Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

07.01.2015 um 23:28 Uhr

Die neue Nostalgie

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: I am a Roboter ...

Da wären wir wieder. Back to the future. Oder auch: Notebook statt Tablet. Mit ein paar Vorteilen neuerer Technologien wie Touchscreen-Bildschirm. Windows 8 ist noch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Office als App lerne ich gerade. Aber das Schreiben mit Tastatur ... ist ein Traum. Und zum ersten Mal in meinem Leben schaffte ich es ganz alleine, einen Rechner in Betrieb zu nehmen. Selbsterklärend, bis hin zur WLAN-Freischaltung. Ich war baff ... hätte mit Blut und Tränen gerechnet und saß doch bereits nach einer Stunde vor dem komplett installierten Notebook. Obwohl ich abgelenkt wurde. Von Blue nämlich, der parallel mein neues Handy (eines von zweien, ich Krösus!) programmierte. Zwei deshalb, weil ich Wirbel sein altes abgekauft habe und von GlamourGirl ein weiteres - ebenfalls gebrauchtes natürlich - geschenkt bekam. Welches ich auf Reisen nutze, da kleiner. Mein altes Handy wird am Wochenende eingemottet. Und ich bin sehr gespannt, wie oft der Kundenrückholservice bis dahin noch angerufen haben wird. Heute sieben Mal. Dabei ist die Nummer, die mich so terrorisiert, seit drei Tagen gesperrt ...

Neue Technik und alte Gefühle. Die des fehlenden Deckels nämlich. Die kochten in den letzten Tagen wieder einmal hoch. Brühe aus Selbstmitleid mit Singlefrustcroutons oder so. Ich komme drüber weg. Bald. Wie ich jedes Mal drüber weg gekommen bin. Die Arbeit hilft. Und Blue amüsiert mich zurzeit. Herr Ich-bin-so-erwachsen-Blue wollte sich ja einen Roller kaufen und fachsimpelte täglich über 50 KW und Drosselung auf 45 km/h. Klickte sich durchs Netz und hatte Angst, die Gelegenheit eines 1.800-Euro Rollers zu verpassen. Meinen Tipp, einen Mann anzusprechen, der Roller vermittelt, belächelte er zunächst. Der Tipp kam von den Kaczmareks, war also solide. Worauf ich heute den Roller-Experten selbst ansprach ... und Blue das Bild eines hübschen Rollers rüberbeamte. Mir sagte Blue aber direkt, dass das alles nichts für ihn sei, da "gedrosselt". Eine Stunde später saß ich bei der Zuhörerin und Blue verkündete telefonisch, dass er DEN Roller wolle. Den vom Bild, iss klar!

Aber weil das auch der gewesen wäre, für den ich mich entschieden hätte ... bin ich gespannt auf den Besichtigungstermin morgen ...

01.12.2014 um 07:52 Uhr

Call me Siri!

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Mr. Roboto (Styx)

Test. Und Irrtum. Ein Mikrofonsymbol am Tablet laesst mich hoffen. Doch nach drei diktierten Saetzen fuehle ich mich wie in der Telefonschleife des rosa Riesen ... naemlich furchtbar. Ich muss sprechen wie ein Computer, um verstanden zu werden. So abgehackt, laut und unnatuerlich wie eine Bandansage in der U-Bahn. Der Effekt setzt sofort ein. Frust und Wut. Doch im Unterschied zum rosa Riesen kann ich hier frei entscheiden. Kein Computersprech. Dann lieber Verzicht auf Umlaute und aehnlichen Komfort. Langsam gewoehne ich mich sogar an das Fehlen von Tasten. Alles bisschen langsamer, alles bisschen beschwerlicher, aber machbar. Sprechen waere anstrengender.

Gestern eine Unterhaltung beim Adventskaffee. Eine Bekannte der Gastgeberin hat diese ein wenig selbstgefaellige Aura der Vor-Internet-Generation. Se versteht nicht, wie ein Mensch nach einem Arbeitstag noch zuhause einen PC oder gar ein Tablet brauchen kann. Erst als ich erzaehle, dass das meine Kommunikation mit mir selbst ist und auch die mit vielen anderen nahen Menschen, wird mir die Wahrheit bewusst, die darin steckt. Aus meinem Leben ist das Netz seit etwa 2002 nicht mehr wegzudenken. Nicht, weil ich es braeuchte, um Sozialkontakte im Leben zu ersetzen oder mir Scheinwelten zu schaffen. Sondern zusaetzlich. Nicht stattdessen. Als Instrument der Zeitverschiebung. Ich kommuniziere mehr und mit mehr Menschen seit Internet. Regelmaessiger. Intensiver. Weil ich mir den Zeitpunkt waehlen kann. So, wie ich frueher Filme aufnahm, nutze ich heute die Mediatheken der Sender, die ich mit meiner Abgabe mitfinanziere. Waehrend ich mir frueher Gedanken darueber machte, ob 22 h zu spaet war, jemanden anzurufen, schicke ich heute, wenn mir nach Mitternacht ein naher Mensch nicht aus dem Sinn geht, eine kurze Nachricht. Die weckt diesen Menschen nicht ... aber die Gedanken gehen nicht verloren und die Botschaft kommt an. Sofort, wenn das Gegenueber noch wach und auf Empfang ist. und sonst halt etwas spaeter. Das Gefuehl des im Leben des Anderen zu sein. Das ist es, was mir Internet leichter macht. Zusaetzlich zum realen Leben, nicht statt. Es sind Menschen, nicht Aliasse, mit denen ich korrespondiere. Und deshalb werde ich mir wohl ein Laptop zulegen wieder. Weil mir dieses Instrument der Kommunikation sonst fehlen wuerde. Und den Menschen auf der anderen Seite auch.

Am meisten jedoch fehlt mir das Fliessen meines Dialogs mit mir selbst. Die Gedanken sind zu schnell fuer die Traegheit des Touchscreens.

Ob mir der D*chungel auf die Dauer als Verlust erscheinen wird, vermag ich noch nicht zu sagen. Momentan jedenfalls ist die Pause richtig.

 

13.11.2014 um 07:00 Uhr

Welcome to my inner club

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Around the world (ATC)

 “Spring rolls and the principles of gravitation” started as a weight-loss-weblog back in 2011. Since then, I actually lost weight. Several times. And I picked it up again. Weight loss swifted from top priority to lower ranks in my articles, while this weblog became more and more important to me as an instrument to sort out my thoughts and emotions.

“Spring Roll” is a woman in her late forties, working mum of two boys in (late) school age, single and still hoping to find her second half (and to one day turn into that well-organized, neat and clean, never procrastinating person she always wanted to be). The weblog depicts daily life in the “kitchen”, that beloved hell of a job, the usual family business, the outs and abouts of a quite international group of friends, hazardous adventures in the “jungle” (the place where lost single souls linger and hunters chase their prey) and last not least the continual disputes between the “inner club” – Ms. Ratio, the hormone Latinas and Miss Sweet Soul, agitated by a malvolent Ms. Need.

Originally, I would have loved to write in French today. French has been the language closest to my heart since I was eight. That was when I met her. My French friend and her brothers. Every summer, they would come and visit their aunt, who was our neighbor. At the time, I didn't speak a single word of French. However, I was a quick learner. "Merde Alors" would become my first French word. About three summers later, I had the tremenduos opportunity to learn proper French at school. Unfortunately, the family council - let's say: my uncle! - decided I had to study Latin instead.  In the aftermath, I struggled with "de bello gallico" while only wanting to speak gallic! Thanks to my French summer friend starting to learn German, we achieved some means of communication at least, until I finally jumped on the last minute option: third language FRENCH. I was passionate with it. Happily never after, I closed my Latin books at 16 with great relief.

French meant more than a language to me. I felt linguisticly "at home" when I spoke it (ok, my grammar and orthography needed adaptation) and  I could catch it instinctively. No studying, just listening and loving. And my dream was to live in France one day.

By chance, I got a job in our twin town. It was not that I was particularly happy there, out of nowhere in the Pas de Calais with the Ch’tis. In an underdevelopped region which, in Autumn, could as well have served as the model landscape for "The fog". However, I was in France and that made it special to me. I worked. I lived by myself in my own flat for the first time in my life. I fell in love and was dumped. And I slept overhours because of all the healthy sea air. English? I didn't give a penny for it. Even when back in Germany, my heart was beating in French, even if I knew that I would only have a career in Germany.. No wonder I fell in love with a Frenchman shortly after in a bar in Spain during my holiday. No wonder I stayed with him for quite a long time. Somehow his being French made up for many other things - like cheating on me. I didn't marry the Frenchman. I married the boy next door. And buried my “french self” under motherhood and housekeeping. Huge mistake. Not the kids, but the rest of it.

