Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

01.01.2015 um 21:55 Uhr

Wir bleiben hier?

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Fade to grey (Visage)

Neues Jahr - neues Glueck?

Ich hoffe ... JA! 

01.12.2014 um 13:59 Uhr

Erinnerungen einer Zeitreisenden

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: If I could turn back time (Cher)

Jeder Besuch in Dorf ist eine kleine Zeitreise. Nicht nur persönlich. Auch so ganz allgemein. Diesmal wählte ich den Einfallswinkel aus dem Norden kommend. Und schaute mir ganz bewusst die Häuser an der Straße an. Lauter kleine zweistöckige Monopolyeinfamilienhäuschen mit Flachdächern aus dem beginnenden Millennium. Farblich von dezentem creme über diverse Gelbtöne bis Terrakotta reichend. Aus dem Jahr 2002 datiert der Fehlschlag, dessen Gelbton nur schwerlich nicht an bakterielle Atemwegsinfektionen denken lässt. Die 50er stehen als Mehrfamilienhaus direkt nebenan. Schlichtes Grau. Zweckmäßig. Dach über dem Kopf. Schlecht isoliert und ergo feucht. Allerliebst die Einfamilien-Hexenhäuschen aus den 30ern und 50ern. Entzückend mit ihren schönen Metallgittern an den Haustüren, den Giebeldächern und individuellen Formen. Die Einfamilienhäuser der 60er protzen und klotzen. Breit, niedrig, riesige Fenster mit Blumenbänken, Natursteintreppen und riesige Gärten. So was hat mein Onkel. Ist schön. Auch innen. Die 70er warten mit Bungalows auf. Mittlerweile eher heruntergekommen. Je näher ich dem Dorfkern komme, desto mehr 80er sehe ich. Backstein. Rot. Dunkel und trutzig. Zweckmäßig. Der andere Backstein daneben. Der schöne aus dem 19. Jahrhundert. Und die Gründerzeithäuschen mit dem Stuck an der Fassade. Hier lebten früher die Wohlhabenderen. Zwischen Monopoly und 50er dann die 90er mit Wucht. Erker dich glücklich, war die Devise. Potthässlich das Ergebnis zumeist. Wohnzimmer gefliest mit Erker - der Renner damals. Und mich schüttelt es, wenn ich dran denke. Immer näher komme ich der Dorfmitte. Hier fachwerkt es. Das 19., 18. und sogar vereinzelt 17. Jahrhundert grüsst. Verwinkelt, urig und gemütlich. Häuser zum Leben.

Eingeladen bin ich in den 90ern. Es erkert. Und auf dem Weg komme ich an meiner alten Wohnung vorbei. Gründerzeit. Gemütlich sieht es aus von außen. Aber ... es zieht nichts in mir. Keine Wehmut. Kein Bedauern. Sondern ein Glücksgefühl, als ich in Città wieder aus der Bahn steige und durch meine 50er Siedlung nach Hause gehe.

Ganz nebenbei brachte mich der Besuch in Dorf auch weihnachtsdekotechnisch wieder auf den neuesten Stand - Kugeln. Christbaumkugel. Groß wie Petzi-Bälle. Die sind "in" heuer ...

Für mein Update in Sachen Gebäck sorgte gestern nicht nur die Gastgeberin mit "Cupcakes" sondern vor allem heute morgen Jenny-in-the-Box mit ihren selbstgebackenen Vierlagenkeksen. Saulecker, hochkalorisch und einfach nur ein Genuss! Lebkuchenteig, dann zwei Lagen Kokos-Kondensmilch und zum Schluss eine Schokotrüffelmasse ... seufz ...

 

20.11.2014 um 16:00 Uhr

Rolle 2.0?

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: All by myself (aus "Bridget Jones")

Ab und an blättere ich zurück in meinem virtuellen Tagebuch. Und frage mich, was mich damals beschäftigt hat. Vor einem, zwei, drei Jahren nämlich.

2011 - ging es mir körperlich und seelisch schlecht. Doch am 21.11. steckte ich den Kopf aus der grauen Suppe und versuchte mich in Tatendrang und Optimismus.

2012 - war ich am 19.11. froh und dankbar für die kleinen Glücksmomente und genoss das Leben intensiv. Auch wenn mich in der Küche ein paar x-mal aufgewärmte Ärgernisse nervten.

2013 - regte ich mich auf. Denn am 20.11. gab es eine eher sinnfreie Test- und Beratungsschleife in Wirbels Schule.

Nun denn ... wir schreiben den 20.11.2014 und was bewegt Sie heute, Frau Rolle?

Dankbarkeit. Definitiv Dankbarkeit. Und verdammt nah dran an Zufriedenheit. Nicht die genügsame, statische Art, sondern das Immer-wieder-Durchatmen-und-Freuen-Gefühl, wenn ich einen Schritt weiter geschafft habe. Aus tiefstem Herzen JA zu meiner Wohnung. Ich bin gerne hier. Liebe die Holzböden, die warme Atmosphäre und die Umgebung mit den kleinen Läden. Ich freue mich sogar darüber, dass heute abend eine Verabredung abgesagt wurde und ich zuhause bleiben darf. War eine anstrengende Woche, wird mir gut tun.

Der D*chungel fehlt mir täglich weniger. So viel Zeit ging dafür drauf. Und genützt hat es doch nichts. Seit ich nicht mehr d*chungle, walke ich wieder. Fast jeden Morgen den Fluss entlang. Und ich habe solche Freude an der Bewegung und am Blick über das Wasser.

Ich bekomme Bestätigung. Immer öfter und von verschiedenen Seiten. Auch in der Küche. Es sind diese schönen Momente, in denen Netzwerke tragen ...und Dinge so einfach machen. Im Privaten sind Freundschaften geblieben und gewachsen. Ein wenig "Peripherie" aus reason und season bröckelte weg, aber meine nahen Lebensmenschen, die stehen wie eine Eins ... forever eben. Allen voran meine Allerbeste. Auch wenn sie inzwischen weiter weg wohnt.

Es ist ein guter Weg, den ich gegangen bin in den letzten Jahren ... weiter so, Rolle ...

 

 

 

 

06.11.2014 um 07:09 Uhr

9 und 11

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Einigkeit und Recht und Freiheit

Es geht durch die Fernsehprogramme, die Zeitungen, die Blogs und auch die Gespräche auf dem Flur: der 9.11. 

Schon die Zahl ist seltsam. Der neunte Elfte. Wir Deutschen sagen ja den Tag vor dem Monat. Die Amerikaner umgekehrt. Deshalb taucht beim 9.11. auch immer der Nine Eleven mit seiner ungleich tragischeren Bedeutung im Unterbewusstsein auf und ich bin wieder einen Moment in jener Hofeinfahrt und höre die vierjährige Anna vom Balkon rufen, dass da die Leute aus dem brennenden Haus springen. Ich rufe zu ihr hoch, sie solle solche Filme nicht gucken ... schiebe meinen Kinderwagen ein paar Meter weiter in den Kindergarten, wo mich am Eingang nicht nur mein vierjähriger Blue begrüsst, sondern auch Mütter und Erzieherinnen mit versteinerten Mienen ... auch sie wissen es erst seit ein paar Minuten ... die Minuten, die ich ohne Fernseher oder Radio mit dem Wickeln und Anziehen von Wirbel und dem kurzen Weg in den Kindergarten verbrachte. Ich mache zuhause den Fernseher nicht an. Will Blue die Bilder ersparen. Erst abends sitze ich vor den Sondersendungen und mag immer noch nicht glauben, was ich sehe.

Auch ein anderer 9.11. hat einen bedrückenden Beigeschmack: die Reichspogromnacht 1938. An diesem Abend erinnern wir uns wieder - oder lassen uns erinnern von Älteren - an zerschlagene Fenster, geplünderte Läden und geschundene Menschen. Alles unter dem Deckmantel der Ideologie.

An "unserem" 9.11. bin ich 24 Jahre alt. Und ich komme gerade aus München zurück, wo ich drei Tage auf der Jahreshauptversammlung meines damaligen Arbeitgebers durchgeschuftet habe. Ich werfe mich vor den Fernseher, schaue einen Film und bin zu lethargisch, vor den Tagesthemen auszuschalten. Zum Glück. Denn da sehe ich es. Das Brandenburger Tor. Die Mauer. Und die vielen, vielen Menschen. Wirkliche Gefühle habe ich in diesem Moment nicht. Bin zu kaputt. Fühlt sich an wie ... "ach so ist das jetzt". Ich bin viel zu weit entfernt, um auch nur daran zu denken, ein Teil dieses Ereignisses zu sein oder zu werden. Mache mir auch noch keine Gedanken darüber, welche Konsequenzen es haben wird. Das kommt später. Und ich erlebe nur wenig davon mit, was sich in den "neuen" Bundesländern abspielt. Bekam mit, dass nächtliche Telexe Verbindungen zu branchenzugehörigen Firmen aufbauten. War irgendwann mal in Berlin "danach" und in Halle. Hatte nie "Ost-Verwandtschaft". Und die Leute, die ich nach der "Wende" dort kannte, waren "ausgewanderte" Westler. Nicht viele. Eine Tagung organisierte ich mal in Dresden, und eine weitere im ehemaligen Ost-Berlin. In den 1990ern.

