Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

30.06.2014 um 08:43 Uhr

Viel Lärm um Mist ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Stress und Konsorten

Musik: Mix ... laut und kakophonisch

Was hat das Wochenende mir gesagt?

Ich kann Kolokithokeftedes problemlos aussprechen ... und es sind griechische Zucchinipuffer (sehr lecker übrigens).

Mir fehlen  wesentliche Elemente nationaler Sozialisation!  Im Gegensatz zu meinen Landsleuten verzichte ich gern und aufgrund starker Abneigung auf mehrere Dinge in meinem Leben, die von anderen als selbstverständliche Gemeinsamkeit vorausgesetzt werden. Und brüskiere damit immer wieder ungewollt:

- Bohnenkaffee (Reaktion: Magenschmerzen/Durchfall). Ich trinke nur Espressogetränke.
- Mineralwasser mit Kohlensäure  (Verdauungsprobleme), Ich trinke lieber Leitungswasser oder komplett stilles Wasser.
- Fußball ... über diese Allergie lasse ich mich nicht aus

Die Erkenntnisse zur besuchten Veranstaltung (unsere Küche war am Catering beteiligt):

- Man kann eine Großveranstaltung auch bar jeder Sachkenntnis und Serviceorientierung ausrichten.
- Gäste und Mitwirkende schätzen es unendlich, wenn das einzige, das funktioniert, die Security ist.
- Es gibt die Stadt, von der viele vermuten, sie sei nur Attrappe. Aber ob es besser so ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
- Meine Füße sind durch und meine Laune ebenso.
- Es gibt Veranstaltungen, die sich selbst überleben.
- Standfläche ersetzt nicht interessante Angebote ... der Spitzenreiter war eine soziale Stiftung, bei der drei gelangweilte ältliche Menschen auf Klappstühlen in einem ansonsten leeren Zelt herumsaßen, umflort von einem Rollup-Panel mit Logo im Hintergrund.
- Programmatisch ersetzt laut nicht gut. Und man sollte einen Plan B für Regen haben ...
- Wenn  Familien eingeladen werden, sollten auch Angebote für Familien da sein. Ein teurer Rummelplatz erfüllt dieses Kriterium nicht. Und auch nicht die Einfach-Lösung Luftballons. Die werden zwar gerne genommen, sind aber keine Beschäftigung. Wer die Kinder "hat", hat auch die Eltern ...
- Liebe Veranstalter, nicht nur in der Stadt in the middle of nowhere, diese Veranstaltung ist eine gigantische Geldvernichtungsmaschine und erfüllt keinerlei praktischen Nutzen. Entweder, ihr denkt über das Konzept grundsätzlich mal nach oder ihr lasst das Ganze endlich bleiben. Mit den Steuergeldern lässt sich sicher besseres anfangen. OK, unsere Küche hat mitgemacht. Aber wir haben uns wenigstens bemüht, den Gästen gute Qualität zu einem vertretbaren Preis und ein paar "Goodies" zu bieten. Ist auch angekommen. War aber dank eurer wunderbaren Hilfsbereitschaft, Organisation und Präsenz ein Knochenjob, den ich so nicht mehr erleben möchte. Also fasst euch bitte mal an den Kopf und rüttelt kräfftig. Geklappt? Wieder klarer? Dann bitte DENKEN, jetzt!

Richtig. Frau Rolle ist sauer. Denn dieses Wochenende hat meine sowieso gestressten Füße trotz flacher, bequemer Schuhe völlig lädiert. Und dreimal darf der geneigte Leser raten, was gleich ansteht. Richtig: das nächste Event. Die Festwochen gehen weiter ...

Aber: Licht am Ende des Tunnels .... genau in einer Woche ist es geschafft. Dann kann ich mich endlich mit einer Familienpackung Halstabletten ins Koma zurückziehen ...

 

28.06.2014 um 06:30 Uhr

Maria, ihr passt's nicht!

von: Spring_Roll   Kategorie: Das Beste zuerst ...

Musik: Itzy-Bitzy-Teenie-Weenie-Honolulu Beach Bikini

Keine Angst ... auf einen Bikini versteigt sich Frau Rolle mit ihrer satten Größe 44 nicht. Das wäre optisch wie statisch eher im Belästigungsbereich zu sehen. Wenn ich denn mal einen finde, kaufe ich Badeanzüge. Schlicht, schwarz, klassisch. Womit wir beim Stichwort wären. 

WENN - ich - denn - mal - finde ...

Da, wo auch ich mal Zeitschriften lese - bei meinem Frisör nämlich - las ich gestern einen Artikel über die Plus Collection von Herrn Kretschm*r. Es sei doch eine Schande, dass eine Frau mit Größe 46 durch die Stadt gehe und nichts finde ... sagte er. Und pries die Vorteile seiner bei Teuerversand vertriebenen Kollektion mit Bauchverstärkung etc ...

Zugegeben, sie waren nicht unhübsch, seine Teilchen. Wenn auch weder in meiner Farb-, noch wirklich in meiner Geschmackspalette. Aber ansonsten kann ich nur sagen: Willkommen im Leben, Herr K.! Oder auch ... Maria, MIR passt's nicht!

Wie neulich bei Hund M. Dass mir bereits mit Größe 42 nur deren Größe 46 passte, war schon irgendwie frustrierend. Dass diese Größe irgendwann in den Läden nicht mehr zu finden war, frustrierte mich bereits ein wenig. OK, ich wollte eh weniger bei Hund M einkaufen ... so von wegen öko und fair Bedenken. Also kaufte ich fürderhin nur noch "Strickwaren" dort ... und auch das immer weniger, was aber auch Geschmacks- und Verarbeitungsgründe hatte. Siehe mein Wasserfallshirt aus 2008, das ich immer noch trage (und viel!), während ein Folgemodell aus dem letzten Jahr bereits wegen Materialermüdung und akutem Ausbleichen in die Tonne wanderte.

Aber da gibt es ja auch noch die Abteilung für "Fröhliche Größen". Die Hosen - indiskutabel. Die Oberteile? Meist Walle-Walle-Schnitt und kleidsame Knielänge. Aber zumindest meist schöne Farben und originelle Schnitte, weg von Oma-Konfektion. Nix für mich, aber die Mädels ab Grösse 50 aufwärts finden dort zumindest mal im wörtlichen Sinne passende Outfits mit Stil und dem gewissen Etwas.

Nun war ich am Mittwoch auf jenem abendlichen Küchentreffen. Und eine unserer Gastgeberinnen trug da so eine Jacke. Schwarz, schlicht, Bikerstil und aus Denim, taillenkurz und über ein weites Hemd und eine schmale Hose kombiniert. Sah sehr gut aus. Und passte ihr in doppeltem Sinne. Denn sie trug geschätzte 46/48. Da ich mit dem Wunsch nach einer schwarzen Denimjacke bislang nicht erfolgreich fündig wurde, sprach ich sie an und ... quelle surprise! ... die Jacke stammte aus den "Fröhlichen Größen" von Hund M. Und war aus der aktuellen Kollektion. Was bei Hund M nicht viel heißt, da die Kollektion gefühlt jede Woche wechselt, aber trotzdem stiefelte respektive humpelte (mal wieder das Sommeranfangsproblem: Scheuerstellen an Zehen und Ferse vom strumpflos gehen) ich in der nächsten Mittagspause zum größten Hund M von Citta. Die anderen beiden sind für Männer und für Girlies. Also zum EINZIGEN normalen Hund M. Allerdings nur, um mir sagen zu lassen, dass "man die Kollektion nicht mehr führe" und sie nur in "Randbezirk" und "schlecht erreichbarer Nachbarstadt, die ansonsten bar jeden Charmes" erhältlich sei. Punkt. Rolle baff. Listen die mal eben die Hälfte der weiblichen Bevölkerung einfach aus. Punkt.

Und NEIN, Hund M ... ich habe nicht vor, abzunehmen, um in eure Standardgrößen zu passen. An die spanischen Leanders und die Südfrüchte übrigens an dieser Stelle auch ein herzlicher Gruß. Eure Größe XL ist a) so gut wie nicht vorhanden und b) entspricht sie höchstens einer deutschen 40. Eure viel gerühmten Plus-Kollektionen stellt ihr ins Internet ... aber dass gerade eine Kundin, deren Maße nicht den Vorgaben von GNT entsprechen, anprobieren möchte und muss ... davon habt ihr keine Ahnung. Und wenn dann der Versandhandel sich über viele Rücksendungen beschwert, könnte es VIELLEICHT gerade daran liegen, gelle?

Übrigens besitze ich die schwarze Denimjacke inzwischen. Weil ich zusammen mit gefühlten 2000 Fussballfans mutig zum Feierabend in eine Stadtbahn stieg aka drängelte und mich durch den schwarzrotgoldenen Wahnsinn zum Randbezirk-Hund M kämpfte. Und weil da noch genau drei Jacken hingen - in 46, 48, 50. Die 46 wurde "meine" (ich erinnere: Hund M fällt klein aus). Und das war den Ärger wert. Einen Pluspunkt erwarb sich Hund M an diesem Abend allerdings auch, denn im Gegensatz zu einem anderen von mir gerne frequentierten Laden wurden die Kunden NICHT mit Fussball beschallt. Der andere Laden hätte mir etwas verkaufen können normalerweise. Im Bettwäschebereich gab es nämlich tolle Angebote. Aber so ging ich rückwärts wieder hinaus und sparte Geld.

