In Amerika breitet sich ein neues Grippevirus aus, mehr als 60
Menschen sind bereits gestorben. Wissenschaftlern zufolge sind die
Folgen nicht absehbar. In Mexiko-Stadt kommt das öffentliche Leben zum
Erliegen, die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer weltweiten
Epidemie.
Die WHO ist über den neuen Erreger "sehr besorgt": Zum einen kann er
sowohl beim Menschen als auch bei Schweinen und Vögeln vorkommen, zum
anderen trifft er besonders stark "junge, gesunde Erwachsene", also
nicht wie bei anderen Epidemien überwiegend Kleinkinder und ältere
Menschen.
Einen Impfstoff gibt es nicht
Laut Chan ist es nach den bisherigen Erkenntnissen noch zu früh
festzulegen, wie auf die Infektionen reagiert werden kann. Die Lage
verändere sich ständig und sei nur schwer wissenschaftlich zu erfassen.
Weltweit rätseln Behörden, Wissenschaftler, Ärzte und Patienten über
das Ausmaß der Gefährlichkeit des neuen Grippevirus, das sich in Mexiko und den
USA
verbreitet. Am Samstagabend wurden im US-Bundesstaat Kansas zwei Fälle
der Schweinegrippe gemeldet, auch in einer New Yorker Schule besteht
bei acht Schülern der Verdacht auf einen Ausbruch der Krankheit.
Der Erreger geht offenbar auf die klassische Schweinegrippe zurück.
Auch in Deutschland herrscht noch Unklarheit: "Es gibt nichts, was man
den Bürgern raten könnte", sagte eine Sprecherin des
Robert-Koch-Instituts. Die Situation werde genau beobachtet. Einen
Impfstoff könne es gegen ein so neues Virus noch nicht geben. Doch bei
den Infizierten in den USA würden moderne Grippemedikamente gut
anschlagen.
Der Name "Schweinegrippe" führt allerdings in den aktuellen Fällen in
die Irre. Denn die Patienten, die auf dem amerikanischen Kontinent
derzeit behandelt werden, haben sich zum großen Teil nicht bei
Schweinen infiziert. Darauf jedenfalls deuten laut
Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit und Robert-Koch-Institut
alle bisherigen Untersuchungen und Analysen hin. Vielmehr handele es
sich um ein neues, mutiertes Virus, sagte Loeffler-Instituts-Sprecherin
Elke Reinking SPIEGEL ONLINE. "Gerade die infizierten Patienten in den
USA hatten keinerlei Kontakt zu Schweinen."
Über die mexikanischen Patienten wissen die Experten und Behörden
jedoch bisher zu wenig, um die Infektionswege beurteilen zu können. Die
Symptome der neuartigen Krankheit ähneln der einer gewöhnlichen Grippe
- Fieber, Husten und Halsweh. Einige der in den USA infizierten
Menschen klagten auch über Spuckreiz und Durchfall.
Das Virus verbreitet sich von Mensch zu Mensch
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verbreitet sich
der Erreger von Mensch zu Mensch. Es handelt sich um eine bisher
unbekannte Mutation des H1N1-Virus, der auch bei Schweinen vorkommt. In
Mexiko sollen bereits mehr als 60 Menschen an der von diesem Erreger
ausgelösten Krankheit gestorben sein. Die WHO bestätigte zwar schon 62
Todesfälle infolge einer Grippeinfektion. Allerdings ist die spezielle
Virusvariante bislang nur bei 18 Fällen identifiziert worden. In den
USA ist der Erreger nach Angaben der nationalen Gesundheitsbehörde bei
acht Erkrankten nachgewiesen worden.
Laut Loeffler-Institut deutet derzeit vieles darauf hin, dass der
Erreger "irgendwann einmal seinen Ursprung im Schwein" gehabt hat,
jetzt jedoch Merkmale verschiedener Grippeviren miteinander verbindet -
auch Merkmale von Vogelgrippe-Erregern und Influenzaviren, die den
Menschen befallen. Welche Rolle die klassische Schweinegrippe-Erreger
dabei spielt, sei noch nicht bekannt. Eine Sprecherin des
Robert-Koch-Instituts sagte SPIEGEL ONLINE: "In der Form ist das noch
nicht beobachtet worden."
Wissenschaftler haben seit Jahren vor der Möglichkeit einer globalen
Ausbreitung eines solchen neuen Erregers gewarnt, der genetisches
Material von Mensch und Tier vermischt. In der Wissenschaft wird das
Schwein als "Mischgefäß für Influenza-Viren" betrachtet, erklärt
Loeffler-Instituts-Sprecherin Reinking. Vereinfacht gesagt heißt das:
Verschiedene Virustypen können sich im Körper des Schweins verbinden
und zu einem neuen Erreger mutieren.