Mein erster Tag beim Ottstudio
Um 9:30 war ausgemacht, dass wir (die 6 neu aufgenommenen) mit der ersten Stunde beginnen. Diese sollte dazu dienen, dass wir mit den anderen 6, die bei der ersten Aufnahmeprüfung genommen wurden, wieder auf einem Level sind. Die haben nämlich die ersten Stunden schon hinter sich.
Das "Stadttheater Wien" wo alles stattfindet ist in der Walfischgasse (5 Minuten von der U4-Station Karlsplatz). Mein stündlicher Zug kommt immer um Viertel in Landstrasse. Das bedeutet, dass es sich genau ausgehen sollte in 15 Minuten von Landstrasse zum Theater zu kommen. Sollte. Allerdings, so verlässlich, wie die ÖBB sind, hatte mein Zug im Endeffekt 5 Minuten Verspätung. Naja, mit einigen Sprints ging es sich trotzdem auf die Minute genau aus. Pünktlich um halb 10 bin ich im unteren Studio des Theaters angekommen. Und ich war die erste!! Soviel zur Pünktlichkeit von Künstlern ;)
Aber schon kurz darauf sind noch zwei bekannte Gesichter aufgetaucht. Aber das wars dann! Bis um 9:40 haben wir gewartet, dann haben wir einfach zu dritt angefangen mit Sabine (wir sollen alle dutzen).
Nach einer kurzen Besprechung sind wir gleich zur Übung übergegangen: eine Tür aufmachen. Die ganzen zwei Stunden haben wir nichts anderes gemacht. Wenn man in einer Szene auftritt, dann soll man nämlich nicht einfach auftreten, weil man auftritt. Die Figur, die man darstellt kommt doch von irgendwo, geht wo bestimmtes hin, wo vielleicht jemand Bestimmter drin ist und geht aus einem bestimmten Grund dort hin.
Zuerst mussten wir uns nur bewusst werden wovon wir kommen, wenn wir die Türe öffnen.
Wurden wir gerade verfolgt, hat uns gerade jemand einen Heiratsantrag gemacht, hat uns der Chef extrem genervt ...
Dann nur, wer in diesem Raum sitzt, und welcher Raum das ist. Und selbstverständlich, wie wir zu dieser Person stehen.
Und für Montag (wo wir mit der ersten Gruppe gemeinsam "anfangen") sollen wir uns eine ganze Situation ausdenken (von wo - wohin - wer ist dort - warum).
Der nächste "Kurs" war dann um 14:30. Unser "Lehrer", Gernot Haas, ist zugleich einer der Organisatoren und hat uns dann erklärt, dass die zwei Burschen und das vierte Mädel, die in der Früh nicht erschienen sind "noch überlegen müssen, ob sie das wirklich wollen".
Naja, jeder wie er meint.
Gernot hat uns zuerst einmal gesagt, dass wir alle was von uns erzählen. Dabei hat er analysiert, dass wir alle Sätze aufzählend sprechen, also am Ende unserer "Sätze" hinauf betonen. Dann sollten wir nochmal, das Ganze erzählen, aber diesmal jeden Satz beenden. Das ist ganz schön schwierig, aber nach einiger Zeit geht auch das.
Dann sollten wir nochmal unsere einstudierten Auswahltexte von Montag aufsagen. Und diesmal hat er allen gesagt, was mir schon während des Aufnahmegesprächs gesagt wurde. "Jetzt das ganze direkt, ohne übertrieben zu betonen." Da ich deshalb schon ein wenig Vorwissen in dieser Üung hatte, hat er sich hier nur sehr kurz mit mir beschäftigen müßen.
Dann hat er uns gefragt, ob wir in letzter Zeit im Theater waren? Wir sprudeln sofort über und verfallen in ein Gespräch über Musicals, die wir nicht schon gesehen haben.
Da unterbricht uns Gernot plötzlich und sagt uns: "Und jetzt, führt genau das selbe Gespräch nochmal!"
Wir haben uns zwar bemüht, aber wortwörtlich war das nicht wirklich. Da sieht man, wie schwer eine Szene sein kann. Denn Schauspielen ist nichts anderes als eine Szene immer und immer wieder glaubwürdig und frisch darstellen zu können.
Zum Schluß haben wir noch eine aktivere Übung gemacht:
Wir sollten im Raum auf und abgehen und dabei einfach sagen, was uns durch den Kopf geht.
Das haben wir alle ganz gut geschafft: dass die Füße dabei nicht immer gleich gehen, sondern je nachdem, was man denkt gehen sie vorwärts, rückwärts, bleiben stehen etc...
Das war mein erster Tag. Ich freu mich schon auf die nächsten 3 Jahre!!!!