Merke: Kunden, die während Weh-Emm-Spielen einkaufen, interessieren sich im allgemeinen nicht für die Weh-Emm, liebe Einzelhändler. Also tut mir den Gefallen und seid konsequent. Entweder ihr schließt ausnahmsweise um 18 Uhr und erfreut eure fussballfreudigen Mitarbeiter. Oder ihr entscheidet euch dafür, den Laden aufzuhalten, dann aber ohne Zwangsbeschallung für eure Kunden. Das Ergebnis ist nämlich das gleiche: keins. Ich jedenfalls kaufe in einem Laden, der meine Ohren mit Fussball attackiert NICHTS. Und auch Restaurants mit Unterhaltungsvergewaltigung verlasse ich stante pede wieder. Damit meine ich nicht Biergärten oder Kneipen. Da fände ich es normal, dass die Gäste gucken.  Ich meine Speiserestaurants, in denen sonst landestypische oder chillige Musik oder sogar gar nichts zu hören ist. Mein südamerikanischer Nachbar hat das übrigens gut gelöst. Bildschirm ja, aber Ton wird leise gedreht, wenn Gäste es wünschen. Guter Kompromiss. Mittwochabend konnte ich so prima in Ruhe (ok, relative Ruhe bei sieben schnatternden Damen) essen, saß mit dem Rücken zum TV und fühlte mich wohl, während die peruanische Fraktion mir gegenüber gucken konnte.

Auch gestern ein fussballfreies Restaurant. Allerdings nicht sportfrei. Denn Zens Lieblings Italo-Inder (klingt nach Schnellimbiss, ist aber richtig lecker, denn Besitzerin ist Italienerin, Ehegatte Inder und beide "können" ihre Landesküche) sah am späteren Abend eine Truppe quirliger Teenies mit Begleiteskorte, munter in südosteuropäisch durcheinanderplappernd. Cheerleader waren es. Voller Hoffnung, am Wochenende einen internationalen Meistertitel heimzutragen. War lustig. Und auf Englisch erfuhren wir auch ein bisschen mehr.

Zen und mir geht es im Moment übrigens ziemlich gut. Es war wohl auch der beiderseitige Stress. Gestern half ich ihm bei einer Bewerbung. Wenn das etwas wird, ist seine Problemfront aufgelöst. Denn seine Firma und sein Chef erinnern mich immer mehr an den windigen Geschäftsmann, bei dem ich vor Jahrzehnten meine erste, kaufmännische Ausbildung machte. Ständig am Rande des finanziellen Limits, ständig große Töne spuckend und unzuverlässig in jeder Hinsicht. Cholerisch noch dazu. No wonder, dass es mit einer juristischen Auseinandersetzung endete damals (zum Glück jobbte ich da schon in einer Anwaltskanzlei und wurde gut vertreten ...) und noch weniger wonder, dass er irgendwann vor die Wand fuhr. So eine Type ist Zens Chef auch. Und ebenso wie mein damaliger Exchef hat er Menschen um sich, die sich immer wieder einwickeln lassen ... so eine ist Zens direkte Vorgesetzte. Trauerspiel. Zeit für einen Wechsel. So schnell wie möglich.

Und danach wird es auch Zen und mir besser gehen. Mir, weil weniger eigener Jobstress ab Mitte Juli, ihm mit mehr Sicherheit und mehr Geld. Uns, weil wir uns dann auch den guten Dingen im Leben wieder mehr zuwenden können.  

Und nun ruft die Küche .... das Wochenende lockt mit einem Kochtreffen in the middle of nowhere .... arrrrrgh! 

 

26.06.2014 um 08:52 Uhr

Der Rolle neue Kleider

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Diamonds are a girls best friends (Marilyn Monroe)

Ich liebe Kleider. Und in jeder Saison findet mindestens eines den Weg in meinen Kleiderschrank. Dummerweise wachsen die "Anlässe" aber nicht proportional zum Kleiderschrank mit. Im Gegenteil - eigentlich überwiegen die Hosen-Anlässe. Und seit ich Zen kenne, sowieso. Selbst wenn wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, "lauert" irgendwo im Hintergrund noch mindestens ein längerer Spaziergang. Also nix mit schönen Schuhen und folglich auch nix mit Kleid. In der Stiefelsaison lässt sich das zur Not noch mit flachen Schaftstiefeln als Kompromiss lösen. In der Pumps- und Sandalensaison heißt es Kleid und unbelastbarer Schuh oder Hose und Treter. Und die Sommerversion von Treter ist eher nicht meins. Ich zieh sie aber gerade dauernd an. Bäh!

Also genoss ich gestern morgen in Erwartung eines abendlichen Job-Termins einen Blick in meinen Kleiderschrank. Wörtlich gemeint. Den, in dem die Kleider hängen. Und zog mit "so what?"-Gefühl ein Carol Zee-Kleid an. Schwarzes Jäckchen, Gürtel, orange Handtasche als Farbfleck und ich fühlte mich auf meinen Wildlederpumps endlich mal wieder auf der richtigen Augenhöhe. Dummerweise war's draußen kalt, weshalb ich unterwegs noch Strumpfhosen kaufen musste. Aber ansonsten: gutes Gefühl, mal wieder elegant zu sein. Auch wenn's im Büro eigentlich keiner sah. Doch abends mal wieder einer der Anlässe, bei denen die Spezialitätenköche unserer Stadt zusammenkommen. Mit guten Gesprächen und viel Wein. Ohne Essen. Und so endeten die Limette, die Perfektionistin und ich an einem Tisch mit insgesamt sieben Koch-Kolleginnen im Restaurant an der Straßenecke. Mit Maisbrötchen und Maniok, Spiesschen und Gelächter. Tat gut. Auch wenn ich heute morgen die nach mitternächtliche Heimkehr und den Wein ein wenig merkte.

Und ich merkte das gute Gefühl von Glamour. Glamour Girl sagt es ja seit Jahren: "Be a diva in the best sense"! Mir wurde in den letzten Tagen klar, dass meine innere Diva wieder gassi gehen muss. Ich fange klein an ... nämlich mit Kleidern und Röcken. Die werden jetzt wieder angezogen. Oft. Nächste Woche zum Beispiel, wenn die Küche wieder große Events hat, bekommt das schwarze Spitzenkleid seinen ersten Auftritt. Auch am Wochenende mit der Küche auf Reisen ist Rock-Zeit. Und zur Hochzeit der Vogelschwester gehe ich definitiv in einem schönen Kleid - welches, entscheide ich noch. 

Was mich wirklich umtreibt, hat jedoch nur bedingt mit Kleidern zu tun. Sondern mit einem Lebensgefühl. Und ich bin gerade dabei, zu ergründen, wo ich stehe und wo ich hin will. Auch mit Zen. Diese Woche haben wir uns nur zu einem Spaziergang gesehen, weil ich reiste und terminte. Heute abend ist sein Sportabend. Morgen packe ich schon wieder Tasche ... also werden wir uns heute mittag wohl kurz zum Essen treffen. Fragt mich nicht, worauf das hinausläuft. Ich weiß es nämlich nicht wirklich. Und ich habe den Kopf zu voll mit Küchenkram, um darüber vor dem 7. Juli nachzudenken.

 

25.06.2014 um 10:10 Uhr

Im Osten viel Neues

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: Straßenmusik (schwarz-bunte Gruppe)

Ich gestehe es: in Leipzig war ich nie zuvor. Irgendwie hatte ich niemals einen Grund, dorthin zu fahren. Bis jetzt. Ein Koch-Treffen mitten in der Stadt. Nur kurz. Anreise am Montag, Abreise nach dem Treffen gestern abend. Eine Übernachtung, straffes Arbeitsprogramm. Doch ... es hat gereicht, eine Ahnung davon zu bekommen, was für eine zauberhafte Stadt dieses Leipzig ist!

Eine ganze Stunde hatte ich Zeit zwischen Zug und Programmbeginn. Und ich liess mich verführen von den schönen, alten Passagen und den historischen Straßen rund um die Nikolaikirche. Und genoss dann mit dem Rest der Küchencrew den Abend in einem wunderhübschen alten Gemäuer. Die tatsächliche Veranstaltung fand auch an einem ungewöhnlichen Ort statt ... früher wurde hier wohl gesportelt, jetzt gearbeitet und gefeiert. Und ich fragte mich, ob genau hier die Rabenmutter und die Lady in der vorletzten Woche Musik hörten ... der Rahmen hätte dazu gepasst!

Fazit: Kochtreffen ok, Rolle kaputt von Rückreise mit klimaanlagendefektem Zug, Leipzig auf der Liste "will ich wieder hin"

 

 

22.06.2014 um 11:09 Uhr

Falsch verstanden?

von: Spring_Roll   Kategorie: Herzliches

Musik: Don't let me be misunderstood (Santa Esmeralda)

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Zen und ich uns zurzeit permanent missverstehen. Er steht unter Stress. Das will ich ihm zugutehalten. Aber seine restriktive Kommunikationsstrategie macht mich nervös. Ich bin es gewohnt, Dinge zu besprechen. Ideen zu entwickeln, vielleicht zu verwerfen, neue Impulse einzubringen und gegenseitig zu kommentieren. Er gibt eine Direktive vor, die meist nur Teilinformation erhält und ist nicht offen für meine Sicht aus einer anderen Perspektive. Dabei geht es selten um wichtiges. Es ist der ganz normale Alltag, den dieses Verhalten schwierig macht. Ich bin ein Mensch, der kreativ ist auch in Prozessen und Entscheidungen. Ihn nervt das. Und er ist oft unduldsam. Er sagt dann nichts. Aber wirkt eingeschnappt. 

Am Freitag wusste ich bis zum späten Abend nicht, ob er mit zu mir fährt. Den Wunsch hatte ich geäußert. Da die Perfektionistin per Auto da war, bekam ich ein Mitfahrtangebot. Ich fragte ihn also noch mal, ob er zu mir kommt und erzählte ihm von dem Angebot, das auch für uns beide gegolten hätte. Sidekick: er hatte die Unternehmung organisiert und ich war mir ziemlich sicher, dass er mit Rücksicht auf die weiteren Mitfahrer dann eher Bahn fahren wollte, schon wegen der Mitnahme monatskartenloser Menschen. Seine beste Freundin, die auch keine Karte hat, hatte allerdings auch das Mitfahrangebot bekommen. Und das machte auch Sinn, denn sie wohnt in meine Richtung, aber noch fast einen km weiter "draussen". 

