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21.02.2012 um 18:36 Uhr

Der Gott der kleinen Dinge

von: schlafwandlerin   Kategorie: Leben   Stichwörter: Zwischenmenschliches, roy

Aufgeregtheit führt zu Tränen. Und unbedachte Worte führen zu... weniger Liebe ?!

„Die Zeit blieb auf der roten Treppe stehen. Estha blieb stehen. Baby Kochamma blieb stehen.
»Rahel«, sagte Ammu.
Rahel erstarrte. Was sie gesagt hatte, tat ihr entsetzlich leid. Sie wußte nicht, woher diese Worte gekommen waren. Sie hatte nicht gewußt, daß sie in ihr gewesen waren. Aber jetzt waren sie raus und kehrten nicht mehr zurück. Sie hingen über der roten Treppe wie Beamte in einer Regierungsbehörde. Manche standen still, andere saßen da und wippten mit den Beinen.
»Rahel«, sagte Ammu. »Ist dir klar, was du gerade getan hast?«
Angsterfüllte Augen und eine Fontäne blickten Ammu an.
»Ist schon in Ordnung. Hab keine Angst«, sagte Ammu.
»Aber antworte mir. Ist es dir klar?«
»Was?« sagte Rahel mit der winzigen Stimme, die sie hatte.
»Was du gerade getan hast?« sagte Ammu.
Angsterfüllte Augen und eine Fontäne blickten Ammu an.
»Weißt du, was passiert, wenn du jemandem weh tust?« fragte Ammu. »Wenn du jemandem weh tust, dann liebt er dich weniger. Das ist es, was unbedachte Worte anrichten. Sie sorgen dafür, daß die Menschen dich ein bißchen weniger lieben.«
Ein kalter Falter mit ungewöhnlich dicht geschuppten Hinterflügeln landete schwerelos auf Rahels Herz. Dort, wo seine eisigen Beine sie berührten, bekam sie eine Gänsehaut. Sechs Stellen mit Gänsehaut auf ihrem unbedachten Herzen.
Ammu liebte sie ein bißchen weniger.“

Arundhati Roy, der Gott der kleinen Dinge, 19. Auflage; btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München – 1997, S.132-133

29.11.2011 um 13:39 Uhr

Das unauslöschliche Siegel

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Langgässer

Das unauslöschliche Siegel (1946)

