Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

30.11.2014 um 21:26 Uhr

Die Daemonen umarmen

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Money, money, money (ABBA)

Ich habe es getan. Es hat mich viel Ueberwindung gekostet und rund 60 Euro. Aber jetzt ist es auf dem Weg. Ein erstes Mal, vor dem ich immer noch Angst habe, steht mir bevor. Und ich werde mich trauen. Werde ueber meinen Schatten springen und es tun. Alleine. Ohne jemanden, der auf mich aufpasst, wenn mich die Wegweiser verwirren und Fallen voller Blutsauger lauern. Mulmig ist mir immer noch ... aber ich werde in acht Tagen das erste Mal meine Steuererklaerung alleine in Angriff nehmen. Und wer das jetzt laecherlich findet, sich wegen dieser Bagatelle so in die Hosen zu machen, dem sei gesagt, dass Formulare bei mir Symptome ausloesen, die einer Phobie nicht unaehnlich sind.

Mein Leben in die Hand nehmen ... das bedeutet nicht nur Unabhaengigkeit von Maennern, Fortbildung und Single-Leben zu gestalten, sondern das bedeutet auch Verantwortung fuer meine bisher immer so gerade noch im Soll wabernde Finanzlage zu uebernehmen. 2014 ist das Jahr der Weichenstellungen. Emotional wie wirtschaftlich. 2015 soll das Jahr des Aufbauens werden. Und ab 2016 moechte ich ernten. Leichter leben. Mit mehr Ressourcen und weniger Sorgen. Mit weniger Dingen und mehr Freiheit ...

Steuer selber machen. Fuer andere ein Klacks. Fuer mich eine hohe Wand, ueber die ich klettern muss. Aber: ich schaffe das!!! 

30.11.2014 um 12:40 Uhr

Insel der Frauen

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: No woman no cry (Bob Marley)

Ich lebe, so geht es mir durch den Kopf, momentan auf einer Insel der Frauen. Wunderbarer Frauen. Meine Wochenenden sind voll mit Unternehmungen und Einladungen, alle mit Frauen. Nur mein FB Chat, der ist maennlich, fast zehn Jahre juenger und verwirrt mich gerade ziemlich.

Er ist nicht mein Typ. Oder irgendwie doch. Charmant, charismatisch, lustig. Ich lernte ihn bei meiner Fortbildung kennen. Wir hatten eine gute Lernzeit und viel Spass. Immer mit anderen. Und er flirtete eher mit dem Leben als mit Einzelnen. Dachte ich. Ist mir zu klein, zu jung, zu weit weg. Eremit mit Hund auf altem Gehoeft in der Stadt der Hummel. Die Hummel plus Band waren Idole seiner Jugend. Eine schoene Begegnung. Wie so oft in diesen Fortbildungen wurden Nummern getauscht. Er speicherte meine direkt ins Telefon. Und am Abend ein Kontakt bei FB ... kleiner Smalltalk. Irgendwie unterschwellig flirty.

Ein paar Tage Stille. Und gestern und heute wieder FB. Verwirrend flirty. Intensiv. Heute abend geht es weiter ... nach meiner Rueckkehr von der Insel der Frauen.  

28.11.2014 um 15:30 Uhr

Jedem Ende wohnt ein Zauber inne

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Time to say goodbye

Heute morgen bei der Zuhörerin. Es fühlt sich an wie am Ende des Wegs. Eines guten Wegs. Ich weiß nicht mehr. Aber anders. Narben sind weniger empfindlich, weil ich weiß, wie ich mit ihnen umgehen muss. Ich kann laufen auf den vernarbten Füßen. Der Regen ätzt nicht mehr auf der nachgewachsenen Seelenhaut. Die schlimmsten schädlichen Substanzen sind in der Enddeponie gelagert. Erinnerungen haben leider eine Halbwertzeit von unendlich. Anderes konnte erstaunlich leicht entsorgt und abgebaut werden. Es bedurfte nur des richtigen Katalysators. Ein Jahr lief ich auf Krücken, ein Jahr trug ich sie in der Hand, während mein Schritt leichter wurde. Und nun kann ich sie weggeben. Oder besser: weitergeben an den nächsten, der sie braucht. Es ist ein guter Abschied. Ein dankbarer. Von der Zuhörerin und von Ballast, den ich viel zu lange trug.

Und wo ich gerade dabei bin, bekommt der Cineast auch seinen Abschiedsgesang. Ich sah ihn in der Stadt. Meiner Stadt. Hand in Hand mit seiner Kompromissfrau. Und er sah - durch mich durch. Ich blieb nicht stehen. Musste erst einmal verarbeiten, was da an Eindrücken auf mich einprasselte. Und das Fazit (wissend auch um das, was die Kompromissfrau hinter ihrer unscheinbaren Fassade ausmacht, nämlich schwerste Depressionen) kam sehr schnell und einfach: Gut entschieden, liebe Rolle. Der Rückzug aus dem D*chungel und damit aus dem Leben des Cineasten war goldrichtig. Denn sie und ich ... das sind Welten. Über diese Brücke würde ich nie gehen wollen. Wie sagt GlamourGirl? Friends are there for a season ... for a reason ... for ever stimmt in diesem Fall nicht. Kein Leider.

Nach dem Gespräch mit der Zuhörerin wollte ich mir etwas Gutes tun. Und endlich meine kurz vor der Nahtauflösung befindliche Geldbörse ersetzen. Rot sollte sie sein. Und rot wurde sie. Erfreulicherweise auch fair. Denn fündig wurde ich im fairen C*ntigo-Shop. Schöner Laden, fairer Kaffee und viele schöne Artikel aus Kooperativen in Afrika und Südamerika vor allem. Und eine schöne Geldbörse. Glücklich-Shopping die 1.

Glücklich Shopping die 2. folgte in der Mittagspause. Outlet hatte zwar eine höchst wunderbare Tasche, die aber auch höchst wunderbare 200 Euronen kostete. Also weggehängt mit Kopfschütteln. Rückweg durch den Laden, der früher ein Kaufhaus war und sich jetzt Galerie schimpft. Was eigentlich nur bedeutet, dass frau nichts mehr findet. Lauter Läden im Laden, die die Suche nach einer Hose oder einem Rock oder einer Jacke zum Abenteuer machen. Was war das schön, als noch Rock neben Rock hing und ich einfach nur die Größe suchen musste! Deshalb gehe ich so furchtbar gerne in das Outlet, das andere so chaotisch finden. Die sortieren nämlich noch nach Kategorien statt nach Marken. Da schaue ich "Blazer" und FINDE das auch ...

Exkurs beendet. In der Galerie gibt es nur noch zwei Artikel, die hängen, wo sie sollen: Schuhe und Strümpfe. Und bei letzteren blieb ich hängen. Bei den Sauteuerstrümpfen nämlich, die einerseits venenfreundlich ein wenig kompressieren, andererseits ein hübsches Bein machen und drittens auch noch fast unkaputtbar sind. Und die haben eine drei für zwei Aktion gehabt. Also erwarb ich drei und zahlte zwei. Was angesichts meiner weihnachtsgeldhalber ungewöhnlich komfortablen derzeitigen Finanzsituation und eines warmen Regens von völlig unerwarteter Seite sogar vertretbar war. Und ich suche nachher mal die Strumpfwaschbeutel zuhause ... denn diese Strümpfe, die will ich richtig lange tragen! Ist sicherlich unter dem Strich preiswerter und nachhaltiger, als ständig neue Billigstrümpfe zu kaufen, die dann schneller laufmaschen, als ich zur Kasse gehen kann.

Bei Schuhen gilt ebenso: lesson learnt. Lieber 20 Euro mehr für Teuermarke als nochmal Ramsch von der hauchenden Schuhmarke.

Dummerweise habe ich bei Männern diesen Qualitätsblick immer noch nicht drauf ... da vertraue ich auf 2015!

 

28.11.2014 um 08:19 Uhr

Martyrium - Ausgabe Dorf

von: Spring_Roll   Kategorie: Familienbande

Musik: Let it be (The Beatles)

Meine Mutter ist ein Mensch, der sich durch Geben definiert. Eigentlich gut, sagt ihr? Nicht gut. Denn sie hat nie wirklich gelernt, auf gesunde Weise Selbstsorge zu betreiben. Sie gibt, stellt sich selbst an letzte Stelle - und leidet ostentativ. Ihr Leben lang. Leiden und jammern. Aber nicht handeln. So gab sie ihren geliebten Job im Textileinzelhandel mit den lustigen Kolleginnen auf, um ihren Vater zu versorgen. Er war 64, also durchaus in der Lage, selbst eine Pfanne oder einen Besen zu bedienen. Als Hausfrau war sie ebenso fleissig wie unzufrieden. Erst war Opa die Entschuldigung, dann gesundheitliche Dinge - sie war erst 43, als er starb!!! Das Leben mit meinem Vater? Beschwerlich und furchtbar! Trennen? Angst vor wirtschaftlicher Not. Die Kinder spuren nicht? Jammern. Tiradenweise. Und immer wieder einknicken. UND: schlechtes Gewissen machen nicht vergessen!

