Stimmung: karg
Vom Rückzug
november
tagebuch ist sehr wahrhaftig, macht aber auch viel arbeit.
obwohl die höheren Insanzen kurzsichtig gegen mich stricken und walten, das schreiben können sie mir nicht verbieten.
die ganze misere fing mit dem tod des sekretärs im zoo an, erst dann kam Der Lärm, der Q.-punkt über mir, und dann verlie'mich auch noch meine armee, aber geschlossen, natürlich nicht alle auf einmal, zuerst ein paar modalverben, die ich seltener ins gefecht schickte, dann desertierten ein paar freudige bejahungen usw.
der rest der truppe steht wie eine eins zu mir. das liegt an der struktur des gehirns oder an der form der gedanken - die brauchen wörter wie der trinker seinen alkohol.
man muss jetzt die reihenfolge beachten. die neuronenmaschinerie meiner gehirnrinde ist inkomplett, der besitzer infirm und betäubt vom kampf, aber ordnung muss sein. als der zweite sekretär starb, ich glaube, vor lauter entmutigung, kündigte ich noch während der autopsie.
mein lieber P., sagte der direktor eindringlich, sie hingen an ihm, allemal und warum nicht, wir alle hingen an ihm, wer hing nicht an ihm! und wie friedlich er diesmal gestorben ist, bedenken sie das wohl. war in seinen zügen nicht diese heitere hoffnungslosigkeit, diese ganz unvergleichlich würdevolle verzagtheit, die uns alle einmal angesichts des unausweichlichen überkommen wird -?
in diesem tonfall voller salbung sprach der direktor dan noch
a) von dem dunklen rauschen der ewigkeit und
b) vom trost der geschlechtlichen fortpflanzung.
aber wie sagte nietzsche, oder war es teilhard von chardin im käfig seiner noosphäre - alles fasch, alles erlaubt!
das ist eine unumstössliche wahrheit. wenn ich nur wüsste, was sie bedeutet.
aber es gibt ja eine unmenge von wahrheiten, so dass die eine oder andere wahrheit in differenz zur je anderen nicht so prominent sein kan.
die wahrheit ist - sagte der direktor genau vor einem monat und zwei tagen -, hätte ihn nicht dieser infekt erwischt, er wäre vielleicht an einem anderen elend gestorben, wie die anderen.
wie qualvoll war der tod des ersten sekretärs.
der hatte etwas falsches zu sich genommen, nämlich eine harten gegenstand, und war dann, im stehen, ein bein an den leib gezogen, einfach erstickt.
der zweite sekretär kam aus rom, ärmliche verhältnisse - ich kene den dortigen zoo -, verkühlte sich und ging dahin, hustend, mit gesträubtem gefieder.
der dritte sekretär erhängte sich atypisch, wie ich erfuhr, in einer metallschlinge.
dann hatten wir ein pärchen, die sahen schmuck aus, aber auch gereizt, und irgend etwas schlimmes taten sie sich währed des liebesspiels an. gewiss, sekretäre sind immer gereizt, das ist sozusagen ihr naturzustand, aber diese roheit beim koitieren. na, wir schläferten sie ein.
der sechste sekretär war schwermütig und wollte nicht laufen. stand den lieben langen tag in seiner ecke hinter der taxushecke, direkt neben dem schild FÜTTERN VERBOTEN.
auch er hielt sich nicht an das verbot und frass etwas falsches, oder ein kretin hat ihn erledingt.
es gibt solche idiotische besucher, die alles mögliche in die käfige schmeissen, blechbüchsen, präsavertive, nägel und glasscherben. der siebente litt an arthrose, rechtes bein, und wenn er ging, bewegte er sich mit schlgseite.
normalerweise schreiten sekretäre auf ihren langen, bis zu den knien, schwarz beflaumten beinen, majestätisch geradezu, den kopf hoch erhoben. das liegt wieder an ihrer kurzsichtigkeit, die an vielem schuld ist, wenn etwas mit ihnen schiefgeht.
ich schnitt dem letzten sekretär den leib bis zur leber auf und sagte zum direktor, dieser sekretär, der letzte der reihe sein nicht an einem infekt gestorben, sondern an ermattung oder ermutigung, an resegnation, kurz, an seelischer entkräftung. die leber sah gar nicht gut aus und warein bisschengeschwollen. alle organe legte ich in die kleine stahlschüssel, die auf der nirostawanne stand.