„Ist", fragt der Satan und nähert sich wieder nach Art der Fledermäuse, die immer denselben Bogen mit Hartnäckigkeit umschreiben, „was du genießest, wirklich nur Friede, oder ist es nicht viel eher die Ermattung eines endlichen Wesens, das seine Schwäche mit der Schwäche anderer Wesen vereint, um auf dem Grund von Myriaden Leben jenen Fingerhut voll unsterblicher Taten und Handlungen zu finden, die der Vernichtung und damit mir selbst Einhalt gebieten können? Bist du, die sich mir entgegenwerfen und mir die Erde entreißen wollte, deiner Nichtigkeit überhaupt bewußt - und weißt du denn, wenn du es wirklich bist, gegen wen du eigentlich kämpfst? Ich könnte dich schütteln, wie ich schon oft deinesgleichen geschüttelt, sie an den Haaren über den Boden ihrer düsteren Zelle gerissen, mit den Fäusten in das Gesicht geschlagen und an die Mauern gestoßen habe - ich, der ich in meinem Niedersturz die Kräfte des Himmels erschütterte und den Sternenbaum zu mir hinbog, daß die Planeten wie taube Nüsse herunterprasselten, ach! Doch ich verzichte darauf. Ich will eine bessere Rache nehmen und deiner Ohnmacht die Fülle zeigen, um die du gebeten hast. Deinen Wünschen, die, Wildgänsen gleich, wenn der Frühling sie von Süden nach Norden treibt - hier dem Eismeer und dort dem Himalaya entgegen - mit langgestreckten Hälsen und ungeduldigem Schreien den silbernen Flußbändern folgen und die tauenden Moore, das sumpfige Gras und die Igelrücken der Schachtelhalme nur mit dem flüchtig zeichnenden Schatten ihrer Flügel berühren, will ich die Augen öffnen; ich will ihnen das Gewimmel und die fürchterliche Vermehrung der Menschensöhne zeigen, wenn sie sich, überquellend wie Maden, auf den „Pfaden des Herzens", wie du die Wege der Vielzuvielen genannt hast, taub und stumm vorwärts bewegen; der raupenhaften Zug der Verdammten, welcher, den Hinterleib aufgebäumt, sein Vorderteil weiterschiebt. Du sollst die Pilgerzüge in Indien nach den heiligen Wassern des Ganges sehen die purpurbraunen Trauben der Leiber, die, stinkend von Fäulnis, Aussatz und Pest, an dem Uferrand niedergleiten; die Klöster von Lhasa, den Potala mit seinen goldenen dächern und den wahnwitzig bimmelnden Bronzeglöckchen, deren Klöppel eines der frommen Geschöpfe, die wie Maulwürfe - augenlos und geschäftig - in den gemauerten Zellen hausen, von der Hoffnung auf das Nirvana zerfressen und verzehrt, in Bewegung setzt; das Traben der Kulis vor ihrer Rikscha, den trostlos und träge schaukelnden Hingang der Dschunken auf den asiatischen Flüssen und den Sammeltransport der Urnen, die ein findiger Reeder aus den USA für die toten Chinesen organisiert hat, damit ihre Reste, in Kistchen und Kästen übereinandergestapelt, den Weg in den Ahnenstaub finden. Die dampfenden Schlachthäuser von Chikago, in denen das dumpf ergebene Vieh und seine ihm allzu ähnlichen Treiber ihre Erfüllung finden; das Leben der Schuhputzer will ich dir zeigen, der Tellerwäscher, der Klöpplerinnen und der elenden, kleinen Vorstadtartisten, die ängstlich mit fünf, sechs Tellern jonglieren; die Versammlungssäle der Bibelforscher zwischen zwei Hinterhöfen, deren Wände, abgeblättert und kahl, immer dieselben Sprüche und Wasserflecken tragen, und in New York die christliche Kirche unter den Wolkenkratzern, die als ein beständiger Anachronismus ihren Zeigefinger nach oben hält, den niemand mehr sehen will ...
