Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

07.01.2015 um 12:35 Uhr

Leinen los!

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: I am sailing (Rod Stewart)

Das neue Jahr ist noch keine Woche alt. Und irgendwie fühlt es sich sehr fremd und unwirklich an. Ich treibe durch die Tage und es gelingt mir nicht, Anker zu werfen in diesem 2015. Da ist gerade zu wenig, das mich erdet. Alles fühlt sich irgendwie nach Aufbruch an. Nach Flucht sogar. Ich weiß bloss nicht wovor und wohin. In meinen wilden Nachtträumen sind es Hunnenhorden. Keine Ahnung warum.

Tagsüber fühle ich mich verloren. In der Suche hatte ich mich verankert. Das war mein Fixpunkt ... die Suche nach Mr. Fast-Richtig. Diesen Fixpunkt habe ich jetzt nicht mehr. Aber nichts, was ihn ersetzt. Das Ziel Liebe war mein Anker im Leben in den letzten elf Jahren. Und egal, ob ich gerade um die Liebe zu einem bestimmten Menschen kämpfte oder um mein eigenes Überleben. Ob ich in einer Beziehung war oder danach suchte - nie stellte ich meine Mission infrage: die Liebe zu finden. Den EINEN, den für das bedingungslose JA. Und wie so viele ungeliebte Töchter hoffte ich darauf, dass diese Liebe alles verändern würde.

Im letzten Jahr habe ich begonnen, mich von diesem Traum und damit auch von der Suche zu lösen. Das fällt verdammt schwer. Eigentlich war ich fast sicher, dass ich zu den Feiertagen wieder schwach werden würde. Doch ich war stark genug, die Leere auszuhalten und mich der Sinnlosigkeit zu stellen. Die Suche war mein Sinn ... seit zehn Jahren. Und sie hat mir auch einiges gegeben. Freunde wie die Hummel und den Weißwäscher zum Beispiel. Aber sie hat mir auch viel genommen - vor allem mein Vertrauen in mich selbst und meine Liebenswürdigkeit ... im wörtlichen Sinne.

Im November zog ich die Notbremse. Woanders etwas später. Und ich begann, lauter Dinge für mich zu tun, die ich bisher alleine nicht wagte. Wie Steuererklärungen. Unangenehme, aber nötige Dinge. Dinge, die dazugehören, wenn ich akzeptiere, dass ich langfristig allein für alle meine Lebensbereiche zuständig bin und niemand mir etwas abnehmen wird. Ich sortiere meine Unterlagen, will mein Leben sortieren.

Auch in einem anderen Bereich kam die Suche zum Erliegen. Einkaufen macht keine Lust mehr. Ich muss nicht mehr nach dem perfekten Teil suchen, weil ich nicht mehr daran glaube, dass es mich verwandeln kann. Verwandeln kann nur ich mich. Und das auch nur auf die unangenehme, aber nötige Art. Heißt Verzicht auf Süßes und Kalorisches, heißt Mengenreduktion. Und natürlich viel Sport. Der ist im Grunde angenehm, wenn ich einmal wieder in der Routine ankomme. Am letzten Samstag war ich in Nachbargroßstadt mit Blue. Wir mussten ihn einkleiden. Auch ich habe geschaut. Aber nichts gekauft. Und das ist ungewöhnlich für mich. Irgendetwas finde ich immer, auch wenn ich eigentlich glaube, nichts zu suchen. Zuhause sind die Schränke überfüllt. Zeit, das zu ändern. Und auch Zeit, mich von Dingen zu trennen. Wieder einmal.

Ich suche nach dem Puzzlestück, das das Loch in meiner Seele schließt. Ist es ein Mann? Der, der mir seit 11 Jahren nicht begegnet? Oder kann Konsum oder Essen es füllen? Das Loch in der Seele ist ein tiefer Krater.

Vielleicht sollte ich einfach lernen, mit der Kraterlandschaft zu leben ...

 

08.12.2014 um 20:28 Uhr

Stimmen aus der Vergangenheit

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Don't you ... (Simple MInds)

Ein Treffen mit Zen. Es ist ziemlich genau vier Monate her, seit wir uns trennten. Genauer: seit ich mich von ihm trennte. Wir hatten noch eine gemeinsame Angelegenheit zu regeln. 

Also trafen wir uns bereits vor drei Wochen einmal, um alles erforderliche in die Wege zu leiten. Und heute wieder, um die Sache abzuschließen und mit einem Glas Wein darauf anzustoßen. Es war ein angenehmes Treffen. Ein gutes Gespräch. Wir können wieder miteinander umgehen. Eine gute Freundschaft wird es nicht werden, dazu sind wir zu verschieden. Vielleicht gehen wir mal wieder miteinander wandern. Aber auf jeden Fall ist Zen ein Mensch, dem ich nur Gutes wünsche, auch wenn wir in verschiedene Richtungen blicken.

Und angesichts dessen, was er so erzählte, war ich einmal mehr dankbar für die derzeitigen Umstände meines Lebens. Explizit für die freundschaftlichen Ringe, die mich umschließen. Diese wunderbaren Menschen, die einfach DA sind. Das ist Reichtum. Da kann das Konto um die Null herumkrebsen ... aber diesen Reichtum kann mir niemand nehmen. Und auch finanziell jammere ich auf hohem Niveau. Ich leiste mir schließlich den kleinen Luxus. Gehe shoppen, geniesse gutes Essen und trinke Wein. Es ist nicht so, dass bei uns jemand Hunger litte oder das Paar Schuhe für den Winter ein Problem würde. Meine Jungs sind nicht anspruchsvoll und tragen auch no-Name-Kleidung. Und ich habe, auch wenn ich mich viel besser im Griff habe als früher, immer noch den Shopping-Virus. Ganz weggehen wird der auch nie. Aber ich will ja auch keine Reichtümer anhäufen. Nur ein bisschen gut leben. Subjektiv. Keine Riesensprünge, aber bewusst geniessend. Mich meines Lebens freuend. Das ist das Wichtigste ... das Bewusstsein, dass mein Leben GUT ist. Und das ist der Gewinn der letzten drei Jahre, so hart sie waren. Es geht mir gut. 

Die zweite Stimme aus der Vergangenheit war die Preussin, die mir eine Mail schrieb. Lustig, am Wochenende hatte ich an sie gedacht und sogar über sie geschrieben ... und jetzt meldet sie sich. Koinzidenz ... und natürlich habe ich geantwortet. 

Gerade fühlt es sich nicht an wie Urlaub. Weil alles so normal weiterläuft. Mit Terminen rechts und links. Zwei Weihnachtsfeiern diese Woche. Eine mit dem Küchenteam, eine mit einer ziemlich lebendigen Arbeitsgruppe aus dem Job-Umfeld, ein Job-Termin zum Frühstück, ein Treffen mit einer Kollegin aus der Nachbarküche. Eine Fortbildung und ein Besuch bei meiner Patin. Treffen mit der Hummel, Zahnarzt und Friseur. Weihnachtsbaum kaufen. Weihnachtsessen mit den Mädels. Feline und mein Patensohn. Klamotten kaufen mit Blue. Und dann ist schon Weihnachten. Und Silvester ... und tschüss, 2014! So schnell geht das! Hilfe, ich muss mich sputen ... sonst fängt 2015 noch ohne mich an!

Werde ich wohl die nächsten Laufrunden dazu nutzen, über Vorsätze nachzudenken ... für mich und die Menschen aus meinen Freundschaftsringen ... 

 

05.12.2014 um 14:20 Uhr

Du fehlst mir

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Missing you (John Waite)

Jeden Morgen und jeden Abend ist da dieses Gefühl. Es fehlt etwas in meinem Leben. Und ich kann diesmal sogar genau sagen, was es ist: eine funktionierende Tastatur nämlich. Es ist NICHT das gleiche, auf einem Touchscreen herumzudrücken. Tasten sind anders. Erstens verwandeln sie nicht durch Hypersensibilität kreative Anwandlungen in Korea-tiefe Anzüglichkeiten und zweitens sind sie so ungleich schneller und haptischer. Ich liebe meine Tastatur und die Geschwindigkeit, mit der auf dem Bildschirm Texte entstehen. Ich tippe nicht, ich lasse die Gedanken in die Tasten fliessen. Dieses Fliessen, das hilft mir, mich zu klären und zu sortieren. Immer wieder. Ich brauche es inzwischen wie die Luft zum Atmen. OK, das war vielleicht ein bisschen übertrieben ... aber tatsächlich fühle ich mich ein bisschen unvollständig, wenn ich nicht niederschreiben kann, was mich bewegt.

 

22.10.2014 um 22:53 Uhr

Statusgedanken?

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: High Society (Filmmusik "Die oberen Zehntausend")

Könnte mir mal bitte jemand diesen Magneten entfernen? Ja, den hier ... hinter meiner Stirn. Oh, danke, tut gut ... endlich keine Männer im Umbruch mehr!

Es ist wie verhext. Da können Männer jahrzehntelang auf gerader, breiter Spur laufen. Erfolgreich sein und glücklich und materiell sorgenfrei. Doch sobald sich abzeichnet, dass sie demnächst meinen Weg kreuzen werden, fahren sie mal eben kurz vor die Wand. Crashen ihr Leben und landen vorzugsweise in einer Umschulung zum ... sagen wir mal: kaufmännischen Angestellten, die ihnen nicht wirklich Erfolge verspricht. Wenn ich sie dann treffe, sind sie entweder auf verzweifelter Jobsuche, arbeiten Zeit oder haben irgendeinen Hiwi-Job. Jedenfalls sind sie nicht mehr die Macher, die sie vorher waren, sondern Zauderer par excellence. Mehrfach erlebt. Und nicht wirklich klargekommen damit.