Viele haben ihr Dinge angeboten - die Fahrerlaubnis zum Beispiel wollte ihr Pate zahlen. Aber sie hatte erst Angst und dann schlechte Augen. Als beide Eltern alt wurden und das Haus zur Belastung, haben Schwester und ich Optionen vorgeschlagen, die das vom Opa selbst errichtete Zuhause in der Familie belassen und den Eltern ein einfacheres Leben in direkter Umgebung, also im gewohnten Umfeld, finanzierten- mit Betreuung inklusive (Schwester im alten Haus dann). Aber nein. Lieber bleiben und jammern.

Ich liebe meine Mutter. Und sie hat es nicht leicht mit meinem alten, kranken, phlegmatischen Vater, der Gemeinsamkeit, Plaudern und Unterhaltungsveranstaltungen nichts abgewinnen kann. Sein TV und sein Sessel - und dreimal am Tag ein Teller mit Essen. Das reicht ihm. Leider ist er in manchem aber halsstarrig. Und hat deshalb jetzt Hals. Ohne Schal und im Sommeroutfit im November. Ohne Worte meinerseits. Aber mein Vater hat es auch nicht leicht mit  meiner Mutter - keifen und leiden ist auch nicht jedermanns Sache. Mutter leidet aktuell mal wieder.  Weil ihre Allerbeste seit 70 (!) Jahren die beiden zum 1. Advent einlud. Mit Kirche, Mittagessen und Kaffee. Die Allerbeste hat auch einen Gatten. Also Sonntag zu viert. Eigentlich kein Grund zu leiden. Aber weil mein Vater schnieft, meinte meine Mutter, mal wieder Selbstkasteiung zu praktizieren und sagte heulend ab. Aus falsch verstandener Verpflichtung und der fixen Idee, nur mit Mann zu einem Paar zu Besuch zu gehen.

Worauf sie von mir erstmal einen telefonischen Einlauf mit Verweis auf die mit Papaversorgungskompetenz ausgestattete Mikrowelle und die Tatsache, dass es sich um IHRE Allerbeste handle, kassierte. Und die Ansage, dass sie da hingehen soll. Weil es Schniefgatte nichts bringt, wenn sie als sauer und traurig daheim sitzt. Und ihr erst recht nicht. Ob sie es tut? Ich hoffe es ...

Selbstmitleid und Angst, der Antrieb im Leben meiner Mutter. Sie tut mir manchmal unendlich leid. Aber helfen kann ich ihr nicht - weil wirkliche Hilfe nicht ohne Aua daherkommt. Selbsterkenntnis tut eben weh.

Also Pseudohilfe. Vielleicht doch Heiligabend in die Messe mit ihr. Oder ein Spaziergang am 2. Feiertag. Sie aus dem Jammertal stundenweise raushole.

Tja ... wenn die Kinder sich abnabeln, docken die Eltern wieder an ...

 

 

P.S. Und nach wie vor: Heiligabend allein ist nicht die schlechteste Alternative. Jammern ist schlimmer. 

 

27.11.2014 um 08:14 Uhr

xmas alone

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Jingle Bells (The Glenn Miller Orchestra)

Weihnachten alleine - oder eher: Heiligabend alleine. Als Teenager der Wunschtraum angesichts elterlicher Eskalation von Vorbereitungsaktivismus, Hektik und unweigerlichem Familienkrieg der kalten Sorte. Schweigen und Drohen und eine Luft wie zum Schneiden ab mittags - und um 17.30 Uhr geht die Lichterkette an und die Freudigkeit gleich mit. Heile Welt. NICHT.

Weihnachten ohne Partner: der Albdruck meiner Erwachsenenjahre. Stigma des Singles. Nicht allein, sondern partnerlos war das Problem, denn meine Schwester war seit 16 durchgehend in Beziehungen.

Tja, damals wusste ich noch nicht, dass schlimmer immer geht und so erlebte ich in meiner Ehe einen bunten Weihachtsreigen von Intensivstationen mit verkabeltem Schwiegervater bis Komplettzusammenbruch und Schwerstdepression meines Mannes in der Kindermesse, gefolgt von Notarzt unterm Christbaum und verwirrten Kleinkindern, die Geschenke auspacken. Nicht gut?

Leider steigerbar. Auch Beziehungskrisen sind eine echte Bereicherung unter dem Tannenbaum.

Klar, auch ich habe noch das kitschige Filmchen aus der Werbung im Kopf, in dem ich im Abendkleid einem gutaussehenden Mann zuproste und selig auf meine versammelte Gross- und Wahlfamilie blicke. Nur gibt es weder den Mann noch ist meine Familie an dieser Art Feiern interessiert. Es ist alles eher schlicht bei meinen Eltern. Mittagessen mit Wasser. Alltagskleidung. Keine Feststimmung. Ist so. Und zumindest Wein gibt es, seit Schwesterschwager Weihnachten machen.

Im letzten Jahr der erste heilige Abend, an dem die Jungs und ich bewusst zusammen kochten. Toll war das. In den Jahren davor waren  sie abends bei ihrem Vater - ihm zuliebe, weil ein Abend allein mit seiner nervigen, aber verwitweten Mutter den stabilsten Charakter in die Krise treiben kann. In diesem Jahr haben sie sich auch so entschieden. Weil sie wissen, dass ich auch allein klarkomme und Wirbel eine Art Gerechtigkeitstick hat momentan. Wahrscheinlich deshalb, weil beide eigentlich lieber hier sind als im Dorf ihres Vaters.

So ganz allein war ich bisher zwei oder drei Mal zu Heiligabend. Oft ergab es sich auch so, dass ich mit einer ebenfalls singelnden Gesellschaft kochte. In diesem jahr nicht. Limette trifft ihre Kinder in Florida, Glamour Girl ist bei ihrem Freund in Irgendwo, das MünchnerKindl entweder bei Freunden auf dem Land oder bei ihrem Zuckerhut - dem Mann,  der vor ihr nur brasilianisch liebte. BesteFreundin zuhause weitweg, Perfektionistin nach Knie-OP rekonvaleszent in nochweiterweg bei ihrer Familie, Tangoqueen mit Tochter auf einer warmen Insel und die Königin macht xmas mit der Königsfamilie. 

Sie sind alle da. Aber eben nicht an meinem Esstisch, sondern weit verstreut. Es ist meine freie Entscheidung, nach dem Kaffee mit den Jungs nicht bei meinen Eltern bleiben zu wollen am Abend. Es war auch meine freie Entscheidung, mich von Zen zu trennen. Also verbringe ich den Heiligabend mit MIR. Was ich koche, wird nach Angebot im Supermarkt entschieden. Eventuell koche ich auch gar nicht, sondern stelle mir lauter Lieblingsgenüsse auf einem Tablett bereit. Grünen Seealgensalat vom Japaner, französische Pate, tollen Käse, gutes Brot, selbstgemachte Zwiebelmarmelade. Und wenn es warm sein soll, vielleicht schnelle Gemüsetagliatelle von Zucchini und Möhren mit Jakobsmuscheln? Worauf ICH Lust habe. Ein Film, ein Buch, ein Digestif ... und morgens früh raus und eine ausführliche Laufrunde vor dem langen Essen bei Schwesterschwager.

Warum ich das jetzt so ausführlich schreibe? Weil nicht nur ich Heiligabend allein sein werde ... und es wirklich nicht so schlimm ist, wie es sich vor dem ersten Mal anfühlt. 

 

 

 

 

 

 

26.11.2014 um 17:15 Uhr

Single-Life ... Reloaded

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Together forever (Rick Astley)

Da hat die liebe Trini mich "woanders" dazu gebracht, "ganzwoanders" einen Artikel über das Single-Leben zu lesen. Und mich erstmal furchtbar zu ärgern. Nicht über die Grundmessage. Auch nicht über die Trini. Gemäßigt über den Schreibstil des Artikels. Etwas doller darüber, dass vieles von dem, was als Vorteile des Singlelebens beschrieben ward, offensichtlich nur für porenechte Jung-Singles zu gelten scheint. Die Lebensrealität von "gebundenen Singles" aka Einzeleltern, ist halt anders. Und die von Knapp-unter-50ern in manchem auch.

