Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

31.05.2014 um 09:42 Uhr

The Italian bloke who went to ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Stress und Konsorten

Musik: Saturday Night (Cool and the Gang)

Zwischenbericht aus dem Auge des Sturms. Die ersten beiden Tage des Kochevents sind geschafft. Meine Füße leider auch. Trotz Gesundtreter und butterweicher Stiefeletten. Nicht wegen des Zehs, sondern wegen der Ballen. Wie üblich. Und ebenfalls wie üblich ist das Event ein Kaleidoskop von Menschen und Begegnungen und Adrenalin.

Kleine Beobachtung am Rande: einer der importierten Spezialitätenköche liess mich fast lachend hinter meiner Kochplatte zusammenbrechen. Kennt ihr den hübschen kleinen Clip von dem Italiener auf Malta? Unbedingt schauen! (The Italian M*n who went to M*lt* auf jutjube suchen). Der arme Kollege aus dem oberen Teil des Stiefels sprach GENAU SO. Und ich hatte Mühe mit der Kontinenz ...

Bilanz der letzten Tage:

- gemeinsame Wettbewerbe mit Obercheffe: vier
- Galamenüs: eins
- Workshops mit Beiköchen: sieben
- Schlaf pro Nacht: höchstens fünf Stunden
- Macadamianussteilchen: zehn
- wiedergetroffene liebe Kollegen aus anderen Küchen: soooo viele
- verzweifelte Momente: zwei
- kaputte Füsse: zwei

Und sogar das Wetter spielte mit! Es regnete nämlich. Weshalb sich GlamourGirls Terrassenblumen bis morgen gedulden dürfen, bis sie per Schlauch gegossen werden. 

29.05.2014 um 07:12 Uhr

Mir geht es gut ... OMMMMM!

von: Spring_Roll   Kategorie: Stress und Konsorten

Musik: Fresh (Cool and the Gang)

Heute kein Kleiderschrank-Content. Dafür jede Menge Küche. 

DAS Koch-Event steht an. Erstes Beiköchetreffen um 9, Obercheffe kommt um 9.30 und ab 10 wird die Herdplatte gerockt ... eigentlich ziemlich durchgehend bis Samstagabend. Und die Fragen, die mich eine Stunde vor Abfahrt in die Eventküche bewegen sind:

- Welcher verdammte Schuh tut am wenigsten weh und entspricht trotzdem den Küchen-Gepflogenheiten?'
- Warum habe ich das afrikanische Vorspeisenrezept nicht ausgedruckt?
- Wieso muss ich mich auch noch um Bankettfragen kümmern .... und hey ... ab- und zusagen in letzter Minute bringt mir die Tische durcheinander!
- Wie bekomme ich Cheffe in ein komplexes Souffle hinein, das er noch nie kochte und dessen Rezept er nicht mal kennt?
- Wie ist Obercheffe gleich gelaunt?

und, die wichtigste:

WANN ist das Bad endlich frei, Blue???

Weiter hinten im Kopf auch noch: wann ist in dem heftigen Programm eine Lücke, damit ich GlamourGirls Blumen wässern kann ....?

Zen und ich haben uns gestern kurzfristig für Streichung aller Pläne und bilaterales Bettverharren entschieden. Für meinen Teil bin ich damit mehr als zufrieden. Kopf frei am Eventmorgen ist mir lieber. Schon Blue ist eigentlich zuviel heute. Gut, dass ich morgen und übermorgen allein sein kann.

Jedes Jahr das Gleiche. Alles gut vorbereitet. Alles wieder durchgewirbelt vom türkischen Energiewunder in letzter Minute. Mut zur Lücke und irgendwie klappt immer alles wunderbar. Das heftigste und auch das schönste Kochevent des Jahres. Love it. Auch wenn es in den oberen Zeilen vielleicht nicht so aussehen mag. Aber ich finde es toll, mit vielen Köchen zu arbeiten, die alle ihren eigenen Stil und Hintergrund mitbringen, aus fast überall in dieser Welt. Und das zubereitete Buffet am Ende ist stets einzigartig!

Let's rock it! 

28.05.2014 um 07:57 Uhr

For a season, for a reason, forever?

von: Spring_Roll   Kategorie: Das Beste zuerst ...

Musik: Stand by me ...

Irgendwann sprach ich mit GlamourGirl über das Wesen von Freundschaft. In ihrer Heimat sagt man "Friends are there for a season, for a reason or forever." Kluger Spruch. Und passt nicht nur auf Freundschaften. Sondern - ich hab mich an dem Thema irgendwie festgebissen gerade - auch auf Kleidung und sonstige Modebestände. Wobei forever dann den auch durch Reparatur nicht mehr verlängerbaren Lebenszyklus des Gegenstandes meint. Niemand wird einer Jeans Ewigkeitswert zumessen, so sie nicht an einem Pharaonenhintern luftdicht für Jahrtausende eingeschlossen und irgendwann von staunenden Archäologen ausgegraben würde. Aber eine subjektive Ewigkeit kann ein Kleidungsstück schon erreichen.

Wie Tante Trautchens Vermächtnis. Und Füchschen. Füchschen ist ein ebensolcher, wie der Name schon sagt. Und zu einem Kragen verarbeitet. Bevor die Pelzgegner aufschreien: Füchschen starb nicht in einer Pelzfarm. Auch war er definitiv mausetot, als die Verarbeitung ins Gespräch kam. Und die Tötung ist verjährt. Definitiv. Füchschen wurde das Opfer seines Jagdtriebs, den er im Hühnerstall meines Urgroßvaters auslebte. Mein Urgroßvater wurde in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts geboren und starb noch vor dem 2. Weltkrieg. Der Fuchs um die Wirtschaftskrise der Zwanziger herum. Für einen Bauern waren in dieser Armutszeit Hühner Teil der Existenzgrundlage. Und es gab zehn Kinder auf dem Hof. Meine Oma war Jahrgang 1901, ihre kleine Schwester müsste um 1907 herum geboren worden sein, der jüngste Bruder 1911 oder so, da muss ich meine Mutter nochmal fragen. Jedenfalls beging Füchschen den Fehler, sich von meinem Urgroßvater beim Hühnerwildern im Stall erwischen zu lassen. Und dummerweise war mein Urgroßvater reaktionsschnell und mit einer Schrotflinte bewaffnet. In den armen Zeiten wurde ALLES verwertet. Und so bekam Omas kleine Schwester ein wärmendes, modisches Accessoire - der Kürschner im Nachbarstädtchen fertigte aus dem Balg einen Kragen an - komplett mit Kopf und Schwanz. So, wie wir ihn aus alten Stichen kennen und Bildern aus den Zwanzigern. 

Füchschen begleitete Tante Trautchen ihr Leben lang. Und wanderte dann in den Schrank meiner Mutter, die ihn nie trug. Irgendwann werde ich ihn bekommen. Und in Ehren halten, wenn auch vielleicht nicht tragen. Wegen der Geschichte dahinter. Ansonsten bin ich nicht der Pelz-Typ. Für meinen Persianer mussten lediglich viele kleine Polyester leiden. Und das ist gut so. 

Tante Trautchen jedenfalls hinterliess viele Erinnerungen. Sie war in jungen Jahren verlobt, doch der betreffende Herr - ein Herr Huhn übrigens - erwies sich als Luftikus und liess sie sitzen. Fürderhin führte sie ihrem kleinsten Bruder, der sich zu einem waschechten "Herr Pastor" (katholisch) ausgewachsen hatte, den Pfarrhaushalt. Als sie in den 1980ern starb, hinterliess sie unter anderem Unordnung, einen Schrank voll Angoraschlübber und ein stetiges Schmunzeln beim Erinnern an die Besuche der Kindheit, begleitet von Dackel "Sepp" - breit wie hoch und so übellaunig-bissig wie Tante Trautchen sanftmütig. Und sie hinterliess einen Gegenstand, der als "Tante Trautchens Vermächtnis" in die Ewigkeit meines Kleiderschranks einging: einen selbstgestrickten Chenilleschal, fast Stola, mit Fransen. Schwarz natürlich. War Tantes Kirchgangs- und Beerdigungsschal. Ich liebe diesen Schal. Und höre fast Sepp bellen, wenn ich ihn trage. Obwohl ... der hat mich mal in den Finger ... nix mit Erinnerung verklärt ;-)

Wenn ich die Ewigkeit noch weiter relativiere, dann sind da schon einige Teile mit "forever"-Chance im Schrank. Jedenfalls dann, wenn ich die Sache mit den Gewichtsschwankungen mal dauerhaft im Griff habe. Frau Kaufnix bezeichnete ihren Schrank irgendwann als perfekt. Dann ist der forever-Anteil hoch. Die Sachen zum Wohnen - das ist forever. Oder bis der Schleiß uns scheidet. Die Lieblingsjeans, der perfekte Blazer, das Kleid für jede Gelegenheit und unknitterbar im Koffer, die Wildleder-Ankleboots ... undsoweiter.

Dann gibt es die Sachen für den Grund. Einerseits in der Sache. Nämlich Sportkram. Kurzlebiger als die Ewigkeitsdinge, weil schneller verschleißend meist und wenig emotionale Bindung. Ein Laufschuh ist ein Laufschuh. Wenn er schwarz ist und von der Firma mit dem mir passenden Leisten, ist er austauschbar. Und wird er auch, sobald die Dämpfung durch ist. Und eine Laufhose mit zerschlissener Innenseite ist durch. Flicknähte scheuern nämlich die Oberschenkel auf. Und die Regenjacke muss dicht sein - wenn nicht mehr, dann weg. Und ich habe festgestellt, dass Funktionalität und Marke nur bei Schuhen in Zusammenhang stehen. Die billigen Hosen vom Discounter sind 11 Jahre alt - die Markenhosen gleichen Jahrgangs habe ich mittlerweile alle schon entsorgen müssen.

Die zweite "Grund"-Variante ist der Anlass. Hochzeit, Mottoevent .... und Anlassnervösität. Immer dann, wenn der Anlass Nervösität auslöst, ist es Zeit für eine "Rüstung" ... und anstatt dann Wohn-Klamotten zu wählen, werden meist unsägliche Fehlkäufe getätigt in letzter Minute. Oder kaufen, statt auszuleihen - wie die weiße Hose für das Diner en blanc, zu dem ich dann doch nicht ging, weil ich krank war. Oder das fünfte fast identische schwarze Jackett als "Eventrüstung". Falle!  Und Potenzial für Veränderung. Lieber bewusst Stücke suchen ohne Anlass, die dann zur Abteilung "Anlassgarderobe" wandern. So mache ich es seit einigen Jahren mit den Winter-Festwochen, auch als Karneval oder Fastnacht bekannt. In zwei Kisten im Keller sind lauter Kleidungsstücke, die ich irgendwann mal zufällig ergatterte oder aus dem ständigen Fundus aussortierte - eine güldene Hose zum Beispiel oder schreiendbunte Shirts, die ich mir irgendwann mal "einbildete" und nur eine Saison wenig trug.

Womit wir zur letzten Kategorie kommen: for a season. Saisonware ist gefährlich und verführerisch. Kurzlebige Mode-Sünden, für die man sich kurz darauf schon fast schämt. Seltsame Farben und Muster, komische Schnitte. Sachen, die auf einem Bild oder im Schaufenster toll aussahen. Oder auch nur im Spiegel. Die aber zu schnellem Sattsehen führen. Oder zu nix passen. Oder unbequem bzw. unpraktisch sind. Wie die tollen, tollen Highheel-Ankleboots mit Schnürung die ich soooo schön finde, aber wegen meines Fußgängerstatus so selten trage. Sind halt Schuhe, um elegant vom Auto zum Restauranteingang zu gehen. Schade. 

In mein Rezept muss eine Formel hinein, die diese drei ins Verhältnis bringt.

Die chiliroten Bequemtreter zum Beispiel sind als Anlass-Kauf in mein Leben getreten. Fuss aua. Bequemschuh muss her. War richtig und nötig. Aber die Dinger haben durchaus Potenzial zum Bleiben. Könnten also "Wohn-Schuhe" werden. Mal sehen.

Würde ich aber heute noch einkaufen gehen, wäre das defintiv Eventpanik - also Stoppschild.

Ich arbeite dran ... 

 

27.05.2014 um 22:51 Uhr

Ruckediguuuuh ... Blut ist im Schuh?

von: Spring_Roll   Kategorie: Das Beste zuerst ...

Musik: Wouldn't it be good (Nik Kershaw)

Mein Zeh tut immer noch weh. Es ist eine Woche her, seit ich die Küchenbank rammte. Dem blöden Bankbein tut nix weh. Mir schon. Immer noch dumpfer Schmerz im kleinen Onkel und keine Chance Schuhe ausser den Ballerina-Pantoffeln und den Gesundtreterneukäufen vom Freitag anzuziehen und damit mehr als zehn Meter zurückzulegen. Ich bin genervt. Weil wir Festwochen haben. Inklusive Gala. Und da kann ich nicht mit chiliroten Gesundtretern auflaufen. Sähe nämlich ziemlich dämlich zu meinem Carol Zee Kleid aus. Die Alternative sind sehr hohe Wedges. Die sind vorne auch weit genug. Oder die konsequente Entscheidung für Gesundtreter und Hosen. Drei Tage lang. Bäh. 