Die Reaktion war wie erwartet: fahr du mal mit. Bedeutete, dass wir uns nicht sahen. Denn samstags tagsüber hatte er eine Schulung in seinem Hobby. Eigentlich wollte ich abends dann noch zu ihm. Auch diese Entscheidung hielt er offen. Und hätte ich nicht gesmst, ich hätte wohl nichts mehr gehört. Irgendwann erhielt ich die Info, er sei eingeschlafen, müsse noch einkaufen und draußen im Vorgarten säßen Weh-Emm-Gucker. Dann traf ICH die Entscheidung und schrieb, ich würde dann nach Hause durchfahren (Bahn hält vor seiner Tür). Hatte zwischendurch auch anzurufen versucht. SMS von ihm: ich habe im Supermarkt keinen Empfang und dann sehen wir uns morgen. Ich rief kurz zurück und wünschte gute Nacht. Und erfuhr, dass ich in die Brunch-Planung mit seiner Tochter am Sonntag wohl doch nicht einbezogen bin. Hatte ich anders verstanden. Vor Wochen, als er mir den Termin nannte, klang es nämlich so, als ob ich dabei sein sollte. Da er aber vorher darüber nicht mit Tochter gesprochen hatte, war ich dann wohl raus.

Was mich daran nachdenklich macht, sind nicht die Tatsachen. Sondern meine eigenen Gefühle. Ich freue mich über die Zeit alleine. Über Schlaf, so früh ich will. Über Karamellfilme und ungestörtes Bloggen. Über frei verplanbare Tage. Sehnsucht habe ich gerade gar nicht. Nur so eine Art Pflichtgefühl. Ein "ich müsste eigentlich". Ich will aber nicht. Morgen verreise ich küchentechnisch und Mittwoch habe ich einen späten Abendtermin in der Küche. Wenn wir uns also heute nicht sehen, dann frühestens Donnerstag. Und am Wochenende ist wieder "Küche auf Reisen". Eigentlich brauche ich den Donnerstag und Freitag, um umzupacken etc. Und ich möchte an meinen Reisetagen morgens gerne allein sein. Und in meiner eigenen Wohnung. 

Und nun komme ich nicht umhin, mich zu fragen, ob dieses Gefühl von "Luft brauchen" der momentanen Stresssituation im Job geschuldet ist oder dem Bedürfnis, mich "auszuschleichen"? Und ist seine "Unduldsamkeit" und Distanziertheit seinem Jobstress zuzurechnen oder unserer Beziehung? Ich glaube nicht, dass es gut wäre, dieses Gespräch jetzt zu führen. Mitte Juli habe ich wieder Luft, dann kann ich wieder klarer denken.

Gestern sagte er, er würde sich nach dem Brunch melden. Und ich hab's trotzdem getan. Eine SMS geschickt mit einem freundlichen Vorschlag, man könne sich in der Nähe des Brunchorts zu einem Spaziergang treffen. Mal sehen, wie er reagiert. 

Menno, ich will keinen Stress ... 

 

21.06.2014 um 09:13 Uhr

Zwei Hochzeiten und ein Betriebsausflug

von: Spring_Roll   Kategorie: Wahres Leben 2.0

Musik: Lateinische Kirchengesänge

Ich hätte gedacht, dass die Hochzeiten "durch" sind in meinem Umfeld. Dann kam die Königin. Und ich erlebte die zweite Brautkleidanprobe meines Lebens. Die im Unterschied zu meiner eigenen vor 18 Jahren sogar mit dem Ankauf eines weißen Kleides endete. Die Hochzeit der Königin fand vor knapp drei Jahren statt. Und es war für mich kein schöner Tag. Aus Gründen.

Im März heiratete die Vogelschwester den Dichter. Standesamtlich. Fein, dachte ich und schickte ein Geschenk. Und dann kam die Einladung zur kirchlichen Trauung. Es wird sicher eine schöne Feier. Bunt und musikalisch. Mit sehr unterschiedlichen Leuten. Gut. Hingehen. Zen hält sich noch bedeckt, aber ich hoffe, er begleitet mich.

Und dann ging es Schlag auf Schlag. Gestern sah ich nach langer Pause (Zusammenzug ihrerseits) den Wandervogel und die Wüstentaucherin wieder. Die beiden leben jetzt glücklich in der neuen Wohnung und haben sich gleich mal Verlobungsringe angesteckt. Und der Termin für die Hochzeit steht - nächstes Jahr im Juni. Es ist das zweite Mal für beide ... sie heiraten dann anglikanisch.

Sollte ich doch noch Gelegenheit bekommen, meine hübschen Kleider mal auszuführen?

Jedenfalls freue ich mich bei diesen beiden Paaren einfach nur wie jeck mit. Das sind Menschen, die sich gegenseitig gut tun und die ich mag, alle vier. Es ist schön, dass sie mich dabei haben wollen ... denn in unserem Alter sucht man/frau sich die Gäste bei wichtigen Anlässen sorgfältiger aus als mit 30. Und es war ein kurzes, aber gutes Gespräch mit dem Wandervogel mal wieder. Mit der Erkenntnis, dass wir uns gegenseitig vermisst haben. Die Gespräche und das Lachen. Wird jetzt wieder anders. Erstmal feiern die beiden Einweihung des neuen Domizils.

Ansonsten war der gestrige, lang ersehnte freie Tag durchwachsen. Ich schaffte es endlich mal wieder nach Nachbargroßstadt und war (culpa mea) in Shoppinglaune In früheren Jahren bedeutete das volle Einkaufstüten und leeres Konto. Letzteres war diesmal schon vorher der Fall ... schließlich kostet meine Weiterbildung ordentlich Geld ...

In meiner Exzessivshoppinglaune ging ich los. Schaute hier und da, liess mir einen Rock reservieren, überlegte, meine Bequemschuhe nochmal zu kaufen und schaute in die üblich verdächtigen Shops. Probierte an ... und entschied mich gegen. Mein Lieblingsoutlet war diesmal eher unergiebig. Aber einen Gürtel kaufte ich mir. Einen schmalen, geflochtenen, für die Hosen und Röcke, die mit so einem blöden Plastikgürtel verkauft wurden, den ich nicht mag. Und deren Schlaufen zu klein für meinen normalen Gürtel sind. Und ich kaufte mir eine Bürobluse nochmal, die seit einem Jahr sehr gute Dienste leistet und sowohl schnell als auch nichtknitternd trocknet. Leider vom Brit-Discounter und sehr billig. Dann die Shoppingtour ad hoc unterbrochen und ruhigen Platz gesucht. Hilferuf von Cheffe und Obercheffe mit Rezeptübersetzung ins Gallische beantwortet. Es lebe das mobile Endgerät ...

Einmal LIebe auf den ersten Blick gab es dann doch. Und zwar in einer völlig unerwarteten Ecke. Einen Pullover kaufte ich. Oberschenkellang, schwarz und mit leichtem Wasserfallkragen. Sehr schön, sehr kleidsam und gottseidank auch wärmend. Denn während ich tagsüber mit Langarmbluse und leichter Wildlederjacke schwitzte, war es bei der folgenden Abendaktivität so kalt, dass ich dankbar über eine weitere Schicht Kleidung war - zumal Zens etwas verpeilter Roomie seine Jacke vergessen hatte und froh über meine Kaffeeröster-Faltregenjacke war. Schlicht und schwarz geht zum Glück auch für einen Mann durch - und Roomie ist eher klein und zierlich.

Bilanz des Abends: viel Bier aus seltsamen Gefässen, Erweiterung der Allgemeinbildung um ein Stück Geschichte und grusliges  Wissen darum, wie Menschen professionell zum Tode gebracht wurden vor noch nicht allzu vielen Jahrhunderten. Und ein Stück Wundern über Zen. Darüber muss ich noch nachdenken. 

Und nun ein Sprung zurück auf das Ereignis, dem ich am Mittwoch mit so viel "Enthusiasmus" entgegensah: dem Betriebsausflug unserer Küche. Was soll ich sagen? Schlimm war's nicht. Eher das Gegenteil. Entspannt. Chillig. Hätte ich nie erwartet. Fein. Hat was, wenn statt hektischer Erlebnisgier plötzlich zehn Leute am Flussufer herumliegen und einfach nur die Sonne geniessen ...

Entspannung ... das ist das, was ich gerade am nötigsten brauche. Und deshalb werde ich wohl nicht mehr zum Trödelmarkt fahren. Ist mir zu viel. Zu Stress ... und den kann ich gerade gar nicht mehr wegstecken ...

 

17.06.2014 um 23:49 Uhr

Surreality

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Dreams are my reality (aus La Boum)

Manchmal denke ich, ich bin im falschen Film. Stehe neben mir und schaue dieser lächerlichen Frau zu, die einfach nicht verstehen will, dass die Wand vor ihr aus Gummi ist und sie immer wieder federnd davon abprallen wird. Oder der Schauspielerin, die lächelnd über die Bühne schwebt wie die großen Gesellschaftsdamen des 19. Jahrhunderts durch ihre literarischen Salons. Dem Kind, das erwachsen spielt. Der trotzigen Wilden, die sich mit ihren Gefühlseruptionen nur selbst bloßstellt. Wer war ich heute und wie viele?

Cheffe verwürzt sich am laufenden Meter. Oder noch schlimmer: er würzt erst gar nicht. Manchmal, wenn niemand hinsieht, nehme ich eine Prise von diesem und jenem und streue hier ein bisschen und da ein bisschen. Wie gestern. Wie heute. Mal sehen, ob es nützt. Cheffe hat die Mischung gekostet vorhin. Und fand sie wohl notierenswert. Jetzt brauche ich Glück.

Und ein bisschen Ruhe. Für meinen freien Freitag habe ich vorhin gekämpft. Und gewonnen. Es geht nicht an, dass ich mehrere Wochenenden durcharbeite, ohne zwischendurch mal frei zu haben. Und die Vertretungsregelung funktioniert nicht. Entweder,ich bin für mich selbst verantwortlich ... dann vertrete ich aber auch niemand anderen .... oder ich habe echte Vertretung. Die ist aber in diesem Team nicht möglich. Auch eine Sache, derer sich Cheffe mal annehmen muss.