Years later, I accidentally applied for a job. And suddenly I found myself in an English speaking environment. Slowly but surely, English took over. From time to time, I still happen to speak French. However, most of the time, I would now talk and write in English. English now happens to be the language of my brain. So speaking the language of Ms. Ratio, chairperson of my  "inner club". The club is quite international. While Ms. Ratio speaks British English, Miss Sweet Soul chats in French. My hormone Chicas, of course, would talk in Spanish. The only inconvenience is, that I don't speak a word of Spanish! Got the clue? How dare I ever hope to understand my inner club without speaking Spanish?

Perhaps I would study Spanish one day. A friend of mine with Latin American roots has already offered to teach me. Perhaps I would get back to speaking French from time to time, which I would love. In between, I write in English on this special occasion of the day of International Blogging. 

When I started to write my weblog, I would never have thought how "social" this is ... writing a weblog ... a diary? Then I started to read through other blogs - and suddenly found myself in conversations with other bloggers. It felt familiar. Like a kitchen table with a bottle of wine and my women friends. Only that the table stood in my head (and the heads of other bloggers involved). It's been more than three years of blogging. And there have been real kitchen tables in between.

So be welcome to my virtual kitchen table. Sit down. Have a wine ... and start to chat!

 

 

05.11.2014 um 21:03 Uhr

Chancen

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Take a chance on me (ABBA)

Es gibt Tage wie vorgestern ... und es gibt Tage wie heute.

Tage, an denen bereits der Einstieg irgendwie "leicht" erscheint. Heute früh fand ich "meine" Strecke zur Fortbildung. Am Zellophanfluss entlang und durch den Park. Nur zwei Ampeln in 80 Minuten und viel Natur. Die Fortbildung war unterhaltsam heute ... Selbstläufer.

Doch für positive Stimmung sorgte vor allem eine Mail aus der Küche. Eine Rückfrage zu meinem Antrag auf Bildungsurlaub für das nächste Jahr ... warum ich am soundsovielten April nur zwei statt drei Tagen beantragt hätte. Heisst übersetzt: a) Cheffe hat den Antrag befürwortet und weitergeleitet und b) die Küchenleitung möchte mir was Gutes tun.

Was sich auch in einer weiteren Mail fortsetzte: ein ausgefallenes Küchen-Seminar vom letzten Jahr wird nachgeholt und man bot mir einen Platz an. Passt nicht optimal, werde ich aber machen. Allein, um der Küchenleitung zu signalisieren, dass ich das Angebot schätze.

Last not least ein Last Minute Angebot von der Fortbildung - Platz frei für ein Wunschseminar im Dezember ... und ganz in der Nähe von BesterFreundin! 

 

31.10.2014 um 07:12 Uhr

Erpressung aus "innerer Höhe"

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: She works hard for the money (Donna Summer)

Als ich in Weit-weit-weg zwei Kolleginnen aus dem tiefsten Zipfel Afrikas erklären wollte, was ich denn in meiner Fortbildung so mache, versuchte ich Begriffe für die innere Einstellung zu finden, die manche Gespräche von vornherein zum Erfolg führt. Ich fand die englische Umschreibung "inner altitude" die innerliche Erhöhung gegenüber dem Verhandlungspartner. Nicht respektlos, sondern einfach nur überlegen in der Position und Situation. Auf englisch gefällt mir der Begriff besser ... und ist wohl mittlerweile auch in den Sprachgebrauch einer Kollegenküche "da unten" eingegangen. Doch auf deutsch und ganz konkret ... isser extrem nützlich.

Das erste Mal wurde ich mir meiner "inneren Höhe" bewusst in einem Gespräch mit Cheffe und Fast-Obercheffe vor einigen Monaten. Am Ende des Gesprächs wusste ich zwar, dass ich im Bereich Geld derzeit kaum Chancen habe ... aber ich merkte auch, wie wichtig meine "Gegenleistung" für die andere Seite ist. So wichtig, dass einige Konzessionen gemacht wurden. Und weiterhin werden.

Mit anderen Worten: Cheffe ist erpressbar. Weil er auf meine Ideen und mein Funktionieren in Extremsituationen angewiesen ist. Und auf meine Kontakte auch. Sous-Cheffe hat sich da als Niete erwiesen. Leider. Also braucht Cheffe mich (und zwei andere Kollegen) mehr denn je. Und das nutze ich gerade aus.  Denn ich gönne mir von meinen Überstunden einen freien Monat zum Jahresende. Sein hilfloses Gesicht ignoriere ich. MEINE eigenen Dinge sind in trockenen Tüchern, also gehe ich nach dem letzten "Gig" in Pause. Für eine eigene Veranstaltung eine Woche später komme ich extra noch mal. Ich kontrolliere meine Post selbst, checke meine Mails ... aber ich habe frei. Und diesmal im Gegensatz zum letzten, stressigen Umzugsdezember WIRKLICH FREI: Erpressung Nr. 2 mogelte ich direkt mit unter: die Zeiten für meine Fortbildungen im nächsten Jahr. Eine liess ich mir von ihm zugunsten des Jobs streichen, sieben sind durch. Auch ein guter Schnitt. Und das Thema Sous-Cheffe gehen wir dann wohl gemeinschaftlich im nächsten Jahr an ... konstruktiv. Das Greenhorn braucht einfach ein Boot-Camp ... und das kriegt sie von uns. Im besten Sinne. Ihr fehlt es leider an beiden Seiten - handwerklich und von den Führungsqualitäten rede ich gar nicht. Also müssen wir den "Ausfall" umwandeln .... sie coachen. Projekt für nächstes Jahr!

Privat habe ich mich in den letzten Tagen - vielleicht liegt es auch am November? - ja wieder einmal "gesuhlt". Ms. Need hat mich dabei tatkräftig unterstützt. Doch irgendwann kam ich unter dem ganzen Selbstmitleid einer Singelin wieder zur zentralen Frage: "Würdest du, liebe Rolle, auch nur eine deiner letzten Beziehungen wiederhaben wollen? Welche würdest du für dein Singleleben eintauschen?" Und die Antwort war eigentlich wenig überraschend: KEINE. Denn jede einzelne dieser Beziehungen war, selbst wenn sie schön begann, nicht RICHTIG für mich. Eine regelrecht krank machend, die anderen anstrengend oder einfach von den Gefühlen her nicht passend. 

In keiner dieser Beziehungen hatte ich mittelfristig das Gefühl "ICH" zu sein ... und deshalb waren sie falsch für mich. Das Singeln ist also besser als jede dieser Beziehungen. Selbst mit Jammern und Selbstmitleid und gelegentlichem "Suhlen".

Und heute geht's auf Abenteuer. Nicht in den D*chungel, sondern nur in den Nahverkehr. Überraschenderweise mit Cheffe als Reisegefährten. Der will zwar nicht hin, wo ich hinwill, aber in die gleiche Stadt zur gleichen Zeit. Also halten wir ein nettes Nahverkehrspläuschchen ... und begeben uns dann in unsere diversen Testküchen zum "Vorturnen".

Fröhliches Kochen allerseits ... und denen die es (im Unterschied zu mir)  feiern: Happy Halloween!

 

17.09.2014 um 16:42 Uhr

In sechs Jahren bin ich ... wasauchimmer

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Somewhere over the rainbow

Das Hier und Jetzt ist eine Bitch. Es schickt mir Pole. Ganz heiß, ganz kalt. Klebrig nah oder weitweitweg mit Sehnsucht. Quälerei oder Fett, Schwielen arbeiten oder Finanzruin.

Also muss die Zukunft her. Eine strahlende Zukunft, die ich für mich mit leuchtenden Augen affirmiere.

Der Blog, in dem ich die H4-Sparfuxerei fand, ist eigentlich ein Blog, der um einen anderen Blick auf Dicksein wirbt. Die Autorin wirbt nicht nur um ihre eigene Selbstakzeptanz. Das wäre auch ein alter Hut und bereichert so manche krankenkassenfinanzierte Maßnahme und diverseste Selbsthilfegruppen gescheiterter Diätlerinnen. Ich darf das sagen. Mein BMI ist selbst da, wo ihn die Krankenkasse blöd findet. Wobei ich den BMI blöd finde, denn Muskeln wiegen mehr als Fett. Und der/die eine hat halt auch genetisch etwas anderes mitbekommen als der/die nächste.

