Das geheimnisvolle Blog ins zauberhafte Nichts

02.07.2006 um 01:07 Uhr

Schlimme Woche

von: Solus

Musik: Element of Crime - Blaulicht und Zwielicht

Die nächsten Tage werden für mich schlimm sein. Ganz schlimm. Das fängt schon heute an, wenn ich nachmittags meinen PC in die neue Wohnung schaffe. Höchstwahrscheinlich wird dieses hochsensible Gerät den Transport nicht überleben; bzw. mich Stunden voller Schweiß und Tränen kosten, es wieder zum Laufen zu bringen. Das wiederum wäre frühstens am Montag möglich, wenn die Möbelpacker unsere ganzen Schränke und viel zu schwer bepackten Pakete transportiert haben. Internet soll ja dann angeblich sofort funktionieren. Da bin ich auch schon sehr skeptisch. Wahrscheinlich geht weder das, noch der Fernsehanschluß. Ist doch immer so.

Am Dienstag muß ich tonnenweise Schrott in meine Schränke verteilen. Alte Schulhefter, Kisten voller Kinderüberraschungsfiguren, DDR-Puzzle und haufenweise Firlefanz - kindisch, kitschig, doof. Vielleicht sollte ich wirklich den Rat eines guten Freundes nachgehen und die ganzen Pakete, die mein Inventar beinhalten, einfach mal in den Müll werfen.

Außerdem muß ich auch noch zu meiner Ärtzin, um mir eine Überweisung für den Urlogen abzuholen, der wiederum mir eine neue Überweisung ins Krankenhaus schreiben muß. Ich frage mich ernsthaft, ob diese Überweisungsschein-Bürokratie tatsächlich Geld einspart, denn sowohl die Ärtzin, als auch der Urologe werden sich für diese kleine Dienstleistung sicherlich bezahlen lassen. Vermute ich einfach mal. Und eventuell geben sie das Ganze sogar gleich als Arztbesuch aus. Wer kann schon nachprüfen, ob ich mir da schnell einen Schein ausdrucken lassen habe, oder ob ich im Sprechzimmer war.

Nun gut, mit der Krankenhausüberweisung und einer gepackten Tasche muß ich mich jedenfalls am Mittwoch früh im Bethanien Krankenhaus einfinden, um mir dort meinen Nierenstein entfernen zu lassen. Wie lange ich dort verweilen werde, hängt damit zusammen, ob die einfachste Methode, das wird wohl das Zertrümmern sein, bei mir zum Erfolg führt. Wenn nicht, werde ich aufgeschnitten und muß natürlich entsprechend länger bleiben.

Wäre ich ein Optimist, würde ich fest daran glauben, daß ich gleich am Mittwoch Nachmittag zur Trümmerung muß, die erfolgreich ist und ich am nächsten Tag wieder nach hause gehen kann. Aber als fortgeschrittener Krankenhausbesucher stufe ich dieses Szenario als äußerst unwahrscheinlich ein. Stattdessen wird das Ganze wohl so ablaufen:

Mittwoch: Fröhlich stehe ich an der Aufnahme und bekomme von der Schwester mitgeteilt, daß ich gar nicht angekündigt bin. Nur eine Stunde später kann sie mir jedoch mitteilen, daß für mich gerade ein Bett freigeworden ist, während hinter mir zwei Azubis eine Trage mit einem reglosen, zugedeckten Körper davontragen. Froh gelaunt betrete ich mein Zimmer und blicke auf meine Zimmergenossen - fünf 80jährige, die allesamt nach Urin riechen, die ganze Zeit husten und dabei ab und zu einkacken, um 20 Uhr auf ihre Bettruhe bestehen und die ganze Nacht über merkwürdige Geräusche von sich geben. Das weiß ich in dem Moment natürlich noch nicht, sodaß ich mich vergnügt in den Gang setze und auf den Arzt warte, weil man ja am ersten Tag immer untersucht wird, und außerdem erfährt, wie es denn nun weitergeht. Nach dem widerlichen Mittagessen, das ich komplett verweigere und Nachmittags einem trockenen Stück Kuchen hat der Doktor endlich Zeit für mich, also etwa eine Minute, in der er mir sagt, daß ich morgen zur *typisch-klingender Fachbegriff aus der Medizin* muß, dann würden wir weiter sehen.

Donnerstag: Die Schwester teilt mir mit, daß ich um 10 Uhr dran bin und mich schon einmal entkleiden soll. Als ich sie kurz vor dem Mittagessen frage, wann es denn nun soweit ist, teilt sie mir mit, daß das doch erst am Nachmittag etwas wird. Fünf Stunden später stürmt ein Assistenzarzt ins Zimmer und entschuldigt sich, weil heute keine Zeit mehr für mich ist. Aber morgen machen wir das dann bei ihnen besonders gut.

Freitag: Endlich zur Zertrümmerung, die leider keinen Erfolg bringt. "Dann müssen wir den Stein eben rausoperieren ! " meint ein Arzt freundlich zu mir und läuft danach kichernd davon. Als ich nachmittags eine Schwester frage, wann die Operation stattfindet, meint diese "Wahrscheinlich dann morgen...".

Sonnabend: Nach dem obligatorischen Marmeladenbrötchen mit Tee frage ich bei einer Schwester vorsichtig an, wie das nun wird, mit dem Bäuchlein aufschneiden. Sie setzt ein stark verwundertes Gesicht auf und meint "Am Wochenende wird doch gar nicht operiert. Wer hat Ihnen denn das gesagt  ?!".

Sonntag: Ich ärgere mich, daß ich das Finale Deutschland-Frankreich nicht sehen konnte, weil die alten Leute wieder schlafen wollten.

Monntag: Eine schlechtgelaunte Schwester fährt mich in den OP, wo mich der Chiurg mit den Worten "Boah, ich habe seit 40 Stunden nicht mehr geschlafen" begrüßt. Dann wird alles dunkel...und wieder hell...und ein anderer Arzt teilt mir mit, daß der Stein zwar raus ist, ich aber die Narkose irgendwie nicht richtig vertragen habe. Ich müßte noch etwas bleiben, bis sich das ständige Übergeben wieder gelegt hat. Zwei, drei Tage oder so...

Mittwoch, eine Woche später: Verärgert verlasse ich das Krankenhaus. Was waren das für schreckliche Tage ! Aber wenigstens ist der Stein jetzt raus und der anhaltende Schmerz in meiner Niere geht ja sicherlich wieder weg...

 

So wird das wahrscheinlich alles passieren. Und wenn ich mich gar nicht wieder melde, hat man die Operation komplett versaut. Oder noch schlimmer, der Internetanschluß in der neuen Wohnung geht nicht. Ansonsten werde ich dann hier in ein paar Tagen ganz tolle und spannende Geschichten erzählen können. Seid gespannt !

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. AiHua schreibt am 02.07.2006 um 01:24 Uhr:nachdem ich alles gelesen habe, will ich eigentlich wieder vergessen! Umziehen = schrecklich! Krankenhaus = furchtbar! Nierensteine = ich will es gar nicht wissen!

    ...
  2. Centaurea schreibt am 03.07.2006 um 21:09 Uhr:Gute Besserung und gutes Gelingen, und guten Anschluss! Und so.

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