Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

31.12.2014 um 16:02 Uhr

Posen, Attituden, Verortungen

Musik: Big Spender (Cy Coleman)

Nach dem Weihnachtsgau bin auch ich drauf und dran, mir eine "Notfallexistenz" anderswo zuzulegen. Allerdings gestaltet sich bloggen derzeit auf allen Plattformen schwierig. Die neu erworbene Blauzahn-Tastatur erfordert das Sitzen an einem Tisch. Denn anders lässt sich Bildschirm nicht senkrecht stellen und Blauzahn davor legen. Vorbei die Zeiten, als ich in kreativem Fluss sitzend auf Couch oder Bett schreiben konnte. Das ginge jetzt nur noch per Touch-me-Hypersensibelchen ... seeeehr zeitaufwendig! Touch-me kann allerdings das at-Zeichen. Das kann Blauzahn irgendwie nicht mehr. Hat er verlernt. Der Blödzahn. 

Fazit: Schreiben ist gerade alles andere als Lust. Und im neuen Jahr wird ein neues Notebook gekauft. Basta. Sobald die Steuer zahlt. Basta!

Also Inhalt jetzt ...  

31.12.2014. Wieder ein Jahr rum. Und wie schnell es verging! Klarheit habe ich gewonnen in diesem Jahr in vielen Dingen. Meine Fortbildung schreitet voran. Und ich erkenne langsam eine Richtung. Merke, dass mir die neuen Erkenntnisse und Fertigkeiten Dinge leichter machen und habe Ideen für meine Zukunft. Warum nicht zehn Monate Küche im Jahr und zwei Monate etwas ganz anderes? Mal sehen, was genau ...

Habe Krücken weggeworfen, die ich nicht mehr brauche. Die Zeit mit der Zuhörerin nähert sich ihrem Ende. Ein klärendes Gespräch in der zweiten Jahreshälfte half mir sehr dabei, neu zu bewerten und andere Perspektiven einzunehmen. Der D*chungel ist eine miese Gegend - und eigentlich ist es egal, ob ich etwas tue und nichts geschieht oder ob ich nichts tue und nichts geschieht. Tue ich aber nichts, spare ich mir auch viel Frust ... und Ladyshaver-Klingen.

Ich habe verstanden, dass ich Geduld brauche. Und dass ich genau in mich hineinhören muss, was in mir klingt. Mich fragen, wie ich mich fühle und nicht, was jemand anders für mich fühlt. Letzteres auch, aber erst, wenn ich meine eigenen Gefühle kenne. Es ist so einfach, sich vom Fühlen eines Anderen mitreißen zu lassen ... und so frustrierend, wenn die Klarheit hochsteigt, dass diese Gefühle nicht erwiderbar sind. Aber nötig. Klarheit und Entscheidung. Und auch das Alleinsein ist nötig und wichtig.

Noch nie war ich so bewusst allein wie in diesem Jahr. Mit der Erkenntnis, dass vieles weniger schlimm ist als gefürchtet und manches sogar gut. Mit der Gefahr, in meiner eigenen Komfortzone zu versacken und mich allzu wohl dort zu fühlen. Weihnachten allein war eine Prüfung. Silvester mit zwei Paaren wird die nächste sein. Weil es nahe Menschen sind, fühlt es sich richtig an.

Der letzte Tag des Jahres ist voller Leben. Heute morgen habe ich mich getraut und etwas Neues begonnen. Mein Sportclub bot einen Burlesque-Workshop an , den ich gemeinsam mit der Tangoqueen besuchte. Zwei Stunden waren zwar nicht genug, um eine Dita von Teese zu werden, aber sie reichten, um ein Gefühl für diese sinnliche Art des Tanzens zu bekommen. 15 Frauen waren wir. Ein ganz normaler Sportraum. Normale Fitness-Klamotten. Schals statt Boas. Aber am Ende der Stunde war ein bisschen Burlesque wirklich zu spüren ... und nun liegt eine Unterschriftenliste bei der Clubleitung, weil wir alle gerne weitermachen würden und bitte, bitte eine feste Stunde möchten statt eines gelegentlichen Feiertagsspecials. 

Zum letzten Mal in diesem Jahr kaufte ich Samosas beim indischen Imbiss. Zum letzten Mal die Putzrunde durch Küche und Bad. Die letzte Waschmaschine des Jahres hängt. Zum letzten Mal einen Fast-Zimmerbrand gelöscht und mich geärgert, dass der möbilierte Schwede wohl jetzt andere Gläser um seine Duftkerzen macht. Früher brannten sie aus, jetzt springen sie und sind Gefahr für Leib und Leben. Schlecht, Herr Schwede!

Das Jahresende begehe ich fast wie im letzten Jahr. Erst mit der Hausgemeinschaft, dann mit Freunden im Restaurant gegenüber. Stressfrei und mit nahen Menschen ... das passt gut zu meiner Stimmung.

Schwerer fällt mir die Formulierung von Vorsätzen für das neue Jahr. Nicht nur für mich, auch für GlamourGirl muss ich mir etwas einfallen lassen.

Fangen wir mit dem einfacheren an: GlamourGirl

1. Mehr innere Distanz gewinnen in Konflikten
2. Gestalten statt erdulden
3. Einen langen Urlaub machen
4. Finanzielle Entscheidungen treffen
5. Zur Ruhe kommen

Und nun für mich

1. Mehr (Selbst-)Disziplin
2. Loslassen können
3. Urlaub machen
4. Meinen 50. so feiern, wie ich es möchte
5. Herausfinden, wo Frau Ü50 passende Männer treffen könnte

So richtig gut gefallen mir diese Vorsätze noch nicht .... aber sie sind work in progress ... wie das ganze Leben.

So long, liebe Mitbloggenden ... das war's für 2014. Ich wünsche Euch allen den sprichwörtlichen "Guten Rutsch" und einen wunderbaren Start in ein Jahr 2015, das eine Fülle von Erlebnissen und Begegnungen bringen wird ... hoffentlich Euch allen nur gute! 