Wieviel Lebewesen, die alle zusammen noch keinen Julius Cäsar ergeben, und welche Verschwendung von Blut und Samen, um endlich in Stratford am Avon einen Shakespeare hervorzubringen! Täusche dich nicht: auch du bist nur eines jener unzähligen Blütenblätter, die, wenn der Frühling vorüber ist, zur Erde niedertaumeln oder mit andern zusammen das Bachbett hinabgeschwemmt werden. Wie viele deinesgleichen verbraucht nie Natur, um ans Ziel zu gelangen - du aber, die du ihr diesen stillen, bedingungslosen Gehorsam durch deine Anmaßung ständig verweigerst und die Erde, wie eine Klapper die Kinderhand, umspannst in der Meinung, sie verändern zu können, indem du einige Steinchen in ihr durcheinanderschüttelst; die du habest in deiner Erkenntnis die ganze Welt, wie der Bouquiniste an dem Seineufer das Leben in seinem Bücherkasten - wiederhole nicht dieses verhaßte Wort, dessen besessene Monotonie mich anflattert wie den Glasberg der Vogel, der gewiß ist, ihn durch beständiges Wetzen mit dem Schnabel am Ende der Ewigkeit abgetragen zu haben: Liebe - es sei denn, du meintest den Taumel, der Körper zu Körper reißt und der Ursprung dieser Vermehrung ist. Aber vielleicht , du stolze Normannin mit den grünen Meeraugen und der zarten, porzellanweißen Hyazinthenhaut, die so rasch von pulsendem Blut errötet und wiederrum erblaßt, begreifst du dich selbst nicht, und während du glaubst, dein Herz ( wie der Verschwender das Geld) in einen tieferen Abgrund als den des Fleisches zu werfen, gleichst du doch nur der Gallionsfigur am Bug eines Seeräuberschiffes, die den schönen und keuschen Vorwand abgibt für die rasenden Wünsche seiner Besitzer; für die Eroberungsgier jener Wilden, von der Weite des Ozeans trunkenen Seelen, für ihre glühenden Träume und eisigen Grausamkeiten. Du führst ein Gespensterschiff, mindestens aber den Argonautenanzug an, der mit dem Wunsch nach dem goldenen Vlies seine Habgier bemäntelte. Ob du „Liebe" sagst und meinst deinen Gott oder „Haß" und biegst wie der Bogenschütze die beiden Enden der Welt zueinander, um aus aller Kraft den tödlichen Pfeil gegen mich abzuschießen - ebenso wie diese Worte doch immer genau den gleichen Inhalt bedeuten, vermindert oder ergänzt sich in Seligkeit und Schmerzen durch deine Anstrengung nicht die Lebensfülle des Seins. Meine arme Freundin! Versuche nicht, den Hauch deiner Brust, die sich mühsam bei jedem Hustenstoß quält, dem Atem des riesigen Raumes der Sternenwelt zuzugesellen, in der Hoffnung, entweder diesem Raum um deinen karg bemessenen Atem, oder den Atem deines schon kranken und todgeweihten Leibes um den Sphärenhauch zu vermehren.! So edel auch deine Mühe sein mag, so ist sie doch nur eine einzige Täuschung deines Blutes, in welchem das Erbe von Eroberern und Soldaten kreist, die ihr Schwert noch nicht abgelegt haben. Weil du selbst die Welt nicht bekehren kannst, wie du es gern möchtest, so verbindest du dich durch Fasten und Gebet mit der elenden Schar der Missionare, die unter Schwitzen und Stottern in den Seminarien japanische Zeichen und chinesische Wortbilder malen; das „Om mani padme hum" übersetzen, die Bibel ins Sanskrit übertragen resignierend darauf verzichten, die paulinische Glaubenslehre jemals einem Negerhirn klarzumachen. Siehst du, wie sie sich schnaubend bemühen, die Schale mit Kawa hinunterzuwürgen, in welche ein schmutziger Polynesier unter Rühren vorher hineingespuckt hat, und wie sie sich, auch so vergeblich, versuchen, seiner Dämonenangst mit dem Begriff einer geistigen Gottheit entgegenzutreten, den der Farbige niemals erfassen kann? Siehst du sie - - ?
„Ja, ich sehe sie, Satan."