Lösung a la Panikrolle in echten oder eingebildeten Notfällen: Shopping. Unterstützt auch noch durch stressigen Arbeitstag und Halsaua und einfach nur Bock auf "Retail Therapy". Also auf in den Outlet. Eine schwarze Bluse und ein Gürtel schrien "Rolle". Und ich hab zugehört. OK, es sind Basisteile. Die Bluse ist ganz schlicht und zum Schlüpfen und ganzjährig tragbar, der Gürtel ein Jeden-Tag-Stück. Gebremst habe ich mich bei einem eigentlich sehr schönen Longshirt. Ich brauch's nicht wirklich.

Aber die Schuhe, die nagten. In vier Geschäften nur faule Kompromisse. Bequem, aber nicht gefallend. Oder umgekehrt. Dann aber zuhause auch schon xmal vorhanden. Also allen Mut zusammengenommen und die Schweinehündin gezwungen, die schon im Maul befindlichen Treter einer Bequemtretermarke wieder zurück ins Regal zu apportieren. Und nach Hause gegangen in dem Bewusstsein, dass ich eine Abendgala in chiliroten Gesundtretern bestreiten darf. Sorry, aber ich bin nicht die Frau für Denk-Schluffen. Die sehen aus wie Entenfüsse. Als Mary-Janes wie die Schuhe von Minnie der Mäusin. Ich bin aber nicht Minnie die Mäusin. Und trage auch keine Entenfüsse. Punkt. Bequemmarke zwei ist die vom Papagei. Ömmig ist das Wort, das mir dafür einfällt. Sagen wir zusammenfassend: die Auswahl an meinem Zeh genehmen Modellen lässt sich nicht mit meiner Würde als Frau und Köchin vereinbaren. Es sind zwar nicht wirklich meine Schuhe, die die mir begegnenden Wichtix beeindrucken würden, aber ein bisserl Stolz hat auch eine Rolle. Also chilirot oder flache Ballerinapantoffeln oder wasauchimmer ... nur nicht Minnielook oder Kreischmodell vom Papagei.

Zuhause las ich dann wieder bei Frau Kaufnix. Und bekam gleich zwei Schläge auf den Hinterkopf, die das vor der Stirn befindliche Brett solcherart lockerten, dass die im Regal direkt gegenüber dem Sichtfeld platzierten Schuhe plötzlich wieder auftauchten. Und da standen sie ... gleich zwei Paare einer französischen Marke, deren Shops in Deutschland leider schlossen - die Luftsöhlchen. Ich liebe Luftsöhlchen. Und meine inzwischen sieben Jahre alten Ankleboots dieser Marke sind aus butterweichem Wildleder mit mittelhohem Absatz und feinen runden Kappen, die nicht einengen. Also genau das richtige auch für den Abend sogar mit Kleid! Und selbst die hohen Pumps würden gehen ... wow! 

Hat sie recht, die Frau Kaufnix. Wo zuviel ist, entsteht schneller Irritation und das Gefühl des Mangels - einfach aus Vergessen des Vorhandenen heraus!

Ein weiteres Fundstück war die Schrankverzichtsaktion zur Fastenzeit. Beschränkung auf 50 Teile für sieben Wochen. Und das hatte es wirklich in sich! 50 Teile ... das packe ich ja locker für eine Reise ein! Und wahrscheinlich mehr als das ... und ich bin eigentlich eine Frau mit WENIG Gepäck, wenn ich mal so vergleiche. Die mich begleitenden Herren meines Urlaubslebens hatten meist mehr Gepäck ...

Aber zurück zur Aufgabe - sieben Wochen Frühling mit 50 Teilen, die sich wie folgt stückeln sollten:

4 Hosen, Röcke, Kleider  
14 Blusen, Shirts etc.
4 Jacken, Blazer, Pullis
10 Teile Unterwäsche
10 Paar Strümpfe
2 Leggings/Strumpfhosen
2 Paar Schuhe/Stiefel
1 Jacke/Mantel
3 Accessoires

Feststellung 1: es geht nicht. Weil allein die Sportklamotten und Schuhe den Rahmen sprengen würden. Und wo ist die Nachtwäsche? Die müsste mit rein.

Aber gesetzt den Fall, meine Wanderschuhe, Laufschuhe, Fitnessschuhe nebst zugehörigen Outfits zählen extra, dann brauche ich 37 Teile extra. Und das ist knapp kalkuliert ... täglich waschend!

4 Hosen (Wanderhose, lange Laufhose, Regenhose, knielange für Laufen und Fitness)
12 Oberteile (Fleece, Langarmshirt, Merino, Wechselshirt und Langarmshirt, dickes Laufshirt, dünnes Laufshirt, vier Shirts für Fitness, Weste) 
6 Teile Unterwäsche (Sport BHs und Slips)
6 Paar Socken
3 Paar Schuhe (Wanderstiefel, Laufschuhe, Fitnessschuhe für drinnen)
2 Jacken (Wanderjacke, Regenjacke)
4 Accessoires (2 Buff, Mütze, Handschuhe) 

Bei den 37 Teilen ist der Badeanzug noch nicht dabei ... also 38. Und der Saunabademantel ... 39. Plus Schlappen .... 40. 

Jetzt also zurück zu den 50 Teilen. Mal sehen, ob ich das hinkriegen würde ...

4 Hosen, Röcke, Kleider - eine schmale, schwarze Hose, eine Jeans, ein schwarzer Wildlederrock, ein schwarzer Cordrock
(hier gerne plus 2: ein schlichtes schwarzes Kleid und eine weite schwarze Hose zusätzlich

14 Oberteile - hier streiche ich auf 12 zusammen:
Blusen: rot, schwarzweiß, dreimal schwarz, weiß 
Shirts: Chilirot, schwarz, rot, Streifenshirt, Langarmshirt mit Kragen, Wohlfühlshirt

4 Jacken, Blazer, Pullis:
Das ist schwer!!!
schlichter, schwarzer Blazer, rote Lederjacke, gelbe Lederjacke, Kaschmirstrickjacke
Ich hätte gerne noch die schlammfarbene Lederjacke, die gewalkte Joop-Bikerjacke und gaaanz wichtig den Samtblazer ...

10 Teile Unterwäsche - das ist zu viel (jedenfalls, wenn ich den Sport rausrechne)
2 BHs, 6 Slips - alles schwarz, das reicht -- da passen noch Nachthemd und Schlabberhose für abends ins "Budget" 

10 Paar Strümpfe - sechs reichen!
2 Leggins-Strumpfhosen hingegen nicht. Ich brauche 3 Paar Leggins (zwei schwarz, eins rot) und zwei Strumpfhosen in schwarz
Da mir noch ein Spitzenunterhemd fehlt, runde ich damit die zehn auf.

2 Paar Schuhe/Stiefel - DAS ist Folter!
Schaffe ich definitiv nicht. Aber auf 6 könnte ich kommen - Wildlederstiefel mit hohem Schaft und Absatz, Wildleder-Ankleboots. Glattlederstiefel mit Absatz und Ankleboots. Flache Stiefel und Ankleboots. Das sind die Schuhe, die ich im Winter/beginnenden Frühling wirklich anziehe. Abwechselnd und ganz regelmäßig. Und NEIN, da kann ich mich wirklich nicht entscheiden. Würde ich verreisen, würden es vermutlich die Glattlederstiefel mit Absatz und die Ankle-Treter werden. Aus Gründen.

1 Jacke - EINE Jacke?
Schwierig, schwierig. Und was ist mit Wetter? Es ist Frühling, gelle? Dann nehme ich mal die schwarze Caban-Jacke mit Regenfunktion. Aus Vernunft, nicht aus Schmacht.

3 Accessoires
Schals gehören zu mir. Es ist Frühling und ich verzichte auf Mütze und Handschuhe. Dafür zwei dünne Kaschmirschals in schwarz und rot. Und der schöne bunte Wollschal, der so gut zur gelben Lederjacke passt.

Ich stelle überrascht fest: .. bis auf die Sportsachen, die Blazer und die Schuhe ist es gar nicht so schwer ... und ein bisschen so wie Kofferpacken.

Mein Fazit:
Kofferlisten erstellen kann ich ganz gut. Aber es geht ja darum, dauerhaft mit weniger klarzukommen. Da war meine Retail Therapy im Outlet jetzt nicht wirklich zielführend. Die Schuh-Entscheidung war hingegen richtig gut.

Ruckediguuuh .... Schluss ist mit Schuh!

Nur einen Schuhwunsch erfülle ich mir .... den nach dem perfekten Paar Lace up Boots mit 3 cm Absatz OHNE Reißverschluss in schwarz mit Budapester Muster. Solche hatte ich mit Anfang 20 mal. Die waren soooo schööööön. Und irgendwann soooo kaputt und soooo zu klein. Vom Kinderkriegen kriegt nämlich nicht nur der Bauch Ausdehnung. Sondern auch die Schuhgröße. Gar nicht mal so selten. Meine Nachbarin, die gerade wieder schwängert, hatte früher mal 39 .... jetzt fast 41 ... und Kind 3 lässt Raum für Größenspekulationen. Ich hatte 37,5 "vorher" .... jetzt 39. Meine superdupertollen Schuhe hätten also auch mit Schusternotrettung meinen Füßen nicht mehr auf die Sprünge geholfen. Leider traf es auch meine halbhohen Schnürstiefeletten mit den tollen Nieten vorn. Die wären noch heute Lieblingsstücke. Wenn nicht die Kinder .... usw. Letztlich erbte sie eine kleiner befußte Freundin dann. Und ich trauere ihnen hinterher.

Kurzum: sollte ich irgendwo zu halbwegs vertretbarem Preis und Gewissen das eine oder das andere Paar ähnlich entdecken, dann bin ich ihnen verfallen. Aber das sind dann auch Schuhe zum "drin wohnen". Wie die Wildleder-Ankleboots. Die ich seinerzeit vorausschauend gleich in schwarz und braun kaufte, aber aus Farbgründen nur in schwarz wirklich öfter trug ... und deshalb jetzt mal recherchiere, wie ich die traumhaften Dinger schwarz färben kann. Oder die flachen Stiefeltreter, die ich vor zehn Jahren kaufte und seitdem begeistert trage jeden Winter.

Ich will mehr Sachen zum "drin Wohnen". Beziehungsweise insgesamt weniger Sachen, wovon aber prozentual mehr mit "Wohngefühl" gesegnet sind.

Hoppla, Frau Kaufnix .... jetzt verstehe ich. Es geht ums "drin wohnen" bei der Suffizienz. Wir brauchen genau die Dinge und Kleidungsstücke um uns, in denen wir "wohnen" möchten. Also immer mal fragen, ob ein Shirt, eine Jacke oder ein paar Schuhe wirklich zum Zuhause-Gefühl werden kann oder nur eine Shopping-Trophäe Nummer Ixundneunzig bleibt. 

Und jetzt reizt mich das Experiment. Nicht für sieben Wochen. Sondern grundsätzlich. Mal durchzählen. Die Kleiderstangen sortieren. Wieviel von allem ist da? Und wie viel davon hat "Wohn-Qualität"? Und dann auf lange Sicht die Dinge ohne diese Qualität peu a peu entsorgen. Und nur noch neu kaufen, wenn Teil zum Wohnen und weder finanziell noch ökofair mit schlechtem Gewissen behaftet .... wow ... ein ganz schöner Anspruch!

Ich werde in mich gehen müssen ... es reizt mich .... 

 

 

 

27.05.2014 um 09:16 Uhr

Die Sache mit der Konsequenz

von: Spring_Roll   Kategorie: Das Beste zuerst ...

Musik: Scarborough Fair (Simon and Garfunkel)

Je länger ich den Nixkaufblog dieser Wienerin lese, desto mehr wächst in mir nicht nur der Wunsch nach einem Wien-Trip (meinem ersten dann), sondern desto mehr fasse ich mir an die eigene, ökologische und faire Nase.

Die Kaufnixfrau hat einen mittlerweile imponierenden fachlichen Hintergrund, nicht nur im Bereich der "grünen Mode", sondern vor allem in ihrer Eigenschaft als Greenpeace-Campaignerin gegen Schadstoffe in Kleidung und für soziale Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern. Und sie ist dabei herrlich down-to-earth. Pragmatisch. Und eben nicht immer nur vorzeigegrün, sondern manchmal auch konsumentinnenschwach. Wie bei einem Kaffeefilialistenbesuch und langen Überlegungen vor dem dortigen Kleidungsregal.

