Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

29.12.2015 um 14:23 Uhr

Nachträge ... Dezember 2014

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Hells Bells (AC/DC)

Warum nur ist mir der Verlust meiner Einträge so nahe gegangen?

Vielleicht, weil die Adventszeit in diesem Jahr eine Zeit der inneren Einkehr bis hin zur Selbstzerfleischung war. Ohne D*chungelquest war ich allein mit mir selbst. Keine Suche mehr. Kein Ziel mehr. Nur ich. Mit allen meinen Sehnsüchten, Bedürfnissen, Hoffnungen und Ängsten. Am grössten die Angst, es könne an mir liegen.

Ein Urlaub, der keiner war. Angefüllt mit Verpflichtungen. Küchenweihnachtsfeier, Projektweihnachtsfeier, Fortbildung, Besuch bei der Patentante ... und schwupps war der heilige Abend da. Die eigentlichen Vorbereitungen gestalteten sich entspannt, da eigentlich nichts vorzubereiten war. Den Baum gönnte ich mir. Wieder beim regionalen Händler vor dem Schwimmbad nebenan. So klein, dass ich ihn selbst tragen konnte, meinen kleinen grünen Nordmann. Peking-Fichte kommt für mich nicht infrage .... lieber gar kein Baum als Plastik. Einkaufen? Für wen denn? Die Söhne Heiligabend beim Vater, Weihnachten macht meine Schwester ... und am zweiten Feiertag auch allein. Schönes Intermezzo das Damenweihnachten bei GlamourGirl. Und dann die Tage mit mir.

Heiligmorgen hatte das MünchnerKindl zu Austern geladen. Wir sassen also zu fünft um zwei riesige Austernteller. Die Söhne probierten höflich und verzichteten dankend. Wir schlemmten und ergaben uns dem Trunk aka Weißwein. So heftig, dass ich froh über den Spaziergang zu meinen Eltern war, um einigermaßen auszunüchtern. So heftig, dass mir, als ich alleine zuhause meine Wohnzimmertür öffnete, plötzlich alles egal war und ich mit Broten auf der Couch Nonnenfilmchen schaute.

Der Katzenjammer kam am ersten Feiertag. Auf meinem Weg am Fluss entlang. Nur Menschen mit Alibi unterwegs. Hunden, Kindern oder Laufpartnern. Die armen Seelen wie mich erkannte ich sofort. Und es tat weh, zu dieser Gruppe zu gehören. Aussortiert. Auch, wenn ich dazu selbst beitrug, weil ich manchmal zu anspruchsvoll war. Neuntes Rad am Wagen wie jedes Jahr. Ohne Partner inkomplett bei dieser Familie, die so anders feiert als ich es mir wünschen würde. Wie gerne hätte ich ältere Brüder gehabt, mit denen es sich an Feiertagen bei Wein lachen lässt bis in die Nacht? Wie gerne hätte ich ein Haus voller Leben als mein Elternhaus bezeichnet. Mein Elternhaus ist still. Besuch stört eher. Und genauso verhalten sind Feiern.

Abends halfen die Nonnen im Fernsehen. Und ab dem nächsten Tag dann die Steuererklärungen. Und ein schöner Abend mit Frau Liberty lenkte ein bisschen ab ... Insel der Frauen mal wieder.

Ein Urlaub, der keiner war. Nicht einen Tag verpflichtungsfrei. Nicht einen Tag ungebunden. Nicht einen Tag wirklich ausgespannt. Und nun eigentlich nur froh, bald wieder in den Job zu dürfen.

In meinen Einträgen habe ich mich mit alledem intensiv auseinandergesetzt. Mir selbst den Spiegel vorgehalten. Ich schreibe, also lerne ich. Das Geschriebene ist verloren. Und damit manche Erkenntnis, die noch sickern muss und durchs mehrmalige Nachlesen erst verankert worden wäre. Das ist es, was mir nahegeht ... die unvollständige Auseinandersetzung mit mir selbst! 

 

10.11.2014 um 08:27 Uhr

Stimmung: bedrückt

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Such a shame (Talk Talk)

Kennt ihr das? Das Gefühl, irgendetwas bedrückt. Ja ... droht förmlich. Ein Wochenende wie eine Seifenblase. Viel Zeit mit mir allein. Und die Vorahnung, dass "irgendetwas" kommen wird. Es ist keine Novembertiefstimmung. Zu der neige ich nicht. Ich freue mich auf die Adventszeit und ich mag Herbst generell gern. 

Wenn ich es für mich sortiere, dann sind da mehrere Dinge, die zu diesem seltsamen Gefühl von Druck beitragen. Eine Erinnerung, eine Aufarbeitung, eine Zukunftsangst. Und eine schwelende Auseinandersetzung, zu der ich erst etwas schreiben werde, wenn ich mir aller Handlungsstränge bewusst bin.