Heute berühren mich die Filme und Geschichten. Aber für mich sind es eben Filme und Geschichten. Weil ich so wenig Teil davon war und bin. Ein wenig beneide ich dich, liebe Gina. Denn du hast miterlebt, was die Grenzöffnung auslöste. Du hast deine Freunde weinend und lachend in die Arme geschlossen ... während ich vor den Tagesthemen sass. 

Ein Land und zwei verschiedene Geschichten. Über 40 Jahre lang. Am 9.11. liefen die Stränge wieder zusammen. Wie bedeutsam das eigentlich ist, merkte zumindest ich nur im Rückblick.

17.10.2014 um 09:35 Uhr

Langsam ankommen

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: September (Earth Wind and Fire)

Ja ... ist Oktober, je sais. Aber das Lied geistert heute früh durch meinen Kopf. Ich komme wieder langsam an im normalen Leben. Irgendwie hat mir der Ganz-woanders-Break gut getan. Und nun wartet nicht nur Routine auf mich, sondern heute nachmittag auch eine interessante D'chungelbegegnung. Es wird kühler, die Biergärten locken nicht mehr und der gemeine Single pirscht wieder. Mehr oder weniger jedenfalls. Es sind wenige Kontakte, dafür aber interessante. Ich weiß nicht, ob einer davon der sein wird, der die Latinas wieder zum Tanzen bringt ... aber zumindest sind es interessante, intelligente Menschen, die wahrscheinlich unterhaltsame Gesprächspartner sein werden. Mehr kann frau doch für's erste gar nicht verlangen. 

Und wenn es anders sein sollte und alles schief geht ... gibt es den Katastrophenbericht natürlich hier. Gelernt habe ich, mich selbst kritisch zu reflektieren und mit den Erwartungen eines Gegenübers abzugleichen. Neulich begegnete ich zum Beispiel einem recht sympathischen Kerl. Aber sene Lebensvorstellung ist Ruhe und Beschaulichkeit. Wer mich kennt, weiß, dass das nicht gut gehen könnte. Dazu bin ich einfach zu hibbelig und lebenshungrig. 

Heute nachmittag treffe ich jemanden, der diese Taktung teilen kann ... neugierig bin ich!

 

 

16.10.2014 um 19:48 Uhr

Irgendwie unwirklich ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Fade to grey (Visage)

Irgendwie habe ich gar nicht den Eindruck, in einem anderen Land gewesen zu sein. Klar, da waren die Schmitzens und überall wurde schmitz gesprochen. Und auch das Geld war anders. Die Summe vor dem Tausender entsprach dem, was es ungefähr in Euro gekostet hätte. Aber das Küchentreffen spielte sich in Räumen ab, die überall auf der Welt sein könnten. So eine Art Starfleet-Headquarters mit Standardzeit und Standardatmosphäre. Nur das mit der Standardtemperatur haben Schmitzens vergeigt. 

Die Schmitz-Küche mag ich. So sehr, dass ich mit Sous-Cheffe glatt heute mittag beim örtlichen Schmitz um die Ecke war und etwas aß, das ich in Weit-weit-weg probiert hatte. Da allerdings war das Gemüse unbekannter. Hier war's eher Salat. Schmeckt wirklich gut.

Und ich habe mir etwas gegönnt - schließlich bekomme ich ja noch Spesen für den Schmitz-Trip. Wer drei Tage lang Kekse zu Abend isst, darf sich vom Abendessensgeld auch Schuhe kaufen. Und eine Jacke. Das Geld wird reichen, denn beides hat nur je 30 Euro gekostet. Was für Ecco-Schuhe und eine S'Oliver Jacke nicht viel ist. Das habe ich gebraucht ...zumal mir in Weit-weit-weg ein Paar Schuhe irreparabel wegbrach.

To be continued ... 

16.10.2014 um 10:11 Uhr

Back to normal

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: I'll be home for Christmas

Morgens um sieben ist auch in Weit-weit-weg die Welt noch in Ordnung. Der Check-in-Schalter macht nämlich erst um 7.15 auf. Auf schmitzisch werden wir darauf hingewiesen, dass wir irgendetwas an einem Bildschirm tun sollen. Als unsere Koffer an uns vorbeiziehen, wird uns klar, worum es geht: wer seinen Koffer nicht sieht, hat ein Problem und vermutlich einen längeren Zeitverlust. Uns betrifft es nicht. Und so verlustieren wir uns in der Klein-aber-Oho Duty-free-Zone. Maitre mit Arbeit auf dem Laptop, ich mit Einkaufen in guter Freundinnen-Jobreise-Tradition. Brillenetuis sind es diesmal für Glamour Girl und das Münchner Kindl und kleine Börsen/Schminktaschen für Limette und Nichten. Perfektionistin bekommt ihre Lieblingssache ... einen gar scheuseligen Kühlschrankmagneten (ich bin NICHT schuld! Sie sammelt die Dinger ...). Der Flieger nach Transitland ist klein ... ein Cityhopper. Aber dank Airlinekooperation darf er am riesigen Transitflughafen direkt ans Terminal. 

Transitland. Diesmal bekommen wir einen roten Button ans Revers. Und die Schlange, an der wir bei der einreisenden Durchreise Stunden verbrachten, ist nicht da. Dabei hätten wir jetzt Zeit dafür. Nach einer knappen halben Stunde sind wir bereits am Gate. Bzw. kurz davor bei einer nicht ganz unbekannten Kaffeekette. Jetzt shoppe ich mal für mich: nebenan ist ein Teeladen ... da konnte ich nicht widerstehen. Die Jungs sind schwieriger ... aber ich denke, sie werden die Becher der Kaffeekette mit dem Lokalkolorit von Transitland mögen. Sind jedenfalls schön groß, die Dinger.

In Transitland gibt es die entzückendsten Geschäfte. Und in eine Jacke habe ich mich regelrecht verliebt. Dummerweise sind die Frauen von Transitland eher zierliche Elfen und ich deutsche Zwölfe passe selbst in 3XL nicht hinein. Schade. Sonst hätte ich jetzt ein ganz außergewöhnliches Stück im Schrank. Und so viel abnehmen, dass sie passt ... das schaffe ich wohl in diesem Leben nicht mehr. 
 
Dann endlose Stunden im Dunkeln. Warum auch immer meint die Airline, dass bei Mittagsabflug und Ankunft am frühen Abend für die verschwundenen Zeitunterschiedstunden eine "Nacht" simuliert werden sollte. Vielleicht sind es aber auch die ... sagen wir mal ... etwas unzugänglichen ... Staaten, die wir überflogen. Ich nutzte die "Nacht", um meinen Jahresdurchschnitt an gesehenen Filmen zu heben und dabei eine Bildungslücke zu schließen. "The sound of music" wird in so vielen Büchern der englsichsprachigen Welt erwähnt ... und ich hab's jetzt endlich mal gesehen. Und mich über vieles herzlich amüsiert. Ein Singfilm der 1950er halt. Das damalige Äquivalent der Sonntagabendschmonzette. Drei Stunden Schmalz pur. Aber hat Spass gemacht. Darüber hinaus sah ich eine Hollywoodkomödie (The other woman) und eine französische Hypochonder-Satire von Danny Boon (Le Superchondriaque .... ROSA: gucken!!!). Und ich klickte durch Zufall auf eine chinesische oder koreanische Serie, von der ich zwar ohne englische Untertitel nichts verstand, die aber trotzdem interessant war ... muss wohl dort ein Treffer ohne Ende sein. Unsere Fluggesellschaft hatte überhaupt im Mediachannel eine bunte Mischung ... ziemlich alles an Sprachen dabei. Deutsch nicht. Aber Englisch ausreichend für mich. 
 
Dank Schmitz-wifi wussten wir zumindest dann bei der Ankunft schon, dass an Züge nicht zu denken war. Zielflughafen lag nämlich zum einen etwas weiter von Citta entfernt (weil billigeres Flugticket), zum anderen in der arbeitsumkämpften Zone. Und dankten unserem Schöpfer nebst unserer Officemanagerin dafür, dass am Ausgang ein freundlicher Mensch winkend auf uns wartete und uns und unsere Koffer nach Hause brachte. Auf Umwegen dank freundlicher Sperrungen des Vereins Blau-Weiß-Deutschland zwar ... aber NACH HAUSE!
 
Ob hier morgens um sieben die Welt noch in Ordnung ist? Keine Ahnung. Da schlief ich nämlich noch tief und fest. Aber jetzt ist sie es. Die Wäsche hängt, die Handys sind geladen. Und bleibt die Frage, warum im Mailfach eines 6 Tage mangels Funktion nicht genutzten Blackberries jetzt 19578 Mails sind ... aber darum darf sich jetzt ein Klügerer als ich kümmern ...
 