Ihre Auseinandersetzung mit Marken, Herkunft und Produktionsbedingungen (und den vielen, vielen Toten durch Unfälle, Fabrikunglücke und Selbstmorde) haben mich wieder mal zur Auseinandersetzung mit meinem Kleiderschrank gebracht. Glücklicherweise ist der Hund M-Anteil darin recht gering. Und ich habe in diesem Jahr, wenn ich so durchgehe, gedanklich, ein Teil dort gekauft. Eine Schlabberhose. Ein Teil zuviel. Hätte ich nicht wirklich gebraucht. Grund für's Nicht-Kaufen war aber kein ökologischer oder sozialer. Sondern schlicht und ergreifend die Tatsache, dass Hund M Grösse 46 aus der normalen Kollektion genommen hat. Bei Hund M brauche ich 46 in Jacken und Hosen. Anderswo 44. Und dass mir die Stoffe in letzter Zeit weniger gefallen. Also kein "guter" Grund. Aber das Ergebnis ist gut: weniger Hund M in meinem Kleiderschrank. Da sind noch einige Shirts und ein Rock. Aber die sind älter. Die ältesten sechs Jahre alt und oft getragen. Guter Schnitt für Hund M-Sachen.

Vom Spanier habe ich gar nichts. Stopp ... ein Top, aber das geerbt von GlamourGirl. Grund auch hier die seltsamen Größen. Bei der bunten Kette passt mir fast nichts und die Mäntel finde ich a) sauteuer und b) für drinnen zu warm und für draußen zu kalt. Beim anderen Kettenspanier ist alles auf Elfe geschnitten und mir Zwölfe passt nix.

Der Kaffeefilialist ist stärker vertreten in meinem Schrank. Sportlich gesehen. Good news: ich bin für eine ganze Weile eingedeckt. Ich brauche nichts neues mehr.

Und der Lebensmitteldiscounter wird, seit die Filiale um die Ecke schloss und erst im Herbst wieder aufmachen soll, gar nicht mehr besucht. Von hier habe ich auch noch ein paar Sporthosen (12 Jahre alt und tun es immer noch!).

Aber ich habe ja von der Kaufnixfrau gelernt, dass auch die großen Marken böse sind. Eigentlich fast alle Marken. Mein Kleiderschrank und dessen Inhalt wäre also eigentlich ein Auslaufmodell. Und mein Schuhschrank leider auch. Und die Handtaschentruhe.

Ich tu mich so schwer mit guten Vorsätzen. Und mit der Konsequenz. Das "brauch ich's wirklich?" frag ich mich öfter inzwischen. Und auch das "wann und wozu zieh ich es an" steht auf der Hitliste. Ich hab zum Beispiel eine Schwäche für Abendkleider, für Kleider überhaupt. Und zieh sie so selten an, weil ich nirgendwohin komme, wo Kleid und hohe Schuhe adäquat wären. Und zu knauserig fürs Taxi bin und deshalb die flacheren Latschen trage, um zu Fuß oder mit der Bahn hinzukommen, wenn dann mal was besonderes ist.

Trotzdem ist es Zeit, eine rote Linie zu ziehen. Nicht nur die Brauchen-Linie. Sondern auch die Quellen-Linie. Und eine finanzielle Linie. Eigentlich könnte ich es wie Frau Kaufnix machen. Und dabei das shoppingfreie Jahr locker toppen. Mein Kleiderschrank taugt locker für drei Jahre. Ganz wird das nicht funktionieren. Siehe Bequemschuhe für aua Zeh letzte Woche. Oder Lust und Frust und Shopping - huhu ... Ms. Need!

Ich arbeite an Regeln, die gut sind und an die ich mich halten kann ... und suche nach Quellen, die zumindest nicht soziale Ausbeutung und Umweltzerstörung fördern.

Dank Frau Kaufnix kenne ich zumindest schon ein Schuhlabel, das ziemlich ökofair ist und hübsche Schuhe macht. Aber bevor ich dort kaufe, muss erstmal ein anders Paar Schuhe seinen Lebenszyklus beenden.

Wie gesagt, die Regel kommen noch ... nicht morgen, aber hoffentlich nach den "Festwochen" in der Küche.

 

25.05.2014 um 20:32 Uhr

Ich komm zu nix

von: Spring_Roll   Kategorie: Das Beste zuerst ...

Musik: One step beyond (Madness)

Gerade zwingt mich mein Körper dazu, innezuhalten. Dem Geist war schon länger danach. War wohl mein ersehnendes Unterbewusstsein, das meinen kleinen Zeh in den spektakulären Kochunfall vom Dienstag verwickelte. Nein ... nix mit heißen Sachen, falls ich es noch nicht erzählte. Zen kochte, ich sollte probieren, wollte zu diesem Behufe an ihm vorbei. Er drehte sich, ich auch, nur ungeschickter ... und hing mit Zeh an Bein meiner schwedischen roten Küchenbank. Die sind nämlich nicht 90 Grad abwärts, sondern ausgestellt. Doppelaua. Ich erinnerte mich ad hoc der nie benötigten Hechelatmung, die mir eine Hebamme während der Wirbel-Schwangerschaft nahebringen wollte. Eignet sich toll für kleinere Verletzungen des Alltags. Für die Geburt brauchte ich dann eh eine Vollnarkose. 

Der kleine Zeh bescherte mir nicht nur ein paar unverhofft hübsche Bequemschuhe, die ich zu eigentlich zu billig erscheinendem Preis in der "Omatreter"-Abteilung des grünen D ergatterte (zu "billig" sage ich gleich noch was).  Mary-Janes aus butterweichem chiliroten Leder, genau passend zu roter Lederjacke (Spontankauf beim ersten Einkaufsbummel in Citta nach dem Umzug im Dezember und seitdem kaum ausgezogen), der geliebten Kuriertasche von V*ude und dem klimpernden Glitzerschal in rot-schwarz, den mir das Münchner Kindl von einer Asienreise mitbrachte.  Natürlich bescherte mir der Zeh vor allem einen fiesen Druckschmerz in normalem Schuhwerk aller Art. Und damit auch ein dickes Veto zu den von Zen organisierten Wanderaktivitäten des heutigen Sonntags.

Ich war nicht wirklich böse drum, wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin. Denn irgendwie fühle ich mich gerade auf km 40 eines Marathons. Beruflich tobt der Mopp ... Festwochen, und unsere Küche mittendrin. Dummerweise war ich auch noch so ungeschickt (oder so sparsam), eine Fortbildung, die nur zu diesem Zeitpunkt in Citta stattfindet und sonst nur in weitweitweg, zu buchen. Also habe ich diese Woche Festevent Nummer 1 drei Tage lang, bereite vorher Festevent 2 und 3 übergabefähig vor, renne dann drei Tage mit Obercheffe durch das Event und organisiere die dortige Abendgala ... dann habe ich einen Tag frei und fünf Tage Fortbildung, dann zwei Tage frei und Festevent 2 zwei Tage lang, gefolgt von drei Tagen aufarbeiten und nach dem Wochenende Festevent 3. Also schon beruflich ein echter Spass.

Aber ich möchte ja auch noch Zeit für die Familie haben. Beziehungsweise deren Versorgung sicherstellen. Also kochte ich heute erstmal Bolognese aus einem Kilo Biohack, fror die Hälfte ein und verarbeitete den Rest zu einem Reis-Auberginen-Hack-Auflauf für morgen. Und bereitete Essen für Wirbel für den morgigen Mittag vor. Er ist ja "Heimesser", kommt jeden Mittag aus der Schule die 200 m rüber und wärmt sich etwas auf. Bloss muss das Aufzuwärmende ja erstmal vorhanden sein. Ich war also froh, heute zuhause zu sein. Nicht nur, um mit einem hoffnungsvollen Erstwähler (kommunal darf er ja schon) die Kabine aufzusuchen, sondern wegen der Vorratsproduktion. Und ... das war NICHT positiv .... einer beginnenden Sommergrippe. Bäh. Mag nicht.

Zen hat hoffentlich heute Spass beim Wandern. Über ihn denke ich viel nach in den letzten Tagen. Ambivalent bin ich. Einerseits ist er in vielem ein ziemliches Goldstück. Es ist toll, abends spät aus dem Büro zu kommen, den Partner in der Stadt zum gemeinsamen Heimweg zu treffen und festzustellen, dass er schon für ein komplettes, schnelles und gesundes Abendessen eingekauft hat und es dann auch zubereitet. Andererseits habe ich ihn jetzt schon mehrfach in seiner Kommunikation auf eine Art und Weise erlebt, die ich nicht mitgehen möchte. Und auch nicht kann. Das wird ein schwieriges Gespräch werden. Und ich bin froh, dass ich es heute wohl nicht mehr führen muss. Dazu bin ich zu kränkelnd. Kopf in Watte und so. Ich muss ihm begreiflich machen, dass ich in Gesprächen schneller bin als er. Und manchmal auch redundant. Weil ich vieles erst beim Reden entwickle. Er ist da bedächtiger. Macht oft so lange Pausen, dass ich erwidere, weil ich nicht verstehe, dass der Beitrag noch nicht zu Ende ist. Das widerum lässt ihn einschnappen. Anstrengend. Anstrengend auch seine Job-Dinge. Er hat einen nicht so guten Job. Und vor allem einen eher unsicheren. Die Firma klingt windig. Er sucht. Möchte etwas anderes. Ist sehr sicherheitsorientiert. Das ist mir manchmal fremd. Ich kann nicht wirklich helfen. Und auch mein Zuhören und Kommentieren zu Job-Ereignissen ist nicht immer das, was er hören möchte. Für mich ist das Traurige daran, dass ich genau weiß, dass eine bestimmte Richtung, in die er will, gar nicht zu ihm passt. Ich weiß das, denn ich war selbst mal in dieser Richtung unterwegs und habe dort gelernt, mich zu beugen wie eine Birke im WInd, wenn es sein muss. Letztes Jahr musste es sein, wieder mal. Aber er ist gerade und aufrecht. Wenn der Wind pfeift, wird er eher brechen als sich zu biegen ...

Jedenfalls war ich eigentlich ganz froh, mal ein Wochenende ganz alleine zu haben. Mit Sonne, Genüssen (die wunderbare Caramel-Mango-Tortelette der französischen Bäckerei in der Nähe und der selbstgebackene Rhabarberkuchen einer Nachbarin), guten und traurigen Nachrichten (Nachbarin von ganz oben ist wieder schwanger mit Kind 3 und samt Ehemann hoch erfreut, allerdings wird diese sympathische Familie im Herbst leider, leider ausziehen, weil Ehemann ins Ausland versetzt wird), Picknick auf der Wiese mit sonnenden Katzen und wuseligen Kleinstkindern, Exzessshopping in zwei Supermärkten (Punktsieg im Kampf gegen jugendlichen Hunger) und Ergatterung meines Lieblings-Macchiatos in Geschmacksrichtung Karamell zu einem Sonderangebotspreis. Ich habe niemanden angerufen. Die Perfektionistin nicht, die mit mir Kaffee trinken wollte. Die Tangoqueen nicht. Zen nur kurz um mich "abzumelden". Das Münchner Kindl lud zum Grillen ein mit dem Schlagerfan und dem Neanderthaler ... ein Nein von mir. Gut so. Ich brauchte Ruhe.

Auch heute ging ich nicht ans Handy. Nur einmal, beim Kindl. Ich mag Ruhe. Und Schlafen. Und Blogs lesen. Wie den von dieser schrägen Österreicherin, die ein Jahr nicht shoppte. Das Testjahr habe ich jetzt durch. Und bin weniger beeindruckt von der Abstinenz (die mir auch gut anstünde) als von den tollen Infos zu fairer und organischer Kleidung und den Details zu nicht nachhaltiger Produktion, die sie recherchierte. Alles im Prinzip bekannt. Ebenso wie sie bin ich in der "grünen Szene" nicht ganz unbeleckt. Aber es noch einmal schwarz auf weiß und mit Bildern zu sehen ... das unterstützt künftige "grüne" Entscheidungen.

Ich habe ja bereits vor einiger Zeit begonnen, mich mit Suffizienz zu befassen. Weil ich mich ebenso wie die Wienerin, deren Blog ich las, von zu viel Kram erdrückt fühlte und eigentlich nach mehr Purismus und mehr Klarheit für mein Leben und meine Schränke suchte. Ein paar Teilerfolge konnte ich verzeichnen. Zum Beispiel die farbliche Einschränkung auf rot und schwarz bei Neukäufen. Das ist mir prima gelungen. Ein einziges farbfremdes Top gab es diesen Sommer noch - und das war naturweiß mit schwarzem Muster, passt also zu allem Schwarzen. Hund M suche ich eigentlich nur noch für die Jungs auf. Die wachsen so schnell, dass ich hier zuverlässig Ersatz beschaffen kann, wenn mal wieder eine Hose zu klein und auch löchrig wurde (ziemlich zuverlässig gleichzeitig). Für mich gehe ich meistens zum Outlet, wenn mich der Shoppingtrieb überkommt. Da ist das Finanzrisiko geringer. In diesem Jahr erwarb ich dort neue Laufschuhe von der Marke, die mir sagt, ich "solle es einfach tun" und ein paar hübsche, flache Ankleboots aus Wildleder, die zu 7/8-Hosen, von denen ich viele habe, gut aussehen. Eine weite schwarze Leinenhose. Und drei Blusen/Shirts. Und ein ganz leichtes Bolero zu Kleidern. Der Flohmarkt führte mich zu einem Leinen-Hemdblusenkleidchen und einem einfachen "Hängerchen", beide schwarz. Und meinem Prunkstück. Wunderbare knitterfreie Wickelbluse ... toll. Bei Carol Zee konnte ich dann nicht nein sagen zu einem Mesh-Sommerkleid/Abendkleid und einem langen Top aus Mesh mit passendem Jäckchen. Und beim Winter-Ausverkauf im "Teuer und Schick"-Laden neben dem Büro gab es zwei Bürohosen von B*ss und eine coole dünne Baumwollhose von Cl*sed. Tolle Teile und sehr, sehr, sehr günstig. 70 bis 90 Prozent rabattiert. Sonst hätte ich sie auch nicht gekauft.

