Ein ehrlicher Eintrag
Kennt ihr das? Wenn es einen Moment gibt, in dem ihr feststellt wie unwirklich das Leben manchmal ist? Wenn alles so vollkommen absurd erscheint, nicht nur ihr selbst, sondern einfach alles, dass es soetwas wie Menschen oder ein Universum überhaupt gibt. Genauso geht es mir gerade.
Mir geht es nicht besonders schlecht, jetzt gerade. Auch nicht besonders gut.
Johanna wird mal wieder von Stimmungsschwankungen geplagt, gestern ging es ihr gut, heute hat sie Selbstmordgedanken. Ja, sie ist meine beste Freundin, aber es ist auch anstrengend. Warum muss ich sie dazu überreden, leben zu wollen? Ich möchte nicht, dass sie stirbt, ich würde sie so sehr vermissen! Aber es ist ihr Leben. Wenn sie wirklich sterben will, dann kann ich sie nicht davon abhalten. Sie sagt immer, sie hat Angst davor, Schmerzen zu haben, nicht davor tot zu sein.
Sie hat ständig Angst, nicht normal zu sein. Ihr fällt alles schwer, alles was man unter einen normalen Leben versteht, und sie will andererseits dieses normale Leben nicht. Sie will nicht arbeiten, schlafen, essen und trinken. Was sie dann will, weiß sie selber nicht.
Aber ich hab bald keine Kraft mehr, ihr immer wieder zu sagen, dass sie sich nicht umbringen soll. Dazu kämpfe ich selber genug mit mir und meinem Leben. Alle anderen Probleme sind irgendwie zumindest halbwegs lösbar. Aber wenn sie tot ist, kann ich ihr nicht mehr helfen. Was also erwartet sie von mir? Was erwarte ich von mir?
Ich hab mein Leben nicht im Griff. Ständig hetze ich dem nach, was man darunter versteht zu leben. Meine Wohnung ist so chaotisch wie meine Seele, es ist wie eine Müllhalde, ich hab bei beidem lange nicht mehr ausgemistet. Oft sitze ich vor meinen Sachen und weiß ich sollte jetzt das oder das aufräumen, aber ich kann nicht. Manchmal sitze ich 10 Minuten im Bett und weiß, eigentlich sollte ich mich hinlegen und schlafen, aber ich kann es nicht.
Wieviele Freunde hab ich wirklich? Wieviele Freunde sollte ein Mensch haben? Wenn ich darüber nachdenke, habe ich keine Freunde. Denn wenn ich wirklich jemanden brauche, dann ist niemand da. Andererseits, bin ich einmal auf einer Party oder mit mehreren "Freunden" zusammen, macht es mir auch keinen Spass. Egal wo ich bin, ich bin allein.
Meine Magen-Op steht bevor. Wie wird sich mein Leben danach ändern? Wie werde ich danach sein? Ja, ich werde "normalgewichtig" sein. Ich steche dann nicht mehr aus der Menge hervor. Aber was wird sich wirklich ändern?
Dominik macht mein Leben nur noch komplizierter. Ich liebe ihn. Aber das kann ich ihm nicht sagen, weil ich ihn sonst verliere. Weil er mich nicht liebt? Ich weiß es nicht. Völlig egal, was ihn betrifft, ich weiß es nicht. Er macht mich paranoid, verrückt, launisch, sensibel. Aber auch glücklich, ruhig, gelassen, zufrieden mit mir und der Welt. Er kann mich so leicht glücklich machen, wie sonst niemand. Ein Wort reicht, und sei es nur blubb. Das geht jetzt seit 2 Jahren so. Wie lange wird es noch so gehen? Für mich gibt es nur 2 Varianten. Entweder er liebt mich, und wir werden glücklich. Oder er liebt mich nicht und er stellt mir irgendwann eine "Blondine" vor. Schwarz oder Weiß. Hopp oder Tropp. Himmel oder Hölle. Was anderes gibt es nicht...
Wenn ich ihm nachts beim schlafen zusehe, wirkt er friedlich, dabei quälen ihn seine Gedanken sicher nicht weniger als mich meine. Es ist verrückt... ich hab so oft das Gefühl ihn so gut zu verstehen wie sonst keiner. Und dann wieder fühlt es sich so an, als würde ich ihn nicht kennen, weil ich ihn einfach nicht verstehe.
Ich hab, gestern glaub ich, mit Sadeyes darüber gesprochen wo wir in 5 Jahren sein werden. Klar, ich weiß was ich gerne möchte, beruflich, privat, emotional. Aber ob ich auch nur manches annähernd erreichen werde? Alle in meiner Umgebung sind sich sicher, wenn jemand das schafft, was er will, dann ich. Alle sind sich sicher, nur ich nicht. Ich weiß nicht, ob ich dem Studium gewachsen bin, geschweige denn der Arbeit als Forscherin oder Psychologin. Ob ich jemals eine Beziehung führen kann, die länger als ein paar Monate dauert. Ob ich in der Lage bin ein Kind groß zu ziehen, vorausgesetzt ich finde jemanden mit dem ich eins bekommen kann und will. All das erwarte ich nämlich von mir. Ein Leben führen. Glücklich sein.
Manchmal möchte ich mich bei Dominik einfach fallen lassen. Einmal nicht klug sein müssen, oder witzig, oder ihm zuhören, ihn verstehen müssen, nicht tolerant sein müssen, nicht ständig die Angst haben, etwas Falsches zu sagen, nicht tollpatschig zu sein, nicht genervt zu wirken. Sondern einfach mal ich sein können. Angst haben dürfen. Von ihm einfach mal im Arm gehalten werden.