29.12.2014 um 08:42 Uhr

Alles Neu(Schnee)

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Let it snow ...

Frueher setzte der Blick auf weisse Daecher eine ganze Assoziationskette in Gang ... Bahnchaos, Schneeschippen und Co. Heute schaue ich raus und freue mich in echtem Wetterteamgeist ... toll, ein anderer macht's. Denn ich kann ja gemuetlich zu Fuss gehen ... und das Raeumen muss der Kaczmarek unserer Wohnanlage organisieren. Bleibt die Steuer ... ich wusste doch, irgendwas ist immer ...

28.12.2014 um 22:57 Uhr

Wut und Ohnmacht im Doppelpack

von: Spring_Roll   Kategorie: Stress und Konsorten

Musik: Money for nothing (Dire Straits)

Ich schliesse mich einstimmig dem heutigen Blogigo Haul (NICHT!) an. Ausserdem auch dem Selbstlob Haul. Ebenso NICHT. Denn während ein IT Schlaumeier es schaffte, nicht nur diese Plattform zwei Tage lahmzulegen, sondern auch noch meine gesamte Seelensortiererei aus Dezember zu löschen, schaffte ich es, mit einem gezielten Fehlklick die Arbeit eines Nachmittags wiederholungswürdig zu gestalten. Denn fünf Minuten vor Ausdruck der Steuererklärung 2012 betrat Blue die Wohnung und polterte und sich umzog und ohn Unterlass redete. Ich druckte aus ... und beim entscheidenden "Möchten Sie speichern" versagte mein Hirn und mein Zeigefinger. Ich brauche eine Palme zum Kopfdagegendengeln ... und zwar pronto! Denn damit ich 2013 bearbeiten kann, muss ich die Daten - Sie ahnen schon woher? - übernehmen ... klar, aus 2012!

Die Blogigo Panne ärgert mich anders, aber nicht weniger. Die vielen, vielen Einträge werde ich nicht rekonstruieren können. Die sind unwiderruflich verloren, falls das IT-Genie nicht noch ein Backup aus der Montagmorgentasche ziehen sollte (was willkommen wäre).

Was ist nicht alles passiert in diesem Dezember? Was habe ich erlebt, gelernt, erfahren, konfrontiert und ausgehalten ... Weihnachten inklusive. Versuchen wir es mit der Nußschale, in die letztlich jedwede lange Geschichte verpackt werden kann im Klappentext des Lebens.

Mein Dezember war ...

... die Entscheidung, den D*chungel erst mal links oder rechts, jedenfalls fern liegen zu lassen
... jede Menge Weihnachtsfeiern .... indisch, afghanisch und bunt gemischt mit den Mädels
... Glühwein in allen Mengen und Varianten
... eine spannende Fortbildung und ein Besuch in Patentantenstadt mit viel Essen und viel Weißbier und interessanten Bahn-Erlebnissen
... die Erkenntnis, dass man niemals so ganz (aus der Küche) geht
... Freude über die Lizenz zum weihnachtlichen Kitschen und entspannte Weihnachtsvorbereitungen
... Schiss vor Heiligabend alleine und demzufolge generalstabsmässige Selbstüberlistung
... die Legalisierung eines illegalen Einwanderers .. .er hat dank Onlineportal jetzt endlich eine Hundemarke!
... Heiligmorgen mit dem MünchnerKindl und vielen, vielen Krustentieren (und viel, viel Wein), gefolgt von Kaffee bei meinen Eltern

... was im Resultat dafür sorgte, dass ich Heiligabend meinen Verstand mit Nonnenfilmchen sedierte und die Latinas in Winterschlaf schickte
... Selbstzerfleischung am Flussufer auf dem Weg zum Familienweihnachten, das bei uns SchwesterSchwager "machen"
... der Vorsatz, im nächsten Jahr einfach alleine in die Oper zu gehen, statt auch am ersten Feiertag ... Nonnenfilmchen! zu sehen
... die Umwidmung des 2. Feiertags zu steuerlichen Zwecken

und die Erkenntnis, dass ich einfach anders möchte als meine Familie. Die ist alt, die Erkenntnis. Und die wird sich auch nicht ändern. Aber mein Umgang damit. Gestern abend saß ich mit Lady Liberty in einer brasilianischen Bar und trank Cocktails. Beim dritten Cocktail und einer Band planten wir eine Weihnachtsparty für das nächste Jahr. Oder genauer: eine Adventsparty, die dann zu einem gemeinsamen Dinner an Weihnachten führen soll. Party= grösserer Kreis. Und die sympathischsten Menschen bekochen wir dann gemeinsam. Liberty ist ein beruflicher Zugewinn. Über unsere Küchen kennen wir uns schon lange. Aber inzwischen könnte es eine Freundschaft werden. Bis halb zwei haben wir getanzt ... schön war's. So schön, dass ich heute mittag Lust bekam, mein persönliches Weihnachten nachzuholen. Nach einem wunderbaren Spaziergang am leicht eingeschneiten Fluss in strahlendem Sonnenschein kochte ich MEIN Weihnachtsessen ... Ente mit Orangensauce, Rotkohl und ... nein, keine Spätzle ... sondern Süsskartoffeln. Lecker. Und genug für zwei Mahlzeiten.  

Die Nussschale ist bar jeder seelischen Gärung. Die Maische ist dank des IT Genies abgegossen. Schade, denn gerade aus der Maische lerne ich immer wieder. Gerade, was den Umgang mit meiner persönlichen Nemesis, Ms. Need, und ihren giftigen Einträufelungen anbelangt. Wie schon geschrieben und leider im IT-Nirvana ... mein Ideal von Weihnachten ist anders, ganz anders. Das, was ich habe, ist nicht das, was ich wünsche. Aber ich würde eben nicht ALLES dafür geben. Und so habe ich mich in diesem Jahr ganz bewusst meinem Dämon Weihnachten gestellt. Mehrfach sogar. Das war meine persönliche Mutprobe vor dem 50. Ich weiß jetzt, dass ich es kann, wenn ich es muss. Dass ich nicht zur Weihnachtsharpyie werden muss, wenn ich älter werde. Und allein bleibe, was wahrscheinlich ist, wenn ich das Suchen aufgebe.