Nichtsdestotrotz fielen dann heute auf dem Weg am Fluss entlang die Groschen gleich Euronenweise. Und ich stellte mit staunenden Augen fest, dass es in meinem Leben so einige Dinge gibt, die als Single besser funktionieren, auch als in einer Ehe oder Beziehung. Also mache ich doch mal eine Single-Positivliste.

 

1. Arbeiten gehen

Als ich noch verheiratet war, musste ich meine Arbeitszeit gegen meinen Mann verteidigen. Danach gab es feste "Papazeiten" - himmlisch planbar! Und nun sind sie so gross, dass ich mich kaum noch nach ihnen richten muss - nach einem Partner aber sehr wohl. Und das nicht zu müssen, ist gerade zur "Saison" einfach nur entspannend!

2. Kinder erziehen

Ich bin's allein gewohnt inzwischen. Ein Partner, der versucht, bei meinen "Halbfertigmännern" noch reinzureden, ist eher Ballast. Wir drei sind so, wie wir sind, ein prima Team.

3. Fortbildungen machen

"Ungestraft" Wochenenden verplanen und einfach nicht "verfügbar" sein - wunderbar! Hätte ich eine Beziehung, müsste ich mich dauernd rechtfertigen dafür, ob und wann ich mich "melde". So packe ich Freitags die Tasche und komme Sonntags wieder. Ohne jeden Stress und mit dem ganzen Kopf da, wo ich gerade bin.

4. Einkaufen gehen

Wie schrecklich, mit einem ungeduldigen Mann einkaufen zu gehen! Das muss ich mir derzeit nicht antun. Ich kann einkaufen gehen, wann ich will, wo ich will, wie lang ich will und wie teuer ich will! (OK, letzteres mag ich nicht ausreizen ... aber das KÖNNTE ist fein)

5. PLANEN dürfen

Nicht mehr den Satz hören "ach, lass uns ganz spontan". Den Satz höre ich nämlich nur gern, wenn er sich auf den gerade aktuellen Augenblick bezieht. Nicht, wenn damit ein in der Ferne liegender Termin, für den ich allerdings bereits "Vorbuchungen" habe, gemeint ist. Meine Wochenenden sind kostbar. Und gerade damit ich gelegentlich mal "spontan" sein kann, muss ich und will ich sie planen. Damit ich trotz "gesetzter" Aktivitäten wie Besuch meiner alten Eltern und Haushaltspflichten auch Treffen mit Freunden oder etwas Seele baumeln lassen hinbekomme. Dazu passt auch der nächste Punkt.

6. Aufstehen, wann ich will

Das bedeutet nicht "la grasse matinée" Eher das Gegenteil. Nur einer der selbstgemachten Fast-Männer in meinem Leben ist Frühaufsteher. Ansonsten sehe ich mich mit männlichen Exemplaren konfrontiert, die weit über meine Bettkomfortzeit hinaus in selbigem verweilen wollen. Bin ich aber einmal richtig wach, was meine Blase sehr gerne für mich gegen 7.30 in die Wege leitet, dann will ich Tee. Und Unterhaltung. Buch oder so. Bei Ruhe. Nix Gespräch. Nix Radio. Da bin ich ziemlich verschroben. Und das ist ohne Mann viiiiiel bequemer. Siehe auch nächster Punkt.

7. Schlafen, wann ich will und wo ich will

Nichts schlimmer als ein Mann, der die Nacht nicht enden lassen will. Der nicht schlafen gehen will. Und das auch noch in seiner Wohnung. Ich mag nicht anderswo übernachten, wenn ich nicht mit anderswem einschlafen darf. Und ich mag auch nicht leichtschlafen in der Erwartung, gleich geweckt zu werden oder gar nicht schlafen, weil anderswer gerade Gesprächs- oder Laermbedürfnis hat.

8. Geld ausgeben, für was ich will

In jeder meiner Beziehungen habe ich Geld ausgeben müssen für Dinge, die mir nichts bedeuteten. Weil anderswer es wichtiger fand als meine Prioritäten. Jetzt gebe ich Geld aus für Dinge und Ereignisse, die MICH erfreuen. Wie die Reise zu BesterFreundin, die bald ansteht.

9. Freunde und Familie pflegen

Meine Herzensmenschen sollen von mir auch Zeit bekommen. Zwar sind es sämtlich so nahe und gut genährte Freundschaften, dass sie auch mal ein paar Wochen des sporadischen Kontakts überstehen, aber es sind eben Einzelstränge, die sich nicht in "Gruppenspeeddates" abarbeiten lassen. Mal ganz zu schweigen von den Eltern, die zumindest alle zwei Wochen "bespielt" werden wollen. Die beiden sind nicht mehr mobil genug, mich zu besuchen, also besuche dann ich. Und solange ich Single bin, kann ich das wunderbar in meine Wochenenden einbauen.

10. Haushalt und Pflege, so viel (oder eher: so wenig) ich will

Keine Angst, meine Wohnung ist kein Messie-Basislager. Aber in der "Saison" ist Haushalt auf das Minimum reduziert. Und das heißt Versorgung meiner beiden Fast-Jungmänner. Also Einkaufen und Essen auf Vorrat kochen. Da ist mein Schlafzimmer auch mal unaufgeräumt, der Boden zwei Wochen nicht gesaugt und die Küche nicht geputzt. Und als Single genieße ich es sehr, dass niemand in der Wohnung sich darüber aufregt und mich nervt. Wirbel ist unordentlich, Blue saugt bei sich selbst (und den Flur meist gleich mit) ... und ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren. Und niemand regt sich auf, wenn ich im Winter mal das Rasieren einstelle und mir damit juckende Haut erspare.

11. Im Rhythmus bleiben

Sobald Sport zur Gewohnheit wird, fällt er mir leicht. Dazu gehört aber vor allem zeitliche Disziplin. Wenn ich morgens nicht um 7.30 spätestens das Haus verlasse, bin ich nicht vor 10 in der Küche mit Laufen und Duschen. Wenn ich nicht mindestens einen Weg zu meinen Eltern am Wochenende laufend zurücklege, bin ich an diesem Tag ohne Bewegung. Und wenn ich nicht Samstags einkaufe, komme ich vor Dienstags nicht mehr dazu. Ich takte meine Dinge so, dass viel Zeit für Schönes bleibt, gerade am Wochenende ... aber es fällt mir viel leichter, das als Single so zu machen. Vor allem, weil ich nicht ständig zwischen zwei Wohnungen pendeln muss.

12. Musik (nicht) hören

Ich mag laute Musik. An genau drei Stellen in meinem Leben. Auf Parties, im Auto und im Hantelkurs. Ansonsten nervt sie mich. Radio? Eine Qual! Zuhause alleine Musik hören? Nur, wenn ich gleich ausgehen will, zum aufputschen. Oder wenn Besuch da ist. Dann leise, im Hintergrund. Fado, Salsa, Tango und Co.

Ich mag Konzerte. Aber nur kleine Hallen/Kulturkneipen oder Umsonst und Draussen-Events. Die großen Eventarenen können mir gestohlen bleiben. Da zieht's, da isses unpersönlich. Doofe Leute, schlechter Blick und mieser Sound. Und keine Möglichkeit zum Tanzen und Trinken und Klo gehen.

Die Männer in meinem Leben mochten Musik. So, dass ich pausenlos beschallt wurde, auch wenn ich nicht wollte. Also Punkt für's Single-Leben!

13. Komfortzone

Punkt 13 ist eigentlich das Fazit. Das tolle am Single-Sein mit knapp 50 ist die eigene Komfortzone. Der Luxus, sie nicht verlassen und in die viel weniger komfortable Zone eines Mannes eintreten zu müssen. In einer Wohnung zu sein, wo das Radio plärrt und der Lieblingstee fehlt. Dinge zu tun, die nicht zu den eigenen Vorlieben zählen. Mit Menschen Zeit zu verbringen, die nicht nah sind und es nie werden können.

...

...

...

Ja ... es gibt sehr vieles, was für das Single-Leben mit knapp 50 spricht. Bequemlichkeit und Eigenbrötelei vor allem. Die Punkte, die die Autorin des eher mäßigen Artikels nannte, zählen für mich eher nicht. Dating, Ausgehen, SFK 18 Filmchen .. so what?

Dating? Been there, done that, didn't buy the T-Shirt. Ich habe mich doch gerade abgemeldet von dem ganzen Zirkus!