Elisabeth Langgässer aus: Inventur (a.a.O)

joe 

28.07.2011 um 19:17 Uhr

Anfänge

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Empedokles, Trojanow

Beachte nun folgendes:
Kein sterbliches Ding hat einen Anfang,
und es findet auch kein Ende in Tod und Vernichtung;
was einzig existiert, ist die Vermischung
und das Trennen des Vermischten.
Aber die Sterblichen
Nennen diese Prozesse Anfänge.


Empedokles, aus: IlijaTrojanow, Ranjit Hoskote: Kampfabsage. Karl Blessing Verlag 2007.

lg joe

20.11.2010 um 20:22 Uhr

Selbstliebe

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Chaplin

als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
dass ich immer und bei jeder gelegenheit,
zur richtigen zeit am richtigen ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist -
von da an konnte ich ruhig sein.
heute weiß ich: das nennt man 'vertrauen'.

als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen,
daß emotionaler schmerz und leid
nur warnung für mich sind,
gegen meine eigene wahrheit zu leben.
heute weiß ich, das nennt man 'autenthisch-sein'.

als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich nach einem anderen leben zu sehnen
und konnte sehen, daß alles um mich herum
eine aufforderung zum wachsen war.
heute weiß ich, das nennt man 'reife'.

als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich meiner freien zeit zu berauben
und ich habe aufgehört,
weiter grandiose projekte für die zukunft zu entwerfen.
heute mache ich nur das, was mir spaß und freude bereitet,
was ich liebe und mein herz zum lachen bringt,
auf meine eigene art und weise und in meinem tempo.
heute weiß ich, das nennt man 'ehrlichkeit'.

als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit,
was nicht gesund für mich war,
von speisen, menschen, dingen, situationen
und von allem, das mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
anfangs nannte ich das 'gesunden egoismus',
aber heute weiß ich, das ist 'selbstliebe'.

als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
heute habe ich erkannt,
das nennt man 'demut'.

als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert,
weiter in der vergangenheit zu leben
und mich um meine zukunft zu sorgen.
jetzt lebe ich nur mehr in diesem augenblick,
wo alles stattfindet.
so lebe ich heute jeden tag und nenne es 'bewusstheit'.

als ich mich selbst zu lieben begann,
da erkannte ich,
daß mich mein denken armselig und krank machen kann,
als ich jedoch meine herzenskräfte anforderte,
bekam der verstand einen wichtigen partner.
diese verbindung nenne ich heute 'herzensweisheit'.

wir brauchen uns nicht weiter vor auseinandersetzungen,
konflikten und problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten,
denn sogar sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue welten.
heute weiß ich, das ist das leben!

charlie chaplin
an seinem 70.geburtstag am 16.april 1959

lg joe

23.10.2010 um 21:40 Uhr

Ziehende Landschaft

von: knpp   Kategorie: Leben   Stichwörter: Domin

Man muß weggehen können

und doch sein wie ein Baum:

als bliebe die Wurzel im Boden,

als zöge die Landschaft und wir ständen fest.

Man muß den Atem anhalten,

bis der Wind nachläßt

und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,

bis das Spiel von Licht und Schatten,

von Grün und Blau,

die alten Muster zeigt

und wir zuhause sind,

wo es auch sei,

und niedersitzen können und uns anlehnen,

als sei es an das Grab

unserer Mutter.

 

Hilde Domin

 

 Grüße vom oberen Ende der Diagonale.

26.02.2009 um 20:25 Uhr

Die letzte U-Bahn geht später

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: element

Draußen ist alles klar
Der letzte Sportsfreund da geht er
Die letzte U-Bahn geht später
Und du bist immer noch da
Genau da wo ich dich das erste Mal sah
Was damals vor fünf Minuten war
Und alles ist ganz wunderbar
Du bist immer noch da

Und siehst dahin wo ich auf keinen Fall bin
Und verdrehst mit den Fingern dein Haar
Und nur Idioten finden das wunderbar

Ein Vollidiot bin ich gern
Der letzte Verstand da geht er
Die letzte U-Bahn geht später
Und du bist immer noch da
Du bist immer noch da

Draußen ist alles klar
Ein plötzlicher Wind da dreht er
Sich um sich selbst und dann weht er
Uns Blütenträume ins Haar
Ich sag: Was geht jetzt und du sagst: Ja
Und ich weiß nicht ob das eine Frage war
Und alles ist ganz wunderbar
Du bist immer noch da

Und siehst dahin wo ich auf keinen Fall bin
Und verdrehst mit den Fingern dein Haar
Und nur Idioten finden das wunderbar

Ein Vollidiot bin ich gern
Der letzte Verstand da geht er
Die letzte U-Bahn geht später
Und du bist immer noch da
Du bist immer noch da

element of crime

lg joe

09.01.2009 um 22:11 Uhr

was die wimper hält

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Keller, Suff

"Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluß der Welt!"