Das virtuelle Alleinsein verstärkt diese Gefühle. Der D*chungel gab mir irgendwie noch die Illusion von "könnte sein" ... nur noch eine Ecke weiter schauen ... und  da ist es dann vielleicht ... das ganz große Verlieben. Ich will heraus aus der "Suchschleife", würde so gern jemandem "klassisch" begegnen. Dummerweise kreuzen auf meinen normalen Fährten selten bis nie interessante Single-Männer. Wäre ich nun ein Fußballfan, eine begeistere Heimwerkerin oder IT-Spezialistin, hätte ich Plattformen. Bin ich aber nicht. Meine Sportarten sind eher weiblich - die Turnvereinsgruppe im Sportclub ist zwar gemischt, aber die Männer sind keine Singles. Und in Kursen in unserer VHS tummeln sich traditionell eher mittelältliche Damen als das männliche Pendant dazu. Ich habe versucht, den Bekanntenkreis zu aktivieren - Fehlanzeige. Ich habe versucht, Lokale zu wechseln. Wobei ... eine richtige Stammkneipe, die könnte ich mir wirklich zulegen. Das ist ein Projekt. Jeden Freitag nach der Arbeit in einer bestimmten Kneipe ein Getränk konsumieren und schauen was passiert. Und wirklich JEDEN Samstag in einem Cafe einen Espresso trinken am späten Vormittag. Anfangen damit kann ich aber erst in zwei Wochen - dazwischen liegt die Fortbildung. Die in Sachen Männer auch eine Fehlanzeige, aber ansonsten ein Volltreffer ist. Es sind viele Männer dort. Je nach Thema sogar mehrheitlich. Der letzte Kurs hatte sieben Männer und vier Frauen. Allerdings: Kursleiter und fünf der sieben in Beziehungen, Ehen, Lebenspartnerschaften, einer könnte mein Sohn sein, einer war irgendwie langweilig. Die Fortbildung ist kein Männerwildwechsel. Und eigentlich ist das auch ganz gut so.

Aber wo wechseln sie denn Wild, die Männer?

Und wie gelange ich auf diese Wildwechsel, ohne es herbeizuzwingen oder mich zu verbiegen?

Das Hobby Wandern war ja ein guter Ansatz - aber leider musste ich mich nach Zen aus diesem Kreis zurückziehen, da er mit unserer Trennung anders umgeht als ich. Ich hatte die Hoffnung, dass wir uns unbefangen begegnen und lockeren Kontakt halten könnten. Das hat sich als Irrtum erwiesen. Also habe ich die Konsequenz gezogen und mich erstmal ferngehalten.Und merke, dass mir einerseits die freie Zeit ganz gut tut, dass ich aber andererseits auch ein bisschen was vermisse. Königsweg noch nicht gefunden.

Im Forum einer Frauenzeitschrift entdeckte ich einen alten Strang aus dem letzten Jahr. Wie lernt man Männer ausserhalb des D*chungels kennen? Ich habe mich ja aus dem D*chungel nicht nur verabschiedet, weil ich Zeit sparen wollte, sondern weil ich das Gefühl habe, dass ich nicht ins Raster passe. Die Männer, die mich wollen, will ich nicht. Die, die ich will, wollen mich nicht ... oder nur als Appetizer zwischendurch, bevor sie wieder ins heimische Ehebett zurückkehren.

Bald werde ich 50. Blue ist fast volljährig, Wirbel nicht viel jünger. Die Figur nicht mehr die einer 20jährigen - Größe 44 halt. Die Küche bietet mir einen festen Job, der mich intellektuell und zeitlich sehr fordert, ich bin aber keine "Angst machende" Führungskraft. Also eigentlich alles ganz normal. 

Und auch die Wünsche an einen Partner sind nicht so ungewöhnlich: gerne größer als ich, damit ich mich nicht wie ein Elefant fühle, wenn ich mal hohe Schuhe trage, ein optimistischer, lebensbejahender Mann, mit dem ich Spass haben und das Leben geniessen kann und der geistige Interessen mehr schätzt als geistige Getränke. Und: ich wünsche mir, dass dieser Mann und ich uns wirklich aufeinander einlassen können. Mit Leichtigkeit und Verbindlichkeit.Altersmäßig halte ich es mit der eigenen Generation plusminus fünf Jahre. Wegen der Lebensphase. Ein Mann meines Alters hat hoffentlich keinen Kinderwunsch mehr (den ich nicht erfüllen könnte) und auch die Spielplatz- und Windelphase hinter sich. Er ist im Job wohl "angekommen", denkt aber auch noch nicht an das Metermaß bis zum Renteneintritt. 

Eigentlich alles ganz normal. Dachte ich noch vor ein paar Jahren. Aber inzwischen sehe ich das anders. Ich scheine nicht "vermittelbar" ... bzw. will auch nicht vermittelbar sein in manchen Fällen. Die häufigsten Gründe dafür, dass ich nicht gewollt werde, sind Alter, Übergewicht und Kinder. Die Top-Ausschlusskriterien umgekehrt sind zu große Entfernung, allzu kleinkariertes Leben (das mir die Luft abschnürt schon beim Zuhören/Lesen) und das Gefühl, dass er und ich keine gemeinsame Gesprächsebene finden. Und die Sache mit der Psyche. Nach meiner Vorgeschichte bin ich für das Leben mit einem an starker Depression erkrankten, unter einer psychischen Störung leidenden oder gar suchtkranken nicht stark genug. Ich habe alles erlebt. Weiss also, wovon ich rede. Und kenne meine Grenzen. 

