Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

27.08.2012 um 12:22 Uhr

Auf einem anderen Planeten ...

Musik: It's raining men (Weather Girls)

Nein ... es regnet keine Männer. Eher das Gegenteil.

Gerade las ich die Urlaubs-Reflektionen der Lady ... allein unter Paaren.

Tja ... so ein Alien war ich auch. In Paris war es etwas einfacher. Da war eine gewisse Grundgeschäftigkeit überall. Ein Anteil an Geschäftsreisenden auch im August. Einfach mehr Menschen und deshalb auch mehr Einzelne, ob nur allein unterwegs oder allein seiend. Im Hotel natürlich haufenweise Pärchen und klassische Familienkonstellationen. Aber da waren wir ja nur über Nacht und beim Frühstück. In Versailles haufenweise verliebte Paare. Das liess schon schlucken.

Aber die Lady hat schon recht ... der Kloß im Hals kommt abends. Wenn niemand mit dir einen Wein trinken geht und du entweder allein im Café gegenüber sitzt oder mit physisch ausgepowerten jugendlichen Röllchen um 9 ins Bett gehst (in einem gemeinsamen Zimmer dann ja Zwangsdunkelhaft, da das Licht die Röllchen wecken würde).

Ich habe viel von "meinem" Paris wiedergesehen ... aber der "erwachsene" Aspekt fehlte leider. Das gemütliche "in den Abend gleiten" in einer Bar. Das Fisch-Essen in einer Markthalle mit einem Champagner. Ein Arm um meine Schulter, wenn es gerade besonders schön wird ...

Tja, Lady ... ich bin geschätzt zehn Jahre älter als du. Und ich befürchte, es ist genauso, wie du sagst. Leider.

 

27.08.2012 um 07:23 Uhr

Leben 2

Musik: Mix ...

Eine Tür hat sich geschlossen und eine andere ist aufgegangen. Ich bin verliebt. Und wie vor 9 Jahren nicht in einen Mann. Sondern in das Leben und den Sommer.

Am Samstag war ich mit besterFreundin aus. Eine seltene Gelegenheit, denn sie hat ja vor drei Jahren noch einmal Nachwuchs bekommen und ist deshalb abends eher nicht abkömmlich. Samstag war sie es, spontan sogar. Ein Bekannter aus Dorf hatte mir bei einer zufälligen Straßenbegegnung Karten für ein Kneipenfestival zwei Orte weiter gegeben ...und besteFreundin kannte sogar eine der beteiligten Gruppen. Und so kam es, dass zwei bestens gelaunte Frauen an einem Samstagabend erst einmal wunderschönen Swing in einem nostalgischen Kaffeehaus hörten und dann zum Reggae weiterzogen. Erster Fehler: Bestellung eines mexikanischen Maisbiers mit Teeeequilllla-Zusatz. Zweiter Fehler: Treffen alter Bekannter und witziges thekennachbarschaftliches Wortgeplänkel mit einem sympathischen Pärchen. Es folgten mehrere Runden der fatalen Maisplörre. Dritter Fehler: Danach nicht gehen, sondern in eine politische Debatte mit zwei Menschen zu geraten, die im eigenen "Fach-Revier" arbeiten. Richtig gemacht:Gegangen, bevor Bier schlimme Folgen zeigte.

Der nächste Morgen gehörte Kater. Noch nie war ich so froh über eine abgesagte Wanderung dank Fieber der Organisatorin. Verschaffte mir das doch einen Vormittag zum Ausschlafen und Verjagen des selbstzufriedenen Katerviechs. Und mittags die Gelegenheit zum Besuch eines Kunstprojekts, das schon seit Monaten auf meiner inneren "Liste" stand und gestern abend schloss. In einem leerstehenden Krankenhaus haben über hundert Künstler ihre Räume geschaffen und das Gebäude selbst zum Kunstwerk gemacht. Teils unverständlich, teils belanglos, teils tief berührend. Wie in der "letzten Visite" ... ein reinweisses Zimmer, in dem von der Decke hängende Arztkittel um ein breites Bett mit einem Kruzifix zum Nachdenken anregen.Der feine Mensch konnte gar nicht mehr aufhören. ein Objekt aus Stahlwolle zu fotografieren, während die Wüstentaucherin und der Wandervogel verzaubert waren von einer Installation mit blauen Strohhalmen, die wie ein Fischschwarm durch ein Zimmer glitten. Frau Leichtgewicht (die Verfechterin des Hüttenwanderns mit weniger als 6 Kilo Gepäck) und ich hingegen liebten das Rosenzimmer und Cinderellas Musikwelt. So schön, so detailreich, so bunt. Deshalb so interessant, was der feine Mensch gerade in diesen Zimmern fotografierte, während wir uns auf Kram und Glitzer stürzten. Er sah nämlich das Schild "no way out".