Früher hätte ich Statusdenken von mir gewiesen. Schließlich ist frau ja politisch korrekt! In der LIebe bin ich's aber wohl leider nicht. Denn ich möchte meinen Liebsten bewundern, für das, was er ist, tut, macht, erreicht, leistet und darstellt. Und ich möchte ihn auch (Achtung: OBERFLÄCHLICH) anderen vorstellen können und dabei so richtig stolz auf ihn sein. Mein Freund der ... hier könnte Professor ebenso wie Möbeltischler stehen. Aber mein Freund, der Nachtwächter oder Bürobote ... das ist für mich ziemlich schwer zu verkraften. Da schäme ich mich jetzt gerade ein bisschen dafür, dass ich mich bei dieser Vorstellung schäme. 

Aber wenn mir der neueste Mann im Umbruch unter den Bericht seiner diversen Frontalcrashs schreibt, dass schon mehrere Frauen dankend abgelehnt hätten angesichts seiner Lebensgeschichte und -umstände ... dann bin ich ja offensichtlich nicht allein mit meinem komischen Bauchgefühl. Es sei noch zu erwähnen, dass besagter Mann und ich bislang nur einige Mails tauschten. Weder kenne ich ihn also wirklich noch wurden bei ihm oder mir Gefühle entwickelt. Also noch rechtzeitig, um zu bremsen. Was ich nach einiger Überlegung dann auch tat. Weil ich ihn nicht als Versuchskaninchen benutzen will, sondern lieber erst einmal im Dialog mit mir selbst herausfinden will, was dieses Bauchgefühl da nun verursacht hat!

Wobei ich nochmals betone, dass es nicht der materielle Status ist, der mir etwas bedeutet. Sondern ... irgendwie der Grad der Eigenständigkeit im Arbeiten. Also eher ein brotloser Künstler als ein subalterner Hiwi. Auch wenn beide dasselbe Geld (nicht) verdienen.

Ist das nur für mich wichtig? Oder ... nur für Frauen?

Ich grüble ... 

 

 

21.10.2014 um 09:12 Uhr

Die Angst vor Mittelmäßigkeit

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Complicated (Avril Lavigne)

Am Ende des Tunnels fühlt es sich leer an. Haltlos. 

Waren die vielen Kontakte der letzten Woche echt? Oder nur eine Halluzination? Die vielen Männer, die mir interessiert schrieben ... geblieben ist keiner von denen, die mich hätten interessieren können. Geblieben nur die, die ein Leben haben wie das, dem ich Zeit meines Lebens entfliehe. Ländlich, bescheiden, beschaulich, bodenständig ... ohne die Neugierde, was hinter dem Horizont sein könnte. Ohne den Drang, zu entdecken. Die Art von Leben, die mir die Luft abschnürt. DIESE Männer wollen mich. Aber warum?

Und die anderen? Wollen andere Frauen. Nicht mich.

Ich habe Angst davor, eines Tages einzuknicken und nachzugeben. Dann, wenn die Bedürftigkeit zu groß wird. Mich auf einen Mann und ein Leben einzulassen, das nicht meins ist.

Aber ist Alleinebleiben "meins"? Bin ich stark genug dafür? Schaffe ich es, körperliche Bedürfnisse von Liebe abzukoppeln ... mir die einen zu erfüllen und auf die andere zu verzichten?

Oder heisst Liebe wirklich nur das, was sie für mich bisher bedeutete ... ob erfüllt oder unerfüllt ... Kampf und Leiden? Muss ich mich an den Gedanken gewöhnen, dass ich so, wie ich bin und fühle, niemals auf die "richtige" Art geliebt werde? Dass jeder Mann, der mich liebt, mich verändern und zerbrechen will? So wie der erste nach meinem Ehemann, so wie der, gegen den ich noch zwei Jahre später innerlich kämpfte? Oder dass er die Liebe einfach wegwirft, wie es jener Mann tat, der einen Sommer lang mein "ALLES" war?

Brauche ich die Suche noch? Dient sie einem Zweck? Tut mir das Ego-Boosting neuer Kontakte gut? Oder ist es damit wie mit Götterspeise ... nach dem zehnten Bissen kommt der Überdruss ...

Kann ich loslassen? Noch nicht. Noch glaube ich daran, dass etwas passiert. Dass da irgendwann ein Mann ist, der mich "erkennt". Und mit dem ich ganz ich sein kann ... mich nicht verliere. Der Countdown läuft. Keine elf Monate mehr bis zur großen Fünf Null. Wieder ein runder Geburtstag, der mir Angst macht. Der 30. ... Torschlusspanik auf der Hochzeit meines Cousins. Der 40. ... frisch verlassen von der Liebe eines Sommers. Der 50. ... ach, ich würde so gerne 50 in einer liebenden Umarmung. 

Aber nicht, wenn der Preis dafür ist, klein zu werden und klein zu leben ...  

 

19.10.2014 um 08:28 Uhr

Jahresmotten

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Let's dance (David Bowie)

Der Herbst ist meine Zeit des Nachdenkens und Reflektierens, der Neuverortung und des Aufbruchs. Schon immer. Mein Leben vollzieht sich wie es scheint in Schuljahren oder Semestern. Nicht im Januar beginnt Neues, sondern im Herbst. Im Herbst ging ich ins Ausland. Im Herbst heiratete ich und im Herbst trennte ich mich. Mehrfach. Die letzte große Trennung durchzog einen ganzen Herbst lang. Der langsame Weg zur Erkenntnis, dass ich entweder aus der Achterbahn springen muss oder mit selbiger vor die Wand krache. Im folgenden Herbst war ich lange genug von jemandem weg, um aufbrechen zu können zu mir selbst. Programme überschreiben sozusagen. Heilen. 

Wieder einen Herbst später hatte ich genug Mut gefasst, um Veränderungen vorzunehmen, aufzubrechen. Und letztlich auch, mich wieder auf jemanden zu zu bewegen. Und dieser Herbst ist der, in dem ich auf meinen Single-Schuhen immer sicherer laufe. Ms. Need hat Urlaub. Auch wenn es immer wieder Situationen gibt, die mir die Grenzen des glücklichen Single-Lebens vor Augen führen. Insgesamt ist es aber viel besser als das, was ich in meinem Leben an Beziehungen hatte. Die Freiheit, mein Leben zu gestalten, ohne dass mich jemand an die Leine legt. Es hat sich gut angefühlt, nach Weit-weit-weg reisen zu können ohne dauernde "Rückmeldepflichten". Blue kriegte eine Mail und gut war's. Und als ich zurück kam, freute ich mich, dass Blue da war, aber danach hatte ich Ruhe, selbst anzukommen. Keine Pflichtanrufe außer einer kurzen Nachricht auf dem Band bei meinen Eltern. 

Alles hat seine Zeit. Auch das Abwerfen von "Krücken". Fast zwei Jahre habe ich mich mit Wandern aus der Ereignislosigkeit von Wochenenden gerettet. Dieses Jahr ist der Break. Ich stelle fest, dass ich mein Wochenende auch gerne anders nutze. Und auch, dass die Gruppe, die sich fast freundschaftlich anfühlte, vielleicht doch nicht das richtige "Zuhase" für mich ist. Auch deshalb, weil die Leute regional sehr auseinander wohnen und ich ein Problem habe, zu weit entfernten Wanderstartpunkten mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Meine Mitnahmemöglichkeiten sind weggebrochen. Und so akzeptiere ich, dass diese Phase vorbei sein könnte. Geniesse meine Sonntage jetzt auch anders.

Geblieben sind der Wandervogel und die Wüstentaucherin. Die beiden sind außerhalb der Gruppe Menschen, die mir als Individuen etwas bedeuten. Das ist kostbar. Und die Vogelschwester und den Dichter schließe ich da ein. Diese Menschen werden vielleicht - hoffentlich - länger in meinem Leben bleiben.

Die Satelliten-Männer im D*chungel? Ich weiß es nicht. Der interessanteste von ihnen lebt zu weit weg. Nicht ganz woanders, aber immerhin 600 km entfernt. Ich mag keine Rückmeldebeziehung am Telefon. Also könnte er vielleicht ein Freund in der Ferne werden. Aber meine Liebe eher nicht. Ich bin mal wieder in einem Tunnel, in dem an jedem Seitenstollen Kontakte warten. Aber ich glaube, ich werde ihn alleine verlassen, den Tunnel.

Manchmal bin ich schwach, wenn ich das Alleinsein betrachte. Besonders, wenn dann mein lieber Cineast mich wieder einmal eine tolle Frau nennt, die schon irgendjemand wertschätzen werde. Trostpreis nenne ich so etwas. Toll nennen mich nur die Männer, die mich nicht wollen. Also fuhr ich ihm über den Mund (schriftlich) und verbot ihm diesen Trigger-Ausdruck.

Ich glaube, ich habe kein Problem, noch einmal alleine aus dem Tunnel zu gehen ... diesmal ist es in Ordnung.

Neubeginn auch äußerlich - Sommerkleidung erfolgreich weggeräumt. Und ich freue mich darüber, dass sich mein Schrank mit jeder Saison mehr "verdichtet" - die Dinge enthält, die ich wirklich mag.

Es ist die Zeit des Aufbruchs - put on your red shoes and dance  ... wie Bowie schon sang ... 

