Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

28.12.2014 um 22:57 Uhr

Wut und Ohnmacht im Doppelpack

von: Spring_Roll   Kategorie: Stress und Konsorten

Musik: Money for nothing (Dire Straits)

Ich schliesse mich einstimmig dem heutigen Blogigo Haul (NICHT!) an. Ausserdem auch dem Selbstlob Haul. Ebenso NICHT. Denn während ein IT Schlaumeier es schaffte, nicht nur diese Plattform zwei Tage lahmzulegen, sondern auch noch meine gesamte Seelensortiererei aus Dezember zu löschen, schaffte ich es, mit einem gezielten Fehlklick die Arbeit eines Nachmittags wiederholungswürdig zu gestalten. Denn fünf Minuten vor Ausdruck der Steuererklärung 2012 betrat Blue die Wohnung und polterte und sich umzog und ohn Unterlass redete. Ich druckte aus ... und beim entscheidenden "Möchten Sie speichern" versagte mein Hirn und mein Zeigefinger. Ich brauche eine Palme zum Kopfdagegendengeln ... und zwar pronto! Denn damit ich 2013 bearbeiten kann, muss ich die Daten - Sie ahnen schon woher? - übernehmen ... klar, aus 2012!

Die Blogigo Panne ärgert mich anders, aber nicht weniger. Die vielen, vielen Einträge werde ich nicht rekonstruieren können. Die sind unwiderruflich verloren, falls das IT-Genie nicht noch ein Backup aus der Montagmorgentasche ziehen sollte (was willkommen wäre).

Was ist nicht alles passiert in diesem Dezember? Was habe ich erlebt, gelernt, erfahren, konfrontiert und ausgehalten ... Weihnachten inklusive. Versuchen wir es mit der Nußschale, in die letztlich jedwede lange Geschichte verpackt werden kann im Klappentext des Lebens.

Mein Dezember war ...

... die Entscheidung, den D*chungel erst mal links oder rechts, jedenfalls fern liegen zu lassen
... jede Menge Weihnachtsfeiern .... indisch, afghanisch und bunt gemischt mit den Mädels
... Glühwein in allen Mengen und Varianten
... eine spannende Fortbildung und ein Besuch in Patentantenstadt mit viel Essen und viel Weißbier und interessanten Bahn-Erlebnissen
... die Erkenntnis, dass man niemals so ganz (aus der Küche) geht
... Freude über die Lizenz zum weihnachtlichen Kitschen und entspannte Weihnachtsvorbereitungen
... Schiss vor Heiligabend alleine und demzufolge generalstabsmässige Selbstüberlistung
... die Legalisierung eines illegalen Einwanderers .. .er hat dank Onlineportal jetzt endlich eine Hundemarke!
... Heiligmorgen mit dem MünchnerKindl und vielen, vielen Krustentieren (und viel, viel Wein), gefolgt von Kaffee bei meinen Eltern

... was im Resultat dafür sorgte, dass ich Heiligabend meinen Verstand mit Nonnenfilmchen sedierte und die Latinas in Winterschlaf schickte
... Selbstzerfleischung am Flussufer auf dem Weg zum Familienweihnachten, das bei uns SchwesterSchwager "machen"
... der Vorsatz, im nächsten Jahr einfach alleine in die Oper zu gehen, statt auch am ersten Feiertag ... Nonnenfilmchen! zu sehen
... die Umwidmung des 2. Feiertags zu steuerlichen Zwecken

und die Erkenntnis, dass ich einfach anders möchte als meine Familie. Die ist alt, die Erkenntnis. Und die wird sich auch nicht ändern. Aber mein Umgang damit. Gestern abend saß ich mit Lady Liberty in einer brasilianischen Bar und trank Cocktails. Beim dritten Cocktail und einer Band planten wir eine Weihnachtsparty für das nächste Jahr. Oder genauer: eine Adventsparty, die dann zu einem gemeinsamen Dinner an Weihnachten führen soll. Party= grösserer Kreis. Und die sympathischsten Menschen bekochen wir dann gemeinsam. Liberty ist ein beruflicher Zugewinn. Über unsere Küchen kennen wir uns schon lange. Aber inzwischen könnte es eine Freundschaft werden. Bis halb zwei haben wir getanzt ... schön war's. So schön, dass ich heute mittag Lust bekam, mein persönliches Weihnachten nachzuholen. Nach einem wunderbaren Spaziergang am leicht eingeschneiten Fluss in strahlendem Sonnenschein kochte ich MEIN Weihnachtsessen ... Ente mit Orangensauce, Rotkohl und ... nein, keine Spätzle ... sondern Süsskartoffeln. Lecker. Und genug für zwei Mahlzeiten.  