Ausgehen? Wenn die Kondition will, gerne ... aber es gibt wenige Locations, in denen meine Generation wirklich noch "feiern" kann, ohne dass das Etikett "Schlagerparty" draufklebt oder Ü30-Resterampe ausgeflaggt ist. Die Events meiner Generation sind eher ruhig - Weinbar, Oper, Job-Veranstaltung ... und erfordern ganz bestimmt kein "Reparaturbier" am nächsten Morgen!

FSK18? Stimmt, da war doch noch was ... und das war ... eigentlich schön. Mit dem richtigen Mann. Nicht an einem Bildschirm. Und auch bitte mit Gefühl. Ansonsten lieber gar nicht. Meine Libid* ist nämlich mit Menschen verbunden und mit Emotionen, nicht mit Schlüsselreizen und gymnastischen Übungen. Wenn nicht verliebt, dann auch nicht verlustet. 

Also scheidet der Single-Vorteil "Affärchen" aus. Weil es sich um eine Gefühls-Rolle handelt.

 

Und was spricht für Beziehungen??? Auch mit knapp 50?

Das Gefühl. Nur das Gefühl. Das schöne Gefühl, zu jemandem zu gehören. Anderswen anzuschauen und sich bei zunehmendem Knieschmelzen geborgen zu wissen. 

Küssen kann man nicht alleine, sagt ein großes Tier im D*chungel. Küssen kann frau aber auch als Single. Das verpflichtet zu nichts, noch nicht mal zum Verlieben. Aber Verlieben, dazu braucht es zwei.

 

Und die große Frage ist: wie wichtig ist mir meine Komfortzone?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

25.11.2014 um 16:20 Uhr

Single Bells

von: Spring_Roll   Kategorie: merry little xmas

Musik: Make yourself a merry little Christmas!

Weihnachten naht mit Riesenschritten. Schon am letzten Wochenende machte der große Weihnachtsmarkt auf und die Nachbarn haben ihre Fenster längst "aufgerüstet". Ich hängte vor ein paar Tagen mal vorsichtig eine Papiersternlampe auf. Eigentlich nicht wegen Weihnachten. Sondern wegen des schönen, gebrochenen Lichts, das so hübsche Muster an die Zimmerdecke zeichnet. Und ich holte eine kleine Plastikkiste aus dem Keller. Da ist Weihnachten drin. Mein Weihnachten. Die Metallschale, auf die vier Kerzen passen. Die Goldputte. Krippenfiguren und ein paar Weihnachtskugeln nebst Sternchenlichterketten. Also habe ich jetzt eine Adventsschale, die auf ihren Einsatz wartet. Und bin noch ziemlich unmotiviert, weiter zu dekorieren.

Weihnachten machen dieses Jahr die anderen. Meine Schwester macht Familie, da bei ihr noch Schwiegereltern unterzubringen sind. GlamourGirl macht Freundinnen. Und die Herren Söhne haben sich entschieden, den Heiligen Abend bei ihrem Vater zu verbringen. Zwischen Weihnachtstag 2 und Neujahr sind sie eh auch bei ihm. Traditionell. Also heißt es wirklich: Make YOURSELF a merry little Christmas ... keine Arbeit, kaum Vorbereitungen, denn es ist ja niemand da. Die Geschenke sind das einzige, um das ich mich kümmern muss. Also frage ich mich, was ICH von Weihnachten will und wie ich die Zeit verbringen möchte. Ein Plan! Ich brauche einen Plan!

Und zwar einen, der keinen D*chungelrückfall beinhaltet.

Was will ich also von Weihnachten? Was ich nicht will, zeigt mir jedes Jahr wieder die wunderbare Martina Gedeck im Kultfilmchen "Single Bells". Den schaue ich mir immer spätestens einen Abend vor Heiligabend an und bin dann wunderbar ausgeglichen ob der Turbulenzen meiner eigenen Familie.

Was ich will? Das ist schwieriger zu erklären. Ich will ... ein Gefühl. Das fängt an mit der Lizenz zum Kitschen. Weihnachten ist die Zeit, in der Putten und Gold und Glitter sein dürfen. In der Wohnung wie beim Outfit. OK, nicht bei meiner Familie, aber in meiner eigenen Wohnung schon. Und so werde ich meiner Lust auf Glamour und Blinki-Blinki freien Lauf lassen. Ein Weihnachtsbaum muss sein - auch wenn ich alleine davorsitzen werde. Für mich. Und in diesem Jahr muss ich den Baum nicht während des Umzugs schleppen, sondern kann das ganz gemütlich erledigen. Klein soll er sein, aber mein. Ein bisschen Deko Drumherum muss auch sein. Wenigstens im Wohnzimmer. Und ... gaaanz wichtig ... Glenn Miller hören!

Weihnachten, das sind auch Gerüche und Geschmack. MEIN Weihnachten schmeckt nach Eierpunsch von diesem einen, bestimmten Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Es schmeckt nach Ente mit Orangensauce, nach Rotkohl, Rotweinbirne und Maronen. Nach Kürbis und Feldsalat. Nach Jakobsmuscheln, nach Paté und einem opulenten Nachtisch. OK .. das ist eher ein Gelage. Und vermutlich werde ich das nicht für mich allein zubereiten. Aber eine tolle Paté, ein frisches Nußbrot, französische Patisserie zum Nachtisch und ein Stück Ziegenkäse ...dazu einen Barolo und der Heilige Abend kann kommen. Die Ente kaufe ich trotzdem ... eine Entenbrust im Tiefkühler ist nie verkehrt. Und die Muscheln ... darauf hätte ich mal wieder Hunger. Weihnachten kaufe ich immer zu viel ein. Dieses Jahr muss ich mir oben auf den Einkaufszettel schreiben: EINE PERSON!

Weihnachten sind Bücher und Filme. Single Bells ... vorher. Und an Weihnachten ein paar Filme, auf die ich mich richtig freue. Eine DVD mit einer Serie aus meiner Jugend wartet. Die schaue ich mir nicht vorher an.

Weihnachten ist KEIN Programm. Aber Familie erfordert etwas Planung. Also gibt es Kaffeetrinken bei meinen Eltern am Heiligen Abend. Ich werde dorthin GEHEN. Blue und Wirbel dürfen mit, dürfen sich aber auch für die Bahn entscheiden. Auch zu Schwesterschwager werde ich zu Fuß gehen. Es ist eine weite Strecke, aber dann kann ich auch zufrieden essen dort. Und am zweiten Feiertag geht's zum Sport oder auch nur am Fluss entlang und in die Sauna. Damit mein Bewegungspegel ebenso stimmt wie die Familienstimmung.

Und nun überlege ich mir noch ein besonderes "Goodie" für den Heiligen Abend ... just to make MYSELF a merry little xmas!!!

 

P.S. Mission accomplished: Wer kennt noch "Die Schöne und das Biest" aus den 80er Jahren? Die komplette Serie! Weihnachten kann kommen!

 

 

 

25.11.2014 um 15:55 Uhr

Vado, ergo sum

von: Spring_Roll   Kategorie: Lauf-Lust

Musik: a walk in the park (Nick Straker Band)

Liebe Gina ... nicht wundern. Da ich momentan am Wochenende nicht schreiben kann wegen des Tastaturtods, fliegen Montags und Dienstags die unsortierten Gedanken in die Blogeinträge. Ganz wichtige Info: auch wenn manche Einträge ein wenig singlejammernd klingen sollten, so war ich mit meinem Leben selten besser im Reinen als gerade jetzt. Ein Grund dafür ist nicht nur die Akzeptanz der Situation, sondern vor allem ein Neustart meiner Bewegungsroutine. Ich war ganz einfach in einen Schlendrian geraten seit Anfang des Jahres. Dafür kann ich nur im ersten Quartal Gesundheitliches verantwortlich machen, die restlichen sieben Monate waren allein meiner eigenen Trägheit zu verdanken.

Also startete ich irgendwann im Herbst neu. Und ging einfach los. Immer, wenn es irgendwie ging, morgens zu Fuß zur Arbeit und das auf einem Riesenumweg. Nämlich gut sieben statt einem Kilometer. Und am Wochenende auch mal mehr. Zum Beispiel, indem ich meine Eltern zu Fuß in Dorf besuche (10,5 km) oder von dort zurückgehe (10,5 oder 16, je nach Strecke). Ich versuche, so oft wie möglich zum Sportkurs zu gehen. Auch das macht glücklich. Aber das Gehen ... das befreit die Gedanken.