Sie befasst sich vor allem mit Dicksein im Fremdbild. Die vielen gut gemeinten Abnehm-Tipps und Ermutigungen. Die erstaunten Bemerkungen, wenn jemand nach einer Abnahme plötzlich sieht, was frau für ein toller Mensch ist. Ich habe mal jemanden ziemlich angepampt dafür. Und ihm gesagt, dass ich meinen Humor und meine Eloquenz auch mit 20 kg mehr hatte und kein anderer Mensch bin durch Gewichtsabnahme. Das Gewicht ist übrigens wieder drauf. Diäten und Jojo, sag ich nur.

Das wichtigere Fremdbild ist aber die Ausgrenzung. Und die findet in den Weiten des digitalen Netzes eine gar herrliche Spielwiese. Männer, die mich live auf einer Party vielleicht sogar anflirten würden, bestellen im Netz die Frauen grammweise. Die Bloggerin hat sich zum Zwecke des Egostreichelns sogar mal dort getummelt, wo Männer explizit nach kurvigeren Frauen suchen. Aber dort suchen sie eben nur für einen Kick oftmals ... und ich möchte nicht auf meine Figur reduziert werden. Weder im Großen noch im Kleinen. Was wäre denn, wenn ich plötzlich schlank wäre? Würde er mich dann verlassen? Oder aufpäppeln wollen?

Ich bekomme nicht gerade viel Aufmerksamkeit auf diesem Weg. Und grantle deswegen öfter mal. Und wenn ich dann mal welche bekomme, will ich denjenigen nicht. Wie den Mann, der mir begeistert schrieb und in der zweiten Mail seine sämtlichen Klardaten übermittelte - und dann pampig wurde, als ich anmerkte, dass mir das a) zu schnell sei und zu druckvoll und b) sein Wohnort im ländlichen Raum mir wenig erstrebenswert erschiene. Ich meine ... ich mag das Landleben wirklich nicht. Ich schlafe nicht gut, wenn es zu ruhig ist, ich langweile mich ohne Stadt zu Tode und ich mag mein Wochenende nicht mit viermal Umsteigen pro Strecke verbringen. Das ist mir zu nervig und das passt nicht in mein Leben. Selbst mit dem tollsten Mann nicht (wobei ich nicht weiß, ob dieser Mann überhaupt toll wäre ... er kam so furchtbar bedürftig rüber). Aber ... Punkt für ihn ... er fand mich gut. Dummerweise aber keiner von denen, die ich gut fand. Die fanden mich ... zu klug oder zu dick. Da wären wir wieder beim Thema.

Eine Diät mache ich in diesem Leben nicht mehr. Und solange Blue und Wirbel bei mir wohnen, ist auch Ernährungsumstellung nicht drin. Weil die beiden so viel und so schnell essen, dass ich eigentlich in jeder freien Minute mit Beschaffung und Zubereitung von Nahrung befasst bin. Und das ist a) verdammt anstrengend und b) dafür verantwortlich, dass mein Kühlschrank oft Dinge enthält, die ich gar nicht essen will und aus Zeitmangel dann doch esse.

Mein Kleiderschrank enthält inzwischen 95 Prozent gute, schöne, passende Kleidung. Ich sortiere rigoros aus. Größe 44 ist ok. Da will ich bleiben. Und zu mir stehen. Weil die Bitch Hier und Jetzt die einzige Zeit ist, die ich gerade habe.

Nur was tue ich mit der Single-Frage. Dasselbe wie jene andere Bloggerin. Nämlich nix zielgerichtetes. Bezahlte D*chungel sind genauso bescheiden wie ihre kostenlosen Alternativen. Alter und Fett ... eine fatale Kombi. "Da musse nehmen wasse krichs" scheint die gängige Meinung zu sein. Denn mit meiner Kleidergröße 44 ist Humor, IQ und Charakter so was von egal. Außer denen, die gerade diese Größe attraktiv finden - aber die schämen sich meist dafür, suchen als Partnerin eine Schlanke und die Dicke ist quasi "Ware unter dem Ladentisch". Sarkastisch? Yepp. Aber öfter mal erlebt und sich dann nicht zur Ware gemacht.

Und wie sieht meine strahlende Zukunft aus? Das Jetzt ist ja eine Bitch, wie ich bereits sagte ... also wie nun, Frau Rolle?

Meine strahlende Zukunft ist Selbstbestimmung. Mehr und mehr. Erwachsene Kinder und irgendwann der erstaunte Blick in eine Wohnung, in der ich alleine lebe. Einen Kühlschrank, in dem nur ist, was ich bewusst hineinlege. Eine Zeitplanung, die keine Klammern hat (ok, ausser der Küche). Einen Kalender, den ich komplett frei füllen kann. Und dann ... lebe ich intuitiv.

Das bringt mir keinen Partner ... aber es bringt mich zu mir.

Manchmal, wenn es gerade wieder ein Spagat ist zwischen Wünschen und Sehnsüchten und Realität, zwischen Pflichten zuhause und dem Wunsch, ganz im Job aufzugehen ... dann male ich mir meine Zukunft aus. Wie ein Esel laufe ich ihr hinterher, der die Möhre sieht. Früher war es schlimmer das zu tun. Früher. In Dorf. Heute bin ich gar nicht so weit entfernt von meiner Zukunft.

Vielleicht bin ich sogar schon fast da. Aber innen eben noch nicht. Und deshalb werde ich mich darauf besinnen, wer und wie ich sein will. Und heute ist das die Diva. Egal ob ich Größe 44 trage - heute morgen radelte ich im Kleid zum Küchentreffen und in hohen Schuhen. Selbstbewusst und mich schön findend, egal ob das andere tun. Und ich hatte Erfolgserlebnisse - nicht der flirtigen Art, aber der kommunikativen. Das pusht mich. Und davon will ich mehr.

Kleider tragen ist nur das äußere Zeichen ... ich häute mich gerade. Von Zwängen und Bedürftigkeiten. Es wird ein bisschen dauern ... aber ich bin auf dem Weg.

JETZT ... du Bitch!

 

28.08.2014 um 16:57 Uhr

Nach Jahr und Tag ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: New York, New York (Sinatra)

Heute morgen nahm ich mir Zeit und Ruhe, meine alten Einträge zu lesen. August 2013. Kann ich sehr empfehlen. Da begann die Bewegung in mir. Da kochte und gärte es. Und ich visualisierte, was ich mir wünschte. In allen Einzelheiten. Den ganzen August und September lang.

Aus dieser Zeit kommt die schwarz-rot-Regel. In dieser Zeit fing ich an, über Konsum grundsätzlich nachzudenken. Damals steckte ich mitten in der Entscheidung gegen Dorf und für mich. Damals dachte ich noch "gegen den Willen und das Wohl der Kinder", stimmte aber dann gar nicht. War gut. Genauso wie es war, war es gut. Sehr gut. Es hat sich vieles gefügt.

Ich bin umgezogen und fühle mich sehr wohl.
Den Mann für's Leben habe ich nicht gefunden.
Beruflich entwickle ich mich.
Und auch mit den Jungs läuft alles ganz gut.

Danke, Universum ...

26.06.2014 um 08:52 Uhr

Der Rolle neue Kleider

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Diamonds are a girls best friends (Marilyn Monroe)

Ich liebe Kleider. Und in jeder Saison findet mindestens eines den Weg in meinen Kleiderschrank. Dummerweise wachsen die "Anlässe" aber nicht proportional zum Kleiderschrank mit. Im Gegenteil - eigentlich überwiegen die Hosen-Anlässe. Und seit ich Zen kenne, sowieso. Selbst wenn wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, "lauert" irgendwo im Hintergrund noch mindestens ein längerer Spaziergang. Also nix mit schönen Schuhen und folglich auch nix mit Kleid. In der Stiefelsaison lässt sich das zur Not noch mit flachen Schaftstiefeln als Kompromiss lösen. In der Pumps- und Sandalensaison heißt es Kleid und unbelastbarer Schuh oder Hose und Treter. Und die Sommerversion von Treter ist eher nicht meins. Ich zieh sie aber gerade dauernd an. Bäh!