Die Nussschale ist bar jeder seelischen Gärung. Die Maische ist dank des IT Genies abgegossen. Schade, denn gerade aus der Maische lerne ich immer wieder. Gerade, was den Umgang mit meiner persönlichen Nemesis, Ms. Need, und ihren giftigen Einträufelungen anbelangt. Wie schon geschrieben und leider im IT-Nirvana ... mein Ideal von Weihnachten ist anders, ganz anders. Das, was ich habe, ist nicht das, was ich wünsche. Aber ich würde eben nicht ALLES dafür geben. Und so habe ich mich in diesem Jahr ganz bewusst meinem Dämon Weihnachten gestellt. Mehrfach sogar. Das war meine persönliche Mutprobe vor dem 50. Ich weiß jetzt, dass ich es kann, wenn ich es muss. Dass ich nicht zur Weihnachtsharpyie werden muss, wenn ich älter werde. Und allein bleibe, was wahrscheinlich ist, wenn ich das Suchen aufgebe.

Heute hätte ich ein Date gehabt ... übrig gebliebener oberflächlicher Kontakt aus dem D*chungel. Oberflächlich allerdings auch der Mann. Irgendwie fühlte ich mich beim Telefonieren gecastet vor einigen Wochen. Danach kaum Kontakt, noch nicht mal Weihnachtswünsche, nur eine Terminvorschlagerei in Halbsätzen. Meine Mails hatten Anreden und Unterschriften, seine nicht. Mit Mühen und Pausen kam ein Termin für heute zustande - Kaffee um 15 h. Das war vor Weihnachten. Gestern eine Mail - ruf mich mal an. Nix Anrede, kein Schmu. Ich telefonierte kurz und fühlte mich wieder wie beim ... nö, das war noch nicht mal Casting, das war eher die Terminvergabe in einer Arztpraxis. Machen wir doch mal einen kurzen Termin zum Nachschauen und wenn der Zahn gebohrt werden muss, kommen Sie dann wieder, gelle? Ich sagte ihm zu, mich bezüglich des endgültigen Termins heute morgen zu melden. Tat ich auch. Allerdings mit einer freundlich-höflichen Absage. Wieder mit Anrede, wieder mit Unterschrift und Grussformel. Von ihm kam ein sehr freundliches "na toll", gefolgt von einem ebenso überschwänglichen "wusste ich doch, dass du kneifst". Klar kneife ich, denn meine Zeit ist mir zu schade für Menschen, die sich gar nicht wirklich für mich interessieren. So laut kann nicht mal Ms. Need brüllen, dass sie mein Bauchgrummeln übertönt! 

Mein zweiter Dämon zuckt noch ... die Steuer. 2011 ist geschafft, 2012 so gut wie, 2013 wartet noch und 2014 werde ich gleich im Januar machen, damit es weg ist. Bin ich doch eigentlich  eine Formularphobikerin. Doch der Erfolg der letzten beiden Tage zeigt: diesen Dämon werde ich irgendwie kleinkriegen. Selbst ist die Frau. Und das abgesagte Date kam - zwar in Form vergeblicher Arbeit - aber immerhin ... der Steuer zugute. Und bis zum Ende meiner freien Tage sind auch die Papiere in meinen Aktenordnern endlich mal so sortiert, wie ich sie brauche.

Mein dritter Dämon heißt Silvester. Oder genauer gesagt: Silvester mit nahen Menschen, die als doppeltes Paar auftreten, zu feiern, ohne mich von Ms. Need kleinkriegen zu lassen. Stattdessen ganz bewusst die Nähe lieber Menschen geniessen. Doch vor Mitternacht, wenn Paare sich in die Arme fallen, habe ich Angst. Es ist am meisten die innige Umarmung, die mir fehlt. Und die sich auch nicht durch ihre freundschaftliche Schwester ersetzen lässt ... obwohl ich mich morgen sehr auf BesteFreundin freue. 

Irgendwann in meiner Jugend bei den Galliern sagte mir ein selbsternannter Handleser "tu ne sera jamais heureuse". Und meine Mutter bezeichnete mich stets als zu egoistisch für eine Partnerschaft. Leider haben beide ein bisschen recht behalten. Der Handleser, weil ich in meinen Liebesgeschichten immer wieder vor die Wand renne und doch so sehr nach dem Glück suche. Meine Mutter, weil ich gottlob egoistisch genug war, nicht bei dem Mann zu bleiben, der ihr idealer Schwiegersohn ist und mir die Luft zum Atmen nahm.