Indem ich Künftiges projeziere und Gewesenes nachsortiere, bin ich klar mit beidem. Und süchtig nach dem Rhythmus des Gehens und nach dem Zellophanfluss, der jeden Tag gleich und doch immer wieder neu ist. Heute zum Beispiel mit Nebel wie aus einem Hitchcockfilm. Selbst die Vögel fehlten nicht ... Krähen, wohin man auch schaute.

Und am Ziel des Wegs wartet dann eine kuschlige Sauna ... so lässt sich Herbst aushalten!

25.11.2014 um 15:43 Uhr

Generation Röhre

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: Ich glotz TV (Nina Hagen)

Während ich bei Rosa lese, lächle ich ... denn ... ich gehör zu der Generation davor. Erster SCHWARZWEISS-Fernseher mit DREI Programmen kam, als ich sechs Jahre alt war. Erstes, Zweites, ein Regionalsender. Später ein zweiter ... TOLL! Väter der Klamotte, Daktari, Enterprise und Mork vom Ork. Farbfernsehen ... da war ich wohl so 12. Die Waltons, Dallas, Denver. Und Privatsender ... ohgottogott ... vielleicht 18? Filme auf SAT1. Aber nur einer. Mit Antenne gab's nicht mehr. Mit 22 zog ich in das kleine gallische Dorf. Und hatte plötzlich SECHS Sender. WOW, WOW, WOW! Canal+ habe ich geliebt! Aber auch die anderen waren nicht schlecht. Gute Filme.

Meine erste eigene Wohnung brachte dann den ersten richtig eigenen - uralten - Fernseher. Mein Arbeitgeber kaufte einen neuen und überliess mir das Monstrum. ZEHN Programme! Krösus-ich. Ein Jahr später Sekundentod des greisen Geräts und Ankauf eines knuffigen Kleinen. Den behielt ich dann auch 20 Jahre ... er steht glaube ich immer noch im Kinderzimmer in Röllchenpapas Wohnung. Programmtechnisch wechselte ich dann wieder zu Antenne - sechs Programme. Irgendwann kam DVBT. Alles so schön bunt hier!

Aber ich ... ich war irgendwie anders drauf. Seit drei oder vier Jahren bleibt der Fernseher aus. Wenn ich Filme sehen will, dann gehe ich in eine Mediathek und suche mir einen aus. Welchen ich will, wann ich will. Oder es wird eine DVD.

Karamellfilme sind die Favoriten für die ruhige Couchstunde nach dem Sport oder die seichte Unterhaltung beim Bügeln. Aber sie sind nicht mehr die Art von Filmen, von denen ich Jahre später noch schwärmen würde. Es gibt Filme und Serien, die ich als Kind oder Jugendliche sah, an die ich mich heute noch erinnere. Ein durchschnittlicher Karamellfilm ist vergessen, wenn die Schlussmusik abklingt. Hintergrundrauschen sozusagen.

Und meine Eltern ... die schauen immer noch Antenne. Und vermissen nix.

24.11.2014 um 12:57 Uhr

Ja, wo wechseln sie denn? - Nachtrag die 2.

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Ich will keine Schokolade (Trude Herr)

Langsam aber sicher werde ich "Best Agerin". Ich bin nicht sicher, ob ich mich mit diesem Etikett gut fühle. Eher nicht. Und wenn ich mich so erinnere, wie meine Eltern in diesem Lebensalter waren, dann frage ich mich sogar, ob es irgendeinen Schalter gibt, der mit Ü50 auf "alt" switcht. Denn mein Vater ging mit Anfang 50 in den Vorruhestand und war danach ... alt. Und im Kopf schon vorher. Aber mein Kopf ... der ist jung und hungrig. Mein Körper ist nicht so jung wie mein Kopf, aber immer noch jünger als der vieler Altersgenossinnen. Trotz Übergewicht. Würde man mich in eine Reihe mit neun anderen Frauen (extrem übergewichtig und Magermodels mit eigenem Coach mal außenvor) stellen, würde ich es sicher ins obere Drittel schaffen, vielleicht sogar in die oberen 20 Prozent. Also nicht hässlich. Klug. Leider anstrengend.

Und nun kommen die Medien. Die haben nämlich entdeckt, was für eine tolle, kaufkraftstarke Gruppe die "Best Ager" sind. Und deshalb gibt es nicht nur viel Werbung mit Schlageraroma, sondern auch eine halbe Filmindustrie, die mit den üblichen Verdächtigen eine TV-Schmonzette nach der anderen mit verliebten Grauschläfen und "mitten im Lebens" produziert. Löbliche Ausnahme: Altersglühen im Ersten ... da war viel Selbstironie und gute Darsteller. Aber ansonsten verliebt sich die Thekla wöchentlich in einen anderen gutsituierten Grantelhuber oder wahlweise erneut in ihren eigenen Mann. Die Mariele läuft durch die Stadt und jeder Mann, den sie am Marktstand oder beim Einparken trifft, reißt sich darum, sie zum Essen einzuladen. Die Christine hingegen rettet die Welt mit aller unter ihrem nach den Gewichtswächtern nicht mehr ganz so wogenden Busen wallenden Energie. Und verliebt sich in Urwaldärzte und ähnliche Gutmenschen. Die sie natürlich IMMER zurücklieben. So wie der Francis. Der mit dem Doppelnamen britischer Provenienz. Der Francis ist irgendwie between the Ages. Alt genug, um mit ein bisschen grauem Spray im Fünftagebart für die Christine infrage zu kommen, jung genug, um notfalls mit distinguiertem Charme eine Mittdreißigerin anzuflirten, wenn mal ein Gentlemanlover bei der Pilcherin gebraucht wird.

Realität ist was anderes. Ich finde die Männer-Wildwechsel einfach nicht. Nicht in Città. Mir fährt ein Kerl im Verkehr höchstens über die Füße. Am Marktstand steht er entweder mit seiner Holden oder gar nicht. Oder, wenn er charmant und lustig sein sollte, dann hat er die für mich inkompatible sexuelle Orientierung. Und wenn ich nicht im D*chungel paradelaufe, nimmt mich eh niemand im realen Leben wahr. Da kann ich mich aufbrezeln, wie ich will. Charmant sein und hübsch. Mich auf Veranstaltungen herumtreiben oder zuhausebleiben. Es ist einfach ... egal. Sie sind nicht da. Die Männer. Und auch die, die Mariele, Christine und Thekla immer abschleppen - die sind im wahren Leben verheiratet, schwul oder kleine Predatoren, die nur ihre Kerbenliste im Bettrahmen erweitern wollen.

Es ist trotzdem nett, diese Karamellfilme ab und zu zu sehen. Weil die Illusion bleibt und sich von Hoffnung nährt. Wenn ich am Samstag im Café sitze ... dann könnte ja etwas geschehen. Oder beim Wochenmarkt. Oder beim Küchenevent. Oder auch nur in der Apotheke gegenüber. Im Wartezimmer. Am Fahrkartenautomaten. Egal wo.

Ich bin nicht mehr im D*chungel. Ob temporär oder dauerhaft, weiß ich noch nicht. Ein Stück vom Suchstress ist weg. Ein Stück mehr Zeit da. Dennoch in ruhigen Stunden immer wieder der Gedanke "Verschenkst du jetzt eine Chance?". Der D*chungel ist eine miese Gegend. Dynamische Männer meines Alters wollen keine Frauen meines Alters. Die anderen ... nun ja ... ich sprach neulich bereits über Männer im Umbruch. Mehr und mehr habe ich das Gefühl, dass ich nicht mehr Zielobjekt bin. Im realen Leben wäre ich es vielleicht. So ... nicht.

Aber irgendwo werden sie doch wechseln, die wilden Singlemänner ...?

24.11.2014 um 12:29 Uhr

Beschenkt ... Nachträge die 1.

von: Spring_Roll   Kategorie: Wahlfamilie

Musik: We are Family (Sister Sledge)

Dank des plötzlichen Tastaturtods fehlen mir die Umlaute. Und auch die Rechtschreibung ist suboptimal - oder meine eigentlich nicht unzierlichen Fingerchen vermögen es nicht, auf der (hier folgen gallische Fluchzeichen) Touchscreentastatur zu schreiben. Ich bin ein Anachronismus, brauche das Gefühl von Tasten unter meinen Fingern, damit die Gedanken fließen können. Deshalb jetzt also eine Reihe von Nachträgen zum Wochenende.

Über das Glück, Freunde zu haben, schrieb ich des Öfteren in diesem Blog. Jede und jeder von ihnen ist einzigartig - ebenso wie die Beziehung, die wir beide (denn es sind eigentlich keine Gruppen) aufgebaut haben. Doch eine Freundschaft ist "Outstanding", selbst innerhalb des engsten Rings, der Wahlfamilie ... meine Allerbeste ist jenseits aller Kategorien.