der direktor hielt sich ein taschentuch aus satin vor die nase, obwohl es noch gar nichts zu riechen gab.
das sei psychologie, sagte der direktor, gewiss eine schöne sache für den hausgebrauch, aber doch ein interpretationsverfahren, das zu übertreibungen führe; es sei der infekt gewesen, schon wegen der versicherung.
die anpassungsfähigkeit von sekretären, sage ich, würde überschätzt; die arbeit in der savanne gewohnt, viel licht, wenig schatten, sei das habitat immer das falsche. die haltung von sekretären solle generell verboten werden, nicht jeder sei so robust, wie zum beispiel der gymnopygus californianus.
da sei was dran sagte der direktor und seufzte.
ein unbekannter trottel hatte eines tages (dezeber 91) vergiftete ratten in die voliere geworfen. zwei arglose truthahngeier gingen drauf, die sekretäre bemerkten im schnee die weissen ratten nicht. der kalifornische kondor, ein weibchen, merkte sich den täter und spritzte ihm eine breitseite ätzenden kots in die augen, verschlucktesich aber nach der schönen tat, und das zeigt den reichtum eines gefühlshaushaltes an einer makellosen ratte.
die autopsie schritt voran. aus dem raubtierhaus 2 brüllten die sibirischen tiger. es war friedlich.
sie haben zuviel mitleid, sagte der direktor plötzlich, und mitleid sei eine schädliche kraft, weil sie sich nicht nur wahllos gegen die tiere richte und den blick entschärfe, sondern auch gegen sich selbst. die armen schweine, sagte ich, begreifen die welt nicht mehr. auch wir werden eines tages aufwachen und feststellen, das wir die welt nicht begreifen.
sie reden wie ein buddhist, dagte der direktor.
sie sollten, sagte ich, das schild FÜTTERN VERBOTEN mit roter schrift aufschwarzem grund drucken lassen.
eigentlich sollte man, der direktor sagte >>sollte<< - viel mehr verbieten. sie waren ein kompetenter und guter veterinär, vielleicht ein bisschen zu sehr infiziert vom leiden der kreaturen, aber ich werde sie vermissen.
der sagittarius serpentarius, habitat offene savanne oder steppe, lag nun vor uns, aufgeklappt wie eine mit roter seide gefütterte handtasche.
ich hätte, sagte ich dem direktor, ein ganzes programm.
in wahrheit hatte ich nicht die ganze wahrheit gesagt; aber es wäre es auch nicht wert gewesen.
in wahrheit begriff ich die welt seit ca. 1963 überhaupt nicht mehr. ich weiss bis jetzt nicht, ob das an mir lag.
der moderne mensch, sagte eine kranke freundin im münster zu basel an der stelle, wo erasmus von rotterdam wohl nicht gebetet hatte, besteht aus weltfremdheit, urteilsdünkel und daseinsgefrässigkeit. kurz darauf wurde sie von einer strassenbahn auf dem aeschenplatz überfahren.
das waren damals so erlebnisse.
ein freund benutzte die schützengraben-metapher - man läge da im graben wegen des sekuritätsbedürfnisses, aber man wisse nie genau, woher der tödliche schuss einmal käme.
bei mir als organisiertem individuum merkte ich seit jahren eine gewisse verdünnung im hinblick reaktion und gegenreaktion, begleitet von einer gewissen kargheit der harmonie zwischen lebenstechnischem aufwand und ertrag.
vor seinem tod, krebs, sagte mein vater bei seiner wirklich letzten zigarette, während die bronchien pfiffen, wenn eine grundwahrheit existiere, müsse man sie abschaffen oder verbieten oder in so viele teilwahrheiten spalten, dass keine einzige mehr güligkeit habe. als naturwissenschaftler hatte er natürlich immer die aproximativen werte verehrt, auch wen er sonst von >>werten<< gar nichts hielt.
in den zoojahren mit den vielen toten tieren war ich abgemagert, vielleicht wegen des mitleids, oder weil mir das schild FÜTTERN VERBOTEN zu kopf gestiegen war.
immer noch november
zu hause benahm ich mich wie ein sekretär: unvermutete freiheit und kein notausgang.
ich war herr meiner kräfte, auch triebökonomisch, und trennte mich von meiner verlobten, wie man wohl sagt, am telephon.