Also genoss ich gestern morgen in Erwartung eines abendlichen Job-Termins einen Blick in meinen Kleiderschrank. Wörtlich gemeint. Den, in dem die Kleider hängen. Und zog mit "so what?"-Gefühl ein Carol Zee-Kleid an. Schwarzes Jäckchen, Gürtel, orange Handtasche als Farbfleck und ich fühlte mich auf meinen Wildlederpumps endlich mal wieder auf der richtigen Augenhöhe. Dummerweise war's draußen kalt, weshalb ich unterwegs noch Strumpfhosen kaufen musste. Aber ansonsten: gutes Gefühl, mal wieder elegant zu sein. Auch wenn's im Büro eigentlich keiner sah. Doch abends mal wieder einer der Anlässe, bei denen die Spezialitätenköche unserer Stadt zusammenkommen. Mit guten Gesprächen und viel Wein. Ohne Essen. Und so endeten die Limette, die Perfektionistin und ich an einem Tisch mit insgesamt sieben Koch-Kolleginnen im Restaurant an der Straßenecke. Mit Maisbrötchen und Maniok, Spiesschen und Gelächter. Tat gut. Auch wenn ich heute morgen die nach mitternächtliche Heimkehr und den Wein ein wenig merkte.

Und ich merkte das gute Gefühl von Glamour. Glamour Girl sagt es ja seit Jahren: "Be a diva in the best sense"! Mir wurde in den letzten Tagen klar, dass meine innere Diva wieder gassi gehen muss. Ich fange klein an ... nämlich mit Kleidern und Röcken. Die werden jetzt wieder angezogen. Oft. Nächste Woche zum Beispiel, wenn die Küche wieder große Events hat, bekommt das schwarze Spitzenkleid seinen ersten Auftritt. Auch am Wochenende mit der Küche auf Reisen ist Rock-Zeit. Und zur Hochzeit der Vogelschwester gehe ich definitiv in einem schönen Kleid - welches, entscheide ich noch. 

Was mich wirklich umtreibt, hat jedoch nur bedingt mit Kleidern zu tun. Sondern mit einem Lebensgefühl. Und ich bin gerade dabei, zu ergründen, wo ich stehe und wo ich hin will. Auch mit Zen. Diese Woche haben wir uns nur zu einem Spaziergang gesehen, weil ich reiste und terminte. Heute abend ist sein Sportabend. Morgen packe ich schon wieder Tasche ... also werden wir uns heute mittag wohl kurz zum Essen treffen. Fragt mich nicht, worauf das hinausläuft. Ich weiß es nämlich nicht wirklich. Und ich habe den Kopf zu voll mit Küchenkram, um darüber vor dem 7. Juli nachzudenken.

 

12.05.2014 um 17:43 Uhr

Tea-Gate oder die Bestie in mir

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Eye of the Tiger (Surveyor)

Zen frug mich heute, ob es schlimm sei, dass er mich für normal halte ...?

Ich hingegen halte mich manchmal für einen Freak. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich mitten in einer Modellübung féststelle, dass es a) gar nicht gut ist, mit dem Tablet mitzuschreiben und dann panisch aufspringe, um Stift und Block aus der Tasche zu holen und b) dann ins Nasse packe, weil meine ach-so-tolle-super-duper-Taschenthermotasse ... UNDICHT war! Ich legte also behelfsmäßig die Tasche trocken und machte weiter. Gar nicht mal schlecht. Aber mit etwas mehr Verve als beabsichtigt. Quasi mit gefeilten Zähnen zubeißend. Biest.Ich.

Schließlich musste ich ja mein persönliches Tea-Gate wettmachen ...

Das ist es auch schon mit Fortbildungsresumé. Interessant war's, anstrengend und körperlich auslaugend. Kunstlicht für bis zu 12 Stunden. Kopfweh. Aber unglaublich viel gelernt und erfahren. Angefixt. Das ist MEINS. So lange habe ich die Rampensau und das Beißbiest in mir verleugnet. Die wollen raus. Dringend. Und ich freu mich schon auf die nächsten beiden Termine. Das Zugticket für Juli ist schon gebucht. Da geht es dann mal weiter weg. In Ginas Herkunftsbundesland nämlich. In ein Tagungshaus in einem Kaff, in das nur wochentags überhaupt ein Bus fährt ... aber dafür kann man in der Pampa bestimmt gut lernen, wenn alle Ablenkung fehlt.

Ich hatte mich dieses Wochenende dann auch schließendlich für Klausur entschlossen und mich im Tagungshaus einquartiert. Was auch gut war angesichts meiner abendlichen Kopfschmerzen. Bedeutete aber, dass ich mich Sonntags ziemlich sputen musste, um rechtzeitig zur Kommunion von Felines Tochter zu kommen.

Nach Gepäckabwurf und schnellem Umziehen inklusive anschließender Feststellung von Elektrifizierung des Rockfutterstoffs, der sich mal eben wie eine Wurst unter dem Überstoff gerollt hatte, was sich natürlich in der Bahn nicht korrigieren liess und dazu führte, dass ich unter geschlossenem Mantel schwitzte, stand ich erstmal vor verschlossener Tür. Denn das Restaurant hatte die arme Feline und ihre Gesellschaft bis 14.30 auf das Hauptgericht warten lassen, wie sie mir am Fon erzählte. Ich ging dann erstmal zu BesterFreundin nach nebenan, holte mir ein paar modische Accessoires aka Hundehaare von Felines Labradorin, die dort in Tagespflege war und erfuhr die Katastrophe. Felines Nemesis hatte mal wieder zugeschlagen. Diesmal nicht nur in Form von Mutter und Schwiegermutter, sondern das Biest MS hatte auch kräftigst zugebissen. Schub. BesteFreundin und ich schauten uns an. Warum zum Teufel trifft so etwas immer wieder die Menschen, die es nicht verdient haben? Warum konnte diese blöde Krankheit nicht Ruhe geben?

Gemeinsam mit der Patentante des Kommunionkinds habe ich mich dann um Kaffeeservice gekümmert, damit Feline möglichst viel ausruhen konnte. Irgendwann entschwand die Schwiegerfraktion. Objektiv beleidigend früh. Subjektiv für Feline in letzter Minute. Kommunionkind und ich öffneten gefühlte 200 Karten. Die Kleine gleichbleibend gut gelaunt und neugierig. Und - was mich freute - dankbar für ganz kleine Dinge wie eine freundliche Zeile in der Karte. Im Nachhinein war ich froh, dass ich meinem Impuls, nach der anstrengenden Tagung einfach schlafen zu gehen, nicht gefolgt war.

Aber trotzdem war ich dann abends ziemlich platt. Liess mich von Felines Patin bei Zen absetzen und schlief früh auf dem Sofa ein. Und jetzt dann schon wieder Arbeitswoche.

Warum Zen mich als normal bezeichnet? Nun ... sagen wir es mal vorsichtig ... er kennt auch andere Fälle. Und deshalb ist das Adjektiv in diesem Fall ein klares Kompliment!

 

 

07.04.2014 um 08:29 Uhr

Fortbildung

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: irgendwas von Bob Seger

Ich bilde mich. Nicht nur durch das verflixte Quizspiel, mit dem meine lieben Nachkömmlinge Zen ansteckten, sondern vor allem durch Besuche in der Mediathek ... aka Zens Wohnung. Der Mann hat einen Fundus an Büchern, Filmen und CDs, die manche Stadtteilbibliothek vor Neid erblassen ließen. Und so hörte ich in den letzten Tagen ziemlich unterschiedliche Musik und machte Bekanntschaft mit einigen Klassikern der Filmgeschichte. So gestern mit Herrn Malle und einem Aufzug, der direkt zum Beil des Scharfrichters führte. Ein Schwarzweiß-Film mit großen Darstellern und einer packenden Handlung. Wäre es nicht so spannend gewesen, wäre ich wohl schon in Hälfte 1 entgültig eingenickt. Ich bin es nicht mehr gewohnt, abends Filme zu sehen ... wird sich jetzt ändern. Klasse finde ich, dass Zen Filme grundsätzlich unsynchronisiert sieht, unabhängig von vorhandenen Sprachkenntnissen. So hatte ich gestern das Vergnügen an wunderbaren französischen Dialogen. Und auch das Lesen hat wieder viel mehr Platz in meinem Leben. Endlich ist da ein Mann, der genauso viel Freude daran hat wie ich, im Bett zu sitzen und die Nase in einen dicken Schmöker zu stecken!

Genug Zen für den Moment. Das Leben hat ja auch noch andere schöne Aspekte.