Aber erstmal gerät der jetzt ins Strampeln. Ich auch. Zwangsweise. Die Küche radelt. Betriebsausflug. Wobei Radeln ein Witz ist. Zusammengenommen sind es vielleicht 10 km, die unsere Rezeptionistin da geplant hat. Weil sie selbst zu faul ist, müssen wir anderen uns der Bewegung enthalten und gruppendynamisch Minigolf (!) spielen. Ohne mich. Ich werde gruppendynamisch ein Buch mitnehmen ...

Hatte ich erwähnt, dass ich blöde "Socializing"-Events nervig finde?

Surreal war übrigens auch der Tag von Zen ... ein Königsmord wird geplant. Doch die Attentäterin ist wenig clever ... und hat sooo kalte Füße .... 

Und ich? Ich frage mich, ob mein Bedürfnis nach Alleinsein und Rückzug nach Ende der Festwochen Mitte Juli abflauen wird. Tut es das nicht, habe ich ein Problem. Momentan jedenfalls sehne ich mich nach einem langen Wochenende zuhause mit Couch und Staubsauger. Meiner Wohnung würde es gut tun. Mir auch. Selbstbestimmte Zeit. Ohne Verpflichtungen. Frei, aufzustehen wann ich will und zu tun, was ich will. An diesem Wochenende haut das schon wieder nicht hin. Weil ich wahrscheinlich mindestens zwei von drei kinderlosen Nächten bei Zen verbringen werde. Ich wäre lieber bei mir. Brauche meine eigene Umgebung. Und meinen Aufstehmodus. Meinen Kleiderschrank und meinen Fön. Zumal ich die nächsten beiden Wochenenden auch nicht zuhause sein werde. Kochevent und Fortbildung, letzteres mit heftiger Anfahrt. 

Bei Zen habe ich nur Notfallkleidung. Das macht mich nicht zufrieden. Ich brauche den Zugriff auf meine schönen Dinge. Auf meine Bequemlichkeiten. Sitze morgens gern mit Tee im Bett und gucke raus. Bei ihm nicht wirklich machbar. Bett steht blöd und Vorhang ist wegen streitlustiger und fensterguckender Nachbarin geschlossen. Manchmal fühle ich mich eingerostet und alt, weil ich diese Komfortzone so sehr brauche ...

16.06.2014 um 08:13 Uhr

Mein peinliches Geheimnis ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Morgenstund

Musik: Himbeereis zum Frühstück ...

Ich oute mich. Für einige unter den geneigten Leser wird es seltsam oder abstoßend klingen, manche mögen den Kopf schütteln. Anderen ist es egal ... und der eine oder die andere wird mir vielleicht beipflichten. Aber nur heimlich, denn es ist ja schon ein wenig seltsam, gelle?

Die Rede ist vom Brunch, der. Verb: brunchen. Wie schon aus dem Wort ersichtlich: Kombination von Breakfast und Lunch. Für die Mehrheit der aushäusig-Morgenesser anscheinend das Paradies. Für mich ... nun ja ... eher nicht so mein Ding. Eigentlich hatte ich mich schon vor einiger Zeit entschlossen, diesen Trend nicht zu verfolgen und fürderhin Bruch-Angebote freundlich abgelehnt.

Warum eigentlich?

Zunächst mal wegen meines eigenen Biorhythmus. Ich mag morgens ganz früh nichts außer einem "Eimer" Tee. Irgendwann ein bisschen später gelüstet mich nach Frühstück. Ein oder zwei Croissants am Wochenende. Ein Brötchen oder Brot mit Käse unter der Woche. Und gut ist. Frau Rolle zufrieden. Bis 12 Uhr ungefähr. Dann ist Mittagessen. Kann auch mal 13 Uhr werden. Aber die Richtung stimmt. Ein Mittagessen ist warm oder Salat. Es liegt auf einem Teller und darf genüsslich verzehrt werden, manchmal von einem Nachtisch gefolgt. Auch Tomaten mit Mozzarella am Schreibtisch und eine Banane sind ein gutes Mittagessen.

Beim Brunch nun kommen mehrere meiner Abneigungen zusammen: Überangebot an Frühstückslebensmitteln inklusive von mir verschmähter Warmfrühstücksecke und meist eher gewöhnungsbedürftige Warmspeisenauswahl bei relativem Mangel an Salat, Menschenschlangen und Zeitgenossen, die sich Riesenteller mit Croissant neben Schweinsbraten schaufeln und das "mitziehende" Beispiel meiner Tischgenossen, die immer wieder ans Buffet gehen. Die Schweinehündin macht's auch noch mit ...

Zu guter Letzt sind bei Brunchs normalerweise nur die "normalen" Getränke im Preis ... und ich Bohnenkaffeeunverträgliche sitze dann drei, vier Stunden bei Pfefferminztee, weil schwarzer mit dem halbwarmen Thermoskannenwasser einfach nur besch ... schmeckt.

Zen organisiert einmal pro Monat einen Brunch. Und ich natürlich dabei. Gestern auch. Todmüde nach dem Klassentreffen. Und beim zweiten Event in derselben Location von der exakt gleichen Lebensmittelauswahl etwas gelangweilt und vom Espressogetränkemangel genervt. Diesmal aß ich sehr selektiv. Zwei Croissants. Obst. Ein Brötchen (werde ich beim nächsten Mal weglassen). Tomaten, bisschen Carpacchio. Eine Waffel. Von 10 bis 13.30 wohlgemerkt. Zen isst immer so viel, dass er bis Abends satt ist. Ich brauche später noch etwas. Weil ich meinen eigenen Rhythmus nicht völlig aushebeln kann.

No, I'm not a brunch person. Auch keine Person für Brunch und Spaziergang ... der viele Tee, U know. Macht keinen Spass, eine schwere Umhängetasche durch den Park zu schleppen (Wasser, Jacke von morgens und Wechselschuhe, weil nicht mit Turnschuhen ins Lokal). Ich mag es umgekehrt: leichtes Frühstück, strammer Spaziergang, Essen, Ausruhen.

Und so war ich gestern froh, nach dem Spaziergang alleine nach Hause zu fahren. Zen hatte Erledigungen. Und Job-Ärger. Der verdarb ihm auch den Abend. Never ending story - hoffentlich bald zuende.

Nicht zuende ist aber mein Kampf mit der Un-Mahlzeit Brunch. Denn nächsten Sonntag "darf" ich schon wieder ... mit Zen, seiner Tochter und seiner Enkelin. Ich freue mich, die beiden kennenzulernen ... aber der Brunch und ich ... wir werden nicht warm ... 

15.06.2014 um 09:11 Uhr

30 years after?

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Que sera (Doris Day)

Es ist sooo lange her. 1984. Alphaville, Karottenhosen und ich trug ein weißes Telefonkabel um den Hals ... über Geschmack lässt sich sogar im Selbstgespräch streiten. Ein Jahr danach waren wir in einem privaten Partykeller. Fühlte sich genauso an wie die unzähligen Feten in Partykellern der Mittel- und Oberstufe. In der Abizeitung wurde ich ... wohl auch aufgrund der Statement-Kette .... als "flotter Käfer" bezeichnet, zu dem ich mich "gemausert" hätte. Was ein Profi-Haarschnitt und Geld für Klamotten (selbst erjobbtes im Lager und Verkauf eines Modehauses) nicht ausmachen!

Fünf Jahre danach wanderte die Chose vom Keller in eine örtliche Kneipe. Salate wurden weiterhin selbst mitgebracht, Getränke selbst bezahlt. Die meisten waren in Studium und Ausbildung. Dieselben Konstellationen und Gruppen wie fünf Jahre zuvor. Und eine Neuauflage der Abi-Zeitung. 

Zehn Jahre danach begann der Wettbewerb. Wo bist du, was machst du, hast du Diplom, Frau/Mann, Kind? Immer noch Kneipe. Wieder hatten die fleißigen Orga-Wichtel (die Seßhaften in Rufweite zu unserer Schule, die mittlerweile einen anderen Eigentümer hatte und anders hieß) eine Zeitung fabriziert ... mit mehr Neuigkeiten als das Vorläufermodell und Grund genug für jedes Vertriebstalent im Vermögensbereich, mal eben alle fröhlich abzutelefonieren. Frau Vertriebstalent entschloss sich wohl aufgrund der überwältigenden Reaktion, dann doch nicht persönlich am Treffen teilzunehmen ...

Fünfzehn Jahre später. Wieder die Kneipe. Diesmal mit vorher gebuchtem und bezahltem Buffet. Preis vernachlässigbar. Bodenständig. Immer noch. Diesmal beteilige ich mich mit einem dicken Babybauch und Kleinkind zuhause nebst feinem Referenten-Teilzeitjob am internen Contest. War einfach. Aber eher langweilig. Die "Strunzerei" nervte. 

Zum Zwanzigjährigen ging ich zögerlich. Andere Kneipe in derselben Straße. Wieder schlichtes Buffet. Aber endlich Schluß mit dem Schnellerhöherweiter. Die ersten gescheiterten Ehen (meine auch), die ersten verlorenen Jobs. Endlich wieder ehrlich. Und manche Klassenkameraden ganz neu kennenlernen.

Das "Silberne" unterschied sich nicht sehr vom Treffen zuvor. War nur noch ein Stückchen mehr "normal" ... wie eine lockere Party am Samstagabend. Keine Tanzparty ... aber jeder unterhielt sich mit fast jedem und nur, weil gerade frisch verknallt machte ich mich eher früh vom Acker.

Gestern nun die 30. Auflage. Wieder in Kneipe 1 ... der, in der ich mich auch privat ganz gut "auskenne", weil Wirt ein Jugendfreund und alter Flirt ist. Und Bedienungen aus Dorf kommen bzw. ich sie auch seit 30 Jahren kenne, weil sie in Job-Modeladen vorm Abi arbeitete damals. Eigenes Terrain quasi. Klar also, dass ich hingehen würde.