Heute hätte ich ein Date gehabt ... übrig gebliebener oberflächlicher Kontakt aus dem D*chungel. Oberflächlich allerdings auch der Mann. Irgendwie fühlte ich mich beim Telefonieren gecastet vor einigen Wochen. Danach kaum Kontakt, noch nicht mal Weihnachtswünsche, nur eine Terminvorschlagerei in Halbsätzen. Meine Mails hatten Anreden und Unterschriften, seine nicht. Mit Mühen und Pausen kam ein Termin für heute zustande - Kaffee um 15 h. Das war vor Weihnachten. Gestern eine Mail - ruf mich mal an. Nix Anrede, kein Schmu. Ich telefonierte kurz und fühlte mich wieder wie beim ... nö, das war noch nicht mal Casting, das war eher die Terminvergabe in einer Arztpraxis. Machen wir doch mal einen kurzen Termin zum Nachschauen und wenn der Zahn gebohrt werden muss, kommen Sie dann wieder, gelle? Ich sagte ihm zu, mich bezüglich des endgültigen Termins heute morgen zu melden. Tat ich auch. Allerdings mit einer freundlich-höflichen Absage. Wieder mit Anrede, wieder mit Unterschrift und Grussformel. Von ihm kam ein sehr freundliches "na toll", gefolgt von einem ebenso überschwänglichen "wusste ich doch, dass du kneifst". Klar kneife ich, denn meine Zeit ist mir zu schade für Menschen, die sich gar nicht wirklich für mich interessieren. So laut kann nicht mal Ms. Need brüllen, dass sie mein Bauchgrummeln übertönt! 

Mein zweiter Dämon zuckt noch ... die Steuer. 2011 ist geschafft, 2012 so gut wie, 2013 wartet noch und 2014 werde ich gleich im Januar machen, damit es weg ist. Bin ich doch eigentlich  eine Formularphobikerin. Doch der Erfolg der letzten beiden Tage zeigt: diesen Dämon werde ich irgendwie kleinkriegen. Selbst ist die Frau. Und das abgesagte Date kam - zwar in Form vergeblicher Arbeit - aber immerhin ... der Steuer zugute. Und bis zum Ende meiner freien Tage sind auch die Papiere in meinen Aktenordnern endlich mal so sortiert, wie ich sie brauche.

Mein dritter Dämon heißt Silvester. Oder genauer gesagt: Silvester mit nahen Menschen, die als doppeltes Paar auftreten, zu feiern, ohne mich von Ms. Need kleinkriegen zu lassen. Stattdessen ganz bewusst die Nähe lieber Menschen geniessen. Doch vor Mitternacht, wenn Paare sich in die Arme fallen, habe ich Angst. Es ist am meisten die innige Umarmung, die mir fehlt. Und die sich auch nicht durch ihre freundschaftliche Schwester ersetzen lässt ... obwohl ich mich morgen sehr auf BesteFreundin freue. 

Irgendwann in meiner Jugend bei den Galliern sagte mir ein selbsternannter Handleser "tu ne sera jamais heureuse". Und meine Mutter bezeichnete mich stets als zu egoistisch für eine Partnerschaft. Leider haben beide ein bisschen recht behalten. Der Handleser, weil ich in meinen Liebesgeschichten immer wieder vor die Wand renne und doch so sehr nach dem Glück suche. Meine Mutter, weil ich gottlob egoistisch genug war, nicht bei dem Mann zu bleiben, der ihr idealer Schwiegersohn ist und mir die Luft zum Atmen nahm.

Bin ich nicht glücklich, weil diese Prophezeiungen sich erfüllen? Oder erfüllen sie sich etwa nur, weil ich so viel tue und mache, damit sie es nicht tun? Ganz in mir ruhend loslassend ... das werde ich nie werden. Ich kriege mein Stück vom Glück - auf die eine oder auf die andere Art. Vielleicht definiere ich es einfach neu, das Glück.

Noch drei Tage bis zum Jahreswechsel. Noch acht Monate und sechs Tage bis zu meinem 50. Geburtstag. Das verlockt dazu, Bilanzen zu öffnen. Striche zu ziehen und neue Ziele zu stecken. Über mein Ziel im Jahr meines 50. Geburtstags werde ich noch eine oder zwei Nächte schlafen. Und mich fragen, ob es EIN Ziel gibt, ob es überhaupt Ziele gibt und was meine B-Pläne sind. Denn eines ist sicher wie das Amen in der Kirche: Herr Lennon wird auch 2015 in meinem Leben sein! 

08.12.2014 um 20:28 Uhr

Stimmen aus der Vergangenheit

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Don't you ... (Simple MInds)

Ein Treffen mit Zen. Es ist ziemlich genau vier Monate her, seit wir uns trennten. Genauer: seit ich mich von ihm trennte. Wir hatten noch eine gemeinsame Angelegenheit zu regeln. 

Also trafen wir uns bereits vor drei Wochen einmal, um alles erforderliche in die Wege zu leiten. Und heute wieder, um die Sache abzuschließen und mit einem Glas Wein darauf anzustoßen. Es war ein angenehmes Treffen. Ein gutes Gespräch. Wir können wieder miteinander umgehen. Eine gute Freundschaft wird es nicht werden, dazu sind wir zu verschieden. Vielleicht gehen wir mal wieder miteinander wandern. Aber auf jeden Fall ist Zen ein Mensch, dem ich nur Gutes wünsche, auch wenn wir in verschiedene Richtungen blicken.