Meine früheste Erinnerung an sie sind unsere ersten "Gruppenstunden" in der kirchlichen Jugendgruppe. Ein Fragment aus den Sommerferien im Kindercamp in Holland - sie und ihre Schwester konnten diesen komplizierten Tanz mit Sidesteps und Kicks, dessen Namen ich mir nicht merkte. Ich erinnere mich an Schwimmen im Metallpool ihrer Eltern im Garten. An ein Pfingstzelten, bei dem wir bei 13 Grad Wassertemperatur im Campingplatzschwimmbad schwammen. An Abende in der Teestube und beim Wirt. An - ziemlich harmlose - Parties im Dorf. An Abendessen mit ihren Eltern in der Küche. Die berühmten Broteplatten ihrer Mutter, von denen jeder zufällig Anwesende etwas abbekam. Als ich 16 wurde, fragte sie mich, ob ich mit ihr eine Jugendleiterschulung mache und wir übernahmen eine Mädchengruppe. Zu dem Zeitpunkt gingen wir auf verschiedene Schulen, hatten verschiedene Freundschaften. Einige davon nahmen in meinem Leben wesentlich mehr Raum ein. Aber sie war immer da. Und die Kirche der Ort, wo wir uns immer wieder trafen. Später begannen wir, uns auch in anderen Lebensbereichen mehr miteinander zu beschäftigen. Wir gingen aus, tanzen, feiern. Doch erst, als ihre lange Jugendliebe endete (und nahtlos bei meiner Schwester landete), wurde es richtig intensiv. Sie fuhr mit mir in die Ferne, als mein Auslandsjahr begann, und machte den schweren Start zu einer Party.

Als ich wiederkam nach Dorf, war sie nicht mehr dort - doch ihr WG-Leben öffnete mir eine Welt. Und aus dieser Welt stammen Teile der Wahlfamilie und viele Erfahrungen. Sie wurde schwanger und ich Patentante. Ich feierte Geburtstag und danach war sie verlobt (mit meiner ersten unglücklichen Liebe, der auch sie unglücklich machte). Eine Zeitlang waren wir Nachbarinnen. Ich lag in ihrer Wanne tagelang, bis Blue endlich bereit für diese Welt war, bestaunt von ihrem damals 1jährigen Zweitsohn, der die dicke Bauchkugel faszinierend fand. Wir gingen beruflich in ähnliche Richtungen ... zeitversetzt. Ich war die Pionierin im D*chungel, sie diejenige, die ihren D*chungelmann auch heiratete. Sie enterte den Paralleld*chungel, ich ging auf Entdeckungsreise.

Oft dauerte es Wochen zwischen unseren Telefonaten, selbst als wir beide in Dorf lebten, und Monate zwischen Besuchen. Aber die Nähe ... die ist unglaublich. Und sie braucht keinerlei "Treibstoff". Faden reißt nicht ab. Und obwohl sie jetzt 460 km entfernt lebt, wird es nicht weniger, was wir teilen.

Als wir uns vor knapp 41 Jahren trafen, wusste ich es bestimmt nicht. Aber heute sage ich: Gegenstück gefunden! Denn neben der Paarliebe, die ich noch zu finden hoffe, habe ich inzwischen erkannt: auch Freundschaft ist Liebe. Und diese eine, allerbeste Freundschaft ist eine ganz große Liebe.

23.11.2014 um 16:12 Uhr

Flusskind

von: Spring_Roll   Kategorie: Lauf-Lust

Musik: Walking on the Sunshine (Catrina and the Waves)

Irgendwie war er immer da. Der Zellophanfluss. Doch von Jahr zu Jahr wird er mir wichtiger. Am Fluss kann ich atmen, den Blick schweifen und die Gedanken fliessen lassen. Das Gehen bringt mich in einen ruhigen Rhythmus, mein Atem gleicht sich den Wellen an, der Wind streichelt mein Gesicht. Wenn ich nicht denke, werde ich schneller. Bin irgendwann tief in mir, ruhend in Geschwindigkeit.Wohl tuend.

21.11.2014 um 11:50 Uhr

Canossa ... noch 150 m

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Chan Chan (Buena Vista Social Club)

Einmal im Halbjahr tun wir Buße für all unsere Verfehlungen. Wir heißt in diesem Fall Röllchenpapa und ich. Und die Verfehlungen gehören Wirbel. Die Rede ist vom Elternsprechtag, in Wirbels Schule unter dem Etikett "Beratungstag" laufend. Die Verpackung ist anders, der Inhalt derselbe: Standpauke für alle, von Wirbel mit Drissegal-Gefühl, von Röllchenpapa mit hilfloser Wut und von mir mit Sorge und Unverständnis aufgenommen. Wir versichern, uns zu kümmern und wissen doch jedes Mal, dass wir gegen eine mit Pickeln bestückte Wand reden. Gegen Pubertät und PC-Spiele anzukommen, ist eine Höllenfahrt. Heute morgen also mussten wir wieder mal hin, nach Canossa. In den Container, in dem Wirbel derzeit lernt, weil das Schulgebäude saniert wird. An den zu niedrigen Tisch mit den normalerweise zwei Lehrkörpern. Heute verstärkt durch einen großäugigen Referendar, der nur gelegentlich Schnappatmung bekam, wenn Frau Rolle mal wieder drastisch wurde. Mal ehrlich: wie bekommt es ein 15jähriger jenseits des Wachkomas eigentlich hin, eine 5 (!) in Religion zu kassieren? Reichen in diesem Fach nicht minimale Vitalzeichen aus für eine Durchschnittsnote? Wenn ich mich an meine eigene Schulzeit erinnere, dann war Religion mein Füllfach. Ich machte Hausaufgaben für Französisch, spielte Mau-Mau mit der Banknachbarin, meldete mich alle paar Minuten und trug meine 1 nach Hause ... der unterrichtende Pfarrer war Fan meines Pfarrers und wusste von meinem Engagement in der Jugendarbeit. Also kein Thema. Aber selbst ohne das hätte einmal Melden pro Stunde für ... sagen wir mal: eine 3 plus gereicht. Und heute tut es das auch noch. Das hat mir eine grinsende Lehrkraft auf meine illustrierende Nachfrage hin bestätigt. Also ist nur eine Folgerung möglich: mein armer Sohn fällt ins Wachkoma, sobald er die Religionsstunde betritt!

Das Französisch-Dilemma (ebenfalls 5) vermag ich nachzuvollziehen (mangelnde Sprachbegabung und mangelndes Interesse). Sogar, wo die Gene dafür herkommen, kann ich zuordnen ... zwei Plätze weiter, der Ex. Fakt ist, dass die Lücken nicht schließbar sind. Er muss sich aber irgendwie auf eine 3 hangeln, um das Fach dann abwählen zu können. Ich hatte Kurse in einem renommierten gallischen Zirkel vorgeschlagen. Will Wirbel nicht. Nachhilfeinstitut wird auch seitens Lehrkraft für Blödsinn gehalten. Also andere Möglichkeit finden. Röllchenpapa tönt wild herum, dass der PC an allem schuld sei. Bis mir der Kragen platzt. Erst auf dem Parkplatz natürlich. Und ich ihn frage, welchen konkreten Beitrag zur Findung von Hilfe er leisten könne. Keinen? Er kenne keine Nachhilfelehrer, Studenten etc.. Ah ja ... na denn lass mich das bitte auch alleine machen, gelle? War er still, der Röllchenpapa.

Fazit von Canossa diesmal: Weckruf. Massiv. Abschluss gefährdet. Und die gute Nachricht: nach wie vor trauen ihm die Lehrer selbst das Abi zu. Wenn er sich nicht durch Faulheit selbst in Richtung Realschule mit miesem Abschluss katapultiert. Und die Frage ist: wenn ihm das so egal ist ... warum gehe dann ICH nach Canossa?

Die Stimmung versauen kann es mir heute nicht. Es ist ein herrlicher Tag draussen und ich liess ihn beginnen mit Musik, die sanft an der Seele zupft ... mit dem guten alten Sozialclub mit der schönen Aussicht aus Cuba. Macht Lust, mir einen Rum einzugießen und an einem Strand zu sitzen. Oder eben einfach gute Laune.

 

20.11.2014 um 16:00 Uhr

Rolle 2.0?

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: All by myself (aus "Bridget Jones")

Ab und an blättere ich zurück in meinem virtuellen Tagebuch. Und frage mich, was mich damals beschäftigt hat. Vor einem, zwei, drei Jahren nämlich.

