Sothink Space

27.04.2009 um 10:28 Uhr

WHO warnt vor Schweinegrippe-Pandemie

In Amerika breitet sich ein neues Grippevirus aus, mehr als 60 Menschen sind bereits gestorben. Wissenschaftlern zufolge sind die Folgen nicht absehbar. In Mexiko-Stadt kommt das öffentliche Leben zum Erliegen, die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer weltweiten Epidemie.

 

Die WHO ist über den neuen Erreger "sehr besorgt": Zum einen kann er sowohl beim Menschen als auch bei Schweinen und Vögeln vorkommen, zum anderen trifft er besonders stark "junge, gesunde Erwachsene", also nicht wie bei anderen Epidemien überwiegend Kleinkinder und ältere Menschen.

Einen Impfstoff gibt es nicht

Laut Chan ist es nach den bisherigen Erkenntnissen noch zu früh festzulegen, wie auf die Infektionen reagiert werden kann. Die Lage verändere sich ständig und sei nur schwer wissenschaftlich zu erfassen.

Weltweit rätseln Behörden, Wissenschaftler, Ärzte und Patienten über das Ausmaß der Gefährlichkeit des neuen Grippevirus, das sich in Mexiko und den USA verbreitet. Am Samstagabend wurden im US-Bundesstaat Kansas zwei Fälle der Schweinegrippe gemeldet, auch in einer New Yorker Schule besteht bei acht Schülern der Verdacht auf einen Ausbruch der Krankheit.

Der Erreger geht offenbar auf die klassische Schweinegrippe zurück. Auch in Deutschland herrscht noch Unklarheit: "Es gibt nichts, was man den Bürgern raten könnte", sagte eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts. Die Situation werde genau beobachtet. Einen Impfstoff könne es gegen ein so neues Virus noch nicht geben. Doch bei den Infizierten in den USA würden moderne Grippemedikamente gut anschlagen.

 

Der Name "Schweinegrippe" führt allerdings in den aktuellen Fällen in die Irre. Denn die Patienten, die auf dem amerikanischen Kontinent derzeit behandelt werden, haben sich zum großen Teil nicht bei Schweinen infiziert. Darauf jedenfalls deuten laut Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit und Robert-Koch-Institut alle bisherigen Untersuchungen und Analysen hin. Vielmehr handele es sich um ein neues, mutiertes Virus, sagte Loeffler-Instituts-Sprecherin Elke Reinking SPIEGEL ONLINE. "Gerade die infizierten Patienten in den USA hatten keinerlei Kontakt zu Schweinen."

Über die mexikanischen Patienten wissen die Experten und Behörden jedoch bisher zu wenig, um die Infektionswege beurteilen zu können. Die Symptome der neuartigen Krankheit ähneln der einer gewöhnlichen Grippe - Fieber, Husten und Halsweh. Einige der in den USA infizierten Menschen klagten auch über Spuckreiz und Durchfall.

Das Virus verbreitet sich von Mensch zu Mensch

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verbreitet sich der Erreger von Mensch zu Mensch. Es handelt sich um eine bisher unbekannte Mutation des H1N1-Virus, der auch bei Schweinen vorkommt. In Mexiko sollen bereits mehr als 60 Menschen an der von diesem Erreger ausgelösten Krankheit gestorben sein. Die WHO bestätigte zwar schon 62 Todesfälle infolge einer Grippeinfektion. Allerdings ist die spezielle Virusvariante bislang nur bei 18 Fällen identifiziert worden. In den USA ist der Erreger nach Angaben der nationalen Gesundheitsbehörde bei acht Erkrankten nachgewiesen worden.

Laut Loeffler-Institut deutet derzeit vieles darauf hin, dass der Erreger "irgendwann einmal seinen Ursprung im Schwein" gehabt hat, jetzt jedoch Merkmale verschiedener Grippeviren miteinander verbindet - auch Merkmale von Vogelgrippe-Erregern und Influenzaviren, die den Menschen befallen. Welche Rolle die klassische Schweinegrippe-Erreger dabei spielt, sei noch nicht bekannt. Eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts sagte SPIEGEL ONLINE: "In der Form ist das noch nicht beobachtet worden."

Wissenschaftler haben seit Jahren vor der Möglichkeit einer globalen Ausbreitung eines solchen neuen Erregers gewarnt, der genetisches Material von Mensch und Tier vermischt. In der Wissenschaft wird das Schwein als "Mischgefäß für Influenza-Viren" betrachtet, erklärt Loeffler-Instituts-Sprecherin Reinking. Vereinfacht gesagt heißt das: Verschiedene Virustypen können sich im Körper des Schweins verbinden und zu einem neuen Erreger mutieren.