Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

07.01.2015 um 12:35 Uhr

Leinen los!

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: I am sailing (Rod Stewart)

Das neue Jahr ist noch keine Woche alt. Und irgendwie fühlt es sich sehr fremd und unwirklich an. Ich treibe durch die Tage und es gelingt mir nicht, Anker zu werfen in diesem 2015. Da ist gerade zu wenig, das mich erdet. Alles fühlt sich irgendwie nach Aufbruch an. Nach Flucht sogar. Ich weiß bloss nicht wovor und wohin. In meinen wilden Nachtträumen sind es Hunnenhorden. Keine Ahnung warum.

Tagsüber fühle ich mich verloren. In der Suche hatte ich mich verankert. Das war mein Fixpunkt ... die Suche nach Mr. Fast-Richtig. Diesen Fixpunkt habe ich jetzt nicht mehr. Aber nichts, was ihn ersetzt. Das Ziel Liebe war mein Anker im Leben in den letzten elf Jahren. Und egal, ob ich gerade um die Liebe zu einem bestimmten Menschen kämpfte oder um mein eigenes Überleben. Ob ich in einer Beziehung war oder danach suchte - nie stellte ich meine Mission infrage: die Liebe zu finden. Den EINEN, den für das bedingungslose JA. Und wie so viele ungeliebte Töchter hoffte ich darauf, dass diese Liebe alles verändern würde.

Im letzten Jahr habe ich begonnen, mich von diesem Traum und damit auch von der Suche zu lösen. Das fällt verdammt schwer. Eigentlich war ich fast sicher, dass ich zu den Feiertagen wieder schwach werden würde. Doch ich war stark genug, die Leere auszuhalten und mich der Sinnlosigkeit zu stellen. Die Suche war mein Sinn ... seit zehn Jahren. Und sie hat mir auch einiges gegeben. Freunde wie die Hummel und den Weißwäscher zum Beispiel. Aber sie hat mir auch viel genommen - vor allem mein Vertrauen in mich selbst und meine Liebenswürdigkeit ... im wörtlichen Sinne.

Im November zog ich die Notbremse. Woanders etwas später. Und ich begann, lauter Dinge für mich zu tun, die ich bisher alleine nicht wagte. Wie Steuererklärungen. Unangenehme, aber nötige Dinge. Dinge, die dazugehören, wenn ich akzeptiere, dass ich langfristig allein für alle meine Lebensbereiche zuständig bin und niemand mir etwas abnehmen wird. Ich sortiere meine Unterlagen, will mein Leben sortieren.

Auch in einem anderen Bereich kam die Suche zum Erliegen. Einkaufen macht keine Lust mehr. Ich muss nicht mehr nach dem perfekten Teil suchen, weil ich nicht mehr daran glaube, dass es mich verwandeln kann. Verwandeln kann nur ich mich. Und das auch nur auf die unangenehme, aber nötige Art. Heißt Verzicht auf Süßes und Kalorisches, heißt Mengenreduktion. Und natürlich viel Sport. Der ist im Grunde angenehm, wenn ich einmal wieder in der Routine ankomme. Am letzten Samstag war ich in Nachbargroßstadt mit Blue. Wir mussten ihn einkleiden. Auch ich habe geschaut. Aber nichts gekauft. Und das ist ungewöhnlich für mich. Irgendetwas finde ich immer, auch wenn ich eigentlich glaube, nichts zu suchen. Zuhause sind die Schränke überfüllt. Zeit, das zu ändern. Und auch Zeit, mich von Dingen zu trennen. Wieder einmal.

Ich suche nach dem Puzzlestück, das das Loch in meiner Seele schließt. Ist es ein Mann? Der, der mir seit 11 Jahren nicht begegnet? Oder kann Konsum oder Essen es füllen? Das Loch in der Seele ist ein tiefer Krater.

Vielleicht sollte ich einfach lernen, mit der Kraterlandschaft zu leben ...

 


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