 Gottfried Keller, aus: Mit Goethe zum Gewinn (aaO)

 joe

01.01.2009 um 17:03 Uhr

ein gewisser Grad von Misologie oder auf den Hals gezogen

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Kant

...

In der Tat finden wir auch, daß, je mehr eine kultivierte Vernunft sich mit der Absicht auf den Genuß des Lebens und der Glückseligkeit abgibt, desto weiter der Mensch von der wahren Zufriedenheit abkomme, woraus bei vielen, und zwar den Versuchtesten im Gebrauche derselben, wenn sie nur aufrichtig genug sind, es zu gestehen, ein gewisser Grad von Misologie, d.i. Haß der Vernunft entspringt, weil sie nach dem Überschlage alles Vorteils, den sie, ich will nicht sagen von der Erfindung aller Künste des gemeinen Luxus, sondern so gar von den Wissenschaften (die ihnen am Ende auch ein Luxus des Verstandes zu sein scheinen) ziehen, dennoch finden, daß sie sich in der Tat nur mehr Mühseligkeit auf den Hals gezogen, als an Glückseligkeit gewonnen haben, und darüber endlich den gemeinern Schlag der Menschen, welcher der Leitung des bloßen Naturinstinkts näher ist, und der seiner Vernunft nicht viel Einfluß auf sein Tun und Lassen verstattet, eher beneiden, als geringschätzen. Und so weit muß man gestehen, daß das Urteil derer, die die ruhmredige Hochpreisungen der Vorteile, die uns die Vernunft in Ansehung der Glückseligkeit und Zufriedenheit des Lebens verschaffen sollte, sehr mäßigen und sogar unter Null herabsetzen, keinesweges grämisch, oder gegen die Güte der Weltregierung undankbar sei, sondern dass diesen Urteilen ingeheim die Idee von einer andern und viel würdigern Absicht ihrer Existenz zum Grunde liege, zu welcher, und nicht der Glückseligkeit, die Vernunft ganz eigentlich bestimmt sei, und welcher darum, als oberster Bedingung, die Privatabsicht des
Menschen größtenteils nachstehen muß.

...

Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten

Lg joe

16.11.2008 um 22:21 Uhr

millionen legionen

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: fantas

ich werde die tests bestehen
die mir das leben stellt
weitergehen
suchend nach dem, was mich am leben hält
bin damit nicht allein
und werd' es nie mehr sein
weil mich zum ersten mal seit langer zeit
verbundenheit befreit bin ich soweit
fließende nähte
einen kreis ohne verräter
früher schüler streck ich mehr und mehr
meine fühler nach dir aus
komm hierher, komm hierher
herzlich willkommen zu haus

ich bin für dich da, nein ich bin wegen dir hier
und für uns beide is klar, ham wir ein ziel im visier
dann setz ich alles auf dich
meinen schweiß, mein blut
meine tränen, meinen mut
bis hin zu trauer und wut
ich werde dir mein leben geben weil es nicht anders geht
forder dich heraus
mein einsatz steht
und du findest in mir mit was ich mich verbunden hab
war ein schatz, den ich mein leben lang gefunden hab
mit jedem satz bitt' ich, benütz mich, stütz dich auf mich
mit dem wissen aller weisen dieser welt beschütze ich dich
wo ich bin, stehn sie, und wo ich geh, gehn sie
ich hab sie hergebeten, doch die wenigsten sehn sie
wir werden erwachen unter falschen propheten
um als kinder dieser erde unser erbe anzutreten

ich rufe alle superhelden alle großen meister
alle highlander, alle krieger
alle guten geister
alle superfreaks und auserwählten
zu mir ins hier
ich hab millionen legionen hinter mir