Frau Leichtgewicht, der feine Mensch und ich bekamen dann doch noch Bewegungslust (Wandervogel hatte eine Zerrung, weshalb er und die Wüstentaucherin dann lieber nur Kaffee trinken gingen). Wir bestiegen dann den nächstbesten Hügel aka Berg und fanden herrlichen Pflaumenkuchen, bevor wir durch Alleen den Heimweg antraten. Ich allerdings musste noch einmal in das Kunst-Haus ... zwei Etagen fehlten mir noch. Und die habe ich dann noch alleine besichtigt. Und war begeistert.

Wie sagte Herr Lennon? Leben ist das, was passiert, während wir gerade andere Pläne machen ... und genau das hat dieses Wochenende so zauberhaft werden lassen!

 

 

 

 

 

 

24.08.2012 um 14:46 Uhr

Leeeeeben!

Musik: was ganz altes ... mit vielen Erinnerungen

Die Musik, die ich gerade höre, kennt kaum jemand aus meinem Umfeld. Sie gehört zu einer anderen Zeit, zu einem anderen Mensch. Neun Jahre her ist das. Der Mensch ist nicht mehr in meinem Leben ... obwohl "es" tief ging. Aber diese Musik ist geblieben. Dieses Lied höre ich, bevor ich ausgehe ... manchmal. Und es bewegt etwas in mir, öffnet Türen zu Gefühl und Leidenschaft.

Paris hat mir viel gegeben. Nichts nach außen sichtbares. Nur "innen". Und plötzlich fühle ich, dass ich nicht mehr nur ÜBERLEBE ... seit wenigen Tagen LEBE ich wieder.
Herrlich ... oder: WUNDERBAAAAR ... wie der Lieblingsanimateur der Röllchen immer zu sagen pflegte, wenn sie sich in Paris-Plage mal wieder mit dem BMX-Rad in der Kurve wickelten ... ich habe ihn ja selbst nur mal von weitem gesehen ...

aber die Imitation von Röllchen 1 hat uns beim Abendessen den Salat quer über den Tisch gehustet Fröhlich

23.08.2012 um 07:43 Uhr

Insel die Zweite und zurück auf dem Festland

Musik: Ella Fitzgerald - I love Paris

Ein Eintrag war bereits geschrieben und verschwand im Blogigo-Nirwana ... zweiter Versuch einige Tage später:

Die zweite Insel war eine äusserst urbane ... die Ile de la Cité von Paris hat mit einsam nichts zu tun. Aber es war ja auch nicht die Einsamkeit, die ich suchte (wäre in Begleitung von zwei Röllchen im Teenageralter und nur einem Hotelzimmer auch schwierig gewesen), sondern der Abstand vom Alltag und andere Anregung.

Paris im August ...heiß, staubig und voller Lebensfreude. Endlich habe ich "mein" Hotel gefunden. Ich dachte immer, es würde eines der alten Art Deco-Gebäude sein ... aber es ist in Bauart und Ausstattung modern. Schlägt durch seine in neuen Materialien realisierte Fassadengestaltung und Silhouette aber eine Brücke über zwei Jahrhunderte, denn es wurde an einer Stelle errichtet, an der früher ein Lagerhaus stand, eines von zweien. Das andere steht noch und ist heute ein Studentenwohnheim. 

Für die Röllchen war weniges vertraut und vieles neu und überraschend. Wir hatten vor zwei Jahren bereits einen Paris-Tag eingelegt, bevor wir nach Klein-Amerika vor den Toren der Stadt fuhren. Sie waren auf dem Eiffelturm, kannten Sacre Coeur und sind schon durch Beaubourg gebummelt.

Diesmal habe ich ihnen "mein" Paris gezeigt. Nicht alles, denn einiges ist "erwachsenes" Vergnügen, wie die Fischrestaurants oder die kleinen Bars am Abend. Aber vieles von dem, was mir über die Jahre ans Herz wuchs. Ich war oft in dieser Stadt ... ein Jahr lang sogar der Liebe wegen. Und jedes Mal habe ich etwas neues entdeckt. 

Meinen Teenagerröllchen muss ich ein dickes Lob aussprechen. Bis auf ein Moser-Intermezzo haben sie alles mitgemacht, sind Kilometer um Kilometer mit mir durch die Augustsonne gelaufen und haben sich auf Neues eingelassen. Und ich habe durch sie immer wieder andere Perspektiven bekommen. Wir waren in Versailles, sind auf dem Boot durch den Canal St. Martin gefahren, waren im Marais, in Beaubourg und auf den Champs Elyssees, staunten in den Katakomben und schauten von Bellevue aus über die Stadt.