P.S. Warum Weihnachten? Weil in jener asiatischen Serie die Darsteller von Christmas Eve redeten ... es gibt dort wohl kein eigenes Wort dafür, sondern man übernahm den Begriff von den britischen Missionaren ... 

02.09.2014 um 09:18 Uhr

Zufriedenheit mit Skepsis

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Wouldn't it be good (Nik Kershaw)

Im Verhandlungsbereich spricht man von Optimizern und Satisfizern - die, die immer das Beste herausholen wollen und die, die sich mit guten Lösungen zurücklehnen können.

Und genau so ist es im Leben. Glück und Zufriedenheit ... das sind meine Pole. Glück ist punktuell, vergänglich, rauschhaft, nicht greifbar. Es ist irgendwo da draußen, in den Sternen, hinter dem Horizont. Und manchmal einfach da und ...wusch ... wieder weg. Wie ein Moment an einem klaren Morgen, ein Blick von einem Gipfel. Glück ist Adrenalin, Endorphine, Hormone. Es geht durch den ganzen Körper und knockt dein Hirn aus. 

Zufriedenheit ist die kleine Ausgabe. Die ruhigere. Nicht der Gipfel, wenn der Hügel reicht. Nicht der ganz große Kick, wenn das warme Gefühl doch so nah ist. Nicht die großen Ziele und die Tauben auf dem Dach, sondern das kleine Leben und der Spatz in der Hand.

Tja ... die schlechte Nachricht ist: die Glückssucher sind oft die unglücklicheren Menschen ... gefühlt. Weil sie wissen, was da irgendwo sein kann. Und weil sie dort hin wollen. Die Zufriedenen sitzen ruhig in ihren Gärten. Die Glückssucher suchen nach dem einen, besonderen Garten. Und verpassen dabei ... an die eigene Nase fassend ... manchmal ein Stück Leben.

Doppelschlechte Nachricht: ich glaube nicht, dass ein Mensch sich bewusst für Zufriedenheit oder Glück entscheiden kann. Es ist in uns. In mir. In mir ist dieser Hunger auf das Absolute. Das Wissen, dass zu klein und zu tief nicht funktioniert. Wie bei den Fröschen auf den kleinen Blättern. Und genau so, wie schon manch eine Verhandlung daran scheiterte, dass ein Optimizer sich festbiss und seine Verhandlungspartner irgendwann den Mittelfinger hoben, ist auch schon mancher Glückssucher gegen dicke Mauern gerannt ... present company included. Und wieder aufgestanden, und wieder losgegangen. 

Manche sprechen von Zufriedenheit als vom "kleinen Glück". Das passt, finde ich. Und eigentlich beneide ich Menschen, die in der Lage sind, ihren Rahmen zu akzeptieren und ihn zu einem Wohlfühlbereich auszugestalten. Die nicht immer die Vision des vielleicht Kommenden brauchen. Die nicht getrieben sind von dem Gefühl, dass "da noch etwas kommt". Oder jemand.

Es sind diese Menschen, die die empfundene Lücke in sich selbst zu füllen versuchen auf so viele Arten. Die ihre gefühlte Unzulänglichkeit als Qual empfinden.

Gründe kennen ist leicht ... aber mit der Sucht nach Glück zu leben, ist unendlich schwer. 

Und nun zu Tag 2 der Challenge (ich korrigiere, falls es heute abend doch ganz anders sein sollte ...)

Frühstück: zuhause
Mittagessen: Auflauf zum aufwärmen
Sünde zwischendurch: Käsekuchen (lecker, aber pfuuuuuiiiii!)
Abendessen: Küchen-Termin
Shoppen: Nein, keine Zeit
Sonderausgaben: Keine, keine Zeit 

 

29.08.2014 um 13:51 Uhr

Der Weg zum Herzen eines Menschen

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Listen to your heart ... (War das Roxette?)

Oft sind es ganz kleine Dinge, die einen Menschen das Herz öffnen lassen ... weit wie ein Scheunentor. Im Verhältnis jedenfalls. Eine unserer Chefköchin gilt als streng. Ihr Qualitätsanspruch: perfekt. Ihr Durchgreifen: rigoros. Und ihr Verhalten "nach außen": reserviert bis abweisend. Gerade ein Kopfnicken erntet jeder, der sie grüßt. Egal ob innerhalb oder außerhalb der Mauern unserer Küche. Gestern nun betraten wir gleichzeitig die Küche. Ich eigentlich nur, weil ich etwas vergessen hatte, sie, weil sie noch einen Teamtermin hatte. An der Leine ihr Hund. Gedankenverloren streckte ich meine Hand aus, sprach das Tierchen an und kraulte es mit leisen Worten hinter dem Ohr. Zu ihrer großen Verblüffung. Denn die spanische Straßenhündin ist da ansonsten so reserviert wie ihre Herrin. Aus dieser kleinen Szene entstand eine Unterhaltung. Und die ging, ausgehend von Tieren, auch über Berufliches hinaus. Und heute morgen fahre ich mit meinem Rad auf den Hof, sie biegt um die Ecke (mit Hund) und ich werde herzlich (!) begrüßt! Schön finde ich das!

Eine ganz andere Begegnung irrlichtert seit heute morgen in meinem Kopf herum. Ein Gespräch, das eine Nacht dauerte, mit einem Menschen, den ich aus einer ganz anderen Perspektive heraus wahrgenommen hatte und der mich gerade staunen lässt. Keine Angst, es handelt sich nicht um die Schloss-Ruine. Die wittert ohne mich vor sich hin. Es ist jemand, den ich aus einem Freizeitforum kenne. Und mit dem es bis dahin nur flapsige Wortspielerei-Mails gegeben hatte. Und dann ein Satz von ihm, eine Rückfrage von mir ... und weg war die Flapsigkeit. Und das Scheunentor war offen. Ohne dass das einer von uns beabsichtigt hätte. Unserem Gespräch verdanke ich tiefe Einsichten und noch tiefere Augenringe. Seele weit offen. So ähnlich ist es ja auch hier in der Blog-Community ... wir öffnen Fremden unsere Seele ... und manche dieser Fremden sind plötzlich ganz real, ganz nah. Hier durfte ich das ja schon mehrere Male erleben und bin dankbar dafür. Dort hielt ich es für unwahrscheinlich ... und sitze mit diesem Menschen zumindest schon an einem virtuellen Kaffeetisch. Vielleicht irgendwann auch mal an einem realen ... aber das wird die Zeit zeigen.

Das dritte Aha-Erlebnis begegnete mir auf dem Flur - aber darüber berichte ich ein anderes Mal.  Blogpause über's Wochenende von wegen Lernen ...

06.08.2014 um 11:22 Uhr

Glücksoffensive

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Je veux (ZAZ)

Ich habe den Glücksbringer lange nicht gesehen beim Wandern. Dabei könnte ich ein bisschen Glück gut brauchen. Dieses kleine Herzhüpfen und das Gefühl, so tief schon lange nicht mehr geatmet zu haben.

Die Lebenskünstlerin und Sternschnuppe hat das Glück nicht gepachtet - aber sie bringt andere Menschen dazu, es wahrzunehmen. Und manchmal läuft es direkt vor die Füße, das Glück. Oder es sitzt gleich in Massen am Wegesrand. Wie gestern und heute. Glück ist ein vierblättriges Kleeblatt, gefunden am Wegesrand während einer langen Abendrunde durch die Felder. Glück ist ein ganzer Schwarm von Störchen auf einem Feld heute morgen. Die Fischreiher dazwischen hätten wir fast nicht gesehen. Irgendwo auf diesem Feld muss eine Glücksquelle sein ... oder auch nur ein Frosch-All-you-can-eat-Buffet?

Viele Gespräche seit gestern. Keine seelische Gärung. Kein inneres Sortieren. Nur einfach in den Tag leben. Historische Innenstadt gucken. Abends bei einer Freundin der Lebenskünstlerin auf der Terrasse sitzen und den Grillen und dem Bach zuhören. Selten sah ich so ein schönes altes Haus .. der Architekt hat in den 1930er Jahren wohl einige ähnlich gebaut in der Gegend. Heute morgen eine frühe Laufrunde um den See und die unglaubliche Begegnung mit den Störchen ... und dann eine lange Schwimmzeit in einem erfreulich leeren und stillen Bad. Das sind die Momente, in denen ich Kraft aus mir selbst schöpfe. Die Momente, in denen ich einfach nur atme und die Gedanken durch mich hindurchfließen, statt zu kreiseln. 