05.10.2014 um 19:14 Uhr

Wer suchet, der findet ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Look of Love (ABC)

When your world is full of strange arrangements ... so beginnt ein Lied, zu dem ich in den 1980ern tanzte. Und genauso kommt es mir vor. Eine Welt von seltsamen Ritualen und ungeschriebenen Verträgen, in der ich mich schwebend bewege, weil meinen Gefühlen der Anker fehlt. 

Wo fange ich an? Irgendwie bricht mir gerade an einigen Stellen der Boden durch. Es sind nur Kleinigkeiten, aber in ihrer Kumulation werden sie zu einem Erdrutsch. Ich vermisse BesteFreundin im Süden. Der Cineast hat meine Seelenhaut wieder aufgekratzt, so dass Reizstoffe wirken. Im Moment tauche ich jede Nacht in Vergangenheiten und alternative Realitäten ein, wenn ich träume. Ich bin in meinem 50. Jahr und lebe, wenn ich mal von der Verantwortung für zwei Jugendliche absehe, in meinen Gefühlen wie eine 20jährige. Mit dem Sehnen und Hoffen auf eine Zukunft und der ganzen Unsicherheit, die dazugehört. Mein Job in der Küche wird sich ändern. Nicht zum Guten, befürchte ich. Es ist nichts bestimmtes. Es ist die gesamte Unternehmenspolitik und auch die Tatsache, dass der Maitre, der Obercheffe, nächstes Jahr den Rückzug ins Privatleben und auf seine Finca plant. Wer kommt danach? Und wie wird es sein? Ich werde 50 Jahre alt sein im nächsten Jahr. Mit 50 gehört man zum alten Eisen. Das war die Einstellung, mit der ich aufwuchs. Ich bin kein altes Eisen. Dazu habe ich viel zu viel Lebenshunger.Und Liebeshunger. 

Es ist der Hunger, der mich auffrisst. Manche nennen ihn auch Sucht. Meine Sucht ist Liebe. Und wenn ich nicht geliebt werde als der Mensch der ich bin, dann frisst sich die Liebe als riesengroßes Loch in meine Seele. Dann bin ich auf der Jagd nach dem, was das Loch füllen könnte. Alkohol, Zigaretten und Drogen scheiden aus. Auch der schnelle, unverbindliche Akt zwischen Menschen, die sich ansonsten kaum kennen, wurde ausprobiert und verworfen. Bleibt Shoppen, Essen und Suchen. Drei Süchte.  Shoppen ist die teuerste, Essen die gefährlichste. Die Suche an sich ist Therapie und Symptom zugleich. 

Ob ich nun dem idealen Kleidungsstück hinterherjage oder dem leckersten Vanilletörtchen oder dem Mann für's schöne Leben ... die fieberhafte Suche ist genau die Gleiche. Und Mißerfolg tut ähnlich weh. Essen ist am leichtesten zu haben und am schwersten aufzugeben. Das wird die letzte Baustelle, die ich angehe.

Das Einkaufen ... wenn ich alles Geld noch hätte, das ich im Laufe der letzten 36 Jahre für Kleidung ausgab, die ich dann später gar nicht lange trug, dann hätte ich heute keine Probleme, meine Fortbildungen zu zahlen. Ich hätte Rücklagen und könnte in Urlaub fahren. Ohne weiteres. Den Wendepunkt meiner Shopaholickarriere sehe ich im Sommer 2013. Erst die konsequente Schwarz-Rot-Regel, dann der Umzug und die Konzentration auf  die Kosten dafür. Rückfälle gab es natürlich auch. Im Frühsommer und Sommer besonders. Ohne es wirklich zu merken, gibt es doch wieder elf Paar Schuhe mehr in meinem Schrank. Und nur vier bis fünf davon sind Ersatzbeschaffung. Auch wenn ich sämtliche Paare viel getragen habe diesen Sommer. Nur die Stiefel nicht, die werden nächsten Monat dann ihren Auftritt haben. An Kleidung sind es über das Jahr verteilt etwa 30 Teile. So viel, wie in einer Taschengarderobe im Ganzen sein sollte. Rosa wird jetzt ihren Kopf schütteln und sie hat so was von recht! Vier Bürohosen, eine Leinenhose und eine Jeans. Zwei edle Blazer und eine leichte Leinenjacke (Flohmarkt!). Drei Blusen mit kurzem Arm, eine mit langem, ein Shirt. Eine schwarze Strickjacke (Notkauf, mir war kalt), zwei Kleider (davon ein Abendkleid), zwei Röcke. Ein Schal. Ein Sportshirt. Mehrere Teile Unterwäsche.

Gestern in Nachbargroßstadt habe ich den Schmerz der Leere ausgehalten. Und ganz bewusst nichts gekauft, was ich nicht wirklich wollte. Was ich wirklich wollte war ein schwarzer, ausgestellter Rock aus Rips. Am liebsten zum Wickeln. Knielang. Gab es nicht. Also auch nichts anderes. Heute Stufe 2 ... ein leerer Sonntag und das Wissen, dass eine langweilige Mittelstadt weiter ein verkaufsoffener Sonntag ist. Die Mittelstadt hat drei Geschäfte, in die ich gerne gehe. Ich habe mich gezwungen, zuhause zu bleiben. 

Stattdessen dann die Ersatzsucht bedient ... Vanilletörtchen. Das musste sein. Erst einmal die teurere Sucht in den Griff bekommen. Und ich habe das Gefühl, dass wählerisch zu sein wirklich hilft. Je deutlicher ich mir mein Wunschteil vor Augen führe, desto uninteressanter werden Teile für mich, die diesem Wunschbild nicht entsprechen. Auch der Preis spielt eine große Rolle. Ich bin nicht mehr bereit, hohe Preise für schlechte Qualität zu zahlen. In der Qualitätsrange stoße ich dann aber an meine Limits ... da kommt dann meine sparsame Mutter im Hinterkopf durch. Und so merke ich allmählich, dass ich weniger einkaufe. Und besser. Besser in dem Sinne, dass ich Erworbenes gerne und oft trage. Ein Beispiel sind hier die Schuhe. Ich merke, dass meine Füße mittlerweile nur noch wenige Paar wirklich mögen. Dummerweise stellt sich die wahre Qualität aber erst nach einigen Tragetagen heraus. Schon häufig hatte ich Schuhe, die für ein, zwei Stunden sehr bequem sind, dann aber den Ballen beim Gang über das in Citta allgegenwärtige Kopfsteinpflaster mit Meerjungfrauennadelstichen überziehen. Oder solche, bei denen der flache Hacken die Achillessehne ab Stunde drei zum Schreien bringt. Oder solche, die abhängig vom Terrain sind. Heels habe ich seit dem letzten Sommer nicht gekauft. Weil ich in ihnen nur Kurzstrecken gehen kann. Unpraktisch also. Von den elf paar Schuhen sind die Wanderschuhe eine 100 %. Die Teuermarke-Ballerinas eine 95 %, die roten Stiefeletten eine 100 %, die schwarzen aber nur eine 80 %. Leider. Vom Komfort her eine 100, lässt ihre Luftpolstersohle bereits jetzt nach und der Schuster meines Vertrauens sagt, die könne ich vergessen, wenn die Sohle durch sei. Dann hätten wir da noch einmal Ballerinas mit Halluxproblem seit dem 3. Tragen (vor dem Teuermarkepaar gekauft). Und die flachen Stiefeletten, die ich so toll fand, meine Achillessehne aber dann doch nicht. Die Laufschuhe sind nicht geländegeeignet ... nur für Asphalt prima. 

Ich glaube, die Suche nach dem idealen Schuh ... die hat gar nichts mit Shopaholic zu tun. Einmal einen Schuh finden, der zum Rock nicht trutschig aussieht und trotzdem zehn Konferenzsstunden mit Herumrennerei aushält ...  aber egal, gebremst habe ich mich trotzdem. 

In Sachen Essen dachte ich heute evolutionär. Vorratshaltung oder von der Hand in den Mund. Was ist besser? Heute müssen wir ja eigentlich nicht mehr den Winter überdauern ohne Jagd. Das Wild steht das ganze Jahr im Supermarktregal bereit. Und Kräuter, Wurzeln und Samen liegen gleich daneben. Früher, zu geldarmen Zeiten, da lebte ich von der Hand in den Mund. Wörtlich. Einkaufen, so viel ich für den Abend brauchte. Die kleinen Mengen waren manchmal teurer, aber im Endeffekt gab ich weniger aus, da nichts verdarb und ich keine Überschüsse hatte.

Lernprozesse ... processing.

 

 

 

 

19.09.2014 um 14:38 Uhr

Der gute Mensch kommt aus der Wildnis?

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Song for America (Kansas)

Die französische Romantik spricht vom edlen Wilden. Vom Adel des Unverfälschten. In dessen Namen wurde überall in Europa künstliche Wildnis geschaffen. Mit Felsen und Tempelchen. Und der Natur- und Denkmalschutz verdankt der Romantik seine Wurzeln. Die großen Reisenden der Literatur und Kunst verewigten das Gefühl von Wild und Ursprünglich.

Doch Wildnis ist nicht edel. Wildnis hat auch ihre dunklen Seiten von Fressen und Gefressen werden, von überfließender Fruchtbarkeit und faulem Verfall. Auf dem gestürzten Baumriesen wuchern Pilze und Moose. Das verwesende Wiesel ist Lebensraum für ein Volk von Maden und Nahrung für den Ameisenbau.

Wildnis ist nicht edel. Sie ist ... sie selbst.