Doch ... ist es im realen Leben anders? Ist der D*chungel nicht nur ein Kontakthof, in dem sich repräsentative Schnittmengen der Singles in Deutschland begegnen? Wenn ich zuhause in meiner Wohnung bleibe, wird mir kein Mann begegnen. Wenn ich "raus" gehe, habe ich zumindest das Gefühl des "könnte sein". 

Meine Erfahrungen im "Kann ich alleine" wachsen mit jedem Jahr. Ich gestalte mein Privatleben, plane für mich selbst, werde eigenständiger. Und habe gleichzeitig Angst, dass gerade diese Eigenständigkeit mich immer weiter von einer möglichen Partnerschaft entfernt. Aber gleichzeitig brauche ich sie, die Eigenständigkeit .. denn ich will ja meine Lebenszeit nicht damit verschwenden, auf den Prinzen auf seinem weißen Pferd zu warten, der vielleicht niemals kommt. Und dann am Ende meines Lebens da sitzen und mich fragen, warum zum Teufel ich nicht GELEBT habe ...

Bleibt das Dilemma, dass Lieben zum Leben dazugehört. Und ich möchte lieben. Mit Leidenschaft. Und das möchte ich tun, solange ich noch Vitalität und Freude in meinem Körper spüren kann. Es ist die tickende Uhr des Verfalls, die mich jetzt vor Ungeduld schreien lässt. Loslassen scheint die schwierigste Herausforderung, vor der ich je stand. Und: will ich überhaupt loslassen? 

Keine Antworten ... nur Fragen ... 

 

 

 

 

04.11.2014 um 07:26 Uhr

Tage wie dieser

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Hells Bells (AC/DC)

Es gibt Tage, an deren Ende frau einfach nur noch in der Ecke sitzen möchte und vor sich hin stieren. Jedes Geräusch ist zu viel. Wer in den Dunstkreis tritt, wird weggebissen. Jedes Anliegen ist zu viel. MEINE.RUHE.WILL.ICH!

So ein Tag war gestern. Nachdem die Handwerker zwei sinn- und störfreie, aber als Handtuchhalter genutzte Chromdinger entfernt hatten in meinem Bad, erfolgte erstmal die Diskussion über die (Nicht-)Existenz eines solchen in meiner Küche. Die Option, hinter den Küchenschränken nachzusehen, schloss ich mit Verweis auf deren erfolgte Festmontage energisch. Man montierte dann doch. Und zwar in Bad und Küche. Eine ausgewiesene Scheusslichkeit aus metallfarbenem Plastik in gar widerlichen Dimensionen. Früher war alles besser ... da lagen Zähler noch brav an der Wand an und reckten sich nicht obszön in den halben Raum (jedenfalls, bis Blue mal im Halbschlaf dagegenrennen wird!). Der zweite Chromknopf wich einem ... Legostein. So sah jedenfalls die Platte mit vier Schrauben aus, die da jetzt unmotiviert und unverputzt aus der Wand ragt. Erst massives Meckern meinerseits versorgte mich zumindest mit einer provisorischen Chromumrandung. Nicht versorgt wurde ich von den fleissigen Handwerkswichteln allerdings mit der Bedienungsanweisung für meinen so ersehnten (NICHT!) Warmwasserzähler. 

Und so stand abends Blue wütend vor mir und beschwerte sich über nur tröpfelnd heisses Wasser, sofortige Hinzuziehung des Kaczmareks und Mängelbeseitigung reklamierend. Ich blaffte zurück und verwies auf mein Zeitkontingent und die übernächste Woche. Um dann heulend meinen Kopf auf die Tischplatte zu dengeln. Keine Winterdepri. Sondern reine Erschöpfung, da wegen der Handwerker früher aufgestanden, den ganzen Morgen kampf(vor-)gekocht und Wohnung geräumt, mittags 90 Minuten zur Fortbildung der Fitness halber zu Fuß gegangen und dann fünf Stunden Fortbildung absolviert. Vor Hunger rotierend nach Hause gekommen und kurz vor Tischeinlauf noch Katastrophe am Wegesrand gefunden. Nämlich völlig aufgelöste Perfektionistin, die sich nach zwei Arztterminen nicht entscheiden konnte, welchem Operateur und welcher Methode sie ihr lädiertes Knie anvertrauen wollte. Also Perfektionistin an den Tisch dirigiert und essen mit zuhören verbunden, da nur zuhören am Fon mich wieder weiter von meinem Hühnerbein entfernt hätte. Zwischen Miniskus und Kreuzband kam dann Blue als Duschkopf-Nemesis. Der sprichwörtliche Tropfen, der die Dusche aka das Fass zum Überlaufen brachte. Und dann die handwerklich begabte Perfektionistin zum Explodieren. Denn auf dem Zähler standen die magischen Worte ... nicht mutabor, sondern AN und AUS! Hatten die freundlichen Wichtel mir natürlich nicht gesagt. Und wäre ich in meinem Erschöpfungstran auch nicht selbst drauf gekommen.