Aber insgesamt ... bin ich ein ziemlicher Suffizienzversager. Da hilft es auch nichts, dass ich kein Auto habe, Flugreisen möglichst vermeide und meist Leitungswasser trinke. Mein Sündenregister ist lang. Von den nach drei Aussortieraktionen immer noch vollen Schränken über das Schuhregal bis zum vollen Kühlschrank. Immer wieder "geht mir etwas durch". Und dann bin ich alles andere als grün. Dann bin ich eine echte "Schurkin". Ich habe ein Gewissen - und esse trotzdem Tiere und kaufe aus Geldgründen viel zu viel beim Discounter und zu wenig bio. Ich trage Lederschuhe und Lederjacken. Weil ich Leder wunderbar finde, den Griff und den Geruch liebe. Und weil Kunstleder eklig und schwitzig ist. Finde ich. Eher, als Lederschuhe zu meiden, werde ich es so machen wie die Kollegin aus Mexiko. Versuchen, weniger Schuhe zu kaufen und stattdessen erst mal die zu "verbrauchen", die ich habe. Dasselbe sollte für Kleidung gelten. Eigentlich. 

Wenn ich den Wiener Blog lese, dann denke ich unwillkürlich ... "ja, das willst du auch". Aber .... ganz ehrlich ... unter den nachhaltigen Labels habe ich nicht viel gefunden, das mir gefallen oder stehen würde. Lederstiefel und Lederjacken. Schlichte Sachen ohne 1000 Applikationen. Schwarz, rot. Das ist mir alles zu Baumwolle, zu bunt, zu beige. Und zu klein und zu kurz. Ich trage Grösse 44. Mindestens. Da darf ein Rock nicht auf dem halben Oberschenkel enden. Und riesige Pullis aus auftragender dicker Strickware haben da auch ihre natürliche Grenze erreichte. Bei uns in Citta gibt es ein einziges Geschäft mit "fairem und nachhaltigem" Angebot. Modisch indiskutabel. So viel Gutmensch kann ich nie werden, dass ich das freiwillig anzöge. Auch wenn ich einen Freund habe, dem Kleidung egal ist ... MIR ist sie nicht egal. Ich will meine Heels und meine Kleider und das Gefühl von Glamour.

Und trotzdem: die Sache mit der Suffizienz nagt an mir. Sehr.

Besonders etwas, das die Wienerin mehrfach zitierte. Die Tatsache, dass ein Mensch der industrialisierten Länder meist nur circa 20 Prozent der Dinge in seinem Schrank wirklich trägt und verwendet. Ich frage mich nach meinen 20 Prozent. Und habe den Verdacht, dass sie recht hat, die Konsumabstinentin aus dem Nachbarland. Denn außer Lauf-, Sport- und Wanderschuhen sind es meist drei bis zehn Paar Schuhe, die ich trage. Im Winter mehr, wegen Stiefeln und Wetterwechsel, im Sommer weniger. Und von den vielen Jacken im Schrank trug ich in den letzten drei Monaten vier Lederjacken und zwei Blazer abwechselnd. Alles andere hing im Schrank. Und wird dort vermutlich bis Herbst ziemlich unberührt hängen. So viel anzuziehen ... und trotzdem so oft das Gefühl "nichts" zu haben. Weil Kleidung mehr ist als wärmende Schicht. Weil Kleidung ein Statement ist. Und manchmal auch eine Rüstung.

Letztere werde ich ab Wochenmitte mal wieder brauchen. Für die Festwochen. Allerdings nur, wenn ich bis dahin der Sommergrippe Einhalt geboten habe ...  

 

 

22.05.2014 um 08:52 Uhr

Manic Wednesday

Musik: If you t@lerate this (Manic str@et preachers)

Könnte bitte jemand den Tag von gestern in die gelbe Tonne packen? Zumindest die Stunden zwischen 11 und 18 Uhr? Allerdings glaube ich nicht, dass diese nervigen, zähen, von Bauchflatschern und Frust geprägten Stunden von irgendwem recyclelt werden möchten. Macht Spass, eine große Kochrunde einzustilen und sie eingestampft zu sehen. Macht Spass, wenn aus allen Ecken nervige Minibaustellen kommen. 

Wirklich Spass machte ein kurzes Telefonat mit einer sehr lieben Kollegin aus der Eitsch-Arrr-Ecke. Sie schätzt ein Problem genauso ein wie ich. Und schreibt mir das auch ganz offiziös. Prima Munition, um jemanden, der stänkerte, zu befrieden. Kriegt Cheffe dann in Kopie und gut ist. Kryptisch? Leider ja. Nur so viel. Da gab es einen Kochkurs vor einigen JAHREN. Der Gastkoch sagte Rezepturen zu. Als er diese schickte, war es aber ein furchtbares Sammelsurium aus unleserlich und unlogisch. Zutaten fehlten oder waren fehl am Platz. Also legte ich das Päckchen Blätter zunächst beiseite und sagte einem nachfragenden Nachwuchskoch, ich käme wenn überhaupt erst ab Zeitpunkt sowieso dazu. Ich hörte nie wieder etwas, legte das Päckchen mangels Zeit zur Seite ... bis der Nachwuchskoch sich an Obercheffe wandte! ZWEI JAHRE später! Ohne mich überhaupt noch mal anzusprechen vorher Stänkerer. Blöder. Und Frau Eitsch-Arrr und ich sind uns einig. Da gibt es gar nix!

Ab 18 Uhr allerdings gibt der Tag keinen Anlass zur Beanstandung. Im Gegenteil. Allerdings handelt es sich da ja auch streng genommen um den Abend. Und der war frei von Job. 

Ein 99 Prozent Abend war das! Und dass er nicht die 100 erreichte, lag nur daran, dass Frau Rolle in ihrer Tollpatschigkeit vorgestern abend gegen die leicht ausgestellten Beine ihrer roten Küchenbank rannte und sich den rechten kleinen Zeh heftigst lädierte. Er schillert jetzt innen hübsch blau und war resistent gegen die eigentlich geplanten Schuhe. Also Plan B. Wedges mit fester, breiter Kappe. Zunächst gut. Bei langem Stehen irgendwann aua. Dummerweise sind Konzerte - jedenfalls die, die Zen und ich besuchen - mit Stehen verbunden. Dummerweise  auf den Fuß bezogen. Sonst gar nicht dumm. Sitzkonzerte finde ich nämlich ziemlich doof. Kann ich nur bei Klassik leiden. Ansonsten gerne Drink in der Hand und hibbelnd zur Musik. Das mit dem Hibbeln hat gestern trotz mitreißender Musik dann auf den letzten Metern nicht mehr ganz so gut geklappt. Und der Weg zur Bahn war ziemlich ....aua. Zumal wir laufen mussten, um einen (letzten!) Anschluss zu erreichen. 

Abend-Fazit: tolle Location, g@ile Band ... kann gar nicht fassen, dass ich die in den 1990ern nicht wahrgenommen hatte!

Und nun würde ich lieber ausschlafen, als ins Irrenhaus aka die Großküche zu gehen ...

 

 

21.05.2014 um 08:31 Uhr

Das kleine Leben

von: Spring_Roll   Kategorie: Sommer vorm Balkon

Musik: Dos Gardenias para te ...

Endlich ist Sommer. Draußen warm. Ad hoc. Von jackenkalt auf kleiderzuwarm in 24 Stunden. Citta ist schnell im sommern. Binnen Stunden rüstet die Außengastronomieruauf und die Menschen bevölkern Klappstühle, Bierbänke und andere Sitzmöbel - Hauptsache draußen. Auf den Wiesen vor großen Gebäuden Gruppen und Grüppchen auf dem Rasen lagernder Menschen. Kaffeewägelchen und heiteres Murmeln in der Luft.

Das Wetter, in dem ich im letzten Jahr resigniert auf meinen Drahtesel stieg, um aus dem Trubel herauszufahren. Heim nach Dorf. Wo zwar Blue und Wirbel, aber sonst nichts auf mich wartete. Wo ich mich eingesperrt fühlte. Und schon auf dem Weg das Gefühl hatte, nicht atmen zu können und gelbe Neidgalle in mir hochstieg, wenn ich die feierabenden Pärchen auf den Wiesen am Zellophanfluss im Vorbeiradeln sah. Gut, dass ich immer Sonnenbrille trug - da sah man die Tränen nicht. Grosses Kino halt - Dorfkummer und Singlefrust auf nur einem Radsattel im Doppelpack!

Wenn mich damals jemand fragte, wie ich mir eine Beziehung vorstellte, dann hätte ich nur in Bildern antworten können. Ein Bild, wie zwei Menschen morgens miteinander wachwerden. Eines, wie sie irgendwo in der Sonne sitzen oder spazieren gehen. Ein Esstisch und die Freude des miteinanderessens. Und ich hätte eine Wunschliste an Eigenschaften und  "Logistik" heruntergebetet. Alles verständlich ... aber Theorie.

Und nun?

Ich darf bleiben. Muss nicht mehr nach Dorf. Und geniesse den Sommer in der Stadt. Wir geniessen ihn zusammen, Zen und ich. Und ich bekomme gerade wieder ein Stück Wunschliste erfüllt. Nämlich die Spontaneität. Eine Mail am Nachmittag und ein kurzentschlossener gemeinsamer Spaziergang, gefolgt von gemeinsamem Kochen. Nur drei Stunden zusammen ... aber das Gefühl von Nähe, von Entspannung. Manchmal reicht dafür sogar eine halbe Stunde ... wie neulich mittags im Cafe.

Es ist nicht alles eitel Freude. Nach zwei Monaten setzen wir uns gerade auch wieder mal intensiv miteinander und mit alten Baustellen auseinander. Aber konstruktiv ... und mit Blick aufeinander. Und wirtschaftlich krebsen wir gerade beide ein wenig. Ich mit den Abzahlungen für den Umzug und die Weiterbildung kostet auch heftig. Er aus Gründen eines wirtschaftlich unsicheren Jobs, der dringend gewechselt gehört.

Ich spare. Wer mich kennt, wird sich über meine Schuh-Abstinenz wundern. Einkäufe der Saison: ein paar neue Laufschuhe, ein paar flache, dünne Wildleder-Ankleboots und ein Paar Ballerinas. Laufschuhe und Ballerinas waren Ersatzbeschaffung. Die Ankleboots das Resultat von paar mal zu lange auf höheren Boots mit Zen unterwegs. Gesamtkosten für alle drei Paare zusammen unter 180 Euro. Auch mein geliebtes Kleider-Shopping ist eingedampft. Auf dem Flohmarkt habe ich zwei Blusenkleider und eine Bluse gefunden. Zwei oder drei Tops beim Discounter. Und eine ganz dünne Schlabberhose bei Hund M. Seit April. Und ich merke, wie viel ich im Schrank habe. Wie wenig ich eigentlich brauche. Noch einmal habe ich aussortiert in der letzten Woche. Und werde es wieder tun. Es befreit, weniger DInge zu haben.

Was würde ich tun, wenn ich einen warmen Finanzregen bekäme? In diesem Jahr wohl meine Fortbildungen bezahlen und eine Umzugsabzahlung leisten bei meiner Bank, damit der Kredit schneller weg ist.  Schön wäre das ....

Aber vielleicht gelingt es ja auch ohne Regen ... einfach nur aus dem "ich brauche nichts" heraus? Und dann ist auch weiter Geld für den kleinen Luxus da ... den Kaffee in der Sonne zum Beispiel ... 

 

20.05.2014 um 14:21 Uhr

Rauchzeichen oder was?

Musik: Si vous êtes comme ca - téléphonez-moi!

Gestatten, mein Name ist Rolle. Und ich wurde in einer Zeit geboren, als Telefone in Zellen auf öffentlichen Plätzen standen. Und bei reichen Leuten. Als ich klein war, gingen wir telefonieren. 300 m die Straße runter und 100 m rechts, vorbei an der Kneipe mit Kegelbahn. Und da stand die gelbe Zelle. Oft mussten wir warten, bis ein anderer Dörfler sein Gespräch beendet hatte. Dann nahm meine Mutter den Hörer an seiner Spiralschnur und war die Groschen ein (es war laaaaange vor Euro-Zeiten, natürlich). Es klickerte und tutete. Das hörten Schwester und ich von außen nur leise. Im Winter mussten wir mit rein. Das war furchtbar eng. Sehr kurz waren diese Gespräche. Meist mit der Oma im Bergischen oder der Tante am Oberrhein. Die Familie väterlicherseits.