Wie die Tatsache, dass die liebe Carol Zee mal wieder im Lande ist und ich heute abend nach Herzenslust aus ihrem Koffer shoppen werde. Wie meinen Kaufrausch von heute morgen. Mal sehen, ob die Lederjacke hält, was das Bild verspricht. Auch meine Lieblingstassen to go habe ich bestellt. Gleich dreimal. Zwei für Blue und Wirbel, eine für Zen - zu Ostern. Wie das Wetter draußen - herrlicher, warmer Sonnenschein! Oder wie den Chat mit einer lieben Bekannten aus Süddeutschland vorhin.

Das Leben ist gerade ziemlich schön ... schnell auf Holz klopfen!!!

 

 

 

13.02.2014 um 16:41 Uhr

Back to the roots ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Back to my roots (Odyssey)

Wie fing es eigentlich an mit "Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft" ... damals, im Mai 2011? Die LeserInnen der ersten Stunde erinnern sich an einen ambitionierten, aber eher mit Beißhemmung ausgestatteten Diätblog.

Gewicht hat mich in den letzten Tagen wieder beschäftigt. Aus ganz anderem Blickwinkel, aber trotzdem mit einigen Aspekten, die sich aufzugreifen lohnen. Nachdem ich ja heute morgen feststellen durfte, dass meine Gewichtsabnahme zwar sichtbar vorhanden, aber nicht in der Dimension beheimatet war, die meine alte analoge Waage mir suggerierte, bin ich eigentlich erleichtert. Nicht, weil da wieder eine hohe Zahl steht. Aber weil das andere verdammt ungesund gewesen wäre. Weshalb ich auch mit Staunen und Argwohn vor dem TV sitze, wenn sich in Südspanien wieder die Kalorienopfer medienwirksam zum Wiegen anstellen. Abnahmen von fünf Kilo in einer Woche sind für mich nur beim Kaltstart von Null auf Hundert mit Ernährungsumstellung plus Sportprogramm denkbar. In Woche sechs allerdings kann auch eine dann noch 100 Kilo-Frau nicht mehr so viel abnehmen mit normalen aka gesunden Mitteln. Da geht irgendwann einfach nicht mehr viel Ein Kilo pro Woche ist dann schon toll. Ich weiß das, ich habe schon einmal 25 Kilo abgespeckt auf gesunde Art und Weise. In den ersten zwei Monaten fünf Kilo pro Monat, danach ging es langsamer. Für die letzten fünf habe ich ein halbes Jahr gebraucht.

Dass ich mein dann erreichtes Gewicht nicht hielt, lag vor allem an einer totalen Änderung der Lebensumstände. Nach der Trennung vom Ex hatte wirtschaftliche Unabhängigkeit und Kinderverantwortung Vorrang. Dazu ein paar Dosen Liebeskummer im Laufe der nächsten Jahre und ein heftiges Stressprojekt machte die Zahl wieder voll. Laufsport betrieb ich die ganze Zeit, aber es reichte nicht, um meine Kohlehydratesucht aufzufangen, die meinen Raubbau-Lebensstil befeuerte. 

Dann kam der Fitnessclub. Ich aß, was ich wollte, aber durch das abwechslungsreiche Training schmolzen die Pfunde. Aber nur, bis ich wieder in einer ebenso gefühls- wie energieintensiven Beziehung steckte. Keine Zeit mehr für mein Trainingspensum und motzende Extremitäten (Füsse) sorgten gepaart mit ständiger emotionaler Anspannung und Achterbahnfahrten für eine lecke Benzinleitung. Ich tankte, tankte, tankte und kam doch nicht vorwärts. 

Mein erstes Single-Jahr danach war geprägt von Bewegung. Aber auch vom Verarbeiten-Müssen. Und auch das braucht Kalorien.
Das folgende Jahr ist das, das noch nicht mal zum Recyclen abgegeben werden konnte. Stress, Frust und Ohnmacht - jedenfalls bis zum Sommer. Danach eine neue Chance, aber auch erstmal ein anstrengender Umzug.

In dieser Phase konnte ich ihn mir nicht antun, den kalten Entzug.

Denn nichts anderes als der kalte Entzug eines Junkies ist es, wenn ich versuche, meine Ernährung von den süßen Snacks wegzusteuern. Suchtmittel Schokolade und Weißmehl. Das Problem bei Nahrungssüchten ist halt, dass Essen nicht einfach weggelassen werden kann. Aber im Entzug muss ich erst einmal komplett auf Null gehen, sonst schaffe ich den kontrollierten Genuss später nie. Und bei bisher jedem der zeitweise erfolgreichen Entzüge war ich mindestens zwei Wochen lang völlig überdreht und unkonzentriert. Was selbst im Normalbetrieb einer Rolle nicht funktioniert. Weshalb meine Figuroffensiven das Thema Ernährung entweder ausklammerten und nur auf Sport setzten oder aber kläglich kurzfristig scheiterten.

Durch die letzten zwei Wochen habe ich unverhofft jetzt eine echte Chance bekommen. Denn mein Magen hat sich an kleine Portionen und wenige Malzeiten gewöhnt. Und er giert nicht nach Süßem. Habe ich also ein wenig Affirmation betrieben. Zum Einen durch mehrfache Visitation des Kalorienopfercamps in Spanien ole. Zum Anderen durch den Versuch von Autosuggestion. Und zum Dritten durch kulturellen Input.

Wer von Euch kennt es noch? Das Meisterwerk von Marcello Mastroianni? La grande bouffe ... das große Fressen ... ist die Geschichte um vier lebensüberdrüssige Freunde betitelt, die sich ums Leben fressen wollen - auf höchstem Niveau. Der s*xsüchtige Pilot, der schwule Tänzer, der erfolgreiche Koch und der jungfräuliche Jurist mit Mutterkomplex ziehen sich in ein verfallendes Palais zurück und die Orgie beginnt. Eine unglaubliche Geschichte nimmt ihren Lauf. Sinnlich und bizarr. Mastroianni eben.

Und nun kommt die positive Affirmation. Die hübsche Frühlingslederjacke eben, die wieder schön locker zugeht. Die Hose, die lockerer sitzt. Und die zwei, drei Teile im Keller, die dann vielleicht doch im Sommer wieder passen könnten ...

Und wo ist der Sport?

In den Startlöchern natürlich. Sobald ich a) wieder gesund bin und nicht mehr huste und b) auch OP-technisch wieder darf. Also ca. Anfang März. Und dann brauche ich einen neuen Wochenplan, der auf meine neuen Abläufe zugeschnitten ist. Meine beiden Hantel-Einheiten möchte ich beibehalten, zusätzlich eine weitere Studio-Einheit, vielleicht Zumba? Und einmal Gerätetraining morgens. Dazu mindestens zweimal pro Woche laufen oder walken. Und zum Sommer hin ab und zu schwimmen. Zielvorstellung ist jedenfalls wieder 1U1D - eine Sporteinheit pro Tag.

Motiviert bin ich ... mal sehen, ob ich den Biss habe, das durchzuziehen! 

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30.01.2014 um 08:59 Uhr

Psycho???

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Maniac (aus dem Film "Flashdance")

Da setzt sich Frau Rolle doch gestern hin und macht einen Psychotest. Nicht den üblichen in einer Frauenzeitschrift, der mir verraten soll, ob ich eine gute Freundin/Liebhaberin/Kollegin/Ex/Hastenichtgesehn wäre. Sondern einen hochwissenschaftlichen. Nach Herrn Jung. Zugegeben, eine Kurzfassung. 20 Minuten sollte er dauern, 5 habe ich gebraucht. Weil es wieder Mal multiple Choice war. Kreuzchen machen. Und wütend war ich hinterher. Denn bei so vielen Antworten hätte ich eigentlich gerne begründet, warum nun diese oder dass eigentlich beide. 

Der Hintergrund? Reiner Wissenshunger. Denn eine meiner Weiterbildungen in den nächsten Wochen befasst sich mit dem Innenleben und den darin verborgenen Chancen. Der Test war die "Hausaufgabe" vor der Veranstaltung. Und bevor ihr fragt: es geht nicht um die Arbeit mit anderen Menschen dabei, sondern nur um das Erkennen der eigenen Strukturen und Stärken ... und ihr spätereres Einbringen in Engagement und Beruf. Spannend ist das. Und ich bin gespannt auf die Auswertung meiner spontanen Ambivalenz. Ein Beispiel: Planung und Flexibilität. Ich mag keine "Korsetts" ... aber ich plane schöne Dinge im Kopf hin und her. Ich bin eine exzellente Analystin - aber gleichzeitig z.B. eine intuitive Diskutantin.Ich habe weder viele Bekannte noch wenige enge Freunde. Angekreuzt aber viele Bekannte, weil ich VIELE Freunde habe. Meine Definition von Freundschaft und deren Raster passen nicht zusammen ... 