ich sagte, ich müsse nachdenken über dies und das und könne ihr keine zeit widmen. zur liebesentwicklung gehöre aber zeit, die hätte ich nicht mehr. im übrigen verstünde ich ihren körper so wenig wie ihren geist. aber da ich selbst nichts recht verstünde, sei dieser erfahrungswert ohne belang.
vor dem gespräch hatte ich selbstverständlich gewisse wörter aus meiner armee entlassen und einpaar von denen füsiliert, die in der bejahenden gefühlssphäre lagen.
wenn man es sich streng verbeitet, positiv zu denken, verliert man viel ballast; man hört auf - jedenfalls für den sog. inneren blick - ein >>su jet de fiction<< zu sein.
ich schlief auf dem rücken, ass wenig und notierte hin und wieder ein stichwort, und nur die modalverben erfüllten mich als general mit sorge. in den vielen modalitätenim schlachengetümmeldes infinitivischen geschehens fielen mir drei rekruten auf, die nicht zu den einjährig-freiwilligen, also zu den zufalls-wörtern, gehörten: das sollen, das wollen und das dürfen, für einen persönlichen sprecher der gruppe: du sollst, du willst und du darfst.
fasste man die drei truppenmitglieder nicht ganz so persönlich auf, blieben ein wille, eine aufforderung oder empfehlung, eine erlaubnis und bei einer negation ein verbot.
tote tiere im kopf, an den flanken die starken modalverben, machte ich eine besuchsrunde.
zuerst besuchte ich meine mutter, 88, alt, aber kregel wie ein gedopter schimpanse. sie trug ihre rote perücke, und ich machte folgenden sprechakt:
mutter! das modalverb drückte die art und weise eines geschehens aus, d.h., es bezeichnet eine entweder abgeschlossene, noch nicht abgeschlossene oder abzuschliessende handlung. wenn man aber gewisse handlungen entweder für überflüssig, sinnlos, dumm oder roh hält, wird der handlungsspielraum beschränkt, was dazu führt, dass man sich manches verbietet und manches erlaubt. die frage nun:
was, fragte meine mutter.
das altern mit exemplarischer gesundheit ist eine schöne sache, aber wird manchmal mit harthörigkeit bestraft; dafür war sie noch nie inkontinent.
mutter, schrie ich in ihr weisses, armes ohr, was sollte man tun, was sollte man vermeiden, wendet man die modalverben - und ich liess die rekruten eine habachtstellung einnehmen - auf die realität an?
keine ahnung, sagte meine mutter.
auch das ist schön am alter; es weiss immer einer recht eindeutige antwort.
dann besuchte ich einen entfernten onkel, der war philosoph, kein bekannter, aber dafür ein verbreiteter, nämlich mit seiner schrift DU UND DIE PHILOSOPHIE.
auch vor ihm liess ich das fragecorps strammstehen, und er nahm mit haltung ab.
na ja, sagte er dann, philosophisch gesehen hätten es die modalverbia in sich, und ob ich schon einmal etwas von den soll-empfehlungen der ethik gehört habe.
ich befahl ruhe im glied und benutzte eines der füsiliertenn wörter, indem ich JA sagte.
noch die zarteste gesellschaftliche konvention, sagte der philosoph, beruhe auf unausgesprochenen, gleichwohl immens wirksamen soll-empfelungen, ja, die welt könne ohne nicht zusammenhalten, nicht im menschlichen verkehr, nicht im verkehr mit kreaturen, nicht in der liebe, obwohl gerade da die ethisch bedeutsame >>negative modalimplikation<< niemals eingehalten - oder - immer übertreten werde. die wege zum geschlechtlichen seien verschlungen, sagte ein desateur, und ich eskamotierte ihn sofort.
mag sein, sagte der philosoph, mag sein, er jedenfalls könne mir nicht helfen, das leben sei ein schlachtfeld, die wahrheit eine semantische eigenschaft, die werte im eimer, umzingelt von ignoranten undn schwachköpfen, vielleicht ein pleonasmus, und wen er mit einen rat geben köne, so sei es der, den gegner auch dort zu erwarten, wo man ihn nicht vermute.
ich schlug geistig die hacken zusammen und begab mich einenn ort weiter auf meiner besuchsrunde.
dort wohnte der general C. a.D., 92, dem ich bei tee und bisqkuit die elementare frage vorlegte, was es a) mit den regeln der ethischen modalimplikationen im leben des einzelnen wie auch im kollektiv auf sich habe, und b) ob er in seinem hohen alter das leben als eine begreifliche oder unbegreifliche sache auffasse.
