Wenn die Chefin auf die Couch bittet
Musik: The Avalanches - Frontier Psychiatrist
Ich muß ein Geständnis machen; ich habe neulich "Galileo" angeschaut. Gut, eigentlich läuft das recht oft bei mir, weil ich als gewissenhafter Konsument natürlich an den Produktionsabläufen jener Waren, die mir so tagtäglich im Supermarkt entgegenlächeln, interessiert bin. Und ich schau mir auch immer wieder gern den Beitrag über die Außenreporterin an, die mit einem Regenschirm vom 10m-Brett ins Wasserbecken springt und dabei fast ersäuft. Aber dieses "Wissens-Magazin" besteht ja nicht nur aus Schleichwerbung und Wiederholungen von Quatschbeiträgen, nein, neuerdings schlägt man die Sendezeit mit auch noch Ausbildungsplatzbewerbungsberichten tot. Ich glaube so einmal die Woche darf nun der Zuschauer immer hautnah dabei sein, wenn ein Kleinkapitalist drei Bewerber durch diverse Reifen springen läßt, um herauszufinden, welcher von denen am geeignetsten für die Stelle ist, die er anbietet.
Neulich ging es nun um einen Ausbildungsplatz als...Großgastronomiefachfrau, oder irgendsowas in der Art. Die genaue Bezeichnung habe ich vergessen, aber da die Teilnehmer während der Prüfungen nur Kaffee servieren, Wurstbrote verkaufen und an der Kasse arbeiten mußten, war das sicherlich sowie kein echter Ausbildungsberuf, sondern nur sowas wie "Anlernen zur Kellnerin", nur eben blumiger ausgedrückt. Aber das ist auch egal ! Das eigentlich Interessante stellte nämlich schon davor das erste Bewerbungsgespräch dar. Die etwa 45jährige Besitzerin des Restaurants hatte sich nämlich für das Gespräch ganz clevere Fragen einfallen lassen. Anstatt typischer Standardfragen wie "Warum haben Sie sich gerade bei unserem Betrieb beworben ?" (beste Antwort darauf ist "Sie Spinner; ich hab mich natürlich überall beworben und mir es scheißegal, wo ich arbeite, hauptsache ich habe überhaupt einen Job !") fragte die Mittelständlerin nach der Lieblingsjahreszeit, der Lieblingsfarbe und nach dem Lieblingsgetränk des Bewerbers. Hausfrauenpsychologie par excellence, denn daraus wollte die Gute tatsächlich herauslesen, wie die Bewerberinnen so ticken. "Herbst" antwortete Eine, als nach der Lieblingsjahreszeit gefragt wurde, dann ein Schnitt und die Chefin erklärte, daß jemand, der Herbst als Lieblingsjahreszeit nennt, sich nach Wärme und einem sicheren Ort sehnt. Natürlich könnte das Mädchen auch leidenschaftlich Drachen steigen lassen, was nur im Herbst so richtig geht und das laut Freud seiner Frau bestimmt Fernweh und Rastlosigkeit bedeuten würde, aber das kam der Chefin nicht in den Sinn. Stattdessen fragte sie als nächstes nach der Lieblingsfarbe und das Mädchen antwortete mit "Schwarz und Weiß". Wieder ein Schnitt und Frau Kalwass für Arme erklärte, daß diese Farben ja überhaupt nicht zum Herbst passen, das Mädchen also total unausgeglichen sein muß (Nebenbei: Laut Wiki steht steht die Farbe Weiß in China für den Herbst...). Auch hier könnte man spekulieren, ob die Bewerberin vielleicht mit einem Afrikaner liiert ist und das deshalb gesagt hat, oder ob sie vielleicht sehr gern Schach spielt, oder zumindest schlechte Computerspiele von Peter Molyneux. Sie könnte also durchaus die totale Strategin sein, aber nein, Herbst und unbunte Farben passen nicht zusammen - wer sowas sagt, hat doch mindestens eine gespaltene Persönlichkeit ! Voll psycho ! So Eine kann man doch nicht einstellen !
Eine andere Bewerberin wurde nach dem Lieblingsgetränk gefragt und antwortete mit "Fanta". Böser Fehler ! Fanta geht gar nicht ! Also jetzt nicht, weil diese Limonade im Dritten Reich erfunden wurde, nein, sondern weil Fanta-Trinker noch nicht im Erwachsenendasein angekommen, also noch ziemlich kindlich und verspielt sind. Zumindest nach den Mental-Theorien der Restaurantfrau, die hinzufügte, daß sie wohl lieber so etwas wie "Kaffee" als Antwort gehört hätte, denn natürlich trinkt jeder Erwachsene auf der Welt Kaffee. Auch wenn ihm das bittere Gesöff überhaupt nicht schmeckt, oder er auf Grund von Bluthochdruck keine koffeinhaltigen Getränke trinken darf, er tut es natürlich trotzdem, denn er ist ja erwachsen. Leider hat niemand Wein oder Schnaps als Lieblingsgetränk genannt, denn mich hätte dazu die Meinung dieser Psychlaubergerin wirklich mal interessiert. Ist das nun ein Erwachsenengetränk, und wenn ja, stellt man dann als Arbeitgeber lieber solche Leute ein, auch wenn sie vielleicht Alkoholiker sind, oder sind Wein und Schnaps eher Kindergetränke, denn wenn ich so an diverse Jugendherbergen zurückdenke, haben die meisten dort damals den ganzen Tag nichts anderes getrunken.
In wie weit diese bescheuerten Fragespielchen letztendlich nun die Entscheidung der Chefin beeinflusst haben, kann man schlecht sagen. Es haben nämlich gleich zwei der drei Bewerberinnen einen Ausbildungsplatz bekommen, und ob die Verlierin nun die Herbstliebhaberin war, weiß ich leider nicht mehr. Wahrscheinlich hat sie aber doch eher verloren, weil sie während der anderen Testaktionen einem Kunden das Wurstbrötchen ohne Serviette in die Hand gedrückt hat. Auch ein ganz schlimmer Fehler, denn wer keine Servietten um die Brötchen wickelt, hat keine Berührungsängste mit dem Brötchenbestandteil Mehl, und Mehl ist bekanntlich weiß - wie die weiße Flagge, das Zeichen der Kapitulation. Das Mädchen hätte also die Ausbildung sowieso ganz schnell aufgegeben. Aber mit dieser Aktion hat sie sich verraten und die clevere Chefin kann sich nun sicher sein, Dank ihrer psychoanalytischen Fähigkeiten die richtigen Bewerber eingestellt zu haben. Als ein Hoch auf die Psychologie !

Und was Frau Merkel angeht, die würde Dir wahrscheinlich sagen, daß Politik etwas ist, bei dem sie als Politiker nur schwer etwas verändern kann...
Schwarz ist ganz sicher keine Farbe! Das hab ICH so in der Schule gelernt und DAS hab ich mir auch behalten, weil ich als besonders schwarzer Schwarzkittel damals schon fand, dass sowas ungerecht ist :-(
Allerdings würde ich einen Baum in den Wald stellen - würde ich hierzu auch noch meinen Senf dazu geben.
LG,
Ela