Ich weiß nicht, was passiert, wenn er das hier liest. Ja, er hat den Link dazu. Aber ob er es liest, weiß ich nicht. Aber es ist MEIN Blog. MEIN Leben. Er wird es nie aus meinem Mund hören, dass ich ihn liebe. Aber er kann mir meine Gefühle nicht verbieten. Er kann mich nur mit ihnen allein lassen.

Ich finds echt toll,dass Du so ehrlich bist,und das zeigt doch dass Du eigentlich schon Hilfe suchst,schon irgendwie aus diesem"Loch?" wieder raus willst.Dass Du Dich darin nicht wohl fühlst.Aber daran verzweifelst,und angst hast du könntest es nicht schaffen.Ich kann das so gut nachvollziehen.Denn ich bin auch mal in ein tiefes Loch gefallen,als alles auf einmal kam,hab mich abgeschottet,hatte angst raus zu gehen,aus welchen Gründen auch immer,ich hab sie nie verstanden.Und dabei wollte ich das doch.Ich hab auch immer wieder angst-wovor aber eigentlich?
Ich glaube Du solltest genau wie ich,den gedanken anstreben,eine Therapie zu machen.Wenn man die Ursachen kennt,kann man versuchen sich mit Ihnen auseinanderzusetzen.Und mir scheint ,auch bei Dir gibts da ne ganze menge zu ordnen ,hm?
Ich hab selbst angst vor der Therapie *gg*
Aber ich weiß zum Beispiel auch,dass es mir gut tut zu reden,tipps anzunehmen.Und auch zum ersten mal im Leben sagen muß:ich schaff das nicht mehr alleine.Dabei hält mich jeder für "stark" Ich hab mich immer wieeder aufgerafft,mich durchgekämpft,ja und irgendwann kommt der moment,da geht einfach nix mehr.Aber ich hab auch noch Kinder, da darf man sich nicht einfach so hängen lassen,hat große verantwortung zu tragen,und muß einfach immer stark sein.Auch wenn ich manchmal denke ,mensch ,wofür noch alles,mach einfach die augen zu ,und raus aus dem ganzen Chaos hier.Der Lebensmut lässt oft nach,aber dann seh ich meine zwei süßen Mädchen,und denke mir ,mensch,die brauchen Dich,die brauchen eine glückliche Mama,und viel Liebe,das hält mich ehrlich gesagt am Leben :)
Ich versteh Dich so gut,und drück Dich mal
Wenn es mir gut geht, ich also nicht gerade tief in meine Depression falle, dann ist es okay. Dann sehe ich ein, dass mein Leben nicht so schlimm ist, dass es auch Gutes gibt. Ich kenne meine Auslöser für die Löcher sehr gut, mein Problem ist es, dass ich nicht aktiv dagegensteuern kann. Schwupps, und das Tief ist da. Naja, nicht wirklich, aber manchmal kanns bei mir sehr schnell gehen, dass mich etwas belastet und ich zum grübeln anfang...
Sooo, jetzt hab ich dich vollgejammert ;-)
Ich drück dich zurück!!!!
Wenn Du es möchtest,fang eine Therapie an,Anregungen und Tipps von aussenstehenden Personen helfen und geben eine gute Starthilfe,die Tiefs schnell vorüberziehen zu lassen...
Hut ab,vor diesem ehrlichen Eintrag...hat mich gerade sehr nachdenklich gemacht...*unbekannterweise drück
Und ich kann all das so gut verstehen, weil ich selber mal dort war. Weil ich selber nie glauben konnte, dass ich eines Tages mein Leben auf die Reihe bekommen würde.
Vielleicht ist es jetzt auch nur eine Illusion, wenn ich das denke. Aber ... trotz allem, was immer wieder passiert... hat sich leben noch nie so gut angefühlt!
Und ich bin mir ganz sicher, Du bist auf dem richtigen Weg dorthin!!!
*drückdichganzdolle*
*unbekannterweisezurückdrück*
Ich? Eine starke Frau?? Du musst mich wohl verwechseln ;-)
Ich möchte stark sein, aber meistens komm ich mir klein und schwach vor. Klar, wenn es darum geht, anderen zu helfen bin ich sofort dabei und tu mein möglichstes.Aber in mir drin, siehts anders aus.
Auf jeden Fall dankeschön für deine lieben Worte!!! Du hast mir den Tag verschönt!!!
@Sadeyes:
Du weißt doch, du bist mein Vorbild in Sachen Optimismus und Leben im Griff haben - denn das hast du!! Auch wenn ein P. oder D. dich verwirrt und dein Selbstbewusstsein am Boden sein mag, du schaffst es den Kopf wieder klar zu bekommen und damit zu leben, wie es ist. Dafür bewundere ich dich!
*riesendrück*
Danke euch zwei, ihr wisst gar nicht wie sehr ihr grad mein Selbstbewusstsein aufgemöbelt habt!!
Aber ich verstehe dich gut,du sprichst mir aus der seele.
Das sagt zwar jetzt die richtige *gg* ,aber lass den kopf nicht hängen.Auch mir kommst du sehr stark vor,auch wenn du selber manchmal nicht daran glaubst.
Und ich wünsch dir ganz viel kraft.
Lieben Gruß