Und abends? Waren wir am Strand. Direkt vor der Hoteltür. Mit Paris-Plage bringt die Stadtverwaltung den Urlaub zu den Parisern. Meine Röllchen haben eine BMX-Strecke entdeckt und powerten sich aus, ich genoss den Liegestuhl und einen Wein aus dem Supermarkt. Statt Restaurant gab es abends oft "Bäcker". Der freundliche Nordafrikaner an der Ecke machte Quiche heiss, belegte Baguettes frisch, hatte immer kühle Getränke und die köstlichsten Kuchen. Lecker und preiswert. Und später am Abend konnten wir dann durch die Gruppen und Grüppchen flanieren, die sich am Ufer niedergelassen hatten, picknickten und schwatzten ... oder den Tango-Tänzern zusehen. 

Voller Eindrücke kam ich zurück ... einige werde ich sicher noch hier schildern.

Inzwischen bin ich wieder in meinem Alltag. Dutzende von kleinen und kleinsten "Baustellen" rufen. Leider auch eine körperliche. Irgendwie habe ich mir einen Nerv eingeklemmt ... Ischias oder knapp daneben. Aua. Hoffentlich ist das bis zum Wochenende wieder ok - wäre schade, wenn ich die Sonntagswanderung absagen müsste ...

Aber nun ... der Tag wartet ...

13.08.2012 um 10:28 Uhr

Insel-Hopping

Musik: Die Ärzte

Meine Berginsel war schön. Eine gute Freundin endlich wiedersehen. Landschaft, Bewegung, eine romantische alte Stadt. Ein Ausflug in Heidis Welt. Rund. Bunt. Entschleunigend.

Und jetzt ist Heimat. Viel davon. Einmal im Jahr kommen alle zurück, die längst in alle Winde verstreut sind. Wenn morgens um 8 die Musik klingt, wenn Priester die dicke Posaune spielen und ein Engländer seit 20 Jahren anreist, um morgens um 7 mit einem Holzgewehr anzutreten und drei Tage lang kreuz und quer durch ein kleines Dorf zu gehen, nur unterbrochen vom schnellen Trinken mäßigen örtlichen Weins. Wenn die Glocken drei Stunden lang handgeläutet werden. Wenn junge Mädchen statt Skinny Jeans plötzlich Cocktailkleid und Heels tragen ... und wenn alte Freunde beim Kölsch 20 Jahre einfach wegwischen können ... dann ist die 6. Jahreszeit ... fühlt sich gut an.

Die nächste Insel wartet schon ... diesmal mit den Röllchen zusammen. Morgen geht es los ...

 

 

 

05.08.2012 um 06:33 Uhr

Ab auf die Insel ... oder so

Musik: Blindfisch - Ich lass meinen Drachen steigen

Das oben erwähnte Lied kennt wahrscheinlich kein Mensch ... es sei denn, ihr habt Kinder und seid durch Zufall mal auf diese Gruppe mit den kindermusikunüblich peppigen Rhythmen und Texten gestossen ... seeeehr hörenswert und eine wirklich erholsame Abwechslung zu Volker, Rolf und wie sie alle heissen mit ihrer betulich-pädagogischen gitarrenbegleiteten und Kinderchor untermalten Lächerlichkeit (Ketzer-Mum, ich weiss *gg*).

Ich habe meine Insel gefunden. In diesem Jahr liegt sie weit weg vom Meer. Eigentlich mitten in den Bergen. Bei Freunden in einem kleinen trutzigen Land, unten rechts auf der Landkarte und standhaft dem EU-Beitritt widerstehend. Mein Meer ist ein Pool, mein Netbook fährt mit und jede Menge Bücher. 

Zuhause bleiben die schlechten Gedanken und der Kleinkram. Internet werde ich dort wohl nicht haben. Gut so.

 

Ich freu mich!!!

 

 

 

 

 

01.08.2012 um 10:46 Uhr

Nichtstun ist auch eine Entscheidung ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Herzliches

Keine lustigen Geschichtchen von Töle und Kater. Töle geniesst mein Ungleichgewicht, da immer mit Hunger verbunden. Kater ist überzeugter Muskelkater. Zudick hat sich vorerst ein Pensionszimmer genommen, bringt aber weiter seine Wäsche. 

Keine lustigen Geschichtchen auch aus dem Dschungel. Sondern die Erkenntnis, dass ich kurz vorm Zynismus stehe. Der Sommer ist fast vorbei, ohne dass Sommergefühl sich einstellen konnte. Und ich habe wieder Ohrenschmerzen ... die selbe Art wie früher.

Ich wünsche mir eine Insel. Nur ich und viele Bücher, ein Netbook zum Schreiben (ohne Internet) eine schattige Laufstrecke, eine haifreie Badebucht, ein selbstauffüllendes Salatbuffet, frische Säfte und eine Matratze unter Moskitonetzen auf der Veranda.

Die Zuhörerin sagt, ich sei klarer. Gut, dass sie es sagt, denn ich fühle mich noch ziemlich zerfasert, nicht focussiert. Ich weiß nur eins, ich will nach vorn, nicht zurück. Komplett mit der Vergangenheit abschließen. Und ich werde meine Urlaubstage brauchen, um mich zu "mitteln".