Reise in die Heimat
Man steht in seinem neuen zu Hause, in seinem eigenen zu Hause, hat fünf Tage hier verbracht und packt Sachen. Einerseits bedingt durch fehlende Ausrüstung in der eigenen Wohnung, andererseits zieht es einen doch irgendwie zurück selbst wenn man diese Tatsache eigentlich leugnen möchte.
Fünf Tage sind jedoch nicht genug um sich einzuleben. Zwar genug um sich einzurichten, genug um sich etwas zu orientieren, aber bei weitem nicht genug um sich und das Gefühl von Heimat bzw. des eigenen zu Hauses zu festigen.
Sachenpacken.
Das Übliche, das man im täglichen Leben braucht. Gleichzeitig findet eine Vorbereitung statt,
die Menschen wiederzusehen, die man vermisst oder auch normalerweise um sich
hätte… Hätte – wäre das zu Hause immer noch wo es war.
Es ist, als sei man im Urlaub gewesen – Kaum weg, schon wieder da – Als sei
nichts gewesen und nichts hätte sich verändert.
Man packt und fragt sich, wo man eigentlich lebt, fragt sich, welches es denn wirklich verdient hat ‚zu Hause‘ genannt zu werden. Es wäre ein Trugschluss, würde man denken, dass sich in dem eigentlich Heim alles auf den Kopf gestellt hat, in nur fünf Tagen. Es wäre ein Trugschluss zu denken, dass sich Welten verändert haben, sich Menschen verändert haben. Es wird wohl alles so sein, wie es war. Jeder wird sich immer noch im eigenen Alltagstrott befinden, sich die Minuten, Stunden und Tage um die Ohren schlagen, mit sämtlichen normal erscheinenden Angelegenheiten. Man selbst wird zwar vermisst, aber im Großen und Ganzen fehlt man eigentlich nicht, auch wenn es sich hart anhört. ‚Vermissen‘ ist ein Gefühl, keine Tatsache, und das wird man lernen, wenn man wiederkommt, dorthin zurück, was man jahrelang zu Hause nannte.
Für einen selbst sind diese fünf Tage wie eine Ewigkeit, da es an Beschäftigung nicht mangelt. Anmelden, vorbereiten, organisieren, einleben, orientieren; all das sorgt dafür, dass auch ein kleiner Zeitabschnitt gefühlt zu einem Jahr werden kann. Man kommt also zurück in eine eigene kleine Welt zu der man mal gehörte, an der man mal teilhatte. Es ist nicht so, dass man ausgeschlossen wird, aber da sich nichts verändert haben wird, scheint es eventuell so, als fehle man nicht.
So steht man also am Abend vor dem Kurztrip vor den gepackten Sachen, wie man zuvor vor dem Umzug vor gepackten Kartons stand. Freude ist vorhanden, Spannung, mit einem Funken Angst überwiegt allerdings. Die Reise zurück beginnt, und ein paar Tage später wieder zurück, aber wohin man gehört, ist jetzt wohl noch nicht klar. Mit der Zeit werden sich wohl die Gefühle der Zugehörigkeit festigen.
Angst.
Fehlte man? Man hofft es. Vor allem kommt man zurück und hofft einen Menschen
zu sehen, vor allem einen. Eine Liebe im Anfangsstadium, die man zurückgelassen
hatte um eine Zukunft zu beginnen. Zuneigung die man merklich vermisst hatte.
Fraglich dabei ist jedoch, ob man diese Zuneigung, dieses Fünkchen Liebe, nach
wie vor dort bekommt wo man es hofft, oder sich bei der anderen Partei in den
paar vergangen Tagen die Ernüchterung eingeschlichen hat. Ernüchterung darüber,
dass es doch keinen Sinn hat diese Gefühle noch zu bewahren, wo man sie doch
einfach verdrängen und dann auch mit der Zeit vergessen könnte, weil die
Entfernung zu groß ist. Genau das ist eben das Problem des Unterschiedes
zwischen den Gehenden und denen, die bleiben.
Aufregung.
Alles, was normal schien, bis man ging, ist jetzt auf einmal zu großen
Fragezeichen geworden. Wie tritt man vor den Menschen, für den man so viel
empfindet? Macht man das, als sei man nie weg gewesen? Macht man das, als sei
es vollkommen selbstverständlich, dass man voreinander steht? Oder fällt man
bereits nach fünf Tagen dem anderen in die Arme und sagt ihm, dass man ihn
vermisst, braucht… und… mag? Es ist doch eigentlich wirklich etwas
Selbstverständliches gewesen voreinander zu stehen. GEWESEN.
Hat sich denn wirklich was verändert?
Eine schlaflose, unruhige Nacht steht offensichtlich bevor.