Und wie jedes Mal das ... "was zieh ich an?". Nicht, um fein und elegant zu sein, sondern weil's eben ganz lässig ist. Schließendlich wurde es doch eher ich. Mit roten Wildleder-Spangenpumps (keine Heels natürlich, sondern normaler Absatz), einer knöchellangen Baumwollhose und zwei übereinandergezogenen Tops ... schwarze an der Hüfte gewickelte Bluse über rotem Carol-Zee Shirt. Und eine Jeansjacke mitgenommen für den späteren Abend, die ich zusammen mit der viel zu vollen Tasche (Tour zu Eltern und BesterFreundin vorher, deshalb Wechselshirt, Wechselballerinas, Buch, Wasserthermoflasche) von Ecke zu Ecke mitschleppte.

Bereits in der Bahn traf ich den Mathematikguru. Schon in der Schule ein Einzelgänger. Nicht Nerd, weil dazu nicht originell genug. Einfach nur ... seltsam. Ich kann mit ihm nicht viel anfangen. Ist einfach so. Wir leben in zwei Welten. Liegt nicht an Mathe. Darin war ich gut in der Schule. Und habe auch schon einen denkwürdigen (harmlosen) Flirt mit einem afrikanischstämmigen Mathe-Gastprof aus Kanada gehabt, den ich nur nicht vertiefen mochte, weil ich a) in Beziehung und b) er fünf Wochen später zurückging.

In der Kneipe war ich stolz darauf, alle Anwesenden direkt zuordnen zu können  - auch die, die ich nicht im Gesichtsbuch sah vorher. Aber später musste ich doch bei einigen nachfragen. Und nicht nur mir ging es so, dass nicht jeder Name präsent war. Gesichtsfelderkennung 5, Frau Rolle!

Nur 50 von den 120 Abiturienten aus 1984 waren dabei. Wir sind inzwischen verstreut über ganz Deutschland mit Satelliten in ein paar Ländern und Kontinenten. Unsere Frau in Kalifornien verfolgte sehnsüchtig die Vorbereitungen, kriegte es aber nicht hin mit der Reise. Frau Kanada wohnt inzwischen wieder in Deutschland. Frau Paris war aber sogar dabei. Herr England auch. Frau England fehlte (aus gesundheitlichen Gründen wohl). Die beiden Schweizerinnen waren angereist, ebenso wie eine Minigruppe aus Bayern und Frau Niedersachsen. Am stärksten vertreten waren aber die lokalen Vertreter ... mehr oder weniger ringförmig um unseren alten Schulort angesiedelt.

Die, die dablieben, hatten es wieder mal organisiert. Und sie haben es gut gemacht. Bodenständig. In der örtlichen Kneipe. Zwanglos und mit Buffet vom lokalen Metzger. Im Gegensatz zum Bundesdurchschnitt haben wir nämlich gerade mal 5 Prozent Vegetarier ... aber auch für die war genug dabei. Logistik ist nicht das wichtigste - aber sie trägt zur Atmosphäre bei. Und so genossen wir bei Bier aus der Klassenkasse von vor 30 Jahren die Normalität dieses Wiedersehens. Kein "mein Auto, mein Haus, mein Boot" ... gar nicht. Sondern echte Freude über das Wiederfinden bei einigen. Zum Beispiel bei den Emms. Die Emms, mit denen ich mich schon bei Treffen 20 überraschend gut unterhielt,  tragen den gleichen Vornamen. Und könnten unterschiedlicher nicht sein. Emm 1 ist eher klein, aber irgendwie ein echter Kerl ... früher eher verpickelt, zwischendurch spießig, jetzt echtes Sahneschnittchen ... und durchgängig ein Energiebündel und lieber Kerl. Emm 2 der große leptosome Ruhige. Mit beiden hatte ich schon beim vorletzten Treffen gute Gespräche. Wird fortgesetzt, sobald wir mal einen Termin in Nachbargroßstadt hinkriegen (Emm 2 zieht bald gen Süden um). Und da ist Frau Doc ... und Frau Kanada. Und eine, die auf Ton baut. Spannend.

Gegen halb 1 war der Punkt da, an dem es immer noch schön und ich "satt" war. Also hielt ich den Daumen raus, als Emm 2 den Blinker Richtung Heimat (hinter Nachbargroßstadt) setzte. Und wurde komfortabelst im P*rsche C*rrera heimchauffiert. Ist übrigens der Wagen seiner Frau. Weil die da arbeitet, wo der herkommt. Da wo die beiden jetzt hinziehn.

Mit Emm 1 stimme ich übrigens in einer Hinsicht überein: auch nach 30 Jahren gibt es Leute, mit denen ich einfach keine Berührungspunkte habe. Und das darf auch ruhig so bleiben. 

 

14.06.2014 um 08:23 Uhr

Rolle berauscht

von: Spring_Roll   Kategorie: Das Beste zuerst ...

Musik: I'm no good (Amy Winehouse)

Ich weiß schon, warum ich keinen "100 Tage Abstinenz"-Blog habe. Weil nämlich meine inoffiziele Namenspatronin Sankt Inconsequenzia ist!

Denn nur so ist es zu erklären, dass die Vernunft und Mäßigung der letzten paar Monate in einen regelrechten Einkaufshype mündete in den letzten Tagen. St. Inconsequenzia schickte mir einige Dinge in den Weg, an denen ich nicht vorbeigehen konnte. Wie das tolle Kleid von M*re and M*re, um das ich schon zwei Jahre herumschlich (ist mit geringfügigen Varianten jedes Jahr im Programm), im Outlet jetzt für 25 statt 90 Euro. Selbiges Outlet bescherte mir auch einen mandarinenfarbenen Blazer von Bl*cky Dress für sagenhafte 50 Euro (eben mal 200 Euro reduziert) und im rausgehen noch eine schwarze Tunika für 25 statt 90 Euro. Und Superteuerladen in der Innenstadt hatte eine Th*mas R*ath (den musste ich erstmal googeln ... war nur begeistert von dem Teil und kannte die Marke gar nicht) Hose am Sale-Ständer, an der ich nicht vorbeigehen konnte. Mea culpa ... aber dieses Teil war auch mal eben um 200 Euro preiswerter und kostete mich nun vertretbare 60 Euro. Plus den hübschen weiten Rock vom Wochenende (50 statt 90 im gehobenen Kaufhaus) und den zweiten Rock aus Edelboutique vom Grabbelständer für 40 Euro (Wickelstil aus festem, hochwertigem Jersey und einfach nur klasse ... ganzjähiges "Kofferteil").

So ... Addition bitte, Frau Rolle: Outlet 100 Euro. "Draussen" 150. Zusammen 250 Euro. Preislich ok. Dafür kaufen einige Menschen meiner Bekanntschaft gerade mal ein einziges Jackett. Und meines hätte ich dafür noch nicht mal bekommen "regulär"

Plus: alle Teile werde ich gerne und viel tragen. Alle sind schwarz oder rot. Und absolute Basisstücke. Der Blazer ist eine Qualität, die ich fast ganzjährig tragen kann. Die Hose hat eine tolle Knöchellänge, die gut zu allen Absatzhöhen passt. Und meine geliebte j*bis-Hose in dieser Länge wird leider nicht mehr lange leben ... der Stretchstoff kriegt so kleine Fädchen leider. Die Tunika sieht zu Jeans ebensogut aus wie zu Leggings oder einer edleren Hose. Rock 1 ist ein absolutes Sommer-Basic. Schön kühl, fast knitterfrei und trotzdem bürotauglich - und mit Accessoires abendfein zu stylen. Rock 2 ist sogar ganzjährig einsetzbar - Koffer-Basic, wie oben beschrieben.

Ausgemistet im Gegenzug habe ich schon. Also ist der Schrank wenigstens nicht gewachsen. Und die ausgemisteten Teile waren wirklich "durch". Mehrere Jahre alte Shirts, die völlig ausgeleiert waren, ein Pulli mit Motten, eine Hose mit Durchschliss an den Nähten, völlig deformierte Fitness-Shirts ... um nur einige Beispiele zu nennen.

Gestern dachte ich übrigens um ein Haar, meine Suche nach den perfekten Schnürstiefeln sei vorbei - Leder, ohne Reißverschluss, ca. 3-4 cm Absatz. Eigentlich genau das, was ich suchte ... nur leider mit weißem Faden vernäht und vorne zu breit. Und am Fuß nicht wirklich bequem. Also trotz des günstigen Preises - bye bye, Babies. Ich warte gelassen auf die nächsten Outlet-Zugänge. Irgendwann werden "meine" Schnürstiefeletten da oder in einem anderen Schuhgeschäft oder online stehen - schmal, klassisch, Budapester Muster, 4 cm Absatz, kein Reißverschluß, schwarzes glattes Leder. Und sie werden unter 100 Euro kosten, lieber noch unter 80 ... Verstanden, liebes Universum? Und mitgeschrieben? 

Genug Klamotten-Content ... allerdings frage ich mich angesichts dieser Reduktionen, wie hoch die Handelsspanne inzwischen ist ...  wenn Teile aus der aktuellen Saison so günstig verkauft werden, dass ich sie im "normalen" Geschäft selbst im Ausverkauf noch nicht für diesen Preis bekomme. So geschehen im letzten Jahr mit einem Blazer, den ich zu Saisonstart für 30 Euro erwarb und zum Saisonende reduziert für 59 sah ... wie geht das, liebe Händler?

Ich komme mal wieder vom Hölzchen aufs Stöckchen ... dabei wartet der Bügelkorb ... 

P.S.  Und damit die Einkauferei sich lohnt, war ich dann auch noch bei Hund M. Allerdings bei Rüde M. Also dem für Männer. Und packte in Rekordzeit drei Hosen und zwei Hemden in die Tasche. Grund war akutes Loch bei Blue und drohendes Praktikum bei Wirbel. Um dem Argument "nix anzuziehen", gefolgt vom Aufmarsch in Shorts und Turnhemdherstellershirt, entgegenzutreten, versorgte ich das noch unwissende und sicherlich auch unwillige Kind mit Chino weinrot und Jeansstil dunkelblau nebst Karokurzarm in weinrot/blau und türkis/blau. Wasche ich dann gern im Wechsel und im Notfall hat auch großer Bruder Blue noch Hemden im Schrank. Mal sehen, wie er gleich wettert, der Wirbel!