Große Lebensentscheidungen stehen nicht an in nächster Zeit. Konsolidierung. So fühlt sich diese Zeit an. Und Konsolidierung ist etwas Gutes, denn es verschafft mir Kraft für die nächsten "Sprünge". Und diese Sprünge wird und muss es geben. Mit dem Unterschied, dass es jetzt nicht mehr darum geht, den Sekundenbruchteil nach dem Klacken einer Käfigtür zu nutzen. 

Das Springen gehört zu mir. Ich werde nie genügsam sein. Werde immer irgendwohin wollen ... aber ich bin nicht mehr auf der Flucht.

17.07.2014 um 23:02 Uhr

Und plötzlich ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Johnny B. (The Hooters)

Eigentlich. 

Eigentlich wollte ich heute bis 17 Uhr arbeiten und dann meinem gemuskelten Kater eine Langhantel in die Pfoten drücken. Eigentlich sollte ich danach Besuch bekommen. Von der Professoressa, die gerade stolz ihre Wohnung entrümpelt und neue Schränke gekauft hat und die ihre Ferien genießt, ab dem Wochenende auch einen Kontinent weiter.

Uneigentlich.

Uneigentlich bekam ich eine Mail. Mit einer Absage, die Hilfe schrie. Ich telefonierte mit einem heulenden Bündel Elend. Keine Katastrophen. Nur ein zuviel von allem. Zuviel Arbeit, zu viele Menschen, zu viel Plackerei und zu viele herausgekramte und schmerzende Erinnerungen. Zu viel für eine Frau, die ihre Depression jahrelang wegtrank und der diese "Krücke", seit sie trocken lebt, fehlt. Ebenso wie die Fähigkeit zur sozialen Entspannung. Denn Ausgehen ist für sie immer noch mit Alkohol verknüpft. Also stubenhockt sie. Einerseits nicht ungern, andererseits immer wieder an die Grenzen der Einsamkeit stoßend.

Ein Trauerkloß ist sie selbst weinend nicht. Zu sehr beherrscht sie das Spiel mit der Selbstironie und dem Galgenhumor. Aber sich selbst trösten, das gelingt ihr nicht. Noch weniger, sich selbst ein wenig duldsamer zu behandeln.

Ich entschloss mich spontan. Und verbrachte den Nachmittag und abend mit ihr in Nachbargroßstadt. Und ich hoffe, dass sie sich jetzt ein wenig auf die große Reise freuen kann ...

Und ja ... für mich war der Abend auch angenehm. Plus ein Blick auf einen samtenen Nachthimmel beim Heimkommen. 

Ich werde übrigens bei der Professoressa in die Lehre gehen ... ausmisten und beschränken, das kann sie mir vorleben.

Der Kleiderschrank der Professoressa, der hat mich nämlich sehr beeindruckt. In ihrem Büro steht ein 1 m breiter und 2,20 hoher Schrank. Darin hängen ca. 10 Jacken und Mäntel und zwei Kleider oder Oberteile (so genau habe ich nicht geschaut). In den Fächern Handtücher und Bettwäsche in überschaubaren Mengen und einige Haushaltsteile wie Hausapotheke oder Sportbandagen. Im Schlafzimmer steht ein 1,80 breiter, 2,20 hoher Schiebetürenschrank. Und der ist alles andere als voll!. Fünf Kleider, ein paar leichte Jacken und Westen, eine locker hängende Stange mit Blusen und Jeans auf Bügeln. Zusammengenommen vielleicht acht Hosen und zehn Blusen. Das ist es. Keine Jacketts. Und drei von den fünf Kleidern sind Outdoor-Mode aus Funktionsstoffen. 

Sie ist Lehrerin an einer Grundschule, die Professoressa. Und braucht keine Businessmode. Aber dieser Schrank, den sie selbst als voll bezeichnet, ist von der Übersichtlichkeit und Menge her schon .... vorbildlich. Mein Ziel ist etwas weniger ehrgeizig gesteckt ... aber irgendwann möchte ich mit aller Kleidung, die ich besitze, nur noch einen meiner beiden Schränke füllen. Inklusive Accessoires und Hauswäsche.

Im Internet lese ich von Capsule Wardrobes - einem Kleiderschrank aus wahlweise 10, 30 oder 50 Stücken. Darin enthalten auch die letzte Strumpfhose. Das werde ich niemals schaffen. Allein wegen meines Jobs nicht, denn die Küche hat doch so einige Termine mit Dresscode. Und auch wegen meiner eigenen Eitelkeit nicht. Ich denke über 100 Items per season und auch per reason  nach. Also 100 Teile Oberbekleidung für den Sommer, 100 für den Winter. Und weitere 100 mit Funktion. Darunter würde dann der gesamte Sportkram fallen, Wanderkram, Fitnesszeugs, Nachtwäsche, Bademantel und Schwimmzeug. 100 für darunter - alles vom BH bis zum Socken. Und 100 "Extras" - Accessoires vom Schal bis zur Ansteckblume, vom Handschuh bis zum Hut und Dinge, die ich nur sehr selten und zu bestimmten Gelegenheiten trage (wie die goldene Hose zum Fasching oder die weiße Jeans für das Diner en blanc einmal im Jahr) - 500. Klingt irre viel. Und lässt sich bestimmt auch noch eindampfen. Ich werde dieser Tage durchsortieren.

Bei Schuhen erscheint mir 10 eine gute Zahl ... 50 insgesamt. Auch hier 10 Winter, 10 Sommer, 10 Dresscode, 10 Sport, 10 flach. Punkt. 50. Ist ungefähr die Hälfte von meinem derzeitigen Bestand. Ich sortiere aus. Am Ende jeder Saison müssen fünf Paar gehen, die dann ihren Zweck erfüllt haben.

Und ja ... das ist alles viel zu viel und ich weiß das. Aber jemand, der jahrelang kompensationskaufte, braucht ein bisschen Zeit, um die Mechanismen zu durchbrechen. Ich dachte ja schon, ich sei viel weiter ... aber der "Rückfall" im Juni/Juli war schon ziemlich übel. Auch wenn die Dinge, die ich kaufte, schön und dauerhaft sind und mich lange begleiten werden. Auch, wenn ich sehr gute Qualität sehr günstig gekauft habe. Die Menge und der Nicht-Bedarf machts. Klar hätten die Bogner-Stiefel das dreifache gekostet ... aber dann hätte ich sie nie gekauft. Klar ist das Joop-Jackett toll und 100 Euro dafür nicht zu teuer - aber für 350 wäre ich mit einem bedauernden Lächeln vorbeigegangen. Also eigentlich nix gespart. Im Gegenteil.

Jetzt bleibt nur, die Dinge so oft wie möglich zu tragen. Damit der Kauf zumindest die Trage-Berechtigung bekommt. Es gibt ja diese tolle Formel der Kosten per Tragetag. Mein Joop-Blazer hat bisher 50 Euro pro Tag gekostet. Und ich habe in meinem Schrank noch "teurere" Sachen. Also ist jetzt das dran, was GlamourGirl (die in Sachen Einkaufen mich um Längen schlägt, was aber nicht erstrebenswert ist) "Shopping my wardrobe" nennt. Und am Wochenende ... also ab heute abend ... wird kritisch betrachtet und vorsortiert, was ich nicht mehr so gerne trage. Denn ich möchte in meinem Schrank nur noch Dinge haben, die ich gerne anziehe. Gestern zum Beispiel trug ich eine vormalige Lieblingshose ... und fühlte mich darin so furchtbar, dass sie direkt auf den Weg-Stapel kommt. Falsche Farbe - schlamm. Und der Stoff hat unschöne Verfärbungen, die nicht mehr rausgehen, was ich leider erst nach dem Rausgehen bemerkte. Weg. Trennen. Ich werde es machen wie eine Bloggerin, bei der ich neulich las: lange nicht getragenes einmal anziehen und danach entscheiden ....

To be continued ... mit allerbesten Vorsätzen und der üblichen Streiterei mit Ms. Need und Frau Inconsequentia ... 

 

 

 

 

10.07.2014 um 07:47 Uhr

Übersprungübungen

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Girls just wanna have fun (Cyndi Lauper)

Meine Grübelei kumulierte in einer langen Unterhaltung mit der Zuhörerin. Danach war mir wohler. Und seitdem auch mit Zen. Gestern telefoniert, heute zu Mittag gegessen, morgen eine gemeinsame Einladung zu einer Veranstaltung. Das Gespräch wieder leichter. Einige Fragen geklärt.

Und ich weniger nervös. Wie nervös ich in den letzten Tagen wirklich war, zeigt meine Kreditkartenabrechnung.

Das Gute daran: ich besitze jetzt ein Joop-Jackett, Geox-Loafers, Bogner-Stiefeletten und einen Rucksack-Trolley. 
Jedes Teil an sich von hervorragender Qualität, sehr klassisch und sicherlich häufig genutzt/getragen in der Zukunft. Und preislich noch so, dass ich nicht ruiniert bin, da extrem reduziert.