Mein Blog ist meine innere Wildnis. Wachsen, gedeihen, sterben und verfaulen. Nicht schön und nicht häßlich. Einfach ich. Nichts was da wächst oder lebt, gehört nicht zu mir. Und deshalb hat es seine Berechtigung hier, in diesem geschützten Raum des Blogs. Hier lasse ich Gefühle, Meinungen ... auch Urteile ... heraus. Hier bin ich Schrift, hier darf ich sein. Alles, was ich hier schreibe, ist Ton, aus dem ich Entwicklung forme. Meine Umwelt trifft nur auf die gefilterte Variante. Aber hier ... erlaube ich mir auch, die giftigen und fleischfressenden Pflanzen wachsen zu lassen, die mein ich genauso bevölkern wie die sommerlichen Wiesenblumen.

Mir ist gerade nach dieser Seite von mir ... Gärung.

13.09.2014 um 08:20 Uhr

Aufräumen

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Funhouse (Pink)

No, Lady, dein Ohrwurm "plagt" mich alten Cure-Fan zwar noch immer, aber ins Titelfeld kommt jetzt mal Frau Pink ;-)

Immer, wenn es in mir rotiert, hat das Auswirkungen auf die äußere Ordnung. Während ich in Zeiten hoher Belastung und tiefer Stimmung auch gerne mal ein wenig "wahrlose" ... den Haushalt aufschiebe, so weit das mit zwei hungrigen Kerlen geht, meinen Schrank aus den Sortierfugen geraten lasse und Papierkram auf den St. Nimmerleinstag verschiebe, löst der große seelische Gärbottich meist auch Strukturdrang und Sauberkeitsbedürfnis aus. 

Prima ... könnte ich doch glatt instrumentalisieren und hätte immer einen 1a-Haushalt, ganz ohne Besenengel? Aber .... sic! ... so einfach isses leider nicht. Die Papier liegen auch in Gärung weiter. Und so unterschiedlich die Gär-Situationen, so unterschiedliche auch die Putz-, Räum- und Sortierbedürfnisse. Liebes Schicksal, ich bräuchte dann mal eine seelische Baustelle in Cluster 3 mit Badputzdrang ... eben, funktioniert nicht!

Zuverlässiger als der Gärbottich ist die "Besuchstaste". Je nachdem, wie wichtig mir die Meinung des Besuchenden ist, gerate ich in Heimchensphären, die nie zuvor eine Rolle gesehen hat. Geschieht selten, dann aber mit buchstäblich glänzendem Ergebnis. Feline zum Beispiel löst Putzdrang in mir aus. Merker an mich: Feline nebst Mann (exponentielle Steigerung) öfter einladen. OK, ich mag Felines Mann grundsätzlich, aber ich mag ihre Gesellschaft lieber ohne ihn. Also normaler Feline-Putzdrang.

Gute Freundinnen sind ansonsten aber eigentlich putzdrangneutral. Selbst die Perfektionistin, bei der man kriegstraumabedingt vom Boden essen kann. Die fühlen sich bei mir wohl, egal ob ich vorher in Aktivismus ausbrach. Denen koche ich lieber etwas Leckeres, als vorbildlich im Putzeimer abzutauchen. Damit kann selbst die Perfektionistin leben.

Bei den Männern in meinem Leben ist es unterschiedlich. Lassen wir mal die Single-Zeiten vor 30 ausser Acht ... da war es mir eh total egal. Der Exmann hatte leider dann ein ausgeprägtes Pingel-Syndrom. Das stachelte mich eher zu Trotz auf. Sollte er doch heimkommen und zur Entspannung statt Kaffee erstmal eine Scheuermilch nehmen. Ein Mann hat tatsächlich mal meine Küchenschubladen ausgewischt, als ich nicht zuhause war. Das hat er allerdings auch nur einmal getan. Frau Rolle war not amused und gut ist halt das Gegenteil von gut gemeint. Monsieur blieb auch aus anderen Gründen nicht lange in meinem Leben. 

Sehr nachhaltig ist mir ein Mann im Gedächtnis, mit dem ich vor ungefähr sieben Jahren einen heftigen Flirt hatte. Dieser Mann war wohnungstechnisch ... PERFEKT. Maisonnette über den Dächern von Nachbargroßstadt, Blick auf das Stadtwahrzeichen und Dachterrasse mit Olivenbäumen. Edle Holzböden. Küche vom Feinsten. Sparsam, aber edel möbiliert mit antikem und modernem. Wow ... und Couch und Stühle hatte er sogar selbst restauriert. Wir flirteten ein paar Wochen lang und stellten fest, dass wir doch kein Paar würden. In dieser Zeit unternahmen wir viel, aber immer in seiner Stadt. Trotzdem sah ich meine eigene Wohnung, in der er nie gewesen war, plötzlich mit seinen Augen. Und ich sah viel. Resultat war damals eine Badrenovierung und Entkrempelaktion. Heute würde ich sagen: schade, dass der Flirt nicht dauerte, sonst hätte ich die anderen Zimmer auch in Angriff genommen. 

Breathless löste einige Jahre später mit rüden Worten meine endgültige innere Abkehr von meinem Dorf-Domizil aus. Siehe Juni 2013. Der Mann, der in seiner eigenen Wohnung ein geologisches Abraumlager kultivierte, beschwerte sich bei mir über Enge im Schlafzimmer. Yepp, das WAR eng. Aber deshalb, weil Blue und Wirbel die "normalen" Zimmer bekommen hatten. Kann ja schlecht ein Kind in den Abstellraum und eines in den Tanzsaal packen. Aber dennoch: Breathless trug als "Arschengel" nicht unerheblich dazu bei, mir diese Wohnung, in der ich mich auch vorher nicht heimisch fühlte, endgültig auszutreiben. Und dagegen half (zum Glück) auch Putzen und Räumen nicht.

Wie komme ich eigentlich auf diesen Haushaltscontent? Nun ... dies ist eine Woche extremer seelischer Gärung. Aus Gründen. Heute nacht habe ich schlecht geschlafen. Aus besagten und einem anderen Grund. Der letztere war ein mütterlicher. Blue war gestern als Parkwächter auf einer Großveranstaltung unterwegs und sollte erst nach 1 per Rad heimkommen. Angst machte mir dabei nicht die Tätigkeit (ehrenamtlich für einen guten Zweck) und nicht die Uhrzeit, sondern die Tatsache, dass irgendein Idiot alkoholisiert in seine Karre steigt und meinen Blue vom Fahrrad hebelt. Im Gegensatz zu Frau Marschallin früher lauerte ich allerdings nicht hinter der Tür, sondern schaute nur beim nächtlichen Ruf meiner zickigen Natur kurz nach, ob er zuhause war. War er und ich zumindest in diesem Teil meiner Sorgen beruhigt. Die anderen Sorgen-Verursacher sind erwachsen. Auf die kann ich nicht mehr aufpassen.

Ich komme mal wieder vom Hölzchen aufs Stöckchen. Selber schuld, wer sich die Leserei antut. Heute morgen jedenfalls war ich um halb sieben wach. Und plötzlich voller Taten- und Putzdrang. Als Verursacher wurde der Cineast identifiziert. Respektive eine Bemerkung über Ordnung, die er vorgestern am Fon fallenliess. Und ich erwische mich dabei, dass ich felinesken Ordnungstrieb entwickle ... ist das krank oder ist das krank?

Wobei ... mein gut aufgeräumtes Schlafzimmer, die entkrempelte Küche und mein sauberes Bad sind Argumente, die sich nicht vom Tisch wischen lassen. Jetzt brauche ich nur noch einen Bügel-Impuls ... könnte mal gerade jemand meckern, bitte?

Und wo wir gerade dabei sind: liebes Universum, könnte ich nicht statt nörgelnder Kerle mal so ein kleines Körnchen eigenen Ordnungs- und Putztrieb bekommen? Leider hat es mein innerer Club nämlich noch nicht geschafft, eine Ordnungsbeauftragte zu wählen. Frau Ratio steht manchmal missmutig mit einer To-Do-Liste in der Tür, während Seelchen mit einem frisch bezogenen Bett zufriedenzustellen ist und die Latinas sowieso eher Unordnung verbreiten als Struktur zu schaffen. Ms. Need ist völlig unbrauchbar auch in diesem Bereich ... wenn sie wieder mal ein scheinbares Bedürfnis entdeckte, ist alles andere egal. Wen machen wir also zur Strukturbeauftragten? Oder anders gefragt: brauche ich eine? Frau Ratio sagt: Ja. Und seufzt, als die Latinas sie per Akklamation wählen. 

Mehr Struktur - innen wie außen. Das ist die Aufgabe. Und weil der Trotz, den der Pingel-Exmann damals schürte, natürlich immer noch da ist, werde ich es mit dem Putzen heute nicht übertreiben. Stattdessen lieber die Herbstklamotten sortieren und hoffentlich einiges loswerden dabei.

P.S. Für's Protokoll:
Kleiner Luxus dieser Woche: Theaterabend am Donnerstag und Wein mit dem Kindl gestern (nur einer, Restgeld lieber in Döner mit Wirbel investiert) und Anschaffung eines ... ganz groß im Kommen! ... Capes für den Herbst. So eines, das mit zwei Druckknöpfen auch "Ärmel" hat. In einem wunderbaren chilirot, das genau zu meinen Wildlederstiefeletten passt und einfach nur toll zu schmalen (so gut das mit Größe 44 geht) Hosen passt. Kein schlechtes Gewissen, denn ich hatte ja noch den Geburtstagsgutschein von GlamourGirl, dem MünchnerKindl und der Limette. Davon ist sogar noch etwas übrig, denn das Cape war bei aller Schönheit auch noch preiswert!

