Stimmung: stolz
Musik: Rebecca Gablé - Hiobs Brüder
Ich gehöre nicht zu den kreativsten Menschen, die die Welt je gesehen hat. Ich meine, ich hab schon hin und wieder die ein oder andere schöne Idee, aber in der Regel happert es dann doch an der Umsetzung. Ich bewundere Leute, die ihre Kreativität ausleben können, wie zum Beispiel Tiffy, die mit ein paar Metern Stoff und einer Nähmaschine kleine Kleidungskunstwerke herstellt oder Maite, die ihre Ideen in Schachteln steckt, ebenso wie jeden, der einfach mal so ein Lied aus dem Ärmel schütteln kann. Ich würde sowas auch gerne können und ab und zu packt mich halt der Ehrgeiz und ich will auch mal etwas selbst herstellen. Also versuchte ich mich am Strickfilzen. Ich kann stricken und weiß wie man eine Waschmaschine bedient... das sind eigentlich die einzigen Voraussetzungen für das Arbeiten mit Strickfilz. Also hab ich mich hingesetzt und gestrickt und gestrickt und gestrickt und was soll ich sagen? Es war ein Desaster. Das gestrickte Werk zieht sich natürlich beim filzen zusammen. Das war mir klar. Also habe ich die Tasche, die ich machen wollte riesig groß gestrickt. Leider hat sich das Ergebniss in seiner Höhe fast auf ein Drittel reduziert, während es in seiner Breite kaum an Ausmaß eingebüßt hat. Das Ergebniss sah also irgendwie aus, wie ein äußerst verstörender viel zu langer Clutchbag mit Henkel... Ich wollte weinen, habs in die Ecke geschmissen und mir geschworen das mich die Kreativität mal wieder am Arsch lecken kann. Das war letzten Montag. Heute allerdings hat mich die Kreativität schon wieder gepackt. Und nachdem ich in mühevoller Kleinarbeit die Umrisse für ein Wandbild an meine Zimmerwand gekritzelt hab, hab ich mir die verhunzte Tasche geschnappt, dazu eine Schere, Nadel und Faden und hab los gelegt. Das Ergebnis ist vielleicht nicht die schönste Tasche, die es gibt auf dieser Welt, aber für einen motorisch inkontinenten Menschen wie mich absolut respektabel. Und so präsentiere ich euch heute Chrissys erste Filztasche. Klein aber fein.
Die Chancen stehen nicht schlecht, dass das gute Stück nicht lange hält, da ich keine Nähmaschine besitze und mich nur schwerlich an das Nähen mit Hand auf die mittelalterlicheweise erinnere, wie sie uns Frau Fernkorn mal im Textilunterricht beigebracht hat, aber das ist mir gerade einfach mal egal. Ich hab eine Tasche gemacht und zwar durch und durch selber. Wahrscheinlich werde ich damit niemals als Taschendesigner oder sowas berühmt, aber ich bin stolz auf mich. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass das Wandbild ein vergleichbares Erfolgserlebnis wird, wenn es morgen von einer Skizze zum echten Bild wird. Und zwar mit Farbe. Wenn ichs versaue darf ich als mein Zimmer neu streichen und da hab ich keine Lust drauf. Also drückt mir die Däumchen.
Chrissy