in den wogen der welt
wählten wir die wildesten quellen
bishin zu innersten quellen
erlebten lebensstromschnellen
machten uns bereit
wurden weltenreiter über die zeit
blieben wächter der wahrheit
surfer des sandwurms
wir zwei warn die augen des sturms
wurden herrscher der schwingungen
und das als nichtschwimmer
denn wir hatten es, und halten es noch immer
und auch du, baby, warst schon immer mein kind
wir waren liebende, die ab und zu vor liebe blind
umeinander trieben
warn zu verschieden
als daß es hätte jemals langweilig werden können
warn zwei echt gute spinner
absolute beginner
wir hatten es und halten es noch immer
streiften alle ketten ab, die sonst die leichtigkeit besiegen
konnten fliegen
ohne flügel fliegen

und heute rufst du alle superhelden, alle großen meister
alle highlander, alle krieger
alle guten geister
alle superfreaks und auserwählten
um mich ins hier
du hast millionen legionen hinter dir

ich hab millionen legionen hinter mir
du hast millionen legionen hinter dir
ich hab millionen legionen hinter mir
du hast millionen legionen hinter dir
ich hab millionen legionen hinter mir
du hast millionen legionen hinter dir
ich hab millionen legionen hinter mir
du hast millionen legionen hinter dir

es war die nacht der vampire in der stadt der wilden tiere
sie ziehen mich zu sich wenn ich das gleichgewicht verliere
geh' ich unter und verschmelz mit dieser masse von mutanten
alles seelenlose wanderer und deren artverwandten
nun, ich ringe zum himmel
daß die stimmung hier umschwingt
heb die hände zu gott
oder wer immer da rumhängt
herrscher über mein leben
dieser thron gehört mir
denn ich wohn und regier hier
und dann erheb ich meine feder zum schutz gegen den schmerz
der vom schlachtfeld der liebe zu mir rüberdringt
obwohl es scheint, als ob hier jeder trübe lieder singt
wasch ich mich rein
von dem schrein
und betrete neues land
dieser junge steht am rand, und mit nichts in der hand
ohne angst in den augen
mit dem rücken zur wand

und dann ruft er alle superhelden, alle großen meister
alle highlander, alle krieger
alle guten geister
alle superfreaks und auserwählten
und er ruft mich
und hat millionen legionen hinter sich

ich hab millionen legionen hinter mir
ich hab millionen legionen hinter mir
ich hab millionen legionen hinter mir
ich hab millionen legionen hinter mir
ich hab millionen legionen hinter mir
ich hab millionen legionen hinter mir
ich hab millionen legionen hinter mir
ich hab millionen legionen hinter mir

fantas

lg joe

01.09.2008 um 00:47 Uhr

mahathma gandhi und tante paula

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Kästner

Bei Vorbildern ist es unwichtig, ob es sich dabei um einen großen toten Dichter, um Mahatma Gandhi oder um Onkel Fritz aus Braunschweig handelt, wenn es nur ein Mensch ist, der im gegebenen Augenblick ohne Wimpernzucken gesagt oder getan hat, wovor wir zögern.

Erich Kästner

lg joe

10.08.2008 um 12:36 Uhr

Gipfel

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Shaw, Hamsterrad

Der Mensch kann wohl die höchsten Gipfel erreichen, aber verweilen kann er dort nicht lange.