Die Mama-Seite wohnte näher. Die telefonierten nicht. Sondern man besuchte sich. Unangekündigt. Fuhr auch mal eine Dreiviertelstunde Bus, ging noch eine halbe Stunde zu Fuß und stand dann vor leerer Stube. Nicht vor verschlossener Tür, denn die war in Landdorf, wo die Mamatante wohnte, offen.

Ich wurde sieben oder acht Jahre alt auf diese Weise. Und ich merkte den Mangel nicht. Denn auch ich ging, wenn ich jemanden besuchen wollte, einfach los. Zu meiner Tante drei Straßen weiter, zur Großtante den Hügel hoch, zu den Schulfreundinnen, die alle in Dorf wohnten. Nur mit einer musste ich mich "verabreden", denn die wohnte so weit weg, dass eine Station Bahn zu überwinden war.

Doch dann das Ende der Unschuld. Nicht für mich. Sondern für meine Mutter, meine Schwester, die Nachbarn und einen Topf Hühnersuppe. Letzteren leerte Mutter unabsichtlich über meiner Schwester aus. Verbrennung und Riesenschock. Zum Glück waren die Nachbarn zuhause. Die hatten nämlich nicht nur Telefon, sondern auch eine frisch approbierte Tochter zu Besuch, die das gebrannte Kind unverzüglich behandelte. Eine halbe Stunde später, und sie wäre auf dem Weg nach Hause gewesen ...

Glück im Unglück also. Meine Schwester trug keine Narben davon und meine Eltern kurz darauf einen Telefonvertrag nach Hause. Ein olivgrünes Wählscheibentelefon hielt seinen Einzug auf dem Regal in unserem Wohnzimmer. Meist telefonierte man im Stehen. Die Gespräche waren kurz, denn auch hier liefen die Groschen quasi durch. Und natürlich musste gefragt werden, bevor man(Kind) telefonierte. Und so richtig privat war's nicht ... denn im Wohnzimmer war das elterliche Publikum quasi inklusive.

Mein "erstes Eigenes" bekam ich im Sommer 1987. Ganz nobel. Mit Tasten und Hörer UND zweiter Hörmuschel. Das war in der "Grande Nation" die Standardausstattung. Kurze Zeit hatte ich sogar ein Minitel. Das war der kleine Großvater des Internets. Chatten über das Telefon über Trentesixquinze ... 3615. Lustig war's, besonders wenn sich mein Nachbar als Frau ausgab.

Leider konnte ich weder das Luxusphon noch das Minitel nach Deutschland mitnehmen und landete wieder in der Steinzeit - jedenfalls so lange, bis ich auch dort eine eigene Wohnung anmieten konnte. Mein erstes eigenes Phon in Deutschland war schwarz. Und nur noch ein Hörer! Mit laaanger Schnur. WOW. Endlich rumlaufen können und eine Hand frei! Und es störte auch nur ein bisschen, dass das Kabel sich ständig um irgendwelche Möbelstücke wickelte. Zu dieser Zeit hatte ich ja noch nicht viele - und die Zeit, das Kabel öfter mal zu entwirren. Auch ein Anrufbeantworter gesellte sich dazu. Damals war es übrigens noch einfach, den Telefonstecker zu ziehen und Anrufe aufs Band laufen zu lassen. Habe ich oft und gern getan.

Mit dem Ehemann kam auch die technische Aufrüstung. Schnurlos. ISDN. Unspektakulär. Aber rumlaufen ohne Kabelsalat. Dabei isses im wesentlichen geblieben. Nur das Telefonverhalten hat sich geändert. Dafür ist dann die andere Linie verantwortlich ... Internet und Mobilphonie.

Mein erstes Mobilphon durfte ich übrigens bereits 1994 benutzen. Drei Tage lang. Ich war Frau Superwichtig und kam mir toll vor. Schließlich war vier, fünf Jahre zuvor ein Mobilphon noch ein "Automobilphon" und Aktenkoffergroß und auch 1994 noch den "Big Shots" vorbehalten. Da ich aber an historischem Ort eine Superwichtig-Geschichte organisierte, lief ich drei Tage und zwei durchgearbeitete Nächte damit rum.

Und heute: 'abe isch gar kein Schmartphon!'

Darüber erzähle ich dann beim nächsten Mal ...

 

 

 

19.05.2014 um 11:25 Uhr

The Office oder die Montagskeule

von: Spring_Roll   Kategorie: Morgenstund

Musik: Das uralte Schreibmaschinenlied (1960er?)

Glücklich sein und ausgefüllte Wochenenden sind dem Montagmorgen wenig zuträglich. Denn das Gefühl "Wochenende" trägt mich weit, weit weg vom Freitag. Und damit ist auch die "Rückreise" länger und beschwerlicher. Wenn Montagsmorgens der Wecker klingelt, bin ich weit über das übliche Maß desorientiert. Ich brauche lange, um meinen Körper, der durch die Wohnung taumelt auf der Suche nach Tee, auch mit einem Steuerungssystem auszustatten. Schon so manches Mal eckte ich an Türrahmen an, stolperte oder beging die abstrusesten Übersprunghandlungen, bis der Autopilot der morgendlichen Verrichtungen endlich die geistigen Nebel verscheuchte. Und NEIN, es handelt sich nicht um einen Hangover. Und auch nicht um eine kurze Nacht. Sieben bis acht Stunden Schlaf. Das Problem ist, dass der Morgen nicht reicht. Nicht die Schlafstunden. Der Adrenalinstoß des zwangsweisen Weckens wirft mich in einen Wirbel aus Desorientierung, Morgenübelkeit und dem Gefühl zerrender Forderungen.

Ja ... mir wird regelrecht übel vom Morgen. Auch wenn er wie heute strahlend sonnig lacht. Nicht meine Zeit. Nicht meine Art, wach zu werden. Dabei klingelte er heute sogar nur ein einziges Mal statt wie sonst drei Mal, der Wecker. Wenn Blue da ist, bekomme ich den ersten Adrenalinstoß um 6, den zweiten um 7 für Wirbel und den dritten dann um 8. Bin ich ohne Zen, schlafe ich in den Zwischenzeiten nochmals tief ein und träume meist wirres Zeug, bin dann aber um acht einigermaßen ansprechbar, nachdem ich Schulbrote und Frühstück schlafwandelnd und mit geringen Kollateralschäden absolvierte. Ist Zen da, ist mit zwischendurch schlafen nicht mehr viel. Aus Gründen. Für das Wiedereinschlafen brauche ich nämlich eine platzgreifende Schlafhaltung ...
Aber dafür ist es dann schön, gemeinsam im Bett Kaffee (bzw. Tee) zu trinken.

Irgendwann ist der Tag dann mein ... Bekannter. Freund wäre zu viel gesagt. Irgendwann dusche ich, ziehe mich an, schärfe meinen Blick mittels Kajalstrich und Sonnenbrille ... und gehe noch staunend-verwirrten Blickes nach draußen. Jeden Tag wieder froh darüber, dass der Spaziergang zur Arbeit mich mit jedem Schritt ein bisschen mehr in die Realität holt.  Und dass mit jedem Schritt ein bisschen mehr die Themen und Anliegen der Woche näher rücken, die am Wochenende plötzlich so weit weg waren.

Ich komme in meiner Küche an und auch hier greift erst mal der Autopilot. Betriebsstoff sichern ... Tee! Und dann langsam warmlaufen. Was tue ich hier eigentlich, wer bin ich und wie viele? Manchmal komme ich mir vor wie die unbekannte Hauptperson in dem wunderbaren Buch von Matt Ruff "Ich und die anderen". Dort leben im "inneren Haus" unzählige Persönlichkeiten, die situativ ins "außen" gehen und sich ansonsten miteinander auseinandersetzen und mit dem, was der "Außen-Person" geschah. Ein gutes Buch. Ein nachdenklich machendes Buch.

Mein "Matt-Ruff-Effekt" bringt keine Stunden zum Schwinden, sondern To-Do-Listen. Mein innerer Club entspannt sich über das Wochenende derzeit so sehr, dass er Montagsmorgens erst einmal in längere Verhandlungen darüber eintritt, ob die Arbeit aufgenommen werden soll und wenn ja, wann und wie. Das kann dauern.

Und deshalb bin ich Montagsmorgens die Königin der Prokrastination und des "Herumtüdelns". Verzettele mich hier und dort, während mein Blick von staunend-verwirrt langsam zu klar und sachlich wechselt. Wie lange das dauert? Verschieden. Manchmal werde ich jäh "entzaubert" durch das Telefon oder einen Termin, manchmal brauche ich bis in den Nachmittag.

Ich habe gelernt, mich darauf einzulassen. Aber mein Freund wird der Montag nicht wirklich werden.

Heute kommen die Erinnerungen langsam. Als erstes eine unangenehme. Eine Begebenheit, die mich am Freitag verblüfft und schockiert hat. Ein Mensch, dem ich Erziehung und Benehmen zuschrieb, wurde auf eine Art und Weise ausfallend, die mich zunächst in Schockstarre versetzte. Er war Teil einer kleinen Kochrunde, zu der ein Veranstalter geladen hatte. Der Grund der schockierenden Reaktion war banal, der Angriff auf einen anderen Teilnehmenden unangemessen bis unverschämt. Das Dumme ist: er gehört als gelegentlicher Gastkoch zu meiner Küchen-Crew. Und ich musste dazwischen. Vehement in der Sache, höflich und vermittelnd im Ton. Schwierig.

Und auch heute denke ich noch darüber nach, was dahintersteckt. Nicht die Sache, über die wir redeten. Die war so unwichtig. Sondern ob da etwas gesundheitliches vorliegt, das diese Veränderung verursachte. Diese Aggression, diese Grenzüberschreitung. Grenzüberschreitung auch in der Hinsicht, dass wir als Auftraggeber ihn "bremsen" müssen ... aber das ist dann nicht mehr meine Aufgabe. Darum wird sich Cheffe kümmern müssen ...

Manchmal ist Desorientierung schöner ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

19.05.2014 um 07:47 Uhr

Mr. Bombastic und die schöne neue Welt

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: Zurück auf die Straße (M.Müller-Westernhagen)

Eigentlich bin ich ja kein Fan von "Maaaahriuss". Gar nicht. Aber diese eine LIedstelle gefällt mir ... ich will singen, nicht schön, sondern geil und laut ... denn Gold, Gold find' man bekanntlich im Dreck, und die Straße ist aus Dreck gebaut!

Samstag war das Singen dran. Und sie sangen sogar schön. Sehr schön. Und drumherum war dann geil und laut. Wie der ausgeflippte Albtraum eines Fieberkranken. Wie die Phantasien eines zugekoksten Schriftstellers. Alice ... pardon ... Aida ... in einer Persiflage des Wunderlandes. Mit Kartensoldaten und einem Karo-König. Der Turm-Dame, die die Bauern schlägt und Gorillas mit Bananenröckchen. Nummerngirls und Clowns, deren Gliedmaßen vor ihrem Grinsen verschwinden. Psychedelisch. Aber Kultur. Zen und ich saßen amüsiert zwischen holländischen "Spielerfrauen", die modisch in Glitzer gekleidet und in Coolness-Allüre gehüllt das Geschehen verfolgten. Denkwürdig. Bombastisch. De trop.

Sonntag Entschleunigung bei strahlendem Sonnenschein.Brunch mit einigen Bekannten von Zen. Und der Perfektionistin. Erst viel essen, dann spazieren gehen, bis Frau Perfektionistin knielahm in die U-Bahn abbog. Und wir beide erstmal einen Moment die Stille genossen. Weil Frau Perfektionistin sich gerade einsam fühlt und in Gesellschaft dann redet wie ein aufgezogenes Blechspielzeug mit Doppel-Dauer-Batterie. Weiter spaziert.

Durch sonntäglich ruhige Wohnviertel mit Schlangen vor den Eisbüdchen und spazierenden Familien. Von Dreck war auf der Straße außer den üblichen Hunde-Hinterlassenschaften eigentlich nichts zu sehen. Aber Maaahriuss hatte schon recht: Gold war da. Man musste nur genau hinsehen und es aufheben. Was wir taten. Und sehr staunten - und mit uns die "Freunde und Helfer", die unseren Fund später abholten. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Die Geschichte folgt, wenn sie sich auflöst. Und wirklich erst dann.

 

 

16.05.2014 um 13:35 Uhr

Entschuldigung oder Entschleunigung?

von: Spring_Roll   Kategorie: Morgenstund

Musik: Sorry seems to be the hardest word ...