P.S. 2: OMMMMMMMMMMMMMMMMMMM 

 

 

12.09.2014 um 21:45 Uhr

Eigentlich bin ich ganz anders ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Winds of Change (Scorpions)

In dieser Woche lerne ich interessante Seiten an mir kennen. Und entferne mich mit jeder Erkenntnis weiter von Erziehung und Dorf-Sozialisation. Zum Beispiel stelle ich gerade fest, dass ich fast völlig eifersuchtsfrei bin. Und Menschen statt Rollen wahrnehme. Gemeint sind hier mal nicht die Frühlingsrollen, sondern die Schubladen, die Raster, die Klischees. Schritt für Schritt bewege ich mich seit über zehn Jahren in eine Richtung, die zum Beispiel meiner Mutter komplett unverständlich ist. Nicht, weil da irgendetwas Schmuddliges wäre ... aber weil manche sozialen Strukturen, die in meiner Welt funktionieren, in der ihrigen gar nicht angelegt sind. Ich erinnere mich an meine erste große Liebe ... direkt nach der Trennung vom Röllchenpapa. Der erste Mensch aus seinem Leben, den ich traf, war seine Noch-Ehefrau. Und so saßen die Ex und die Next fröhlich Gemüse schnippelnd am Küchentisch und waren sich grundsympathisch. Ist mir später im Leben noch mehrfach so gegangen. Mit Exen und Nexten ... in beide Richtungen. Bloss mit den Männern hat es nie funktioniert. Einmal Ex, immer Ex. Wir bleiben Freunde ist ein Zustand, der nicht wirklich greift. Genausowenig wie die ewige Freundschaft zwischen Männern und Frauen. Ausnahmen (huhu Weißwäscher!) bestätigen die Regel. 

Ich weiß gar nicht, wie ich auf das Thema kam ... vielleicht wegen der Geschichte, die mir das Münchner Kindl vorhin erzählte? Die Ex ihres Jetzt heiratet heute. Eine Brasilianerin in Grönland, die einen Norweger ehelicht ... originell isses, das muss man der Sache lassen. Wobei die Ex noch nicht Ex war als das Kindl die Next wurde ...wobei das Münchner Kindl dann feststellte, dass sie alles andere als eifersuchtsfrei ist. Und es scheint auch sonst nicht alles mehr so zuckersüß im Hause Kindl/Loverlover. Wobei sich herausstellte, dass das monierte Versäumnis von Mr. Loverlover eigentlich eine Verhaltensänderung des Kindls selbst spiegelt. 

Der Cineast hingegen ist heute bei seiner Exit-Flamme. Und morgen bei mir. Ich sehe es gelassen. Es wird geschehen, was geschehen soll. So oder so. Soll er tun, was er tun muss ... dann hat er morgen einen klaren Kopf. Und den brauchen wir beide ...

 

12.09.2014 um 13:27 Uhr

Herr Lennon, der Gärbottich und ich

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Listen to your Heart (Roxette)

Während in meinem Kopf ein Ohrwurm tobt (Lady ... yepp ... Friday I'm in love) tobt in meinen Gedanken ein mittlerer Tsunami. Eine bunte Mischung aus eigenen Baustellen und dem, was nahen Menschen begegnet und mich nicht unbeteiligt lässt. Meine eigene Baustelle heißt Abgrenzung und Selbstwahrnehmung in dieser Situation. Das Wochenende wird Klarheit bringen. In mehr als einer Hinsicht. Und dieses Streben nach Klarheit fühlt sich richtig an.

Während ich also mit einer Hand in der Küche ein paar Süppchen umrühre, schwingt meine andere Hand den großen Schneebesen im Gärbottich.

Wie Gina gestern schon vermutete ... da ist eigene Betroffenheit. Um den Hirnwerker geht es aber nicht. Der ist nach eigener Aussage recht glücklich mit seiner Jetzt-wieder-Freundin. Und da ich niemals Ambitionen hatte, in die zeitweilige Vakanz einzutreten, sei ihm das vergönnt.

Nein, es ist viiiiel komplizierter, was da gerade über mir zusammenschlägt. Der Cineast ist dabei, seine Zerrissenheit zu flicken. Und ich weiß nicht recht, was das für mich bedeuten soll. Wir werden uns sehen. Bald. Um zu klären, wie wir mit unserer Freundschaft umgehen. Denn eine Freundschaft ist es und wird es bleiben. Mit einem ganz besonderen Grad an Intimität. Gedanklicher Intimität. Nicht körperlicher.

Vielleicht. Irgendwann.

Das sind die Schlüsselworte des Dilemmas. Nicht: Hier. Jetzt.

Der Cineast ist auf dem Weg von etwas weg. Mit dem Umweg über eine "Exit"-Beziehung wird er hoffentlich seinen eigenen Gärbottich so gut rühren können, dass er bei sich selbst wieder ankommt. Er hatte sich ziemlich tief verloren in den letzten Jahren. Und erst, wenn er für sich wieder er selbst ist ... dann gibt es überhaupt die Möglichkeit, wieder auf jemanden wirklich zuzugehen. Die Gefühle, die er hat, mögen echt sein. Aber genauso echt wird die Panik sein, wenn er sich selbst überholt.

Und deshalb stellen sich mir im Hier und Jetzt nur sehr einfache Fragen:
Wie fühle ich mich, wenn ich im Realen mit ihm umgehe?
Und: wäre da ... irgendwann, vielleicht ... überhaupt die Möglichkeit, dass ich für ihn auch mit dem Körper fühle?
Wenn ich die letzte Frage mit nein beantworten kann, dann ist die Situation für mich geklärt und handlebar.

Wenn nicht ... also wenn ja ... habe ich ein Problem. Haben wir ein Problem. Viele sogar.

Wünsch dir was! ist die Devise. Bloss ... was?

Wünsche ich mir ein Treffen mit freundschaftlicher Wärme ohne tiefere Gefühlsregung, das den Weg frei macht für eine unkomplizierte Freundschaft zwischen Mann und Frau, die schon laut Harry und Sally nicht funktioniert? Weil wir die rühmliche Ausnahme wären?

Oder wünsche ich mir, dass die Zweidrittelverliebtheit, basierend auf geistiger Nähe und vertrauten Gefühlen, als Dreieinigkeit wiederkehrt? Dann die Probleme des Dreifach-Exit-Sprungs implizierend? Horrorkonstellation, gelle?

Ich schrieb neulich von Zufriedenheit und Glück. Und immer noch würde ich jederzeit die Chance auf Glück der Zufriedenheit vorziehen. Allerdings nicht um jeden Preis. Und so gehe ich nur mit dem Wunsch nach Klarheit in die Begegnung. Erst, wenn ich weiß, was sie in mir auslöst, kann ich wirklich entscheiden, wonach ich strebe.

Wichtige Unterscheidung: ICH möchte glücklich leben ... Liebe und Glück sind aber nicht identisch. Lieber Glück ohne Liebe als Liebe ohne Glück. Wobei das ja auch falsch ist, denn Liebe bezieht sich ja auf viel mehr als einen einzigen Menschen.

Gärbottich brodelt ... to be continued.

 

 

 

 

 

 

25.07.2014 um 08:14 Uhr

Rolle in NO-Wonder-Land

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Complicated (Avril Lavigne)

Rastlosigkeit ist das Gefühl, das sich seit ein paar Tagen mehr und mehr in mir ausbreitet. Dieses vage Gefühl von innerem Bewegungsdrang, von Suche und nicht wissen wonach. Nach außen ist alles ganz ruhig. Ich arbeite, gehe wieder regelmäßiger zum Sport, treffe Freundinnen, kümmere mich um meinen Haushalt. Ruhig und regelmäßig. Wenn da nicht dieser Drang wäre, der mich schier platzen lässt. Der Drang nach Ausbruch, Verrücktheit und ganz weit weg vom Normalen. Der Drang nach Tempo. Es ist mir zu langsam in diesen schwülen Sommertagen. Mir deucht, dass die Welt um mich herum in Zeitlupe lebt, unter einer dunstigen Hitzeglocke, die jede Bewegung und jeden Gedanken verlangsamt. 

Gestern saß ich mit GlamourGirl und der Limette zusammen. Und mir fiel selbst auf, wie unruhig ich bin. Ich fluchte, aber eigentlich war der Regenguss auf dem Rückweg gut, um mein Gemüt zu kühlen.

Sie wundert mich nicht, diese Rastlosigkeit. Nur, dass sie so schnell einsetzt. Da kommen zwei Dinge zusammen. Zum einen akuter Sommer-Überdruss. Zum anderen ein tückisches Single-Syndrom.

Ersteres ist normal, wenn es zu lange zu heiß war. Sommer ist nicht wirklich meine Jahreszeit. Jedenfalls nicht tagsüber. Aber das Arbeitsleben findet nun einmal tagsüber statt. Und außerdem weiß ich im Sommer nie, was ich anziehen soll. Für die leichten Spaghettikleidchen habe ich nicht die passende Figur. Das was mir steht, passt in die restlichen Jahreszeiten ... Stiefel mit Röcken und schönen Jacken. In dünnen Sommersachen sehe ich immer irgendwie fehl am Platz aus. Ich mag mich darin nicht. Bin kein Sommerkind.

Beim Single-Syndrom habe ich eine feige Allianz aus Zudick, Ms. Need und den streikenden Latinas im Verdacht. Letztere waren ja mit meiner Entscheidung nicht einstimmig einverstanden. Und inzwischen beklagen auch die Pro-Hardliner Mangel an Grundversorgung. Die Latina-Garderobe ist ein Hexenkessel - dicke Luft, nicht nur wegen des Sommers. Zudick mit seinen Einflüsterungen kam gerade zurecht. Und so stellen mir die Chicas grinsend die Kalorienbomben in den Weg. Ms. Need ist ein ganz anderes Kapitel. Sie hat sich das Seelchen geschnappt und flüstert kleine Gifttropfen in das Ohr des verängstigten Wesens. Ich befürchte, das Regime von Frau Ratio wird noch etwas andauern müssen ... SO lasse ich die Latinas auf niemanden los ... und das Seelchen braucht eine Schlafkur!

