Tokyo monogatari

23.03.2006 um 12:11 Uhr

Urheberrecht

von: nortzeh

Verständlicherweise haben die Inhaber geistigen Eigentums und deren Verwertungsindustrie ein Interesse daran, ihr Eigentum gegen Missbrauch zu schützen.

Was in einem Rechtstaat selbstverständlich sein sollte, wird nach der Veröffentlichung des Kabinettentwurfs für die Urheberrechtsnovelle in Frage gestellt. SpiegelOnline meint beispielsweise, das neue Urheberrecht kriminalisiere CD-kopierende Schulkinder und mache Kunden der Musikindustrie zu potientiellen Straftätern.

Der Autor kritisiert weniger die Tatsache, dass Urheberrechtsvergehen tatsächlich geahndet werden. Viel mehr sorgt er sich darum, wie realistisch es ist, einen Straftatbestand mit Strafen zu belegen, der vom Großteil der Bevölkerung nicht als solcher wahrgenommen wird.

Nun ist es mit der Wahrnehmung, auch und gerade wenn es um einen Großteil der Bürger eines Landes geht, eine ziemlich verzwickte Sache. Aufgrund solcher Wahrnehmungen Gesetze zu erlassen ist nicht nur gefährlich, sondern auch ziemlich sinnlos. Einerseits ändern sich Wahrnehmungen. Andererseits muss die öffentliche Wahrnehmung keinesfalls vernünftig sein, geschweige denn die Realität widerspiegeln.

Gesetze sollen sicherstellen dass unsere Gesellschaft funktioniert, deren Regeln beachtet, und, im günstigsten Fall, größtmögliche Freiheiten gewährt werden.

Das neue Urheberrecht stellt, Lobbyistendruck hin oder her, sicher, dass die Umgehung von Kopierschutzmechanismen verfolgt und bestraft werden kann. Ob das Umgehen von Kopierschutzmechanismen, wie von SpiegelOnline behauptet, von breiten Teilen der Bevölkerung als Bagatelle angesehen wird, ist nebensächlich. Wichtig ist allein, dass der millionenfachen Verbreitung über sogenannte Tauschbörsen entgegengetreten werden kann.

Dafür, wie von SpiegelOnline mit dem Verweis auf Frankreich vorgeschlagen, eine Art Bußgeld einzuführen, welches bei Wiederholungstätern enstprechend erhöht wird, ist nicht effektiv, wie der alltägliche Blick in den Straßenverkehr zeigt.

Wir können nichts daran ändern, dass die technologischen Möglichkeiten für millionenfache illegale Verbreitung heutzutage in jedem zweiten Kinderzimmer stehen. Dem kann man mit der Verteilung von Knöllchen nicht entgegenwirken und es schafft, wiederum sei auf den Straßenverkehr verwiesen, eben kein Unrechtsbewußtsein.

Kritisieren kann man lediglich, dass die Sensibilisierung der Bevölkerung allein der unsäglichen "Raubkopierer-sind-Verbrecher"-Kampagne der Unterhaltungsindustrie überlassen wird, während Eltern ob ihrer technologischen Rückständigkeit aus der Verantwortung entlassen werden.

Tatsächlich schaffen es nicht einmal Journalisten, zumindest die richtigen Begriffe zu verwenden. In sogenannten Tauschbörsen wird eben nicht getauscht, sondern geschütztes geistiges Eigentum millionenfach kopiert.

Ob unser Umgang mit geistigem Eigentum sinnvoll ist oder nicht, sei dahingestellt. Aber solange es ein Copyright gibt, muss es auch durchsetzbar sein.

Im übrigen steht es den BürgerInnen frei, die entsprechenden Produkte zu meiden und auf kostenlose und/oder freie Alternativen auszuweichen.