Kennt ihr das Gefühl, euch dringend entschuldigen zu wollen? Nicht, weil ihr jemandem weh getan oder etwas verschusselt hättet, sondern weil euch etwas ins Auge fällt, das so peinlich und übergriffig und anstößig ist, dass ihr euch innerlich fast verbiegt, weil ihr euch so furchtbar schämt? FREMDschämt, um es genau zu sagen.

So ging es mir heute früh. Ich ging nach langer Prokrastination, die fast noch erfolgreich gewesen wäre, endlich mal wieder in Walkingschuhen und mit Rucksack los. Eine Stunde Umweg am Fluss entlang, eine halbe Stunde Duschen und Saunen im Sportclub und dann Schreibtisch, so der Plan. Der Vorsatz war ebenso gut wie die Laune, doch dann ... kam mir die Demokratie in die Quere!

Nachdem ich mich einige Lebensjahrzehnte lang um Politik wenig geschert hatte, wählen ging ohne vertiefte Meinung und ansonsten gesellschaftlich eher gleichgültig einzuordnen war, weiß ich seit einigen Jahren zu schätzen, dass ich in einer Demokratie lebe, in der freie Wahlen und ebensolche Meinungsäußerung kein Risiko für Leib und Leben darstellen und für jedermann und jedefrau zugänglich, erreichbar und sicher sind.

Erst seit ich Menschen kenne, die in Diktaturen lebten, die Kriege erlebten und Willkürherrschaft, kann ich die hiesige Demokratie wirklich wahrnehmen. Wer 600 km fährt, um sein Wahlrecht auszuüben, ist ein überzeugender Anwalt für Demokratie! Und bewirkt bei mir, dass ich mein Wahlrecht wirklich als Privileg wahrnehme und nicht als lästige Pflicht.

Heute morgen jedoch ärgerte mich die Demokratie mächtig. Siehe Fremdscham. Überall hängen ja derzeit Wahlplakate. Manche gefallen mir. Manche lassen mich den Kopf schütteln. Einige Kandidaten kenne ich. Manche mag ich. Andere entlocken mir ein spöttisches Grinsen. Die Slogans genauso.

Heute allerdings hätte ich vor Scham im Erdboden versinken mögen angesichts von Wahlwerbung. Und möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich für eine in Kultur, Nationalität, Ethnie und Religion vielfältige Gesellschaft aussprechen. Und für das Recht auf Asyl vor politischer Verfolgung.

Wahlwerbung ist das Recht der Parteien. Aber mein Recht als Bürger ist es, die dort geäußerte Meinung entschieden nicht zu teilen.

Die Sonne und das Wasser brachten meine Gedanken zur Ruhe. Aber dieses Posting ... das war mir ein echtes Bedürfnis!

 

 

15.05.2014 um 21:24 Uhr

Zu spät!

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Sorry I'm late (Cher Lloyd)

Tschuldigung. Tut mir echt leid. 

In der letzten Woche schlich ich um den Blog herum und wartete auf das leise Klicken ... den magischen Moment. Den Augenblick, in dem mein Blog-Baby Geburtstag hat. Aber wie auch schon beim echten Baby, Blue nämlich, war ich zu spät. Vier tage genau. Coincidence!

Allerdings musste ich diesmal für meine Verspätung nicht so leiden wie vor 17 Jahren und zwei Monaten. Vorteil eines virtuellen Babies eben. Womit ich die weitschweifige Sidekickerei beende und mich des Pudels Kern bemächtige. Was die Frage aufwirft, wie eigentlich so ein Pudelskern aussieht. Gestern sah ich die Königspudelin einer Kollegin im Hof. Die sah mir eher kernlos aus .... was und wo the hell ist der Pudelskern?

Egal, die Redewendung jedenfalls bringt mich zu der Frage, was meines Blogs Kern ist.

Was die Absicht war, kann ich beantworten. Meine seinerzeitige Absicht war es, mich durch Öffentlichkeit so in Zugzwang zu bringen, dass ich aus Angst vor Blamage wirklich abnehme. Sinnloses Unterfangen. Blödes Konzept. Und dummer Doppelausnahmefehler, die Öffentlichkeit nicht auf das Adjektiv "anonym" zu begrenzen. Aber damals, wie gesagt, ging es ja nur um den kleinen Boost zum Abnehmen.

Es machte Spass, das Schreiben. Und irgendwann wurde es mehr als ein Selbstgespräch. Und auch mehr als das öffentliche Abnehmkorrektiv. Den Doppelausnahmefehler sollte ich spätestens an diesem Punkt bedauern. Und bedauere ihn bis heute. Denn je mehr dieser Blog zum Gärbottich meiner Gefühle und Gedanken wurde, desto mehr musste ich zensieren. Die Öffentlichkeit war eben leider NICHT anonym. Auch nicht, als andere Verbindungen gekappt waren.

Dafür gab es neue Verbindungen. Solche, die mich nur "hier" erlebten. Die quasi das zuerst kennenlernten, was ich von innen nach außen stülpte. So lange sich das außen und das innen trennen ließen, sollte es mir recht sein. Ich stülpte weiter und zensierte in so manchen Details, die "hier" sicher eine saftige Geschichte ausmachen würden. Die Schreiberin in mir biss öfter mal in die Tischkante vor Wut ... es ging mir ein bisschen so wie dem Regisseur, der zusehen muss, wie sein wunderbares Kinoepos auf TV-taugliche 90 Minuten und 20.15-taugliches FSK 12 Format zusammengeschnitten wird. 

Frage an Frau Rolle: gibt es vielleicht mal den Director's Cut dieses Blogs?  Eher nicht. Denn der Director's Cut ... das ist das pralle Leben. Mit allen FSK 18 Szenen und unzensierten Gemeinheiten gegen meine gesamte Entourage. Diese Gemeinheiten sind ja ab und an schon zu finden, aber wenigstens die Entourage wird dann maskiert. Und manchmal auch die Tatsachen. 

Irgendwie ... ist alles passiert, was hier steht. Fast genauso, wie es hier steht. Aber eben nur fast. Und wer wissen will, wie es sich wirklich verhält, ersetzt ab und an ein Verb durch "schlumpfen". Und ein Substantiv durch "Dingens". Und je nachdem, welches Dingens ich gerade schlumpfte, verlegte ich auch mal den Ort nach Jottwehdeh oder Issmirdochwurscht (ohne Vornamen). 

Tendenz momentan sinkend. Weil Lust auf saftige Geschichten habend.

Blog-Bilanz nach drei Jahren:

Abgenommen: ziemlich genau .... NULL

Nachhaltigster Gewichtsverlust: Stein vom Herzen

Warum ich trotzdem weiterschreibe? Weil der Spass am Schreiben längst überwiegt ... 

 

 

14.05.2014 um 08:24 Uhr

Theoretisch sportlich?

Musik: Let's get physical ... von wem war das noch?

Ich bin sportlich. Gehe zweimal pro Woche ins Studio und laufe ca. 30-40 km.

Cut.

Irgendwas ist da wohl an mir vorbeigegangen in den letzten Monaten. Seit dem Umzug nach Citta.

Erst starb Frau Schwan aka Frau Rolle über dem Badewannenrand und dann kam OP und Bronchitis. Und Zen. Kausal in genau dieser Reihenfolge, wobei ersteres ursächlich, zweiteres temporär und dritteres eher Faulheit fördernder Begleitumstand ist/war.

Fassen wir zusammen:

Ich bin sportlich, gehe nicht ins Studio und laufe nicht. Eine Wanderung in drei Wochen zählt nicht wirklich. Und auch 2 km pro Tag an Arbeitswegen sind lächerlich.

Wie kam's?

Der blöde Ausrutscher im Bad lädierte meinen rechten Oberarm/Schulter in einem winzigen Detail so, dass bei bestimmten Bewegungen immer noch Probleme auftreten. Immer mal wieder mit leichten Gewichten probiert aber Studio zurzeit nicht sehr zufrieden machend. Dazu kamen fast zwei Monate Krankheitspause. Normaler Körperzustand im Atemwegs- und unteren Trakt wieder hergestellt. Besuch bei Hausärztin, die auch chiro praktiziert, ist terminiert. Soll endlich repariert werden. Warum gibt es da keine Klick-Austausch-Teile???

Der dynamische Aspekt bei der Sache ist meine eigene Faulheit. Zen ist daran nicht schuld. Es kommt nur erschwerend hinzu, dass wir momentan gemeinsame Zeit so sehr genießen, dass ich die Sportzeiten nicht wirklich wieder aufgegriffen habe. Aber der gute Vorsatz ist da. Zen will früher ins Büro und ich in der gewonnenen Zeit laufen. Zeitlich wäre das gut zu schaffen ... ich bin zuversichtlich.

Die andere Sportbegrenzung allerdings ist eigentlich etwas sehr positives. In Dorf war es ja so, dass ständig einer meiner Jungs bei meiner Mutter essen ging und dann immer ein Sammelsurium an Plastiktöpfen mit nahrhaftem Inhalt in unseren Besitz überging. Grundsätzlich gut gemeint. Mir auch oft willkommen, wenn wieder mal geschlaucht nach einem langen Arbeitstag und Bahnfahrt heimkommend. Allerdings auch der Grund dafür, dass wir gegen Ende unserer Dorfzeit kaum noch miteinander aßen, weil Blue oder Wirbel vor meiner Rückkehr Hunger bekam und sich einfach etwas aufwärmte. Gemeinsame Mahlzeit? Fehlanzeige. Und manchmal kaufte ich auf dem Rückweg ein, um zu kochen, nur um satte Familie und vollen Kühlschrank mit Dingen vorzufinden, die ich gar nicht wolte. Gut ist eben etwas anderes als gut gemeint.

Seit unserem Umzug ist das anders. Meine Mutter hatte ja bedeutungsschwanger das Ende der Essenslieferungen angekündigt. War wohl der letzte Gefechtsstand im Kampf "Rolle soll im Dorf bleiben". Am Anfang war es ungewohnt und insbesondere deshalb, weil Blue und Wirbel fast schneller essen, als ich einkaufen kann. Doch inzwischen pendelt es sich ein. Und hat einen eigenen Rhythmus gefunden. Der allerdings bedeutet, dass ich Sport nach der Arbeit anders planen müsste. In der Summe jedoch ist es gut, wie Essen bei uns jetzt funktioniert. Ich komme heim und koche frisch. Unser Kühlschrank enthält viel Gemüse. Es gibt Gemüsesaucen, Ofengemüse, Reis, Kartoffeln, Nudeln. Tendenz zu weniger Fleisch. Daran müssen sich Blue und Wirbel gewöhnen ... wobei der Fleischfresser eher Blue ist. Sukzessive führe ich neue Lebensmittel ein.. Fenchel essen inzwischen beide. Grünen Spargel auch, wenn er gebraten oder gebacken ist. 

Resultat: wir essen wieder zusammen am Tisch. Fast jeden Abend. Und das tut uns als Familie sehr gut, ganz unabhängig vom Gesundheitseffekt und der geschmacklichen Verbreiterung des jugendlichen Repertoires.

Und so bekommt mein Abend langsam eine neue Struktur. Später als bisher aus dem Büro heimgehen (Luft für späte Termine und meinen nachmittäglichen Kreativitätsschub), gemütlich kochen und mit den Kindern essen. Danach eine Stunde entspannen oder Hauskram erledigen und später kommt dann Zen und wir lassen den Abend gemeinsam ausklingen. Ab und an essen wir natürlich auch gemeinsam, aber in der Regel passt es uns beiden ganz gut, nach der Arbeit erstmal die eigenen To Dos zu erledigen - zumal wir aus familiären Gründen mehr Zeit bei mir als bei ihm verbringen.

Entspanntheit ist das vorherrschende Lebensgefühl. Trotz beruflicher "Festwochen".

Das darf gerne so bleiben ...

 

 

12.05.2014 um 17:43 Uhr

Tea-Gate oder die Bestie in mir

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Eye of the Tiger (Surveyor)

Zen frug mich heute, ob es schlimm sei, dass er mich für normal halte ...?

Ich hingegen halte mich manchmal für einen Freak. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich mitten in einer Modellübung féststelle, dass es a) gar nicht gut ist, mit dem Tablet mitzuschreiben und dann panisch aufspringe, um Stift und Block aus der Tasche zu holen und b) dann ins Nasse packe, weil meine ach-so-tolle-super-duper-Taschenthermotasse ... UNDICHT war! Ich legte also behelfsmäßig die Tasche trocken und machte weiter. Gar nicht mal schlecht. Aber mit etwas mehr Verve als beabsichtigt. Quasi mit gefeilten Zähnen zubeißend. Biest.Ich.

Schließlich musste ich ja mein persönliches Tea-Gate wettmachen ...