Was sich geändert hat: Früher hätte ich in Frustkauflaune IRGENDWAS gekauft. Dinge, die ich selten getragen hätte. Oder die einfach zu teuer oder nur schön statt praktisch waren. Früher hätte ich die atemberaubenden Plateaupumps gekauft und ein Kleid, für das mir die Gelegenheit fehlt. Beides habe ich mit einem Lächeln zurückgehängt. Brauche ich nicht. Meine Loafers waren schon auf Reisen und haben sich bewährt. Der Trolley wird sich künftig wochenendweise mit mir fortbilden. Denn diese Gepäckgröße in "praktisch" fehlt mir, seit mein alter schwarzer Rucksack den Geist aufgab. Und ich war so froh, das günstige Angebot im Outlet zu finden. Mein neues Jackett ist ein Basisteil. Schwarz-hellgrau gestreift. Sehr schön zu Jeans ebenso wie über einem Etuikleid. Leicht stretchig, nicht knitternd, wunderbares Tragegefühl. Sitzt perfekt. Und last not least die Stiefel werde ich im Herbst und Winter sehr, sehr viel tragen. Tolles dickes Leder, gefüttert mit Schottenwollstoff, sehr, sehr, sehr bequem. Meine alten Stiefeletten sind ausgelatscht und das Leder ist porös und rissig. Die haben es bald hinter sich. Also kommen die neuen zur rechten Zeit, zumal ich ja fast alle Wege zu Fuß zurücklege.

Ich merke, wie ich immer wählerischer werde. Selbst bei Käufen in Frustlaune. Und das tut mir und meinem Konto und meinem Kleiderschrank gut.

Und Zen? Ich habe mich gestern entschlossen, mir doch noch ein paar Tage Ruhe zu gönnen, um zu Kräften zu kommen. Und dann nicht übereilt zu entscheiden. Denn eine Anziehung ist da zwischen uns. Eine große sogar. Ich habe Zeit, also kann ich die Dinge auch langsam angehen und sich entwickeln lassen. Vielleicht wird es ja doch ganz anders?

 

 

05.07.2014 um 23:33 Uhr

Heidewitzka ... beinhart!

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Rock-Medley in Überlautstärke

Fortbildung in Ende-der-Welt. Rolle am Ende der Weisheit.

Ende-der-Welt gleich hinter Stackeln an der Kruke ist ein idyllisches Dorf, das seine touristische Hochsaison im Spätsommer begeht. Derzeit ist es ruhig. Sehr ruhig. Selbst für Ende-der-Welt. Wir sind das einzige Seminar im Haus. Allerdings nicht die einzige Gruppe. Mit uns teilen ca. 100 Motorradfahrer das Haus. Bedeutete, dass wir Fortbildler heute "eingeladen" waren zum Grillen mit LIvemusik. De facto hieß das, dass das Abendessen durch Gegrilltes ersetzt und der Innenhof zwangsbeschallt wurde. Bisschen anstrengend. Denn die Unterhaltung war interessant - ich hätte gerne besser verstanden, was um mich am Tisch gesprochen wurde.

Nachdenken muss ich noch über Feedback - es scheint, dass mich gerade Perfektion am gut-sein hindert ... eigentlich müsste ich Fehler einbauen, um besser zu sein .... seltsam, nicht wahr? Erinnert mich ein wenig an Mr. Data von der Enterprise auf der Suche nach Menschlichkeit ...

 

17.06.2014 um 23:49 Uhr

Surreality

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Dreams are my reality (aus La Boum)

Manchmal denke ich, ich bin im falschen Film. Stehe neben mir und schaue dieser lächerlichen Frau zu, die einfach nicht verstehen will, dass die Wand vor ihr aus Gummi ist und sie immer wieder federnd davon abprallen wird. Oder der Schauspielerin, die lächelnd über die Bühne schwebt wie die großen Gesellschaftsdamen des 19. Jahrhunderts durch ihre literarischen Salons. Dem Kind, das erwachsen spielt. Der trotzigen Wilden, die sich mit ihren Gefühlseruptionen nur selbst bloßstellt. Wer war ich heute und wie viele?

Cheffe verwürzt sich am laufenden Meter. Oder noch schlimmer: er würzt erst gar nicht. Manchmal, wenn niemand hinsieht, nehme ich eine Prise von diesem und jenem und streue hier ein bisschen und da ein bisschen. Wie gestern. Wie heute. Mal sehen, ob es nützt. Cheffe hat die Mischung gekostet vorhin. Und fand sie wohl notierenswert. Jetzt brauche ich Glück.

Und ein bisschen Ruhe. Für meinen freien Freitag habe ich vorhin gekämpft. Und gewonnen. Es geht nicht an, dass ich mehrere Wochenenden durcharbeite, ohne zwischendurch mal frei zu haben. Und die Vertretungsregelung funktioniert nicht. Entweder,ich bin für mich selbst verantwortlich ... dann vertrete ich aber auch niemand anderen .... oder ich habe echte Vertretung. Die ist aber in diesem Team nicht möglich. Auch eine Sache, derer sich Cheffe mal annehmen muss.

Aber erstmal gerät der jetzt ins Strampeln. Ich auch. Zwangsweise. Die Küche radelt. Betriebsausflug. Wobei Radeln ein Witz ist. Zusammengenommen sind es vielleicht 10 km, die unsere Rezeptionistin da geplant hat. Weil sie selbst zu faul ist, müssen wir anderen uns der Bewegung enthalten und gruppendynamisch Minigolf (!) spielen. Ohne mich. Ich werde gruppendynamisch ein Buch mitnehmen ...

Hatte ich erwähnt, dass ich blöde "Socializing"-Events nervig finde?

Surreal war übrigens auch der Tag von Zen ... ein Königsmord wird geplant. Doch die Attentäterin ist wenig clever ... und hat sooo kalte Füße .... 

Und ich? Ich frage mich, ob mein Bedürfnis nach Alleinsein und Rückzug nach Ende der Festwochen Mitte Juli abflauen wird. Tut es das nicht, habe ich ein Problem. Momentan jedenfalls sehne ich mich nach einem langen Wochenende zuhause mit Couch und Staubsauger. Meiner Wohnung würde es gut tun. Mir auch. Selbstbestimmte Zeit. Ohne Verpflichtungen. Frei, aufzustehen wann ich will und zu tun, was ich will. An diesem Wochenende haut das schon wieder nicht hin. Weil ich wahrscheinlich mindestens zwei von drei kinderlosen Nächten bei Zen verbringen werde. Ich wäre lieber bei mir. Brauche meine eigene Umgebung. Und meinen Aufstehmodus. Meinen Kleiderschrank und meinen Fön. Zumal ich die nächsten beiden Wochenenden auch nicht zuhause sein werde. Kochevent und Fortbildung, letzteres mit heftiger Anfahrt. 

Bei Zen habe ich nur Notfallkleidung. Das macht mich nicht zufrieden. Ich brauche den Zugriff auf meine schönen Dinge. Auf meine Bequemlichkeiten. Sitze morgens gern mit Tee im Bett und gucke raus. Bei ihm nicht wirklich machbar. Bett steht blöd und Vorhang ist wegen streitlustiger und fensterguckender Nachbarin geschlossen. Manchmal fühle ich mich eingerostet und alt, weil ich diese Komfortzone so sehr brauche ...

15.06.2014 um 09:11 Uhr

30 years after?

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Que sera (Doris Day)

Es ist sooo lange her. 1984. Alphaville, Karottenhosen und ich trug ein weißes Telefonkabel um den Hals ... über Geschmack lässt sich sogar im Selbstgespräch streiten. Ein Jahr danach waren wir in einem privaten Partykeller. Fühlte sich genauso an wie die unzähligen Feten in Partykellern der Mittel- und Oberstufe. In der Abizeitung wurde ich ... wohl auch aufgrund der Statement-Kette .... als "flotter Käfer" bezeichnet, zu dem ich mich "gemausert" hätte. Was ein Profi-Haarschnitt und Geld für Klamotten (selbst erjobbtes im Lager und Verkauf eines Modehauses) nicht ausmachen!

Fünf Jahre danach wanderte die Chose vom Keller in eine örtliche Kneipe. Salate wurden weiterhin selbst mitgebracht, Getränke selbst bezahlt. Die meisten waren in Studium und Ausbildung. Dieselben Konstellationen und Gruppen wie fünf Jahre zuvor. Und eine Neuauflage der Abi-Zeitung. 

Zehn Jahre danach begann der Wettbewerb. Wo bist du, was machst du, hast du Diplom, Frau/Mann, Kind? Immer noch Kneipe. Wieder hatten die fleißigen Orga-Wichtel (die Seßhaften in Rufweite zu unserer Schule, die mittlerweile einen anderen Eigentümer hatte und anders hieß) eine Zeitung fabriziert ... mit mehr Neuigkeiten als das Vorläufermodell und Grund genug für jedes Vertriebstalent im Vermögensbereich, mal eben alle fröhlich abzutelefonieren. Frau Vertriebstalent entschloss sich wohl aufgrund der überwältigenden Reaktion, dann doch nicht persönlich am Treffen teilzunehmen ...