Bin ich nicht glücklich, weil diese Prophezeiungen sich erfüllen? Oder erfüllen sie sich etwa nur, weil ich so viel tue und mache, damit sie es nicht tun? Ganz in mir ruhend loslassend ... das werde ich nie werden. Ich kriege mein Stück vom Glück - auf die eine oder auf die andere Art. Vielleicht definiere ich es einfach neu, das Glück.

Noch drei Tage bis zum Jahreswechsel. Noch acht Monate und sechs Tage bis zu meinem 50. Geburtstag. Das verlockt dazu, Bilanzen zu öffnen. Striche zu ziehen und neue Ziele zu stecken. Über mein Ziel im Jahr meines 50. Geburtstags werde ich noch eine oder zwei Nächte schlafen. Und mich fragen, ob es EIN Ziel gibt, ob es überhaupt Ziele gibt und was meine B-Pläne sind. Denn eines ist sicher wie das Amen in der Kirche: Herr Lennon wird auch 2015 in meinem Leben sein! 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. indalo schreibt am 31.12.2014 um 16:15 Uhr:Warum sind uns Daten so wichtig? Merken wir nicht auch so oft genug, dass wir altern? Weniger schaffen und trotzdem nicht weniger wollen?
  2. Spring_Roll schreibt am 01.01.2015 um 21:22 Uhr:Liebe Indalo, du legst den Finger auf den wunden Punkt. Fuer mich sind Lebensdaten Zeichen nicht deys koerperlichen Verfalls, sondern Markierungsschilder, meine Lebenszeit anders und hoffentlich besser zu nutzen. Und Tage wie Silvester animieren zur Erkenntnis des eigenen Versagens.
    Ein gutes 2015 fuer dich!
  3. indalo schreibt am 01.01.2015 um 22:29 Uhr:Super und jeder möchte sein Versagen vor Augen geführt bekommen. Das gefällt mir nicht. Wir haben doch schon so viel geschafft, wieso kann man sich nicht auf das Gute konzentrieren.

    Ich wünsche dir ein Jahr ohne Erkenntnis des eigenen Versagens
  4. Spring_Roll schreibt am 02.01.2015 um 09:54 Uhr:Liebe Indalo,
    Danke fuer deine Wuensche. Aber meine Sicht ist anders: ich moechte noch so viel in diesem Leben ... und Sattheit und Selbstzufriedenheit verleitet mich dazu, in Mittelmaessigkeit auf dem Sofa zu sitzen und mich nicht weiter zu entwickeln. Also ist es manchmal ganz gut, Versagen zu erkennen und es als Ansporn zu nehmen, neue Weichen zu stellen. Wuerde ich nicht langsam eingestehen, dass mein Liebesleben ein Flop ist, wuerde ich unendlich viel Energie auch weiterhin dafuer verschwenden, nach Mr. Fast-Richtig zu suchen ... diese Energie verwende ich jetzt darauf, mein Leben ohne Mann besser zu gestalten. Wuerde ich nicht verstanden haben, dass ich in der Kueche gut sein kann, aber niemals gut verdienen werde, wuerde ich nie begonnen haben, an einem zweiten Standbein zu arbeiten.
    Versagen eingestehen, entmutigen lassen und sich in Selbstmitleid suhlen ist der falsche Weg, zumal er zur selbsterfuellenden Prophezeiung werden kann. Versagen eingestehen und dann das Leben neu zu denken ... kann eine Chance sein.
  5. indalo schreibt am 02.01.2015 um 12:48 Uhr:Ja, es kann. Aber ich habe es anders verstanden. Denn zu erkennen, dass man andere Wege einschlagen sollte und womöglich auch will, ist für mich kein Versagen. Man sollte nicht blind in eine Richtung gehen, man sollte darüber nachdenken, was man ändern kann und eben will. Aber dabei sollte man nicht den Blick dafür verlieren, was bisher gut gelaufen ist.

    Statt Leben ohne Mann, was für viele als Leben ohne Liebe gesehen wird, sollte man mit der Liebe zu sich selbst leben. Sich auf sich konzentrieren, und falls einem jemand begegnen, der damit umgehen kann, nur zu. Sich selbst genügen, das ist es wohl. Und das ist kein Versagen, das ist die Weisheit zu erkennen, das jeder für sein eigenes Glück zuständig ist, nicht irgendein Mann.

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