Irgendwann saß ich auf meinem Sessel und der Miniskus und das Kreuzband wedelten rechts und links um meine Ohren. RUHE.BITTE.JETZT. Als die Perfektionistin (dankbar) ging, frönte ich noch ein bisschen meinem Hobby. Ins Leere stieren. Heute geht's weiter mit lernen ...  und heute esse ich in der Fortbildung. Nur ich und mein Teller. Basta!

14.10.2014 um 22:47 Uhr

Weit-weit-Taxi

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Ride like the wind (Christopher Cross)

Irgendwo in der Pampa von Weit-weit-weg in einer zugigen Hotelhalle morgens um 3. Gottseidank hat die Zahlung, wegen der ich Frau Reiseagentur-Schmitz x-mal angeschrieben hatte, wohl ihren Weg in den Hotelcomputer gefunden. Doppelgottseidank steht kurz vor 3 das bestellte Taxi vor der Tür. Herr Schmitz nickt freundlich, lädt unser Gepäck ein. Und streitet sich dann erstmal lautstark mit einem zweiten Wagen um uns. Der meint aber, so viel ich vom schmitzisch geführten Dialog verstand, er müsse zum anderen Flughafen. Irgendwann fährt der Taxischmitz los. Und der Taxameter hält. Vereinbart waren 250 in der Landeswährung. Und wir rechnen mit drei bis vier Stunden Fahrzeit. So lange hatten wir nachts von Ankunftsflughafen gebraucht und Abflughafen ist nur geringfügig näher. Maitre hat die gute Idee, dem Fahrschmitz die Summe auf einem Zettel hinzuhalten. Er nickt. Und der Taxameter läuft. Auch, während der Fahrschmitz einen Boxenstopp einhält. Weiter und weiter und weiter. Irgendwann haben wir die 300 geknackt, dann die 350 ... und am Terminal sind es dann 408. Aufatmend stellen wir beim Bezahlen der abgezählten Spielgeldscheine fest, dass die Vereinbarung gilt. Trotz völliger Sprachinkompatibilität. Und geben noch Trinkgeld. Als wir nach der Quittung fragen, bekommen wir die Gesamtsumme bescheinigt. Und nun die Preisfrage: wie mache ich einem unserer Küchen-Controllettis begreiflich, dass ich hohe Quittung habe, aber weniger bezahlt ... und das in zwei verschiedenen Währungen???!!??? 

Das Ende vom LIed war jedenfalls, dass wir zwar die üblichen Verkehrskatastrophen der Hauptstadt vermieden haben, aber jetzt noch fast vier Stunden bis zu unserem Flug totschlagen dürfen. Leider auch noch eine halbe Stunde bis zum ersten Kaffee ...

Seien Sie weiter dabei .... es wird sicher noch spannend! 

14.10.2014 um 15:04 Uhr

Schmitzens und so ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Far far away (Titelsong von Shrek)

Schmitz und zugenäht!

Die Schmitzens von Weit-weit-weg sind sehr ordentliche Leute mit viel Sinn für Pünktlichkeit. So beginnt ein Wettbewerb auch dann pünktlich, wenn keiner der Beteiligten anwesend ist. Und ein Testessen endet auch dann zur vereinbarten Zeit, wenn die Hälfte der Anwesenden noch volle Teller und leere Mägen haben. Da nützte auch die Trachtentanzgruppe auf der Bühne und die bildhübsche Moderatorin auf drei cm Plateau und 12 cm Heels nichts mehr. Hingegen fährt ein Bus auch mal nicht pünktlich ab, weil der fahrzeugführende Schmitz zu höflich ist, den überzähligen Gästen zu sagen, dass Stehplätze nicht erlaubt sind und sie leider auf den nächsten Bus warten sollen. Stattdessen quetschen sich erstmal alle in den Bus, bis irgendwann eine Buntjacke kommt und alle wieder herauskomplimentiert. Die Verspätungen sind unwesentlich ...
Schmitzens kennen auch keine Verhältnismäßigkeit in der Raumtemperatur. Ganz oder gar nicht. Entweder total überheizt oder saukalt. Man verteilte Fleecedecken, die eher dekorative Zwecke erfüllen und entschuldigt sich lieber öfter mal, als das Problem abzustellen. Die Mit-Köche laufen deshalb in seltsamen Outfits durch die Testküchen. Kochmütze zu Wollponcho und Lammfellboots und ähnlich interessante Kombinationen.
Gestern begann dann der Wettbewerb. Der örtliche Ober-Wichtig eröffnete mit salbungsvollen Worten und der Maitre glänzte gleich mit einem Geschenk und Grüssen von unserem Ober-Wichtig. 
Seinen Contest hat er mit Bravour absolviert. Besonders gut gelang das Souffle ... fluffig mit viel heisser Luft. Einige Mitköche fanden lobende Worte für unsere letzten Rezepterfolge und auch der Punktrichter vergab gute Wertungen.  Mission accomplished also.
Eigentlich Zeit, sich im Stuhl zurückzulehnen und in Ruhe den anderen zuzugucken. Wenn da nicht die Frage der Rückfahrt wäre. Nicht des Flugs. Aber der Fahrt von Da-wo-nicht-mal-Fuchs-und-Hase-sind nach Abflughafen Weit-weit-weg. Denn öffentlichen Nahverkehr suchten wir vergeblich und der veranstaltende Schmitz und seine Buntjacken hatten sich überlegt, die Shuttlezeiten und -anzahlen übersichtlich zu halten. Sprich: dreimal täglich zwischen 7.30 und 16.30. Perfekt, wenn der Flughafen fast vier Stunden entfernt liegt und noch perfekter, wenn der Flug um 9.30 geht. Und ein Taxi kostet richtig viel Geld - allerdings nur, wenn man eines kriegt. Hier ist ja Pampa. Also telefonisch reservieren. Die sprechen hier aber alle nur schmitz. Kein deutsch. Kaum englisch. Schmitz. Der nette Kollege aus der örtlichen Küche versuchte es für uns. Fehlanzeige. Schmitzens an unserer Hotelrezeption hatten Schichtwechsel und Nacht-Schmitz verstand wieder gar nichts.  
Heute also neuer Versuch und Gottseidank Buntjacke mit hervorragenden Englischkenntnissen am Infostand in der Hotelhalle erwischt. Buntjacke machte uns mit Chefschmitz des Taxiunternehmens bekannt und jetzt wird uns der Kollege Schmitz (wieder ein anderer) fahren. Wir haben Telefonnummer des Fahrschmitzen und die Zimmernummer der Buntjacke. Wenn es Dicke kommt, wird er geweckt ...