Georg Bernhard Shaw

lg joe

22.07.2008 um 15:08 Uhr

Das rechte Herz

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Wühr

Tut das tun
tut das rechte Herz hintun
wo hintun
wo man ein rechtes Herz hintun tut
tut heben innerhalb aufwärts das Herz zu
bis zur Idee
tut schön grüßen
Rätsel nach Lösung Kopf ab
Lösung vor Rätsel Kopf auf
immer ganz plötzlich tut dasein so wie gerufen
wie abwesend hinter bis Ausgang
mit Straßen nach Katzen
und große Sprünge auf Mäuse
tut restaurieren
tut süß sein
im Honig tut leise machen die Tür zu
tut betten euch warm an das Herz
heute Nacht bis Haut flüssig
von Anfang bis vorher schon Brei
tut momentan nichts sein
bis Ur
aber fraglos im Vakuum flink sein
schnell handlich auf Blut hin
vom Schlimmsten eines dafür sein
tut immer dafür sein
tut Schmutz weg Dreck ist gleich
sauber und rein weg ihr alle
tut alle plötzlich ganz weg sein
ganz läufig bei Sinn und bei Satz
tut transzendent sein
wenn unzählig Nichts bis ganz voll
ganz voll sein dann tut
dann tut lyrisch besetzt sein
tut sagen
the royal heart
tut reden ganz dick und sofort Druck ganz fest
und so blutiger rund
tut das machen
was stark macht
damit das Herz schlagen tut
tut drinnen oftmals bis Schrei stumm sonnig sein
recht so
tut recht so
tut beugen die Knie
der Knie
den Knien
die Knie
tut beugen
die Steigerung
der Leistung
dem Rechten
der Erfolg
tut beten
Granatapfelherz
o du
tut o du sagen
tut riechen und schmecken
wie das etwas säuerlichen Geschmack und Geruch
haben tut
tut nochmals o du sagen
tut sagen
du bist
klassisch
wirklich
national
tödlich
pünktlich
bist wertig von oben bewölkt
bist auf uns
tut deutlich sagen
auf uns
tut das stolz sagen
du bist auf uns unten scharf
absolut
o du rechtes Herz
tut das rechte Herz jetzt herumtragen
von Aber nach Nein bis Nie und wenn
dann leer bis Schluß aber Aussichten
immer bis gestern
auf Wetter
schön und gut
tut das rechte Herz wieder hintun
wo hintun
wo man ein rechtes Herz hintun tut

Paul Wühr, aus: Das bleibt. (aaO)

Lg joe

25.06.2008 um 19:35 Uhr

Sinfonie einer unruhigen Nacht

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Pessoa

Alles schlief, als wäre das Universum ein Versehen; und der unbestimmt flatternde Wind war eine gestaltlose Fahne, gehisst über einer nicht vorhandenen Kaserne. Ein Nichts zerriß in den brausenden Lüften, und die Fensterrahmen rüttelten an den Scheiben, damit man der höchsten Not gewahr wurde. In der Tiefe von allem war stumm die Nacht, Gottes Grab (die Seele erfüllte Mitleid mit ihm).
Und plötzlich - eine neue Ordnung des Universums wirkte über der Stadt - pfiff der Wind in einem Intervall des Windes, und man bekam eine schlaftrunkene Vorstellung von dem stürmischen Treiben in den Höhen. Dann schloß sich die Nacht wie eine Falltür, und eine große Ruhe ließ das Bedürfnis aufkommen, all dies verschlafen zu haben.

Fernando Pessoa: Buch der Unruhe (aaO)

joe

25.06.2008 um 19:05 Uhr

vollgas

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Twain

Kaum verloren wir das Ziel aus den Augen, verdoppelten wir unsere Anstrengungen.

Mark Twain

joe

15.06.2008 um 14:51 Uhr

Lustig quasselt

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Ringelnatz

Lustig quasselt der seichte Bach.

Scheinchen scheppern darüber flach.

Stumm gegen die Wellchen steht ein Stein,

sieht, wie mir scheint, ernst aus und verweint.

Denn es macht traurig, unbequem zu sein.


                                                Ringelnatz

 tjensen

07.06.2008 um 23:43 Uhr

Nichts

von: ostern93   Kategorie: Leben

Wer es wagt, hat keinen Mut.

Wem es fehlt, dem geht es gut.

Wer's besitzt, ist bettelarm.

Wem's gelingt, der ist voll Harm.

Wer es gibt, ist hart wie Stein.

Wer es liebt, der bleibt allein.

                                        Nichts.

 

cheers jensen

 

 

27.05.2008 um 17:32 Uhr

soisses

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Dostojewski, einhorn

Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augeblick.

Fjodor Michailowitsch Dostojewski

lg joe

 

24.05.2008 um 18:30 Uhr

unerträglich wertvoll

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Roy

...

