das finde ich schon ganz schön heftig.
Aber wie auch immer, an den 40 Pfund für die Discbox wird sich sicherlich nichts mehr ändern. Die regulär-vetriebene Version wird dann natürlich schon billiger sein, nur ist die ja bestimmt ohne die Bonus-CD. Bleibt die Frage, ob es auch noch eine leicht teurere, regulär-vertriebene Edition mit den zusätzlichen Liedern geben wird. Ist zumindest nicht auszuschließen, da Radiohead sich bestimmt noch darüber bewußt sind, daß sie auch Fans in Ländern haben, wo 40 Pfund einen Monatslohn darstellt. Und es wäre ja doch etwas unfair, wenn diesen Fans der Zugang zu allen neuen Liedern verwehrt bliebe.
Was wirklich schade ist, das ist die Geschichte mit Nude. Allerdings wäre doch gegen True Love Waits als Studioversion nichts einzuwenden, solange es nicht so vergewaltigt würde!
40 Pfund ist ehrlich sehr unverschähmt. Ich denke aber, dass es vielleicht wirklich Strategie ist. Da sie ja die Music nun online zum selbstbestimmerpreis verticken, wo einige evtl zahlen, die sonst illegal gezogen hätten. Und die Anderen, die gerne etwas in der Hand halten so wie ich, und sich deshalb von ihren liebsten Bands die Scheiben kaufen, die sind auch oft so verrückt, einen hohen Preis zu zahlen...das wissen auch Radiohead! Ziemlich geschäftstüchtig! Bald wird es eine Aktie geben! Oder gibt es die schon?
Und ich denke schon seit Tagen "Da war doch noch was...da war doch noch was, was ich tun wollte..."
Wird die CD-Version eigentlich nochmal gemastert. Bzw. wird sie überhaupt gemastert, denn wenn die Download-Version durch ein Masteringstudio gelaufen ist, würde ich mein Geld zurückverlangen. Gleiches gilt für einen eventuell vorhandenen Produzenten...
Das was der "In Rainbows" meiner Meinung nach fehlt, ist ein Auge, das von der anderen Seite auf den Entstehungsprozess blickt. Also das, was ein guter Produzent machen sollte. Sicher, es gibt eine Menge guter Alben, die von den Bands selbst produziert sind, aber die Gefahr der Verstrickung ohne ist immer groß. Gerade bei einer Band wie Radiohead, bei der man - trotz aller Klasse - mittlerweile das Gefühl hat, sie würden selbst nicht mehr so ganz genau wissen, wo ihr eigentlicher musikalischer Standpunkt ist. Ich meine damit kein Genre, sondern ein musikalischer Ansatz, den es braucht. Und für sowas holt man sich einen Produzenten. Wenn nicht, war das ihr größter Fehler, wenn doch, dann hätten sie den Produzenten in die Wüste schicken sollen... oder, wenn es - wie üblich - Nigel Godrich war, dann hätte ihn jemand fragen sollen, ob er einen richtig schlechten Tag hatte.
So jedenfalls würde ich mir die deutlichen konzeptionellen und technischen Schwächen des Albums erklären. Die Songideen sind ja weitestgehend genauso hochwertig wie die anderer Alben...
Und das Mastering wird sich wohl nicht mehr ändern. Bei Patrick Wolf ist es zwar vor ein paar Monaten auch passiert, daß die "Accident & Emergency"-Single nicht gemastert war und die Albumversion dann deutlich besser klang, aber solche Fehler passieren bei so einer großen Sache garantiert nicht, und mit Absicht würden sie es auch nicht tun, nachdem sie damals doch ziemlich sauer darüber waren, daß die erste geleakte Version von HTTT auch noch nicht die Finale war.
Man kann noch etwas hoffen, daß durch die schlechte Codierung die Lieder mehr verstümmelt wurden, als man es für möglich halten würde. Aber direkt neu gemastert - das wäre schon eine große Überraschung.