Vor lauter Bus- und Taxistress (die Buntjacken haben sich überlegt, zwischen 9 und 18 Uhr mal ganz auf Verkehr zu verzichten) kamen wir kaum dazu, uns nach unserem Wettbewerb noch auf dem Küchentreffen umzuschauen. Wir haben dieses Treffen ja auch schon einmal ausgerichtet und zumindest ich (Maitre war damals noch nicht bei uns) war sehr neugierig darauf, was die Schmitzens sich hatten einfallen lassen. Und war leider ein bisschen enttäuscht. Die Ausstellung zum Beispiel, die bei uns viele Gäste anzog und sehr lebendig gestaltet war, zeigte sich hier in Weit-weit-weg staubtrocken und langweilig. Alles so glatt, so genormt. Und furchtbar ruhig. Kaum Publikum.

Aber so richtig lebendig ist es hier in vieler Hinsicht nicht. Ein seltsamer Ort, der erst noch auf seine große Stunde wartet und doch aussieht, als hätte er sie längst hinter sich. In Citta würde nach dem offiziellen Programm das Leben erst richtig losgehen. Gruppen und Grüppchen in jeder Ecke, in jedem Restaurant. In den Lobbies der Hotels und selbst in den Parks. Hier ist es geisterhaft ruhig. Die schlechte Bus-Situation zwingt alle zum Rückzug. Wer nicht ganz zentral wohnt, kann selbst das Abendessen vergessen oder sich nur etwas mitnehmen. Weil die Hotels zu weit entfernt sind, um Taxi zu fahren und so entlegen, dass kein Restaurant erreichbar wäre - wenn es denn nach 20.00 überhaupt noch geöffnet hätte, was nicht der Fall ist. 

Mein Eindruck von Weit-weit-weg: höfliche, freundliche, wuselige Schmitzens, eine hübsche Landschaft und null Unterhaltungsangebot. Kultur habe ich leider nicht mitbekommen, denn zuzeiten des angebotenen Ausflugs, der laut Maitre allerliebst war, saß ich schon in der ersten Rezeptkommission. 
Und ärgerte mich auch nur ein bisschen, denn das Wiedersehen mit den Köchen von Ganz-woanders hat gefreut. Sehr sogar. 

Und nun auf ins Nachtleben: Koffer packen, Zitronentee selbstgekocht und Cracker aus dem Päckchen vom Ankunftsflughafen ... und warten auf eine Kollegin, der ich meine Medikamente in die Hand drücken werde, denn eine andere Kollegin ist fies krank. Langer Flug, Klimaanlage plus wahrscheinlich der Fisch von gestern ... und dann um drei das Taxi. Mit Herrn Schmitz. Meinetwegen auch ohne ... Hauptsache Taxi. 
 
Und dann die spannende Frage, was sich die Kontrollstellen von Weit-weit-weg und von Transitland so einfallen lassen für uns. 

Irgendwie freu' ich mich auf zuhause ... sehr!!!
 
 









13.10.2014 um 17:02 Uhr

Ver-schmitz-t!

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Ein Lied von der rheinischen Band Black Fööss

Hier heißen alle Schmitz. Nicht wirklich natürlich. Aber sie tragen das Weit-weit-weg-Äquivalent des rheinischen Allerweltsnamens. Die Dame von der Buchungsagentur, die sich so lange um eine Bestätigung bitten liess, hiess Schmitz. Schmitz auch der Portier im Hotel. Schmitz der Koch bei der ersten Vorführung. Schmitz der Chef des Einkaufs und Schmitz der Bürgermeister, der das Kochtreffen eröffnete. Schmitz die Sekretärin, bei der ich eine Kopie machen wollte. Schmitz die Werbung an der Plakatwand.