Dies nur am Rande. Außerdem merke ich, dass ich trotz aller zur Schau getragenen Gelassenheit doch ein wenig nervös bin. Nachdem ich damit gestern abend dem Münchner Kindl und Glamour Girl sicherlich ziemlich auf die Nerven ging, ziehe ich mich heute abend ins Private zurück und besuche eine Veranstaltung nicht. Es geht mir besser damit. Ich brauche gerade Reflektion und Zeit mit mir selbst. Dann kommt die Gelassenheit schon wieder. Notfalls mit Strickzeug. Das hilft immer.

Herr Neujahr ist zum Alten Jahr geworden ... Geschichte. Und es ist mir eher egal. Jemand, der nie wirklich in meinem Leben war, hinterlässt keine Lücke. Irgendwann wird es wieder einen geben, der sich "richtig" anfühlt. Aber es eilt nicht. Herr Neujahr war nicht richtig. Er war in der falschen Phase ... im "jetzt erst recht". Soll er sich auslaunen und austoben ... alles Gute dafür.

Eine andere Bloggerin schrieb anderswo davon, sich in sich selbst zu verlieben. Ich denke, ich habe gelernt, mit mir zu leben ...  

26.12.2013 um 08:27 Uhr

Von Mutproben und Perspektiven

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Let it whip (The Dazz Band)

Abendessen bei der Limette - Pute und Empanadas. Irgendwie schön, irgendwie chaotisch. Ich war müde. GlamourGirl wirkte schlecht gelaunt. Sie scheint Limette und mir Silvester etwas übelzunehmen. Ihr Problem. Soll sie halt mit ihrem Freund (der gestern kein Problem damit hatte, den größten Teil des Abends mit drei Damen zu verbringen, da der Luftikus (Limettes Sohn) nur partiell dabei war - er bereitet gerade den beruflichen Gang ins Ausland vor - wurde noch vor dem Examen von einer internationalen Firma für Südamerika angeworben.

Ganz bewusst nahm ich zurück den Bus und kein Taxi. Und hatte eine "Taxifahrt" für mich. Erst zwei Stationen vor meinem Ausstieg kamen zwei Fahrgäste hinzu. Und ich hatte eine so sympathische Fahrerin. Die 200 m nach Hause waren dann kein Problem. Noch junge Leute auf der Straße, die gerade ihren zugeparkten Wagen befreiten. Der komische Typ von neulich war wohl eine Einzelerscheinung ... und inzwischen habe ich Abwehrspray in der Manteltasche und den Finger am Abzug, wenn ich nachts alleine unterwegs bin. Und habe mir bei Tangoqueen die Pull-Twist-Pull-Technik erklären lassen ... wehe den möglichen Aggressoren!

Zuversicht ist das Gefühl, dass den Ausklang dieses Jahres prägt. Ich las mir gerade die Neujahrsvorsätze von Silvester 2012 durch und stellte beglückt fest, wie viel in Erfüllung gegangen ist.

Meine Wohnverhältnisse sind zum besseren gewendet und ich habe mich endlich von Dingen getrennt und von Gewohnheiten.

Ich habe eine neue Richtung eingeschlagen und erweitere meinen Horizont.

Ich bin in Bewegung, geistig wie körperlich.

Ich habe gelernt, auf mich zu achten, auch wenn es andere vergrätzt.

Und auch der Verantwortung für Kinder und Eltern bin ich ganz gut gerecht geworden, wenn ich an die Themen Goldhochzeit und Haus denke.

Gut fühlt sich das an!

 

Und nun darf der Tag beginnen, der 2. Weihnachtstag ... ganz entspannt mit Besuch von der Preussin und wandern und/oder wellnessen ...

Frohe Weihnachten Euch allen und einen guten Weg! 

27.10.2013 um 17:58 Uhr

Who let the trash out?

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Zombie (Kassav)

Ich war dann heute kruschen. Im Keller standen zwei Kisten mit "gesammelten Werken" ... der Krempel, der bei jedem Aufräumen übrig bleibt. Habe ganz viel weggeworfen, einiges verschenkt (Wildekerleflasche an Sohn BesteFreundin zum Beispiel) und jetzt ist es nur noch eine halbe Kiste mit bekanntem Inhalt. Einiges an Büromitteln, eine Tasche mit Nähzeug und so. Ich muss mir einen Handarbeitskorb oder so was besorgen ... hätte gerne so einen altmodischen zum etagenweise auseinanderschieben. Dumm, dass Flohmarkt erst wieder im Frühling ist!
Und Bücher ... Unmengen von Büchern. Eine Kiste für meine Nachbarin zum Durchgucken und zwei für das Sozialkaufhaus. Ein komplettes Regal habe ich ausgemistet, wenn nicht noch mehr. Wer mich kennt, weiß wie viel das ist, denn ich stelle Bücher immer in zwei Reihen. Eines meiner kleinen Billys enthält also so viele Bücher wie bei anderen Leuten ein großes ...
Ich frage mich gerade, warum ich hier eigentlich ein Gesundheitslexikon verwahre???? Wozu gibt es Internet? Und Ärzte??? Weg damit! 
 
Bei meinem Kellerbesuch habe ich dann auch mal die Flaschen mit nach oben genommen, die seit meinem Einzug im Keller standen. Und festgestellt, wie viel Wein und sonstigen Alkohol ich hier noch herumstehen hatte! Zwei Flaschen (angebrochen) habe ich direkt entsorgt, da verdorben (Amaretto und ein Kräuterlikör). Einen angebrochenen Tequila nehme ich in ein paar Tagen mit zu einem Damenabend ... und ansonsten wird verteilt, wo möglich.
 
Mein Bäumchen übrigens hat ein neues Zuhause: es kommt in den Garten von BesterFreundin. Und dort wird es dem Hängekätzchen besser gehen als auf meinem Balkon. 

27.10.2013 um 09:10 Uhr

Simplify!

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: It's my life (Bon Jovi)

Ich bin im Umzugshype ... bzw. momentan im Wegwerfrausch. Mit jeder vollen Mülltüte fühlt es sich besser an. Unglaublich, wie viele Dinge der Mensch zu brauchen glaubt! Und wie viele Dinge von einer Wohnung zur anderen mitwandern, nur weil man sich nicht von ihnen trennen kann. Beispiel ein chinesisches Teeservice von einer verstorbenen Tante des Röllchenvaters. Ich finde es hübsch und es steht seit 18 (!) Jahren unbenutzt im Schrank. Jetzt wird es verschenkt. Ebenso wie die großen bernsteinfarbenen Gläser, die ich mal so hübsch fand und wegen Spülmaschineninkompatibilität nie benutzte. Die gesammelten Weihnachtstassen. Die nicht zusammenpassenden Gläser. Wer zur Hölle braucht 10 (!) Weizenbiergläser, wenn sie zweimal im Jahr zuhause solches trinkt und vielleicht noch 10 mal eine große Schorle aus diesem Glas? 6 reichen, völlig! Wer braucht 10 Tischdecken? Normalerweise liegt bei mir doch nur ein Tischläufer. Verschenken! Und die Gesellschaftsspiele, mit denen hier keiner spielt, fliegen auch raus (Spende an das Jugendhaus gegenüber der neuen Wohnung). Und mindestens fünf Kartons Bücher, zumeist "Bahn-Futter", d.h. schnell gekaufte, schnell gelesene seichte Kost, die ich nie wieder aufschlage - also Spende an ein Sozialkaufhaus (auch praktisch, weil diese Einrichtung meinen Umzug macht und ich die Bücher bereits bei der Vorbesichtigung los werde).
 
Um Irrtümern vorzubeugen: ich bin kein Messie. Mein Kinderzimmer hatte aus Platzmangel solche Tendenzen. Und auch mein Schlafzimmer hat "Kruschecken", weil der Platz fehlt. Aber das soll sich ja gründlichst ändern. 
 
Und nun keine Prokrastination mehr ... das Bücherregal wartet!
 
 


22.10.2013 um 23:46 Uhr

Von Stöckchen und Erkenntnissen

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: I surrender (Rainbow)

Dieses Stöckchen hat ja wohl die wilde Welle geworfen ... lustig, was bei den anderen so zu lesen ist!