P.S. 2 Wettern werde übrigens auch ich noch mal ...bei beiden. Als ich am Donnerstag um kurz nach 23 Uhr aus der Küche kam, war MEINE Küche nicht wiederzuerkennen. Dreckiges Geschirr zwischen das saubere in der Maschine gestopft, Arbeitsplatte voller Teller, Schüsseln und Töpfe mit Essensresten. Plastikverpackungen malerisch auf Bank, Boden und Fensterbank verteilt. Die pädagogische Variante aufwecken und arbeiten lassen war mir allerdings zu anstrengend. Also habe ich den noch wachen Wirbel zusammengestaucht und selbst aufgeräumt (ging schneller) und Blue morgens eine verbale Abreibung verpasst. Nächstes Mal wird aber geweckt ... 

P.S. 3 Berauscht? Weil dem Shopping-Rausch ein Mini-Roseweinrausch vorausging ... mit dem liebesbekümmerten Münchner Kindl ...

 

 

 

13.06.2014 um 08:27 Uhr

Ruhe im Sturm?

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: La Ouate (Caroline Loeb)

Aaaaalso. Es ist losgegangen. Die Weh-Emm. Und es tat noch gar nicht weh.

Ein Koch-Event endete fußballbedingt noch vor 22 Uhr. Was alle daran arbeitstechnisch Beteiligten freute. Doch der, der so auf frühes Ende drängte, ging dann nicht etwa vor den nächsten Bildschirm, sondern scheuchte seine sieben Gefolgsleute noch eine gute Dreiviertelstunde zu Fuß Richtung Unterkunft. Hmm ... ?

Ich verliess die Küche mit einer chinesischen Kollegin, die mir vorher erzählt hatte, dass sie ja gern einmal in ein Stadion gehen würde. Dann durchquerten wir die Fußgängerzone von Citta ... und dabei drei Mal die Sichtfelder großer, auf der Straße (!) aufgestellter Riesen-Flatsch-Skiiiiiens. Die kleine Chinesin wurde immer kleinlauter und klammerte sich irgendwann an meinen Ellenbogen. Zum Glück wurde es in der Altstadt ruhiger. Da standen die Glotzen in den Kneipen, nicht draußen. Ein Grüppchen allerdings hatte die ultimative Idee für Fußball-to-go ... sie hatten ihren Kleinwagen auf einem Seitenstreifen-Parkplatz so gestellt, dass sie von der Bierbank der Kneipe daneben das Spiel verfolgen konnten .... die Glotze stand im Kofferraum!

Als die chinesische Kollegin ihr Hotel erreicht hatte, waren es für mich noch 400 Meter. In der Kneipe am Eck wurde "geguckt" ... leise und friedlich. Die zeitreichen Menschen saßen wie immer vor dem Billigsupermarkt. Friedlich. Ich kam um die Ecke in meine Wohnanlage. Friedlich. Licht in ein paar Fenstern. Wie immer. Kein Grölen. Keine Horden. Herrlich. Und: keine HUPEN!

Ich bin gespannt, wie es am Montag aussieht, wenn die deutsche Mannschaft spielt ... und ich mittendrin in der Innenstadt noch ein halbwegs seriöses Kochevent parallel zum Spiel hinzimmern darf. Das wird das erste Papplick Vjuing in unserer Küche ...

Aber ich merke, dass ich "weicher" werde beim Thema Fußball. Habe mich gestern mit ein paar Kollegen aus dem Service unterhalten. Und ich denke, dass es beim Fußball ist wie beim Karneval. Das Ursprüngliche ist schön und begeisternd, die Auswüchse nervend bis grenzwertig. Und deshalb wünsche ich mir, dass Fans es schaffen, sich einfach in den Arm zu nehmen und zu singen, statt die Welt mit Fußballsongs aus dem Ghettoblaster zu beschallen oder schlafende Anlieger mit lautem Hupen aus dem Schlaf zu holen. 

By the way - es ist nicht nur geselliger, aus dem Auto auszusteigen und sich mit anderen gemeinsam zu freuen, sondern auch umweltfreundlicher. Autocorsos gleich welcher Art lehne  ich aus Lärm und Klimaschutzgründen heftigst ab - unnötige Wege plus Lärm gleich Umweltbelastung hoch zwei! Dieser Mist ist weder Tradition noch bringt er irgendjemandem etwas. Und wenn sonst jede Kleinigkeit geregelt und reguliert wird ... warum tut dagegen nicht endlich jemand etwas???

Freude ist keine Frage von Treibhausgasen. Und auch keine von Dezibel.

Und wenn ich  in der Fußgängerzone durch ein Fernsehbild laufe, liebe Fans, ist es so wie mit den Schlangen im Wohnzimmer. Das verhält sich nämlich so: Die Schlangen, die Mambas, die lebten da schon immer. Dann baute ein Mensch eine Wellblechhütte oder ein Steinhaus. Aber die Schlange, die wohnt da halt auch noch. Und kommt ab und an mal an ihre Lieblingsplätze. Liegt dann gemütlich auf dem Sofa herum. Sehr zur Freude der sich eigentlich im Hausbesitz wähnenden Menschen. Die aber inzwischen gelernt haben, dass die eigentliche Eigentümerin auch Rechte hat. Und deshalb friedlich warten, bis die Schlange von selber geht bzw. kriecht oder die städtische Eingreiftruppe das Tier sanft wieder in den Wald gesetzt hat.

Ich bin die Schlange. Ich nutze die Fußgängerzone schon seit Jahrzehnten. Ich habe ein Wegerecht. Und wenn in meinem Weg plötzlich ein Fernseher aufgestellt wird, muss ich da trotzdem lang. Wenn ein Wirt eine Konzession für Außengastronomie hat, muss er einen Gehstreifen freilassen. Dieser Streifen darf benutzt werden. Auch wenn dann ein Fernsehbild verdeckt wird. Ich nehme Rücksicht. Und gehe schnell. Wenn Ihr, liebe Fans, Bilder ohne Passantenstörung wollt, müsst ihr in eurem eigenen Lebensraum bleiben. Drinnen. Wenn ihr aber eure Wellblechhütte aka Flatsch-Skriiien in MEINEN Lebensraum (und den vieler anderer Menschen in Citta) stellt, dann kriechen die Schlangen aka Passanten durch. Meist friedlich. Aber wenn sie angegriffen werden ... dann beißen sie auch mal.

Meine Beißlust trat gestern allerdings erst auf, als ich die heimische Haustür aufschloss und meine Küche erblickte. Die Herren Söhne hatten gespeist. Und ihr dreckiges Geschirr über die ganze Küche verteilt. In der Spülmaschine ein Mix aus dreckig und sauber - Danke, Wirbel! Auch für die Verpackungsabfälle, die du malerisch auf Fensterbank und Küchenbank verteilt hast. Dank an Blue und Wirbel für die nicht ausgespülten, verkrusteten Teller und Schüsseln - ich tobte. Und stauchte erstmal den noch halbwachen Wirbel und heute früh den in ebensolchem Zustand befindlichen Blue zusammen. Mal sehen, ob es nützt. Stehenlassen konnte ich den Kram dann leider nicht. Pädagogischer wäre es gewesen - doch angesichts der Temperaturen ging für mich Geruch und Hygiene vor. Also machte ich fluchend noch nachts um 23.30 Uhr das Nötigste. Und war froh, allein zu sein heute nacht. Um morgens nach dem 1. Wecker noch weiterschlafen zu können.

Gerade brauche ich etwas Zeit für mich. Erschöpfungsbedingt. Und ich werde sie auch bekommen. Zen ist heute abend konzertig unterwegs. Und ich werde nach der Arbeit mit dem Münchner Kindl ein Glas Wein trinken und dann einen ganz ruhigen Abend zuhause machen. Morgen früh in Ruhe einkaufen und die Bude säubern. Danach nach Dorf radeln und erst meine Eltern, dann BesteFreundin besuchen. Gefolgt vom Klassentreffen "30 Jahre danach". Gestern sah ich in den Spiegel und schmunzelte. Ich trug einen weiten, schwingenden Rock und ein kastiges Oberteil, dazu ein kurzes Jäckchen und schwarze Ballerinas. Und erinnerte mich, dass ich zur Abi-Feier eine zwar andersfarbige, aber im Schnitt fast identische Kombination trug. Damals khaki mit schwarzen dünnen Streifen, weiße Schuhe, weiße Jacke, weißer Plastikschmuck. Heute alles schwarz. Aber der Schnitt ...

Am Samstag wird es wohl eine Hose. Radhalber. Zurück nehme ich zwar für den größten Teil der Strecke die Bahn, aber Radeln mit Rock ist doof. Variante wäre die Hose für den Weg und der Rock in der Tasche.  Mache ich eventuell sogar so, denn nach einem Nachmittag in der Sonne werde ich wohl ziemlich verschwitzt sein. Muss mir mal überlegen, wie ich "cool" bleibe ... und notfalls bei BesterFreundin noch kurz duschen (sehr wahrscheinlich). Bei kühlerem Wetter wäre die Entscheidung einfach - mein "lässig-Outfit" Jeans, Shirt, Lederjacke, Schuhe, Schal - fertig. Oder die etwas geradlinigere Variante ganz in schwarz (das bin dann noch eher ich). Auch kein Zwischenumziehen nötig. Unsere Klassentreffen sind keine Modenschau ... eher "unplugged". So bin ich noch ein wenig unentschlossen. Weil alles, was ich an mir mag, entweder zu heiss (nur klimatisch) oder zu elegant wäre. Wobei .... ich denke, eine kleine Extrava- und Eleganz werde ich mir gönnen: die schönen Pumps von Flieg nach London ... Mary Janes in rotem Wildleder zum Top von Carol Zee. Und dazu schlichte Jeans ... dünne natürlich. Geht doch!