Stecken doch alle unter einer Decke, die Schmitzens ...

 

12.10.2014 um 16:47 Uhr

Rückfahrkarte exklusive

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: I'm leaving on a Jetplane ....

Es war einmal eine tapfere Reiserolle, die vielen Gefahren trotzte, Meere und Gebirge auf den Schwingen eines stählernen (ehm ... oder so) Reiskochers überwand und rechtzeitig zum Turnier in Weit-weit-weg eintraf. Doch als sie die ersten Feinde bezwungen hatte, versteckten Neider ihren Reiskocher und machten alle Wegweiser zur Hauptstadt unkenntlich, wo ein zweiter Reiskocher für sie bereitgestanden hätte. Oder auch: Ob ein Taxi nachts um zwei kommt, um euch zum vier Stunden entfernten Flughafen zu bringen, steht in den Sternen. Und auch der Preis ist astronomisch. Also Plan B. Mail an Sous-Cheffe, dass Maitre und ich dem Hotel eine Nacht schenken müssen und ein anderes Hotel am Flughafen brauchen für die letzte Nacht. Weil tagsüber die Shuttles fahren. Nachts nicht. 

Schalten Sie auch morgen wieder die Nachrichten aus Weit-weit-weg ein ...

 

P.S. Seit heute mittag weiß ich auch, wer diesmal mit "Koffer" dran war ... der fröhliche und sonst so klassisch gekleidete Turnierrichter aus dem Starkbier- und Pommesland läuft den dritten Tag mit der gleichen Wohlfühl (ehm ... Gammel?) Strickjacke herum. Sein Koffer ist derweil wahrscheinlich bei der zweiten Erdumdrehung. Ich sach's doch .... IMMER in Businessklamotten fliegen! OK, meine Kochmontur sah auch nur ein BISSCHEN dämlich aus ...

22.09.2014 um 22:49 Uhr

Einmal Recyclinghof, bitte!

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: If I could change the world

Wo ist hier bitte die Umtauschkasse? Was heißt hier Kassenbon? Ich will umtauschen. Sofort. Gewährleistungsansprüche habe ich, jawoll! Weil dieser Tag nicht ist, was draufstand. Weil er einfach nur daneben ist ... was sagen Sie? Das sei mein Problem! 

Richtig... genau das isses. Denn ich kann ja dafür, dass unser örtliches Geldinstitut ncht funktionstüchtige und für den Kundenandrang zu wenige Geldbanditen platziert. Und auch dafür nicht, dass ebendieses Institut Neueröffnung feiert, den Banditencontainer abreißt und die Kunden wegen Feier nicht in die Halle lässt (und an Außenbanditen nicht dachte). 

Und ich kann auch nix dafür, dass ich heute nachmittag schnöde versetzt wurde. Von Semicheffe ... der im Tran zu ebendiesem Geldinstitut feiern ging, ohne daran zu denken, dass Kollegin aus Dessertküche plus ich plus komplizierte Sachverhalte auf ihn warteten. Die Dessert-Kollegin sogar eigens angereist während ihres Urlaubs!

Ich kann auch nix dafür, dass mein Magen momentan spinnt.

Verdammt, dieser gebrauchte Tag ... den habe ich ganz anders bestellt 

11.03.2013 um 08:34 Uhr

Assoziationsketten in öffentlichen Verkehrsmitteln

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Hämmernde Bässe vom Kopfhörer gegenüber

Gefühl Angst - Bauchweh - Albträume - Einschlafstörungen - Unruhe - Lösungen? - Risiken? - Kapital - Potenzial - Ballast - Träume - Veränderung - eigene Veränderung - Sabbatical? - Kinder, Kinder, Kinder - Kein Platz für mich - Reisen und Schreiben? - Wohnung wechseln - Wohin? - Kinder, Kinder, Kinder - Wo ist das JETZT? - Glücklich sein jetzt und nicht in einer fernen Zukunft - Hingabe an das Jetzt? - Loslassen? - Demütigung - Schikane - zu viel Emotionalität - Unlogik - Amtsautorität ohne Kompetenz - Fluchtreflex - Vogel Strauß mit Kopf im Sand - Bewegung nach vorn! - Niemand tut etwas für mich, wenn ich nichts tue - Verdammt, wo ist mein "Anker"???

Ein Telefonat mit dem Röllchenvater. Er würde es unterstützen, wenn ich in neuen Umständen zeitlich und örtlich flexibler sein müsste.

Ein Gespräch mit Sous-Chef. Uns beiden ist das Procedere nicht geheuer, das uns aufgezwungen werden soll. Vertrauensverhältnis nach oben ist gestört. Sehr. Weiterhin Identifikation mit der Aufgabe. Weiterhin Engagement im direkten Team. Aber andere Kanäle sind dauerhaft gestört.

Ich hätte gern ein besseres JETZT. Ein FÜR MICH besseres.