Einen ganz anderen Schritt in Sachen Selbsterkenntnis verdanke ich dem Frage-Stöckchen, das mir die Zuhörerin neulich schickte. Es fiel mir schwer, diese Fragen zu beantworten, deshalb griff ich zur bewährten Technik: Prokrastination, bis nichts mehr geht und dann "hinrotzen". Ich fühlte mich allerdings bemüßigt, ihr den Kommentar dazu mündlich zu geben. Und stellte dabei fest, wo die eigentlichen Antworten lagen. Gut.

Heute nachmittag war die erste Wohnungsbesichtigung. Eine sehr sympathische Patchworkkonstellation mit Ihr plus Sohn, Ihm plus zwei Töchtern und Hund (wuschelig und eine Sie). Ich bin parteiisch ... die würden gut ins Haus passen. Die Schwangere mit Kleinkind morgen und die ältere Single-Frau haben bei mir schlechtere Karten. Weil sie mit weniger Platz gut auskommen würden. Vier Zimmer sind für Familien mit lebhaften Kindern. Kleinkinder kommen auch noch mit einem gemeinsamen Zimmer aus und dann braucht niemand zwei Bäder. Und am meisten ärgern mich die Vermieter, die große Wohnungen an ruhige Einzelpersonen vermieten wollen. Meine Vermieterin ist zum Glück anders ... die fand die Familie gut. Und Hunde mag sie auch. Ich bin gespannt, ob sich der Mischclan heute abend positiv entscheidet - sie waren jedenfalls sehr lange hier und haben schon über Zimmerverteilungen debattiert ...

 

10.10.2013 um 12:10 Uhr

Selbsterkenntnis

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Ich bin gut organisiert. Erst während ich es zu meiner Mutter sage, fällt mir auf, dass es stimmt. Zum ersten Mal seit Jahren weiß ich wieder, wo sich jeder Gegenstand in meiner Wohnung befindet und habe den Überblick bis zum letzten Schrankfach. Das einzige, was ich noch suche, ist Wirbels Impfpass, aber das ist eine andere Geschichte.

Das letzte Mal, als ich solche Klarheit hatte in meinem persönlichen Umfeld, war 2003. Damals, zwei Monate nach der Trennung vom Röllchenvater, zog ich aus der ehelichen Wohnung aus in eine kleine Dreizimmerwohnung. Und ich war eigentlich der Meinung, dass ich dort nur maximal ein Jahr wohnen würde und dann zu dem Mann zöge, den ich seit kurzen Wochen liebte. Also richtete ich mich auf Provisorium ein. Kein Kleiderschrank, sondern Regale. Und alles so verstaut, dass es sich wieder einpacken liess. Gut zweieinhalb Jahre später lebte ich nicht bei jenem Mann, sondern war wieder Single und zog in eine größere Wohnung im Ort. Das erste Mal eine Wohnung, die wirklich MEINE war. Und ich richtete mich ein. So, wie man es für immer tut. Ohne Rücksicht auf etwaiges Wiederaufbrechen und Wiedereinpacken. Die Quittung erhielt ich dann fünf Jahre später in Form einer Eigenbedarfskündigung und eines nur als furchtbar zu bezeichnenden Umzugs. Ich fühlte mich wie vertrieben aus dem Paradies und eigentlich hatte die neue Wohnung nie eine wirkliche Chance, mein Zuhause zu werden. Sie gab sich Mühe. Redlich. Mit einem eigenen Bad für mich, der idyllischen Umgebung, tollen Vermietern und lieben Nachbarn. Aber mein Herz ging nicht auf. Ich hatte keine Lust an dieser Wohnung. Keine Liebe zu allem, was ich darin tat. Und nun merke ich, dass alles in mir diesen Umzug will und fördert. Der Hebel steht auf "Machen" ... und so bin ich plötzlich organisiert und aufgeräumt, trenne mich von Überflüssigem und verschaffe mir Klarheit.

Es stimmt, sie ist schön, meine alte Wohnung. Vielleicht sogar schöner als die neue. In den Augen anderer jedenfalls. Aber für mich ist die neue Wohnung ein Schlüssel zu einem mehr selbstbestimmten Leben. Meine Käfigtüre öffnet sich. Und entgegen meiner Angst muss ich jetzt noch nicht einmal springen, sondern darf entspannt herausschlendern und leben.

Die Raumaufteilung in der Wohnung - ja Pele, du hast recht - wird wohl die klassische werden. Ich werde mir den Luxus nehmen, Wohn- und Schlafzimmer zu okkupieren. Würde ich es anders machen, läge mein Schlafraum zwischen zwei Kinderzimmern ... und das fände ich weder günstig noch besonders sinnvoll.

Jetzt bin ich mal dran ...

07.10.2013 um 14:00 Uhr

Danke, liebes Universum!

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Money for nothing (Dire Straits)

Ende August ging ich am Zellophanfluss entlang und formulierte meine Wunschliste an das Universum. Und heute hat es geliefert. Um 10 Uhr kam der Anruf der Wohnungsgesellschaft, man habe meine Wohnung für mich reserviert und ich werde in den nächsten Tagen den Mietvertrag mit dem genauen Einzugsdatum bekommen. Beide möglichen Daten sind mir recht. Auf jeden Fall konnte ich meine alte Wohnung schon einmal kündigen.

Die "neue" liegt ganz in der Nähe von Wirbels Schule. Sehr zentral, zu Fuß keine zehn Minuten von der Innenstadt entfernt. Bushaltestelle und Bahnhaltestelle in Spuckdistanz. Lebensmittelläden, Restaurants und Kiosks in der Nähe. Nachtbus hält 300 m entfernt. Vier Zimmer hat sie, alle mit schönem Holzdielenboden, und eine Küche, die groß genug für einen Esstisch ist. Ein Wannenbad mit Fenster, zwei Kellerräume und viel Grün drumherum. Ein bisschen teurer als die alte Wohnung, aber ein 100 Prozent Plus an Lebensqualität! Perfekt für mich. Perfekt für Wirbel. Und Blue muss sich halt an längere Fahrzeiten gewöhnen - kriegt dafür aber auch ein schönes, großes Zimmer. Wie gut diese Lage für ihn ist, wird er spätestens merken, wenn er nicht mehr in Kaff zur Schule geht, sondern in Arbeitsstadt studiert ...

Und nun heißt es ausmisten! Ich möchte mit weniger Ballast umziehen. Nicht den Krusch von einer Wohnung in die andere schleppen. Deshalb habe ich für Mitte Oktober schon Sperrmüll angemeldet. Und zum Umzugstermin nochmal.

Die Balkonmöbel kommen bereits zum ersten Termin weg. Und die alten Stühle. Und der Tischkicker, den Wirbel nie nutzt.

Wie gut, dass der Kleiderschrank schon ausgemistet ist!

 

22.09.2013 um 20:08 Uhr

Raum geben

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Winds of Change (Scorpions)

Momentan schwanken die Einträge hier zwischen Leichtigkeit, Sachlichkeit und schwerer Kost. Ich warne vor: heute ist Letzteres dran. 

Immer besser lerne ich, in meinen "Single-Schuhen" zu laufen. Schwanke dabei zwischen Zynismus und bewusstem Genuss von Situationen, die ich allein anders erlebe als mit einem Partner. Immer stärker wird die Gewissheit, dass ich diesmal lange allein bleiben werde. Und auch, wenn mein Leben gut gefüllt ist mit Menschen und Erlebnissen, so ist da eine Lücke. Anders als früher bin ich aber inzwischen bereit, mein Leben für mich allein einzurichten. In dem Bewusstsein, dass ich damit wieder den Platz für einen Partner kleiner und enger mache ... aber ich kann auch nicht noch Jahre auf mein eigenes Leben warten.