Und angesichts dessen, was er so erzählte, war ich einmal mehr dankbar für die derzeitigen Umstände meines Lebens. Explizit für die freundschaftlichen Ringe, die mich umschließen. Diese wunderbaren Menschen, die einfach DA sind. Das ist Reichtum. Da kann das Konto um die Null herumkrebsen ... aber diesen Reichtum kann mir niemand nehmen. Und auch finanziell jammere ich auf hohem Niveau. Ich leiste mir schließlich den kleinen Luxus. Gehe shoppen, geniesse gutes Essen und trinke Wein. Es ist nicht so, dass bei uns jemand Hunger litte oder das Paar Schuhe für den Winter ein Problem würde. Meine Jungs sind nicht anspruchsvoll und tragen auch no-Name-Kleidung. Und ich habe, auch wenn ich mich viel besser im Griff habe als früher, immer noch den Shopping-Virus. Ganz weggehen wird der auch nie. Aber ich will ja auch keine Reichtümer anhäufen. Nur ein bisschen gut leben. Subjektiv. Keine Riesensprünge, aber bewusst geniessend. Mich meines Lebens freuend. Das ist das Wichtigste ... das Bewusstsein, dass mein Leben GUT ist. Und das ist der Gewinn der letzten drei Jahre, so hart sie waren. Es geht mir gut. 

Die zweite Stimme aus der Vergangenheit war die Preussin, die mir eine Mail schrieb. Lustig, am Wochenende hatte ich an sie gedacht und sogar über sie geschrieben ... und jetzt meldet sie sich. Koinzidenz ... und natürlich habe ich geantwortet. 

Gerade fühlt es sich nicht an wie Urlaub. Weil alles so normal weiterläuft. Mit Terminen rechts und links. Zwei Weihnachtsfeiern diese Woche. Eine mit dem Küchenteam, eine mit einer ziemlich lebendigen Arbeitsgruppe aus dem Job-Umfeld, ein Job-Termin zum Frühstück, ein Treffen mit einer Kollegin aus der Nachbarküche. Eine Fortbildung und ein Besuch bei meiner Patin. Treffen mit der Hummel, Zahnarzt und Friseur. Weihnachtsbaum kaufen. Weihnachtsessen mit den Mädels. Feline und mein Patensohn. Klamotten kaufen mit Blue. Und dann ist schon Weihnachten. Und Silvester ... und tschüss, 2014! So schnell geht das! Hilfe, ich muss mich sputen ... sonst fängt 2015 noch ohne mich an!

Werde ich wohl die nächsten Laufrunden dazu nutzen, über Vorsätze nachzudenken ... für mich und die Menschen aus meinen Freundschaftsringen ... 

 

07.12.2014 um 15:19 Uhr

Lametta und so ...

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Oh Tannenbaum

Wo viel Licht, da auch viel Schatten. Und so ein durchschnittlicher deutscher Weihnachtsbaum ... sei es nun die piksige Edeltanne, die aus Zickigkeit um sich sticht, bis die schmückenden Helden aussehen wie nach dem Clinch mit einer Horde hungriger Straßenkater, sei es die in allen Baumärkten beworbene sanfte Grüne namens Nordmann. Sei es die eher spärlich beastete Fichte, die eigentlich nur noch Menschen mit eigenem Garten oder Waldrevier haben. Oder ihre chinesische Schwester, die ganzjährig Kugeln blüht und auf dem Speicher übersommert. Oder die Sorte, die in Hundertausenden von Häusern das Licht aufaß. Erst klein, niedlich und unscheinbar im Topf ... und nach dem weihnachtlichen Glanzmoment von 15 Minuten dann die nächsten 15 Jahre im Garten. Da isser, der Schatten. Im wörtlichen Sinne. 

Familienfeiertechnisch ist der Schatten weniger leicht zu benennen, aber ebenso präsent. Das Fest der Liebe ist eben auch das Fest der Selbstkasteiung und Überwindung, der Demut und des Faust-in-der-Tasche-Ballens. Und das fängt schon beim Geschenkeaussuchen an. "Ich brauche nichts" ist der Schlachtruf von Menschen, die es ihren Mitmenschen schwer machen wollen. "Schenk mir nichts" ist eine Einladung in die Fallgrube, in der Giftnattern namens Beleidigtsein und Co. sich wolllüstig ringeln. Das Minenfeld Advent ist tückisch. Und kurz vor dem Zieleinlauf lauern die perfidesten Fallen. Wie in jedem Jahr habe ich das Hirn auf Durchzug geschaltet und überlege mir mein eigenes Ding. In einer kleinen Papiertüte liegen bereits ein paar "auf Vorrat" gekaufte Bücher. Ich durchstöbere A-zon und gehe aufmerksam durch die Fußgängerzone. Denn nichts ist peinlicher als nichts ... wenn die lieben Eltern wieder ihren "Umschlag" überreichen.

Freunde und insbesondere Freundinnen sind unkompliziert. Familie IST kompliziert. Nicht die Söhne. Die wollen sowieso Geld. Und bekommen noch irgendetwas zum Anziehen dazu. Unglaublicherweise treffe ich bei Blue sogar den Geschmack ... V-Pulli und Mütze wurden lächelnd in den Schrank geräumt an Nikolaus. Bleiben Eltern, Schwesterschwager und Nichten. Diva und Kobold. Für die beiden muss ich suchen. Wobei mir da gerade eine Idee kommt ... wunderbar ... direkt recherchieren.

Ach ja, Patensöhne habe ich ja auch noch. Gleich zwei an der Zahl. Ich raufe mir schon mal die Haare ... alle Jahre wieder! 

To be continued! 

Und hier die Fortsetzung:

Das eine Patenkind, Felines Sohn, ist versorgt. Kurzerhand verabredete ich gemeinsames Geschenkeshoppen. Mein Wirbel ist ja ihr Patenkind. Ein gemeinsamer Nachmittag, Kino dem Nachwuchs und Tee den Mamas. Gut so. Das andere Patenkind werde ich nebst Freundin einladen zu einem Event. Mal sehen, was ich so finde.