11.03.2013 um 08:02 Uhr

Désenchantée ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Désenchantée (Mylène Farmer)

Hat jemand noch Verwendung für einen gebrauchten Sonntag? Kein besonders schöner Tag, weder vom Wetter noch von der Stimmung her ... aber immerhin, ein Sonntag. Niemand? Kann ich verstehen. Ich würde ihn auch am liebsten zurückgeben, diesen Tag, den ich zwischen Zukunftsangst und Zweifeln verbrachte.

Es ist nicht die Ungewissheit oder das Risiko, das mir Angst macht, sondern die verflixte Verantwortung und der viele Ballast. Ich reise nicht mehr mit leichtem Gepäck. Das hat mir der letzte Umzug zu deutlich vor Augen geführt. Mein Leben ist eine träge Masse geworden. Viel zu sperrig, um leicht veränderbar zu sein. 

Beste Freundin hat mir am Samstagabend ein paar Fenster zu Perspektiven geöffnet. Ich brauche neue Blickwinkel ... und vor allem neuen Drive. Bin viel zu bequem und faul geworden ... nicht körperlich, aber ich hänge in diesem zu engen Leben viel zu fest. Manchmal komme ich mir vor, als ob ich ein Stellvertreterleben führte ... die anderen reisen und ich höre fasziniert zu. Die anderen machen Karriere und ich stecke in der Warteschleife. Nur älter werde ich selbst. 

Und nein, ich bin nicht deprimiert. Nur gerade mal ziemlich ehrlich mit mir selbst. 

Vielleicht ist dieser berufliche Mist der letzte Tritt in den Allerwertesten, den ich brauchte. Um endlich etwas zu ändern. Ich bin nicht zufrieden und möchte es nicht sein. Nicht mit diesem engen Leben. Zeit für Veränderung. Meine EIGENE Veränderung. MEIN Umbruch. Ich glaube sogar, da geht mehr zu Ende als nur ein Job. 

Es wird nicht von heute auf morgen sein. Dazu habe ich zu viele Verpflichtungen. Aber ich glaube nicht, dass ich heute in einem Jahr noch so leben werde wie jetzt. Vielleicht werde ich noch Single sein. Aber wahrscheinlich werden sich wesentliche Dinge geändert haben. 

Ich rechne nicht damit, dass der Machtkampf zwischen den Spitzen mich unbeschadet freigibt. Ich werde Narben am Selbstwertgefühl davontragen. Und ich werde Zeit und Energie in ein totes Pferd investieren. Weil ich nicht kampflos aufgebe. Und weil ich den Verantwortlichen die Stirn bieten will. Mein Kampfgeist ist erwacht. 

Erst, wenn ich definitiv die Aussage habe, dass ich bei diesem Arbeitgeber keine Chancen habe, werde ich Konsequenzen ziehen. Sechs Monate. Das halte ich aus. Und parallel schaue ich nach Möglichkeiten, mich weiter zu qualifizieren, neue Bereiche kennenzulernen und mein Kontaktnetz zu erweitern. Und ich werde offen sein für Möglichkeiten.

Und Blue und Wirbel ... die sind inzwischen alt genug, um zu verstehen, dass ich das genau so tun muss ... auch wenn es ihre Welt vielleicht auch verändern wird.

Ich WILL das schaffen!

 

 

01.03.2013 um 23:27 Uhr

Aggro-Rolle

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Highway to Hell (AC/DC)

Vorsicht ... heute aggressiv!

Der Tag fing gut an. Im Firmennetz standen die aktuellen Beförderungen. Ich hätte dabei sein sollen. Wenn nicht ein gewisser Mensch alles gestoppt hätte. Leider jemand mit Macht. Seit neun Jahren reisse ich mir die Kehrseite auf für diesen Laden. Ex-Cheffe hat meine Beförderung seit Jahren verlangt. Sogar Oberster Cheffe hat sich für mich eingesetzt. Ich stand auf der Liste ... und wurde wieder gestrichen. Und dabei ging es wohl nicht um mich als Person, sondern um einen Machtkampf. Oberster Cheffe hat ihn verloren ... und die Verliererin dabei bin ich ...

Ex-Cheffe rief mich heute vormittag dann auch an und wunderte sich mit mir. Ich denke, ich habe nur noch wenige Möglichkeiten. Entweder versuche ich zu kämpfen und habe dann irgendwann mal ein paar Cent mehr. Oder ich werde renitent und bitte um eine Versetzung auf einen Posten, auf dem ich meiner niedrigen Gehaltsstufe entsprechend eingesetzt werde ;-)

Oder ... ich suche mir ein anderes Standbein. Und ich glaube, dafür ist es bald an der Zeit. 

Die andere Ärger-Baustelle ist Visavis, der mir schon wieder "Geschenke" in den Briefkasten wirft. Diesmal Bodymilk (sein Vater schenkt ihm das Zeug wohl kartonweise, weil er beim Hersteller arbeitet). Ich will aber keine Bodymilk und überhaupt will ich keine Geschenke von Visavis. Ich habe unsere "Beziehung" bzw. das, was eigentlich mal eine werden wollte, definitiv beendet. Weil ich nicht genug in ihn verliebt war, nach seinem Abtauchen und den Vorfällen danach definitiv nicht mehr in ihn verliebt bin und ihn auch in ferner Zukunft nicht lieben werde. Freundschaftliche Nachbarschaft irgendwann vielleicht, aber erstmal habe ich ihn in dem Telefonat Anfang der Woche gebeten, mir mindestens eine Woche völlige Funkstille zu geben, bevor ich nur darüber nachdenke, eventuell mal nachbarschaftlich mit ihm einen Kaffee im Hof zu trinken. Und nun schon wieder DAS. Wenn er meine Wünsche nicht respektiert, dann muss ich noch härter werden. 