Ich habe keinen Liebeskummer. Ich habe Nicht-Liebens-Kummer. 

 

 

18.07.2014 um 23:39 Uhr

gestaute Gefühle

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Besa me mucho (Cecilia Evora)

Erst heute morgen habe ich der Zuhörerin all das erzählt, was ich gestern nacht und heute morgen hier schrieb. Es ist so unendlich lange her, dieses Gespräch. Dazwischen Arbeit, ein Mittagessen mit einem guten Gespräch und ein Nachmittag, an dem sich die Hitze wie eine viel zu dicke Decke über Citta legte. Dem Münchner Kindl war ich dankbar für eine Absage. So konnte ich schon gegen 16 Uhr nach Hause radeln und mich ins Kühle verziehen. Ein Abendessen mit Blue und plötzlich unendlich viel Zeit. Ich war einkaufen. Zweimal sogar. Einmal im Billigmarkt für den normalen Bedarf, einmal im Teuermarkt für das Lebensgefühl.

Eine gewisse Rastlosigkeit ist mir heute eigen. Es kühlt immer noch nicht ab draußen und ebenso überhitzt sind meine Gefühle. Ich kann noch nicht sagen, wie ich in einigen Wochen fühle. Aber gerade eben schüttle ich mich, um wieder zur Besinnung zu kommen.

Das Gespräch heute mittag hat mir einen Menschen nähergebracht, den ich bislang nur beruflich kannte. Seit einem Monat sind wir per du. Ich schrieb schon von ihr.Und ich denke, sie braucht einen Blognamen. Denn sie könnte irgendwann eine Freundin werden. Über Liebe sprachen wir heute mittag. Über meinen Versuch, mich in Zen zu verlieben und ihre Schwärmerei für den Cafebesitzer next door. 

Allmählich wird die Nacht zu Samt ... ich will tanzen ... 

12.07.2014 um 08:39 Uhr

Innerer Rundgang

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: We are family (Sisters Sledge)

Ein seltsamer Tag war das gestern. Mit einem sehr emotionalen Ende. Und das fast ohne Zen. Der beschränkte sich nach zwei vergeblichen Anrufen meinerseits und SMS statt ab auf eine höfliche Rück-SMS mit gute Nacht-Wünschen. Erwiderung unnötig und sinnlos.

Meine Emotion fand alleine statt. Eigentlich hätte ich nach Hause gehen sollen am späten Nachmittag. Doch ich lief stundenlang planlos durch die Stadt. Probierte Klamotten an, die ich nicht brauche. Und hängte alles wieder zurück. Es ging nur um das Suchen, nicht um das Finden. Gut so, denn allmählich muss ich die Finanzen beieinanderhalten. 

Ein Anruf vom Münchner Kindl und eine Stunde im Cafe. Ich rede und rede. Aber irgendwie merke ich, dass es mir nicht wirklich hilft. Nicht die Sichtweise des Kindls, die auf "lass es locker laufen" zusammenzufassen ist, noch der Wein. Das Münchner Kindl meint, ich solle bleiben und mich betrinken, statt heimzugehen und mit Blue und Wirbel zu essen. Trotzdem gehe ich heim. Irgendwie ist mir danach. Ich kaufe Eis auf dem Heimweg und bekomme ein Stück von Blue selbstbelegte Pizza, während die beiden sich auf die Schokoeispackung stürzen. Ich schaue Karamellfilme im Bett. Irgendwann habe ich Durst. Und greife nicht nach Wein oder Hartem. Sondern nur nach einer Flasche Wasser. Irgendwie ist mir danach. Nicht nach Saufen, nur nach Trinken. Nicht nach Alkohol und Vergessen, sondern nur nach Durstlöschen und Schlafen. 

Kurz nach der Rück-SMS von Zen klingelt das Telefon. Nicht er, sondern GlamourGirl ist dran. Und bei ihr brechen die Dämme. Sie ist eine feinfühlige Person, die GlamourGirl. Vor Wochen waren mir ihre Fragen unangenehm nach meinen Gefühlen. Gestern abend wurde klar, wie recht sie hatte. Und ich muss jetzt entscheiden, wie ich dieses Gefühl verarbeite und lebe. Das Gefühl, jemanden zu mögen und nach einer Phase des Genießens von Aufmerksamkeit und Zuwendung zu merken, dass meine Bedürfnisse und Gefühle in eine andere Richtung gehen. Das Gefühl, dass das Etikett "Partnerschaft" nicht das richtige ist. Weil ich nicht genug der tiefen Gefühle empfinde. 

Und das hat nichts damit zu tun, dass mich manches nervt und ich anderes vermisse. Zen ist ein guter und wunderbarer Mensch. Aber nicht der Richtige für mich. Dieses Gefühl, das über die letzten zwei, drei Wochen in mir langsam hochwaberte, verfestigt sich gerade. Ich werde nichts über's Knie brechen ... aber auf mich und meine Emotionen achten und sobald ich mir sicher bin, darüber mit ihm reden.

 

07.06.2014 um 02:10 Uhr

Gedanken nachts um zwei ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Life is for living (Earth, Wind and Fire)

Sommernächte wie diese sind voller Leben. Sie atmen Emotion. Leider nicht nur in eine Richtung. Als ich mit dem Rad durch die Nacht heimwärts fuhr, kreuzte mein Weg mehrere Pärchen, die ihren Gefühlen lautstärker Ausdruck verliehen. Diese Gefahr haben Zen und ich nicht. Ich eher als er. Denn er ... schweigt. Will sich in Konfliktsituationen nicht äußern. Zieht sich in den Schmollwinkel zurück wie ein trotziges Kind. Nachdem ich zwei Mal verbal und einmal mit einer Geste versucht hatte, die Situation aufzulösen, war es mir zu blöd, hellwach neben ihm liegenzubleiben. Zumal er netterweise auch wieder mal völlige Vorhangverdunkelung sichergestellt hatte, was schon den Gang zur Toilette zum Problem machte ... ich bin doch so was von nachtblind!  Ich machte also eine klare Ansage und ging ... bzw. fuhr, denn ich hatte glücklicherweise das Rad dabei. Wenn er nicht reden will - schön. Aber dann muss ich auch nicht wach in seinem Bett liegen und mich ärgern. 

Fühlt sich richtig an, die Entscheidung. Ich weiß immer noch nicht, was da gerade eigentlich abging. Muss er mir morgen mal erklären. Aber so lange habe ich mein Bett und meine Ruhe und er seinen Trotzwinkel. Wobei ... das mit der Ruhe stimmt nicht. Klein-Theo brüllt gerade mal wieder zahnend gegen den Rest der Welt ... 

Ansonsten? Mammutwoche 1 vorbei. Weitere folgen. Ich bin müde.

Und NEIN, Zen, diese Spielchen, die du da treibst, sind nicht lustig. Darüber müssen wir reden. Dringend.

04.04.2014 um 07:41 Uhr

Mitsommernachts-Kistenderby

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Summernights (Travolta/Newton-John)

Draußen ist "Somling" ... denn dieser Frühling ist so lau und warm, dass er fast als Sommer durchginge. GlamourGirl geht schon in leichtem Seidenkleidchen und hohen Keilpantoletten, das Münchner Kindl hat die weiße Jeans jubelnd aus dem Schrank geholt. Ich war da weniger mutig ... oder auch einfach faul. Erstens trage ich sowieso schwarz das ganze Jahr und zweitens war ich noch zu träge, um den Koffer mit den wirklichen Sommersachen aus Leinen und leichter Baumwolle aus dem Keller zu holen. Muss ich tun. Dringend. Und ausmisten. Wieder ein paar Dinge weggeben. Das Gepäck leichter machen. 

Auch im übertragenen Sinne. Ich hole gerade ein paar verstaubte Kisten aus meinem inneren Keller. Die, auf denen ein Warnaufkleber pappt: "Vorsicht, Giftstoffe! Nicht öffnen!". Ich beäuge diese Kisten kritisch. Seit dem Wochenende mit Zen weiß ich, dass ich zumindest zwei von ihnen nicht mehr in der dunklen Kellerecke stehen lassen kann, sondern mich jetzt um die Entsorgung kümmern muss. Auch für Seelenmüll gibt es kein Endlager!  

So einiges ist drin in diesen Kisten. Und das meiste wird hier ungeschrieben bleiben. Aber - wie schon am Wochenende - kommt das eine oder andere im Zusammensein mit Zen wieder an die Oberfläche. Und es tut wohl, eine ähnliche Situation aus neuer Perspektive zu erleben. Und sie so zu "entgiften". Rosa, ich habe ja deine "Anfänge" nochmal nachgelesen. Es ist wie die Geschichte mit den Wohlfühlsocken aus dem Jekyll-Karton. Irgendwann ist es keine traurige Erinnerung mehr, sondern nur noch ein paar Socken. So ging es mir vorgestern mit einer CD, und so fühlte sich eine Terminplanung für den Sommer an. Irgendwann ist es keine schmerzende Erinnerung mehr, sondern nur noch eine Sache, ein Lied, ein Ort, ein NEUES Erlebnis. "Verbrannte Erde" gibt es immer noch genug in meinen Kellerkisten. Aber es wird weniger. Zwei bringe ich jetzt raus. Sind leer. Die letzten Rückstände schaden niemandem mehr. Gottseidank.