Und: Erfolg! Wirbel mag die Jacke, die ich ihm zu Nikolaus schenkte :-) 

07.12.2014 um 09:54 Uhr

Jetzt kommt die Kür ... oder auch nicht?

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: New Year"s Day (U2)

Grundstimmung zuversichtlich, immer noch. Die Ruhe aushalten, heisst das Programm. Jedenfalls für dieses Wochenende. Die Insel der Frauen kostete mich ein Drittdate. Ich versprach, die Mutter meiner Freundin zu bespassen - kein Termin mehr für den Mann, der inzwischen aus Sehr-weit-weg zurückkam. Schade, aber nicht zu ändern.

Weihnachten  und Silvester schrecken mich weniger als in früheren Jahren. Stimmt. Aber ich weiss noch nicht, wie ich reagiere, wenn der Punkt erreicht ist. Silvester werde ich mit zwei Paaren verbringen. Sehr lieben Menschen. GlamourGirl und ihr Freund, Wandervogel und Wüstentaucherin. So nah, dass ich mich hoffentlich nicht zu sehr als fünftes Rad fühlen werde. Nur in der Minute nach dem Jahreswechsel, da muss ich auf mich aufpassen. Gut ist, dass ich selbst Herrin des Ablaufs bin. Wenn ich zu tun habe, geht es mir besser. Und so buche ich einen Tisch im Restaurant nebenan, stelle Prickelndes kalt und werde den Jahreswechsel wohl in oder vor meine eigenen vier Wände legen. Wandervogel und Wüstentaucherin übernachten sowieso hier, da macht es Sinn.

Für Heiligabend übe ich. Verbringe bewusst Zeit alleine. Diszipliniere mich, damit ich mit der Situation klarkomme. Am 26. hätte ich gerne etwas vor. Aber in diesem Jahr sind alle weg. Und in die D*chungelrangelei um freie Restplätze vor den Feiertagen mag und will ich mich nicht einreihen. Im letzten Jahr war die Preussin hier und die Professoressa. Zu beiden hatte ich nie tiefe Bindungen. Es hatte sich nur so ergeben. Und beide waren eher ... Pflegefälle. Bedeutet für mich, dass ich die Kontakte nicht aktiv betreibe. Gehört zur Wanderphase und ist vorbei. Geblieben sind Wandervogel und Wüstentaucherin und nah im Fernen die Vogelschwester und der Dichter. Und es ist gut, wie es ist. Für viele ist die Phase vorbei. Es war ein gutes Jahr, das wir miteinander verbrachten ... alle irgendwie im Umbruch ... und jetzt ist es vorbei. Der Ausrüstungsprofi und die Preussin getrennt. Der feine Mensch in einer Beziehung mit der Hundesitterin. Wandervogel und Wüstentaucherin verheiratet. Selbst Rollkommando Attika plötzlich ganz weich dank neuen Partners. Vom Funkmast habe ich nichts mehr gehört. Er war schon immer eher ein Eigenbrötler. Seit einem Jahr hat Zen die Wanderorganisation für sich besetzt. Seitdem ist es nicht mehr "meins". Zu früh am morgen, zu heftige Strecken und Leute, mit denen ich weniger "warm" bin. Ab und zu sehe ich in den Anmeldelisten alte Bekannte. Aber nicht mehr die Leute, mit denen ich ein gutes Jahr lang so viel Freude teilte.

Auch die Laufzeiten scheinen für mich vorerst vorbei.  Ich kann noch laufen. Aber es fällt mir mit höherem Gewicht schwerer als früher. Walken ist in Ordnung. Das mache ich jetzt wieder regelmäßig. Es klappt, wenn ich mich diszipliniere.

Keine Disziplin gelingt mir beim Essen. Wenn ich allein bin in diesen dunklen Wintertagen, dann esse ich aus vielen falschen Gründen. Das ist die nächste Aufgabe für mich, denn ich will nicht irgendwann mit gewichtsbedingten Krankheiten da stehen. Kein Vorsatz, nur eine Hoffnung ...

Wir schreiben den 7. Dezember. Die Bilanz wird weitergehen in den nächsten Tagen. Es wird schwere Kost. Für mich am schwersten. Weil es hart ist, sich selbst in den Spiegel zu setzen und zuzugeben, was da zu sehen und zu fühlen ist. 

06.12.2014 um 20:45 Uhr

Blauzahn bleibt Blauzahn ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: Macky Messer ... und der Haifisch ...

wie wunderbar, wieder eine Tastatur unter den Fingern zu haben. Das kleine Blauzahn-Board fühlt sich noch fremd an. Ich brauche wohl eine Art Hülle, die beides, Tablet und Keyboard, stützt und in der richtigen Position hält. Aber was für ein Luxus, wieder blind schreiben zu können!

Ein sehr ruhiger Samstag. Und in dieser Ruhe richtig für mich. Mein Schlafzimmer ist aufgeräumt und sauber. Morgen ist das Wohnzimmer dran.Und wegwerfen werde ich in diesen freien Tagen wieder üben. Mich trennen. Loslassen. In meinen Schränken sind Dinge, die ich nie benutze. Viel zu viele davon. Es wird eine reizvolle Herausforderung werden, nach Jahren des Überflusses in die Leichtigkeit zu gehen. Wenn Blue und Wirbel ausziehen ... dann wird geteilt. Eine Wohnküche und ein geräumiges Schlafzimmer, dazu ein kleines Bad. Das reicht. 

Momentan stehe ich staunend neben mir und wundere mich über meine relative innere Ruhe. So gemittelt wie jetzt war ich selten in meinem Leben. Oder eigentlich: nie. Ich will den Aktivismus nicht mehr. Dann lieber das Singlesein akzeptieren. Nicht mehr verbiegen, um richtig zu sein. Auch nicht, weil Weihnachtszeit ist. Oder gerade nicht, weil. Denn Ms. Need spielte die xmas-Karte in der Vergangenheit erbarmungslos. Leid tun mir nur die Latinas. Aber denen kann ich nicht helfen. Weil jedes Affärchen das arme Seelchen zu sehr belasten würde. Also lassen wir mal wieder die gute Frau Ratio steuern. Eine Zeitlang.