Er hielt sie, als wäre sie ein Geschenk. In Liebe überreicht. Etwas Stilles und Kleines. Unerträglich Wertvolles.
Aber wenn sie sich liebten, kränkten ihn ihre Augen. Sie verhielten sich, als gehörten sie zu jemandem anders. Jemand, der beobachtete. Der aus dem Fenster aufs Meer sah. Auf ein Boot auf dem Fluß. Oder auf einen Passanten im Nebel, der einen Hut aufhatte.
Er war wütend, weil er nicht wusste, was dieser Blick bedeutete, siedelte ihn irgendwo zwischen Gleichgültigkeit und Verzweiflung an. Er wusste nicht, dass an manchen Orten, zum Beispiel in dem Land, aus dem Rahel kam, unterschiedliche Arten von Verzweiflung um den Vorrang kämpften. Und dass persönliche Verzweiflung nie verzweifelt genug sein konnte. Daß etwas passierte, wenn persönlicher Aufruhr am Wegesrand stehenblieb und dem Schrein des unermesslichen, gewalttätigen, kreisenden, ungestümen, lächerlichen, wahnsinnigen, unfassbaren, öffentlichen Aufruhrs einer ganzen Nation einen Besuch abstattete. Daß der Große Gott heulte wie ein heißer Sturm und Vergöttlichung forderte. Der Kleine Gott (lieb und gebändigt, privat und begrenzt) kam mit Brandwunden davon und lachte benommen über seine eigene Tollkühnheit. Abgehärtet von der Bestätigung seiner eigenen Belanglosigkeit, wurde er unverwüstlich und wahrhaft gleichgültig. Nichts war sehr wichtig. Nicht viel war wichtig. Und je weniger wichtig es war, umso unwichtiger wurde es. Es war nie wichtig genug. Weil schlimmere Dinge geschehen waren. In dem Land, aus dem sie kam, einem Land, das für alle Zeiten zwischen dem Terror des Krieges und dem Horror des Friedens balancierte, passierten ständig schlimmere Dinge.
So lachte der Kleine Gott ein hohles Lachen und hüpfte fröhlich davon. Wie ein reicher Junge in kurzen Hosen. Er pfiff, trat nach Steinen. Quelle seiner brüchigen Hochstimmung war die relative Geringfügigkeit seines Unglücks. Und dann kletterte er den Leuten in die Augen und wurde zu einem ärgerlichen Blick.

...

Aus Arundhati Roy: Der Gott der kleinen Dinge

Lg joe

24.05.2008 um 17:17 Uhr

Das Huhn und die Mafia

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Malerba

Ein kalabresisches Huhn beschloß, Mitglied bei der Mafia zu werden. Es ging zu einem Mafia-Minister, um ein Empfehlungsschreiben zu bekommen, aber dieser sagte ihm, die Mafia existiere nicht. Es ging zu einem Mafia-Richter, aber dieser sagte ihm, die Mafia existiere nicht. Schließlich ging es zu einem Mafia- Bürgermeister, und auch dieser sagte ihm, die Mafia existiere nicht. So kehrte das Huhn in den Hühnerhof zurück, und auf die Fragen seiner Mithühner antwortete es, die Mafia existiere nicht. Da dachten alle Hühner, es sei Mitglied der Mafia geworden und fürchteten sich vor ihm.

Luigi Malerba, aus: 112 einseitige Geschichten

joe

24.05.2008 um 17:13 Uhr

ein tödliches geschäft

von: ostern93   Kategorie: Leben   Stichwörter: Heissenbüttel

einfache Sätze
während ich stehe fällt der Schatten hin
Morgensonne entwirft die erste Zeichnung
Blühn ist ein tödliches Geschäft
ich habe mich einverstanden erklärt
ich lebe

Helmut Heissenbüttel, aus: Das bleibt! (aaO)

joe