Warum bin ich eigentlich so kryptisch? Eigentlich Blödsinn. Also Klartext. Was ist in der Kiste? In der Kiste ist die Erinnerung an ein Konzert. Mir hat der Ort nicht gefallen und das Konzert auch nicht. Und in einer Beziehung, die Vergangenheit ist, hat dieses (übrigens recht teure) Konzert und dieser Ort für Streit und Verletzung gesorgt.Oder eher: mein nicht-Wohlfühlen dort. Und die Äußerung desselben.

Zen kennt die Vorbehalte. Und fragte trotzdem, ob ich ihn begleite. Dahin. Die Voraussetzungen werden anders sein. Ganz anders. Und trotzdem hüpft mein Magen. Ich habe ihm das auch so gesagt. Und werde mitgehen. Weil ich darauf vertraue, dass es gut wird. Bald werde ich diese Kiste wegstellen können ...

Und eine andere vielleicht auch. Die Lady schrieb von einem Straßenfest, auf dem sie ihrem Kater begegnen könnte. Zu einer Begegnung mit der Vergangenheit könnte es auch bei mir kommen. Er ist nicht mein Schattenmann. Es ist endgültig vorbei. 

Mit Schatten aus der Vergangenheit kämpft auch das Münchner Kindl. Aus lauter Angst, jemandem zu nahe zu kommen, scannt sie schon wieder die Umgebung nach dem nächsten Lover, während sie eigentlich gerade Gefühle entwickelt. Aber die lässt sie nicht zu. Stattdessen wird der chilenische Koch ihrer Kantine zum Objekt der Begierde. Schade. Aber nicht wandelbar, wenn sie so fühlt. Wir machen uns Sorgen, Glamour Girl und ich.

Eine andere Sorge ist entkräftet. Die um die beiden Kochkollegen, die zur Zeit nah beim südamerikanischen Erdbeben weilen. Einer hat geschrieben. Sie sind in Sicherheit und weit vom Krisengebiet entfernt. Aufatmen, bei allem Mitleid für die Betroffenen.

Eine letzte Sorge betrifft leider etwas schwer wiegenderes. Unsere Limette nämlich. Schon lange wissen wir um einen Charakterzug und ein Problem. Das Problem heißt Alkohol. Und das werden wir nicht lösen können, so lange sie es nicht selbst will. Ich trinke selber mal zwei oder drei Wein. Wie gestern. Über den Abend verteilt und mit Abendessen. Zen und ich schaffen eine halbe Flasche am Abend - gemeinsam -, wenn wir uns sehen. Doch die Limette trinkt wesentlich mehr. Und sie redet "frei", wenn sie trinkt.

Der Charakterzug ist Selbstmitleid und Neid. In diesem Fall auf Glamour Girl, die eine teure interessante Fortbildung machte. Geäußert im Suff im Kollegenkreis. Schlecht. Doppelschlecht. GG ist Führungskraft, Limette nicht. GG schuftet wie ein Pferd, Limette ist eher die Firmennudel und nimmt es mit dem Arbeitstempo nicht so genau. Äpfel mit Birnen verglichen. Im Suff.  Ganz üble Geschichte. GG wird Limette darauf ansprechen müssen. Und es ist in diesem Fall schwerwiegend genug, dass es sogar das Ende der Freundschaft zwischen den beiden und damit auch das Auseinanderbrechen unserer Viererfraktion bedeuten könnte ...

Und sonst? Gerade viel Input .... wieder mal Fortbildung. I like! 

 

 

06.03.2014 um 08:29 Uhr

Innehalten

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Rolling in the Deep (Adele)

Manchmal ist es Zeit, sich einfach einen Moment hinzusetzen, durchzuatmen und wirken zu lassen. Wie der Beduine, der aus dem Flugzeug steigt, und auf dem Rollfeld wartet, dass seine Seele auch ankommt. Oft reicht dafür ein Augenblick. Für Fühlen und Erkenntnis. 

In den letzten beiden Jahren habe ich Dämonen verjagt,, Ängste und Grenzen überwunden und neue gefunden. Ich bin tief eingetaucht in Vergangenes und noch tiefer in meine eigene innere Welt. Ich habe mich mit meinem inneren Club gestritten bis auf's Blut und langsam, sehr langsam, gelernt, in meinen Singleschuhen zu laufen - erhobenen Hauptes. Immer noch gerate ich in Phasen der Bedürftigkeit. Aber ich gehe anders mit ihnen um. Während ich früher entzückt darüber war, dass mich jemand mochte und wollte, frage ich mich jetzt erst einmal, ob ich in die Richtung möchte, die mir da vorgeschlagen wird. Und weiß, dass ich glücklicher in den Single-Schuhen sein kann als in einer Beziehung, die sich "falsch" anfühlt. Die Angst vor dem Alleinbleiben ist noch da. Und manchmal bahnt sie sich ihren Weg. Kurz vor der Festwoche kochte in mir der Zynismus über. Wieder mal. Aber die Leichtigkeit der letzten Tage hat geholfen. Wieder eine Angst über Bord geworfen. Die Angst, gewohnte Wege zu verlassen und ohne "Rückendeckung" loszugehen. Schönes und Lustiges erlebt. Und aufatmennd erkennen, dass die Kiste der Pandora fest verschlossen ist.

Meine Single-Schuhe sind knallrot. Hoch genug, um schön zu sein, aber nicht zu hoch, um damit zu laufen.

Es ist wohl mein Vertrauen in mich selbst, das in den letzten beiden Jahren am meisten gewachsen ist. Und auch, wenn ich von einigen Zielen noch weit entfernt bin, so lebt es sich inzwischen leichter. Der Umzug hat eine wichtige Tür geöffnet für das Schöne und Leichte am Leben. Die Fortbildung ist meine Treppe zu mehr beruflicher Zufriedenheit. Das Verhältnis zu Blue und Wirbel könnte momentan nicht besser sein. Auch das wohl der Wohnsituation und auch meiner gewachsenen Lebensfreude zu danken. Gestern zum Beispiel durfte ich Blue zum Hosen- und Schuhkauf begleiten (ok, ich durfte auch zahlen ... aber er ist da eher von der vernünftigen Truppe und ich musste ihn eher nötigen, noch eine Hose mehr zu kaufen ... aber ich finde, dass 110 Euro für fünf Hosen, fünf paar Socken und ein Paar Wildleder-V*ans gut angelegt waren ... und ich dank des Hosenvorrats nicht mehr täglich waschen muss).

Der Käfig ist weg. Es war wohl tatsächlich zum Schluss viel mehr das Leben in Dorf als das Leben mit Familie. Und für diese Erkenntnis bin ich dankbar. Wie sehr habe ich das Gefühl des Angebundenseins gehasst! Und nun ... lebe ich mit meinen Söhnen und fühle mich wohl dabei. Gar nicht mehr eingesperrt. Im Gegenteil: ich freue mich richtig auf unsere gemeinsamen Mahlzeiten und die Gespräche miteinander. 

Irgendwie ... zuhause. 

27.01.2014 um 07:40 Uhr

Omen?

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Pillow Talk (Doris Day)

Tagsüber bin ich (meist) ruhig und gelassen. Doch irgendetwas scheint in mir zu arbeiten. Und sich in Träumen ein Ventil zu suchen. Heute nacht träumte ich unsere Urlaubsplanungsrunde von Freitag. Die sehr harmonisch und in sehr kleinem Kreis geschah. Nur drei von vier Leuten, die sich gegenseitig vertreten und wir haben es geschafft, eine alle zufriedenstellende Lösung (inklusive der Wunschliste der vierten) zu finden. Unproblematisch also. Und es saßen Leute zusammen, die sich gegenseitig respektieren.

Geträumt habe ich eine ähnliche Situation in etwas größerer Runde. Und ein Szenario, in dem x, y und z ausfielen und ein Kollege sagte: dann müsste Frau Rolle die Firma alleine wuppen - aber die ist ja nur eine "Bürokraft", das geht ja nicht. Besagter Kollege verdient mehr als ich, tut halb so viel und hat schon bei einigen Leuten für den sprichwörtlichen "dicken Hals" gesorgt, wenn er sich mal wieder in heißen Phasen drückte, wo es ging. Im Traum schaute ich ihn an und fragte nach "Bürokraft? Ich hoffe, du weißt genau, was du da gesagt hast. Und kannst mit den Konsequenzen leben." Und ich stand auf und ging heraus. Mit erhobenem Kopf. Und ging draußen spazieren. 

Es gibt keinen konkreten Anlass für den Traum. Nicht in der Gegenwart. In der Vergangenheit - ja. Vor einem Jahr fing die für mich schwierige Phase an. Und ich habe längst meinen Weg gefunden. Es dauert noch etwas, bis Ziele in Sicht kommen. Aber ich werde mich unabhängig machen von solchen Situationen. Der Kollege übrigens würde nie so etwas sagen. Der ist zwar faul, aber völlig gutartig. Und froh, wenn man (Rolle) ihm gelegentlich mal wieder den Karren aus dem Dreck zieht ...

Ein weiterer Traumfetzen erzählte mir, dass ein 1000 Jahre altes historisches Monument abgerissen wird ...

Ich bin keine Traumdeuterin ... aber Veränderung steht in roten Lettern in meinem Unterbewusstsein. Ich bin gespannt, was noch kommt ...

Gleich kommt erst mal Wirbel. Krank. Und wird sich Mühe geben, mich vor dem Krankenhaus noch mit Viren zu versorgen, was er hoffentlich nicht schaffen wird. Ich rüste auf. Mit Medikamenten und co. ... Attacke ...