Ein ruhiges Wochenende. Keine Pläne. Ausser dem, morgen nachmittag die Mama der frisch operierten Perfektionistin über den Weihnachtsmarkt zu führen, während Töchterchen den angeschnittenen Meniskus kühlt. Wirbel kommt schon Sonntagabend heim und wir essen zusammen. Montagmittag treffe ich Zen. Wir haben gemeinsam etwas zu erledigen. Es ist in Ordnung, wie es ist. Und meine Entscheidung im Juli war richtig. 

Vier Wochen ohne Arbeit liegen vor mir. Jedenfalls ohne Küche. Arbeit ist genug. Und die gefühlte finanzielle Sicherheitszone ist auch kleiner als ich dachte, nachdem Miete abgebucht und Altkonto glatt ist. Grund genug, eine kleine Summe auf Seite zu legen, bevor sie im Laufenden verschwinden kann. Und das werde ich gleich am Montag erledigen. 

 

06.12.2014 um 10:10 Uhr

Zusammen leben (lassen)

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Our house (Madness)

Irgendwann Anfang 20 wurde mir klar, dass ich gerne in Wohnungen lebe, viel lieber als in freistehenden Immobilien. Immobilien ist eh ein Wort, das ich nicht mag, weil die Unbeweglichkeit darinsteckt. Auf meinem kurzen Ausflug in die Welt der zweifachbekinderten Rama-Familien geriet ich in Versuchung. Haus. Haus war ein Synonym fuer Freiheit. Bei mir aber nur die Freiheit vom Spielplatz. Wie ich ihn gehasst habe, diesen Sandplatz mit den paar Schaukeln und dem kleinen Karussell. Weil ich hinmusste. Und mir meine Jungs die Bude abrissen, wenn ich drinblieb. Weil Exmann immer raus wollte. Ich schwitzte und fror dort. Und plagte mich ab, nicht aufzufallen in der Muetterrunde. Einzige Gemeinsamkeit waren die Kinder in gleichem Alter. Nach der Trennung reduzierte ich die Spielplatzzeit drastisch. Und merkte, dass es eher der Gatte gewesen war, der den Spielplatzzwang ausloeste. Und dass es mich gar nicht mehr nach Haus geluestete.

Im Gegenteil. Wohnung passt zu mir. Am liebsten so, dass ich merke, nicht allein zu sein. Meine liebste Wohnung in Dorf war die, in der ich bis Anfang 2011 lebte - der Altbau voller sizilianischer Lebendigkeit. Und nun Citta. Ein Haus voller Wohnungen und voller Leben. Nachts schreit Theo immer noch gegen den Rest der Welt an. Und morgens trampeln er und seine grosse Schwester ueber mein Bett - das Kinderzimmer ist direkt da oben. Es stoert mich nicht. Gar nicht. Die verrenteten Vormieter klagten und motzten staendig. Ich freue mich. Weil gerade oben zweikinderstimmig gesungen wurde. Und gestern abend ein selbst ausgeschnittener Stern mit drei Schokofiguerchen und Nuessen vor der Tuer lag. Ich freue mich ueber Krempel im Flur, angenommene Pakete, ein kurzes Gespraech an der Haustuere ab und an und im Sommer das bunte Kinder- und Katzengewusel draussen.

Und obwohl meine Lebensplanung ganz klar sagt, dass ich mich in ca. sechs Jahren verkleinern muss, werde ich dieses Haus dann wohl auch mit einem weinenden Auge verlassen. Denn diese Wohnung  ist ein wirkliches Zuhause. Und das nicht nur fuer mich. Auch das Miteinander mit Blue und Wirbel ist so viel einfacher geworden.

Ab heute bin ich in der Weihnachtspause. Hart verdient, aufgrund einiger Termine nicht ganz stringent durchzuhalten, aber dringend noetig. Und ziemlich ausgeplant bereits. Wegen der Weihnachtsfeiern in dieser Woche und der Fortbildung plus Patentantenbesuch danach. Weil ich die Hummel noch treffen will und meine Steuer erledigen. Straffes Pensum. Aber ok. Weil es alles Dinge sind, die mir etwas bringen. Selbst finanziell entspannt sich die Lage sichtlich. Auch wegen eines unvorhergesehenen Geldsegens, der mich parallel zum Weihnachtsgeld beglueckte. Die Fortbildungskosten fuer 2015 sind damit kein Problem mehr. Und sollte die Steuer mir wohl gesonnen sein, kann ich sogar meinen Umzugskredit schneller loswerden. Umgeschuldet werden muss er eh, denn Dorfbank hatte mich nicht optimal beraten und von meiner jetzigen Bank bekomme ich - obwohl gleiche Gruppe - wohl bessere Konditionen.

Ich merke, ein Paradigmenwechsel ... frueher waere mir der Kredit egal gewesen und ich waere mit dem Extrageld in Konsumrausch geraten. Bin ich auch. Aber nur ein kleines bisschen diesmal. Besser ueberlegt. In dieser Herbstsaison kaufte ich objektiv immer noch zu viel ein. Aber mehr All time favorites als frueher. Ganz langsam kommt das Shoppen aus der Trostecke raus und ich belohne mich auch nicht mehr so oft. Es ist eine gute Perspektive, mal ein Jahr mit Plus am Monatsende zu stehen. Und noch besser waere, bis Ende 2016 den Umzug abzuzahlen und dann beginnen zu koennen, Ruecklagen zu bilden. Fuer den naechsten Schritt. Aber ... langsam anfangen. Im Moment gefaellt es mir jedenfalls gut, mal ausnahmsweise sorgenfrei zu sein.