Fünfzehn Jahre später. Wieder die Kneipe. Diesmal mit vorher gebuchtem und bezahltem Buffet. Preis vernachlässigbar. Bodenständig. Immer noch. Diesmal beteilige ich mich mit einem dicken Babybauch und Kleinkind zuhause nebst feinem Referenten-Teilzeitjob am internen Contest. War einfach. Aber eher langweilig. Die "Strunzerei" nervte. 

Zum Zwanzigjährigen ging ich zögerlich. Andere Kneipe in derselben Straße. Wieder schlichtes Buffet. Aber endlich Schluß mit dem Schnellerhöherweiter. Die ersten gescheiterten Ehen (meine auch), die ersten verlorenen Jobs. Endlich wieder ehrlich. Und manche Klassenkameraden ganz neu kennenlernen.

Das "Silberne" unterschied sich nicht sehr vom Treffen zuvor. War nur noch ein Stückchen mehr "normal" ... wie eine lockere Party am Samstagabend. Keine Tanzparty ... aber jeder unterhielt sich mit fast jedem und nur, weil gerade frisch verknallt machte ich mich eher früh vom Acker.

Gestern nun die 30. Auflage. Wieder in Kneipe 1 ... der, in der ich mich auch privat ganz gut "auskenne", weil Wirt ein Jugendfreund und alter Flirt ist. Und Bedienungen aus Dorf kommen bzw. ich sie auch seit 30 Jahren kenne, weil sie in Job-Modeladen vorm Abi arbeitete damals. Eigenes Terrain quasi. Klar also, dass ich hingehen würde.

Und wie jedes Mal das ... "was zieh ich an?". Nicht, um fein und elegant zu sein, sondern weil's eben ganz lässig ist. Schließendlich wurde es doch eher ich. Mit roten Wildleder-Spangenpumps (keine Heels natürlich, sondern normaler Absatz), einer knöchellangen Baumwollhose und zwei übereinandergezogenen Tops ... schwarze an der Hüfte gewickelte Bluse über rotem Carol-Zee Shirt. Und eine Jeansjacke mitgenommen für den späteren Abend, die ich zusammen mit der viel zu vollen Tasche (Tour zu Eltern und BesterFreundin vorher, deshalb Wechselshirt, Wechselballerinas, Buch, Wasserthermoflasche) von Ecke zu Ecke mitschleppte.

Bereits in der Bahn traf ich den Mathematikguru. Schon in der Schule ein Einzelgänger. Nicht Nerd, weil dazu nicht originell genug. Einfach nur ... seltsam. Ich kann mit ihm nicht viel anfangen. Ist einfach so. Wir leben in zwei Welten. Liegt nicht an Mathe. Darin war ich gut in der Schule. Und habe auch schon einen denkwürdigen (harmlosen) Flirt mit einem afrikanischstämmigen Mathe-Gastprof aus Kanada gehabt, den ich nur nicht vertiefen mochte, weil ich a) in Beziehung und b) er fünf Wochen später zurückging.

In der Kneipe war ich stolz darauf, alle Anwesenden direkt zuordnen zu können  - auch die, die ich nicht im Gesichtsbuch sah vorher. Aber später musste ich doch bei einigen nachfragen. Und nicht nur mir ging es so, dass nicht jeder Name präsent war. Gesichtsfelderkennung 5, Frau Rolle!

Nur 50 von den 120 Abiturienten aus 1984 waren dabei. Wir sind inzwischen verstreut über ganz Deutschland mit Satelliten in ein paar Ländern und Kontinenten. Unsere Frau in Kalifornien verfolgte sehnsüchtig die Vorbereitungen, kriegte es aber nicht hin mit der Reise. Frau Kanada wohnt inzwischen wieder in Deutschland. Frau Paris war aber sogar dabei. Herr England auch. Frau England fehlte (aus gesundheitlichen Gründen wohl). Die beiden Schweizerinnen waren angereist, ebenso wie eine Minigruppe aus Bayern und Frau Niedersachsen. Am stärksten vertreten waren aber die lokalen Vertreter ... mehr oder weniger ringförmig um unseren alten Schulort angesiedelt.

Die, die dablieben, hatten es wieder mal organisiert. Und sie haben es gut gemacht. Bodenständig. In der örtlichen Kneipe. Zwanglos und mit Buffet vom lokalen Metzger. Im Gegensatz zum Bundesdurchschnitt haben wir nämlich gerade mal 5 Prozent Vegetarier ... aber auch für die war genug dabei. Logistik ist nicht das wichtigste - aber sie trägt zur Atmosphäre bei. Und so genossen wir bei Bier aus der Klassenkasse von vor 30 Jahren die Normalität dieses Wiedersehens. Kein "mein Auto, mein Haus, mein Boot" ... gar nicht. Sondern echte Freude über das Wiederfinden bei einigen. Zum Beispiel bei den Emms. Die Emms, mit denen ich mich schon bei Treffen 20 überraschend gut unterhielt,  tragen den gleichen Vornamen. Und könnten unterschiedlicher nicht sein. Emm 1 ist eher klein, aber irgendwie ein echter Kerl ... früher eher verpickelt, zwischendurch spießig, jetzt echtes Sahneschnittchen ... und durchgängig ein Energiebündel und lieber Kerl. Emm 2 der große leptosome Ruhige. Mit beiden hatte ich schon beim vorletzten Treffen gute Gespräche. Wird fortgesetzt, sobald wir mal einen Termin in Nachbargroßstadt hinkriegen (Emm 2 zieht bald gen Süden um). Und da ist Frau Doc ... und Frau Kanada. Und eine, die auf Ton baut. Spannend.

Gegen halb 1 war der Punkt da, an dem es immer noch schön und ich "satt" war. Also hielt ich den Daumen raus, als Emm 2 den Blinker Richtung Heimat (hinter Nachbargroßstadt) setzte. Und wurde komfortabelst im P*rsche C*rrera heimchauffiert. Ist übrigens der Wagen seiner Frau. Weil die da arbeitet, wo der herkommt. Da wo die beiden jetzt hinziehn.

Mit Emm 1 stimme ich übrigens in einer Hinsicht überein: auch nach 30 Jahren gibt es Leute, mit denen ich einfach keine Berührungspunkte habe. Und das darf auch ruhig so bleiben. 

 

04.06.2014 um 22:56 Uhr

Auszeit

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Mit dem Rad, mit dem Rad (Heinz Erhardt)

Gina ... bleib bitte in deinem Sessel sitzen und buche kein Ticket. Denn die Auszeit betrifft nicht Zen. Nur den Job. Denn diese Woche bilde ich mich mal wieder weiter, fort und aus. Und wie immer trete ich mit befreitem Lächeln den kleinen Schritt zur Seite und schaue mich selbst an und das, was mich eigentlich ausmacht. Und entdecke Stückchen für Stückchen, gespiegelt in der Wahrnehmung meiner Mitlernenden, was in mir steckt und raus will. Freue mich darüber, mich ausprobieren zu dürfen. Und darüber, Wertschätzung zu erfahren - nicht von den Marktschreiern, sondern von denen "mit Substanz". Heute abend habe ich mir bewusst Zeit genommen, mit den Mitlernenden meine eigene Stadt zu entdecken. Geradelt sind wir. Und ich habe ein kleines Stück von Citta vorgestellt. Wir haben Bier getrunken in einer Straßenkneipe und erst nach 22 Uhr fuhr ich gen Heimat. Wichtig war das. Gut war das.

Und ich habe ein ausgesetztes Buch gefunden. Auf einem Mäuerchen vor der Küche. Wir tranken nämlich fast auf der Küchentürschwelle unser Bier. Und da lag es, ein schmales Bändchen. Mit einem Bookcrossing-Aufkleber. Ich nahm es mit an den Tisch ... und eine Mitlernende adoptierte es spontan. Und nun wird das Büchlein erst nach Thüringen und dann in die Schweiz ziehen, wo es wieder ausgesetzt werden wird. Finde ich gut. Und bei einer Buchhändlerin mit Leidenschaft für das bedruckte Papier ist es bis dahin in besten Händen.

 

15.05.2014 um 21:24 Uhr

Zu spät!

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Sorry I'm late (Cher Lloyd)

Tschuldigung. Tut mir echt leid. 

In der letzten Woche schlich ich um den Blog herum und wartete auf das leise Klicken ... den magischen Moment. Den Augenblick, in dem mein Blog-Baby Geburtstag hat. Aber wie auch schon beim echten Baby, Blue nämlich, war ich zu spät. Vier tage genau. Coincidence!