C. führete eine sehr geordnete truppe ins feld, mehr kavallerie als fussvolk, seine beiden flügeladjutanten waren die modalverba >>müssen<< und >>können<<. die armierungen, die er benutzte, bestanden wegen ihrer übersichlichkeit einerseits und ihrer einheitlichkeit andererseits aus substantiva.
immer des vagen gedankens voll von jeher, sagte der alte militär, dass manches verbotene erlaubt und manches erlaubte verboten sein müsse.
obe er ein beispiel für diese einleuchtende idee nennen könne?
selbstverständlich, sagte der general und bellte wie ein luger im magnum-kaliber - mann sodomisiert pfer, also stute -, sofort füsilieren, pferd schaut zu, also totalverbot im sinne: das darf nicht sein, weil es nicht sein muss. dagegen sei zu halten: regellose massenflucht vor dem feind könne erlaubt sein.
ich merkte, dass meine armee sich heillos zerstreute und nebendinge trieb. ich rief sie zur ordnung und zivilem gehorsam, vor allem die modalverben, die sich rettungslos zwischen perfektformen mit dem infinitiv verstrickt hatten.
lieber C., sagte ich, wenn man aus diversen gründen die welt oder die sog. realität nicht mehr begreift oder begreifen will, was solte man da tun?
in diesem fall, sagte der general, sollte man nichts tun, sondern dann müsse man etwas tun, und da könne man nur eines tun - was? fragte ich.
man muss sich ein feindbild suchen, sagte der alte herr mit einem charmanten lächeln, ein man ohne feindbild sei lebensuntauglich. ich fragte, wo man so ein feindbild erwerben könne.
das sei eine frage der erfahrung und der aufmerksamkeit, sagte der general, ich solle obacht geben. es existierten drei kategorien menschen: veteranen, die toten und die allgemeinen verkehrsteilnehmer. aus denen konstituiere sich die hauptmasse, der man mühelos feindbilder entnehmen könne, je nach bedarf.
ich sagte, das sei mir zu abstrakt, ob er mir nicht ein konkretes feindbild schneken könne.
C. sah mich von oben bis unten an, schweigend, und sagte dann, ich brächte schon die besten voraussetzungen für ein individuelles feindbild mit; hilflosigkeit, gereiztheit und eine gewisse tristesse erzeugten so für den hausgebrauch nützliche feindbilder, an denen ich mich reiben köne, das stärke die widerstandskraft wie auch die geistesgegenwärtigkeit. zum abschied schenkte er mir seine schrift Der Aar als Symbol der Ärars, wien 1924, und ich ging zurück in mein habitat, aufgewühlt von ganz sonderbaren gedanken.
meine armee biwakierte irgendwo im gelände und rief sich widerspruchsvolle ordres zu, die hiessen: du sollst, du sollst nicht, oder du darfst, du darfst nicht, du musst und du musst auch nicht uswf., eine wahre kakophonie.
ich legte mich sofort in mein styker-bett und formulierte mit aller kraft meine gedanken; die grundstellungen waren die propositionen der form: was sollte geschehen/ nicht geschehen, was sollte man lassen/nicht lassen, was müsste/müsste nicht geschehen? so schlief ich in aller ordnung ein und wurde gegen mitternacht von einem höllenlärm geweckt.
über mir polterten möbel, türen knallten, ein lüster zerschellte auf dem holzboden, hunde bellten, schwere schritte und tritte liessen die alten dielen erbeben, es war, als machte ein spähtrupp schwachsinniger mobil.
man sollte ruhig sein, sagte ich mir in grosser ruhe, man könnte schweigen, du musst ruhig sein usw., und die ganze zeit des lärms liess ich im liegen alle situationen paradieren, zu denen keine exakte soll-empfehlung passen wollte, es sei denn im negativen, von den toten sekretären bis zum besuch beim alten general. leider hatte ich zu fragen vergessen, welches feindbild er im augenblick bevorzugte. in diesem augenblick fiel ein schrank mit einem donnergetöse auf die schnautze.
ich zwang michzur ruhe, o diary, wünschte aber im selben augenblick, als mein herz sich beruhigt hatte, herr Q. da oben möge unter dem schrank begraben sein, plattgedrückt wie ein buchzeichen.
ich sah das schlachtfeld des lebens, darauf bewegten sich rastlos zwei kolonnen unter den feldzeichen >>erlaubt<< oder >>verboten<< die allgemeinen verkehrsteilnehmer.