2011 - ging es mir körperlich und seelisch schlecht. Doch am 21.11. steckte ich den Kopf aus der grauen Suppe und versuchte mich in Tatendrang und Optimismus.

2012 - war ich am 19.11. froh und dankbar für die kleinen Glücksmomente und genoss das Leben intensiv. Auch wenn mich in der Küche ein paar x-mal aufgewärmte Ärgernisse nervten.

2013 - regte ich mich auf. Denn am 20.11. gab es eine eher sinnfreie Test- und Beratungsschleife in Wirbels Schule.

Nun denn ... wir schreiben den 20.11.2014 und was bewegt Sie heute, Frau Rolle?

Dankbarkeit. Definitiv Dankbarkeit. Und verdammt nah dran an Zufriedenheit. Nicht die genügsame, statische Art, sondern das Immer-wieder-Durchatmen-und-Freuen-Gefühl, wenn ich einen Schritt weiter geschafft habe. Aus tiefstem Herzen JA zu meiner Wohnung. Ich bin gerne hier. Liebe die Holzböden, die warme Atmosphäre und die Umgebung mit den kleinen Läden. Ich freue mich sogar darüber, dass heute abend eine Verabredung abgesagt wurde und ich zuhause bleiben darf. War eine anstrengende Woche, wird mir gut tun.

Der D*chungel fehlt mir täglich weniger. So viel Zeit ging dafür drauf. Und genützt hat es doch nichts. Seit ich nicht mehr d*chungle, walke ich wieder. Fast jeden Morgen den Fluss entlang. Und ich habe solche Freude an der Bewegung und am Blick über das Wasser.

Ich bekomme Bestätigung. Immer öfter und von verschiedenen Seiten. Auch in der Küche. Es sind diese schönen Momente, in denen Netzwerke tragen ...und Dinge so einfach machen. Im Privaten sind Freundschaften geblieben und gewachsen. Ein wenig "Peripherie" aus reason und season bröckelte weg, aber meine nahen Lebensmenschen, die stehen wie eine Eins ... forever eben. Allen voran meine Allerbeste. Auch wenn sie inzwischen weiter weg wohnt.

Es ist ein guter Weg, den ich gegangen bin in den letzten Jahren ... weiter so, Rolle ...

 

 

 

 

20.11.2014 um 13:27 Uhr

Eindrücke einer Demonstration

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: Kakophonie

Als ich heute morgen auf die Brücke zugehe, höre ich sie schon von weitem - so viele Fremde, wo sie eigentlich nicht hingehören. Sie sind überall. Und sie sind LAUT.

Die Agitatoren kreischen laut Parolen, die Menge antwortet ihnen mit wilden Schreien. Es gärt und brodelt. Die Stimmung heizt sich auf, als ich näherkomme. Und da sehe ich sie schon ... die Fremden. Ein unübersehbares Gedränge. Der Lärm ein Rauschen.

Langsam gehe ich weiter. Unter den Bäumen hindurch. Und schaue beeindruckt auf die Sittiche über mir. Diese exotischen Vögel, die eigentlich gar nicht hierher gehören. Einwanderer wider Willen, eingeschleppt als Haus- oder Zootiere ... und in nur wenigen Jahren in unsere Natur vorgedrungen wie weiland die Hunnenhorden in Europas Städte ...

 

19.11.2014 um 14:50 Uhr

R.I.P. ... Du untreue Freundin!

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: Beethoven's Fünfte

Heute in den frühen Morgenstunden war deine Demenz so weit fortgeschritten, dass du einfachste Tätigkeiten nicht mehr ausführen konntest. Deine Koordination nicht mehr vorhanden. Sinnloses Gebrabbel.

Ich denke, ich muss dich gehen lassen.

Ob ich noch einmal so eine finde wie dich, weiss ich nicht. Jedenfalls keine, die so ist, wie du früher warst. Bevor du sinnloses Zeug von dir gabst. Bevor du alles falsch verstanden hast.

R.I.P. ... meine liebe Keydock-Tastatur!

Du mieses Stück hast genau einen Monat über die Garantie gebraucht, um völlig abzukacken. Und da ich mit der blöden Touchscreen-Tastatur nicht wirklich entspannt und vor allem nicht schnell tippen kann, ärgert mich das extrem. Teuer warst du Biest. Und empfindlich noch dazu! All das habe ich in Kauf genommen, um USB-Zugang zu haben und komfortabel tippen zu können. Aber jetzt ist Schluss. Deine Nachfolgerin wird wieder ein Notebook. Mit RICHTIGEN Programmen. Nix Androidin. Das Tablet kann ich ja auf Reisen weiterhin benutzen. Aber für zuhause ... da ist wieder Notebook-Time!

 

17.11.2014 um 07:33 Uhr

Von Sonnenstrahlen und Gewohnheiten

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Happy people (Simply Soleil)

Zum Geburtstag bekam ich geballte Frauenpower. Zum einen die Königin selbst, die mir ein Kulturevent "zum Aussuchen" schenkte und eine gar vielfältige Liste mit Vorschlägen zusammenstellte. Zum anderen ... das, was ich aussuchte. Schon der Name der Band klang nach Sommer und Leichtigkeit. Nach Afrika und nach guter Laune. Genau das Richtige für niesligen November, dachte ich ... und bat um diesen Abend. Gestern. 

Und ALLES passte. Die Königin holte mich zuhause ab, wir aßen im Kulturcafe lecker zu Abend und gingen dann in den Veranstaltungssaal. Schon an der Tür die erste wohltuende Umarmung - im wörtlichen Sinne, denn an der Kasse saß eine Frau, die ich aus Küchen-Kreisen kenne und mag. Platz direkt vor der Bühne ergattert (das Kulturcafe hat keine Stehkonzerte oder Stuhlreihen, sondern man sitzt an kleinen, runden Tischen) ... und dann kam SIE. Eine Diva. Abendcape mit Federn, mandarinenrotes Samtkleid über (wie ich fand) sexy Rundungen, Locken, für die ich (fast) morden könnte und einem unwiderstehlichen Lächeln. Barfuss. Eine Stimme, die mit dem ersten Ton unter die Haut und ins Herz geht. Afro-Amerikanerin ist sie, spricht mit uns auf Englisch. Von ihrer Musik und den ersten Erinnerungen an Chicago am Freitagabend. An Jazz, Swing und Catfish-Gerichte. Sie singt von diesen Zeiten, von fröhlichen Leuten, von Liebe zu Menschen und zu Gott. Gläubig ist sie. Und eine Mutter. Ihre Tochter ist beim Konzert und bekommt eine Liebeserklärung - ebenso wie ihr Partner, der am Schlagzeug sitzt und der kleine Sohn ihrer Nachbarn, der ihren Namen Soleil in seiner Kindersprache verwandelt. In der Pause bekommen die Königin und ich "Zuwachs" - an der Bar versucht eine englisch sprechende Frau Flaschenbier zu bestellen und als ich mich zu ihr umdrehe, um dem etwas geforderten Barmann zu helfen, sehe ich, dass es die Piratin ist. Eine Kollegin der Perfektionistin, die ich vor einigen Monaten kennenlernte. Da sie allein beim Konzert ist, gesellt sie sich zu uns und wir geniessen zu dritt den zweiten Akt von Sonnenschein. Denn genau so fühlt es sich an. Musik und Lebensgefühl wie ein sonniger Nachmittag am Fluss - so drückte es die Königin aus.

Als wir herausgehen, verabschiedet sich die Sängerin persönlich von den Gästen. Ich sage ihr, dass ich sie und ihre Musik und ihren Spirit wunderbar finde und wir umarmen uns zum Abschied. Und diese Umarmung ist echt. Keine Show. So seltsam es klingt ... ich glaube nicht, dass ich diese Frau zum letzten Mal gesehen habe. Damit meine ich nicht die Bühne. Sondern das Leben. Citta ist klein - man sieht sich in der Regel mehr als zweimal hier. 

Angefüllt mit schönen Eindrücken komme ich nach Hause. Und brauche den Nachtschlaf, um mich zu sortieren. Gut war es, das Wochenende. Ich habe gelernt, gelacht, mich vom Leben umarmt gefühlt. Und besondere Menschen getroffen. Mit einem habe ich gestern nachmittag noch weitergeschrieben nach unserer Fortbildung - und auch ihn werde ich wohl irgendwann zum zweiten Mal treffen. In einer meiner Fortbildungen im nächsten Jahr wahrscheinlich.