Mein Wohnen in Dorf ist ein Beispiel für diese Ambivalenz. Ich mag Dorf. Ich stamme aus Dorf und kenne hier fast jeden, der mir auf der Straße begegnet, habe liebe Nachbarn und tolle Vermieter.  Hätte ich einen Partner und ein Auto, würde ich wahrscheinlich nichts vermissen. Ich habe aber weder noch, stattdessen die Verantwortung für meine Kinder und eine riesige Logistik-Kanonenkugel am Bein. Denn nichts von dem, was für mich Lebensqualität ausmacht, ist hier vor Ort. Konnte man sich vor 20 Jahren hier noch komplett versorgen, ist jetzt der nächste Bäcker 1 km entfernt, die anderen Geschäfte noch weiter. Mein Sportstudio - in Arbeitsstadt, meine Freunde in Arbeitsstadt und Nachbargroßstadt. Interessante Männer desgleichen. Ein Auto würde mich übrigens so viel kosten wie die Miete ... ist also selbst, wenn ich Klimaschutz beiseiteschieben würde, nicht machbar. 
Würde ich noch in meiner alten Wohnung in Dorf leben, hätte ich diesen Problemdruck nicht. Denn die alte Wohnung hatte zwei riesige Vorteile: sie lag neben dem Bahnhof und sie bot mir persönlich mehr Lebensraum. Das, was andere als Vorteile in der jetzigen Wohnung betrachten, sind keine. Jedenfalls nicht für mich. Ich habe, da ich den nachträglich vom Wohnzimmer abgetrennten Essbereich als Schlafzimmer nutze, zu wenig Platz, kann keinen Kleiderschrank stellen und die Autos vom Berg fahren auf meiner Bettkante an zwei Außenwänden vorbei. Das Wohnzimmer ist Waschküche und Rumpelkammer. Denn der ach so tolle Balkon ist eine Nullnummer, da er nicht überdacht ist. Wenn ich die Wäsche da rausstelle, wird sie tourmäßig nass. Draussen gesessen habe ich in diesem Jahr zwei Mal ... aus dem gleichen Grund. Bei Hitze und Wind ungeschützt ... und visavis schleicht auch öfter mal um den Innenhof. Was sehne ich mir den Treppenabsatz zurück, auf dem ich früher ungestört Wäsche trocknen konnte ... und das helle luftige Wohnzimmer, in dem ich mich so gerne und viel aufhielt und in das ich gerne Gäste einlud. Mein Mansardenschlafzimmer, in dem ich mich so wohl fühlte und die schöne, schöne große Küche mit ihrem weiten Blick. Dafür nahm ich gern das Mini-Bad in Kauf.
Gegen diese Wohnung hatte die jetzige nach der "Vertreibung aus dem Paradies" keine Chance. Und meine persönliche Lebenssituation hier ist einfach nur schlechter als zuvor.
Da ich keinen Partner herzaubern kann, kann ich meine Lebenszufriedenheit nur dadurch erhöhen, dass ich meine Situation zum Guten verändere. Und das scheint hier in dieser Wohnung nicht zu gehen. Heute zum Beispiel habe ich den ganzen Tag meinen Kleiderschrank entrümpelt ... übrigens zum fünften Mal in drei Jahren. Es ist also gar nicht mehr so viel drin. Und trotzdem habe ich noch vier Tüten gepackt. Langsam komme ich meinem persönlichen Ideal wieder ein bisschen näher. Bis auf ganz wenige Ausrutscher ist inzwischen alles im Schrank respektive an der Stange in meiner Wandnische schwarz oder rot. Ich habe alles aussortiert, was verschlissen war, Löcher hatte, zu klein ist oder einfach nicht mehr zu mir passt. Und das, was nun zum Ende der Sommersaison in den großen Koffer wanderte, muss nächstes Frühjahr wieder durch die Kontrolle ... und im Herbst nochmal. In Sachen Accessoires und Schuhe kommt die nächste Offensive auch bald. Da ist viel zu viel, was ich nicht mehr trage und was nicht mehr zu mir passt ... von der Haarspange bis hin zum beige-gestreiften Socken. 
Und wenn das Schlafzimmer durch ist, kommt der Wohnzimmerschrank und die Kruschecke dran! Ich wette, dass ich die Mehrheit der Dinge im Wohnzimmerschrank seit dem Umzug 2011 nicht benutzt habe. Also brauche ich sie wohl nicht wirklich. Das, was ich verwendete, waren die Weingläser und eine Servierplatte, die dort gelagerten Weinflaschen und die Tischläufer aus den Schubladen. Alles andere gammelt vor sich hin - Gesellschaftsspiele, Deko-Artikel, Geschirr.  Und so schön manches ist ... unbenutzt ist es BALLAST.
Das Grundproblem ändert die Räumerei allerdings nicht. Als Single in Dorf in den derzeitigen räumlichen Bedingungen FÜR MICH bin ich nicht glücklich. Mir fehlt mein soziales Leben und mein Lebensraum. Blue und Wirbel haben große Zimmer, ich die Dienstmädchenkammer hinter der Küche und ein Wohnzimmer als Waschküche. Und ich kann keine Abendaktivitäten planen, da die Notwendigkeit mehrmaligen Hin- und Herfahrens im Verein mit dem Zugfahrplan das meiste erfolgreich vereitelt. Wenn ich bis 19.30 Abendessen zubereite, kann ich nicht um 20 Uhr in Arbeitsstadt sporteln ... und wenn ich bis 22 Uhr sportle, würde ich erst nach 23 Uhr zuhause sein. 
Also Arbeitsstadt. Und die Suche ist schwierig. Weil wir zu dritt sind. Und weil ich eigentlich nur meine alte Wohnung zurückwill, nur halt in Arbeitsstadt. Ich bin mäkelig und nichts ist mir gut genug. Und wenn mir etwas gefällt, ist es zu weit von Blues Bus entfernt. Doofes Spiel.
Heute abend bin ich pragmatisch ... und ein kleines bisschen erleichtert. Denn mit den Klamotten habe ich auch ein paar andere längst überfällige Dinge entrümpelt. Und das tat verdammt gut. Egal, ob ich schnell eine Wohnung finde oder nicht ... ich will mit leichterem Gepäck reisen. Und mein künftiger Lebensraum wird keine Waschküche und keine Dienstmädchenkammer mehr sein!
Das wird MEINE Wohnung. Blue und Wirbel bekommen ihre Zimmer, aber mir soll es endlich wieder gutgehen in meinen vier Wänden!
DAS ist der Plan ... und dafür kämpfe ich. 

03.09.2013 um 10:33 Uhr

... la la la la ... toooo meeee!

von: Spring_Roll   Kategorie: Rolle 2.0

Musik: Celebration (Cool and the Gang)

Wieder ein Jahr herum. Große Unterschiede und eine Parallele. Malt trank ich auch im letzten Jahr um Mitternacht. Damit hört es aber auch auf mit den Ähnlichkeiten. Saß ich letztes Jahr in einem Hotelzimmer am Bahnhof von Neapel, schaute mir durch das Fenster die wäscheaufhängenden und gestikulierenden Italiener an und trank ein bestenfalls als gruslig zu betrachtendes 2cl-Fläschchen aus dem Duty-Free, so war es diesmal der eigene Balkon und der Malt, der sich anfühlt wie ein Abend vor dem Kamin ... bunnahabhain. Und die lächelnde Erinnerung an einen schönen Abend, der dem Malt voranging.

Ich fühlte mich abschiedlich heute nacht ... und ein wenig sentimental. Denn obwohl ich Dorf mag, sehr sogar, erfordert es meine persönliche Lebensqualität, endlich zu gehen. Unendlich wertvoll ist mir meine Bewegungsfreiheit ... und die ist nun einmal hier mehr als eingeschränkt. Und endlich, endlich, verstehen das sowohl meine Kinder als auch meine Eltern.

Und während ich mich im letzten Jahr darüber freute, durch eine Geschäftsreise dem "Feiern-Müssen" zu entkommen, weiß ich in diesem Jahr, dass der Tag genau so verlaufen wird, wie es mir gut tut. Mit einem Mittagessen mit Blue und Wirbel, mit einem Kurzbesuch meiner Mutter (mit der Restfamilie feiern wir im Rahmen einer größeren gemeinsamen Unternehmung) und abends mit dem Besuch lieber Freundinnen bei Wein, Brot und Käse.

Was wünsche ich mir für das kommende Jahr?

Mehr Lernen, mehr Erfahrungen ... was ich in diesem Jahr begann, soll sich fortsetzen und Frucht tragen. Meine Fortbildung, aber auch die Perspektivwechsel im Privaten. Und ich bin gespannt, welche der Menschen, die mir in diesem Jahr begegneten, mir über die Zeit näher rücken werden. Sehr glücklich bin ich darüber, dass zwei Freundschaften, die ich als kriselnd bis entfernend gesehen hatte über einige Monate, doch mehr Substanz haben als ich glaube ... Danke, dass ihr beide mir nah seid und bleibt, auch wenn unsere Leben zurzeit unterschiedlich verlaufen.

Die Erkenntnis des Jahres: ich bin anders, als ich selbst von mir dachte ... und es fängt an, mir zu gefallen.

Ich kann besser nein sagen ... und meine Kategorien sind weicher geworden. Gut!