Nachtrag: Wirbel nicht mit Chemie, sondern erstmal mit Arzttermin versorgt, in der recht ansprechend wirkenden Praxis gegenüber, so dass er im Spontankrankfalle auch direkt von der Schule aus dort aufschlagen kann. Liegt ja auf dem Weg. Riesenkanne Kamillentee gekocht - einer der wenigen Jugendlichen, die den freiwillig trinken!

Und nun meine eigene Liste: Krankenkasse nerven, die Blues Karte seit sechs Wochen schicken wollen und es nicht tun. Einladen zu zwei Events. Beide mit Kalorien versorgen. Und irgendwie den Schreibtisch so entfrachten, dass ich früh heim kann zum kranken Nachwuchs. 

 

14.11.2013 um 07:08 Uhr

Zwischen unbequemen Stühlen

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Complicated (Avril Lavigne)

"Es ist kompliziert"

Auf Beziehungen bezogen, pflegt dieser Ausdruck die Tatsache zu verschleiern, dass jemand sich in einem Schwebezustand oder auf einer Achterbahn befindet, meist mit mehr Mitfahrern als zulässig.

Da ich seit fast zwei Jahren als Single-Rolle durchs Leben gehe, bedeutet der Ausdruck ein momentanes Gefühl der Machtlosigkeit in mehreren Lebensbereichen. Nur temporär, aber trotzdem fühlt es sich seltsam an.

Es ist, als ob der bevorstehende örtliche Wechsel mein Leben gerade komplett bestimmt. Und vor allem die erzwungene Untätigkeit tut das. Maschinenstillstand. Obwohl an so vielen anderen Ecken Aktivität wichtig wäre. Noch ein Monat, dann darf ich endlich handeln.

Betrachte ich die Männer in meinem Leben - Plural, aber ein neutraler Plural, da keiner von ihnen auch nur ansatzweise nah ist - dann fühle ich irgendetwas zwischen nichts und Verwirrung. Langeweile. Überdruss. Und auch hier Ungeduld. Für Hirnwerker bin ich momentan wohl eher ein Strohhalm ... Stress im Job und Einsamkeit in seinem selbstgewählten Kuhkaff-Exil. Dazu kommt, dass sein Sprungtheater vom letzten Jahr tief sitzt bei mir. Ich mag ihn, aber ich vertraue seinen Gefühlen nicht. Al Dente und ich mögen uns, aber mehr ist da nicht und wird da nicht. Potenzial Freundschaft.

Und dann ist da das, was ich wegschiebe. Weil es nicht passt. Nicht richtig ist. Nicht nur ich schiebe. Gerade ist mal wieder Sendepause. Mit einer meiner unangenehmen Fragen bin ich wohl zu tief geraten. Aber meine eigene innere Reaktion auf das folgende Schweigen zeigt mir, dass ich auf keinem guten Weg bin. Ich werde mir noch etwas Zeit lassen und keine übereilte Entscheidung treffen. Aber vielleicht muss ich eine Freundschaft aufgeben, um frei für eine Liebe zu sein. Denn ich habe das Gefühl, dass die Art dieser Freundschaft mich daran hindert, offen für jemand Neuen zu sein. Dieser Mann ist meinen Gedanken und Gefühlen sehr, sehr nah. Aber NUR das. Und das reicht mir nicht. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich das andere mit ihm wollen würde. Ich erkenne nur allmählich, dass die Nähe, die unser meist schriftlicher Austausch erzeugt, mir nicht reicht. 

Auf der anderen Seite genügt mir aber auch das Angebot körperlicher Nähe nicht. Deshalb halte ich den Hirnwerker auf Abstand. Und träume im Halbschlaf von einem Mann ohne Gesicht, den ich fühlen, aber nicht sehen kann. Es ist kein realer Mann. Sondern mein inneres Bild davon, wie sich Zusammensein anfühlen kann. Eine bestimmte Art, mich zu berühren, die Hand auf meine Wange zu legen und mich mit einer sanften und doch kraftvollen Bewegung an sich zu ziehen. Eine Bewegung, die "du gehörst zu mir" sagt. Das ist es, was ich mir wünsche in meinem Halbschlaf und manchmal auch in "richtigen" Träumen. 

Seltsame Pfade gehen meine Gedanken da. Auf der einen Seite organisiere ich mein Leben gerade so, wie es zu meiner Singelei passt, auf der anderen Seite wünsche ich mir einen Partner. Es ist gut und richtig, aus Dorf wegzugehen. Feline hat es nicht verstanden, als ich ihr erklärte, dass Dorf kein Ort für Singles sei. "Willst du deinen Wohnort von einem Mann abhängig machen?" fragte sie. "Nein, Feline. Aber ich mache ihn von meiner eigenen realen Lebenssituation abhängig. Und Fakt ist, dass ich mich in meiner Single-Lebenssituation hier nicht wohl fühle. In einer Paar-Situation wäre das anders, weil das Leben eines Paars sich mehr nach "innen" richtet, während das eines Singles mehr nach "außen" geht." Und das ist der Kern. Wer sein Privatleben zuhause hat, dem ist der Ort meist ziemlich wurst. Wer für sein Social Life nach außen geht, der braucht Infrastruktur. Blue, Wirbel und ich können unser Familienleben an jedem Ort haben - aber zumindest für Wirbel und mich spielt sich soziales Leben in Arbeitsstadt ab. Und auch Blue geht mehr und mehr nach außen, wie es für einen Teenager gut und richtig ist. Hat sich in der Fahrschule angemeldet, trifft sich auch mal abends mit Freunden für ein paar Stunden, geht ab und zu aus. Und überlegt, was er wo studieren könnte nach seinem Abitur im Sommer 2015. Seine Ideen sind übrigens gar nicht schlecht. Würde zu ihm passen. Und dann wäre wahrscheinlich auch die Wohnungsentscheidung für ihn nachträglich legitimiert. Er beginnt zu sehen, dass der neue Ort nach einer kurzen Fahr-Belastung für ihn viele Vorteile haben wird.

Ich mag Dorf sehr. Aber ich mag meine eigene Lebensqualität noch mehr. Und das hat dann auch Feline verstanden.

Stand by für Gefühle bis Dezember? Ist das die Lösung?

Vielleicht muss ich einfach nur meinem Kopf und meinen Händen anderes zu tun geben bis dahin. Überfällige Dinge erledigen. Mein Leben sortieren. Aber die Wartezeit reizt dazu, wirren Gedanken- und Gefühlsschleifen sich zu überlassen ... unsortiert bin ich. Und deshalb gehe ich jetzt eine Extralänge am Zellophanfluss .. ich brauche den Rhythmus meiner Schritte, um ein bisschen mehr bei mir anzukommen heute.

Und du, lieber Freund ... lass es dir heute gut gehen ...  

 

 

06.10.2013 um 07:30 Uhr

Träumen in Technicolor

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: orrori dell'amore (Nicolas Lens)

Immer noch Bauchkrämpfe ... und eine Nacht, die wirr ist wie die Bilder von Anna Abraxa.

Der Cineast wurde gekreuzigt. Irgendwo in einem fernen Land. Klassisch mit Holzkreuz und Lendenschurz. Anschließend redeten wir miteinander. Ich wollte wissen, wie es war, zu wissen, dass der Tod bevorsteht. Wie es sich anfühlt, zu leiden und zu wissen, dass die Entspannung nur das Ende ist. Er war abgeklärt. Sprach von gefühlter Normalität. Ich wunderte mich noch nicht einmal, dass er mit mir sprach. Er war gekreuzigt worden und er unterhielt sich danach mit mir ... Traumfetzen zu Ende.

Unsere Sekretärin flog nach Costa Rica, um Schwimmen zu gehen. Sie kam wieder und erzählte von einem Volksfest. Sie war nicht lange weg ... nur zwei Tage.

Ich musste verreisen - zu einem Seminar in eine Stadt im Elsaß (?). Ich befand mich in einem Teil unseres Büros, den ich nicht kannte. Sah aus wie ein Agenturloft. Der Hausmeister saß an einem Tisch und gab mir Anweisungen zu einem großen Terrakottablumenkasten, den ich mitnehmen sollte. Darin eine seltsame fleischige Blume, die sich in der Mitte breit machte. Mein Koffer - ein altmodischer Weichkoffer - lag aufgeklappt daneben. Eine Kollegin, die längst nicht mehr mit mir arbeitet, bucht die Zugtickets für mich, weil es schnell gehen muss. Warum sie? Wir mögen uns nicht, mochten uns noch nie ... plötzlich hilfsbereit? Es bleibt nicht mehr viel Zeit und ich muss auf die Toilette. Der erste Raum ist ein Sammelsurium von Dingen und unter der niedrig angebrachten Toilettenbrille ist NICHTS. Daneben eine bunte Kindergartentoilette. Die dritte Kabine endlich normal. Im Raum daneben zwei Erzieherinnen, die mich strafend anschauen, weil Erwachsene hier nichts zu suchen haben. Ein Blick auf das Zugticket sagt mir, dass ich mich beeilen muss, es ist schon nach Abfahrtszeit 1.17. Warum sind die alle noch im Büro? Den Blumenkasten lasse ich stehen. Jemand zeigt mir ein Bild von einer Gruppe Kolleginnen, die bunte Lycra-Overalls in den Farben eines Projektlogos tragen. Keine von denen war am Projekt jemals beteiligt.

Die Sekretärin möchte eine weiße Bluse haben und eine Fellweste mit schmalem Taillengürtel. Die soll ich ihr mitbringen.

Aufwachen  ... Cinemascope Ende.