wie gut doch das schweigen der tiere war. und die fragten nicht, ob etwas erlaubt oder verboten sei, die taten es einfach.
auch der nachbar Q. war einer der verkehrsteilnehmer, aber ein störender.
lärm ist terror und sollte, dachte ich in den frühen morgenstunden, untersagt, wenn nicht verboten werden.
infolge des lärms desertierten immer mehr gute gedanken, und ihre beschwichtigenden emanationen wurden immer dünner.
meine armee löste sich auf.
da schrie ich mit aller kraft: ruhe! und sprang aus dem bett.
ich ging zu meinem rosenbaumsekretär mit chinoiserien, schleppte ihn an den beiden kannelierten vorderbeinen zum venezianischen spiegel und tötete ihn dort. unter meinen schlägen und tritten löste sich die schreibplatte auf. unter einem hässlichen knirschen sprangen die beinernen symbole und ornamente aus ihren fassungen.
hustend vor rosenholzstaub gab ich dem rest der ruine einen uppercut und brach mir dabei zwei finger.
mein privater gegenlärm hatte stille bewirkt; so sollte es sein.
vielleicht hatte die alte freundin recht, die mir mit sanfter stimme gesagt hatte, sie suche jenseits der permissivitäten und der verbote ein von der last des intellektuellen wissens befreites metaphysisches zentrum.
die stille zerrte an meinen nerven, o diary. ich blutete und trank einen schluck bourbon, der lange schweigend an mir arbeitete. am sonntagvormittag wusste ich positiv, dass ich einen feind hatte. es fehlte nur noch das feind-bild und seine vernichtung.
meine gedankentruppen waren in alle winde zerstreut, auch die kavallerie, die braven modalverben in ihren kämpferischen kombinationen.
ich blies eisern zum apell. noch gab ich die befehle.
ich ging zu Q. ich bin zu Q. gegangen, ich war bei Q. und habe ihm gesagt, er solle das nicht tun. er dürfe es nicht tun, und eigentlich könne er das auch nicht tun. oh, wir waren in form. er solle das nicht tun, sagten wir, es sei nicht gerade verboten, aber immerhin ruhestörender lärm, der die umgebung belästige, und das müsse ja nicht sein. im übrigen sei ich veterinär und könne ihn jederzeit mühelos einschläfern wie einen der sekretäre, wenn er nicht lassen könne, was er tue.
und letzten endes sei das, was er da tue, auch falsch, und ich formulierte die volständige, wenn auch geschwächte truppe noch einmal zu einer nachdrücklichen wie unvergesslichen wiederholungsattacke.
Q., ein fetter, trauriger mann, erwiederte, ich könne mich zum teufel scheren, er habe die wohnung nur umgeräumt, um mehr platz zu schaffen für den gralsgedanken, der der menschheit abhanden gekommen sei.
eine nacht voller obskuren, oridinären lärms, für eine derartige idee. ich war so verblüfft, dass ich meine armee aus den augen verlor.
sie sollen, sagte ich mit fassung, alles unterlassen, was mit ideen zu tun hat, sie sollten überhaupt das denken aufgeben und etwas ganz anderes unternehmen, menschen wie sie sollten überhaupt keinen gedanken fassen, sondern schweigen wie die tiere, leicht vergiftet, immer traurig usw.
sie sind ja plemplem, sagte Q., stampfte mit dem fuss auf und war mir die tür vor der nase zu.
das stryker-bett, o tagebuch, hat eine qualität, die allen betten, alle ideen und alle gefühle haben sollten - man kann durch einen einzigen griff die matratze wenden.
ich wendete und wendete, legte mich abermals nieder und wartete auf den Obskuren Lärm, denn der gedanke an den gral oder irgend etwas anderes grosses braucht viel platz.
angesichts der vielen möbelprojekte Q.s wird es zeit, das feindbild zu komplettieren.
das muss sein, weil es so sein soll, und wie sagt nicht auch ein italienisches sprichwort: was geschehen wird, soll geschehen. so ist es nun einmal, wenn es nicht anders sein kann, als es nun einmal ist, soll doch alles der teufel holen.
von: Ingomar von Kieseritzky
lg zu diesen ungekürzten, handgetippten, typografisch belassenen 3022 worten (19588 Zeichen) mit einer Widmung zu Roberts Master vom Pfälzer Poesiefreund