Das ist es auch schon mit Fortbildungsresumé. Interessant war's, anstrengend und körperlich auslaugend. Kunstlicht für bis zu 12 Stunden. Kopfweh. Aber unglaublich viel gelernt und erfahren. Angefixt. Das ist MEINS. So lange habe ich die Rampensau und das Beißbiest in mir verleugnet. Die wollen raus. Dringend. Und ich freu mich schon auf die nächsten beiden Termine. Das Zugticket für Juli ist schon gebucht. Da geht es dann mal weiter weg. In Ginas Herkunftsbundesland nämlich. In ein Tagungshaus in einem Kaff, in das nur wochentags überhaupt ein Bus fährt ... aber dafür kann man in der Pampa bestimmt gut lernen, wenn alle Ablenkung fehlt.

Ich hatte mich dieses Wochenende dann auch schließendlich für Klausur entschlossen und mich im Tagungshaus einquartiert. Was auch gut war angesichts meiner abendlichen Kopfschmerzen. Bedeutete aber, dass ich mich Sonntags ziemlich sputen musste, um rechtzeitig zur Kommunion von Felines Tochter zu kommen.

Nach Gepäckabwurf und schnellem Umziehen inklusive anschließender Feststellung von Elektrifizierung des Rockfutterstoffs, der sich mal eben wie eine Wurst unter dem Überstoff gerollt hatte, was sich natürlich in der Bahn nicht korrigieren liess und dazu führte, dass ich unter geschlossenem Mantel schwitzte, stand ich erstmal vor verschlossener Tür. Denn das Restaurant hatte die arme Feline und ihre Gesellschaft bis 14.30 auf das Hauptgericht warten lassen, wie sie mir am Fon erzählte. Ich ging dann erstmal zu BesterFreundin nach nebenan, holte mir ein paar modische Accessoires aka Hundehaare von Felines Labradorin, die dort in Tagespflege war und erfuhr die Katastrophe. Felines Nemesis hatte mal wieder zugeschlagen. Diesmal nicht nur in Form von Mutter und Schwiegermutter, sondern das Biest MS hatte auch kräftigst zugebissen. Schub. BesteFreundin und ich schauten uns an. Warum zum Teufel trifft so etwas immer wieder die Menschen, die es nicht verdient haben? Warum konnte diese blöde Krankheit nicht Ruhe geben?

Gemeinsam mit der Patentante des Kommunionkinds habe ich mich dann um Kaffeeservice gekümmert, damit Feline möglichst viel ausruhen konnte. Irgendwann entschwand die Schwiegerfraktion. Objektiv beleidigend früh. Subjektiv für Feline in letzter Minute. Kommunionkind und ich öffneten gefühlte 200 Karten. Die Kleine gleichbleibend gut gelaunt und neugierig. Und - was mich freute - dankbar für ganz kleine Dinge wie eine freundliche Zeile in der Karte. Im Nachhinein war ich froh, dass ich meinem Impuls, nach der anstrengenden Tagung einfach schlafen zu gehen, nicht gefolgt war.

Aber trotzdem war ich dann abends ziemlich platt. Liess mich von Felines Patin bei Zen absetzen und schlief früh auf dem Sofa ein. Und jetzt dann schon wieder Arbeitswoche.

Warum Zen mich als normal bezeichnet? Nun ... sagen wir es mal vorsichtig ... er kennt auch andere Fälle. Und deshalb ist das Adjektiv in diesem Fall ein klares Kompliment!

 

 

11.05.2014 um 07:03 Uhr

Sommer, jetzt!

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: Summertime (Ella Fitzgerald, Porgy and Bess)


... und als ich es bei der Lady las, fiel mir auf, dass wir seit Februar Frühling haben. So lang! 
Zeit also, über den Sommer nachzudenken (Fragen sinngemäß, da mit dem Tablet die Kopierfunktion nicht greift ... warum auch immer ...) 
Sommer-Gedanken:
Eine Wiese und der Fluss, Menschen, die plaudern und die Sonne geniessen. Radfahrer, Kinderlachen, Musik aus einem Ghettoblaster.
Biergärten.
Ende der Röcke ... wegen Wundscheuerns der Oberschenkel ohne Strumpfschicht.

Sommerferientag in der Kindheit:
Mit einer Freundin per Rad am Fluss entlang zu einem Schwimmbad auf einer Insel fahren. Dort unter alten Bäumen liegen und sich von Jungs ärgern lassen. 
Oder mit Mutter und Schwester per Bus aufs Land zur Großtante mit Bauernhof, Traktor, Katzen, Kühen und Plumpsklo.

Gedanken zum Schwimmbadkiosk:
Der Kiosk war ein richtiges Restaurant, das über eine Freitreppe erreichbar war. Ich beneidete die Erwachsenen um ihre Berliner Weiße in rot und grün. Gab es nur dort. Weil nicht typisch für meine Herkunftsregion. Wenn das Taschengeld reichte: Pommes essen und Wassereis. Spritzschlachten (unabsichtlich) mit dem mitgebrachten Mineralwasser in der Glasflasche (Perlflasche)

Urlaub mit den Eltern:
Immer Berge. Alpen. Deutschland oder Österreich. Eher spazieren als wandern. Mama mit Einkaufstasche und Papa mit Fotoapparat. Blumen knipsen. Eher langweilig. Und ich hasse es bis heute, mich mit einem Waschlappen zu reinigen statt zu duschen.

Urlaub heute:
Am liebsten Städtereisen. Oder Frankreich/Italien. Inzwischen gerne Wandern. Dann aber ohne Einkaufstasche und mit Dusche.

Ein freier Sommertag?
Aufwachen ohne Wecker und mit entspanntem "Intermezzo". Frühstücken gehen in dem hübschen kleinen Eckcafé in Zens Nachbarschaft mit Milchkaffee, Croissants und dem leckeren Obstsalat, den sie dort servieren. Rucksäcke packen und ein Stück mit dem Zug fahren.Wandern und an einem Bach oder See halt machen. Faul auf einer Wiese liegen. Weiterwandern und irgendwann mit dem Zug zurückfahren. Duschen und den Abend auf der Terrasse des Restaurants bei mir nebenan bei Wein und Tapas ausklingen lassen. Glücklich zusammen einschlafen. 

Sonnenanbeterin?
Ich mag die Sonne, vertrage sie aber nicht immer. Also eher Schatten und Kopf geschützt.

Eis-Präferenzen?
Ich esse gern Softeis - Vanille. Und cremige Sorten. Amerikanisches Eis mit Karamell oder Pecannüssen  finde ich leckerer als italienisches, esse es aber nur selten. Neulich habe ich leckeres Sesameis probiert.

Klamotten-No Go?
Ballerinas mit Söckchen und bei Männern Sandalen mit Socken. Kurze Hosen, wo sie nicht hingehören.
Bester Tipp gegen Hitze?
Morgens sporteln, tagsüber im Kühlen bleiben, abends die Nacht im Freien geniessen. Also alles andere als arbeitskompatibel.
Für Arbeitstage: Zwischendurch im Sportclub unter die Eisdusche.
Lieblingsdrink
gekühlter Rosé - auch mal als Rhabarberschorle
Bester Sommersalat?
eigentlich alles was bunt und lecker ist - Caprese mit Mango ist sehr erfrischend. Oder Rucolasalat mit Zitronenöl, Kirschtomaten und Garnelen. 

Sommerhit?
Voila l'été von den Negresses Vertes

Sommerfilm?
Sieben Sommersprossen
Sommer vorm Balkon

09.05.2014 um 11:57 Uhr

Offenes Haus und offenes Ende

von: Spring_Roll   Kategorie: lebens(t)raeume

Musik: Our House (Madness)

Schon als Teenager wollte ich ein "offenes Haus" führen. Das Gegenteil meines Elternhauses, in dem Besuch eher Erschrecken und Belastung bedeutete. So jedenfalls nahm ich es wahr. Bei uns war es ruhig und ordentlich. Besuch brachte das durcheinander. Meine Mutter mochte Routine, Ordnung, Ruhe. Keine Überraschungen. Wenn in den Vor-Telefon-Zeiten (ich habe tatsächlich 8 Lebensjahre ohne Festnetztelefon verbracht!) Besucher kamen, dann kamen sie lange vorher angekündigt oder eben ganz spontan. Was im Kindesalter unkompliziert war, denn wer sich langweilte, ging klingeln, bis ein Spielgefährte gefunden war. Die Mütter waren bis auf wenige Ausnahmen nicht berufstätig. Kinderbesuch tagsüber störte nicht sehr. Doch Erwachsenenbesuch war ein Ereignis. Ich weiß noch, in welche Wallungen meine Mutter lange vor der Menopause geriet, wenn plötzlich ein VW-Käfer vor dem Haus hielt und Onkel Pfarrer und Tante Pfarrhaushälterin (Gott hab sie beide selig!) nebst überfettetem Dackel Sepp ausstiegen. Oder wenn sonntags Cousin Bert und seine Frau Langeweile hatten und bei uns aufschlugen. So kam ich zur ersten Pizza meines Lebens (mitgebracht und nicht gemocht). Und wurde "Kuchen holen" geschickt. Denn so gerne meine Mutter buk, für Besuch musste es etwas "Besseres" sein, also Sahnetorte vom Konditor.

Ganz anders war es zuhause bei BesterFreundin. Immer war irgendjemand da. Erwachsene, Kinder, Hunde. Und mittendrin quirlig und zufrieden ihre Mutter und der damals schon kranke Vater. Man bekam ein Butterbrot, wenn alle aßen und "lief mit". Später auch den Kaffee und die Zigarette auf der Terrasse.

Als ich älter wurde, scheute ich mich, Besuch nach Hause mitzubringen. So ruhebedürftig wirkten meine Eltern. Schon eine Tee trinkende Freundin schien mir zu laut am Abend.

Irgendwann wohnte ich allein. Leider nie so wirklich mittendrin und mit den logistischen Voraussetzungen für das offene Haus. Das hatte dann wieder BesteFreundin in ihrer ersten WG.

Auch in meiner Ehe gelang mir nicht, was ich so erstrebenswert fand. Es lag an vielem. Auch an mir.

Erst vor ca. acht Jahren begannen sich die Rahmenbedingungen zu ändern. Ich wohnte zentraler, die Kinder wurden größer. In der sizilianischen Wohnung hatte ich viel Besuch. Und genoss es. Und empfand den Umzug 400 m die Straße herauf als argen Absturz. Um so mehr genieße ich jetzt die zentrale Lage und das Privileg, Gäste zu haben. Es macht mir Freude, wenn der Tisch voll ist mit Menschen, die ich mag. Lieber einmal weniger putzen und dafür spontan ein Essen zaubern.

So wie gestern. Zen und die Perfektionistin waren unterwegs zum Schweden und ich plante leichtes Abendessen für die Jungs und später etwas leckeres für Zen und mich. Blue allerdings optierte für Pizza und brachte auch direkt den Teig aus dem Kühlschrank seines Drittwohnsitzes mit. Mengenmäßig hatte er sich allerdings nach unten verrechnet. Zwei Bleche waren nur zwei runde Pizzen. Und seine Erwartung, heute Mittag Reste mitzunehmen, war auch eher ambitioniert. Hatte er doch mit Zen und Perfektionistin nicht gerechnet ...

Im Endeffekt belegte und buk ich zwei Pizzen und eine Quiche, wusch und las eine Riesenmenge Feldsalat und sass irgendwann ziemlich fäddig am Tisch, eingelullt vom sanften Geplapper der Perfektionistin. Anstrengend, aber irgendwie schön. 

Irgendwie klappte auch die Packerei noch heute morgen ... alles gut. Sogar ein Entspannungsmodul zwischen Job und Fortbildung bekomme ich noch: Mittagessen mit Zen. Danach ist dann wieder Hirnschwamm gefragt ... Wissen aufsaugen und Fähigkeiten ausprobieren. Tut das gut!

Vor dem Job stellte ich dann gleich noch ein paar Weichen für meine innere Gärung gemeinsam mit der Zuhörerin. Ich denke nämlich, dass ich fast dort bin, wo ich hin möchte. Privat sowieso. Weit weg von alten Mustern, ausgestattet mit schärferer Wahrnehmung und feinen Antennen. Reflektion funktioniert hervorragend. Mission accomplished! Und werde die letzten Einheiten für einen "boost" im Herbst nutzen, um meine beruflichen Pläne weiterzubringen. Was für ein Luxus, so ein Coaching zu bekommen!