Und die Gewohnheiten? Nun ... immer noch habe ich diesen kleinen Moment am Abend und am Morgen, der bisher dem D*chungel gehörte ... und einen kleinen Moment des Stockens, bevor ich diese Zeit anderweitig füllen kann. Aber wenn er vorbei ist, der Moment ... dann ist es gut. 

16.11.2014 um 16:11 Uhr

Management und Melancholie

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: Auld long syne

An einem niesligen Tag schnallte ich meinen Rucksack auf den Rücken und schloss die Türe. Zum letzten Mal. Denn zum Jahresende wird das kleine kuschlige Tagungshaus, in dem ich über die Hälfte meiner Fortbildungen absolvieren durfte, endgültig geschlossen. Zum letzten Mal genoss ich von meinem Zimmer aus den schönen Blick über das Tal und die Pferdeweide, auf der kräftige Ponies das satte Gras genossen. Zum letzten Mal abends in der Hauskneipe sitzen. Zum letzten Mal das leckere Essen und die Freundlichkeit der Frauen aus der Küche geniessen.Ein gutes Seminar, eine tolle Gruppe. Und ein würdiger Abschied von diesem Haus.

Die Seminarinhalte hingegen gären noch. Um den Umgang mit Zeit ging es. Und ich stellte wieder einmal fest, dass ich mich nicht wirklich reglementieren mag. Aber ... wie gesagt: es gärt noch!

Drei Projekte habe ich, die mein Leben privat wie in der Küche einfacher machen könnten, wenn ich sie wirklich umsetze. Darüber denke ich jetzt nach. Und muss wohl in den sauren Apfel beissen und einige ungeliebte Dinge tun ...

 

 

13.11.2014 um 07:00 Uhr

Schampus und Schrippen

von: Spring_Roll   Kategorie: Wandervögel

Musik: Lovely Day (Bill Withers)

Dazu hatten sie eingeladen, der Wandervogel und die Wüstentaucherin, die mein Leben jetzt schon seit über zwei Jahren begleiten. Zufällig kennengelernt, als Freunde geblieben. Und seit gestern ganz offiziell ein Ehepaar. Wobei die beiden ihre eigentliche Hochzeit im nächsten Jahr in der Kirche feiern werden. Das Standesamt war eher ein Zufallsprodukt. Ein Zeitfenster, das es zu nutzen galt, weil man Angst hatte, es könne sich wieder schließen.Grund war die ominöse Herkunft des Wandervogels, dessen Eltern ein beruflich weltbewegtes Leben führten und sich zum Zeitpunkt seiner Ankunft auf diesem Planeten gerade im Nahen Osten aufhielten. Bei der Geburt der Vogelschwester sogar in Down Under. Vogelschwester hat ja bekanntlich im Sommer geheiratet. Und brauchte Monate, um den deutschen Behörden trotz ZWEITER Hochzeit und eigentlich alles schon da begreiflich zu machen, dass sie geboren wurde ... und zwar da und da ... in Down Under. Es brauchte Übersetzungen, Beglaubigungen, Geld und Rennerei. Deshalb einigte man sich familiär, dass die Hochzeit des Wandervogels ob der arabischen Sprachraumzugehörigkeit seines Geburtsorts ein echter Spass werden würde. Und fing früh an, beim Standesamt nachzufragen. Offenkundig war die Wüstentaucherin aber so gut im Erklären - und hatte die Standesbeamtin wahrscheinlich ihren Karl May verinnerlicht - dass es gelang, Wandervogel Ben Papa Ibn Vorname Grossvater glaubhaft als den anwesenden Wandervogel Nachname auszuweisen. Und dann ging alles ganz schnell und plötzlich hatten die beiden einen Termin. Für gestern. Und den haben sie ganz alleine (mit einer guten Freundin als Fotografin) für sich gehalten. Waren danach wunderbar essen und öffneten abends die Wohnungstüren für Schampus, Schrippen und Freunde.

Und ich muss sagen: wieder einmal eine Gelegenheit, bei der die beiden ihren Stil bewiesen! Warm und freundlich ... das war das Gefühl des Abends. Selbst gemachte Schnittchen, ein trockener Champagner und ein so offensichtlich glückliches Paar. Gute Gespräche im Raum und so sichtbares Mit-Freuen bei allen. Und als ich mich bei der Wüstentaucherin in einer stillen Minute bedankte, zu diesem Kreis gehören zu dürfen, kam von ihr ein leises ... hmm ... da kommt noch mehr. Ich vermute mal, sie brauchen noch etwas Unterstützung beim Heiraten. Mache ich gerne für Euch, ihr Beiden! Auch wenn ihr hier nicht mitlest:das ist ein Versprechen!

Und demnächst gehen wir mal wieder wandern, gelle? 

 

13.11.2014 um 07:00 Uhr

Welcome to my inner club

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Around the world (ATC)

 “Spring rolls and the principles of gravitation” started as a weight-loss-weblog back in 2011. Since then, I actually lost weight. Several times. And I picked it up again. Weight loss swifted from top priority to lower ranks in my articles, while this weblog became more and more important to me as an instrument to sort out my thoughts and emotions.

“Spring Roll” is a woman in her late forties, working mum of two boys in (late) school age, single and still hoping to find her second half (and to one day turn into that well-organized, neat and clean, never procrastinating person she always wanted to be). The weblog depicts daily life in the “kitchen”, that beloved hell of a job, the usual family business, the outs and abouts of a quite international group of friends, hazardous adventures in the “jungle” (the place where lost single souls linger and hunters chase their prey) and last not least the continual disputes between the “inner club” – Ms. Ratio, the hormone Latinas and Miss Sweet Soul, agitated by a malvolent Ms. Need.

Originally, I would have loved to write in French today. French has been the language closest to my heart since I was eight. That was when I met her. My French friend and her brothers. Every summer, they would come and visit their aunt, who was our neighbor. At the time, I didn't speak a single word of French. However, I was a quick learner. "Merde Alors" would become my first French word. About three summers later, I had the tremenduos opportunity to learn proper French at school. Unfortunately, the family council - let's say: my uncle! - decided I had to study Latin instead.  In the aftermath, I struggled with "de bello gallico" while only wanting to speak gallic! Thanks to my French summer friend starting to learn German, we achieved some means of communication at least, until I finally jumped on the last minute option: third language FRENCH. I was passionate with it. Happily never after, I closed my Latin books at 16 with great relief.

French meant more than a language to me. I felt linguisticly "at home" when I spoke it (ok, my grammar and orthography needed adaptation) and  I could catch it instinctively. No studying, just listening and loving. And my dream was to live in France one day.

By chance, I got a job in our twin town. It was not that I was particularly happy there, out of nowhere in the Pas de Calais with the Ch’tis. In an underdevelopped region which, in Autumn, could as well have served as the model landscape for "The fog". However, I was in France and that made it special to me. I worked. I lived by myself in my own flat for the first time in my life. I fell in love and was dumped. And I slept overhours because of all the healthy sea air. English? I didn't give a penny for it. Even when back in Germany, my heart was beating in French, even if I knew that I would only have a career in Germany.. No wonder I fell in love with a Frenchman shortly after in a bar in Spain during my holiday. No wonder I stayed with him for quite a long time. Somehow his being French made up for many other things - like cheating on me. I didn't marry the Frenchman. I married the boy next door. And buried my “french self” under motherhood and housekeeping. Huge mistake. Not the kids, but the rest of it.

Years later, I accidentally applied for a job. And suddenly I found myself in an English speaking environment. Slowly but surely, English took over. From time to time, I still happen to speak French. However, most of the time, I would now talk and write in English. English now happens to be the language of my brain. So speaking the language of Ms. Ratio, chairperson of my  "inner club". The club is quite international. While Ms. Ratio speaks British English, Miss Sweet Soul chats in French. My hormone Chicas, of course, would talk in Spanish. The only inconvenience is, that I don't speak a word of Spanish! Got the clue? How dare I ever hope to understand my inner club without speaking Spanish?

Perhaps I would study Spanish one day. A friend of mine with Latin American roots has already offered to teach me. Perhaps I would get back to speaking French from time to time, which I would love. In between, I write in English on this special occasion of the day of International Blogging. 

When I started to write my weblog, I would never have thought how "social" this is ... writing a weblog ... a diary? Then I started to read through other blogs - and suddenly found myself in conversations with other bloggers. It felt familiar. Like a kitchen table with a bottle of wine and my women friends. Only that the table stood in my head (and the heads of other bloggers involved). It's been more than three years of blogging. And there have been real kitchen tables in between.

So be welcome to my virtual kitchen table. Sit down. Have a wine ... and start to chat!