Allerdings musste ich diesmal für meine Verspätung nicht so leiden wie vor 17 Jahren und zwei Monaten. Vorteil eines virtuellen Babies eben. Womit ich die weitschweifige Sidekickerei beende und mich des Pudels Kern bemächtige. Was die Frage aufwirft, wie eigentlich so ein Pudelskern aussieht. Gestern sah ich die Königspudelin einer Kollegin im Hof. Die sah mir eher kernlos aus .... was und wo the hell ist der Pudelskern?

Egal, die Redewendung jedenfalls bringt mich zu der Frage, was meines Blogs Kern ist.

Was die Absicht war, kann ich beantworten. Meine seinerzeitige Absicht war es, mich durch Öffentlichkeit so in Zugzwang zu bringen, dass ich aus Angst vor Blamage wirklich abnehme. Sinnloses Unterfangen. Blödes Konzept. Und dummer Doppelausnahmefehler, die Öffentlichkeit nicht auf das Adjektiv "anonym" zu begrenzen. Aber damals, wie gesagt, ging es ja nur um den kleinen Boost zum Abnehmen.

Es machte Spass, das Schreiben. Und irgendwann wurde es mehr als ein Selbstgespräch. Und auch mehr als das öffentliche Abnehmkorrektiv. Den Doppelausnahmefehler sollte ich spätestens an diesem Punkt bedauern. Und bedauere ihn bis heute. Denn je mehr dieser Blog zum Gärbottich meiner Gefühle und Gedanken wurde, desto mehr musste ich zensieren. Die Öffentlichkeit war eben leider NICHT anonym. Auch nicht, als andere Verbindungen gekappt waren.

Dafür gab es neue Verbindungen. Solche, die mich nur "hier" erlebten. Die quasi das zuerst kennenlernten, was ich von innen nach außen stülpte. So lange sich das außen und das innen trennen ließen, sollte es mir recht sein. Ich stülpte weiter und zensierte in so manchen Details, die "hier" sicher eine saftige Geschichte ausmachen würden. Die Schreiberin in mir biss öfter mal in die Tischkante vor Wut ... es ging mir ein bisschen so wie dem Regisseur, der zusehen muss, wie sein wunderbares Kinoepos auf TV-taugliche 90 Minuten und 20.15-taugliches FSK 12 Format zusammengeschnitten wird. 

Frage an Frau Rolle: gibt es vielleicht mal den Director's Cut dieses Blogs?  Eher nicht. Denn der Director's Cut ... das ist das pralle Leben. Mit allen FSK 18 Szenen und unzensierten Gemeinheiten gegen meine gesamte Entourage. Diese Gemeinheiten sind ja ab und an schon zu finden, aber wenigstens die Entourage wird dann maskiert. Und manchmal auch die Tatsachen. 

Irgendwie ... ist alles passiert, was hier steht. Fast genauso, wie es hier steht. Aber eben nur fast. Und wer wissen will, wie es sich wirklich verhält, ersetzt ab und an ein Verb durch "schlumpfen". Und ein Substantiv durch "Dingens". Und je nachdem, welches Dingens ich gerade schlumpfte, verlegte ich auch mal den Ort nach Jottwehdeh oder Issmirdochwurscht (ohne Vornamen). 

Tendenz momentan sinkend. Weil Lust auf saftige Geschichten habend.

Blog-Bilanz nach drei Jahren:

Abgenommen: ziemlich genau .... NULL

Nachhaltigster Gewichtsverlust: Stein vom Herzen

Warum ich trotzdem weiterschreibe? Weil der Spass am Schreiben längst überwiegt ... 

 

 

14.04.2014 um 08:55 Uhr

Schweigen ist Gold?

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: irgendwas von Sting

Macht Glück schweigsam? Als es mir schlecht ging und meine Seele gärte, da waren meine Einträge lang und oft und mein Humor bissig. Jetzt stelle ich fest, dass ich vier Tage nicht bloggte und das ganze Wochenende noch nicht einmal las. Glück ist langweilig. Jedenfalls für den, der es nicht aus 1. Hand erlebt. Glück ist nicht unterhaltsam. Nur dann, wenn der Weg dahin mit Hindernissen und Verwicklungen gespickt ist oder das Idyll tragisch endet, so wie es Lec@nte in seinem Film "Der Mann der Friseuse" inszeniert. Oder wie ich es ab und zu in den "Karamellfilmen" zu genießen pflege. Ein paar Irrungen und Wirrungen und am Schluss kriegen sie sich und der Böse wird bestraft. 

Aber Glück an sich - hat keinen Nachrichtenwert. Sorge ja. Angst auch. Streit sowieso. Bedrohung. Krankheit. Das ist der Stoff, aus dem Spannung gemacht ist. Im Film, in den Nachrichten und im wahren Leben.

Wenn ich gefragt werde nach diesem Wochenende - war es glücklich. Nicht spektakulär, nicht turbulent, nicht ereignisreich. Nur glücklich. Ein Burger-Gelage mit Blue plus eins (Kumpel A. der Schreckliche), Wirbel und Zen. Ein Spaziergang durch blühende Baumalleen. Ein Treffen mit Professoressa in Nachbargroßstadt und das Gefühl, von Lebenskraft überzuströmen - genug, um ihren grauen Bedenken- und Selbstmitleidstümpel mal so richtig durchzurühren (hoffentlich ist etwas geblieben!) und dann ... einfach nur Wohlsein. Wie sagt man? Wir sind uns selbst gerade genug. Ohne andere auszuschließen dabei.

Und Samstag ... da kamen wir uns dann plötzlich vor wie Jeff und Marie aus "When Harry met Sally". Denn seit Donnerstag werden wir von zwei Seiten mit den Stolpersteinen einer frischen Beziehung nachrichtenversorgt. Jeweils mit der Auflage, zu schweigen (gegenüber dem anderen Part). Die Preussin und der Eigenheimer sind gemeint. Zwei sehr sympathische Wanderfreunde, die beide viel zu viel Gepäck aus der Vergangenheit mitschleppen. Der Rettungsschirm hat wohl funktioniert, so jedenfalls die SMS der Preussin von gestern. Und auch, wenn Zen und ich uns für beide freuen ... noch mehr freuen wir uns (um wieder bei Jeff und Marie zu sein), dass wir hoffentlich sehr, sehr lange Zeit "nicht mehr da raus müssen".

Zen allerdings muss am Wochenende "raus", zu einem lange aufgeschobenen Besuch bei seinem Vater. Ein nicht mit Vorfreude, sondern mit Anspannung erwarteter Termin. Für mich wird Ostern ruhig. Gut so. Ich freue mich auf einen freien Donnerstag und Dienstag, habe mir vorgenommen, die Wohnung auf Vordermann zu bringen, zu sporteln und zum Flohmarkt zu gehen. Das Familienessen am Sonntag wird sicher angenehm und am Freitag gehe ich wandern. Doch auch mit diesem persönlichen Verwöhnprogramm werde ich Zen wohl vermissen ... und mir deshalb noch eine schöne Kleinigkeit für ihn einfallen lassen ... mal sehen, was mir da gelingt.

 

10.04.2014 um 00:42 Uhr

Should old acquaintance be forgot?

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Auld long syne

Sollen wir alte Bekanntschaften vergessen? Das fragt sich Sally in der Silvesternacht zu den Klängen von Auld Long Syne, dessen Text wohl niemand richtig versteht. Außer mir. Seit eben. Die Bekanntschaft mit Mille dauerte einen Sommer lang. Er nahm eine Auszeit von der Ehe, ich gab meinem Singeltum neue Dimensionen.

Der Weg lief eine Zeitlang parallel .... gemeinsam ausgehen und Parties feiern  - bis Milles Frau vom Besuch bei ihren Eltern zurückkam und Mille wieder zum 24/7 Familienvater wurde. Und fürderhin in der Versenkung verschwand. Für acht Monate. Zeitgleich verschwand auch der Zicke aka Liebelein. Ich bemerkte es am Anfang noch nicht einmal wirklich, denn ich verschwand ja auch. Verliebenshalber .... der neuen Wohnung wegen.

Das Wundern setzte erst ein, nachdem ich nach meinem Quartalsretreat auch auf die Umzugsmeldung nichts mehr hörte  - dabei waren die beiden quasi Patentanten des Projekts!

Acht Monate blieben Mille und der Zicke verschwunden. WIrt erzählte mir zwischendurch von Begegnungen mit Mille und Stress in Zickes Leben. Doch gesehen oder gesprochen haben wir uns nicht. Bis heute. Mille klingelte an und schlug spontanes Bier bei Wirt vor. Ich kam vor ihm an ... und verifizierte bald darauf die Vermutung des Wirts: Mille war mal wieder Strohwitwer für zwei Monate! Und das Gespräch ergab viel selbst gemachten Stress. Merke: ein Kind bedeutet keine Symbiose und keine Sklaverei!

Break .... da war ich eingeschlafen ... und die Hälfte vom Eintrag fehlt!

