Während meines Urlaubs, den ich mal wieder auf Fuerteventura verbracht habe, habe ich viele Leute getroffen, die ich in den letzten Jahren kennen gelernt habe. Unter anderem auch einen Holländer, der mit mir zusammen in Mexico war. Er hat damals die Surf Station geleitet. Nennen wir ihn einfach Roland. Er hatte auch einen Spitznamen, der wäre mir jetzt zu lange. Wir nannten ihn damals einfach alle nur den Saubären. Es bleibt der Phantasie überlassen, warum er so genannt wurde. Mit Roland habe ich echt viele verrückte Dinge erlebt. Und jedes mal wenn wir uns treffen, wird stundenlang über die alten Geschichten gelacht. Ein paar werde ich in den nächsten Wochen / Monaten mal hier niederschreiben. So gehen sie nicht im Alltag verloren. Das wäre schade...
Unser Chef Techniker hatte zu der Zeit, als diese Geschichte passiert ist, einen grünen VW Käfer Cabrio. Das Ding war der Hammer. Bei Regen hat es überall druchgeregnet und eigentlich konnte man nur offen fahren, weil der Fahrtwind das Verdeck immer fast weggeweht hat. Der Beifahrer mußte es immer gut festhalten. Der Wagen hatte auch die Angewohnheit in den unpassensten Situationen einfach aus zu gehen. Der Motor stotterte kurz und dann war er aus. Bei viel Glück ging er dann gleich wieder an. Bei etwas Pech, mußte der Wagen angeschoben werden.
An diesem Abend hatten Roland und ich uns den Wagen geliehen um in Playa del Carmen essen zu gehen. Playa war ca. 30 Minuten mit dem Auto entfernt. Und wir sind losgefahren. Wir wußten auch, daß unser Chef Techniker am gleichen Abend mit seinen Kollegen ebenfalls in Playa unterwegs war. Handys gab es damals noch nicht wirklich, bzw. wir "Ausländer" hatten keine, weil die Gebühren extrem hoch waren. Also wußten wir nur, wo er war. Wir konnten ihn nicht erreichen...
Die Hinfahr verlieft ohne Zwischenfälle. Ich als Fahrer stellte den Wagen auf einem großen Parkplatz ab und wir gönnten und ein tolles Abendessen. Irgendwann später dann, wollten wir Heim fahren. Der Wagen sprang sofort an und ich hatte die leise Hoffnung, daß wir ohne weitere Probleme nach Hause kommen. Die Hoffnung wurde kurz vor der ersten Kreuzung jäh zunichte gemacht. Wir sahen schon von weitem, daß die Ampel ausgefallen war. Das war eigentlich nichts außergewöhnliches, nur das an diesem Abend der Verkehr von vier Polizisten geordnet wurde. Sonst ging das auch immer so. Der Fahrer der am Mutigsten war, fuhr als erster. Es gab keine wirklichen Regeln. Rechts vor Links, galt natürlich, aber wenn vier Leute von allen Seiten an einer Kreuzung warten, kommt man damit auch nicht viel weiter. Die Polizei bewachte also den Verkehr und winkte die Wagen durch. Vor dieser Kreuzung gab es einen Topes (Ich habe keine Ahnung, wie die Dinger in Deutschland heißen. Ich würde mal sagen, das sind Verkehrsberuhigungsinseln uber die man langsam rüber fahren sollte. In Mexico oder Spanien heißen die Dinger Topes.) Der Verkehr lief stockend über die Kreuzung und wir fast an der Reihe waren, wurden die Wagen vor uns angehalten und wir mußten ebenfalls stoppen. Als wir wieder weiter konnte, fuhr ich grade auf den Topes, als der Wagen ausging... Ich versuchte verzweifelt den Wagen wieder zu starten. Roland neben mir fing schon an zu lachen und ich fluchte nur. Der Polizist, der uns am nächsten war, kam natürlich auf uns zu und fing an wild mit den Armen zu winken. Ich versuchte ihn durch Gesten zu beruhigen und versuchte weiter den Wagen zu starten. Roland lachte noch immer. Der Polizist klopfte aufgeregt gegen die Fahrerscheibe und ich kurbelte sie herunter und fing gleich an, Entschuldigungen zu stammeln. Roland lachte noch immer. Der Polizist gestikulierte immer wilder. Roland sagte dann, daß hinter uns ebenfalls ein Polizist wild mit den Armen winkt. Der Polizist an der Fahrertür wurde immer Unruhiger und machte auf einmal die Fahrertür auf und wollte mich aus dem Wagen zerren. Roland hatte mittlerweile aufgehört zu lachen und meinte nur, daß es Brennen würde. Der Polizist zog mich aus dem Wagen und schrie mich an... Fuego, fuego....und so weiter. Da schaute ich nach hinten zum Motor des Wagen und sah dort Flammen hoch aus dem Motor schlagen. Roland war mittlerweile auch ausgestigen und schaute genau so blöd wie ich aus der Wäsche. Der Polizist neben mir zog mich immer weiter von dem Wagen weg. Der Polizist der von hinten gekommen war, rannte in einen Supermarkt und kam mit zwei Flaschen Wasser zurück. Mit diesen fing er an, durch die Lüftungslöchter die Flammen zu löschen. Als es nur noch qualmte, ging ich nach hinten und schloß die Motorhaube auf. Das Feuer war gelöscht...
Natürlich sprang der Wagen nicht mehr an und die Polizisten wollten Geld von uns, für das Wasser. Natürlich bezahlten wir die zwei Flaschen. Ohne zu murren. Dann wollten wir den Wagen von der Kreuzung schieben. Die beiden Polizisten halfen uns und wir mußten bis zur nächsten Seitenstraße direkt an der Polizeistation vorbei. Das war ein gejohle der Kollegen. Die hatten echt ihren Spaß an den zwei armen Trotteln und ihren Kollegen, die den noch immer qualmenden Wagen über die Straße schoben. In der Seitenstraße angekommen. war ich echt froh, daß uns nichts passiert war. Die beiden Polizisten schauten sich an und der eine meinte, dann das wir ihm noch mehr Geld für Getränke geben sollten, da die beiden sich wirklich angestrengt hatten. "Dinero para refrescos...." Nun, wir haben beiden 50 Peso gegeben, das waren damals etwas 20 Mark. Die Beiden zogen ab und wir machten uns auf den Weg zum dem Restaurant, in dem der Eigentümer des Wagens noch immer gemütlich saß und mit seinen Kollegen gegessen hatte. Nachdem wir die Geschichte erzählt hatten wurden wir auf ein paar Bier eingeladen und wir wurden immer wieder von allen aufgezogen... "Para refrescos....."
Der Waren mußte natürlich in die Werkstatt. Es stellte sich raus, daß der Benzienschlauch sich gelöst hatte und wir echt Glück hatten, das nicht mehr passiert ist... Später durfte ich den Wagen trotz dieses Abenteuers auch weiterhin ausleihen...