Und maennerlos. Es waere zwar schoen, mit einem Mann ueber den Weihnachtsmarkt zu spazieren, aber den Stress des Alltags vor Weihnachten nicht teilen zu muessen, ist ein Segen. Und damit meine ich nicht meinen eigenen ... denn ich habe diesmal wirklich keinen. So schoen, mich nicht um zusaetzliche Befindlichkeiten kuemmern zu muessen. Dafuer halte ich ein bisschen Alleinsein gerne aus. Auch und gerade zu Weihnachten.

Und nun ist Nikolausrollenzeit - Mandeln kaufen und brennen ... fuer die lieben Nachbarn hier im Haus. 

 

05.12.2014 um 14:20 Uhr

Du fehlst mir

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Missing you (John Waite)

Jeden Morgen und jeden Abend ist da dieses Gefühl. Es fehlt etwas in meinem Leben. Und ich kann diesmal sogar genau sagen, was es ist: eine funktionierende Tastatur nämlich. Es ist NICHT das gleiche, auf einem Touchscreen herumzudrücken. Tasten sind anders. Erstens verwandeln sie nicht durch Hypersensibilität kreative Anwandlungen in Korea-tiefe Anzüglichkeiten und zweitens sind sie so ungleich schneller und haptischer. Ich liebe meine Tastatur und die Geschwindigkeit, mit der auf dem Bildschirm Texte entstehen. Ich tippe nicht, ich lasse die Gedanken in die Tasten fliessen. Dieses Fliessen, das hilft mir, mich zu klären und zu sortieren. Immer wieder. Ich brauche es inzwischen wie die Luft zum Atmen. OK, das war vielleicht ein bisschen übertrieben ... aber tatsächlich fühle ich mich ein bisschen unvollständig, wenn ich nicht niederschreiben kann, was mich bewegt.

 

05.12.2014 um 07:06 Uhr

Wer hat an der Uhr gedreht?

von: Spring_Roll   Kategorie: merry little xmas

Musik: Wonderful xmas time (Chicago)

Irgendwo in Nordschweden, kurz vor dem Polarkreis, soll ja angeblich der Weihnachtsmann sein Hauptquartier haben. Trillionen kleiner Wichtel produzieren und verpacken dort, glaubt man dem American Xmasdream, die Geschenke der ganzen Welt. Und riesige rotnasige Rudolfherden arbeiten im Schichtdienst vor dem Schlittenpark des Chefs.

Ein kleiner Teil der Weihnachtsmann-Entourage allerdings kommt in keiner Xmas-Schmonzette vor. Kennt ihr die Grauen Herren, die Momo und ihren Mitmenschen die Zeit abzapfen? Nun, dort oben in Nordschweden gibt es auch eine andere Art von Wichteln. Die graue Sorte. Und die sorgt alle Jahre wieder fuer die gefuehlte Zeitknappheit vor Weihnachten. Diese kleinen Biester sind es, die schmatzend unsere Freiraeume und Zeitpuffer verspeisen, waehrend wir von Weihnachtsessen zu Einkauf zu Besuch zu letzten Erledigungen zu Christbaum hetzen.

Und da bei uns sowieso das Christkind die Geschenke bringt, wuensche ich mir ... eine Stundenrose.

Wahlweise auch sieben zusaetzliche Arme, die Gabe der Bilokation und die Faehigkeit, rigoros NEIN zu sagen.  

P.S. Und ein besseres Mama-Gewissen ... vor lauter Fortbildung vergass ich doch glatt, dass morgen Nikolaus ist!!! 

01.12.2014 um 22:28 Uhr

Mit mir ...

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Allein, allein (Polarkreis 18)

Noch nicht einmal ein Monat abstinent. Freiwillig d*chungelfastend. Ich bin jetzt abends bewusst allein mit mir. Zugegeben, das kommt in der Saison nicht allzu oft vor. Heute ein langer Tag. Keine Energie mehr zum Kochen, stattdessen Pizza fuer alle. Die Jungs zeigen mir jutjube clips. Irgendwann bin ich allein. Schaue mir einen belanglosen Film an. Und warte auf den Impuls von aussen. Auf Neues. 

Eigentlich wollte ich ab Freitagabend Ferien von der Kueche machen. Noch bin ich skeptisch, ob das gelingt ... aber die Hoffnung stirbt zuletzt bekanntlich.

Ein luftleerer Raum ist dieser Dezember ... 

Oder ... ist das die "besinnliche Zeit", die Advent eigentlich sein sollte? Rueckbesinnung auf das Selbst?

Eigentlich doch etwas Gutes. Ich muss mich nur ganz und gar darauf einlassen. Loslassen. Und das ist es, was mir nach wie vor am schwersten faellt ... das bewusste Nicht-Tun. Geduld. Akzeptanz. Nicht versuchen, die Insel der Frauen zu verlassen, sondern das Schoene und Gute zu schaetzen, das mir dort begegnet. Nicht Aussen zum Anlass nehmen, Aktivismus zu entwickeln, sondern warten, ob der Impuls von innen kommt. Meine Latinas in den Winterschlaf schicken, damit das Seelchen zur Ruhe kommt.

Besinnlicher Advent ... Single Edition ... 