 

 

 

08.05.2014 um 09:17 Uhr

Mikado

von: Spring_Roll   Kategorie: Stress und Konsorten

Musik: Let's get loud (Jennifer Lopez)

Gerade jetzt fühlt sich mein Leben und insbesondere mein Terminkalender wie ein Mikadospiel an. Einmal falsch ziehen und ..... rrrruuuuutsch! Aber das tut er jedes Jahr von Mai bis Anfang Juli. Also nichts Besonderes. Wobei ich in diesem Jahr zumindest ganz privat sehr entspannt bin. Denn Zens Ruhe strahlt auf mich aus. Und er schafft mir Freiräume ... zum Beispiel, indem er heute Abend mit Frau Perfektionistin zum Schweden fährt, um ihr beim Transport ihres neuen Bettes zu helfen. Vorschlag von ihm, nicht von mir. Und ich kann derweil die üblichen Baustellen bedienen: Zubereitung großer Mengen von Nahrung für Blue und Wirbel und Überlegung, was ich am Wochenende so brauche, um den Marathon aus Weiterbildung und Felines Kommunioneinladung, die sich nicht vermeiden liess, zu überstehen. Der Weiterbilder ist nämlich ein "Knochenbrecher". Einer, der nicht nur bis in den Abend lehrt, sondern auch noch Arbeiten bis zum nächsten Morgen vergibt. Deshalb werde ich im per Rad nur 30 Minuten entfernten Tagungszentrum wohl auch übernachten ... ich halte es mir offen jedenfalls. Und ich werde keine Verabredungen für den Abend treffen. Ist besser so, von wegen Kopf frei. Und sonntags dann zu Feline. Kaffee trinken und Tochter gratulieren und unsägliche Sippe aushalten. Ihre schreckliche Mutter aka das ebenso dumme wie verzogene Ü70 Gör und seine fürchterlichen Eltern und insbesondere seine Mutter, die bereits die Taufe des jetzigen Kommunionkinds unvergesslich machte. Wenn Feline nicht so eine Liebe wäre ...  ich hoffe bloss, sie ist nicht allzu enttäuscht, wenn ich mich gegen 19 h verdrücke, um noch etwas Zeit mit Zen zu verbringen. Irgendwann möchte ich auch mal frei haben, bevor Montagmorgen die Küchenmühle wieder mahlt ...

Das Mikadospiel wird in den nächsten Wochen komplizierter werden. Nämlich dann, wenn aus allen Ecken kleine Zombies mit Arbeitsnotstand auftauchen und sämtliche Freunde und Bekannten meinen, der Mai/Juni sei doch prima für Treffen und Einladungen. Und dann vergrätzen, wenn ich nein sage. Aber das bin ich ja gewohnt. Und für alle, die hier eventuell mitlesen: Ich mag euch sehr und bin ab Mitte Juli wieder für euch da!

BesteFreundin übrigens nehme ich da aus. Die ist die pflegeleichteste von allen. Schön, das!

Und nun stelle ich mich: a) der Waschmaschine, b) dem Job und c) der Überlegung, was ich von Freitag bis Sonntag in der Tasche haben sollte, um meinen Marathon zu bewältigen ...

 

 

06.05.2014 um 08:11 Uhr

... Gold im Mund?

von: Spring_Roll   Kategorie: Morgenstund

Musik: Morning has broken (Cat Stevens)

6.00 Uhr - ich werde wach aus einem wirren Traum, in dem ich einem unbekannten, aber freundlichen alten Mann mit braungebrannter Haut und freundlichem Lächeln mit der Milch einer seltsamen, aber giftigen "Nicht-Kokosnuss" die Haare wusch und dann selbst voller Schaum duschen musste. Seltsamerweise befanden wir uns dann vor dem mehrstöckigen alten Backsteinhaus einer längst in die Geschichtsbücher eingegangenen Bekannten, deren Mann mir mit allen Kindern (im damaligen Alter) und einer neuen Frau die Treppe herunterkam. Und doppelseltsamerweise schickte ich den Mann mit den geschäumten Haaren ins untere bequemere Bad und kletterte selbst drei Stockwerke hoch in ein Badezimmer aus einem englischen Kitschroman. Ich fand mich in lavendelblauen Spitzendeckchen und Duftpotpourris wieder. 

Doch leider erfuhr ich nie, wie der Traum weiterging, denn vor der Badezimmertür knisterte es laut und gefährlich. Und anhaltend. Bis ich merkte, dass ich gar nicht mehr schlief und Blue durch den Flur anzischte, er solle die Küchentür schließen, wenn er mit Alufolie laut hantiert.

Merke: misstraue Söhnen, die ihre Mütter ausschlafen lassen wollen, wenn sie sich selbst Brote machen!

Ich dämmerte noch bis zum eigenen Wecker (für Wirbels Aufstehzeit) dahin, versorgte den zweiten Schulaufsteher und mich selbst mit Tee und einer Schnitte. Und las ein bisschen in diversen Richtungen. Nicht nur hier. Litt ein bisschen mit. Freute mich über lustige oder besonders schön geschriebene EInträge oder Links. Schämte mich ein bisschen fremd. Dreimal. Und frage mich, warum ich das dann noch lese.Zumal ich eigentlich schon weiß, was mich erwartet aus jenen Quellen. Ist wohl der Gruselroman-Effekt. Oder auch: die Lust am fremden Skandal. Big-Bruder-Syndrom. Betroffenheits-TV am Nachmittag. Voyeurismus. Schuldig!

7.32 Uhr - infernalisches Geschrei schreckt mich auf. Aufschrecken deshalb, weil es nicht direkt von oben, sondern diesmal aus einer anderen Richtung kommt. Teetasse holend identifiziere ich den Herkunftsort Hausflur. Verursacher ist eh klar. Theo mal wieder gegen den Rest der Welt im Allgemeinen und seine "große" vierjährige Schwester und das Anziehen der Schuhe im Besonderen. Es brüllt sich so hoch. Und dann kommt der Deus ex machina. In Person des sizilianischen Nachbarn, den beide Kinder lieben. Drei Sätze und ich höre plötzlich Kinderlachen. Und der Schuh ist an. Und Theo in der Tag-Welt angekommen, die ihm jeden Morgen und bei jedem Aufwachen in der Nacht so stachlig erscheint, dass nur Brüllen hilft.

8.04 Uhr - auch ich komme langsam in der Tag-Welt an. Tee trinken. Vermissen, dass Zen mit der Kaffeetasse heute nicht neben mir sitzt. Freuen, dass die untere Körperhälfte Ruhe gibt und gleichzeitig leichtes Magengrummeln haben wegen einiger Küchenstaus, für die ich den gestrigen Arbeitstag vorgesehen hatte.Wissen, dass ich mir gleich einen Personaleinsatzplan für drei Events aus dem Ärmel schütteln muss. Und Cheffe erklären darf, dass ein Priorität Z Projekt eben nicht fertig wird, wenn A-C drängeln.

Noch was?

Ich hätte gerne Urlaub. RICHTIGEN Urlaub. Ohne Wecker. Ohne drei-Mahlzeiten-Verpflichtung am Tag. Mit viel Zeit für Bewegung, Entspannung und Kommunikation. Wird aber Juli werden ... mindestens ...

Kann mal jemand diesen Schieflage-Morgen reparieren, bitte? 

 

 

 

 

 

05.05.2014 um 21:02 Uhr

Das Beste zuerst ...?

von: Spring_Roll   Kategorie: Das Beste zuerst ...

Musik: So what ... (Pink)

Irgendwie hat Blogigo da etwas nicht mitgekriegt. Ganz bestimmt nicht!

Dabei fand ich die Reaktionen der Werbung treibenden Wirtschaft auf mein sonstiges Internetnutzungsverhalten recht geschickt in letzter Zeit. Kaum betrete ich die Seite eines namhaften Ausrüsters für Wanderzeugs, erscheint auch schon rechts in der Leiste eine hübsche Auswahl an Schuhen genau der Marke, die ich mir auf anderer Seite ansah. Und sogar mit Rabattdingens. Rabattdingens ist gut. So kostete mich der Teuer-aber-top-Schuh nämlich nur 70 Prozent des Preises, den andere Seite verlangte. Und da der jetzt ausgemusterte alte Schuh auch von Teuer-aber-top war, riskierte ich größen- und passformtechnisch nichts. Auch die Tatsache, dass mir nach einmaligem Besuch der britischen A-zon-Seite und der Suche nach meinem Lieblingsschuhlabel mit der Fliege jetzt immer der schwarze Pumps angezeigt wird, den ich schon einige Zeit "jage", der mir aber zu teuer ist (noch), stört mich nicht wirklich.

Was mich aber befremdet, ist die heutige Werbung. Partnersuche starten? Und dann Bilder von vier blonden Grazien? Hä? Habe ich da etwas nicht mitbekommen? Klar, eine VerbraucherIN, die Wanderschuhe in Größe 40 und Pumps in 39 sucht sowie öfter mal auf Klamottenseiten surft, auch einer Handtasche nicht abgeneigt ist ... steht auf ... BLONDE FRAUEN? Vielleicht, liebe werbungtreibende Wirtschaft, solltet ihr doch mal recherchieren, welches Geschlecht, welchen Beziehungsstatus und welche Orientierung eure Wunsch-Kunden denn so haben? Oder, noch besser, vielleicht gleich auf diesen blöden Einklinker verzichten? Das wäre doch mal ein guter Vorschlag! Denn diese Werbung nervt. Und hat sie auch schon, als ich noch Single war. So

Wo waren wir? Bei Beziehungen oder bei Schuhen? Eigentlich bei beidem. Denn ich habe nun einmal alles richtig gemacht und einen wunderbaren Mann getroffen. Und stellte schnell fest, dass dieser Mann meine Begeisterung für schöne aka hohe Schuhe und elegante Kleidung nicht unbedingt teilen kann. Ihm fällt nämlich nicht wirklich auf, was ich trage und wenn überhaupt, dann aufgrund von Zweckmäßigkeit. Was also tun mit der eigenen Vorliebe für Schönes und der Unmöglichkeit, die inzwischen reichlich vorhandenen hohen Hacken auf den für zwei Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel normalen längeren Fußwegen zu tragen? Keine Angst, ich habe auch keine Lösung ... außer der, meine Abteilung "schön und unpraktisch" sukzessive "aufzubrauchen". Und dann zu versuchen, "schön und praktisch" zu finden. Und das ist schwierig. Denn es gibt nun mal kaum Schuhe, die hoch UND bequem auf längeren Wegen sind. Aber ich suche weiter ... und bis dahin ist Bestände dezimieren keine schlechte Idee. 

Bei Einräumen der Frühjahrs- und Sommersachen habe ich jedenfalls noch mal kräftigst ausgemistet im Kleiderschrank. Und das werde ich in ein paar Wochen noch einmal tun. Ziel: gesamten Schuhbestand in ein einziges Regal packen - Wackelkandidaten sind identifiziert - und mindestens eine halbe Kleiderstange "einsparen" und ein bis zwei Bretter im Schrank. Potenzial sehe ich bei den Sportsachen und den Schals. Im Herbst schon einmal rigoros dezimiert und nun noch einmal auf der Abschussliste. Zu viel Krempel. Zu viel nie Getragenes. Farben, die nicht zu mir passen. Materialien, die mal zu kalt und mal zu warm sind. Und beim Sportzeug Fehlkäufe aus der Anfangszeit des Wanderns, verschlissene Laufhosen und Shirts und Sachen, die irgendwie breit und kurz wurden.

Handtaschen werden diesen Sommer auch dran glauben müssen ... ich nehme doch nur immer dieselben drei mit. Keine Lust mehr auf Kram. Irgendwann werde ich vielleicht wirklich mal eine der Frauen, die mit einem Meter Schrankstange und einem Wäscheschrank ganz wunderbar auskommen - inklusive Bettwäsche und Schuhen. Und spare damit dann hoffentlich ein Heidengeld ...

Und da Zen sowieso egal ist, was ich trage, rette ich auch ganz bestimmt ein paar cm Eleganz auf diesen einen Meter. Nur für mich. Und die wenigen Gelegenheiten mit Dresscode, die mein Küchenjob mir beschert. Und die Abende mit den Ladies. Da bekomme ich dann auch meine Portion Komplimente für's Outfit. 

Von Zen bekomme ich das nicht. Er bemerkt es vielleicht, es ist ihm aber nicht wichtig. Wichtig ist ihm, dass es mir gut geht. Und mit dieser Priorisierung fühle ich mich richtig wohl. Was nützt mir ein Kompliment für ein hübsches Kleid, wenn ihm Mißachtung meiner Gedanken folgt? Richtig: nix! Von Zen bekomme ich Komplimente für meine Gedanken und Aufmerksamkeit für meine Gefühle und Bedürfnisse. Was in der Summe wohler tut.

Als modische Instanz hingegen scheine ich jedoch geschätzt ... zumindest soll ich demnächst mit Zen shoppen gehen. 

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

 

P.S. Noch ein kulinarischer Exkurs zur Kategorie. Als entschieden bestes Früchte-Tiramisu meiner bisherigen Verkostung hat sich Heidelbeere erwiesen! Löffelbisquit mit Orangenlikör oder in der alkoholfreien Variante mit Saft nach Wahl tränken, Heidelbeerkonfitüre (Blähbär vom Schweden) daraufstreichen und mit einer Mischung aus Joghurt und Mascarpone, leicht gesüsst, bedecken. Darauf eine Schicht frischer Heidelbeeren und ein TL Zucker drüber .... lecker, lecker, lecker! Wer keine Konfitüre und frische Heidelbeeren hat, nimmt ein Glas Heidelbeeren, die in zwei Schichten aufzuteilen sind, und tränkt die Bisquits gleich mit dem Saft daraus. Ach ja, Joghurt und Mascarpone zu gleichen Teilen, nicht Gramm, sondern Löffel, also Volumen statt Gewicht.