Ich komme mal wieder vom Hölzchen aufs Stöckchen ... aber leider ruft der Job ... to be continued 

 

 

11.06.2014 um 07:50 Uhr

Sommerregen

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: Singing in the rain

Nicht nur meteorologisch waren die letzten Tage interessant. Die Festwochen in der Küche sind in vollem Gange. Trotz Pfingsten. Und das türkische Energiewunder ist ebenso motiviert wie unorganisiert. Bedeutete unter anderem, dass wir Montag plötzlich 50 statt 30 Gästen hatten und weder der Platz noch die Speisen und Getränke reichten. Und die 50 mal eben eine Stunde länger blieben als vereinbart - Danke, GlamourGirl, dass du so geduldig über eine halbe Stunde auf mich wartetest! Bedeutete, dass es sich gestern dann umgekehrt verhielt. Das Dankeschön hierfür werde ich im Laufe des Tages los. 

Andererseits bedeuten die Festwochen auch, dass ich sehr viele Mitköche, die ansonsten weit entfernt arbeiten, an einem Ort treffe. Wie das Team des Events, das uns nächste Woche ins Haus steht. Und das jetzt jäh und unerwartet verstanden hat, dass seine Terminwahl eher ungünstig war. Spielt doch parallel ein Elfergrüppchen mit einem Lederball gegen ein anderes Grüppchen. Und Frau "Lasst-mich-mit-dieser-Driss-Weh-Emmm-zufrieden"-Rolle plötzlich ein öffentliches Gucken in der eigenen Küche rund um die offiziellen Programmteile herumorganisieren darf. Mir ist jetzt schon schlecht!

Übrigens mache ich schon mal vorsorglich auf folgende Sachverhalte aufmerksam:

Ich mag keinen Fußball, verstehe nichts davon und habe nie einen Zugang zu diesem Spiel gefunden (was auch daran liegt, dass meine Eltern sich nicht dafür interessierten und ich keinen Bruder habe). Auch meine Söhne sind nur mäßig interessiert. Zen ebensowenig wie ich.

Regelrecht allergisch bin ich gegen das Milieu Fußball ... die hektischen Kommentatorenstimmen und den Krach und die Tröten. Bislang konnte ich das recht einfach vermeiden ... so etwa bis 2006 ... indem ich Radio und Fernseher ausschaltete und Stadien mied.  

Seit 2006 ist das anders. Seitdem kommt der Fußball zu mir. Ungefragt. Wo ich gehe und stehe, ist alles nationalfarbig. Selbst die Rückspiegel der Autos tragen Fankondome. Und manche versteigen sich sogar dazu, ihre Motorhaube einzupacken. Fahnen, wo man sieht ... und riecht. Denn die Fans sind überall. Sie sind laut und sie sind Bier. Und sie haben null Verständnis für Menschen, die ganz normal ihrer Arbeit nachgehen und nur nach Hause wollen. Überall stehen Bildschirme. Sogar in der Fußgängerzone. Und wehe, ein Fußgänger möchte durch. Im Restaurant essen ist fast unmöglich in diesen vier Wochen. Überall Bildschirme. Kommentatorenstimmen. Laut. Ich werde als Gast nicht gefragt. Und das betrifft nicht nur Kneipen. Da fände ich es normal. Und hätte kein Problem, nicht hinzugehen. Nein ... fast alle Restaurants machen mit. Meist stehen die Dinger sogar draußen. Die Fluchtmöglichkeit fehlt. Nichtraucher werden geschützt - sogar ungefragt. Nichtgucker haben ein Problem.

Ich würde gerne mal das Experiment machen, einen Wirt Sonntags um 20.15 zu bitten, die Schmonzette im Zweiten einzuschalten ... richtig: er würde mir den Vogel zeigen.  

Und während mich wahrscheinlich ab 22.30 bereits die Polizei bitten würde, laute Musik auszuschalten, ist der Lärmschutz für Fußball mal eben ausgehebelt worden. Brülle ich nachts um 2 die Straße zusammen, errege ich öffentliches Ärgernis und habe garantiert mindestens ein Bußgeld zu gewärtigen. Tausende Fans nutzen aber nicht nur ihre eigene Stimme, sondern blasen per Auspuff ordentlich Schadstoff in die eh schon grenzwertbelastete Atmosphäre und hupen dazu jedes ruhige Wohnviertel aus dem Bett. 

Weh-Emm und Eh-Emm-Ereignisse sind eine Qual für mich. Nicht, weil Fußball gespielt wird. Sondern weil der Fußball auf eine Weise in mein Leben eindringt, die weh tut. Weil ich nirgendwo mehr hingehen kann, weil jedes Gespräch sich darum dreht und ich mich dafür rechtfertigen muss, nicht mitreden zu wollen. Und weil ich selbst im eigenen Heim davon belästigt werde.

Liebe Fußballfans! Ich gönne euch ein Sportereignis. Bitte geht in die Stadien und freut euch dort gemeinsam mit anderen. Schaltet eure Fernseher ein und geniesst die Spiele. Wettet. Diskutiert. Geht in der Kneipe gucken.

Aber lasst mich da bitte raus. Pöbelt mich nicht angetrunken an. Brüllt nicht nachts vor meinem Fenster (ruhige Wohnstraße) herum. Respektiert, dass es auch Orte gibt, an denen kein Fernseher läuft und Menschen einfach in Ruhe essen und reden möchten. Wenige Orte ... das reicht uns Nichtguckern schon. Und BITTE ... weist bei Einladungen zu Veranstaltungen vorher darauf hin, ob und wie "geguckt" wird. Dann kann ich nämlich entscheiden, ob ich komme oder nicht ... 

 

09.06.2014 um 14:34 Uhr

Inferno-Intermezzo

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: Set fire to the rain (Adele)

Ebenso wie die tischtennisballgroßen Hagelkörner, die vorhin für eine kurze Viertelstunde die Innenstadt von Città erschreckten (und Blue im Schwimmbad gleich mit) fühlte sich das Gewitter vom Wochenende mit Zen an. Much ado about nothing. Viel Lärm um nichts. Oder: zwei alte Trigger treffen sich. Gestern hatten 95 % von mir jedenfalls einen wunderschönen Tag mit Zen. Die anderen fünf waren meine Füße und meine mangelnde Hitzeresistenz. Aua-Zeh immer noch da. Ballen maltraitiert in der Küchenhauptsaison. Und trotz vier Litern Wasser waren 25 km bei 36 Grad kein wirklicher Spaziergang. Schön war's trotzdem.

Heute früh dann endlich mal wieder zuhause. In meiner Wohnung. Die ein wirkliches Zuhause ist. Auch für die Jungs. In kurzem Abstand kamen Blue und Wirbel. Blue aß mit mir, Wirbel trifft sich gleich mit Freunden, um Basketball zu spielen. Und ich ... arbeite mal wieder. Und denke an die Lady beim WGT ... ich hoffe, sie hat Spass!

Das kleine Intermezzo am Wochenende führte übrigens zu Shoppinglust ... retail therapy, wie es die Tangoqueen immer nennt.

to be continued

07.06.2014 um 02:10 Uhr

Gedanken nachts um zwei ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Life is for living (Earth, Wind and Fire)

Sommernächte wie diese sind voller Leben. Sie atmen Emotion. Leider nicht nur in eine Richtung. Als ich mit dem Rad durch die Nacht heimwärts fuhr, kreuzte mein Weg mehrere Pärchen, die ihren Gefühlen lautstärker Ausdruck verliehen. Diese Gefahr haben Zen und ich nicht. Ich eher als er. Denn er ... schweigt. Will sich in Konfliktsituationen nicht äußern. Zieht sich in den Schmollwinkel zurück wie ein trotziges Kind. Nachdem ich zwei Mal verbal und einmal mit einer Geste versucht hatte, die Situation aufzulösen, war es mir zu blöd, hellwach neben ihm liegenzubleiben. Zumal er netterweise auch wieder mal völlige Vorhangverdunkelung sichergestellt hatte, was schon den Gang zur Toilette zum Problem machte ... ich bin doch so was von nachtblind!  Ich machte also eine klare Ansage und ging ... bzw. fuhr, denn ich hatte glücklicherweise das Rad dabei. Wenn er nicht reden will - schön. Aber dann muss ich auch nicht wach in seinem Bett liegen und mich ärgern. 

Fühlt sich richtig an, die Entscheidung. Ich weiß immer noch nicht, was da gerade eigentlich abging. Muss er mir morgen mal erklären. Aber so lange habe ich mein Bett und meine Ruhe und er seinen Trotzwinkel. Wobei ... das mit der Ruhe stimmt nicht. Klein-Theo brüllt gerade mal wieder zahnend gegen den Rest der Welt ... 

Ansonsten? Mammutwoche 1 vorbei. Weitere folgen. Ich bin müde.

Und NEIN, Zen, diese Spielchen, die du da treibst, sind nicht lustig. Darüber müssen wir reden. Dringend.

04.06.2014 um 22:56 Uhr

Auszeit

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Mit dem Rad, mit dem Rad (Heinz Erhardt)

Gina ... bleib bitte in deinem Sessel sitzen und buche kein Ticket. Denn die Auszeit betrifft nicht Zen. Nur den Job. Denn diese Woche bilde ich mich mal wieder weiter, fort und aus. Und wie immer trete ich mit befreitem Lächeln den kleinen Schritt zur Seite und schaue mich selbst an und das, was mich eigentlich ausmacht. Und entdecke Stückchen für Stückchen, gespiegelt in der Wahrnehmung meiner Mitlernenden, was in mir steckt und raus will. Freue mich darüber, mich ausprobieren zu dürfen. Und darüber, Wertschätzung zu erfahren - nicht von den Marktschreiern, sondern von denen "mit Substanz". Heute abend habe ich mir bewusst Zeit genommen, mit den Mitlernenden meine eigene Stadt zu entdecken. Geradelt sind wir. Und ich habe ein kleines Stück von Citta vorgestellt. Wir haben Bier getrunken in einer Straßenkneipe und erst nach 22 Uhr fuhr ich gen Heimat. Wichtig war das. Gut war das.