Aber jetzt:

Mille kam mir vor wie ein Häftling auf Freigang. Gleichzeitig erzählte er begeistert von seiner Familie. Aber der Mille, den ich erlebt hatte im letzten Sommer, brauchte ein paar Dinge .... außerhalb. Nicht mich. Nicht jemanden bestimmten. Aber ... etwas. Und das bekam er nur innerhalb einer bestimmten Szene. Bei Wirt sind die Gespräche manchmal ... ungewöhnlich. Und die Gäste auch. Die kleine, unauffällige Kneipe wird auch von schrilleren Vögeln frequentiert. Der Zicke gehört zum Inventar. Und Mille stellte sich nach monatelangem Abtauchen nun an die Theke und gab den ganz großen Zampano. Redete viel und laut und fing an zu planen.Wo und wann "wir" mal wieder ausgingen und dass "man" sich ja beim Jubiläum des Wirts sehen würde. Zu dem ich nicht gehen werde. Geschweige denn Zen mitschleppe, wie Mille vollmundig vorschlug. Und dafür eine hochgezogene Augenbraue vom Zicke erntete. Und ein energisches Nein von mir. Nicht, weil ich Wirt nicht mögen und nicht gern mit ihm feiern würde. Sondern weil ich schon alleine und noch weniger zusammen mit Zen in den Kreis der Gäste passen würde, die dort aufschlagen werden. Mich disqualifiziert ein simpler, kleiner Aspekt ... nämlich der, eine Frau zu sein, die Männer liebt. Und so willkommen ich auf ein gelegentliches Bier bei Wirt bin ... an diesem Abend passt das gar nicht. 

Mille jedoch trampelte weiter munterst in Fettnäpfen herum. Während der Zicke und ich mit den Augen redeten. Und den Abend zur Aschenputtelzeit energisch abbrachen. Mit dem Versprechen, den Dialog fortzusetzen. Dialog, nicht Trialog. Keiner von uns beiden mag on and off-Bekanntschaften, die bei Bedarf aus der Truhe  gekramt und ansonsten ignoriert werden. Beim Zicke und mir war die Sachlage anders. Er verliert gerade seinen Job. Mit 50. Und ging im letzten halben Jahr durch einige Höllen. Da verstehe ich, dass er die "Periphärie" ausschaltete und diese Situation nur mit den ganz nahen Menschen teilen wollte. Seine Situation ist jetzt der Klärung nah. Die ganze Enchilade inklusive Anwalt, Abfindung, Outsourcingprogramm mit renommierten Consultants etcetera pehpeh.

Gestern wirkte er fast aufgeputscht fröhlich. Selbstmotivierend fröhlich. Dahinter wird immer noch viel Sorge und Frust sein. Aber gestern hat er uns den starken, optimistischen Zicke gezeigt. Wohl auch, um Milles großen Tönen etwas entgegenzusetzen. Auf die er ziemlich sauer reagierte. Zu recht. Es gibt kein "uns". Keine drei Musketiere. Aus ein paar Abenden an Wirts Tresen lässt sich das nicht herleiten. Das weiß der Zicke und das weiß ich. Wir definieren Freundschaft anders. Beide.

Den Kontakt mit Zicke mag ich halten ... und ich denke, er sieht das ähnlich, jedenfalls, solange er in der Stadt ist ... wer weiß, wohin ihn der Job jetzt verschlägt. Und auch den mit Wirt, der mich zum Abschied ganz lieb in den Arm nahm und mir viel Glück für mein so frisches Liebesleben wünschte (als wir vier alleine waren in der Kneipe, erzählte ich kurz davon). Aber Mille ... der soll jetzt mal selbst sehen, wie er seine Freizeit in seinen "Familienferien" organisiert. 

Mist ... Nackentrauma ... ich hätte den Kopf nicht so lange schütteln sollen! 

 

16.03.2014 um 19:32 Uhr

Perceiving ... im Strom des Lebens

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: La-bas (JJ Goldman & Sirima)

An diesem Wochenende beschloss ich, meiner unter allem Planen der letzten 20 Jahre liegenden wahren Neigung zu folgen. Und nichts zu planen.(jedenfalls nichts über den kurzen Jobtermin am Samstagmittag hinaus). Worauf sich alles wunderbar fügte. Beginnend mit einer guten Nachricht am Freitag. Wirbels Herzgeräusch war nur ein "Strömungsgeräusch" - der Spezialist gab Entwarnung. 

Samstagmorgen freute ich mich über Post vom Weißwäscher - und verabredete mich spontan mit ihm zum Hundespaziergang mit seiner schwarzen Labradordame. Und lernte einen ganz bezaubernden Teil von Citta kennen ... ein romantisches Bachtal, ganz nah an der Innenstadt. Ich war begeistert! Und ganz nebenbei hatten wir beide endlich mal wieder Zeit für ein langes Gespräch. Für abends sagte sich dann Frau Perfektionistin an. Kleines Abendessen und dann irgendwo etwas trinken gehen - so war die Idee. Aber irgendwie blieben wir am Tisch kleben und das Gespräch wurde immer intensiver ... bis zwei Uhr morgens. Und dann wollte Frau Rolle es wissen und probierte die Kleiderabteilung durch. Was soll ich sagen? Da ist einiges verschwunden ... und ich wundere mich, wie das passieren konnte. Seit fast drei Monaten sportuntauglich und trotzdem im Umfang abgenommen? Das Resultat jedenfalls gefällt mir. Sehr. Vielleicht ist es auch eine Schutzschicht, die ich jetzt nicht mehr brauche? 

Trotz der noch etwas längeren Anprobeaktion kam ich heute früh gut aus den Federn. Und liess mich telefonisch motivieren, ungeachtet des gräulichen Wetters eine Runde zu laufen ... oder eher zu schleichen, weil der Husten Laufen noch nicht wirklich toleriert. Der, der mich motivierte, wollte zwar eigentlich ganz anderes - nämlich eine Rad-Begleitung für seinen 30 km-Trainingslauf - aber Rad fahren löst zurzeit unmittelbare Hustenkrämpfe aus. Geht gar nicht. Also lieber walken. Kleine Runde mit 7,5 km hat mir völlig gereicht. Und mit dem Marathoni in spe habe ich mich dann lieber später zum Kaffee getroffen. Weniger Hustenrisiko. Und leckere Birnentörtchen dazu.

Der Zen-Wanderer hat mich Donnerstag noch angerufen. Wieder ein sehr angenehmes Gespräch. Und morgen abend das nächste Treffen. Ein Mann, der mich geistig reizt und der ein wichtiges Hobby teilt. Auch der Marathoni gibt deutliche Signale. Der spricht einen ganz anderen Bereich an - das sportliche Beißen und die Extreme.  Und da wäre noch das angemeldete "Wir müssen reden" vom schwäbischen Neandertaler ... von meiner Seite ein Fragezeichen.

Last not least eine Mail von meinem ehemaligen Tanzpartner ... ob ich es doch noch mal versuchen sollte mit einem Workshop?

Wie heißt es so schön? "Don't cross the bridge before you come to it"

In between habe ich mich an diesem Wochenende noch einmal bei Feline gemeldet, was gut war. Denn die Ärmste ist gestraft mit ihrer hirnlosen Mutter und einer völlig ferngesteuerten Schwiegermutter, die wieder mal abdreht. Felines kleine Tochter geht zur Erstkommunion und Frau Schwiegerdrache mischt sowohl die Gästeliste als auch die Stimmung auf. Ich werde an besagtem Sonntag bis mittags ein Seminar haben. Aber ich habe Feline jetzt versprochen, am späten Nachmittag gratulieren zu kommen und ihr beim Aufräumen zu helfen (auch eventuellen Seelenbruchs). Und auch, wenn ich ihren Mann manchmal anstrengend finde, muss ich bei dieser Gelegenheit wieder eine wunderbare Loyalität an ihm loben. Er steht zu seiner Frau. Ohne wenn und aber. Auch gegen die eigene Herkunftsfamilie notfalls. Und nicht zum ersten Mal. Dafür schätze ich ihn wert und mag ihn. Denn Feline hat es verdient, dass jemand ohne wenn und aber zu ihr steht. Wie diese Frau angesichts ihrer Mutter so normal werden konnte, versteht noch nicht mal ihr Arzt ... allerdings hat ihr Körper sich sein Ventil gesucht. Mit dieser tückischen Krankheit, die sie mit unter 40 zur Rentnerin machte. Mit dieser Krankheit, die manchmal nur die Wahl zwischen Pest und Cholera erlaubt. Wie jetzt gerade. Beide möglichen Medikamente sind neu auf dem Markt. Beide haben heftige Nebenwirkungen. Und so wird Feline nicht nur die Familienfeier stemmen müssen, sondern nebenbei gegen ganz andere Dämonen kämpfen müssen. 

Manchmal ist das Leben verdammt ungerecht .... life's a bitch. 

Und ich ... bin so froh, dass Wirbel gesund ist. Und dass ich nur Husten habe. Und Luxus-Probleme mit den Männern in meiner Nähe. Aber auch die werden sich klären ... bald.