Also packe ich das Zeug in eine Tüte und stelle es ihm vor die Tür. Und die drei Flaschen im Bad gleich dazu. Lass mich in Ruhe, Visavis ...

 

Lasst mich doch alle in Ruhe!!!!

23.01.2013 um 15:44 Uhr

Schmaler Grat

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Set fire to the rain (Adele)

Eher zufällig kam es heute zu einem Gespräch, sehr informell ... aber trotzdem weiß ich, dass meine Loyalität auf dem Prüfstand war. Ich denke, es ist mir gelungen, meine Kritik an Vorgehensweisen zu äußern und gleichzeitig konstruktiv zu bleiben. Gratwanderung ...

Ein weiteres vertrauliches Gespräch habe ich aktiv gesucht. Und mein Puzzlestückchen in ein größeres Bild eingefügt. In der Hoffnung, dass es das Bild ein klein wenig hübscher macht. Licht und Schatten. Nichts ist nur weiß oder schwarz. Sondern es gibt so viele Abstufungen von grau. Und keine wirkliche Persönlichkeit ist "nett" und "glatt" ...

Visavis hat mich gestern gefragt, ob ich ihn zum 70. Geburtstag seines Vaters begleite. Eigentlich ist es mir noch ein wenig zu früh dafür. Aber ich glaube, es würde ihm viel bedeuten. Also werde ich mir wohl einen Ruck geben ...

 

 

19.01.2013 um 07:40 Uhr

Drüber schlafen nützt nicht

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: Beethoven ... die Fünfte!

Gestern war das Ende der Unschuld. Ich muss mir Gedanken darüber machen, wie ich mit dem "Sündenfall" umgehe. Zivilcourage. Loyalität. Meine eigenen Werte. Zum Glück bin ich damit nicht allein. Weder dort noch hier.

Als ich den Hof betrat, muss ich ausgesehen haben wie eine graue Wand. So grau wie die anderen, als es passierte, niedergedrückt von einem schweren Gewicht. Visavis war draußen und schraubte an seinem Rad herum. Er nahm mich einfach nur in den Arm. Und konnte gut verstehen, dass ich den Abend brauchte, um denjenigen aufzufangen, dem der Himmel auf den Kopf fiel. Und der alleine wäre in einer leeren Wohnung, weil Partner weitweitweg und ein anderer wichtiger und naher Mensch noch auf dem Rückweg von einem anderen Ort.

Gestern abend ... in einem kleinen Lokal. Wein. Essen. Tränen. Die toten Augen haben etwas in den Raum gestellt, was - obwohl aus unserem Fühlen unwahr - bis ins Mark erschütterte. Jemand stellt plötzlich die Sinnhaftigkeit von zwei Jahrzehnten infrage und zerbricht fast daran. Dabei ist es nur der Springer, der lächelnd geopfert wird, um Dame und König zu nützen ... und der Läufer kann zwar das gleiche Feld besetzen, aber nun einmal nur diagonal weitergehen und wird absehbar vom Brett verschwinden. Wir anderen sind nur Bauern ...und personenunabhängig loyal für unsere Farbe, egal was geschieht.

Wir haben gegessen und viel Wein getrunken. DA SEIN.

Im Dschungel beantwortete ich die Frage danach, wovon ich mich nie trennen wollte, immer mit "meine Würde". Gestern hatte ich diese Wahl im ganz realen Leben zu treffen. Und ich bin sehr, sehr froh, dass ich "würdig" entschieden habe. 

 

 

 

18.01.2013 um 19:47 Uhr

Wenn mir der Himmel auf den Kopf fällt ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Himmel auf dem Kopf

Musik: keine

Heute mittag um 13 Uhr fiel der Himmel auf mich herab. Völlig unerwartet. Und nicht nur auf mich. Die toten Augen saßen uns gegenüber und keiner wollte glauben, was da gerade geschah. Ich bin stolz darauf, geredet zu haben. Stolz darauf, gerade geblieben zu sein. Auch wenn es nichts nützte. "Danach" taten wir genau das, was die toten Augen uns "ersparen" wollten. Und es war die richtige Entscheidung. Wir konnten gemeinsam weinen. Und auch heute abend werden wir nicht alleine sein.

Es ist richtig so. 

Die toten Augen haben mich zutiefst erschreckt. Und gerne wäre ich mit geradem Rücken nicht nur mutig genug gewesen, zu sprechen, sondern auch, um hoch erhobenen Hauptes zu gehen. Letzteres ist mir verwehrt. Jetzt noch.

 

Kryptisch? Ich kann es leider nicht auflösen ... nur so viel: mir geht es noch relativ gut, aber jemandem anderen leider nicht ...