Und ich habe ein ausgesetztes Buch gefunden. Auf einem Mäuerchen vor der Küche. Wir tranken nämlich fast auf der Küchentürschwelle unser Bier. Und da lag es, ein schmales Bändchen. Mit einem Bookcrossing-Aufkleber. Ich nahm es mit an den Tisch ... und eine Mitlernende adoptierte es spontan. Und nun wird das Büchlein erst nach Thüringen und dann in die Schweiz ziehen, wo es wieder ausgesetzt werden wird. Finde ich gut. Und bei einer Buchhändlerin mit Leidenschaft für das bedruckte Papier ist es bis dahin in besten Händen.

 

01.06.2014 um 19:45 Uhr

Gemischter Salat und gemischte Gefühle

von: Spring_Roll   Kategorie: Herzliches

Musik: Je veux (ZAZ)

Der Eigenbröteltag tat gut. Nicht nur mir, sondern auch GlamourGirls Terrassenbepflanzung. Genüssliches Frühstück mit Tee, Erdbeeren (mirakelnderweise noch gut ... heimische, keine ausländischen), Joghurt und Knuspermüsli. Später zum Pflanzensitten quer durch die Stadt geradelt und sogar noch ein Brot ergattert. Die versoffenen Dinger getränkt und GlamourGirl vom Ableben ihres Weihnachtsbaums informiert. Allerdings scheint der Gute schon länger verschieden zu sein. Also nicht wegen meiner nicht vorhandenen Pflanzensitterqualitäten. Die armen Dinger leben nur deshalb noch, weil es reichlich regnete bis Freitagmorgen einschließlich. Ich hatte ja Hals. Und Küchenevent. 

Nach den Pflanzen sittete ich mich selbst. Verwöhn-Essen. Ja, ich weiss, es ist der falsche Grund, zu essen. Aber ich hatte das Gefühl, mich irgendwie belohnen zu müssen. Mit Mini-Quiches und Törtchen vom französischen Super-Bäcker. Sauteuer, saulecker. Und nur für mich. Bisschen viel war's. Und eines der Törtchen war eher eine Enttäuschung. Von Feige hätte ich mir mehr versprochen. Aber Mohn-Orange war sehr lecker. Bei den Quiches ist Gemüse-Feta der Favorit. Dazu leckerer Salat ... den hatte ich noch. Alles zusammen schoss mich ins Koma ... ich verschlief den Nachmittag bis zu Zens "auf dem Rückweg"-SMS.

Er war noch kurz hier, bevor er weiterfuhr nach Hause. War nötig, denn in Wanderschuhen kann er nicht ins Büro morgen. Mitzufahren war für mich keine Option. Ich brauche morgen früh meinen Kleiderschrank, meinen Fön, meinen PC und meine Küche, um das Abendessen bereits vorzubereiten. Erst in den Job bis mittags, dann Fortbildung bis 19 Uhr. Und ich gestehe: ich hatte auch keine Lust. Bei Zen liegen die CDs hüfthoch, weil er die alten Regale verschenkt hat und das neue noch nicht da ist. Und nach eigener Aussage hat er Papiere sortiert - was im Klartext bedeutet, dass Bett und Couch voller (ordentlicher, aber trotzdem störender) Stapel liegen. Meine eigene Bude habe ich gerade geputzt und aufgeräumt. Ich mag jetzt durchatmen und das auch geniessen. Vielleicht trinke ich gleich noch ein peruanisches Bier gegenüber. Oder schaue mir einfach einen Karamellfilm an (wahrscheinlicher).

Die gemeinsame Stunde war ... ein bisschen wie ein Krankenbesuch. Ich krank, er Besuch. So fühlte es sich an. Seltsam. Morgen sehen wir uns wieder. Ich bin nachdenklich .... sehr. Besonders, weil ich gerade gar nicht traurig bin, allein zu sein. Das sollte mir zu denken geben, oder?

 

 

 

01.06.2014 um 10:51 Uhr

Grüblerin ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Herzliches

Musik: mal keine

Zen und ich hatten uns, außer einmal zum Mittagessen, eine ganze Woche nicht gesehen. Es hatte sich so ergeben. Beruflich. Krankheitlich. Konditionell.

Erst hatte ich Zeh und konnte am Sonntag nicht wandern, dann auch noch Hals. Und als Hals besser war, stellten wir Mittwoch Abend am Fon fest, dass wir beide zu kaputt waren, um uns noch einen Meter vom eigenen Sofa zu entfernen. Und ich war glücklich und erleichtert, denn Donnerstagmorgen ging ja das große Event los und ich brauchte jede Minute Schlaf und morgens irgendwie "Bahn frei". Blue ist Selbstversorger, mit dem geht das. Mit Zen, so rücksichtsvoll er ist, wäre ich morgens in größeren Stress geraten. Dann drei Tage Job hoch drei. Und ich mag nicht kommunzieren zwischendurch. Mag ganz da sein, wo ich bin. Fühlt sich an wie weit weg verreist. In eine andere Welt. Ist auch eine andere Welt. Die mit der Welt von Zen und den anderen Menschen in meinem Privatleben so wenig zu tun hat, dass ich nur Desinteresse ernte, wenn ich erzähle (SIdekick: das stimmt nicht ganz: mit GlamourGirl, dem Münchner Kindl und der Tangoqueen kann ich ganz prima darüber reden ... die sind nämlich von meiner Koch-Welt ebenso infiziert wie ich). Ich begeistere mich drei Tage lang für Menschen, Geschichten und Themen, die Rezepte und Koch-Kollegen nicht zu vergessen. Ich jongliere mit Zutaten und Ideen. Und dann komme ich am letzten Tag nach Hause. Und Zen kommt auch. Wir gehen Tapas essen .... und jedes Mal, wenn ich von dem erzähle, was mich noch nicht loslässt, habe ich das Gefühl, das geht völlig an ihm vorbei. Das interessiert ihn nicht. Und bei seinen Themen, über die er gern und viel erzählen mag, bin ich innerlich gar nicht. Ich höre zu, erwidere. Merke, dass ich in einem anderen Film bin. Und mich unser Gespräch anstrengt. 

Ich habe immer noch Küchenbank-Zeh. Gönne Zen aber natürlich die Wanderung mit einem Freund. Wundere mich, dass er abends noch heimfährt ... aber innerlich bin ich plötzlich dankbar. Dankbar für diesen Tag alleine. Denn ich mag mich gerade nicht zurücknehmen und nur über Dinge reden, die Zen interessieren. Mag redundant sein und beim Reden erst denken, statt knapp und kurz das Endergebnis zu präsentieren. Ich mag das, was in meinem Kopf herumwirbelt, noch geniessen. Und ich mag meine Effizienzphase in die nächste Woche mitnehmen ... da habe ich nämlich die wichtigste Fortbildung von allen.

Zen sehe ich heute abend. Vielleicht. Wenn er nach dem Wandern nicht zu kaputt ist. Ich lasse mich darauf ein, was der Abend bringt. Und hoffe, dass mein Wirbel-Kopf eine kleine Pause machen kann.

Aber ich weiss auch, dass ich nach den beruflichen Fest-Wochen eine Auszeit zum Nachdenken brauchen werde. Es ist eine Sache, wenn der Kopf so voll ist mit Beruflichem, dass das Private nicht so viel Platz hat. Es ist eine andere Sache, zu fühlen, dass Rücksicht, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Nähe da sind, aber irgendwo eine Lücke klafft. Diese Lücke heisst "Raum für MICH". Raum für die Person, die ich innendrin bin. Die manchmal zu viel plappert. Die auch mal vor sich hin eigenbröteln muss. Die sich gern in einem Straßencafe in den Abend gleiten lässt. Die gerne mitredet, wenn Dinge entschieden werden. Und zwar im wörtlichen Sinne. 

Es war zauberhaft, wie Zen und ich uns nähergekommen sind. Schrittchen für Schrittchen. Und dann fielen wir kopfüber in eine Beziehung, die vom ersten Tag an Routinen bekam. Ich mag ihn. Sehr. Aber das leichte Verliebtsein weicht gerade einem Fragezeichen. Dieses Fragezeichen steht für "Fühle ich mich wohl?"

So lange habe ich mich nach einer liebevollen Beziehung gesehnt. Jetzt habe ich sie. Mit einem wirklich tollen Mann. Und ich frage mich: liegt es vielleicht einfach daran, dass ICH nicht toll bin? Oder warum freue ich mich wie Bolle über diesen "freien" Tag, an dem ich ausser Schreiben, Putzen, Waschen und Glamour Girls Balkonblumenwässerung gar nichts Aufregendes tue? 

Oder daran, dass Zen und ich von "toll" manchmal so unterschiedliche Auffassungen haben. In unserer Kommunikation wird das deutlich. Und an dem, worüber wir uns freuen. Immer öfter.

Ich bin gerade ziemlich ratlos. Und möchte mich am liebsten Ohrfeige rechts-Ohrfeige links selbst verhauen. Ich bin so eine blöde Kuh ... und vielleicht liegt es auch wirklich nur am beruflichen Stress ... aber gerade mag ich mich kopfüber in den Job stürzen und in die Fortbildung und abends einfach nur alleine sein. Reicht schon, wenn ich mich um Blue und Wirbel kümmern muss. Nicht noch mehr obendrauf.

Ist es normal, "freistehen" zu wollen in solchen Phasen?

Und ist es normal, die Beziehung dann als zusätzlichen Stressfaktor zu empfinden?

Ich glaube, ich bin ein "Kerl mit T*tten" .... Männer machen so etwas ... sich aus beruflichen Gründen "abmelden". Ich gestehe: wenn ich "durcharbeite", ist mir auch das abendliche Telefonat zu viel. Und SMS mag ich eh nicht. Ich fühle mich dann immer "meldepflichtig". Eine Mail am Morgen und Abend ist prima meinerseits. Auf Telefonieren kann ich echt verzichten. Schon im normalen Modus. Und SMS: Dislike. Sowieso.

Nachdenken tut not. Sobald im Kopf wieder Platz ist.

Zen und ich .... das ist es mir wert, in Ruhe nachzudenken. Und mit ihm zu reden über das, was in mir gerade brodelt. Aber erst, wenn ich weiß, wie viel von diesem Brodeln dem derzeitigen Stress und wie viel unserem Miteinander geschuldet ist.