 

01.12.2014 um 13:59 Uhr

Erinnerungen einer Zeitreisenden

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: If I could turn back time (Cher)

Jeder Besuch in Dorf ist eine kleine Zeitreise. Nicht nur persönlich. Auch so ganz allgemein. Diesmal wählte ich den Einfallswinkel aus dem Norden kommend. Und schaute mir ganz bewusst die Häuser an der Straße an. Lauter kleine zweistöckige Monopolyeinfamilienhäuschen mit Flachdächern aus dem beginnenden Millennium. Farblich von dezentem creme über diverse Gelbtöne bis Terrakotta reichend. Aus dem Jahr 2002 datiert der Fehlschlag, dessen Gelbton nur schwerlich nicht an bakterielle Atemwegsinfektionen denken lässt. Die 50er stehen als Mehrfamilienhaus direkt nebenan. Schlichtes Grau. Zweckmäßig. Dach über dem Kopf. Schlecht isoliert und ergo feucht. Allerliebst die Einfamilien-Hexenhäuschen aus den 30ern und 50ern. Entzückend mit ihren schönen Metallgittern an den Haustüren, den Giebeldächern und individuellen Formen. Die Einfamilienhäuser der 60er protzen und klotzen. Breit, niedrig, riesige Fenster mit Blumenbänken, Natursteintreppen und riesige Gärten. So was hat mein Onkel. Ist schön. Auch innen. Die 70er warten mit Bungalows auf. Mittlerweile eher heruntergekommen. Je näher ich dem Dorfkern komme, desto mehr 80er sehe ich. Backstein. Rot. Dunkel und trutzig. Zweckmäßig. Der andere Backstein daneben. Der schöne aus dem 19. Jahrhundert. Und die Gründerzeithäuschen mit dem Stuck an der Fassade. Hier lebten früher die Wohlhabenderen. Zwischen Monopoly und 50er dann die 90er mit Wucht. Erker dich glücklich, war die Devise. Potthässlich das Ergebnis zumeist. Wohnzimmer gefliest mit Erker - der Renner damals. Und mich schüttelt es, wenn ich dran denke. Immer näher komme ich der Dorfmitte. Hier fachwerkt es. Das 19., 18. und sogar vereinzelt 17. Jahrhundert grüsst. Verwinkelt, urig und gemütlich. Häuser zum Leben.

Eingeladen bin ich in den 90ern. Es erkert. Und auf dem Weg komme ich an meiner alten Wohnung vorbei. Gründerzeit. Gemütlich sieht es aus von außen. Aber ... es zieht nichts in mir. Keine Wehmut. Kein Bedauern. Sondern ein Glücksgefühl, als ich in Città wieder aus der Bahn steige und durch meine 50er Siedlung nach Hause gehe.

Ganz nebenbei brachte mich der Besuch in Dorf auch weihnachtsdekotechnisch wieder auf den neuesten Stand - Kugeln. Christbaumkugel. Groß wie Petzi-Bälle. Die sind "in" heuer ...

Für mein Update in Sachen Gebäck sorgte gestern nicht nur die Gastgeberin mit "Cupcakes" sondern vor allem heute morgen Jenny-in-the-Box mit ihren selbstgebackenen Vierlagenkeksen. Saulecker, hochkalorisch und einfach nur ein Genuss! Lebkuchenteig, dann zwei Lagen Kokos-Kondensmilch und zum Schluss eine Schokotrüffelmasse ... seufz ...

 

01.12.2014 um 07:52 Uhr

Call me Siri!

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Mr. Roboto (Styx)

Test. Und Irrtum. Ein Mikrofonsymbol am Tablet laesst mich hoffen. Doch nach drei diktierten Saetzen fuehle ich mich wie in der Telefonschleife des rosa Riesen ... naemlich furchtbar. Ich muss sprechen wie ein Computer, um verstanden zu werden. So abgehackt, laut und unnatuerlich wie eine Bandansage in der U-Bahn. Der Effekt setzt sofort ein. Frust und Wut. Doch im Unterschied zum rosa Riesen kann ich hier frei entscheiden. Kein Computersprech. Dann lieber Verzicht auf Umlaute und aehnlichen Komfort. Langsam gewoehne ich mich sogar an das Fehlen von Tasten. Alles bisschen langsamer, alles bisschen beschwerlicher, aber machbar. Sprechen waere anstrengender.

Gestern eine Unterhaltung beim Adventskaffee. Eine Bekannte der Gastgeberin hat diese ein wenig selbstgefaellige Aura der Vor-Internet-Generation. Se versteht nicht, wie ein Mensch nach einem Arbeitstag noch zuhause einen PC oder gar ein Tablet brauchen kann. Erst als ich erzaehle, dass das meine Kommunikation mit mir selbst ist und auch die mit vielen anderen nahen Menschen, wird mir die Wahrheit bewusst, die darin steckt. Aus meinem Leben ist das Netz seit etwa 2002 nicht mehr wegzudenken. Nicht, weil ich es braeuchte, um Sozialkontakte im Leben zu ersetzen oder mir Scheinwelten zu schaffen. Sondern zusaetzlich. Nicht stattdessen. Als Instrument der Zeitverschiebung. Ich kommuniziere mehr und mit mehr Menschen seit Internet. Regelmaessiger. Intensiver. Weil ich mir den Zeitpunkt waehlen kann. So, wie ich frueher Filme aufnahm, nutze ich heute die Mediatheken der Sender, die ich mit meiner Abgabe mitfinanziere. Waehrend ich mir frueher Gedanken darueber machte, ob 22 h zu spaet war, jemanden anzurufen, schicke ich heute, wenn mir nach Mitternacht ein naher Mensch nicht aus dem Sinn geht, eine kurze Nachricht. Die weckt diesen Menschen nicht ... aber die Gedanken gehen nicht verloren und die Botschaft kommt an. Sofort, wenn das Gegenueber noch wach und auf Empfang ist. und sonst halt etwas spaeter. Das Gefuehl des im Leben des Anderen zu sein. Das ist es, was mir Internet leichter macht. Zusaetzlich zum realen Leben, nicht statt. Es sind Menschen, nicht Aliasse, mit denen ich korrespondiere. Und deshalb werde ich mir wohl ein Laptop zulegen wieder. Weil mir dieses Instrument der Kommunikation sonst fehlen wuerde. Und den Menschen auf der anderen Seite auch.

Am meisten jedoch fehlt mir das Fliessen meines Dialogs mit mir selbst. Die Gedanken sind zu schnell fuer die Traegheit des Touchscreens.

Ob mir der D*chungel auf die Dauer als Verlust erscheinen wird, vermag ich noch nicht zu sagen. Momentan jedenfalls ist die Pause richtig.